Startseite ::: Praxis ::: Jetzt nimmt sich auch die CSU des Themas „Sexuelle Vielfalt“ an – bald auch Proteste in Bayern?

Jetzt nimmt sich auch die CSU des Themas „Sexuelle Vielfalt“ an – bald auch Proteste in Bayern?

MÜNCHEN. Anders als in anderen Bundesländern halten sich die Proteste bislang in Grenzen: Nach 15 Jahren sollen in Bayern bald neue Richtlinien zur Familien und Sexualerziehung gelten. Homo-, Bi- oder Transsexualität sollen damit auch im Unterricht zum Thema werden. Mit der Überarbeitung habe man die Pläne der Lebenswirklichkeiten der Menschen angepasst, heißt es aus dem Kultusministerium.

Wie war das nochmal  mit den Bienen und den Blumen? Foto: Axel Hindemith / Wikipedia Commons

Wie war das nochmal mit den Bienen und den Blumen? Foto: Axel Hindemith / Wikipedia Commons

Über Sex zu reden, ist nicht jedermanns Sache. Und dennoch ist er überall ein Thema: im Internet, zu Hause und auf dem Schulhof. Die richtige Verhütung ist schon lange nicht mehr das einzige Thema, das junge Erwachsene beschäftigt. Neue Familienkonzepte, neue Geschlechterbilder, Bi- und Homosexualität werden immer offener gelebt. Bei vielen jungen Menschen rufen diese Themen Fragen hervor. Antworten bekamen sie in bayerischen Schulen bislang meist selten.

Der Freistaat hat nun reagiert und die rund 15 Jahre alten Richtlinien für Familien- und Sexualerziehung in Schulen umfassend überarbeitet. Sie treten bald in Kraft. Gut so und längst überfällig, finden Eltern- und Lehrerverbände. «Wir begrüßen die Überarbeitung des Lehrplans sehr. Ganz besonders im Hinblick auf Aufklärung und Prävention vor sexuellem Missbrauch», sagt Martin Löwe, Vorstand des Bayerischen Elternverbands. Dieser unterstützt eine zeitgemäße sexuelle Aufklärung der Schüler, die vor allem ihrem Schutz dienen müsse.

Das Ergebnis der Überarbeitung sind laut Kultusministerium Inhalte, die die Schüler sowohl besser über Missbrauch aufklären als auch die Vielfalt der Lebenswirklichkeiten von Menschen abbilden. Der Ausdruck Lebenswirklichkeit beziehe sich dabei explizit nicht nur auf Menschen, die in der traditionellen Familienform leben, sagt ein Sprecher. Lehrer und externe Berater sollen auch Hetero-, Homo-, Bi-, Trans- und Intersexualität ohne Vorurteile ansprechen. Weitere thematische Schwerpunkte bilden in Zukunft sexualisierte Bilder in den Medien und sexuelle Identitätsfindung.

Simone Fleischmann, Präsidentin des Bayerischen Lehrerverbands, bezeichnet die Reform als «absolute Chance», den Gender- und Rollenbegriff eingehender zu behandeln. «Viele Fragen der Schülerinnen und Schüler bleiben zu Hause oftmals unbeantwortet. Ganz besonders Homosexualität ist ein großes Thema, bei dem auch die Schulen Verantwortung übernehmen müssen», führt sie aus. Sehr viel weiter hätten die Richtlinien ihrer Meinung nach beim Thema homosexuelle Paare als Eltern gehen müssen: «Schwule oder lesbische Elternpaare gibt es immer öfter. Konkret angesprochen wird das Thema aber auch in den neuen Richtlinien nicht.»

Auch Pro Familia begrüßt die neuen Richtlinien und den Fokus auf unterschiedliche Rollen- und Identitätsbilder. Die Themen seien ohnehin seit Jahrzehnten im Verbandskonzept für sexuelle Aufklärung verankert, sagt eine Beraterin. Für sie ändere sich daher nichts. Das Angebot des Verbands für Sexualpädagogik und Familienplanung, Aufklärungsunterricht bei Workshops in den Klassen durchzuführen, nähmen viele Schulen gerne an: «Für die Lehrer ist Sexualität in der Regel ein schwieriges Thema. Sie sind froh, wenn externe Berater in die Schule kommen, um mit den Schülern über Sexualität zu sprechen.»

Aber nicht alle Eltern möchten, dass Kinder am Aufklärungsunterricht teilnehmen: «Die Eltern, die ihre Kinder von dem Thema Sexualität fernhalten wollen, die erreichen wir auch mit Briefen oder Elternabenden nicht.» Nur hin und wieder kommt es laut Pro Familia vor, dass Schüler an den Kursen auf Elternwunsch nicht teilnehmen. Der Bayerische Elternverband kann das nicht nachvollziehen. «Die gesellschaftliche Wirklichkeit muss schließlich angemessen im Unterricht repräsentiert werden», meint Vorstand Löwe.

In der Öffentlichkeit regt sich nur vereinzelt Protest, wenn es um die Anpassung des Sexualkundeunterrichts an gesellschaftliche Realitäten geht. In Augsburg hat die Initiative «Besorgte Eltern» im vergangenen Jahr zu Protesten aufgerufen. Und auch das Aktionsbündnis «Demo für alle» macht derzeit in Baden-Württemberg Stimmung gegen die Thematisierung von Genderfragen im Unterricht. Löwe hält das für eine Ausnahmeerscheinung: «Das sind Eltern aus einer konservativen Ecke, die aber nicht die Meinung der Mehrheit widerspiegeln.»

Pro Familia Augsburg bestätigt, dass Widerstand gegen eine Anpassung des Aufklärungsunterrichts nur von Einzelnen ausgehe. Viele Eltern legen jedoch Wert darauf, dass auch die traditionelle Familienform konkret angesprochen wird. Wichtig sei den Beratern vor allem, dass nichts tabuisiert werde: «Wir müssen Antworten auf alle Fragen geben. Und wenn ein Kind sagt, dass es zwei Papas hat, erkennen wir das als genauso wertig an wie eine traditionelle Familie», sagt eine Beraterin. (Christina Sabrowsky, dpa)

• zum Bericht: Streit um Sexualkunde: Thüringer Regierung will nicht länger über Bildungsplan debattieren
• zum Bericht: Sexualerziehung: Elternverein warnt Löhrmann vor Experimenten – NRW-Schulministerium: Nichts geplant

• zum Bericht: Nach Clausnitz: Bayerische Lehrer fordern mehr Freiräume, um Wertevermittlung besser in den Unterricht zu integrieren

206 Kommentare

  1. Angelika Oetken

    “ «Wir begrüßen die Überarbeitung des Lehrplans sehr. Ganz besonders im Hinblick auf Aufklärung und Prävention vor sexuellem Missbrauch», sagt Martin Löwe, Vorstand des Bayerischen Elternverbands. Dieser unterstützt eine zeitgemäße sexuelle Aufklärung der Schüler, die vor allem ihrem Schutz dienen müsse.“

    Sexualerziehung kann nur so nützlich sein, wie es durch sie gelingt, Kinder und Jugendliche auf die Realitäten der Sexualität vorzubereiten. Und dazu gehört neben der konstruktiv-kritischen Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Normen und Idealvorstellungen auch die Vermittlung von Wissen, mit deren Hilfe junge Menschen mit den Schattenseiten unserer Sexualkultur umgehen lernen können. Sexuelle Gewalt und Ausbeutung, beschädigte und andere beschädigende sexuelle Identitäten und Verhaltensweisen sind Alltag. Mit entsprechender Schulung und Beratung durch ExpertInnen können Lehrkräfte in Zusammenarbeit mit Elternvertretungen den Kindern und Jugendlichen altersentsprechende Kompetenzen vermitteln. Ohne ihnen unnötig Angst zu machen oder sie zu überfordern, aber indem nicht ausgeblendet wird, dass Sexualität wie fast alles im Leben nicht nur positive Seiten hat.
    In jeder durchschnittlichen Oberstufenklasse sitzen zwei bis drei SchülerInnen, die bereits Opfer von sexuellen Übergriffen, Gewalt, Ausbeutung und Misshandlung wurden oder aktuell missbraucht werden. Manche davon schon seit frühester Kindheit. Der Unterricht kann Geschehenes nicht rückgängig machen, aber Kindern und Jugendlichen Wege aufzeigen, wie sie versuchen können, aus diesen verbrecherischen Konstellationen zu entkommen. Das ist in unserer Gesellschaft leider alles Andere als leicht, aber immer einen Versuch wert. Gerade die Schule ist für Opfer sehr oft ein Ort, der es ermöglicht, sich von den Täterinnen und Tätern zu distanzieren.

    Angelika Oetken, Berlin-Köpenick, eine von 9 Millionen Erwachsenen in Deutschland, die in ihrer Kindheit und/oder Jugend Opfer schweren sexuellen Missbrauchs wurden

    • Sehr geehrte Frau Oetken, woher kommt die Zahl 9 Mio? Bezogen auf die vergangenen 60 Jahre wären das 150000 Fälle pro Jahr. Laut dem Bundeskriminalamt war die Höchstzahl — zugegebenermaßen „nur“ der dokumentierten Fälle 19460, also nicht einmal ein siebtel davon.

      Quelle: https://www.tagesschau.de/inland/kriminalstatistik-kinder-100.html

      • Angelika Oetken

        Die Kriminalstatistik stellt das Hellfeld dar und ist aus verschiedenen Gründen wenig aussagekräftig, wenn es um das gesamte Ausmaß der Missbrauchskriminalität geht. Es sind gerade die Kriminalbeamten selbst, die das immer wieder betonen.
        Forschung wiederum kann nur ungefähre Schätzungen abgeben, da es selbst bei anonymen Befragungen Phänomene gibt, die das, was die Befragten angeben verfälschen. Auf der Homepage des UBSKM finden Sie dazu Informationsmaterial https://beauftragter-missbrauch.de/presse-service/pressemitteilungen/detail/news/test/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=f5f1b00f61815c4336aa83fd2141204b Auf der website ist rechts ein Kasten, dort gibt es u. A. Hintergrundmaterialien.
        Dunkelfeldstudien ergeben im Durchschnitt, dass etwa 12 Prozent aller Erwachsenen in Kindheit und/oder Jugend sexuelle Übergriffe erlebt haben, die strafrechtlich relevant sind, also auch juristisch als Missbrauch gelten. Meine MitstreiterInnen und ich gehen aber davon aus, dass die Angaben eher falsch negative Zahlen liefern und die Häufigkeiten höher liegen. Nur zwei Beispiele: 1. um den eigenen Selbstwert zu erhalten, neigen Opfer dazu, die an ihnen begangenen Übergriffe herunterzuspielen
        2. die Gruppe Derjenigen, die schon als Säuglinge und Kleinstkinder sexuell missbraucht wurde ist groß. Gleichzeitig können so junge Kinder solches Geschehen nicht explizit, sondern nur in nicht sprachlich zugänglicher Form, also im Körpergedächtnis und im Vorbewussten speichern. Die so früh traumatisierten Menschen werden also später bei Befragungen darüber keine Angaben machen können.

        Alles in Allem sind wir bei unseren eigenen Schätzungen bei 9 Millionen erwachsenen Opfern schweren Missbrauchs gelandet.
        Denn wenn jeder achte Erwachsene solcherart betroffen ist, ergibt das bei 72 Millionen Erwachsenen, die derzeit unser Land bewohnen 9 Millionen Menschen.

        • Dunkelziffern sind so eine Sache. Es gibt sie zweifellos, doch ich halte es für problematisch, sie genau angeben zu wollen. Zu Recht sprechen Sie darum von „unseren eigenen Schätzungen“.
          Weniger gut finde ich, dass Sie unter Ihre Erstkommentare zu einem Thema stets den Zusatz schreiben „Angelika Oetken, Berlin-Köpenick, eine von 9 Millionen Erwachsenen in Deutschland, die in ihrer Kindheit und/oder Jugend Opfer schweren sexuellen Missbrauchs wurden“.
          Das hört sich sehr nach gesicherter Zahl an. Vielleicht könnten Sie vor die 9 das wichtige Wort „geschätzten“ schreiben. Ansonsten glaubt jeder, diese hohe Quote an schweren Missbrauchsopfern sei verlässlich. Nur wenige haken nach (wie xxx) und übernehmen einfach die Angaben.

          http://www.zeit.de/1984/32/ziffern-aus-dem-dunkel/komplettansicht

          • Angelika Oetken

            Sehr geehrte Frau Werner,

            die 9 Millionen, in die ich auf meinem Zusatz verweise, entsprechen wissenschaftlich ermittelten Werten. Auch Dunkelfeldstudien liefern keine geschätzten, sondern hoch gerechnete Zahlen. Es gibt sogar Studien, die noch höhere Werte liefern als die 12 Prozent an Opfern schweren Missbrauchs, die meine MitstreiterInnen und ich für unsere Berechnung zu Grunde gelegt haben.

            Das, was Dunkelfeldstudien bringen, sind durchaus belastbare, aber keine absoluten Zahlen.

  2. @A. Oetken Ich habe heute ein wenig unter “Sexualerziehung im Kindergarten” gestöbert und habe einiges gefunden, was mich nachdenklich gemacht hat. Hier die Sexualerziehung nach pro-familia:
    http://www.profamilia.de/fileadmin/landesverband/lv_nordrhein-westfalen/7829.pdf

    S.8: “So kennen Kinder keine Trennung zwischen Zärtlichkeit, Sinnlichkeit und genitaler Sexualität;
    sie bewerten die verschiedenen Genussmöglichkeiten nicht, sondern nutzen alle vorfindliche
    Gelegenheiten, um schöne Gefühle zu bekommen, sich wohl und geborgen zu fühlen, Erregung
    zu spüren oder Möglichkeiten zur Erregungsabfuhr zu erhalten, ihren Körper kennen zu lernen
    und sich der eigenen Geschlechtsidentität zu vergewissern.”

    Wenn Kinder angeblich “keine Trennung zwischen Zärtlichkeit, Sinnlichkeit und genitaler Sexualität” kennen, ist diese Behauptung meinem Verständnis nach eine Einladung zu pädophilen Handlungen, zumindest ist sie kein Verbot. Die Grenzen sind fließend, denn das Kind fasst ja alles als lehrreiche “Genussmöglichkeit” auf.
    Bei der Körpererfahrung und Sexualerziehung im Kindergarten von Rheinland-Pfalz/Vorwort ist zu lesen:

    “Dabei geht es nicht nur um die Aufklärung über biologische Sachverhalte, sondern vor allem um die
    Förderung der Sinne und des positiven Körpergefühls,…”
    https://www.lzg-rlp.de/fileadmin/pdf/BZgA_Koerpererfahrung_Kindergarten.pdf

    Ich frage mich, was eine solche Sexual- und Aufklärungsarbeit mit Prävention gegen Kindesmissbrauch oder Stärkung der kindlichen Abwehrkräfte zu tun hat, die Sie erwarten und erhoffen.
    Vielleicht bin ich zu alt für diese sog. “moderne Sexualerziehung”. Mir kommt sie tatsächlich wie “Frühsexualisierung” vor, die besorgte Eltern und andere ihr zum Vorwurf machen. Auch für den sexuellen Kindesmissbrauch und eine tolerantere Sicht von Pädophilie sehe ich hier die Gefahr eines Dammbruchs.

    • Angelika Oetken

      „Stärkung der kindlichen Abwehrkräfte“: das „Kinder-Stärken“ ist ein verbreiteter Ansatz, der vordergründig schlüssig wirkt. Denn was Missbrauch betrifft, folgt unsere Gesellschaft vielen Mythen, einer davon ist, Opfer seien per se defizitär. Dahinter steckt aber eine einseitige, wenn nicht falsche Sicht auf die typischen Missbrauchskontexte. Der fremde Mann, der ein Kind in ein Auto zerrt und sich dann an ihm vergeht, ist die absolute Ausnahme. Es ist auch nicht so, dass Pädokriminelle den Kindern automatisch „schlechte Gefühle“ verursachen. Es handelt sich um Erwachsene oder Jugendliche, die in ihrer psychosexuellen Entwicklung gestört sind. Männer, die meinen, jegliches Bedürfnis nach körperlicher Nähe und Zuwendung sexualisieren zu müssen und Frauen, die Kinder sexuell ausbeuten, indem sie den Missbrauch hinter rollenkonform erscheinendem Pflege- und Betreuungsverhalten verstecken. Auf diese Täterinnen und Täter trifft das zu, was Sie als „frühsexualisiert“ bezeichnen. Eine totale Überforderung, weil Kinder mit dem konfrontiert werden, was wir als „erwachsene“ Sexualität ansehen. Was aber oft nur eine sehr primitive, reduzierte, mechanisierte und übergriffige Form darstellt, seine sexuellen Bedürfnisse Anderen aufzunötigen. Die Täterinnen und Täter folgen dabei einem sehr traditionellen Prinzip sexueller Beziehungen, dem des Tauschhandels. Einer, der Stärkere, Mächtigere stellt dem Anderen, dem Schwächeren, Rangniederen Ressourcen zur Verfügung. Zuwendung, Vorteile, Sachbelohnungen. Als Gegenleistung wird die Kooperation bei sexuellen Aktivitäten erwartet, deren Ablauf und Ausgestaltung vom Stärkeren bestimmt wird. TäterInnen gehen beim Einfädeln solcher „Geschäfte“ äußerst geschickt vor. So manipulativ und strategisch, dass selbst viele Erwachsene nicht merken, was da nicht stimmt. Es nützt also nichts, die Kinder
      „stärken“ zu wollen, in der Annahme, etwaige „Schwächen“ seien die Ursache dafür, dass sie missbraucht werden. MissbraucherInnen beuten Kinder dann aus, wenn sich ein günstiger Tatort bietet.
      Deshalb sind nur wir Erwachsenen in der Lage, Kinder vor Missbrauch zu schützen. Indem wir unsere eigene sexuelle Biografie reflektieren und uns damit auseinandersetzen, insbesondere mit den Ambivalenzen und ggf. mit sexuellen Traumatisierungen. Darüber hinaus ausreichend wachsam sind und Kindern vermitteln, dass Sexualität etwas Natürliches und Schönes, aber auch nichts Besonderes, sondern etwas ganz Alltägliches, häufig sogar wenig Spektakuläres ist. Dann finden Kinder und Jugendliche am ehesten den Mut und die Gelegenheit, Fragen zu stellen, sich altersgemäß auszuprobieren und so Stück für Stück eine Form zu finden, ihre eigene Sexualität so zu leben, dass sie ihnen und ggf. Anderen Freude bereitet.

      • Sie schreiben da viel Text, und am Ende läuft es darauf hinaus, dass “ Kinder … ihre eigene Sexualität (zu) leben …“ sollen.
        Kinder sind Menschen VOR der Geschlechtsreife, warum und wie sollten Sie Sexualität leben?
        Mir klingt das, was sie schreiben, ähnlich der pädosexuellen Nebelwerferei, die die Grünen in den 90ern noch öffentlich äußerten.

