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Kultusminister Stoch entscheidet bald über geistig behinderten Jungen am Gymnasium

STUTTGART. Die Inklusion ist ein Megaprojekt, das zahlreiche Fragen aufwirft. Eine wichtige muss Kultusminister Stoch muss schon bald beantworten. Sie lautet: Dürfen geistig behinderte Schüler auch aufs Gymnasium gehen?

Kultusminister Andreas Stoch (SPD) hat eine zügige Entscheidung zu der Aufnahme eines geistig behinderten Jungen an einem Walldorfer Gymnasium angekündigt. «Die Entscheidung werde wahrscheinlich ich treffen müssen und wahrscheinlich bald», sagte er in Stuttgart. Im Allgemeinen stehe für ihn fest: «Inklusion ist Thema aller Schulen und Schularten.»

Eine Mutter aus Walldorf (Rhein-Neckar-Kreis) will für ihren Sohn mit Down-Syndrom einen Platz am Gymnasium erkämpfen. Die Schule lehnt es bislang ab, einen Schulversuch einzurichten, der ein anderes Ziel des Unterrichts als das Abitur zulässt. Ein solcher zieldifferenzierter Unterricht brauche die erforderliche Sach- und Personalausstattung und ein Klima der Offenheit an der Schule, meinte Stoch. Inklusion könne nicht nur an der Grundschule und an der Gemeinschaftsschule stattfinden. An den Gemeinschaftsschulen im Land lernen schon 600 Schüler mit Behinderung.

Endlich mal wieder ein Grund zur Freude: Baden-Württembergs Kultusminister Stoch. Foto: SPD-Fraktion im Landtag Baden-Württemberg

Die Inklusion fordert ihn: Baden-Württembergs Kultusminister Stoch. Foto: SPD-Fraktion im Landtag Baden-Württemberg

Die von ihm genannten 4000 zusätzlichen Lehrerstellen für die Inklusion seien eine überschlägige Berechnung. «Meine Glaskugel ist angelaufen», fügte er mit Blick auf Unwägbarkeiten wie den Bedarf und die konkrete Ausgestaltung der Inklusion hinzu. Wichtiger als über Zahlen im Endausbau zu sprechen, seien die ersten Schritte vor der Schulgesetzänderung für das Schuljahr 2015/16. Er wolle eher über Qualität der Inklusion statt über die Ressourcen diskutieren.

Allerdings sei glasklar: «Ein so ambitioniertes Projekt kann nicht finanzneutral dargestellt werden.» Damit gebe es zwei Möglichkeiten: den Bedarf aus dem System zu decken oder mit Mitteln des Bundes, der seiner Verantwortung nach der Unterzeichnung der UN-Behindertenrechtskonvention gerecht werden müsse.

Zugleich warnte SPD-Fraktionschef Claus Schmiedel die Grünen, den Stellenbedarf für Inklusion an Schulen herunterzurechnen. «Wir unterstützen den Kultusminister nachdrücklich, wenn er für das nächste Schuljahr 200 zusätzliche Sonderpädagogen einfordert», sagte er in Stuttgart.

Die «Stuttgarter Zeitung» und die «Stuttgarter Nachrichten» hatten berichtet, die Grünen hielten den Bedarf für zu hoch und für nicht nachvollziehbar. Die SPD bedauere, dass die Grünen das Thema Inklusion zerredeten und den Eindruck erweckten, als sei die Inklusion für ein «Appel und Ei» zu haben, sagte Schmiedel. dpa

2 Kommentare

  1. Liebe Elke, Ihr Beispiel greift zu kurz, weil Henris Eltern von sich aus bereits wissen, dass ihr Sohn niemals das Abitur wird schaffen können. Und aus dem Grund — nicht wegen der Behinderung — hat er aus meiner Sicht auf einem Gymnasium nichts zu suchen.

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