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Rabe will Hamburgs Gymnasiasten entlasten

HAMBURG. Verbindliche Wochenstunden, weniger Hausaufgaben und entzerrte Klausurtermine. Mit diesen Maßnahmen will Bildungssenator Thies Rabe den hansestädtischen Gymnasiasten den Schulalltag erleichtern. Mit der Turbo-Abi-Debatte habe dies aber nichts zu tun. G8-Gegner sehen in den geplanten Maßnahmen trotzdem einen „Akt der Verzweiflung“.

Einen Tag nach dem Auftritt von bundesweit nahezu allen Initiativen zur Rückkehr zum Abitur nach neun Jahren (G9) in Berlin hat Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD) den G8-Gymnasiasten der Hansestadt Erleichterungen versprochen. Er kündigte an, dass für alle Gymnasien verbindlich festgelegt werden soll, wie viele Wochenstunden die Schüler in den jeweiligen Jahrgängen künftig haben werden. Außerdem soll die Zahl der Hausaufgaben in den Kernfächern auf eine pro Woche und in den Nebenfächern auf eine alle zwei Wochen begrenzt sowie die Termine für die Klausuren entzerrt werden. Umgesetzt werden sollen die Pläne nach Zustimmung der Bürgerschaft zum kommenden Schuljahr 2014/2015.

Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD) verspricht den Gymnasiasten der Hansestadt Erleichterungen . Mit der aktuellen G8-Debatte habe das aber nichts zu tun. Foto: Michael Zapf / Behörde für Schule und Berufsbildung/www.hamburg.de

Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD) verspricht den Gymnasiasten der Hansestadt Erleichterungen . Mit der aktuellen G8-Debatte habe das aber nichts zu tun. Foto: Michael Zapf / Behörde für Schule und Berufsbildung/www.hamburg.de

Rabe betonte, die Vorschläge hätten nichts mit der Hamburger Initiative «G9-Jetzt-HH» zur Rückkehr zum Abitur nach neun Jahren zu tun. «Hierbei handelt es sich nicht um Teile eines großen taktischen Spiels rund um die Frage G8, G9», sagte er. Gleichwohl wolle er die Vorschläge mit allen Beteiligten diskutieren.

In Berlin hatte sich am Donnerstag ein Bündnis von Eltern, Schülern, Lehrern, Ärzten und Psychotherapeuten für die Rückkehr zu einer 13-jährigen Schulzeit bis zum Abitur stark gemacht. Das «Turbo-Abi» führe zu mehr Stress, mache mehr Schüler krank, hieß es. In Hamburg können die Schüler ihr Abitur entweder an Gymnasien nach acht Jahren oder an Stadtteilschulen nach neun Jahren ablegen.

Initiativensprecherin Mareile Kirsch nannte Rabes Vorschläge einen Akt der Verzweiflung und «Last-Minute Entlastungen» auf dem Rücken der Bildungsqualität. «Nach 12 Jahren Erfahrungen mit den negativen Folgen des G8 für die Qualität von Bildung und für Lebensqualität ihrer Kinder außerhalb von Schule, wissen Eltern: Das G8 ist nicht zu retten», erklärte Kirsch. Die CDU-Schulexpertin Karin Prien sprach von einer kleinteiligen Reglementierung, mit der niemandem geholfen sei. Nach Ansicht der FDP-Opposition wiederum verbreitet Rabe Selbstverständliches auf Kosten der Selbstverantwortung der Schulen.

Rabe sagte, an der Gesamtzahl der Wochenstunden an Gymnasien ändere sich nichts. Laut einem Beschluss der Kultusministerkonferenz muss jeder Schüler in den acht Jahren bis zum Abitur mindestens 265 Wochenstunden absolvieren. Anders als bisher will Rabe nun aber die Verteilung verbindlich regeln. So soll die Zahl der Wochenstunden künftig in den fünften Klassen bei 30, in den sechsten Klassen bei 31 und ab den siebten Klassen bei 34 liegen. Abweichungen soll es nur für jene Schüler geben, die freiwillig zusätzlichen Unterricht etwa für eine dritte Fremdsprache in Anspruch nehmen.

Die geplanten Regelungen zu den Hausaufgaben seien noch veränderbar, sagte Rabe. So soll es zwar in den Kernfächern Deutsch, Englisch und Mathematik nur noch einmal pro Woche eine Hausaufgabe geben, in den Nebenfächern sogar nur noch eine alle 14 Tage. Der Umfang der Arbeiten sei aber noch offen und diskutabel. Gleiches gelte für die Klausuren, von denen Gymnasiasten pro Jahr zwischen 25 und 30 schreiben. Nach den Vorstellungen des Schulsenators sollen sich diese nicht mehr in wenigen Wochen ballen, sondern so verteilt werden, dass die Schüler nie mehr als zwei Prüfungen pro Woche bestehen müssen.

Zudem sollen Eltern und Schüler spätestens zehn Tage nach Beginn des neuen Schuljahres einen Plan mit sämtlichen Prüfungsterminen in die Hand bekommen. (dpa)

zum Bericht: “Gute Nacht G8!” – Bundesweit formieren sich Initiativen gegen das “Turbo-Abi“

2 Kommentare

  1. Rote lernplanwirtschaft. Regeln statt Pädagogik. Lehrer als Regelerfüller.

  2. einfache Lösung: nur noch 1 Hausaufgabe! Das wird das Lernen sehr vereinfachen. Wir kommen der klassenlosen Gesellschaft näher.

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