    • Angelika Oetken

      Zur Pädophilie: die wenigsten der Täterinnen und Täter sind im klinischen Sinne pädophil, d. h. in ihrer sexuellen Präferenz auf Kinderkörper fixiert. Es gibt verschiedene Tätertypen, die hier beschrieben werden

      http://www.zeit.de/2010/20/Interview-Sigusch

      Paulus und Gallwitz http://www.aufrecht.net/utu/taeter.html

      Zu den typischen Strategien der MissbraucherInnen
      http://www.anita-heiliger.de/htm/Art.%20Deutsche%20Jugend%20-P%E4dophilie.pdf

      Es gibt dabei viele Überschneidungen. Darum ist es eigentlich sinnvoller von „Pädosexuellen“ zu sprechen oder, sofern sie bereits Kinder missbraucht haben von „Pädokriminellen“.

      Im Grunde gibt es zwei Arten von MissbrauchsverbrecherInnen: solche die psychiatrisch schwer erkrankt und die, welche psychosozial verwahrlost sind. Diese Menschen fallen im Alltag kaum auf, weil übergriffige und manipulative Verhaltensweisen zwar ein fester Bestandteil unserer traditionellen Sexualkultur sind, aber wir darüber immer noch viel zu wenig wissen und sprechen.

      • mehrnachdenken

        @Angelika Oetken
        Ihre Ausführungen finde ich hoch interessant!

        „geli“ nennt in ihrem Beitrag Besipiele von pro – familia und aus Rheinland – Pfalz zur „Sexualerziehung im Kindergarten“. Wie bewerten Sie diese Handlungsanleitungen?

    • @A. Oetken. Wenn Kinder angeblich “keine Trennung zwischen Zärtlichkeit, Sinnlichkeit und genitaler Sexualität” kennen, ist diese Behauptung meinem Verständnis nach eine Einladung zu pädophilen Handlungen….“
      Dem ist entschieden zu widersprechen:
      Die noch entwicklungspsychologisch diesbezgl. undifferenzierten sinnlichen Empfindungen des Kleinkindes, das also das Matschen, das Kitzeln am Ohr oder den Wasserstrahl m Sommer an der Scheide gleichermaßen genießt aber nicht in genitaler Fixierung (wie fast alle Erwachsenen es tun) „abspaltet“, kann nicht als „Einladung für Pädophile“ umgedeutet werden, sondern muß von allen Erwachenen als Tatsache und von einigen Erwachsenen zusätzlich noch als ernsthafte Herauforderung zur notwendigen Kultivierung bzw. Vermeidung angelegter oder erworbener sexueller Bestrebungen angesehen werden.
      Die so bei Kindern gewährleistete „Förderung der Sinne und des positiven Körpergefühls,…” macht Kinder resilient und ggfs. abwehrbereiter, weil sie über sich und ihren Körper angsfrei zu empfinden und zu entscheiden glernt haben.

      • Angelika Oetken

        @flunra39,

        das sehe ich genauso wie Sie. Die sexuelle ist ein ganz normaler Teil der kindlichen Entwicklung. Die Verantwortung, damit umzugehen, liegt immer bei den Erwachsenen. Das Zitat, das Sie anführen stammt nämlich nicht von mir. Die Foristin „geli“ hat es in einem Kommentar oben angeführt. Ich bin lediglich darauf eingegangen.

        • Richtig, Frau Oetken, ich habe mich vertan und danke jetzt besonders dafür, dass Sie sich nicht angegriffen gefühlt haben.
          Aus dem Kontext geht hervor: Meine Erwiderung meinte GELI, 14.44 h vom 04. 04.

      • Was macht Sie so sicher, dass Kinder durch eine „Förderung der Sinne und des positiven Körpergefühls,…” resilient, also seelisch gesund, über ihren Körper entscheiden und abwehrbereiter gegen Missbrauch sind?
        Es gibt ernstzunehmende Stimmen, die vom genauen Gegenteil sprechen und dringend vor dem großangelegten Menschen- bzw. Kinderexperiment warnen.
        Und wieso „angstfrei“ empfinden und entscheiden? Ich vermute mal, dass die eigenen Sinne und ein positives Körpergefühl (das auch ohne Kita- oder Schulförderung existiert) nichts nützen, wenn ein Erwachsener zudringlich wird. Vor diesem hat das Kind Angst, egal, wie sehr es das Kribbeln in seinen Körperteilen gelernt hat.

        • Angelika Oetken

          @dixo,

          der Begriff „Resilienz“ bezeichnet die Fähigkeit, krisenhafte Lebensereignisse, bzw. Katastrophen, die Traumapotential haben, zu verarbeiten und unter möglichst wenigen Beeinträchtigungen zu überstehen. Zur politisch-gesellschaftlichen Sicht auf die Opfer von Katastrophen und Krisen hier eine konstruktiv-kritische Darstellung: https://www.medico.de/vom-trauma-zur-resilienz-15983/

          Übertragen auf den Kinderschutz heißt das, resiliente Kinder haben größere Chancen Missbrauch und Misshandlung gut zu überstehen als Kinder, deren Resilienz geringer ist. Wie widerstandsfähig Kinder sind, hängt maßgeblich von ihrem Umfeld ab, nämlich, ob es dort überhaupt potentielle Ressourcen gibt. D.h. Kinder sind so „stark“ wie die Erwachsenen, die für ihren Schutz verantwortlich sind.

          Bezogen auf ein positives Körpergefühl bei Kindern: wo das vermittelt wird und die persönlichen Grenzen jedes einzelnen Kindes geachtet werden, haben Kinder, die von Erwachsenen und/oder Jugendlichen sexuell ausgebeutet werden, größere Chancen, dies so gut es geht zu verarbeiten. Ein „positives Körpergefühl“ an sich, schützt Kinder nicht, da haben Sie vollkommen recht. Wenn man sich vor Augen hält, dass die meisten Kinder und Jugendlichen von Menschen aus ihrem nächsten Umfeld missbraucht werden, oft handelt es sich dabei um die wichtigsten Bezugspersonen, dann wird etwas klarer, wie wichtig für diese kindlichen Opfer Menschen sind, die nicht ihren Familien angehören und über gewisse Möglichkeiten verfügen, den missbrauchten und bedrängten Kindern zu helfen. Dies sind eben oft ErzieherInnen in Kita und Schule und natürlich LehrerInnen.

  3. Angelika Oetken

    Zu den Materialien von pro – familia: die halte ich für kindgerecht und fachlich und ethisch gut.

    Insgesamt habe ich in Bezug auf den Ansatz von pro-familia nur einen Kritikpunkt: das Missbrauchsthema wird unabhängig von den sexualpädagogischen konzipiert und an die Klienten herangetragen. Mit der Absicht, Sexualität, als etwas grundsätzlich Positives, nicht mit dem negativ besetzten Missbrauchsthema zu vermischen. Ich habe da eine andere Einstellung. Für mich ist Missbrauch ein fester, wenn auch mittlerweile verfemter Bestandteil unserer traditionellen Sexualkultur, sollte deshalb ein ganz selbstverständlicher Part der Sexualpädagogik sein und auch vom Umfang her den Raum bekommen, der seiner Verbreitung entspricht.

  4. In einer Fortbildung über Missbrauch, die eine betroffene Person gehalten hat, habe ich Ähnliches gehört. Auch sie hat ihre Geschichte ähnlich wie Frau Oetken aufgearbeitet. Was für mich in deren Aussage neu war, war, dass es den Kindern erst gar nicht klar ist, dass sie sexuell missbraucht werden, da sie eine ganz andere Empfindung zur Sexualität haben. Kinder vor der Pubertät begreifen Sexualität anders als Erwachsene. Oder: die kindliche Sexualität ist eine andere als die erwachsene Sexualität. Also decken sich die Aussagen eines anderen Opfers mit denen von Frau Oetken. Ich meine Missbrauchsopfer sind Experten und die wissen, wie man evtl. durch bessere Aufklärung diesen Missbrauch verhindern hätte können. Da ist eine Aufklärung wie Frau Oetken es beschreibt, ganz wichtig. Ich habe als Lehrkraft in der Grundschule nur gute Erfahrungen mit Pro Familia gemacht. Diese gehen ganz sensibel an die Sexualerziehung Thema heran.

    • mehrnachdenken

      @ysnp
      Sie loben Pro Familia. Nun, ein kurzer Blick ins Internet zeigt, dass diese Einrichtung zumindest nicht umumstritten ist.
      Damit ich mir ein umfassenderes Bild von Pro Familia verschaffen kann, wäre ich Ihnen dankbar, wenn Sie anhand von konkreten Beispielen darüber berichten würden, warum Sie mit Pro Familia in Bezug auf die Sexualerziehung in Ihrer Klasse gute Erfahrungen gemacht haben.

      • mehrnachdenken

        unumstritten

      • Ich hatte ja schon erwähnt, dass Pro Familia sensibel das Thema bearbeitet. In einem Elternabend werden die Eltern umfassend über jeden Teil dessen, was dann – bei uns sind das insgesamt je zwei Doppelstunden – gemacht wird. Selbst kann man sich ja vorstellen, dass hier wirklich nur das Wichtigste gemacht wird. Über Google habe ich eine Seite gefunden, die das Konzept etwas genauer ausführt:
        http://www.profamilia.de/angebote-vor-ort/hessen/dietzenbach/paedagogik/sexualpaedagogik/grundschule.html
        Im 4. Schuljahr merkt man, dass die Schüler in die Vorpubertät kommen und es kommt dadurch eine gewisse Unruhe in die Klasse. Nach dem Programm wird es besser.
        Von der katholischen Organisation „donum vitae“ war ja auch schon einmal die Rede. Auch dieses Konzept habe ich schon erfahren. Das ist nicht mein Fall. Da hatte ich im Vergleich zu Pro Familia, dass hier einige „aufgeregter“ wurden.
        Bei „donum vitae“ geht es in den 4-5 Unterrichtsstunden schwerpunktmäßig und fast ausschließlich um die biologische Seite (Zeugungsakt). Was passiert beim Mann? Was passsiert bei der Frau? Alles wird in Bezug auf Leben geben gesehen. Das klingt erst einmal positiv, doch geht die biologische Seite ziemlich ins Detail. Hier spielt bei den Mädchen die Gebärmutter (=goldenes Gefäß), die sich vorbereitet, eine zentrale Rolle und die Jungs spielen die biologische Zeugung nach (z.B. stellen einige Spermien dar, die einen Befehl erhalten). Da habe ich mir schon manchmal so gedacht, ob da nicht der Schuss nach hinten losgeht.

        • Angelika Oetken

          Bei der Konzeption des Sexualkundeunterrichts ergibt sich die Schwierigkeit, dass es ja auch in unserer Gesellschaft verschiedene Gruppen von Menschen gibt, bei denen der Stellenwert und die Bedeutung von Sex sehr differiert. Sie reicht eben von eher traditionellen Sicht, nach der Menschen nur sexuell miteinander verkehren sollten, wenn sie als Heteropaar verheiratet sind und vorhaben ein Kind zu zeugen, bis hin zu der Einstellung, sexuelle Aktivitäten dienten allein dazu, Lustgefühle zu erzeugen und damit Freude am Leben zu empfinden.

          Eigentlich sollte die Sexualerziehung ja auch das abbilden, nämlich welche kulturelle Bedeutung Sexualität hat. Natürlich ausgerichtet auf das jeweilige Alter der SchülerInnen. Viele Konzepte dazu tun das ja auch.

          • Dieser sehr ausgewogenen Feststellung möchte ich emotional liebend gern zustimmen, kann es aber nicht, weil mit der benannten „Schwierigkeit“ erst die eigentliche Diskussion beginnt.
            Lasse ich nämlich die o.g. Sichtweisen gleichwertig nebeneinander treten, akzeptiere ich z. B. die hier u. a. von @stillmann (07.04.) behauptete Wertfreiheit und blende die (meist auch in diesem Forum nicht kommunizierten) Annahmen über den Zusammenhang von Sexualität und Gesellschaft völlig aus.
            Die „Schwierigkeit“, in unseren Schulen die Sexualerziehung (nicht: „- kunde“) öfteres und mutiger zu schultern, resultiert m.E. auch aus der Unsicherheit und den vorhandenen Ängsten, sich dabei zu positionieren, nicht länger „repressive Toleranz“ zu leben.

          • Angelika Oetken

            @flunra39,

            vermutlich gehört die Sexualerziehung, die ja auch -kunde ist, zu den größten Herausforderungen für LehrerInnen. Gerade weil „Sex“ ein höchst intimes Thema ist und die meisten Menschen große Schwierigkeiten haben, darüber offen, ehrlich, realistisch und einigermaßen sachlich zu sprechen. Und zwar ohne die Anzüglichkeiten, die sich bei solchen Unterhaltungen schnell einschleichen. Den gesellschaftlichen Zusammenhang von mehreren Seiten aus zu beleuchten, gehört zu den Stärken des umstrittenen Fachbuches „Sexualpädagogik der Vielfalt“. Neutral ist es dabei nicht. Scheut sich aber auch nicht, die existierenden Ambivalenzen zu benennen und zu veranschaulichen. Zum Beispiel, dass es sexuelle Normen gibt, die scheinbar tolerant und positiv daher kommen, in Wirklichkeit aber nur neue Zwänge produzieren.

          • @flunra39
            Warum nur macht mir der Begriff „Sexualerziehung“, zu schaffen? Mit „Sexualkunde“ habe ich keine Schwierigkeiten.
            Und warum ergreift mich Unwohlsein, wenn Sie von einem „mutigeren“ Schultern der Sexualerziehung sprechen?
            Bitte erklären Sie mir das nicht auf eine Art und Weise, die mir einredet, ich sei nur zu prüde, falsch programmiert und von „repressiver Toleranz“ geprägt.
            Das sind „Argumente“, die jeden wehrlos machen, weil darin die Behauptung steckt, mit mir stimme etwas nicht, wenn ich so empfände und Bedenken hegte. Das macht klein, beschämt und mundtot. Außerdem kann damit alles ähnlich durchgesetzt werden wie mit der gängigen Pacht von Moral.
            Eine „Sexualerziehung“, ob in Kitagruppe oder Klassenverband von um die 30 Schüler ist für mich außerdem mit weiteren Fragezeichen versehen. Bei diesem sensiblen Thema mit allen gleich zu verfahren, hat für mich eher etwas Vergewaltigendes als Befreiendes.

          • @Stefan B.
            Sexualerziehung deshalb, weil sie m.E. eine Querschnittsaufgabe ist und überall in der Schule zu berücksichtigen . Sie aber als 2-stdige Info (+ Fragemöglichkeit) und als Sexualkunde zu behandeln, geht an unserer Aufgabe vorbei, wie sie die Präambeln fast aller Curricula formulieren. Sex.-erziehung sollte daher als UNTERRICHTSPRINZIP anerkannt und behandelt werden. Das stellt hohe Anforderungen an jede Lehrkraft und vor allem an die L-Bildung.

            Kann es zutreffen, dass letztlich das erwähnte und gespürte Unwohlsein diesen Anspruch abwehren möchte ? Dass wir vor den Kindern und Jugendlichen spüren, als „homo sexualis“ gleichzeitig Unterrichts-Moderatoren und Selbst-Betroffene zu sein ?

            Selbstverständlich haben Sie dann auch Recht und lehnen- und nicht nur da- den Infoverbund in/von Großgruppen ab.

            Und schließlich: Sich dieser erzieherischen Tatsache bewusst zu sein, setzt meist – in Ihrer Terminologie:- soviel Befreiendes frei, dass es möglich macht, innerhalb der eigenen (!) Grenzen (!) mutig, offen und authentisch mehr als nur Sexualkunde (aber auch) nachhaltiger zu bewirken.

          • @flunra39
            Sexualerziehung als Unterrichtsprinzip? Welche Inhalte von hohen Ansprüchen stellen Sie sich da vor, die ständig in den Unterricht einfließen sollen?

          • Vor allem geht es um Haltungen , die als (qualitative) „Überbringer“ und Richtungsanzeiger der meist weniger anspruchsheischenden stofflichen Fakten/Kunde ständig und überall beteiligt sind.

          • @flunra39
            Sie haben sich ziemlich allgemein ausgedrückt. Oder hatten Sie eine bestimmte Schulart im Auge?
            Ich kann jetzt nur für den Grund- und Hauptschulbereich sprechen: Machen wir das nicht ständig, dass wir Haltungen erzeugen, indem wir erstens über geeignete Unterrichtsthemen diskutieren und Meinungsbildung initiieren und zweitens die Lernenden dazu bringen, sich mit ihrem Verhalten (das beinhaltet auch Toleranz) innerhalb des Sozialgefüges „Klasse“ und „Schule“ auseinanderzusetzen? Was ist der höhere Anspruch einer Sexualerziehung als Unterrichtsprinzip?

          • @flunra39
            Danke für Ihr Nachhaken. Sie äußern Überlegungen und Fragen, die mich ebenfalls beschäftigen.
            Auch bei anderen Themen wie der Inklusion stören mich wohlklingende Worthülsen und hehre Forderungen, mit denen ich als Antwort wenig anfangen kann. Ich weiß dann nur: Aha, diese Person steht für wunderbare Ziele, strahlt viel Kompetenz aus, sagt mir aber herzlich wenig über die profane Umsetzung in die Praxis.
            Oft frage ich schon gar nicht mehr nach, weil ich mir dämlich vorkomme mit meinem Interesse auf der „niederen“, handwerklichen Ebene.

          • @ysnp
            Was ich soeben sagte, war an Sie gerichtet und nicht an „flunra39“.

          • @ysnp
            Es handelt sich in dieser Frage zunächst nicht um Haltungen, die wir erzeugen, sondern um unsere eigenen Haltungen, auch unabhängig von der Schulart.
            Wenn wir Sexualerziehung als Querschnittsaufgabe (siehe oben) und uns als Lehrkraft, die, wie gesagt, bei der SexualERZIEHUNG sowohl als selbstbetroffener homo sexualis als auch als UnterrichtsmoderatorIn vor den Schülern steht, verstehen, dann ist unser eigenes Verhalten von höchst nachhaltiger Wirkung. Denn Schüler suchen danach, die SexualKUNDE-Informationen in ihrer Bedeutung für das eigene Leben interpretieren zu können und ihre Bedeutung für ihr zwischenmenschliche Verhalten einzuschätzen. Wir stehen dabei wohl unter diesbezügl. ständiger Beobachtung.
            Also ist die nachhaltige (sexualerzieherische) Wirkung tagtäglicher Situationen abhängig von der von uuns gezeigten und von Schülern wahrgenommenen Haltung und vermutlich nachhaltiger als manches im Unterricht soeben behandelte mehr oder weniger „Heiße Eisen“. Beispiele können das vielleicht verdeutliichen.
            Z.B. Oberstufe: Wie „selbstverständlich“ übersieht/ reißt wortlos auseinander/ bittet zum Gespräch/ bestraft laut hörbar eine Lehrkraft ein knutschendes Päärchen auf dem Schulhof ?
            Z.B. Mittelstufe: Wie „selbstverständlich“ überhört/ überlächelt/ verbietet/ bittet um Erklärung/ bestraft eine Lehrkraft im Unterricht zum Thema „Freizeitverhalten (der Eltern)“ die Wortmeldung eines Schülers: „Mein Vater geht in seiner Freizeit in den Puff-“ ?
            Z.B. Unterstufe: Wie „selbstverständlich“ übersieht/ überlächelt/ schickt wortlos davon/ fragt nach dem Begehren/ schimpft aus/ bestraft eine Lehrkraft den Schüler, der nahe dem Mädchenklo angetroffen wird ?

