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Zum Weltlehrertag – das sind die fünf größten Probleme für Lehrer weltweit

DÜSSELDORF. Der Weltlehrertag am 5. Oktober erinnert an die „Charta zum Status der Lehrerinnen und Lehrer“, die 1964 von der UNESCO und der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) angenommen wurde. Die UN-Charta fordert, dass Lehrkräfte aller Schularten zu gleichen Bedingungen beschäftigt werden. Sie sollen bei Krankheit, Invalidität und Arbeitslosigkeit sozial abgesichert sein. Zudem sollen sie Mutterschutz, den Wiedereinstieg nach Erziehungszeiten sowie eine Altersvorsorge erhalten. Mit welchen Problemen Lehrervertreter zurzeit besonders zu kämpfen haben, haben wir im folgenden Text zusammengetragen.

1. Immer mehr Lehrer fehlen aus gesundheitlichen Gründen.

Der durchschnittliche Unterrichtsausfall durch Krankheit von Lehrkräften liege bei fast sieben Prozent, jede vierzigste Lehrkraft sei inzwischen langzeiterkrankt (länger als sechs Wochen), meldet etwa die GEW Sachsen-Anhalt. Die Landesgewerkschaft beschreibt damit zwar die Situation in ihrem Land, die Situation steht aber für einen bundesweiten Trend.

Beide Quoten stiegen seit Jahren kontinuierlich an, eine Umkehr des Trends sei nicht abzusehen. Niemand könne also in den Schulbehörden überrascht sein. Auch taugten die Langzeiterkrankten als Begründung für die Probleme bei der Unterrichtsversorgung ebenso wenig, wie die Zahl der Migranten, die jetzt zu uns kommen. „Der Lehrermangel ist hausgemacht und schon vor Jahren entstanden. Dass er uns jetzt so heftig trifft, kann nicht Schülern und Pädagogen vorgeworfen werden. Die Verantwortlichen dafür sitzen im Finanzministerium, in den Schulbehörden und den Regierungsfraktionen“, sagt Thomas Lippmann, Landesvorsitzender der GEW Sachsen-Anhalt.

2. Krankheit kann für manche Lehrkräfte teuer werden.

Die oben genannten UN-Standards gelten auch in Deutschland längst nicht für alle Lehrer. Für zehntausende freiberufliche Honorarlehrkräfte sind sie nicht annähernd umgesetzt. Dazu gehören etwa in Berlin tausende Lehrkräfte. Sie arbeiten an Volkshochschulen und bei privaten Trägern sowie Sprachschulen – unter anderem in Deutsch-Integrations- und Alphabetisierungskursen – am Goethe-Institut, an Musikschulen und an den Hochschulen als Lehrbeauftragte. Sie verdienen pro Unterrichtsstunde nicht einmal halb so viel wie angestellte Lehrkräfte in Schulen, Hochschulen oder Musikschulen. Die meisten Honorarlehrkräfte erhalten von ihren Auftraggebern keinerlei Zahlung bei Krankheit, meldet die GEW Berlin.

Lehrer demonstrieren in North Carolina/USA gegen die Regierungspolitik. (Foto: Gerry Dincher/Flickr CC BY-SA 2.0)

Lehrer demonstrieren in North Carolina/USA gegen die Regierungspolitik. (Foto: Gerry Dincher/Flickr CC BY-SA 2.0)

3. Lehrer werden politisch verfolgt.

Diktatorische Regierungen unterdrücken Lehrer, wie ein aktuelles Beispiel aus dem Iran zeigt. Wie die Webseite des „Nationalen Widerstandsrat Iran“ berichtet, wurde gerade die Haftstrafe des politischen Gefangenen Rasoul Bodaqi, von Beruf Lehrer, verlängert. Nach sechs Jahren sollte er eigentlich im August 2015 entlassen werden, jetzt wurde er zu weiteren drei Jahren Gefängnis verurteilt. Die Vorwürfe lauten: „Propaganda gegen das System“ und „Tätigkeit gegen die nationale Sicherheit.“

Nach Angaben der oppositionellen Webseite werden iranische Lehrer sehr schlecht bezahlt. Unter dem Mullahregime erhalten die Pädagogen des Landes ein Gehalt von nur einer Million Toman – ein Drittel des Existenzminimums, das die Regierung definiert hat. Rasoul Bodaqi und weitere Lehrer wurden festgenommen, weil sie für die Rechte der im Bildungswesen Arbeitenden eintraten und gegen ihre Diskriminierung kämpften – ebenso wie sie für das Recht auf Bildung und gleiche Bildungschancen für alle iranischen Schüler eintraten.

4. Die Bezahlung von Lehrern ist in manchen Ländern sehr „flexibel“.

In Russland steht nur  70 Prozent des Lehrergehalts fest, 30 Prozent hängt von der jeweiligen Leistung und der Schule ab, das berichtet die russische Lehrergewerkschaft ESEUR. Galina Merkulova, Präsidentin der Vereinigung kritisiert daran vor allem, dass die Kriterien für die Erfassung und Bewertung der Leistungen intransparent seien. Das schaffe Unsicherheit und Unzufriedenheit und führe in der Praxis dazu, dass Lehrer immer wieder mit Schulämtern und anderen Behörden über Ihre Bezahlung verhandeln müssten.

5. Der Nachwuchs fehlt.

In Sachsen steht das Schulsystem vor einem Generationenwechsel in den Lehrerzimmern, meldet der Sächsische Lehrerverband (SLV). Das gilt aber längst nicht nur für das Bundesland. In den kommenden Jahren wird fast die Hälfte der Lehrkräfte bundesweit in den Ruhestand gehen. Über 1.000 Einstelllungen pro Jahr seien bereits jetzt notwendig, ab 2018 über 1.600 Einstellungen jährlich, meint der SVL: „Die Herausforderung wird darin bestehen, ausreichend gut ausgebildeten Lehrernachwuchs für unsere sächsischen Schulen zu gewinnen. Die 1.000 Einstellungen zu Beginn des neuen Schuljahres waren nur zu erreichen, indem auf fast 230 Seiteneinsteiger ohne pädagogische Ausbildung zurückgegriffen wurde. Weitere 170 junge Lehrkräfte unterrichten in Schularten, für die sie keine Ausbildung absolviert haben. Insgesamt werden die 1.000 Einstellungen den wachsenden Bedarfen nicht gerecht. Ihnen stehen Abgänge von 755 Stellen (850 Personen) gegenüber.“ nin

 

Ein Kommentar

  1. zu 2.) Das stimmt schon. Teilweise handelt es sich um prekäre Beschäftigungsverhältnisse, um nicht zu sagen „moderne Sklaverei“. Allerdings gehört zur Wahrheit auch dazu, dass viele Honorarkräfte keine ausgebildeten Lehrer sind !!! Man findet dort nicht selten Studenten, die sich was dazuverdienen oder Akademiker ganz anderer Ausbildung (als auf Lehramt). Insofern darf man die Gehälter von ausgebildeten Lehrern im öffentlichen Dienst nicht mit Honorarkräften in der Privatwirtschaft vergleichen. Vernünftig angestellt und vernünftig verdienen sollen sie natürlich trotzdem – wie jeder arbeitende Mensch !

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