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Schulinspektion: Der Lehrer ist wichtig – Strukturen sind es nicht

HAMBURG. Schulstrukturen? Sind offenbar nicht so wichtig, wie sie mitunter in der politischen Debatte erscheinen. Der einzelne Lehrer macht den Unterschied. Zu diesem Ergebnis kommt die Hamburger Schulinspektion, nachdem sie fast alle Schulen in der Hansestadt überprüft hat. Schulsenator Ties Rabe (SPD) will deshalb nun Pädagogen stärker bei ihrer Arbeit unterstützen.

Mit dem Deutschen Schulpreis werden alljährlich Lehrerleistungen ausgezeichnet, hier ein Foto aus der 2011 ausgezeichneten Heinz-Brandt-Schule, Berlin. Foto: Deutscher Schulpreis, Theodor Barth

Mit dem Deutschen Schulpreis werden alljährlich Lehrerleistungen ausgezeichnet, hier ein Foto aus der 2011 ausgezeichneten Heinz-Brandt-Schule, Berlin. Foto: Deutscher Schulpreis, Theodor Barth

Bei der Qualität des Schulunterrichts kommt es auf den Lehrer an – das ist das Fazit des neuen Jahresberichts der Hamburger Schulinspektion. «Entscheidend ist, ob man Herrn Fritz oder Frau Schmidt im Unterricht hat», sagte Schulsenator Ties Rabe (SPD). “Guter Unterricht ist der Schlüssel für den Bildungserfolg, aber zu oft dem Zufall überlassen. Immer wieder erleben die Schulinspektoren in ein und derselben Schule von Klassentür zu Klassentür mal hervorragenden, mal schlechten Unterricht.”

Bei der neuesten Überprüfungsrunde sei es erstmals geglückt, einen Zusammenhang zwischen Unterrichtsqualität und Abiturnoten nachzuweisen, sagte die Leiterin der Schulinspektion, Martina Diedrich. «Dagegen ist der institutionelle Einfluss der Schulform oder der einzelnen Schule minimal.»

Je nach Qualität des Unterrichts können die Abiturergebnisse der Schüler so um mehrere Punkte schwanken. Das wiesen die Inspektoren anhand ihrer Untersuchung nach. Die Konsequenz aus diesem Ergebnis sieht Rabe darin, Lehrer stärker zu unterstützen, zum Beispiel durch Fortbildungen oder durch Teamarbeit bei der Planung des Unterrichts. Viele Lehrer wollen guten Unterricht machen, «aber es klappt einfach nicht», so Rabe. «Sich gegenseitig zu beraten und den Unterricht zu verbessern – das wird die große Aufgabe sein.»

Dafür müsse dem Unterricht größere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Eine Möglichkeit dazu sieht Rabe in den Lernstandserhebungen «Kermit» (Kompetenzen ermitteln). Dabei werden einmal jährlich Kenntnisse in Deutsch, Mathematik und der ersten Fremdsprache in sechs Jahrgangsstufen ermittelt. «Kermit» diene dazu, Baustellen in der Schule zu identifizieren und Lehrern eine Rückmeldung zu geben, so Rabe. Unterricht werde dann besser, meinte der Schulsenator, wenn Lehrkräfte den Unterricht gemeinsam abstimmen, auswerten und weiterentwickeln würden. Rabe: “Dazu brauchen wir mehr Teamarbeit in der Lehrerschaft, eine sorgfältige Erfolgskontrolle oder `Feedback` und eine bessere Personalentwicklung.”

FDP: “Lehrer von Bürokratie entlasten”

Die Bürgerschaftsfraktion der Linken reagierte mit Kritik auf das Ergebnis: «Die wichtigste Erkenntnis ist wieder, dass für guten oder schlechten Unterricht zu 93 Prozent der Lehrer oder die Lehrerin ausschlaggebend ist. Dafür braucht man keine Schulinspektion», sagte Dora Heyenn, schulpolitische Sprecherin der Linken. Die Konsequenzen, die Rabe aus den Ergebnissen ziehe, wirkten außerdem nicht der Arbeitszeitverdichtung bei den Lehrern entgegen.

Die FDP sieht sich nach dem Ergebnis in ihrer Forderung bestärkt, Lehrkräfte zu entlasten: Sogenannte Schulmanager sollen den Lehrern Bürokratiearbeit abnehmen. «Lehrer sollen zuallererst guten Unterricht gestalten, nicht Formulare abarbeiten», so die bildungspolitische Sprecherin der FDP-Bürgerschaftsfraktion, Anna von Treuenfels.

Die CDU bemängelte, dass Rabe in Zukunft darauf verzichte, die Leistungen der Schüler in die Schulinspektion mit einzubeziehen. «Am Ende kommt es darauf an, was die Kinder können. Daher müssen die Leistungen auch für die Schulinspektion im Fokus stehen», sagte Robert Heinemann, schulpolitischer Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion, in einer Pressemitteilung.

Nach Abschluss der jetzigen Schulinspektion sind fast alle Schulen in Hamburg einmal getestet worden. «Wir wollen die Ergebnisse in Zukunft veröffentlichen», kündigte Rabe an. So gelange die Qualitätsdiskussion zur Schule selbst, zu den Lehrern und zu den Eltern. Die Schulen können zu den Ergebnissen Stellung beziehen, Ergebnis und Stellungnahme werden dann ins Internet gestellt.

Die Bürgerschaftsfraktion der Grünen kritisierte die Veröffentlichung. Rabe gebe damit Daten preis, auf deren Verwendung und Interpretation er keinen Einfluss mehr habe. «Wir befürchten, dass damit die Bemühungen einzelner Schulen konterkariert werden, sich weiter zu verbessern», so Schulpolitikerin Stefanie von Berg. «Die Gefahr einer Stigmatisierung einzelner Schulen kann nicht ausgeschlossen werden.»

Bei der Schulinspektion werden die Leistungen von Schulen bewertet, unter anderem durch Befragungen von Lehrern, Schülern und Eltern und durch Unterrichtsbesuche. Die Inspektion wurde mit dem Schuljahr 2006/2007 eingeführt. Die aktuelle bezieht sich auf das Jahr 2010/2011. In der Stichprobe befanden sich 74 Schulen, darunter Gymnasien, Stadtteil- und Gesamtschulen, Sonderschulen, Grundschulen und berufsbildende Schulen. dpa

(26.2.2013)

Zum Bericht: “Forscher: Frontalunterricht ist besser als sein Ruf”

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