            Ich überblicke nicht, ob es bereits empirische Belege für die unterschiedliche Wirkung von beiläufigem und formalem Lernen in der Sexualpädagogik gibt; dass aber jedes Fach und jede Lehrkraft damit konfrontiert ist, macht u.a. das Buch: Hopf: Fächerübergreifende Sexualpädagogik (Schneider Verlag) sehr deutlich.

            Ich kann jetzt nur für den Grund- und Hauptschulbereich sprechen: Machen wir das nicht ständig, dass wir Haltungen erzeugen, indem wir erstens über geeignete Unterrichtsthemen diskutieren und Meinungsbildung initiieren und zweitens die Lernenden dazu bringen, sich mit ihrem Verhalten (das beinhaltet auch Toleranz) innerhalb des Sozialgefüges „Klasse“ und „Schule“ auseinanderzusetzen? Was ist der höhere Anspruch einer Sexualerziehung als Unterrichtsprinzip?

          • Irrtum/KORREKTUR: die 7 letzten Zeilen gehören nicht dazu.
            Sie stammen aus dem Tdext von ynsp

          • Angelika Oetken

            Mal als Seiteneinwurf in die interessante Debatte:

            bei der Diskussion darum, welchen Stellenwert das Thema „Sexualität“ an Schulen ganz allgemein hat, möchte ich daran erinnern, dass der Anteil an SchülerInnen, die über Erfahrungen mit sexuellem Missbrauch, Ausbeutung, Gewalt und Misshandlung verfügen viel höher ist als allgemein angenommen. Und zwar sowohl was die betrifft, die Zielobjekt solcher Angriffe waren oder sind, als auch in der Rolle des Aggressors. Je nach Alter der SchülerInnen und welche Ergebnisse wissenschaftlicher Erhebungen man zu Grunde legt, gehört jeder ganz gewöhnlichen Schulklasse im Durchschnitt mindestens ein Kind bzw. ein Jugendlicher mit Missbrauchserfahrungen an. Und das kann bei offener ermittelter Rate in der Oberstufe bis auf ein Viertel der Schülerschaft ansteigen. Die meisten dieser Mädchen und Jungen werden in ihrem häuslichen Nahbereich missbraucht. D.h. ihre Möglichkeiten dem zu entkommen sind sehr beschränkt. Erst recht, wenn sie noch nicht zu den Jugendlichen zählen und man ihnen auch rechtlich mehr Möglichkeiten zugesteht, sich von ihren Sorgeberechtigten zu distanzieren. Die Schule als soziales, Halt und Sinn gebendes Gefüge, wo man auf Peers und auf Erwachsene trifft, die ggf. ein alternatives Wertgefüge anbieten, als man es zuhause vorfindet ist für etliche dieser Kinder und Jugendlichen eine wesentliche Ressource. Wenn ihnen dort auch noch vermittelt wird, dass sie sich Rat und Hilfe in ihrer Not holen können, dann ist das sogar unschätzbar für den weiteren Lebensweg dieser jungen Menschen. Von denen nicht wenige in einer Situation leben müssen, die als Sexsklaverei bezeichnet werden muss. Da unsere Gesellschaft dem Schutz der Familie und den Elternrechten leider immer noch viel mehr Bedeutung zumisst, als dem Recht der Kinder auf ein menschenwürdiges Aufwachsen.

          • Bei aller Wertschätzung, liebe Frau Oetken, frage ich mich, ob die Sexualerziehung der Vielfalt mit ihren befürchteten Nebenwirkungen wie Indoktrinierung und Ideologiesierung sein muss, um Ihrem zweifellos wichtigen Anliegen eines besseren Schutzes der Kinder vor (häuslichem) Missbrauch mehr Geltung zu verschaffen.

          • Angelika Oetken

            @geli,

            welche Haltung es braucht, um möglichst allen SchülerInnen, so unterschiedlich ihre Erfahrungen und das Milieu dem sie entstammen, in Bezug auf Sexualität auch sein mögen gerecht zu werden, ist eine interessante Frage. Vielleicht tut es Realitätssinn und Toleranz für den Anfang?

          • Realitätssinn und Toleranz sagen mir aber nach längerer Beschäftigung mit dem Thema „Unterricht in sexueller Vielfalt“, dass ich der Sache nicht trauen sollte und falsche Plaketten oder Schönfärberei auf ihr kleben.

          • Angelika Oetken

            „Homo-, Bi- oder Transsexualität sollen damit auch im Unterricht zum Thema werden. Mit der Überarbeitung habe man die Pläne der Lebenswirklichkeiten der Menschen angepasst, heißt es aus dem Kultusministerium.“

            @F.H.,

            das Kultusministerium hat vor, Homo-, Bi- oder Transsexualität im Unterricht zum Thema zu machen. Das zeugt für mich von Realitätssinn. Wenn man den SchülerInnen vermittelt, dass Homo-, Bi- und Transsexuelle ihre Sexualität wie alle anderen Menschen auch ausleben können, was ihnen im Übrigen auch per Grundgesetz garantiert ist, wäre das ein Zeichen von Toleranz. Im Artikel ist keine Rede davon, dass das Kultusministerium die Schulen anweist, dabei das Buch „Sexualpädagogik der Vielfalt“ zum Standardwerk zu machen.

          • Vielleicht reden wir etwas aneinander vorbei, Frau Oetken. Ich habe nichts dagegen, wenn auch sexuelle Minderheiten Themen des Unterrichts sind und sie vorurteilslos und wertfrei behandelt werden.

            Sehr viel habe ich aber dagegen, wenn Kita- und Schulkinder „stimuliert“ werden, um es kurz zu sagen, oder 10 bis 12-Jährige aufgefordert werden, ihr Geschlecht zu hinterfragen und Mädchen überlegen sollten, ob gleichgeschlechtliche Beziehungen nicht von Vorteil seien durch eine eine sehr geringe Aids-Gefahr. (Siehe GEW-Unterrichtsvorschläge).
            Es würde zu weit führen, all meine Bedenken aufzuzählen. Intolerant bin ich nicht gegenüber der Art und Weise, wie die Menschen ihre Sexualität ausleben, allerdings möchte ich keine Sexualerziehung, die nach meinem Dafürhalten übergriffig ist, auch wenn Lobbyisten, „Experten“ und Politiker das bestreiten und stets behaupten, alles diene nur der Toleranz gegenüber sexuellen Minderheiten und dem Wohl der Kinder.
            Unter dieser Frömmelei kann viel Unfug getrieben werden.
            Mich macht auch misstrauisch, wenn sog. Fachleute, die oftmals nichts anderes als Lobbyisten sind, Teile des Unterrichts übernehmen sollen, möglichst noch in Abwesenheit der „verklemmten“ Lehrkräfte.
            Ich habe in Eile geschrieben, deshalb nur angerissen und vielleicht auch Fehler gemacht. Ich bitte, das nachzusehen.

          • Angelika Oetken

            @F.H.,

            mein Kommentar oben bezog sich auf die Debatte in diesem jüngsten Faden, in der es um den Stellenwert der Sexualpädagogik bzw. -erziehung, respesktive -kunde im Schulalltag ging.
            Falls Sie mit Ihrem Beitrag oben auf „Sexualpädagogik der Vielfalt“ abzielen: die erste Auflage von 2008 enthält einige kritische Punkte. In der Überarbeitung, 2012 erschienen, wurden sie bereinigt. Das, was Sie oben anführen, konnte ich in dem Buch nicht wiederfinden. Trotzdem sehe ich inhaltlich ein Ungleichgewicht in dem Werk, was ich weiter oben schon begründet hatte.
            Die Debatte hier hat mich aber motiviert, auf „Amazon“ eine Rezension dieses Fachbuches einzustellen.

    • Angelika Oetken

      Was Fachverbände wie „pro familia“ angeht, kann ich Ihnen nur beipflichten. Eine Qualitätssicherung ist allein dadurch schon gegeben, dass deren Bundesverband dem DPW angehört und viele regionale Beratungsstellen von pro familia der DGfPI http://www.dgfpi.de/mitgliedsorganisationen.html

      Trotz allen Bemühens um Fachlichkeit gibt es aber auch bei „pro familia“ noch Einiges aufzuarbeiten, ggf. auch Sichtweisen aus der Vergangenheit zu revidieren. Dass man sich dem stellt ist erstmal ein gutes Zeichen. Die meisten Institutionen, egal zu welcher Weltanschauung sie tendieren tun das eben nicht.

  5. @ysnp
    Wenn „es den Kindern erst gar nicht klar ist, dass sie sexuell missbraucht werden, da sie eine ganz andere Empfindung zur Sexualität haben“, wie können sie dann traumatisierte Opfer sein, um die sich Betroffenheitsverbände kümmern? Sie erleben dann das, was mit ihnen geschieht, ja nicht als etwas Schlimmes, sondern etwas Schönes.
    Und wenn ich das, was geli gestern um 14:44 Uhr geschrieben hat, richtig verstehe, wird aus dieser Erkenntnis heraus für die sexuelle Aufklärung im Kindergarten u.a. die Vermittlung eines „positiven Körpergefühls“ incl. sexueller Empfindungen empfohlen.
    Gilt dann das, was bisher als „Missbrauch“ galt, heute bei kleinen Kindern als Gegenteil, nämlich als Erweiterung bzw. Bereicherung ihrer Gefühlswelt?
    Das erinnert mich an die Kinderläden der 68er, in denen Jungen und Mädchen aufgefordert wurden, sich gegenseitig untenrum zu erkunden und die Erzieher/innen bei dieser Aufklärung fleißig mitmachten.
    Das galt damals schon als Kampf gegen Prüderie und Befreiung der Kinder von einengenden Schamgrenzen, die ihre sexuelle Gefühlswelt behinderten.
    Was damals Einzelfälle waren, von denen man sich später aus gutem Grund distanzierte, wird heute empfohlen und verordnet. Ich komme mir vor wie in einem schlechten Film und kann nur hoffen, dass ich da einiges missverstanden habe.

    • Angelika Oetken

      „„es den Kindern erst gar nicht klar ist, dass sie sexuell missbraucht werden, da sie eine ganz andere Empfindung zur Sexualität haben“,“

      Die Betonung liegt auf „erst“. Um das beschriebene Phänomen verstehen zu können, müssen Sie sich in die Perspektive eines Kindes versetzen, das nicht nur mit der Sexualität von Erwachsenen konfrontiert, sondern sogar von diesen zur Befriedigung ihrer, nämlich der erwachsenen Sexualität benutzt wird. Und zwar aus der eines Menschen, der in seiner sexuellen Entwicklung und Persönlichkeit dafür ausreichend reif ist. Vielen Betroffenen gelingt es deshalb erst später, aus der Rückschau des Erwachsenen zu begreifen, dass das, was ihnen als Kind geschehen ist sexueller Missbrauch war.

    • Angelika Oetken

      Selbstverständlich muss die Vermittlung, dass ein positives Verhältnis zum Körper, zur Körperlichkeit und zur Sexualität etwas Gutes ist, Bestandteil jeder Sexualpädagogik sein. Abgesehen davon, dass diese Prinzipien auch in der Familie und im Elternhaus gelten sollten. Alles Andere käme einer psychosozialen Misshandlung des Kindes gleich, da man es in seiner natürlichen Entwicklung, zu der selbstverständlich auch die sexuelle gehört behindern würde.

      • So ganz verstehe ich Sie immer noch nicht. Ich bin ein altes Semester und kann mich nicht erinnern, dass unsere Eltern ein „positives Verhältnis zum Körper, zur Körperlichkeit und zur Sexualität“ unterdrückt hätten. Sie haben es aber auch nicht forciert und die Dinge ihren natürlichen Lauf nehmen lassen.
        Wenn uns der Sinn nach körperlichen Erkundigungen stand, machten wir es einfach (siehe Doktorspiele!) ohne schlechtes Gewissen, allerdings auch ohne dies an die große Glocke zu hängen.
        Dieses Breittreten von Sexualität heute in Kindergarten und Schule raubt den Kindern meiner Meinung nach die schöne Welt der Intimität, Intimerfahrung und individuell unterschiedlichen Erfahrungswünsche. Es wird übergestülpt anstatt je nach Gusto selbst entdeckt und erlebt. Und das in einer Pädagogikwelt, die sich dem selbstentdeckenden Lernen verschrieben hat.
        Ich möchte mit den heutigen Kindern diesbezüglich nicht tauschen.

        • Könnte es daran liegen, dass die vermeintlich heile Welt, die Sie subjektiv erlebt haben, objektiv so heil nicht war? Das „Breittreten von Sexualität“ hat immerhin schon mal dazu geführt, dass wir so wenige Schwangerschaftsabbrüche verzeichnen, wie seit Jahrzehnten nicht. Intimität? Es ging wohl früher mehr um Scham, unter deren Dunstglocke Missbrauch weit verbreitet war. Jahrzehntelang (!) – um hier nur ein Beispiel zu nennen – wurden bei den altehrwürdigen Regensburger Domspatzen Kinder misshandelt und missbraucht, und keiner hat sich darum gekümmert. Darüber hinaus herrschte das Dogma einer rigiden Sexualmoral, die Verstöße (Homosexualität bis 1969) mit Strafe belegte. Wenn Sie selbst durch biologischen Zufall davon nicht betroffen waren bzw. sind, naja, dann lässt sich leicht von der schönen Vergangenheit schwärmen. Fragen Sie mal ältere Homosexuelle, ob die Ihre netten Erinnerungen („ohne schlechtes Gewissen“) teilen – wohl kaum.

        • Angelika Oetken

          Ich weiß nicht, was Sie unter „altes Semester“ verstehen. Aber ich bin 1964 geboren und von Menschen erzogen worden, die den Jahrgängen aus der Zeit vor dem ersten Weltkrieg entstammen. Deren Verhältnis zu Sexualität war vor Allem von Unkenntnis, Angst, Unsicherheit, Scham und Tabus gekennzeichnet. Die Sexualität der Männer war negativ besetzt, sie galten als übergriffig, sexuell gierig, triebhaft und potentiell gefährlich. Während den Frauen schlichtweg ein eigenes, in irgendeiner Form auf lustvolles Empfinden ausgerichtetes sexuelles Begehren abgesprochen wurde. Frauen waren ausschließlich für die Reproduktion und zur Erledigung unliebsamer Arbeiten da. Vor Einführung der „Pille“ begleitete die Angst vor Schwangerschaften, die Frauen und Mädchen die sexuell aktiv sein wollten oder mussten ständig. Über den Körper redete man nicht, es sei denn, man war krank. In meiner Kindheit sprachen die verheirateten Frauen in meinem Umfeld das Wort „Sex“ mit weichem „S“ aus und Witwen betonten, wenn sie sich in trauter Runde unterhielten, wie froh sie waren, dass „das“ durch das Ableben ihrer Ehemänner endlich vorbei war. Über Vergewaltigungs- und Missbrauchsopfer machte man sich lustig, falls überhaupt mal über das Thema gesprochen wurde. Gewalt gegenüber Frauen und Kindern war an der Tagesordnung, ebenso wie es Schlägereien der Männer und Jungen untereinander waren. Vor Männern und älteren Jugendlichen mussten wir Kinder, in erster Linie die Mädchen uns in Acht nehmen. Wurden sie zudringlich, war von den Erwachsenen keine Hilfe zu erwarten. Alle guckten verschämt weg und taten so, als hätten sie nichts bemerkt. Konnte man doch einmal nicht mehr die Augen verschließen, wurden die Opfer stigmatisiert, ausgegrenzt und in der Psychiatrie entsorgt, wo man ihnen häufig genug den Rest gab. Diese Profession war nämlich noch den Regularien und Vorstellungen des Dritten Reichs verhaftet. Von der Personalfrage mal ganz abgesehen. In der Gegend, in der ich aufgewachsen bin, tranken die Männer viel Alkohol, während er für Frauen verpönt war. Genauso verhielt es sich mit dem Rauchen. Wer einmal verheiratet worden war, musste mit dem „Partner“ ausharren, bis der verstarb. Trennungen waren die absolute Ausnahme. Selbst dort, wo ein Ehepartner massiv übergriffig, untreu oder psychiatrisch schwer krank war. Die Frauen waren in der Regel ihren Männern wirtschaftlich und sozial ausgeliefert. Erst im Zuge der 70er Jahre änderte sich das langsam.
          Kurzum: sexuelle Gewalt und Primitivität, in Verbindung mit Unwissen und Prüderie waren damals eigentlich üblich. Genauso wie die ritualisierte Verklärung der Ehe und Familie. Erst in der Schule traf ich auf Menschen, die dem Thema „selbstbestimmte Sexualität“ gegenüber aufgeschlossener waren. In Rückschau, mit dem Wissen von heute, fallen mir immer mehr Hinweise auf Opfer und TäterInnen auf. Die ich in meiner Kindheit und Jugend natürlich noch nicht deuten konnte.

          • mehrnachdenken

            Sorry, in welcher Ecke von Deutschland sind Sie denn groß geworden?
            Können Sie sich vorstellen, dass sich Menschen in den ersten 20 Nachkriegsjahren auch an eine überwiegend unbeschwerte und glückliche Kindheit erinnern?
            Bspw. wuchs ich – deutlich älter als Sie – in einem recht kleinen Dorf auf, und jedes Kind würde sich heute bestimmt glücklich schätzen, nur über einen Bruchteil unserer damaligen Freiheit zu verfügen.
            Bspw. sahen uns die Eltern nur zu den Mahlzeiten. Ansonsten tobten wir draußen herum.
            Zur Dorfgruppe gehörten sowohl Mädchen als auch Jungen im Alter von ca. fünf bis 14 Jahren.

            Im Gegensatz zu heutigen Kindern konnten wir noch selbstbestimmt und frei auf sexuelle Entdeckungsreise gehen, die uns nicht von Erwachsenen vorgezeichnet wurde.
            Keine Sekunde möchte ich meine Kindheitserinnerungen missen und keine Sekunde möchte ich mit heutigen Kindern tauschen!!

          • @ Angelika Oe.: Vieles, was sie beschreiben stimmt. Erst seit 1977 dürfen Frauen ohne Zustimmung des Mannes arbeiten gehen. Wer war eigentlich richtig aufgeklär? Vor allem in den Jahren vor der Pille? Was mehrnachdenken über seine Kindheit schreibt, hat mit ihrem Beitrag gar nichts zu tun. Ich weiß nicht, welche Trugbilder über das Thema „Aufklärung“ in den Köpfen schweben. Ich kann nur für die Grundschule sprechen. Das ist ein Raum, in dem das Thema mit Respekt und Vorsicht behandelt wird in einer Gruppe von Gleichaltrigen, die alle genauso wenig wissen wie die anderen. Mit Achtung und Vorsicht werden Fragen beantwortet und man lernt voneinander. Nicht so peinlich, wie von den Eltern oder in einem knallharten Unterricht, wenn man älter ist. Und im Lehrplan von BaWü sind Leitgedanken formuliert, ein Aufruf zu Toleranz gegenüber Minderheiten, wie Behinderten, anderen Religionen, Ausländern und Homosexuellen. Peinlich genug, dass man das extra formulieren muss. Und die Kindheit ist NICHT vorbei, nur weil man weiß, dass vielleicht 2 Männer zusammen ein Kind aufziehen.

