BERLIN. Das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die Handlungsfähigkeit des Staates ist auf einen historischen Tiefstand gesunken. Ausgerechnet der Bildungsbereich bildet dabei eine bemerkenswerte Ausnahme: Lehrkräfte genießen weiterhin ein vergleichsweise hohes Ansehen, und deutlich weniger Menschen als noch vor einigen Jahren halten den Staat in der Schul- und Bildungspolitik für überfordert. Insgesamt jedoch sehen fast vier von fünf Befragten den Staat angesichts seiner Aufgaben am Limit. Der Beamtenbund dbb spricht deshalb von einer Gefahr für die Demokratie.

79 Prozent der Bürgerinnen und Bürger in Deutschland meinen laut der vom Institut Forsa durchgeführten Umfrage, der Staat sei angesichts der Fülle seiner Aufgaben und Probleme überfordert. Etwas höheres Vertrauen in die Handlungsfähigkeit des Staates haben Beamtinnen und Beamte, von denen 36 Prozent Vertrauen in die Handlungsfähigkeit des Staates aufweisen.
Auch nach Parteipräferenz wurde unterschieden: Mehr Vertrauen in den Staat haben die Anhänger von Union (38 Prozent), SPD (33 Prozent) und Grünen (26 Prozent). Ein geringeres Vertrauen haben Anhänger der Linken (14 Prozent), vor allem aber der AfD (2 Prozent).
dbb-Chef Volker Geyer nannte die Ergebnisse «eine Katastrophe und einen Weckruf». Geyer sagte: «Das ist extrem alarmierend. So kann und darf das nicht weitergehen. Und ein solcher Vertrauensverlust ist eine Gefahr für unsere Demokratie.»
Lehrkräfte genießen weiter hohes Ansehen
Der Vertrauensverlust in den Staat schlägt sich allerdings nicht gleichermaßen auf alle Berufsgruppen des öffentlichen Dienstes nieder. Lehrerinnen und Lehrer genießen nach wie vor vergleichsweise hohes Ansehen: 63 Prozent der Befragten geben an, ihnen persönlich ein hohes oder sehr hohes Ansehen entgegenzubringen – praktisch unverändert gegenüber der ersten dbb-Bürgerbefragung im Jahr 2007. Deutlich schlechter fällt das Bild bei (getrennt erfassten) Studienrätinnen und Studienräten aus. Ihnen bescheinigen nur noch 37 Prozent ein hohes Ansehen; 2007 waren es noch 53 Prozent.
Auch Erzieherinnen und Erzieher schneiden mit 77 Prozent sehr gut ab. Im Gesamtranking liegen Feuerwehrleute (94 Prozent), Krankenpflegekräfte (91 Prozent), Altenpflegekräfte (88 Prozent) sowie Ärztinnen und Ärzte (84 Prozent) an der Spitze. Beamtinnen und Beamte insgesamt erreichen dagegen lediglich 33 Prozent Zustimmung. Das geringste Ansehen genießen Politikerinnen und Politiker (7 Prozent).
Wie bereits in den Vorjahren werden Beamtinnen und Beamte am ehesten als verantwortungs- und pflichtbewusst (57 Prozent) sowie zuverlässig (51 Prozent) wahrgenommen. 45 Prozent halten sie für kompetent, 41 Prozent für hilfsbereit und 37 Prozent für unbestechlich. Als unbeweglich gelten sie allerdings weiterhin: Flexibilität schreiben ihnen lediglich elf Prozent der Befragten zu. Von den negativen Eigenschaften wird Beamten am häufigsten Sturheit (40 Prozent), gefolgt von Mürrischkeit (33 Prozent) und Arroganz (31 Prozent) zugeschrieben. Im Vergleich zum Vorjahr werden ihnen positive Eigenschaften allerdings etwas seltener attestiert – parallel zum allgemeinen Vertrauensverlust in die Handlungsfähigkeit des Staates.
