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Philologenverband fürchtet Zerschlagung der Gymnasien im Südwesten

STUTTGART. Erst im Jahr 2016 sollen Baden-Württembergs Gymnasien einen neuen Bildungsplan bekommen, ein Jahr später als die anderen Schulformen. Der Philologenverband vermutet, dass es gar keinen echten G8-Lehrplan geben soll. Das Kultusministerium spricht von gezielter Verunsicherung.

Die Gymnasiallehrer in Baden-Württemberg befürchten, dass Grün-Rot für ihre Schulart gar keinen echten G8-Lehrplan vorsieht. «Die Erprobung der Lehrpläne für eine sechsjährige Sekundarstufe auch an achtjährigen Gymnasien lässt uns vermuten, dass das Gymnasium zumindest in den Eingangsklassen der Gemeinschaftsschule gleichgeschaltet werden soll», sagte der Landeschef des Philologenverbands Bernd Saur. Grün-Rot habe aber versprochen, es werde einen eigenständigen Bildungsplan für das Gymnasium geben.

Zwar werde in Baden-Württemberg das Zwei-Säulen-Modell propagiert. Aber die eine Säule Gymnasium drohe neben der Gemeinschaftsschule zerschlagen zu werden, klagt der Philologenverband. Foto: eli.pousson / flickr (CC BY-SA 2.0)

Zwar werde in Baden-Württemberg das Zwei-Säulen-Modell propagiert. Aber die eine Säule Gymnasium drohe neben der Gemeinschaftsschule zerschlagen zu werden, klagt der Philologenverband. Foto: eli.pousson / flickr (CC BY-SA 2.0)

Derzeit erproben einige Gymnasien in den Klassen 5 und 6 den Bildungsplan mit Standards für Haupt-, Werkreal-, Real- und Gemeinschaftsschule. Nach Auffassung des Englischlehrers aus Ulm droht das Gymnasium zugunsten erhöhter Durchlässigkeit zwischen den Schularten erheblich geschwächt zu werden.

Ein Sprecher des Kultusministeriums erklärte am Sonntag: «Es wird selbstverständlich einen eigenständigen Bildungsplan für die G8-Gymnasien durchgängig ab Klasse 5 geben.» Das Niveau des Gymnasiums und des Abiturs stehe nirgends infrage. Die Klassen 5 und 6 bildeten aber – wie bisher auch – eine Orientierungsstufe, in der eine Durchlässigkeit zu anderen Schularten möglich sein müsse.

Saur kenne den Gesamtprozess als Mitglied des Beirats für den Bildungsplan ganz genau, sagte der Ministeriumssprecher. «Es ist sehr schade, dass der Philologenverband hier wider besseren Wissens versucht, die Eltern und Lehrer zu verunsichern.»

Wenn die G8-typische Vertiefung erst in Klasse 7 beginne, stelle das für die zu diesem Zeitpunkt schon pubertierenden Schüler eine zu hohe Belastung dar, sagte Saur. Gerade in den Klassen 7 bis 9 sei auch die Stundenzahl besonders hoch. Saur: «Das ist den Jugendlichen nicht zumutbar.» Die Sekundarstufe I an G8-Gymnasien umfasst seinen Angaben zufolge inhaltlich die fünf Schuljahre von der fünften bis zur neunten Klasse, auf die der Stoff gleichmäßig verteilt werden solle. In der Gemeinschaftsschule und in den neunjährigen Gymnasialzügen sind es hingegen sechs Schuljahre.

Das Kultusministerium arbeitet derzeit an einer Reform der seit 2004 geltenden Bildungspläne, um neue pädagogische und wissenschaftliche Erkenntnisse aufzugreifen. Während die anderen Schularten bereits 2015 mit den neuen Standards versorgt werden sollen, erhält das Gymnasium – zu Saurs Ärger – seinen Bildungsplan erst 2016. FDP-Generalsekretär Patrick Meinhardt kritisierte die Verschiebung und sagte: «Ein Bildungsland wie Baden-Württemberg kann es sich nicht leisten, dass eine zentral wichtige Schulart wie die Gymnasien so stiefmütterlich behandelt wird.»

FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke schenkt dem Bekunden aus dem Ministerium unterdessen keinen Glauben: «Es ist das Ziel dieser Regierung, das Gymnasium zu vernichten, um es als Konkurrenten der Gemeinschaftsschule auszuschalten.» Da sei es nicht verwunderlich, dass Grün-Rot dem G8 keinen eigenständigen Lehrplan zugestehe. (Julia Giertz, dpa)

zum Bericht: Wirbt Kretschmann vergeblich? CDU lehnt Schulfrieden ab

Ein Kommentar

  1. Das Myterium will wissenschaftliche Erkenntnisse aufgreifen? Das ist mein ganz persönlicher Witz des Jahres. Hahahaha

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