          • mehrnachdenken

            Nein? Wie ist es um Ihre Lesekompetenz bestellt?

          • mehrnachdenken

            Ergänzung:
            Vielleicht haben Sie es überlesen, aber ich formuliere inhaltlich fast deckungsgleich mit „Beate“ (05.04./ 12.59 h).
            Auffällig ist allerdings, dass nicht nur Sie sich in diesen Fällen auf mich „stürzen“.
            Unterstellten Sie mir nicht kürzlich Unfairness?

          • Angelika Oetken

            @mehrnachdenken,

            nur zum Veständnis: meine Rückmeldungen beziehen sich auf das Thema des Artikels, nämlich auf Sexualpädagogik. Nicht auf meine gesamte Kindheit.

  6. Angelika Oetken

    „Gilt dann das, was bisher als „Missbrauch“ galt, heute bei kleinen Kindern als Gegenteil, nämlich als Erweiterung bzw. Bereicherung ihrer Gefühlswelt?“

    Die Unterscheidung gelingt, wenn man die Absichten des Erwachsenen bewertet, der entsprechend mit den Kindern umgeht. Dient das, was er den Kindern anbietet oder an sie heran trägt dazu, dass diese in ihrer Entwicklung gefördert und in ihrer Autonomie geschützt werden? Oder werden die Kinder damit dazu benutzt, dass sich der Erwachsene sexuell stimuliert bzw. befriedigt?
    Letzteres wird auf der Homepage von „Glasbrechen e.V.“ http://www.glasbrechen.de und bei http://www.missbrauchsopfer-josephinum-redemptoristen.de/ sehr gut dargestellt.

  7. Angelika Oetken

    Zur Frage, ob und wenn ja wie „Sexualisierung“ sexuellen Missbrauch auslöst oder verursacht:
    es gibt tatsächlich Missbrauchskontexte in denen die kindlichen und jugendlichen Opfer über längere Zeiträume konditioniert werden. Mit dem Ziel, dass sie bestimmte Verhaltensweisen zeigen oder Praktiken dulden, die für den Täter bzw. die Täterin in sexueller Hinsicht attraktiv sind. Das geht hin bis zur so genannten „Kinderprostitution“ und „Kinderpornografie“, mit der in bestimmten Kreisen ein reger (Tausch-)Handel betrieben wird. Hinweise auf die Existenz solcher kriminellen Banden finden wir an vielen institutionellen Tatorten. Darunter die Odenwaldschule und katholische Internate.
    Allerdings ist die sexuelle Abrichtung „Sexualisierung“ der Opfer immer die Folge, nie die Ursache von Missbrauch. Täterinnen suchen oder schaffen zuerst günstige Tatorte, dann beeinflussen sie die Menschen, die sich dort aufhalten. Allen voran die Erwachsenen. Es sind also nicht die Missbrauchsopfer, die die Übergriffe auslösen und letztlich verantworten. Sondern in erster Linie die TäterInnen, dann die so genannten „MittäterInnen“ und zuletzt all jene Erwachsenen, die sich weigern oder unfähig sind, sich mit dem auseinanderzusetzen, was ist.

  8. Ich schreibe jetzt hier wirklich nichts mehr. Jeder, der nicht das gleiche kleinkarierte Weltbild hat wie mehrnachdenken, wird von ihr/ihm zur Schnecke gemacht.

    Und: ICH MAG GEORG AUCH!!!!

    • mehrnachdenken

      Kleinkariertes Weltbild? Kennen Sie mich eigentlich? Was maßen Sie sich an?
      Sie brauchen nicht meine Ansicht zu teilen. Ich kann aber erwarten, dass Sie sich bemühen, meine Beiträge objekt zu lesen und dort nicht etwas hinein interpretieren, was Sie dort vielleicht gerne lesen würden.
      Dass Sie Georgs Pöbeleien gut finden, rundet das Bild über Sie für mich ab.

    • Danke, das freut mich!

      Ich habe es leider erst jetzt gesehen

  9. Zitat: „Dass Frühsexualisierung das ‚Muster der Pädophilen‘ schlechthin sei, erklärte der Wiener Psychiater Raphael Bonelli: „Sexuelle Übergriffe gegen Minderjährige würden schließlich stets damit beginnen, dass der Täter beim betroffenen Kind zuerst dessen Aufklärung fördert und in ihm ein außergewöhnliches, nicht altersadäquates Interesse an Sexualität weckt”, berichtete der Psychiater und Psychotherapeut aus der Therapie von Missbrauchsopfern und -tätern.
    Pädophile würden ihre Opfer oft zu Autoerotik und zu Sexspielchen mit Gleichaltrigen anleiten, bevor es dann zum geplanten Übergriff komme. Bonelli: “Auch Otto Mühl hat seine Straftaten mit der Körperkompetenz der Kinder gerechtfertigt.” (…)
    So stellt sich die Frage, warum Sexualpädagogen darauf hinarbeiten, Kinder immer früher aufzuklären und warum der Mitautor des sehr umstrittenen Buches „Sexualpädagogik der Vielfalt“ Stefan Timmermann sich für „mehr Männer in Kindertagesstätten“ und sexualfreundliche Kitas“ einsetzt. Er ist Fachbeirat in Schwulenverbänden und fordert „Kuschelhöhlen“ damit die kleinen Kinder ihre Körper gegenseitig erforschen können.
    So ganz geheuer ist uns dabei nicht! Und Ihnen?“
    https://kidcareblog.wordpress.com/2016/01/17/fruehsexualisierung-das-muster-der-paedophilen/

    • Angelika Oetken

      Die erste Auflage von „Sexualpädagogik der Vielfalt“ ist zu Recht umstritten. An der Überarbeitung gibt es zwar auch etwas auszusetzen, aber höchstens die Gewichtung der einzelnen Themen. „Anleitung zum Missbrauch“ oder „Grooming“, wie Ihr Beitrag suggeriert, ist das Buch ganz sicher nicht. Abgesehen davon, ist „Sexualpädagogik der Vielfalt“ nur ein Fachbuch unter Vielen. Die Fachleute, die sich für eine kindgerechte Sexualpädagogik einsetzen, mit Pädokriminellen in einen Topf zu werfen ist unfair. Auch wenn das Bild von Menschen und ihrer Sexualität und deren gesellschaftlicher Bedeutung vermutlich immer eine Diskussion wert ist. Unsere Sexualkultur ist wie alles im Fluss.

      Das, was Missbrauchsverbrecher wie Otto Mühl oder die Täter an den so genannten „Domspatzenvorschulen“ Etterzhausen/Pielenhofen betrieben haben, hatte ein ganz anderes Kaliber. Ganz zu schweigen von den Missbraucherinnen und Missbrauchern, die in ihren Familien Kinder von klein auf auf das Erbringen sexueller Dienstleistungen regelrecht zurichten. Hier wird beschrieben, welche Folgen so etwas haben kann und welchen Zwecken es dient http://www.vielfalt-info.de

      Was Männer und Missbrauch angeht: dass die Mehrzahl der sexuellen Übergriffe durch männliche Individuen begangen werde, wird allgemein angenommen. Ich bin in der Hinsicht zunehmend skeptisch.

      „Männer in Kindertagesstätten“: Männer sind in der Erziehung kleinerer Kinder wenig vertreten. Was schade ist. Allerdings stellen Kitas und Schulen ideale Tatorte dar. Gleichzeitig sind ErzieherInnen und LehrerInnen für Kinder, die zuhause sexuell missbraucht werden, häufig die einzigen Personen, denen sie sich anvertrauen können. Insofern kann ich solchen Einrichtungen nur empfehlen, sich mit dem Thema „sexuelle Ausbeutung von Kindern“ intensiv zu beschäftigen und die Kinder und ihre Angehörigen daran zu beteiligen.

      • Trotzdem berührt mich unangenehm, wenn ein Fachmann, ein „Psychiater und Psychotherapeut aus der Therapie von Missbrauchsopfern und -tätern“, davon spricht, dass der Täter beim betroffenen Kind zuerst dessen Aufklärung fördert und in ihm ein außergewöhnliches, nicht altersadäquates Interesse an Sexualität weckt”.
        Da sehe ich schon eine Gefahr der sexuellen Frühaufklärung, auch wenn deren Strategen und Befürworter nichts Böses im Sinn haben.
        Die Kinder werden nach meiner Auffassung aber durchaus „angeheizt“ und nicht nur in ihrer natürlichen Neugier befriedigt. Die ist meiner Meinung nach auf einer niedrigeren Stufe angesiedelt.
        „Kindliche Wissbegier“ und frühzeitige „Erziehung zur Toleranz“ müssen da m. E. für eine Sexualerziehung herhalten, die ihre Tücken hat und mir einfach zu weit geht.

        • Angelika Oetken

          „Sexuelle Übergriffe gegen Minderjährige würden schließlich stets damit beginnen, dass der Täter beim betroffenen Kind zuerst dessen Aufklärung fördert und in ihm ein außergewöhnliches, nicht altersadäquates Interesse an Sexualität weckt“

          Bonelli wird hier angeblich zitiert, es gibt einige Homepages, offensichtlich handelt es sich dabei um politisch-religiöse Gruppierungen, die den entsprechenden Absatz wortgleich eingestellt haben.

          Laut Wikipedia ist Raphael Bonelli zwar Psychiater, aber offensichtlich kein Experte für Missbrauchskriminalität, aber Leiter eines Instituts und Mitglied eines anderen, die beide Religiosität, Psychiatrie und Psychotherapie miteinander in Verbindung bringen wollen
          https://de.wikipedia.org/wiki/Raphael_M._Bonelli

          Grundsätzlich scheint es sich bei Raphael Bonelli um einen rührigen, geachteten, seriösen Experten zu handeln. Es wäre interessant zu erfahren, wie er es findet, dass er von politischen Gruppierungen, die reaktionäre Thesen vertreten und dazu das Kinderschutzthema benutzen auf deren Homepages zitiert wird.

          Die Strategie von Pädokriminellen ist nämlich keineswegs, die Kinder aufzuklären, sondern im Gegenteil sie mit einer beschädigten und beschädigenden Variante erwachsener Sexualität zu überfordern, zu überrumpeln und letztlich zu erpressen. Dazu behandeln sie ihre potentiellen Opfer genauso, wie es manche Erwachsene auch mit anderen Erwachsenen tun, die sie sexuell ausbeuten wollen. Auch und gerade innerhalb von Ehe und „Partnerschaft“. Manche Leute bezeichnen so etwas sogar als „Liebe“. Dabei handelt es sich um das glatte Gegenteil davon. Da so etwas in unserer Kultur leider immer noch viel zu vielen Menschen als „normal“ gilt, haben es Täterinnen und Täter ja so leicht, ihre Absichten zu verbergen und ihre Verbrechen zu vertuschen.

          • Ich verstehe Sie, ehrlich gesagt, immer weniger, obwohl Sie alles tun, um meine Bedenken zu zerstreuen.
            Für diese Mühe möchte ich Ihnen abschließend ausdrücklich danken.

          • Für mich gibt es weder „fortschrittliche“ noch „reaktionäre“ Thesen, sondern nur solche, die ich aus sachlichen Gründen für richtig oder falsch halte.
            Alles andere geht in Richtung Vorurteil und Stimmungsmache.

          • Angelika Oetken

            @stillmann,

            da stimme ich Ihnen zu. Und das ist genau das, was ich zum Ausdruck bringen wollte. Es gibt sehr konservative, religiös motivierte Gruppierungen, die das Thema nutzen, um Stimmung zu machen. Dem Kindeswohl ist das eher abträglich. Denn es lenkt vom eigentlichen Problem ab. Falls diese Gruppierungen wirklich Kinder schützen wollten, gäbe es im eigenen Milieu genug zu tun.

          • Nein, ich fürchte, Sie verstehen mich falsch. Sie haben den Begriff „reaktionär“ gebraucht, den ich als stimmungsmachend kritisiert habe. Ebenso ablehnend stehe ich dem Negativgebrauch von „konservativ“ und „religiös motiviert“ gegenüber.
            Für mich sind auch diese Begriffe erst einmal wertfrei und ich halte es für unseriös, sie für Assoziationen einzuspannen, die die betreffenden Menschen in ein schlechtes Licht setzen und so Stimmung gegen sie machen.
            Auch mit Sprache wird viel Missbrauch getrieben durch die Füllung originär wertfreier Begriffe mit unzulässigen Wertungen in eine gute oder schlechte Richtung.

          • mehrnachdenken

            Diese „Spielchen“ kennen wir nun schon zur Genüge. Erstaunlich aber, dass dieser Sprach – Missbrauch oft nur als Stimmungsmache von der so genannten fortschrittlichen Seite in Richtung eher konservativer Haltungen betrieben wird.

            Zum Schluss kann es passieren, als „Troll“ beschimpft zu werden oder es wird unterstellt, in einer „kleinkarierten Welt“ zu leben.

          • Aber Frau Oetken hat den Begriff doch gar nicht wertend gebraucht – die (negative) Wertung, stillmann, legen Sie hinein. Was ist daran falsch, wenn Frau Oekten sachlich beschreibt, dass „sehr konservative, religiös motivierte Gruppen“ Stimmng mit dem Thema Sexualerziehung machen (wollen). Stimmt doch. Wie hätte sie die Gruppen von der „Demo für alle“ bis zur AfD (bei denen es übrigens interessante personelle Überschneidungen gibt) denn anders nennen sollen – rechtspopulistische Eiferer? So würde ich sie übrigens nennen.

            Liebe Frau Oetken, ich möchte mich hier ausdrücklich für Ihre überaus lesenwerten und wichtigen Beiträge bedanken, die eine tiefe Beschäftigung mit den Themen Missbrauch und Aufklärung erkennen lassen.

          • Genau, das geht mir auch so. Mir fehlte in den letzten Tagen die Zeit, aber jetzt, wo ich einige Beiträge lesen konnte, schließe ich mich den Dankesbekundungen an.

  10. Angelika Oetken

    @stillmann,

    wie würden Sie die Gruppen denn beschreiben?

  11. Ursula Prasuhn

    @stillmann 7. April 2016 um 11:16
    Der Artikel „Ein klarer Blick ist ein klarer Blick“, mag das, was Sie sagen, vielleicht verdeutlichen und ergänzen.
    Ein Ausschnitt daraus:
    „ (…) Und weil das recht gut funktionierte, benannten sie bald auch andere Wörter um.
    So beschloss man, unbequeme Sachinformationen künftig rassistische Hetze zu nennen. Zur Kulturpflege sagten sie Nationalismus und zur Empörung künftig Hass. Aufklärung nannten sie Verschwörungstheorie und aus dem Wort interessant wurde das Wort krude, während lustig nun anstelle von niveaulos stand. Die Vereinsvetterleswirtschaft hieß jetzt Kampf gegen Rechts. Aus konservativ wurde rechtsextrem, aus linksextrem wurde autonom, aus der Heuchelei der Anstand und aus der Autokratie die Demokratie. Zwangsmoral bezeichneten sie als Freiheit, das Diktat als Debatte, die Ausrede als Verantwortung und die Agitation als Journalismus. Wer etwas auf den Punkt brachte, der spaltete jetzt, wer tatsächlich spaltete war mutig, während Mutige als verantwortungslos galten. (…)“

    http://www.achgut.com/artikel/2016_ein_klarer_blick_ist_ein_klarer_blick

    • Sachliche Informationen heißen immer noch sachliche Informationen. Das Aufwiegeln von Menschen durch übertriebene und bewusst emotional gehaltene Problemdarstellungen heißt Hetze. Das Abwerten von Menschen aufgrund ihrer ethnischen Herkunft oder religiösen Zugehörigkeit heißt Rassismus. Politische Wahnvorstellungen nennt man Verschwörungstheorien – und Ihr Lamento, Frau Prasuhn, dass man in diesem Land seine Meinung nicht frei äußern darf, nenne ich falsch. Und die ewige Wiederholung der stets gleichen Behauptungen nenne ich langweilig.

      Und das von Ihnen und anderen Kandidaten hier immer wieder praktizierte Copy & Paste aus irgendwelchen dubiosen rechtspopulistischen Blogs nenne ich geistlos.

    • aus Förderkurs wurde Vertiefungskurs (Einführungsphase in NRW)
      aus Ausländer wurde Migrationshintergrund wurde Zuwanderungsgeschichte (darüber hinaus sind damit fast nur osteuropäische Nationalitäten gemeint)
      aus [nicht erzogen / arm / dumm] wurde bildungsfern
      aus Lernziel wurde Kompetenz
      aus Sonderschule wurde Förderschule
      aus verhaltensauffällig wurde verhaltensoriginell
      aus behinderter Mensch wurde Mensch mit Behinderung
      aus Raider wurde Twix
      aus Werthers Echte wurde Werthers Original
      aus Hausmeister wurde Facility Manager

  12. Milch der frommen Denkungsart

    @Bernd:

    Folgerichtig würden dann Ihre, schließlich hier auch immer wiederkehrenden, Positionen ebenfalls keinen Geist atmen, da Sie diesen ja gleichermaßen Ihre persönlichen Definitionen zugrundelegen; sollten sie aber anderen entliehen sein, so stellte sich die Frage auch nach Ihrer Originalität.
    Im Übrigen sei Ihnen ein brillanter Satz aus Thomas Manns „Zauberberg“ – zweifellos keine uninspirierte oder politisch verdächtige Quelle – aus Naphtas Mund ans Herz gelegt, wonach der erste Schritt zu wahrer Huma- nität und wahrer Freiheit darin bestehe, „sich der schlotternden Fucht vor dem Wort ‚Reaktion‘ zu entschla- gen.“

  13. Ich schreibe und denke ja immerhin noch selber.

  14. Angelika Oetken

    Ich möchte den Verweis des Foristen „Bernd“ auf die Mitglieder der Initiative „Demo für alle“ aufgreifen
    https://demofueralle.wordpress.com/eine-seite/wer-wir-sind/

    Betont sachlich und wertfrei formuliert, scheint der überwiegende Teil dieser Organisation dem traditionellen christlichen Milieu anzugehören und konservative politische Werte zu vertreten.

    Ich kenne mich in dieser Szene nicht so besonders gut aus, deshalb wende ich mich hier an die Runde der ForistInnen: sind unter den InitiatorInnen der „Demo für alle“ Personen zu finden, die diesen Brief mit unterzeichnet haben?
    http://v1.prmitteilung.de/kostenlosepressemitteilungen/321diskussion-um-vorwuerfe-sexuellen-missbrauchs-am-aloisiuskolleg-alts

    Im Voraus vielen Dank für Hinweise!