Wo die Bürger den Staat für überfordert halten
Nach einzelnen Bereichen gefragt, halten weniger Bürgerinnen und Bürger den Staat für überfordert. In einem Bereich hat das Vertrauen sogar deutlich zugenommen: Bei Asyl- und Flüchtlingspolitik halten den Staat nur noch 16 Prozent für überfordert (2025: 30 Prozent). Geyer wertete dies vor allem als eine positive Folge des restriktiven Asylkurses unter Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU). 26 Prozent sehen den Staat überfordert in den Bereichen soziale Sicherungssysteme und Rente, 18 Prozent bei Steuern und Finanzen. Nur 2 Prozent halten den Staat etwa bei der Kinderbetreuung für überfordert, 6 Prozent bei der Verteidigung und 10 Prozent im Bereich Infrastruktur.
Auch im Bildungsbereich hat sich die Wahrnehmung verbessert. Nur noch 14 Prozent der Befragten halten den Staat bei Schule und Bildungspolitik für überfordert. 2019 waren es noch 24 Prozent.
Wie Vertrauensverlust erklärt wird
Manfred Güllner vom Institut Forsa, das mehr als 2.000 Bürgerinnen und Bürger repräsentativ befragt hatte, erläuterte, bei der in den Zahlen ausgedrückten Erosion des Vertrauens in den Staat allgemein gehe es um eine «generelle Einschätzung der Handlungsfähigkeit».
Güllner machte Unzufriedenheit mit den wechselnden Regierungen für den Vertrauensverlust in den Staat generell mitverantwortlich. Er sagte, «dass einfach aufgrund der allgemeinen Rahmenbedingungen und der Unzufriedenheit mit der Ampelregierung, auch mit der Merz-Regierung, jetzt der Eindruck entstand, dass der Staat eben seine Aufgaben nicht mehr erfüllen kann».
Auch Geyer sieht die Bundesregierung am Zug. Der Verbandschef forderte Reformen, die sich positiv auf das Leben der Menschen auswirkten «und dafür sorgen, dass der Staat wieder besser funktioniert». Er betonte, dass Beschäftigte des öffentlichen Dienstes trotz des Vertrauensverlustes in den Staat weiter ein hohes Ansehen genössen. Verbesserungen seien vor allem bei sozialen Sicherungssystemen und Rente wichtig, bei wirtschaftlicher Entwicklung und Arbeitsplatz-Sicherheit sowie bei Straßen- und Schienen-Infrastruktur.
Bürger geben Ministerien Note 4 – Schulen eine Drei minus
Auch Schulnoten von eins bis sechs sollten die Befragten verteilen: Gute Werte erhalten Müllabfuhr und Straßenreinigung (1,9), Bibliotheken (2,0) sowie Museen (2,1). Bundesministerien kommen dagegen lediglich auf die Note 4,2, Landesministerien auf 3,8 und Arbeitsagenturen auf 3,7. Für den Stand der Digitalisierung von Staat und öffentlicher Verwaltung vergeben die Befragten die Note 4. Schulen bewerten sie im Durchschnitt mit der Note 3,3. News4teachers / mit Material der dpa










Soweit ich weiß sind StudienrätInnen auch Lehrkräfte.
Gerne dem dbb so mitteilen – er lässt fragen, wie er fragen lässt. Herzliche Grüße Die Redaktion
Ich wundere mich nur.
Dürfen Sie. Herzliche Grüße Die Redaktion
…mimiiimiii!
Für den dbb nicht…Aber wer so fragt, muss auch mit dem Ergebnis leben können. Es würde mich nicht wundern, wenn dahinter die Hoffnung stand, erkennbar verbeamtete Lehrkräfte würden mehr Ansehen genießen.
Das verursacht schon ein leichtes Grinsen bzgl. Selbst- und Fremdbild…
Studienräte bringen die meisten Leute vermutlich eher mit Gymnasium in Verbindung, Lehrerin eher mit Grundschule.
Der Anteil von StudienrätInnen ist in Bayern an Grund- und Realschule am höchsten.
BY hat den gehobenen Dienst im Lehramt wann abgeschafft?
Die Verbeamtung macht aus einer Lehrerin nicht zwangsläufig eine StR‘.
In Bayern sind fast alle Lehrkräfte verbeamtet und StudienrätInnen. Nur wenige sind es nicht. Außerdem wissen doch die Eltern meist gar nicht, ob die Lehrkraft, die ihre Kinder unterrichtet verbeamtet sind oder nicht.
