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Erste Pädagogin mit Krönchen: Religionslehrerin ist neue „Miss Germany“

RUST. Bislang unterrichtete Lena Bröder „Deutschlands Zukunft“ in Hauswirtschaft und katholischer Religion. Mit der 26-jährigen gebürtigen Göttingerin wurde erstmals in der Geschichte des Wettbewerbs eine Lehrerin zur schönsten Frau Deutschlands gekürt. Ihre Schüler müssen nun erstmal auf sie verzichten.

Die Freudenträne zum Sieg wischt sich Lena Bröder in Sekundenschnelle weg. «Es sollen ja schöne Fotos werden», sagt die 26-jährige gebürtige Göttingerin und tritt vor die Fotografen. Vor Publikum steht die junge Frau regelmäßig. Sie ist inzwischen Lehrerin in der Nähe von Münster und unterrichtet an einer Gemeinschaftsschule. «Dass ich Applaus bekomme, ist da aber selten», sagt sie. Als Schönheitskönigin ist ihr dieser heute sicher: Die Pädagogin ist neue «Miss Germany» – und damit für ein Jahr offiziell die schönste Frau der Republik.

Lena Bröder will sich nun für die einjährige Amtszeit als Miss Germany vom Schuldienst beurlauben lassen. Foto: MISSGERMANY.DE / FILIPE RIBEIRO

Lena Bröder (hier noch als Miss Westdeutschland) will sich nun für die einjährige Amtszeit als Miss Germany vom Schuldienst beurlauben lassen. Foto: MISSGERMANY.DE / FILIPE RIBEIRO

Das Schaulaufen auf Stöckelschuhen in der Nacht zum Sonntag im Europa-Park in Rust bei Freiburg entscheidet Bröder für sich. Sie setzt sich gegen 23 Konkurrentinnen aus ganz Deutschland durch. Und präsentiert sich, wie alle Finalistinnen, im Abendkleid und in Bademode.

«Ich unterrichte Deutschlands Zukunft», sagt die junge Frau mit den langen braunen Haaren und braunen Augen sowie einem kleinen Tattoo auf dem Rücken, als sie über ihren Beruf spricht. In einer Gemeinschaftsschule lehrt sie seit Mai vergangenen Jahres Hauswirtschaft und katholische Religion.

Mit dem Sieg im Schönheitswettbewerb erfüllt sich die 26-Jährige einen Traum. Seit 2009 nimmt sie regelmäßig an Misswahlen auf regionaler Ebene teil – 30 Mal hat sie es in den mehr als sechs Jahren versucht, 16 Mal davon holte sie einen Titel, wurde «Miss Goslar» oder «Miss Westdeutschland». Jetzt ist sie am Ziel. «Ich denke, ich bin ein Vorbild für junge Mädchen, dass man an seine Ziele glauben und dafür kämpfen muss, auch wenn es mal gerade nicht so gut läuft», sagt sie. «Ich zeige, dass ich eine Kämpferin bin und dass sich Ehrgeiz lohnt.»

Ihre Schüler werden auf sie nun erst einmal verzichten müssen. Für die einjährige Amtszeit als Schönheitskönigin lässt sich Bröder beurlauben. Und verschiebt ihre Beamtenkarriere. Im September wollte sie ihr zweites Staatsexamen machen. Das muss jetzt erst mal warten. Nach Angaben der Organisatoren ist es das erste Mal in der 89-jährigen Geschichte des Wettbewerbs, dass eine Lehrerin siegt. Bislang waren es meist Studentinnen, Schülerinnen und Angestellte, die den Titel holten.

«Es ist das Gesamtpaket, das entscheidet», meint der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach, der bei dem Schönheitswettbewerb in der Jury sitzt: «Es zählen Haltung, Charakter, Humor, Charisma und Wortwitz.» Und natürlich das Aussehen. «Das ist top. Sie ist eine klassische Schönheit», urteilt Schönheitschirurg Werner Mang, als er in der Jury unter anderem neben Musikproduzent Ralph Siegel, Schauspielerin Tina Ruland und TV-Darstellerin Natascha Ochsenknecht seine Stimme abgibt.