    Angelika Oetken, Berlin-Köpenick

  15. Das ist ein bisschen hier wie in der Muppet-Show. Frau Prasuhn kommt immer wieder mit ihrer „Meinungsdiktatur“, egal welches Thema im Forum diskutiert wird. Mehrnachdenken ist ständig beleidigt. Die fromme Milch will sich als Belesen darstellen und bringt antiquarische Zitate, die zu allem und jedem passen, nur meist nicht zum Thema. Und dann gibt’s noch die Trollmonster, die auf einzelne Reizworte hin mal aufwachen, ein bisschen hereinnölen und dann wieder einschlafen.

    Haben Sie alle eigentlich auch inhaltlich etwas zu dieser Diskussion hier beizutragen? Frau Oetken legt hier ein hohes Diskussionsniveau vor. Die Kernfrage lautet doch: Gibt’s keinen Missbrauch mehr, wenn Erwachsene mit Kindern möglichst nicht über Sexualität sprechen – oder schafft gerade das schamhafte Schweigen ein Klima, in dem Missbrauch wunderbar gedeihen kann?

    • Milch der frommen Denkungsart

      @Anna:

      Die Nähe zur Bibliothek erspart die Bildungsferne.

    • Angelika Oetken

      Danke @Anna, dass Sie auf das Thema dieses Fadens zurück verwiesen haben.

      Ich möchte eine zweite Kernfrage anschließen. Eine der Forderungen der Initiative „Demo für alle“ ist, dass die Entscheidung, ob und wenn ja wie Kinder über das Thema „Sexualität“ aufgeklärt werden sollen, von ihren Eltern zu treffen ist. Bzw. die „Aufklärung“ nur innerhalb der Familien statt finden darf. Deshalb:

      „Sind Familien in Bezug auf sexuelle Ausbeutung, sexuellen Missbrauch und sexuelle Misshandlung wirklich per se sichere und geeignete Orte für Kinder“?

      • Auch ich möchte mich bei Ihnen, Frau Oetken, für Ihre sehr lesenswerte Beiträge zum Thema Missbrauch bedanken.
        Den Gedanken, den Sie in die Runde werfen, nämlich die Aufklärung nur in die Familien zu legen, in Bezug auf Missbrauch hatte ich auch schon.
        Wir wissen ja inzwischen, dass Missbrauch in allen Orten, wo ein enger Bezug besteht, stattfindet. Und, so weit ich informiert bin, finden die meisten Missbrauchsfälle in Familien statt. Logisch ist mir auch, dass viele in öffentlichen Einrichtungen stattfinden, wo die betroffenen Personen länger miteinander zu tun haben, also verwundert es mich nicht, dass so etwas auch in Internaten stattgefunden hat.

        Wenn immer mehr Eltern Probleme haben, ihre Kinder zu erziehen (solche Aufgaben werden ja immer mehr den Schulen angelastet), wie sollen sie dann im Familienkreis eine sinnvolle Sexualerziehung leisten?
        Aus den Elternabenden zur Sexualerziehung weiß ich, dass sich viele Eltern schwer tun, dieses Thema zuhause mit ihren Kindern zu besprechen. Man hört oft eine gewisse Hilflosigkeit heraus. Was noch interessant ist dazu: Wenn Eltern in solchen Abenden befragt werden, wie ihre eigene Sexualaufklärung gelaufen ist, dann ist es die überwiegende Mehrheit, die Schule, Geschwister oder Gleichaltrige angibt. Aufklärung durch deren Eltern spielt eine geringe Rolle.
        Dennoch meine ich prinzipiell, dass sich in der Sexualerziehung sowohl Eltern als auch Schule in der Verantwortung sehen müssen.

        Was noch nicht angesprochen worden ist, doch wir kommen da immer weiter vom Ausgangspunkt weg, ist die Gefahr durch Smartphone und Internet. Leider gehen viel zu viel Eltern leichtsinnig damit um. Wir haben in der Grundschule vermehrt Fälle, wo Kinder ungesicherten Zugang haben und dadurch auf einschlägige Seiten kommen. Es gibt Eltern, die ihren Grundschulkindern einen Account auf Facebook eingerichtet haben. Schauen Sie mittags einmal Fernsehen und schauen Sie, mit welchen Themen da konfrontiert wird. Und überlegen Sie sich, was das mit der Gedankenwelt der Kinder macht. Schon deshalb halte ich eine frühe Aufklärung für sehr wichtig! Wissen (natürlich dem alter angepasst) schützt vor Missbrauch. Ich muss wissen, wann sich ein Erwachsener mir in unlauteren Absichten nähert und die muss ich als Kind lernen einzuschätzen. Ich muss nein sagen und mich Vertrauenspersonen öffnen können bevor es zu spät ist und der Täter mich in Griff hat.

        • Wichtiger Punkt, ysnp: Mittlerweile verfügt schon jeder 4. Viertklässler über ein Smartphone – und was werden die lieben Kleinen damit wohl (zumindest hin und wieder) machen? Heute sind sexuelle und pornographische Inhalten doch so leicht verfügbar, dass auch schon die Zehnjährigen davon nicht unberührt bleiben. Wenn ich Kinder vor völlig falschen Vorstellungen (und eben auch Missbrauch durch Erwachsene) schützen will, muss ich sie altersgerecht aufklären – und das muss die Schule leisten. Sexualerziehung (allein) in die Hände der Eltern zu legen, würde bedeuten, gerade die Kinder, bei denen zu Hause schamhaft geschwiegen wird, auch noch in der Schule mit dem Thema allein zu lassen.

          Und: Was kommt dann als nächstes – lassen wir das Thema Evolution in der Schule fallen, weil fundamentalistische Eltern ihren Kindern zu Hause lieber kreationistische Geschichten erzählen?

          • Milch der frommen Denkungsart

            @Bernd:

            Zwischen Evolutionstheorie und Kreationismus, gebotener Sexualauf-klärung und untertönigem „anything goes“ gibt es ja beiderseits eine Palette abdämpfender Farben.

    • @Anna und Bernd
      Reagieren Sie doch einfach mal auf andere Meinungen, ohne gleich persönlich zu werden und Attacken zu reiten. Es fällt doch immer wieder auf, dass Sie beleidigend werden, wenn Ihnen eine Meinung in der Sache nicht passt und dass Sie dadurch unnötiges Hick-Hack provozieren.
      Ob die Meinung anderer mit Eigenformulierungen vorgebracht wird oder durch Copy & Paste treffender Artikelausschnitte oder Zitate, ist mir wurscht. Hauptsache, ich lese etwas Interessantes, und das ist bei den von Ihnen Gescholtenen fast immer der Fall. Die Ansichten und Geschmäcker sind eben verschieden und sollten es auch bleiben dürfen.
      Die von Ihnen ständig beschimpften Personen sehe ich übrigens auch ganz anders als in Ihren Darstellungen.
      Ich hoffe, das so sagen zu dürfen, ohne dass Sie mir am liebsten auch gleich an die Gurgel springen würden.
      Sie werden nie andere Ansichten unterdrücken oder miesmachen können durch Schlechtreden der Leute, die sie äußern. Sie können sich damit höchstens selbst in Frage stellen.

  16. Milch der frommen Denkungsart

    Durch „Marens“ Kommentar ermuntert, darf ich insbesondere „Anna“ den Tenor der von mir vorhin referierten Mann-Passage erläutern, auf daß der Geist der Schwachheit aufhelfe (übrigens copy „Paulus, Römerbrief“) und ihr erhelle, daß sie als thematische Replik auf „Bernds“ Definitionsmuster sehr wohl
    taugte:

    Sie fordert nämlich von humanitäts- wie freiheitsbewegten Aktivisten nichts anderes ein, als kritischen Skeptizismus, der der eigenen Weltsicht zuwiderläuft, nicht pauschal als amoralisch, extremistisch oder latent faschistisch – kurz: reaktionär zu verdammen, zumal man damit letztlich allzu leicht, wie der jüdische Philosoph Jacob Taube seinen Studenten mit ebendiesem Satz nahezubringen versuchte, selbst „Untermenschen“ schafft.

    Insofern scheint mir solch Zitat keineswegs antiquarisch, sondern vielmehr höchst zeitgemäß zu sein – falls man denn die Fähigkeit zur Bereitschaft aufbringt, sich an ihm abarbeiten zu wollen.

  17. Ursula Prasuhn

    @Frau Oetken
    Auch ich danke für Ihre interessanten Ausführungen – speziell die zur Pädophilie bzw. Pädosexualität. Dazu beschäftigen mich ein paar Fragen. Sie nennen als einen Grund für die Pädosexualität schwerste psychische Störungen. Wie werden die Ursachen zielsicher herausgefunden, denn nach meiner kurzen Recherche tappen die Fachleute noch weitgehend im Dunkeln? Die Erklärungen reichen von Genetik bis zu reinen Umwelteinflüssen.
    Meine weitere Frage nun: Darf das Ausleben der Pädosexualität strafbar sein, wenn es auf einer schweren Entwicklungsstörung oder psychischen Krankheit beruht? Wissen Sie, wie die Justiz mit diesem Thema umgeht?
    Weiter beschäftigt mich die sexuelle Selbstbestimmung bzw. Identität als Menschenrecht. Wissen Sie, ob die Pädosexualität davon ausdrücklich und nachweislich ausgenommen ist oder hierüber keine Aussage besteht?
    Von Susanne Baumstark habe ich heute schon einmal einen Artikel empfohlen, der sich allerdings um den sog. „Neusprech“ dreht in Anlehnung an George Orwells berühmten Zukunftsroman „1984“.
    Bei diesem Artikel, der mich beschäftigt, geht es um die Betrachtung der Pädosexualität im Zusammenang mit dem Unterricht in „sexueller Vielfalt“.
    Dazu auch wieder ein Ausschnitt: “Derzeit sind die strukturellen Bedingungen für die pädophile Lobby ausgezeichnet. Das betrifft nicht nur biologistische, die Eigenverantwortung und Religion zurückdrängende Denkrichtungen oder die unreflektierte Nachplapperei des freudianischen Dogmas, sexuelle Zurückhaltung führe zu Neurosen. Die derzeitige Volkserziehung contra die Sexualmoral, teils schon in Kindergärten, ist deckungsgleich mit der Strategie der Pädobewegung.“
    http://ef-magazin.de/2013/08/27/4426-paedophilie-unschuldslaemmer-spd-und-gew

    • Angelika Oetken

      Sehr geehrte Frau Prasuhn,

      zu Ihrer ersten Frage: „Pädophilie“ ist im Gegensatz zu „Pädosexualität“ innerhalb der Wissenschaft ein klar definierter und gebräuchlicher Begriff. Deshalb möchte ich ihn nutzen, um Ihre Fragen zu beantworten. Auch wenn ich „philie“ im Zusammenhang mit einer auf sexuelle Affinitäten zu Kindern ausgerichteten gestörten Sexualität vollkommen unpassend finde. ExpertInnen gehen davon aus, dass der Anteil an echten, d.h. im klinischen Sinne pädophilen Erwachsenen innerhalb der männlichen Bevölkerung klein ist und ein Prozent nicht hinaus geht. Diese Gruppe verantwortet zwar viele Opfer, aber trotzdem handelt es sich bei der Mehrzahl der Missbrauchstäter(innen) nicht um solche, die man als pädophil bezeichnen könnte. Über die Ursachen der Pädophilie im Sinne einer psychiatrischen Störung gibt es heftige Kontroversen. Mich persönlich hat die Darstellung von Hans-Hagen Haase, einem Psychotherapeuten, der lange mit pädophilen Missbrauchstätern gearbeitet hat sehr überzeugt. Schon das Abstract zu einem Fachartikel, den er im Jahre 2000 veröffentlicht hat ist lesenswert. Der Artikel selbst kostenpflichtig, aber sicherlich auch über Bibliotheken zu beziehen http://www.karger.de/Article/Pdf/46756

      • Ursula Prasuhn

        Vielen Dank, Frau Oetken! Was Sie schreiben, kann ich nachvollziehen. Und wie sieht es mit den anderen, mir noch wichtigeren Fragen aus?
        Lassen Sie sich Zeit zum Antworten. Es ist spät und vermutlich sind auch Sie müde. Ich jedenfalls bin es.
        Gute Nacht und bis morgen oder auch später.

    • Angelika Oetken

      Zu Ihrer zweiten Frage: grundsätzlich ist jegliches Handeln, das gegen das Sexualstrafrecht verstößt strafbar. Wenn ein Gericht feststellt, dass ein Täter oder eine Täterin offensichtlich psychiatrisch so schwer erkrankt ist, dass man davon ausgehen muss, dass dessen bzw. deren Schuldfähigkeit vermindert ist, dann wird für gewöhnlich ein entsprechendes Gutachten angefordert und der Verurteilte dann der Forensik überantwortet. Diese Entscheidungen sind schwierig und wie man zu ihnen gelangt sehr umstritten.
      Trotzdem gilt natürlich, dass es nicht strafbar ist, eine Krankheit zu haben, aber selbstverständlich unter Strafe steht, wenn jemand wider besseren Wissens in Folge seiner pädophilen Erkrankung Sexualstraftaten zu begeht. Auch wenn mein Vergleich jetzt ein wenig hinkt: es ist nicht strafbar, Alkoholiker zu sein, aber strafbar, sich volltrunken ans Steuer zu setzen und dann Menschen schwer zu verletzen. Auch in solchen Fällen würde ein Gericht ggf. Gutachten in Auftrag geben und Auflagen erteilen.

    • Angelika Oetken

      „Weiter beschäftigt mich die sexuelle Selbstbestimmung bzw. Identität als Menschenrecht. Wissen Sie, ob die Pädosexualität davon ausdrücklich und nachweislich ausgenommen ist oder hierüber keine Aussage besteht?“

      Selbstverständlich verfügt jeder Mensch über ein sexuelles Selbstbestimmungsrecht. Er kann in sexueller Hinsicht tun und lassen, was er will. So lange er damit nicht gegen geltendes Recht verstößt. Das ist doch bei allen bekannten sexuellen Präferenzen so. Auch die Identität eines Pädophilen zu leben, ist selbstredend nicht verboten. Sofern damit nicht die Rechte eines anderen Menschen beschnitten oder verletzt werden. D. h. ein Pädophiler könnte durchaus Ersatzhandlungen betreiben, um sich zu befriedigen. Wenn er dadurch niemanden schädigt. Was für jeden anderen Menschen in sexueller Hinsicht auch gilt. An einem Beispiel veranschaulicht: ein heterosexueller Mann, der sich unter Verwendung von Pornofilmen sexuell befriedigt, weil ihm dafür keine Partnerin zur Verfügung steht oder er keine will, begeht noch keine Straftat. Nutzt er dagegen Filmmaterial, das im strafrechtlichen Sinne verboten ist, macht er sich natürlich damit strafbar.

    • Angelika Oetken

      Stichwort „Pädophilenlobby“: DIE Pädophilenlobby als zielgerichtet vorgehende, mehr oder minder im Verborgenen agierende Organisation gibt es nicht. Aber in verschiedenen gesellschaftlichen Kontexten und zu unterschiedlichen Zeiten Gruppen von SexualstaftäterInnen, die sich organisiert haben, um ihre strafbaren und/oder kranken Interessen besser durchsetzen zu können. Aufschlussreich, aber nicht verwunderlich ist es, dass diese Pädoverbünde in jedem Milieu und in jeder Schicht vorkommen. Es gab und gibt sie sowohl in katholischen Männerorden, die sich nach außen hin als moralisch besonders integer und konservativ darstellen, in evangelikalen Gemeinden, welche vorgeben, gut für sozial bedürftige Kinder zu sorgen, innerhalb von Reformbewegungen, bei Jungen Demokraten, bei bestimmten linken Gruppen. In der Medizin, Therapie, Pädagogik, beim Militär, innerhalb der Politik. Eben überall, wo Menschen Macht über andere ausüben können und die Gelegenheit haben, Kinder zu isolieren und auszubeuten.

  18. Angelika Oetken

    Am vergangenen Sonntag veröffentlichte die Süddeutsche Zeitung als Ergebnis einer groß angelegten Recherche wichtiger Zeitungen mehrerer verschiedener Länder die „Panama-Leaks“. Ich bin mir sicher, dass wir in absehbarer Zeit auch von einem „Pädoleaks“ erfahren werden. Wirtschafts- und Pädokriminalität bedingen einander. Häufig bilden entsprechende Banden auch Syndikate mit Menschen, die der Politik verhaftet sind. Das ist überhaupt nicht verwunderlich, aber es wird bisher erstaunlich wenig darüber gesprochen. Kaum jemand weiß z. B., welch große Rolle Pädokriminalität, bis hin zu Kinderhandel und Kindermord beim so genannten „NSU“ gespielt hat. Dabei hat sogar schon das ZDF darüber eine Doku gesendet. Pädokriminelle sind soziale Zocker. Psychosozial ähnlich skrupelbereinigt und verwahrlost, wie so manche Person, die unsere Gesellschaft „hoch“ stellt offenbar auch.

    • Ursula Prasuhn

      Vielen Dank auch für Ihre weiteren Kommentare, liebe Frau Oetken. Was Sie zu meinen Fragen geschrieben haben, ist erneut nachvollziehbar, einleuchtend und informativ.
      Dass ich dennoch beim Thema „Sexualerziehung der Vielfalt“ anderer Meinung bin als Sie, schränkt mein Lob nicht ein. Pro und Contra wurden in diesem Forum jedoch schon mehrfach diskutiert, darum fehlt mir im Moment die Lust, meine Skepsis erneut zu begründen – zumal eine sachliche Auseinandersetzung vermutlich wieder durch Vorwürfe von Homophobie, Orthodoxie oder auch Intoleranz belastet würde.

      • “ zumal eine sachliche Auseinandersetzung vermutlich wieder durch Vorwürfe von Homophobie, Orthodoxie oder auch Intoleranz belastet würde.“

        Solange Sie Fakten leugnen, Umfragen und empirische Erhebungen als Auftragsforschung diskreditieren ohne selbst andere empirische Belege zu benennen, die über Ihre eigene subjektive Sicht und giftelnde randständige Meinungsblogs hinausgehen, sowie keine Alternativen bieten zu dem, was diejenigen fordern, die sich mit der Thematik beschäftigen kann ich da nur sagen: Ja, genauso würde es kommen.

        Wer nicht begründen und belegen kann, der meint schllcht. Den Vorwurf müssen Sie sich leider machen lassen, Frau Prasuhn, wenn Sie eine sachliche Auseinandersetzung fordern, selbst aber nicht bereit sind, das dafür notwendige zu liefern.

        • Mit Verlaub, keine leeren Behauptungen aufstellen und eigene Glaubensinhalte als Beweise verkaufen, während die Argumente der Meinungsgegner erst in den Wind geschlagen und dann als fehlende Begründung verbucht werden.
          Diese hinterlistige Methode des Rechthabens wenden Sie immer wieder an. Hoffentlich pochen Sie demnächst nicht auch noch auf die moralische Pflicht, Ihnen alles zu glauben, was Sie behaupten und unterstellen.