GS und Mittelschule haben keine Planstellen für Ratingen.
Rätinnen – Ratingen liegt in NRW vor den Toren der Landeshauptstadt. Bekanntester POV ist das Breitscheider Kreuz.
Bis zum Jahr 2028 sollen alle Grund- und Mittelschullehrkräfte A13 erhalten und sind damit StudienrätInnen
Als Beamtinnen des höheren Dienstes oder als Beamtinnen des gehobenen Dienstes im Übergangsamt analog zu Oberamtsrärinnen?
Oh, wie oft habe ich in den letzten Wochen vor den Ferien den jungen Kollegen den Begriff „Übergangsamt“ erklärt 😉 … und dann in erstaunte Gesichter geblickt.
Ja, so kann man auch mit kleinen Sachen, anderen eine große Freude machen:)
Der Witz an der Sache ist aber in meinem Fall gewesen, dass ich das als „nicht-grundständige“ Lehrkraft, die im Eingangsamt mit E11 tarifiziert war, nicht einmal hätte wissen müssen.
Wenn Sie Ihre jungen Kolleg*innen noch weiter verblüffen wollen, dann erzählen Sie denen auch noch, dass es keine Sprungbeförderung gibt, und dass sie bei Übernahme einer Funktionsstelle, deren Inhaber*in in ATZ geht, das Beförderungsamt zu ihrer aktuellen Besoldung einnehmen müssen, bis der ATZler offiziell in den Ruhestand versetzt wird. Bei einer leitungsstelle geht zunächst nur die Zulage auf den neuen Amtsinhaber über.
Für NRW ist dann noch interessant, dass Lehrkräfte im Übergangsamt keinen Anspruch auf die ratszulage haben. Tja, die Landesbesoldungsordnung, ein Hort unendlicher Überraschungen:)
Man ist doch nicht zwingend Studienrat, nur weil man A13 erhält. Es kommt doch darauf an, in welcher Laufbahngruppe sich das Amt befindet und darum geht es dem DBB anscheinend, denn auf der Ernennungsurkunde steht dann entweder die Amtsbezeichnung Lehrer oder Studienrat. Also ist das juristisch betrachtet völlig korrekt.
Die Ernennung aller A13 Lehrkräfte zu Studienräten hat bisher lediglich Hamburg vollzogen. Ob Bayern das 2028 tatsächlich tun wird, wage ich zu bezweifeln.
Bis jetzt sind ca. 10% der Lehrer an GS und MS in Bayern Studienräte. Ob 2028 alle auch zum Studienrat erhoben werden ist mir noch nicht bekannt…
Wie, die Bayern drucken Zeugnisse ohne Dienstbezeichnung der unterzeichneten Lehrkraft?
Doch! Auch die Bayern schreiben die Dienstbezeichnungen der Lehrer auf das Zeugnis. Glaube aber nicht, dass Eltern das so genau lesen und vielen ist auch der Unterschied (sowohl der Bezeichnung als auch des Gehalts) nicht bekannt.
Jedem Schüler würden Sie jetzt sagen, dass Glauben Nichtwissen heißt.
? Verbeamtet als Lehrkraft oder A13 bedeuten nicht automatisch, dass man Studienrätin ist.
In SH sind nur Sek-II-Lehrkräfte Studienrät*innen.
Auch in der Vergangenheit war es nicht anders. Förder- und Realschullehrkräfte wurden schon immer nach A13 vergütet, der Unterschied zu Studienrät*innen ist immer die fehlende Aufstiegschance gewesen. Während Studienrät*innen zu Oberstudienrät*innen befördert werden können, ist das in den anderen Gruppen so nie möglich gewesen. Allerdings kann man aufsteigen, indem man den Weg über eine Funktionsstelle geht, welche jedoch selten sind.