«Ich kann meinen Traum leben», freut sich später die Siegerin. Sie zählte mit 26 zu den ältesten Teilnehmerinnen. Bröder will Deutschland würdig vertreten: Im Herbst nimmt sie an der Wahl zur «Miss Earth» teil. Für ihr Hobby seit mehr als 20 Jahren, das Reiten, hat sie nun weniger Zeit. Um ihr Shetlandpony Teddy, das sie bislang täglich sieht, kümmert sich nun verstärkt der Freund.

Auch über ihre Religion spricht die Pädagogin, die in Göttingen geboren und aufgewachsen ist und an der Universität Kassel Arbeitslehre und katholische Theologie studiert hat. «Ich bin kirchlich geprägt und erzogen worden, war bei den Sternsingern ebenso wie bei den Pfadfindern.» Jeder müsse aber selbst entscheiden, wie er zu religiösen Themen stehe. «Ich versuche, meinen Schülern einen Weg zu zeigen. Ob sie dafür offen sind oder nicht, ist allein ihre Sache. Ich kann beides gut akzeptieren.» Sie persönlich habe im christlichen Glauben «ein Fundament, das mich im Leben trägt».

Ihre Vorgängerin, Olga Hoffmann (24), sagt: «Der Miss-Germany-Titel wird ihr Leben verändern.» Sie bekomme Zugang zu einer neuen Welt, werde Teil von Glanz und Glamour. Hoffmann hat Gefallen daran gefunden – und arbeitet künftig als Model.

Rekordhalterin mit ihren 30 Misswahlen ist Bröder nicht, wie Organisator Horst Klemmer sagt: «Es gab mal eine Dame, die hat im Laufe der Jahre an 103 Regionalwahlen teilgenommen. Gewonnen hat sie nie.» (Jürgen Ruf, dpa)

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• zum Bericht: Echt schön? – Projekt zeigt Weg aus dem Schönheitswahn

7 Kommentare

  1. mal schauen, ob sie zurück kommt. den Luxus und die Art von Trubel wird sie als Lehrerin nicht haben.

    etwas ungebau ist der Text schon: die junge Dame ist Referendarin und damit noch keine vollwertige Lehrerin. die Beurlaubung dürfte kein größeres Problem gewesen sein.

    • „Lehrerin“ ist keine geschützte Berufsbezeichnung. Skilehrerin, Nachhilfelehrerin etc. Referendare ohne zweites Staatsexamen arbeiten zweifellos als Fachlehrer, sobald sie selbstständigen Unterricht erteilen und werden auch als solche geführt – welchen Beruf sollten sie sonst angeben? Referendar ist kein Beruf, sondern ein ‚Dienstgrad‘

      • Kein Dienstgrad sondern eine Amtsbezeichnung.

        Lehrer kann sowohl eine Amtsbezeichnung sein als auch eine zusammenfassende Berufsbezeichnung.

        Als Amtsbezeichnung führen erst einmal alle tarifbeschäftigten Lehrkräfte diese Bezeichnung. An GS/HS/RS und allen anderen Schulformen der SekI führen auch die Beamten des gehobenen Dienstes diese Amtsbezeichnung.

      • Ich meine, die Leser hier haben alle eine recht klar umrissene Vorstellung von „Lehrer“, und „Referendar“ ist nicht Lehrer.

  2. Wie schön, für die junge Dame mit dem kleinen Tatoo auf dem Rücken. Vorbild für ihre Schülerinnen und Schüler zu sein ist das nicht, es fördert leider nur das was alle Frauenzeitschriften den Mädchen und Frauen abverlangen.: dünn, gut geschminkt und zu allem lächeln.
    Ich hoffe es klappt mit dem Galmour, damit keine frustrierte Junglehrerin an der Schule weiter arbeiten muss, denn das schien es ja zu sein, ein Muss.

    • Muss? Was soll es denn sonst sein? Sie wird besoldet und muss dafür einen Gegenwert erbringen. Und da bei Lehrkräften nur der Unterricht – also die zeit vor Schülern – als Gegenwert angesehen wird, muss sie halt unterrichten.

    • .. und wenn Frau Bröder das Jahr genießt und nutzt, ihr Hobby damit krönt und danach ganz normal als Lehrerin arbeitet (vielleicht mit leichten Vorteilen, was ihr Ansehen bei den Schülern angeht) ?
      Ich halte nicht viel von der Verehrung (und Bezahlung) von Schönheit, wie sie in unserer Kultur stattfindet. Aber die junge Frau bewegt sich ganz einfach innerhalb des Systems.

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