          • Lieber dixo,

            zeigen Sie mir einen Post, in dem sich Frau Prasuhn einer Studie oder empirischer Erhebung bemüht, einen Post, in dem sie Alternativen zu Ideen des so verhassten Bildungsplans vorschlägt, welche sich mit Diskriminierung und Erziehung gegen Gewaltlosigkeit (Na, klingelts?) an Schule beschäftigt, einen Post, in dem sie mal nicht von Meinungsdiktat fantasiert.

            Bis dahin lassen Sie mich bitte in Ruhe.

            Herzlichen Dank!

  19. Angelika Oetken

    Meine Frage, die ich gestern weiter oben eingestellt hatte, ist vermutlich untergegangen.

    Der Forist „Bernd“ verwies in einem seiner Kommentare auf die Initiative „Demo für alle“. Der überwiegende Teil dieser Organisation scheint deren Homepages nach zu urteilen, dem traditionellen christlichen Milieu anzugehören und konservative politische Werte zu vertreten.

    Weiß jemand von den ForistInnen hier zufällig, ob sich unter den InitiatorInnen der „Demo für alle“ Personen finden, die diesen Brief mit unterzeichnet haben?
    http://v1.prmitteilung.de/kostenlosepressemitteilungen/321diskussion-um-vorwuerfe-sexuellen-missbrauchs-am-aloisiuskolleg-alts

    Falls ja, sollten diese Menschen eigentlich dazu aufgerufen werden, die Aufklärung und Aufarbeitung der über Jahrzehnte am Bonner Aloisiuskollegs betriebenen systematischen sexuellen Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen zu unterstützen. Das, was am AKO geschehen ist, stellt eines DER Paradebeispiele für misslungenen Kinderschutz dar. Denn der Missbrauch geschah buchstäblich vor aller Augen.

    Für Hinweise einen herzlichen Dank im Voraus!

    Angelika Oetken, Berlin-Köpenick

    • Ursula Prasuhn

      Mit der von mir vermuteten Intention Ihres Kommentars und Ihrer Frage kann ich mich überhaupt nicht anfreunden, Frau Oetken. Sollte meine Vermutung stimmen, bin ich doch sehr enttäuscht.
      Ich hoffe allerdings, dass ich mich irre und in Ihre Zeilen etwas hineinlege, was nicht drin ist.

      Um die „Demo für alle“ und die „Sexualpädagogik der Vielfalt“ nicht gänzlich einseitiger Beurteilung zu überlassen, möchte ich ein Video empfehlen mit dem Titel „Porno, Peitsche, Pädophile – Perversion im Klassenzimmer“.
      Um zu einer eigenen Meinung zu kommen, braucht es notwendiger und fairer Weise auch die Ansichten der Gegenseite. Ich denke, dass wir in diesem Grundsatz übereinstimmen.
      http://www.archeviva.com/porno-peitsche-paedophilie-perversion-im-klassenzimmer/

      • Angelika Oetken

        Zu meiner Intention: ich stehe mit Opfern und Mitbetroffenen verschiedener Kontexte (von uns als „Tatorte“ bezeichnet) in regem Austausch. Dazu gehören auch Betroffene und Mitbetroffene des Aloisiuskollegs in Bonn – Bad Godesberg. So erlebe ich seit Jahren aus nächster Nähe mit, wie sehr die Aufklärung und Aufarbeitung der Verbrechen, die in der Vergangenheit systematisch an Kindern und Jugendlichen begangen wurden behindert wird.

        In der Hoffnung, dass sich unter den ForistInnen hier jemand findet, der beurteilen kann, ob es Verbindungen zwischen den UnterzeichnerInnen des von mir verlinkten Briefes und der InitiatorInnen der „Demo für alle“ gibt, habe ich meine Frage hier eingestellt.

        Wohl wissend, dass das nicht unbedingt jedem behagt. Aber um Behaglichkeit geht es bei der Aufklärung von Missbrauchskriminalität nicht. Dazu ist auch das Thema viel zu bitter.

        • mehrnachdenken

          Von U. Prasuhn:

          Um die „Demo für alle“ und die „Sexualpädagogik der Vielfalt“ nicht gänzlich einseitiger Beurteilung zu überlassen, möchte ich ein Video empfehlen mit dem Titel „Porno, Peitsche, Pädophile – Perversion im Klassenzimmer“.
          Um zu einer eigenen Meinung zu kommen, braucht es notwendiger und fairer Weise auch die Ansichten der Gegenseite. Ich denke, dass wir in diesem Grundsatz übereinstimmen.
          http://www.archeviva.com/porno-peitsche-paedophilie-perversion-im-klassenzimmer/

          Ist es Ihnen möglich, sich auch zu den Argumenten der Gegner der „sexuellen Vielfalt“ zu äußern?
          Aufschlussreich ist für mich in diesem Zusammenhang das Interview mit dem Erziehungswissenschaftler Dr. A. Wunsch.

          • Ursula Prasuhn

            Ja das wäre mir möglich, doch warum sollte ich wiederholen oder referieren, was beispielsweise an Argumenten in dem Video vorkommt? Es genügt sogar, es sich nur halb anzuschauen, wenn einem die 50 Minuten zu schade sind.
            Wer nicht wissen will, wird auch von mir nicht wissen wollen.

          • mehrnachdenken

            @U. Prasuhn
            Autsch! Da ist es aber zu einem schlimmen Missverständnis gekommen.
            Mein Beitrag (18.50 h) ist an A. Oetken gerichtet.

            Es handelt sich nämlich um den Teil Ihres Kommentars (16.19 h), auf den Frau Oetken nicht eingeganen ist.

        • Ursula Prasuhn

          Mit dieser Frage stellen Sie allerdings einen bösen Verdacht gegen die Organisatoren und Unterstützer der „Demo für alle“ in den Raum.

          Ich beobachte leider oft, wie scheinbar interessierte Fragen als Vehikel für Verdächtigungen benutzt werden, so dass der Verdächtiger oder Verleumder seine Hände in Unschuld waschen kann. In Talk-Shows ist das z.B. eine beliebte Methode, um Meinungsgegner ins moralische Abseits zu stellen.

          Diese Taktik ist infam, doch ich möchte sie Ihnen nicht unterstellen, weil Ihre vielen anderen Beiträge bei mir nicht den Eindruck von Unfairness erweckt haben.

          • Angelika Oetken

            Was meinen Sie genau mit „bösem Verdacht“? Ich habe nur gefragt, ob es personelle Überschneidungen gibt. Falls ja, wären das genau die Menschen, die die Ernsthaftigkeit ihres Anliegens, Kinder vor sexueller Ausbeutung und unangemessener Sexualisierung zu schützen, unter Beweis stellen könnten, indem sie dazu beitragen, dass die Missbrauchshistorie am Aloisiuskolleg endlich umfassend aufgeklärt und aufgearbeitet wird.

      • Angelika Oetken

        Sehr geehrte Frau Prasuhn,

        ich habe in einem Kommentar weiter oben bereits meine Meinung zu dem Werk „Sexualpädagogik der Vielfalt“ geäußert. Auch unter welchen Bedingungen das, was wofür ich den Begriff „Frühsexualisierung“ wählen würde meiner Einschätzung nach statt findet. Wir finden solche Phänomene in vielen Familien, aber auch in Gruppen, die für sich beanspruchen, eine besonders hochwertige Moral zu leben und sich den Eliten der Gesellschaft zuordnen. Das bekannteste Beispiel dafür ist die Odenwaldschule. Aber es gibt noch viel mehr solcher Institute. Opfer und Mitbetroffene gehen z.B. davon aus, dass die Hälfte der Schüler, die die Einrichtungen der Regensburger Domspatzen besucht haben, in irgendeiner Form sexuell ausgebeutet wurden. Entweder von Lehrkräften und Aufsichtspersonal, von Erwachsenen, die mit denen kooperierten oder von älteren Mitschülern.

        An solchen Einrichtungen wie der Odenwaldschule oder den Domspatzenschulen kann sich schnell eine regelrechte Kultur der Übergriffigkeit entwickeln, die nicht nur die sexuelle betrifft.

    • Sehr geehrte Frau Oetken, um Ihre Frage zur Demo für alle zu beantworten, ist der einfachste Weg, die Organisatorin, Frau von Beverfoerde, direkt anzuschreiben.

  20. Ursula Prasuhn

    David Berger, dessen Mut und unabhängiges Denken mir immer wieder Hochachtung einflößt, hat sich aktuell und ausführlich zum Gender Mainstreaming, zur Sexualpädagogik der Vielfalt und zur protestierenden Demo für alle geäußert:

    “BERGER: Fragen Sie die vielen tausend Eltern, die in Stuttgart gegen die Bildungspläne demonstrieren. Die haben keine Angst vor Homosexuellen, was ihnen immer unterstellt wird. Sie haben erkannt, mit welchen indoktrinativen Methoden schon Kindergarten- und Schulkinder während ihrer Persönlichkeitsentwicklung beeinflußt werden sollen.

    Wie gelingt das? Die Eltern glauben ja nicht, daß ihr Kind homosexuell wird, nur weil ein Sexualpädagoge die Übungen aus der „Sexualpädagogik der Vielfalt“ durchführt?

    BERGER: Richtig, aber durch das erzwungene Offenlegen schambehafteter Gefühle in solchen Unterrichtssituationen wird die Intimsphäre aufgebrochen. Die Kinder machen sich quasi nackt. Dadurch wird die Schutzzone ihrer familiären Integrität, die sie immer um sich herum haben, aufgebrochen. Sexualisierte Kinder sind viel zugänglicher in jeglicher Hinsicht. An das, was man in diesem Zusammenhang in ihnen zerstört, scheint keiner dieser Ideologen zu denken.”
    https://jungefreiheit.de/kultur/gesellschaft/2016/homo-ehe-zielt-auf-veraenderung-der-gesellschaft-ab/

    • mehrnachdenken

      Frau Prasuhn, ich hoffe, Sie halten den möglicherweise wütenden Attacken einiger „Gender – Jünger“ in diesem Forum souverän stand.

    • Angelika Oetken

      Zur Frage des sexualisierten Verhaltens: Ursula Enders und Bernd Eberhard beschreiben in dieser Ausarbeitung sexuell auffälliges Verhalten von Klein- und Grundschulalter
      http://www.erev.de/auto/Downloads/Skripte_2006/Schule/2006_Verwolt_Sexuell_auffaelliges_Verhalten_Kleinkindern.pdf

      Ich weiß nicht, was David Berger unter dem Begriff „Sexualisiertes Verhalten“ versteht. Soweit ich weiß, hat er sich zu dem Thema bisher vor Allem in politischer Hinsicht geäußert. Auf jeden Fall sind sexuelle Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern immer als FOLGE von sexueller Ausbeutung, Misshandlung und Gewalt zu werten. NICHT als deren URSACHE. Mir ist kein Experte oder Erfahrungsexperte bekannt, der Gegenteiliges behauptet.

      • Vielleicht wäre es ganz, die Sexualpädagogik nicht zu sehr unter den Aspekten „sexuelle Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern“ und „sexuelle Ausbeutung, Misshandlung und Gewalt“ zu sehen. Dann gerät das Thema „Sexualpädagogik der Vielfalt“ genauso in Schieflage, wie wenn die verschiedensten sexuellen Neigungen die Marschrichtung des Unterrichts vorgeben.
        Ich finde es Klasse, was David Berger sagt. Er beweist einen unverstellten Blick.
        Ihre Vorstellungen vom Gender Mainstreaming teile ich nicht, Frau Oetken. Mir leuchten die Argumente der Kritiker und Warner sehr viel mehr ein als die der Anhänger.

        • Angelika Oetken

          Ich kann mich nicht erinnern, hier oder in einem anderen Faden dieses Blogs irgendwas zu meinen Vorstellungen in Bezug auf Gender Mainstreaming eingestellt zu haben. Ich habe lediglich auf eine Definition hingewiesen, die die Bundeszentrale für Politische Bildung auf ihre Homepage gestellt hat.
          Die Verquickung der Themen „Sexualpädagogik der Vielfalt“ und „Sexuelle Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern“ bzw. „sexuelle Ausbeutung, Misshandlung und Gewalt“ habe ebenfalls nicht ich vollzogen, sondern Organisationen wie die oben im Artikel erwähnte Initiative «Besorgte Eltern» und das Aktionsbündnis «Demo für alle».
          Lediglich der Hinweis, dass die Themen „Missbrauch“ und „Sexuelle Gewalt“ in dem immerhin fast 240 Seiten umfassenden Werk „Sexualpädagogik der Vielfalt“ mit lediglich 7 Seiten zu knapp abgehandelt werden stammt von mir.

        • Das Problem ist, Frau Oetken, dass alles, was irgendwie mit Sexualität und Gender nur entfernt zu tun hat, hier konsequent in einen Topf geworfen wird.

          Selbst, wenn Sie das verneinen, wird Sie das spätestens ab diesem Augenblick hier verfolgen.

          Differenzierung ist einfach schwer, wenn alles das böse GM ist. Das Anti-GM ist mittlerweile die wahre Ideologie, weil es sich in seiner Selbstreferentialität und lösgelöst von jeglicher Empirie und regelgeleiteter Diskussion mit dem Gegenüber vollkommen verselbständigt hat und vor allem darin auch selbst genügt.

          • Angelika Oetken

            Das Phänomen, welches Sie schildern @Georg ist mir aus vielen anderen Blogs und Medienforen bekannt. Ich habe mir im Laufe der Jahre eine Strategie zugelegt, die mir hilft damit umzugehen.

            Aber – und während ich das schreibe muss ich ein wenig grinsen – das auch in einem Blog, der sich „News4teachers – Das Bildungsmagazin“ nennt vorzufinden, hat schon was…. Wenigstens auf die korrekte Nutzung wissenschaftlicher Begriffe könnte man ja achten… und wo sie nicht existieren, sich vorab auf Definitionen zu einigen. Sonst ist ja Streit, der dann zu nichts führen kann vorprogrammiert.

          • Ja, das mit den Begriffen und ihren Definitionen habe ich auch schon oft angemahnt. Bekommen habe ich diese aber leider quasi nie.

            Dann müsste man ins Detail gehen und das wäre unbequem.

          • Was ist wissenschaftlich untermauert? Das, was in die momentane Interessenssichtweise der einen oder anderen Bundeszentralen einfließt unter Ignorierung wissenschaftlicher Befunde, die anderes aussagen?
            Nein, Frau Oetken und Georg, ich glaube, so einfach können Sie sich die Sache nicht machen.

          • Angelika Oetken

            @g.h.,

            bitte richten Sie Ihre Kritik an die entsprechenden Bundeszentralen.

        • mehrnachdenken

          Axel Meyer: „Adams Apfel und Evas Erbe. Wie die Gene unser Leben bestimmen.“

          Ein Auszug aus der Buchbesprechung von Dr. A. Ulfig auf Amazon:

          „Überzeugend beschreibt er hingegen die Politik, die aus den Gender Studies bzw. der Gender-Ideologie folgt: die Politik des sog. Gender-Mainstreamings. Das Ziel dieser Politik ist es, das Geschlecht zur zentralen Kategorie des sozialen Handelns zu erheben und in allen relevanten Bereichen der Gesellschaft zu berücksichtigen.

          Die Wirkung der Gender-Ideologie beschränkt sich daher nicht nur auf einige sozialwissenschaftliche Fachbereiche, sondern hat sich in der westlichen Welt in allen relevanten gesellschaftlichen Bereichen, wie Politik, Recht, Öffentlichen Dienst, Bildung und Wissenschaft, ausgebreitet.

          Meyer verweist mit Nachdruck auf den Widerspruch zwischen der Theorie, d.h. der Gender-Ideologie, und der Praxis, also der Politik des Gender-Mainstreamings. Die Ideologie besagt, dass das Geschlecht sozial konstruiert und wählbar ist. Darüber hinaus postuliert sie die Gleichheit der Geschlechter.

          In der politischen Praxis aber gibt es unzählige Förderprogramme, die nur Frauen vorbehalten sind, und Gesetze, die Frauen bevorzugen, und zwar Frauen aufgrund ihres biologischen Geschlechts. Personen, die biologisch Männer sind, sich aber als Frauen verstehen, dürfen an den genannten Förderprogrammen nicht teilnehmen bzw. dürfen die genannten Gesetze nicht in Anspruch nehmen. Um es in den Worten von Axel Meyer zu sagen:

          ‚Paradoxerweise macht gerade die Ideologie, die die Bedeutung des biologischen Geschlechts kleinredet, das biologische Geschlecht zu einem entscheidenden Qualifikationsmerkmal für den Beruf!'(S. 362)

          Die Politik des Gender-Mainstreamings führt unausweichlich und nachweisbar zur Bevorzugung von Frauen und zur Diskriminierung von Männern, und zwar in allen relevanten Bereichen der Gesellschaft. Ausdruck davon sind sind die oben genannten Förderprogramme und Gesetze (Gleichstellungs- und Quoten-Gesetze).

          Besonders stark wird diese Politik an den Universitäten forciert. Es gibt dort Förderprogramme nur für Frauen, z.B. das Professorinnenprogramm, mit dessen Hilfe Frauen auf Professuren gehievt werden, ferner Professuren, die faktisch nur für Frauen ausgeschrieben werden. Universitäre Gleichstellungsbeauftragte üben Druck auf Berufungskommissionen aus, damit diese Professuren an Frauen vergeben, ganz unabhängig davon, ob diese Frauen besser als ihre männlichen Mitbewerber qualifiziert sind oder nicht. Die Gleichstellungsbeauftragten betreiben somit eine offene Lobby- und Klientelpolitik.

          Da die Gender-Lehrstühle fast ausschließlich von Frauen besetzt sind, liegt die Vermutung nahe, dass das Fach Gender Studies extra dafür geschaffen wurde, um den Anteil von Frauen, also die Frauenquote an den Universitäten zu erhöhen ‚ ein Skandal, der seinesgleichen in der Wissenschaftsgeschichte sucht.“

          Frau Oertken, müssen Sie beim Lesen der Rezension von Dr. Ulfig auch „grinsen“ oder werden Sie nicht ein wenig nachdenklich?

          • Angelika Oetken

            Ich halte überhaupt nichts von Ideologien, weder von politischen, noch von spirituellen oder religiösen. Um so mehr aber von sauberen Definitionen. Einer der Voraussetzungen jeglicher sinnvoller Debatte. Und der Wissenschaften sowieso.

          • mehrnachdenken

            Hallo! So sieht aber praktische Gender – Politik aus! Da können Sie sich nicht einfach mit dem Hinweis auf „Ideologien“ wegducken.
            Prof. Meyer ist nun fürwahr kein Ideologe, sondern ein seriöser Evolutionsbiologe.
            Ich würde mich freuen, wenn Sie KONKRET zu den zenrtralen Aussagen in der Buchbesprechung von Dr. Ulfig Stellung beziehen.

          • Angelika Oetken

            @mehrnachdenken,

            soweit ich informiert bin, sehen die Lehrpläne vor, dass auch die biologischen Aspekte der menschlichen Sexualität vermittelt werden.