Der Wikipedia-Artikel dazu ist schwammig, da dort steht, dass es Studienrät*innen auch an anderen Schultypen gibt. („Es gibt Studienräte nicht nur an Gymnasien, sondern auch an Realschulen, an Mittelschulen (in Bayern[2]), an Gesamtschulen, an Sekundarschulen, an Förderschulen, an berufsbildenden Schulen, an Weiterbildungskollegs, an Grundschulen (in Bayern[2] und Sachsen[3]), an wissenschaftlichen Einrichtungen der Länder, an Förderzentren und in mehreren Bundesländern auch den „Studienrat im Hochschuldienst“, der zum akademischen Mittelbau an Universitäten zählt.“)
Das aber ist ja kein Problem, denn „nach unten“ geht immer. Umgekehrt ist der Knackpunkt. Nur in Ausnahmefällen können Nicht-Studienrät*innen das Abitur abnehmen.
Woher sollen die Leute wissen, wer angestellt und wer verbeamtet ist? Ich nehme einmal an, dass sie generell an Beamte denken, weil das im Westen für Lehrpersonen früher die Regel war.
Die Amtsbezeichnung steht doch bei Klassenlehrern auf dem Zeugnis.
Nö, steht nicht drauf, weil wir in OWL und von der SL ausdrücklich dazu aufgefordert werden lediglich mit dem Nachnamen zu unterschreiben – ausdrücklich ohne Amtsbezeichnung.
Ich weiß, ich habe ganz im Westen von „ohne wirkliche Lichtblicke“ unterrichtet, als SchILD-Kröte rumdiletiert und Zeugnisse ausgedruckt.
Ei, …da sin
mer doch froh, wenn `mer koi sinn (Studienräte)! Deren Bewertung ist schließlich schlechter… (Ironie off!)Rätin, bitte nicht mit der Rättin von Grass verwechseln.
Koi = Zierkarpfen.
Kenn ich eigentlich nur von der britischen Army, dass Regimentsmaskotchen militärische Ränge ehrenhalber besitzen.
Klatschen vom Balkon
Nein, für die Lehrer (und Studienräte) hat keiner geklatscht. Das waren die Krankenpfleger, die wurden beklatscht.
Die Lehrer (und Studienräte) wurden gehasst, als die Schulen geschlossen waren. Von denselben Leuten, die sofort ins Homeoffice geflüchtet sind und da teilweise immer noch sitzen, da Pendeln und Büroarbeit ja mittlerweile „unzumutbar“ sind…
Vielleicht wird es ja in diesem Jahr mal was mit dem Klatschen für die Lehrer. Am 5. Oktober ist ja, wie schon seit vielen Jahren, der Internationale Weltlehrertag. In den letzten Jahren hat man davon in DE so gut wie nichts bemerkt. Aber in diesem Jahr wird sicherlich ganz groß gefeiert und die Lehrer werden angemessen von Politik und Medien gewürdigt. 🙂
Warum ein Weltlehrertag? | GEW – Die Bildungsgewerkschaft
Lehrkräfte sollen an diesem Tag Mahnwache vor der Schule stehen, damit kein Schüler auf eine dumme Berufsidee kommt…
Jepp, das muss reichen!!!
Aber nicht in die eigenen Hände sondern in die Fresse der Gegenüber
Glatzenklatschen hieß das früher.
Ich verstehe auch nicht, warum altbewährte Gepflogenheiten so nach und nach aus der Mode gekommen sind.
Wenn ich hier im Forum lese, wie sich manche Gymnasiallehrkräfte so äußern, muss man sich leider nicht wundern, dass (vermutlich als gymnasial gelesene) Studienräte ein deutlich schlechteres Ansehen haben als die (vermutlich eher als nicht-gymnasial gelesenen) Lehrer.
Vllt möchte ich als spätberufener StR auch als Mensch gelesen werden und nicht über den Vorurteilskamm einiger engstirniger und unzulässig verallgemeinernder Sozialneider geschert werden.
Geschoren?
Bischen Klugscheißen als tarifbeschäftigte, ehemalige Lehrkraft in der Laufbahngruppe II, erstes Einstiegsamt muss einfach sein.
@dickebank
Wen schert das? 😉
@dickebank
Und dann wäre da noch „Klugscheißen für Fortgeschrittene“:
https://www.duden.de/rechtschreibung/bisschen
😉
Grammatik vor Orthogravieh