Startseite ::: Thema des Tages ::: Grippewelle: Scheitelpunkt steht noch bevor

Grippewelle: Scheitelpunkt steht noch bevor

STUTTGART. Nachdem es im letzten Jahr relativ ruhig geblieben war, türmt sich heuer die Infektionswelle bundesweit zu neuen Höhepunkten auf. Dabei sei der Scheitel bislang noch nicht einmal erreicht, berichtet das Robert Koch Institut. Stellt die Grippewelle Schulen vor besondere Probleme, erreichen einzelne Krankenhäuser wegen Norovirus-Infektionen ihre Kapazitätsgrenzen.

Straßenbahnen fallen aus, Schulen schließen, Arztpraxen sind lahmgelegt: Eine Grippewelle macht sich in Baden-Württemberg breit. Seit Jahresbeginn wurden bei 3363 Menschen sogenannte Influenzaviren nachgewiesen, wie das Landesgesundheitsamt mitteilte. Davon wurden allein 1075 in der vergangenen Woche erfasst.

Das Kultusministerium in Stuttgart hat derzeit keinen Überblick über den grippebedingten Unterrichtsausfall. Foto: anna gutermuth / flickr (CC BY 2.0)

Das Kultusministerium in Stuttgart hat derzeit keinen Überblick über den grippebedingten Unterrichtsausfall. Foto: anna gutermuth / flickr (CC BY 2.0)

Im selben Zeitraum meldeten die Behörden 160 Magen-Darm-Erkrankungen durch das Norovirus. So war etwa im Kreis Lörrach eine Schule zeitweise geschlossen worden, nachdem über vier Wochen hinweg immer wieder Schüler über Magen-Darm-Probleme klagten. Kliniken in Südbaden melden bereits, dass ihre Kapazitätsgrenzen erreicht sind.

Die wöchentlichen Infektionszahlen bei den klassischen Grippekranken liegen bereits höher als bei der Grippewelle vor zwei Jahren: Im Winter 2013 wurden nach Angaben des Robert Koch-Institutes (RKI) bis zu 1038 Menschen pro Woche positiv auf Influenzaviren getestet. Von Anfang Januar bis Mitte Februar waren es damals insgesamt 2385 Menschen gewesen.

Das RKI verweist darauf, dass diese Zahlen allerdings immer nur «die Spitze des Eisberges» bildeten. Immerhin lasse sich nur ein kleiner Teil der Betroffenen testen. Das Landesgesundheitsamt sieht trotzdem «keinen Grund für übermäßigen Alarm», hieß es.

Auch in Bezug auf die vom Norovirus Betroffenen, äußerte sich Regierungspräsident Johannes Schmalzl (FDP) beruhigend: «Die winterliche Häufung ist nicht ungewöhnlich.» In den Vorjahren habe es ebenfalls Ausbrüche in ähnlichem Umfang gegeben. «In der Regel kommt es zu keinen Komplikationen und die Brech-Durchfallerkrankung heilt nach einem sehr unangenehmen Beginn innerhalb von wenigen Tagen ohne Folgen aus.»

Die Grippewelle verschont indes auch nicht die behandelnden Mediziner: Aktuell sind bereits zehn Arztpraxen im Land wegen Krankheit geschlossen, teilte die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg mit. Vor einem Jahr um diese Zeit waren es allerdings ebenfalls schon acht gewesen.

In Südbaden schlagen Krankenhäuser bereits Alarm: Ihre Kapazitätsgrenzen seien erreicht. «Wir haben bis zu 20 Prozent mehr Patienten in der Notaufnahme», sagte der Ärztliche Leiter der Notaufnahme am Universitätsklinikum Freiburg, Hans-Jörg Busch. «Die Situation ist angespannt, auch weil wir vermehrt Patienten aus umliegenden Krankenhäusern zugewiesen bekommen.»

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft sieht auch die Schulen aktuell verstärkt unter Druck wegen kranker Lehrer. Das Schwierige an diesen «kurzfristigen Ausfällen, die nicht viel länger als eine Woche dauern, ist, dass es in der Regel keinen Ersatz gibt», sagte die Landesvorsitzende Doro Moritz. Das Kultusministerium hat keinen Überblick über den Umfang der derzeit wegen Grippe ausfallenden Unterrichtsstunden.

Die Verkehrsbetriebe in Karlsruhe müssen wegen der Krankheitswelle ihrer Fahrer sogar den Takt einiger Tram-Linien ausdünnen: Am Samstag fahren einzelne Bahnen den Angaben zufolge nur noch alle zwanzig statt alle zehn Minuten.

Das Regierungspräsidium Stuttgart geht davon aus, dass die Zahl der Grippeerkrankungen weiter steigen wird. «Der Höhepunkt ist noch nicht erreicht», teilte das Landesgesundheitsamt mit. Grundsätzlich müsse noch bis in den April mit Influenza-Erkrankungen gerechnet werden.

Die Virusinfektion hat sich im gesamten Bundesgebiet ausgebreitet. Bis zum 10. Februar gab es seit Beginn der diesjährigen Grippesaison insgesamt fast 11 000 bestätigte Fälle – die meisten davon im Osten und Süden. Eine Woche zuvor waren es noch rund 6400 gewesen. (Stefanie Järkel, dpa)

zum Bericht: Die Grippe-Welle rollt – spunghafter Anstieg von Erkrankungen
zum Bericht: Grippewelle in Sachsen rollt weiter – schon über 1600 gemeldete Erkrankungen

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.Benötigte Felder sind markiert *

*