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Mathe-Abi-Lösungen im Netz – Lehrersohn hat sie fotografiert und eingestellt

STUTTGART. Ein Lehrer lässt die Lösungen einer diesjährigen Abi-Klausur unbeaufsichtigt auf seinem heimischen Arbeitsplatz liegen. Sein Sohn fotografiert sie heimlich und verschickt sie per Handy. Nun kennt sie jeder, der es wissen will. Die entscheidende Frage ist nun: Wann hat er sie eingestellt?

Schlimmstenfalls müssen Tausende von Schülern das Mathe-Abitur nochmal schreiben. Foto: S. Hofschlaeger / pixelio.de

Schlimmstenfalls müssen Tausende von Schülern das Mathe-Abitur nochmal schreiben. Foto: S. Hofschlaeger / pixelio.de

Die im Internet kursierenden Lösungen des Mathe-Abiturs sind von dem Sohn eines Lehrers abfotografiert und per Handy verschickt worden. Das teilte das Kultusministerium am Montag in Stuttgart mit. Der Mathelehrer eines Gymnasiums habe die Behörde am Montagmorgen über seinen Schulleiter informiert, dass sein Sohn nach der Prüfung während der Abwesenheit seines Vaters die Lösungshinweise auf dem väterlichen Schreibtisch Zuhause entdeckt habe. Wo genau die Familie lebt, wollte der Sprecher nicht sagen.

Ein Beamter des Regierungspräsidiums wollte noch am Montagvormittag mit dem Lehrer reden, sagte ein Ministeriumssprecher. Den Sohn konnte man noch zunächst nicht befragen, weil dieser selbst mitten in den Abiturprüfungen steckte. Nach Angaben des Sprechers handelt es sich bei der Weitergabe einer unter Geheimhaltung stehenden Verschlusssache um ein «sehr schwerwiegendes Dienstvergehen». In diesem Fall müssten aber zunächst die näheren Umstände geklärt werden.

Welche Konsequenzen der Vorfall nun für den Lehrer habe, könne man derzeit nicht sagen. «Wenn er sich aber nicht selbst gemeldet hätte, hätten wir heute auf jeden Fall die Polizei eingeschaltet», sagte der Sprecher. Die Lösungen waren kurz nach dem Mathe-Abitur im Südwesten aufgetaucht. Nach derzeitigem Stand geht das Ministerium davon aus, dass Aufgaben und Lösungen des diesjährigen Mathematik-Abiturs keinem Unberechtigten vorab bekannt waren. Somit müssten die Mathematikprüfungen wohl auch nicht wiederholt werden.

Der Umgang mit vertraulichen Akten ist in der «Verwaltungsvorschrift des Innenministeriums zum materiellen und organisatorischen Schutz von Verschlusssachen» geregelt. Dabei werden verschiedene Geheimhaltungsstufen unterschieden. Lösungen von Abiturprüfungen gehören zur Kategorie «Vertrauliche Verschlusssache – Nur für den Dienstgebrauch» und unterliegen damit der niedrigsten Geheimhaltungsstufe. Demnach müssen solcherlei Unterlagen «in verschlossenen Räumen oder Behältern (Schränke, Schreibtische oder ähnliches)» aufbewahrt werden (Paragraf 21, Absatz 5).

Ob der Schrank oder Schreibtisch zusätzlich auch noch abgeschlossen werden müsse, hänge von den häuslichen Gegebenheiten ab und sei Ermessenssache, sagte ein Experte des Kultusministeriums. «Wenn etwa ein Abiturient im Haushalt lebt, ist es sicher angezeigt, die Lösungen wegzuschließen». In einem Merkblatt ist zudem festgelegt, dass bei Mitnahme der Akten sichergestellt werden muss, dass die Vertraulichen Verschlusssachen «von unbefugten Personen nicht eingesehen werden können».

In dieser Woche wird das Mathe-Abi an den technischen Gymnasien geschrieben. Die Aufgaben dort unterschieden sich aber von denen der allgemeinbildenden Gymnasien. Am vergangenen Mittwoch begann für fast 54 000 Schüler das schriftliche Abitur traditionell mit dem Fach Deutsch, die letzten schriftlichen Prüfungen sind für den 27. März angesetzt. An den beruflichen Gymnasien starteten 18.400 Schüler mit den Prüfungen. dpa

2 Kommentare

  1. “….dass sein Sohn NACH der Prüfung …die Lösungshinweise auf dem väterlichen Schreibtisch Zuhause entdeckt habe…” Aha! Na sowas!

    Bei uns in Hessen und wohl auch “im Ländle” bekommen die prüfenden Fachlehrer die Aufgaben samt Lösungshinweisen routinemäßig am Morgen des Prüfungstages kurz vor Beginn der Prüfungen ausgehändigt.

    In Indien – so gesehen in der ARD-Tagesschau, wo dies ähnlich der Fall ist, werden dann aber – im Gegensatz zu hier – landauf landab am Morgen des Prüfungstages die gegen “Fakilaki” gekauften Aufgaben per Eilboten an externe Spezialisten weitergegeben und nach deren Rücklauf die ausgearbeiteten Lösungen von den Eltern auf Spickzetteln ihren Sprösslingen in den Prüfungsraum geworfen. … andere Länder, andere Sitten… Das Aufsichtspersonal ist selbstverständlich bestochen.

    Solange wir hier aber (noch) keine indischen Verhältnisse haben, sollte die Veröffentlichung der Aufgaben/Lösungen durch den Lehrerssohn – erstrecht NACH Abschluss der Prüfungen – keinen Einfluss auf den Verlauf und die Ergebnisse der Abiturprüfungen gehabt haben.

    Wo liegt also das Problem?

  2. Warum kann man einen Verräter einer unter Geheimhaltung stehenden Verschlusssache während seiner Abiturprüfungen nicht befragen?

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