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Schwule und Lesben fordern mehr Aufklärung in Schulen

BERLIN. Homosexuellen-Verbände wollen, dass Lehrer sogenannte Regenbogenfamilien und sexuelle Identitäten im Unterricht thematisieren – insbesondere bei den Grünen in Baden-Württemberg rennen sie damit offene Türen ein.

Die Regenbogenflagge ist Symbol des Kampfes für Gleichberechtigung Homosexueller. Foto. Benson Kua / Wikimedia Commons (CC BY-SA 2.0)

Die Regenbogenflagge ist Symbol des Kampfes für Gleichberechtigung Homosexueller. Foto. Benson Kua / Wikimedia Commons (CC BY-SA 2.0)

Mit der Machtübernahme von Winfried Kretschmann vor gut zwei Jahren kam Farbe ins Ländle. Der erste grüne Ministerpräsident hisste bei einem Empfang für Schwule und Lesben zum Christopher Street Day die Regenbogenflagge – Symbol des Kampfes für Gleichberechtigung – an seinem Amtssitz, der Villa Reitzenstein. Neuer Wind im Südwesten?

Dass sich für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender, Trans-, Intersexuelle und Queere (LSBTTIQ) unter Grünen und SPD im Vergleich zu sämtlichen Vorgängerregierungen mit konservativer CDU-Führung einiges ändern würde, war erwartbar. Ziemlich zügig nach dem Regierungswechsel öffnete Baden-Württemberg als letztes Bundesland seine Standesämter für homosexuelle Paare. Dem Prozedere, eingetragene Lebenspartnerschaften in Hinterzimmern der bis dato zuständigen Landratsämter beurkunden zu lassen, war ein Ende gesetzt.

Dann stellten alle vier Fraktionen im Landtag schwule und lesbische Beamte ihren heterosexuellen Kollegen gleich: dieselben Rechte und mehr Geld. Inzwischen arbeitet Sozialministerin Katrin Altpeter (SPD) mit der LSBTTIQ-Gemeinde an einem Aktionsplan für Toleranz und Gleichstellung. Und auch auf Bundesebene macht sich das Kretschmann-Kabinett für die Interessen der Community stark. «Wir sind noch lange nicht am Ende unseres Weges», sagt Altpeter.

Während die Szene Altpeter lobt, stehen vor allem Kultusminister Stoch (SPD) und die Bildungspolitik in der Kritik. «Wir sind skeptisch, ob es da echte Änderungen gibt», sagt etwa Brigitte Aichele-Frölich aus dem Südwest-Landesvorstand des Lesben- und Schwulenverbands in Deutschland (LSVD). Vor allem geht es um den Bildungsplan. Antidiskriminierung soll stärker an Schulen thematisiert, Regenbogenfamilien und sexuelle Identitäten sollen in Schulbüchern und im Unterricht ausdrücklich genannt werden. «Dazu müssen Lehrer Fortbildungen machen, damit sie nicht nur von Vielfalt allgemein sprechen», fordert Aichele-Frölich.

Es geht aber auch um den Minister persönlich: «Wir haben Stoch schon mehrfach angefragt, aber bekommen keinen Termin», moniert die LSVD-Vorstandsfrau. Bei seiner Vorgängerin, der geschassten Gabriele Warminski-Leitheußer (SPD), sei das anders gewesen. «Da hatten wir das Gefühl, dass sie offener war.» Stoch agiere eher «halbherzig».

Die Ergebnisse einer Studie zur Akzeptanz sexueller Vielfalt an Berliner Schulen im Auftrag der Senatsverwaltung legen laut „Tagesspiegel“ nahe, dass Homosexualität an Schulen tatsächlich immer noch ein Tabu ist – jedenfalls dann, sobald es um die eigenen Schüler und Lehrer geht. Nur fünf Prozent der befragten Sechstklässlerinnen gaben an, eine lesbische oder bisexuelle Lehrerin zu kennen. Sieben Prozent wussten von einem schwulen oder bisexuellen Lehrer an ihrer Schule. Bei Neunt- und Zehntklässlern waren es 14 beziehungsweise 28 Prozent. Die große Mehrheit der befragten Lehrer kannte keine homosexuellen Schüler oder war sich sogar sicher, keine homosexuellen Schüler zu haben. Schätzungen zufolge sind fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung homosexuell, das entspricht mindestens einem Kind pro Klasse.

Die Mehrheit der Jugendlichen erlebe nach einem Outing homophobe Beschimpfungen oder körperlicher Gewalt, so zitiert der „Tagesspiegel“ Yan Feuge von der Bildungsinitiative Queerformat, die Schulen zu Themen geschlechtlicher und sexueller Vielfalt weiterbilde. Diese Jugendlichen seien stärker suizidgefährdet und anfälliger für Schulverweigerung und Drogenabhängigkeit. Ihre Probleme würden aber häufig übersehen. „Ich rede auch nicht über mein Privatleben“, hört sie oft in ihren Fortbildungen für Lehrer. Heterosexuelle würden oft übersehen, wie selbstverständlich sie sich durch kleine Bemerkungen als heterosexuell zu erkennen geben. Sie erzählten zum Beispiel, wie sie ihre Freizeit und Feiertage verbrächten. „Berufs- und Privatleben lassen sich nicht gänzlich trennen“, sagt Feuge, immer schwängen die eigenen Lebensentwürfe und Wertvorstellungen mit. Eine offen homosexuelle Lehrerin könne zeigen, so zitiert das Blatt den Experten, „dass dieser Lebensentwurf lebbar, dass man nicht ein Leben lang unglücklich ist.“ Dazu brauche es das entsprechende Schulklima.

 

Ein Kommentar

  1. demnächst wird in bw keine(r) mehr lehrer(in) werden können, wenn sie/er nicht mindest 5 jahre lang an allen möglichen love-paraden teilgenommen haben. viele bei rot grün und die in den im bericht gennannten kennen halt nur bruderküssen aus sowjet, ddr und maozeiten. das prägt. eigentlich ist es mir egal, wer wann mit wem und wann und wo. aber tagtäglich das ganze getue in presse, tv rundfunk, film. man könnte meinen , wenn man selbst mit dieser veranlagung nicht „gesegnet“ ist, oder zumindest so gute superfreunde/freundinnen hat, würde man am ende nur halb gelebt haben. die welt hat sonst keine probleme. schöne zeit

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