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Akademisierungswahn? OECD macht sich mit Statistiken lächerlich

LONDON. Selten hat sich eine internationale Großorganisation mit der Interpretation von Statistiken so lächerlich gemacht wie heute die OECD. Deutschland wurde in London von Vertretern der Industrieländervereinigung getadelt und gelobt – für Studien, die aus unterschiedlicher Perspektive ein und denselben Zusammenhang beleuchten.

Die OECD kritisiert Deutschland dafür, dass die Akademisierungsquote zu niedrig sei - lobt Deutschland aber für seine niedrige Jugendarbeitslosigkeit. Foto: Ralph and Jenny / Flickr (CC BY 2.0)

Die OECD kritisiert Deutschland dafür, dass die Akademisierungsquote zu niedrig sei – lobt Deutschland aber für seine niedrige Jugendarbeitslosigkeit. Foto: Ralph and Jenny / Flickr (CC BY 2.0)

Einerseits nämlich wird die Bundesrepublik dafür kritisiert, dass die Akademisierungsrate, der Anteil von Hochschul-Absolventen an der jüngeren Gesamtbevölkerung also, im internationalen Vergleich deutlich zurückliegt. Andererseits bekam Deutschland Lob dafür, dass die Arbeitslosigkeit unter 20- bis 24-Jährigen so niedrig ist wie in kaum einen anderen OECD-Staat. Dass die deutsche Besonderheit der dualen Ausbildung für beide Effekte ursächlich ist, dies scheint den Ökonomen der Organisation unbekannt zu sein.

Etwa ein Viertel der 25- bis 34-Jährigen erreicht in Deutschland nach aktuellen Daten einen akademischen Abschluss. Andere Länder haben ihre Unis in den vergangenen Jahren weitaus stärker geöffnet, wie die aktuellen Zahlen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zeigen. Im OECD-Schnitt sind es mittlerweile 40 Prozent der jüngeren Erwachsenen, die einen Studienabschluss erreichen. Bei der Akademisierungsrate liegt Deutschland also weit zurück, schlussfolgert der Bericht. Die OECD hat immer wieder kritisiert, dass Deutschland beim Anteil der Hochqualifizierten den Anschluss zu verlieren drohe.

Die unsichere Wirtschaftslage und die Erhöhung des Rentenalters in vielen Ländern benachteiligen der zweiten OECD-Studie zufolge vor allem jüngere Arbeitnehmer. Unabhängig vom Bildungsstand ist die Arbeitslosenquote unter 25- bis 34-Jährigen höher als bei den 55- bis 64-Jährigen, wie die Zahlen) zeigen. In Krisenzeiten setzten Arbeitgeber eher auf erfahrene Arbeitskräfte, hieß es in der am Montag ebenfalls in London vorgestellten Studie. Zudem verlangsame die Erhöhung des Rentenalters in der Tendenz die Rotation auf dem Arbeitsmarkt. Verglichen wurden Zahlen aus den 34 OECD-Mitgliedsländern und zehn Partnerländern.

Besonders deutlich ist der Unterschied bei Arbeitnehmern, die kein Abitur oder vergleichbare Abschlüsse haben. Im Schnitt sind in dieser Gruppe 10 Prozent der älteren ohne Job, aber 21 Prozent der jüngeren. Menschen mit höherem Bildungsabschluss, etwa einem Studium, haben generell ein geringeres Risiko, keinen Arbeitsplatz zu finden. Auch der Unterschied zwischen den Generationen ist in dieser Gruppe kleiner: Bei 25- bis 34-Jährigen liegt die Arbeitslosenquote bei 8 Prozent, bei den 55- bis 64-Jährigen sogar nur bei 4 Prozent.

Ein besonderes Lob für Deutschland gab es mit Blick auf die Altersgruppe der 20- bis 24-Jährigen. Während im Jahr 2005 noch 18 Prozent der jungen Menschen in diesem Alter weder arbeiteten noch studierten oder an anderen Bildungsprogrammen teilnahmen, waren es 2013 nur noch 10 Prozent – während der Durchschnitt in den untersuchten Ländern mit 18 Prozent konstant blieb.

Hinter Luxemburg (8 Prozent) und Island (9 Prozent) liegt die Bundesrepublik damit auf Platz drei unter den OECD-Ländern und ihren Partnern, gemeinsam mit der Schweiz und den Niederlanden. In Griechenland, Italien und Spanien waren dagegen mehr als 30 Prozent der 20- bis 24-Jährigen weder in einem Arbeitsverhältnis noch in der Ausbildung. Was die OECD-Experten übersahen: Griechenland, Italien und Spanien sind Staaten mit einer Akademisierungsquote von jeweils rund 40 Prozent.  News4teachers / mit Material der dpa

Zum Bericht: VDR widerspricht OECD-Forderung nach mehr Abiturienten: Qualität statt Quote

2 Kommentare

  1. Die Lösung des Problems liegt auf der Hand: neue Namen.
    Nennen wir die Berufsschule Berufshochschule und den Gesellenbrief „Bachelor“ – und alles ist ok.

    • Ironie beiseite – da liegt wirklich der Hase im Pfeffer. In den USA wären die Schüler in der Qualifizierungsphase der gymnasialen Oberstufe de facto „students“ einer „highschool“. Ebenso wären die Ausbildungsgänge Berufs- und Fachoberschüler an Berufkollegs „undergrade studies“. Diese schließen de jure mit einem Bachelor ab.

      Die Ausbildungssysteme sind eben nicht kompartibel. Nur Deutsch ist in der OECD keine „Amtssprache“, da kann man sich nicht so im Detail befassen. Hinzukommt dass der selbsternannte PISA-Papst Schleicher, der das deutsche Schulsystem ja kennt, es als zweitklassig ggenüber dem australischen, das er präferiert, deutlich abwertet. Es hat aus seiner Sicht zu wenig gemeinamen Unterricht, zu wenig Differenzierung nach Kompetenzen innerhalb einer Schule usw. usf.

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