            Ich nehme mal an, dass Sie Dr. Ulfigs Buch gelesen haben. Mich würde nämlich sehr interessieren, wie Evolutionsbiologen sich das Phänomen des Kindesmissbrauchs erklären.

          • mehrnachdenken

            Schade, m.E. weichen Sie aus.

            Übrigens: Es geht um das Buch von Prof. Dr. Axel Meyer. Dr. Ulfigs Rezension fand ich im Netz, und sie deckt aus meiner Sicht die Widersprüchlichkeit von „Gender“ auf.

            Zum Kindesmissbrauch hat sich Herr Meyer nicht explizit geäußert. Das war auch nicht sein Thema.

            @A. Oetken (14.04./ 20.29 h)
            „Ich habe lediglich auf eine Definition hingewiesen, die die Bundeszentrale für Politische Bildung auf ihre Homepage gestellt hat.“
            Ich gehe stillschweigend davon aus, dass Sie die Definiton für sich so annehmen können.

            Stimmen Sie mir evtl. in diesem Punkt zu?
            Um einem möglichen Zusammenhang von „Gender“ und „Kindesmissbrauch“ nachzugehen, muss zunächst einmal geklärt werden, was „Gender“ eigentlich ist, und was „Gender“ will.
            Ich meine, auf diesen Aspekt geht Dr. Ulfig in seiner Buchbesprechung ein. Dazu interessiert mich ja Ihre Meinung.
            Vielleicht gibt es aber auch gegenteilige Sichtweisen, die ich gerne lesen würde.

          • mehrnachdenken wieder unbeirrbar.

            sicherlich keine ahnung von feminismus, soziologie, berufswahlprozessen und -entscheidungen, von universitären abläufen, feminismus und der transmission von sozialen bewegungen in die universitäten hinein auch nicht.

            aber für eine verschwörungstheorie auf basis von angelesenem, also gänzlich „unauthentischem“ wissen von kutschi und randständigen meinungsblogs reichts immer.

            „dass das Fach Gender Studies extra dafür geschaffen wurde, um den Anteil von Frauen, also die Frauenquote an den Universitäten zu erhöhen“

            selten so gelacht!

          • Angesichts Ihres ständigen Rumhackens auf mehrnachdenken tippe ich eher auf Wutgeheul statt Gelächter. Da hilft auch kein Lächerlichmachen des Meinungsgegners, der Leser spürt trotzdem, wie es in Ihnen brodelt, Georg.

            @mehrnachdenken
            Mögen Sie „unbeirrbar“ als ungewolltes Kompliment eines Menschen auffassen, der sich ständig neu ärgert, dass er Sie nicht ins Stolpern oder zum Rückzug bringen kann.

          • Er schreibt halt einfach mit schönster Regelmäßigkeit ziemlichem Murks bzw. zitiert solchen.

            Da wird man doch wohl noch drauf hinweisen und drüber lachen dürfen?
            Oder ist das jetzt auch schon verboten? Darf man denn gar nichts mehr?

          • @georg u. a. ( Woche der Satire) „Huhuuuu, ich sags meiner Mama und die geht dann zum Lehrer, ätsch! huhuuuu!“ – (Das musste mal gesagt werden. Stop)

          • Angelika Oetken

            @mehrnachdenken,

            „Der renommierte Evolutionsbiologe über die Macht der Gene
            Wie funktioniert die genetische Lotterie des Lebens? Was ist typisch für Männer, was ist typisch für Frauen? Warum verhalten wir uns so, wie wir es tun? Warum haben wir die gleichen Talente wie der Vater oder die gleichen Charaktereigenschaften wie die Großmutter? Wo endet die Macht der Gene, und was lässt sich durch Ernährung, Erziehung und Kultur ändern? Der Evolutionsbiologe Axel Meyer beschäftigt sich mit den »heißen Eisen« der Genforschung und erläutert, was zu Themen wie Geschlecht vs. Gender, Intelligenz, Homosexualität und ethnischen Unterschieden bekannt ist. Provokant, anschaulich und auf aktuellem Forschungsstand zeigt er auf, wie stark uns Gene bestimmen. Dieses Buch regt zum Denken und Diskutieren an – es ist von hoher gesellschaftlicher Relevanz.“

            Dies die Einführung zu dem von Ihnen empfohlenen Buch „Adams Apfel und Evas Erbe“. Meiner Meinung nach gehört die Frage danach, inwieweit Kindesmissbrauch genetisch determiniert ist oder ein Produkt der kulturellen Entwicklung des Menschen in Meiers Erörterung hinein. Sie haben mir oben geantwortet, Meier sei ihr in seinem Werk nicht nachgegangen. Und ich frage mich jetzt, warum er das wohl nicht getan hat.

          • Angelika Oetken

            „Um einem möglichen Zusammenhang von „Gender“ und „Kindesmissbrauch“ nachzugehen, muss zunächst einmal geklärt werden, was „Gender“ eigentlich ist, und was „Gender“ will.“

            @mehrnachdenken,

            zur Frage was „Gender“, korrekt „Gender Mainstreaming“ ist, habe ich oben auf die Definition, die die Bundeszentrale für politische Bildung veröffentlicht hat hingewiesen.

            Der Zweck von Gender Mainstreaming ist hier erläutert http://www.bmfsfj.de/BMFSFJ/gleichstellung,did=192702.html

          • mehrnachdenken

            @A.S.
            Danke für Ihre Zeilen!

            Schon erstaunlich, dass sich unser scheinbarer „Überflieger Georg“ überhaupt noch mit dem „Deppen“ mehrnachdenken abgibt, wollte er doch bereits seit einiger Zeit dessen „inhaltsleeres Gequatsche“ einfach ingnorieren, lach.
            Ich vermutete ja bereits: Wegen mir kann der nachts schon nicht mehr schlafen, grins.

            Aber mal wieder etwas ernsthafter, und da möchte ich kurz darauf verweisen, dass die neue Runde zu „Gender“ von U. Prasuhn mit ihrem Verweis auf Äußerungen von David Berger u.a. zu GM eröffnet wurde (14.04./ 18.21 h).
            An der Debatte beteiligten sich A. Oetken, Lena, Georg, g.h. und meine Wenigkeit mit einem Auszug einer Rezension von Dr. Ulfig zu Axel Meyers Buch (14.04./ 22.49 h).

            Nun hält es „Georg“ offenbar nicht mehr aus, und er muss anscheinend fast schon zwanghaft seine verbalen Giftpfeile in Richtung „mehrnachdenken“ abschießen.
            Leider setzt er sich zum wiederholten Mal nicht inhaltlich mit der von mir vorgestellten Rezension auseinander, sondern er versucht sie ins Lächerliche zu ziehen.
            Wenn ihm die Rezension so missfällt, soll er doch Dr. Ulfig kontaktieren. Ich habe sie nun mal nicht geschrieben, habe aber insgeheim gehofft, sie könnte als Grundlage für einen etwas ernsthafteren Austausch über das Gender – Thema tauglich sein.

            Ich wundere mich auch, warum „Georg“ sich nicht an dem Link von U. Prasuhn über David Berger abarbeitet, dessen Aussagen ihn meiner Meinung nach viel mehr zum Widerspruch reizen müssten oder warum geht er nicht auf „Lena“ (14.04./ 20.18 h) ein, die sich deutlich zu Berger positioniert:

            „Ich finde es Klasse, was David Berger sagt. Er beweist einen unverstellten Blick.“

          • Angelika Oetken

            @mehrnachdenken,

            ich würde gern zum Thema des Artikels zurückkehren. Und das war nicht „Gender“, sondern die Überarbeitung der „Richtlinien für Familien- und Sexualerziehung“ des Bayerischen Kultusministeriums.

            Wie würden Sie denn so einen Rahmenlehrplan aufbauen?

          • mehrnachdenken

            @A. Oetken (18.23 h)
            „Meiner Meinung nach gehört die Frage danach, inwieweit Kindesmissbrauch genetisch determiniert ist oder ein Produkt der kulturellen Entwicklung des Menschen in Meiers Erörterung hinein. Sie haben mir oben geantwortet, Meier sei ihr in seinem Werk nicht nachgegangen. Und ich frage mich jetzt, warum er das wohl nicht getan hat.“

            Da ich das Buch nicht geschrieben habe, kann ich Ihnen die Frage nicht beantworten.
            Am besten fragen Sie Prof. Meyer selbst, da es schon interessant wäre, das WISSENSCHAFTICH zu erforschen.

            @A. Oetken (18.30 h)
            Sind Verlautbarungen des Staates für Sie „in Stein gemeißelt“ und damit über alle Zweifel erhaben?

            Wie ist das noch mal?
            Glaube nur der Statistik, die du auch selbst gefälscht hast.

          • mehrnachdenken

            @A. Oetken (20.23 h)
            Tut mir leid, da bin ich als pensionierter Lehrer kaum der richtige Ansprechpartner.
            Zum Glück muss ich keine Rahmenpläne mehr schreiben, lach.
            Wenn Sie die Diskussionen aber verfolgen, werden Sie meine Meinung dazu zwischen den Zeilen schon heraus lesen.

          • Angelika Oetken

            @mehrnachdenken,

            falls Sie wirklich einmal als Lehrer gearbeitet haben sollten, eine Frage: haben Sie Ihren SchülerInnen Ihr Wissen oder Ihre Meinung vermittelt?

            Bei „Gender Mainstreaming“ handelt es sich um eine Strategie, den 1981 gefassten Beschluss einer Mehrheit von Staaten umzusetzen, die der UN angehören. Diese Expertenkommission hat ihn erarbeitet http://www.ohchr.org/EN/HRBodies/CEDAW/Pages/CEDAWIndex.aspx

            Informationen dazu finden sich ausreichend im Netz.

          • mehrnachdenken

            @A. Oetken
            Allein schon Ihre Frage empfinde ich als große Unverschämtheit. Für wen halten Sie sich, dass Sie sich erdreisten, über mich urteilen zu wollen?
            Gerade so genannte Expertenmeinungen begegne ich generell mit größter Vorsicht. Das gilt umso mehr für so genannte Experten in Sachen GM.
            Ihnen kann ich nur den Tipp geben, sich mal jenseits der linken GM – „Fanfaren“ mit der Thematik zu befassen!!
            Bitte, verschonen Sie mich mit weiteren Anfragen. Danke!!

          • Angelika Oetken

            @mehrfachnachdenken,

            ich habe Fakten und belastbare Quellen angeführt, in der Hoffnung, etws Sachlichkeit in die Debatte hinein zu bringen. Und Sie in dem Zusammenhang gefragt, zugegebenermaßen ironisch, worauf Sie in Ihrer Zeit als Lehrer den Unterricht gestützt haben. Auf Wissen oder auf Meinungen. Und das wollen Sie mir jetzt zum Vorwurf machen?

            Und dann unterstellen Sie mir noch eine bestimmte politische Gesinnung? Wo ich nur darauf hingewiesen habe, dass die Grundlage jeglicher vernünftiger Debatte erstmal eine Einigung auf die Verwendung von Begrifflichkeiten sein sollte?

          • Damit kriegen Sie ihn nicht, Frau Oetken. Alles, was nicht seiner Meinung ist, ist Lobby, Verschwörung, Mainstream, „GM-Ideologie“, etc. Rationales Abwägen oder sachliches Argumentieren kann da gar nicht mehr stattfinden, weil das Gegenüber schon per se nicht mehr koscher ist. Man muss ihm nicht mehr zuhören und damit gibt es keinen Zugang mehr in die hermetisch abgeschirmte Welt aus 2 oder 3 Autoren und rechtspopulistischen Meinungsblogs, die fast nur sich selbst (Röhl) oder gegenseitig zitieren und gänzlich ohne Empirie und Wissenschaft auskommen.

            Udn zu mehrnachdenken: Ich lesen den Quark, den Sie posten, ich zitiere ihn, ich kommentiere ihn, ich kritisiere ihn. Merken Sie nicht mal mehr das?

          • Liebe Frau Oetken,
            ich möchte nochmals betonen, dass ich Ihre Ausführungen sehr interessant finde und sich diese sich mit dem decken, was ich darüber schon gehört habe und was ich als Lehrkraft erfahren habe. Ich selbst kenne wenige Missbrauchsfälle. Diese haben immer im Familienkreis oder im engeren Bekanntenkreis stattgefunden und zwar an Kindern, die keine Ahnung hatten.

  21. Und spätestens bei diesem Satz sollte man stutzig werden, wenn man sich ständig vorhalten lassen muss, dass man alles in einen Topf wirft und die einzelnen Begriffe und Konzepte nicht auseinanderhalten kann.

    „Meyer verweist mit Nachdruck auf den Widerspruch zwischen der Theorie, d.h. der Gender-Ideologie, und der Praxis, also der Politik des Gender-Mainstreamings. Die Ideologie besagt, dass das Geschlecht sozial konstruiert und wählbar ist. Darüber hinaus postuliert sie die Gleichheit der Geschlechter. In der politischen Praxis aber gibt es unzählige Förderprogramme, die nur Frauen vorbehalten sind, und Gesetze, die Frauen bevorzugen, und zwar Frauen aufgrund ihres biologischen Geschlechts…“

    Vielleicht liegt der Widerspruch ja nicht in der Praxis der pösen „GM-Ideologen“ sondern in der eigenen „Analyse“ und deshalb kommt es zu so Knoten im Hirn und einer Praxis, die widersprüchlich erscheint?

  22. Frau Oeten, obwohl mir anfänglich sehr sympathisch und wichtig war, was Sie sagten, bin ich inzwischen auf Grund Ihrer weiteren Kommentare verunsichert, um nicht zu sagen, befremdet. Schade!

    • mehrnachdenken

      Ich kann Ihnen nur zustimmen. Bei Frau Oetken verblüfft mich u.a., dass Sie offensichtlich 1:1 glaubt, was Bundesministerien sachreiben. Wer sich umfassend mit der Genese von GM beschäftigt, muss hinter einiges zumindest Fragezeichen setzen. Ich setze dahinter aber nicht nur Fragezeichen.
      Natürlich stehen diese Infos nicht in regierungsnahen Publikationen, aber sie sind frei zugänglich und dahinter stehen oft integere Personen, die sich auch wissenschaftlich mit der Gender – Ideologie befassen.

      Äußerst bedauerlich finde ich aber, dass sich hier kaum andere Kritiker von GM an der Diskussion beteiligen. Es macht keinen Spaß, immer wieder mit Schmutz beworfen zu werden und sich permanent gegen irgendwelche infame Unterstellungen zu wehren.

      • Es ist einfach zu unklar, was die CSU in Bayern genau vorhat. Zugegeben, ich lese die bayrischen Richtlinien nicht, mir genügt die Mühe, die Diskussion in BW zu verfolgen. Mitdiskutieren ist nur sinnvoll, wenn man die Details kennt.
        Spannende Entwicklung: Wenn die CSU nun auch in den feministischen mainstream einschwenkt, könnten sie auch 10% AfD in Bayern kriegen.

        • @Pälzer
          Keine Angst.

          Übrigens empfinde ich die Angst vor der angeblichen Herrschaft der Frauen und der nicht in den typischen Rollen denkenden Menschen (ich drücke es mal ohne Fremdwörter aus) – so kommt es nämlich bei mir an – total übertrieben. In den Führungsebenen der Banken und Firmen, in den Parlamenten, Gemeinderäten sind die Männer immer noch in der Überzahl. Ich finde eine Politik, die sich um die Gleichstellung der Geschlechter bemüht, gut. Und mir ist es letztendlich egal, ob ein Mann denkt, er habe mehr weibliche Elemente in sich und eine Frau denkt, sie habe mehr männliche Elemente in sich. Außerdem ist es mir egal, ob so ein Denken politisch links oder rechts ist, so lange er keine Gewalt befürwortet. Hauptsache er/sie ist ein umgänglicher Mensch, mit dem man auskommen kann und der durch seine Streitsucht keinen Stress verursacht. Will nicht jeder so leben, dass das Leben für ihn lebenswert ist und er so etwas wie „Glück“ empfindet?
          Da gibt es wichtigere politische Themen, die die Rahmenbedingungen dazu schaffen: Frieden, gesunde Umwelt, gesunde Lebensmittel, demokratisches Leben, gegenseitige Toleranz, funktionierende Wirtschaft…
          Achso: Und ich glaube nicht, dass die Männer untergehen werden. 😉

      • Mehrnachdenken, Sie armes, armes Opfer.

        Auch das ist Teil der rechtspopulistischen Inszenierung. Alle bedrohen und greifen an und man selbst will doch nur die Wahrheit sagen dürfen, die einem alle verbieten wollen.

        Es geht um die Figur, nicht um das Argument. Gegenrede ist automatisch unlauterer Angriff auf die Wahrheit, die man ja gefunden hat. Auf keinen Fall ist sie Diskussion.

  23. Ursula Prasuhn

    Liebe/r mehrnachdenken,
    „Der Pfeil des Schimpfs kehrt auf den Mann zurück, der zu verwunden glaubt.“ (Goethe)

    Mein Interesse am Gender Mainstreaming hat übrigens die Historikerin und Journalistin Dale O’Leary geweckt. Sie nahm 1995 als Mitglied einer NGO an der 4. Weltfrauenkonferenz in Peking teil, die als Geburtsstunde des Gender Mainstreamings gilt.
    In ihrem 1997 erschienenen Buch „The Gender Agenda“ schreibt sie darüber und definiert 5 Leitsätze, die Einzug gehalten haben ins UN-Establishment. Alle fünf sind bemerkenswert, auch im Hinblick auf die Sexualpädagogik der Vielfalt. Der dritte ist es aber besonders:
    “In der Welt braucht es einen Sexualkundeunterricht für Kinder und Jugendliche, der zu sexuellem Experimentieren ermutigt; es braucht die Abschaffung der Rechte der Eltern über ihre Kinder.”
    Es gibt eine gute Zusammenfassung des Buches, an deren Ende Sie die fünf Thesen finden und erstaunt feststellen dürfen, wie sehr diese bereits die westliche Welt bestimmen, obwohl die Gendersprache damals offenbar noch ausgelassen wurde.
    http://www.dijg.de/gender-mainstreaming/dale-o-leary-agenda-konzept-hintergrund/

    • mehrnachdenken

      Ich freue mich, dass Sie sich zu Wort melden.

      „Der Pfeil des Schimpfs kehrt auf den Mann zurück, der zu verwunden glaubt.“ (Goethe)
      Das ist schön formuliert, hilft aber in einer Diskussion, die von Hass und niederträchtigen Unterstellungen geprägt ist, wenig weiter.
      Das Thema ist hier „verbrannt“. Deshalb bringt es aus meiner Sicht nichts, sich da weiter zu engagieren.

      Danke für Ihre Ausführungen. Ich kenne sie auch. Deshalb habe ich ja große Schwierigkeiten, den Ausführungen von bspw. „Frau Oetken“ oder aktuell von „ysnp“ zu folgen, die GM offensichtlich nur unter dem Aspekt der Frauen – Gleichberechtigung lesen. Das dahinter ein gut durchdachtes ideologisches Konzept stehen könnte, wird schlichtweg ignoriert.

      • Angelika Oetken

        @mehrnachdenken,

        da haben Sie mich aber vollkommen falsch verstanden. Wie weiter oben schon erläutert, begreife ich „Gender Mainstreaming“ als Strategie, für alle Geschlechter Gerechtigkeit herzustellen. Insbesondere für Jungen und Männer halte ich das für dringend notwendig. Sie sind durch einengende, destruktive Rollenvorgaben noch eingeengter als Mädchen und Frauen. Dies betrifft Berufswahl, Image, Identität, den Umgang mit Gefühlen, mit Sexualität, die Partnerwahl, die Rolle innerhalb der Familie. Und nicht zuletzt die Gesundheit.
        Gerade die männlichen Missbrauchsopfer, die sich 2010 und die folgenden Jahre zu Wort gemeldet hatten, hauptsächlich Angehörige der Mittel- und Oberschicht, viele Absolventen so genannter „Eliteschulen“, demonstrierten uns ja allen, wie blind wir durch Rollenstereotypien für das Leiden von Jungen und Männern waren. Da schließe ich mich nicht aus. Auch ich habe erst realisiert, wie großes Unrecht Jungen und Männern durch unreflektierte Vorannahmen hinsichtlich ihrer als „typisch“ deklarierten Verhaltensweisen widerfährt.

    • Angelika Oetken

      http://www.dijg.de/ueber-uns/das-dijg/

      http://www.ojc.de/

      https://de.wikipedia.org/wiki/Offensive_Junger_Christen

      Die „Offensive Junger Christen“ entspringt der Evangelikalen Bewegung. Sie verfolgt missionarische Ziele und hat eine sehr konservative gesellschaftspolitische Agenda. Das sollte man bei Allem, was diese und ähnliche Initiativen tun bzw. veröffentlichen beachten.

      Und noch mal ein Verweis auf unser Grundgesetz. Nicht umsonst heißt es dort in Artikel 4:

      „(1) Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.

      (2) Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet.“

      Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass religiöse und weltanschauliche Bekenntnisse da ihre Grenzen haben, wo sie die Freiheit anderer Menschen beschneiden. Dies betrifft insbesondere die Art und Weise seine Sexualität zu leben. Wenn jemand an höhere Wesen, Mächte oder politisch-weltanschauliche Ideale glaubt, ist das Privatsache. Sie anderen aufnötigen zu wollen, ein Übergriff und eine Verletzung der Privatsphäre. Wir sind zuallererst Bürger dieses Staates. Und nicht Zielobjekte irgendwelcher religiöser oder politischer Glaubensgemeinschaften.

    • Was mich wundert, dass Sie denken, diese Thesen setzen sich 1:1 durch. In der Geschichte gab es schon viele extreme Ansätze, doch die wenigsten haben sich in der Praxis lehrbuchmäßig durchgesetzt.
      Wenn man die Absichten der Bundesregierung zum „Gender -Mainstreaming“ liest, dann liest man dort Schwerpunkte wie Gleichstellung bzw. früher sagte man Gleichberechtigung der Geschlechter und Toleranz gegenüber geschlechtlich anders Empfindenen heraus. Das kann ich voll unterstreichen. Dass man politsch versucht, Frauen die Karrieretür zu eröffnen, halte ich nicht für abwegig. Nach wie vor ungelöst ist für mich das Problem der Kindererziehung. Da bin ich der Meinung, dass ein Partner die Möglichkeit haben sollte, die ersten drei Jahre ohne große berufliche Einbußen zuhause bleiben zu können. (Da folge ich noch der lang vorherrschenden These, dass die Beziehung zu einer Bezugsperson die ersten 3 Jahre sehr wichtig für die Entwicklung eines Kindes sind, bis mich mehrere wissenschaftkiche Untersuchungen vom Gegenteil überzeugen.) Erste Ansätze haben wir wie die Arbeit von zuhause aus und es gibt hin und wieder Familien, wo Männer zuhause bleiben. In diese Richtung gibt es auf jeden Fall noch viel Handlungsbedarf und kreative Ideen, denn es werden ja eher die Kita -Plätze ausgebaut, das andere – kein Abbruch der Karriere und problemlose Wiedereingliederung in den Beruf – scheint wohl in vielen Berufen utopisch.

      • Mein obenstehender Beitrag bezog sich auf die Ausführungen von Ursula Prasuhn, 16.4., 12:32

      • Was ich oben noch vergessen habe, um die These abzurunden:
        Ich persönlich glaube eher, dass sich hinter der staatlichen Förderung des Ausbaus der Kita – Plätze letztendlich wirtschaftliche Interessen (und nicht wie von Ihnen vermutet, Interessen der Gender -Ideologie in Reinform) verbergen. Für die Industrie ist das – bei dem Fachpersonalmangel – kostengünstiger, wenn die Prozesse dynamisch bleiben.

        • Angelika Oetken

          @ysnp,

          ich stimme Ihnen darin zu, dass gerade sehr kleine Kinder vertraute, beständige Bezugspersonen benötigen, um sich gut entwickeln zu können. Ob es sich dabei immer um die leiblichen Eltern, respektive die Mutter handeln muss bzw. sollte, möchte ich bezweifeln. Zum Einen ist unsere natürliche, d.h. vor der Seßhaftwerdung praktizierte Lebensweise die in der umherstreifenden, multigenerationialen Großgruppe, zum Anderen ist Elternschaft immer erstmal ein biologischer Vorgang, der nicht zwangsläufig die entsprechende Eignung mit sich bringt.
          Bis vor etwa 200 Jahren, also dem Einsetzen der Phase der Industrialisierung, lebten die meisten Menschen in der Großfamilie. Die Betreuung der Kinder, auch der Kleinsten, wurde von allen Mitgliedern gleichermaßen geleistet. Allen voran den älteren Erwachsenen und Teenagern. Also allen, die nicht direkt und ständig mit dem Broterwerb beschäftigt waren. Die Kleinfamilie mit dem was wir heute als traditionelle Rollenverteilung ansehen, ist eine Entwicklung der Biedermeierzeit. Also alles Andere als eine „uralte“ Lebensweise. Sie ermöglichte es, dass ein Teil der Familie, nämlich die erwachsenen Männer, außer Haus der Produktion, der Dienstleistung und dem Handel nachgingen, während die Frauen für den Haushalt und die Aufzucht der Kinder zuständig waren. Also dem, was wir Reproduktion nennen. Die Kleinfamilie, welche den Geschlechtern ganz bestimmte Rollen zuweist, ist also eine Basis unserer modernen Lebensweise mit ihrer Ausrichtung auf die Produktion und den Konsum von Waren und Dienstleistungen. Erst die Trennung von Arbeit und Leben ermöglichte das. Kinder, die in so einem engen Gefüge aufwachsen, sind auch immer ein Stück weit von ihrem sozialen Umfeld abgeschnitten. Dies ist einer der Hauptgründe dafür, warum sexueller Missbrauch, der in den Familien betrieben wird, so selten ans Tageslicht kommt und noch seltener geahndet wird.
          Ich arbeite mit Kindern und ihren Eltern und kann sagen, dass für einige von ihnen die Krippe bzw. Kita und später die Schule ein wahrer Segen ist. Insbesondere dann, wenn Mutter und/oder Vater psychisch auffällig, in der Persönlichkeit gestört oder anderweitig beeinträchtigt sind. Der Teil dieser Eltern und von derartigen Defiziten betroffenen Kinder ist gar nicht einmal so klein. Dies gilt für städtische und ländliche Lebensräume gleichermaßen.

          Gesellschaftlich vernünftig wäre es folglich, sowohl die Unterstützungs- und Vernetzungsangebote für Eltern zu verbessern, als auch die Bedingungen in den Institutionen, die Kinder betreuen.

  24. Angelika Oetken

    Zur Geschlechtergerechtigkeit: geschlechtsspezifische Rollenzuschreibungen gibt es in nahezu allen Gesellschaften. Sie erfüllen vor Allem da ihren Zweck, wo Menschen versuchen, mittels Separation und aufgrund hierarchischer Unterschiede eine gewisse Ordnung in soziale Gefüge zu bringen bzw. aufrecht zu erhalten.
    D.h. je mehr Vorannahmen und Vorbestimmungen es in Bezug auf Geschlechter gibt, desto stärker ihre politische, ökonomische und soziale Wirkung. Das war auch in unserem Kulturkreis über lange Zeiträume so.
    Innerhalb weniger Jahrzehnte hat sich das aber deutlich geändert. Es waren die Frauen, die anfingen, den Platz, den man ihnen wegen ihres Geschlechts zuwies zu verlassen. Und Männer taten es ihnen nach. Zuerst begannen Schwule, sich gegen ihre Kriminalisierung, Ausgrenzung und Diffamierung zu wehren. Mittlerweile stellen Männer insgesamt immer mehr die Rollen und die Werte, die unsere gesellschaftlichen Traditionen ihnen überstülpen in Frage. Viele dieser Paradigmen und mehr oder minder offen ausgesprochenen Forderungen sind nämlich sehr belastend, schränken Männer (und Jungen) genauso in ihren Möglichkeiten und Persönlichkeitsrechten ein, wie es analog bei Frauen (und Mädchen) geschieht.

    „Gender Mainstreaming“ wird deshalb von den ExpertInnen, die sich damit beschäftigen, aus gutem Grund nicht „Womens-Mainstreaming“ genannt. Es sind nämlich beide, bzw. alle Geschlechter gemeint. Ziel ist es, Ungerechtigkeiten, die allein geschlechtlich begründet sind abzuschaffen. Wer dieses Ziel grundsätzlich in Frage stellt, stellt sich gegen unsere Verfassung. Wo es in Artikel 3 heißt:

    „Artikel 3

    (1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.
    (2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.
    (3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“

    • und aus den gründen gibt es Frauenparkplätze, bevorzugte Einstellung von Frauen bei gleicher Eignung, gendersprech nur bei positiv, nicht jedoch bei negativ besetzten Begriffen wie Mörder usw.

      Das kann man Männerdiskriminierung oder positive Frauendiskriminierung nennen. Darüber diskutieren die genderisten nicht. wäre ja auch fern der eigenen Ideologie.

    • Weil Frauen und Männer gleichberechtigt sind, gibt es auch Frauenparkplätze, (zumindest offiziell) Bevorzugung von Frauen bei Personalbesetzung, Gendersprech bei positiv besetzten Begriffen im Gegensatz zu negativen wie Mörder, Sorgerecht im Zweifel für die Mutter, Frauenministerien, Gleichstellungsbeauftragte (ausschließlich von und für Frauen), manchmal geringere Eintrittspreise in Discotheken für Frauen, sehr lange den Girlsday an Schulen (mittlerweile ergänzt um den Boysday)

      Das kann man übersetzen als Männerdiskriminierung oder ersatzweise positive Frauendiskriminierung. Darüber beschwert sich aber niemand.

      • mehrnachdenken

        Vergessen Sie bitte nicht die unzähligen Gender Studies, wohl alle mit Frauen besetzt.

        Hier ein Satz des Bundesministeriums für Familie … :

        „Das Leitprinzip der Geschlechtergerechtigkeit verpflichtet die Politik, Entscheidungen so zu gestalten, dass sie zur Förderung einer tatsächlichen Gleichberechtigung der Geschlechter beitragen.“

        Ja, „Gender“ propagiert ein neutrales Geschlecht. Wenn es aber um die „Fleischtöpfe“ geht (sh. Besetzung von Gender Studies) besinnen sie sich rasch auf ihr eigentliches weibliche Geschlecht.

        Warum werden Gender Studies nicht auch von Männern besetzt oder habe ich etwas nicht mitbekommen?
        Welche wissenschftlichen Resultate haben Gender Studies vorzuweisen?

        Selbst Frauen sollen die eingeführte Quote mehr als belächeln. Sie wollen durch Lesitung und nicht durch Bevorzugung überzeugen.

        • Ein (nicht ernst gemeinter) Erklärungsversuch:

          Wissenschaft = Naturwissenschaft = Männerdomäne = igitt, brauchen wir nicht

          • mehrnachdenken

            Nur für @xxx und Interessierte zur Wissenschaftlichkeit von Gender Studies:

            http://www.danisch.de/blog/2013/07/09/katastrophal-schlechte-prufungsfragen-aus-gender-studies-prufung-geleakt/

          • Ohne Worte !!

          • Wieder ieder eine Ihrer gehaltvollen Quellen. Jemand, der selber nur behauptet und sich mit der wissenschaftlichen Debatte nicht beschäftigt – und das durch die himmelschreiende Abwesenheit von Fußnoten, Querverweisen, Referenzen, etc. eindrücklich unter Beweis stellt – wirft anderen Behauptungen vor?

            Wie wärs denn, wenn Sie sich mal auf fachwissenschaftliche Journals stürzen und sich weniger in der Blog-Welt rumtreiben, in der jeden einfach so ohne irgendwelche Standards daherbehaupten kann. Vielleicht gibt es ja da auch eine Debatte um die Gender Studies (nur so am Rand: das ist etwas anderes als Gender Mainstreaming), die Sie hier gewinnbringend einbringen könnten.

            Oder machen Sie da bewusst einen Bogen drum, weil es dann schwierig wäre, das von ihren Bloggurus vorgedachte noch eins zu eins nachzudenken?

          • Gender Mainstream beschäftigt sich mit der Gleichstellung von Geschlechtern, Gender Studies ist Geschlechterforschung. mehrnachdenkens Link bezog sich auf die Unwissenschaftlichkeit einer Klausur in Gender Studies. Die sexuelle Vielfalt ist meiner Meinung nach ein Produkt der Gender Studies. Wo ist also das Problem?

            Bitte bringen Sie mal drei Fachartikel, die die Wissenschaftlichkeit der Gender Studies belegen und drei weitere, die die Unwissenschaftlichkeit der Gender Studies widerlegen. Alle sechs Artikel müssen aus unterschiedlichen angesehenen Zeitschriften stammen, nicht zwingend aus dem nature der Geisteswissenschaften aber auch nicht viel weniger angesehen. Reine Zeitschriften zu Gender Studies reichen mir nicht, es sei denn, darin finden sich auch kritische Artikel.

            (nature ist der heilige Gral der Naturwissenschaften. Erstautor in einem dort veröffentlichten Artikel oder gar auf dem Titelblatt und man hat es geschafft. Aber das wissen Sie sicherlich auch so.)

          • mehrnachdenken

            @xxx (17.04./ 11.30 h)
            Kann unser „Freund“ nicht liefern oder will er nicht?

            Hier ein weiterer Beitrag, den die Gender – „Jünger“ (gibt es auch Jüngerin?) bestimmt wieder sofort mit den bekannten Verdächtigungen verbal „zerschmettern“ werden:

            http://www.rolandtichy.de/gastbeitrag/frauen-und-maenner-gleichberechtigung-und-gleichstellung/

            Ihre und die anderer Gender – Kritiker interessiert mich.

          • mehrnachdenken

            Ihre Meinung … .

          • Tolles Interview für alle Gender-Kritiker. Die Genderologen mögen die darin genannten Punkte bitte fundiert widerlegen, gerne auch fundiert zerschmettern. „Georg“ übernehmen Sie in Anlehnung an eine von mir überaus geschätzte Fernsehserie der 1960er bis 1970er Jahre, deren Originaltitel „Mission Impossible“ den Schwierigkeitsgrad näherungsweise andeutet.

            Sehr gut finde ich die Gegenüberstellung der Begriffe Gleichberechtigung und Gleichstellung. Sie geht in dieselbe Richtung wie „alle“ und „jeder“ sowie „Akzeptanz“ und „Toleranz“. Auch diese Wortpaare werden synonym verwendet, obwohl sich ihre Bedeutung deutlich unterscheidet.

          • mehrnachdenken

            @xxx (18.04./ 23.44 h)
            Ganz meine Meinung.

            Matthias Rahrbach ist Jahrgang 1980, also ein noch recht junger
            Gender – Gegner.
            Obwohl er sicher das volle Gender – Programm an der Uni in Gießen vorgesetzt bekam, hat er sich offenbar davon nicht beeinflussen lassen und sich einen klaren Blick bewahrt.

            Zu seiner Person schreibt er:

            „Als Diplom-Biologe (Jahrgang 1980) kam ich nicht von ungefähr auf die Idee zu diesem Buch. Bereits während meines Studiums an der Justus-Liebig-Universität Gießen beschäftigte ich mich ausführlich mit dem Thema „Männchen und Weibchen in der Natur“ und wählte die Verhaltensbiologie der Sexualität als eines meiner Prüfungsthemen. Seit dieser Zeit stieß ich immer häufiger darauf, dass insbesondere Feministinnen, aber auch viele andere Menschen völlig falsche Vorstellungen von den Geschlechtern haben und dass die geschlechterpolitische Debatte hochgradig einseitig geführt wird.“

        • mehrnachdenken

          Letzer Satz:
          Sie wollen durch Leistung überzeugen und nicht bevorzugt behandelt werden.

          Aufschlussreich: Trotz Girls Day und einer massiven Werbung für Mädchen in so genannte Männerberufe bzw. Studentinnen in die MINT – Fächer, scheinen die Resultate überschaubar zu sein.

          Sagt uns das etwa etwas über die Unterschiedlichkeit von Männern und Frauen und deren biologische Anlagen, die sich eben nicht auf Knopfdruck beliebig ausschalten lassen, auch wenn uns das die Gender – Ideologie erzählen möchte?

        • Angelika Oetken

          „Selbst Frauen sollen die eingeführte Quote mehr als belächeln. Sie wollen durch Lesitung und nicht durch Bevorzugung überzeugen.“

          Seit wann werden verantwortungsvolle Posten aufgrund messbarer Leistungen besetzt? Und selbst ein 1er-Abitur ist käuflich. Sofern die Eltern über die entsprechende Barschaft verfügen. Später an der Uni ist es wichtig, die „richtigen“ Leute zu kennen. Für Doktorarbeiten gibt es Ghostwriter. Man muss nur aufpassen, dass man niemanden beauftragt, der all zu viel „guttenbergisiert“.
          Sobald all diese Hürden genommen sind, ist es wichtiger, mit wem sie saufen oder Tennis spielen gehen bzw. welcher Partei Sie angehören. Ihre „Leistung“ interessiert dann niemanden mehr. Ihre Durchsetzungsfähigkeit, Flexibilität und Schläue schon.

          Das Problem von Frauen im Allgemeinen ist, dass sie zu „nett“ sind. Auf Ausgleich aus, zu viel lächeln. Oder sich so kleiden und geben, dass man sie weniger ernst nimmt als Männer. Sie beschäftigen sich zu viel mit „Liebe“ und „Beziehungen“, wo ihre männlichen Altersgenossen vor Allem ans persönliche Fortkommen denken. Mütter lassen sich einreden, sie seien für ihre Kinder unabkömmlich und vernachlässigen den Beruf. Später bleiben diese Frauen dann irgendwo kleben. Schlimmstenfalls in wirtschaftlicher Abhängigkeit zu einem Mann. Natürlich gibt es Ausnahmen. Aber noch viel zu wenige, als dass Mädchen – und Jungen! – ausreichend viele gute Vorbilder hätten.

      • Angelika Oetken

        @xxx,

        grundsätzlich werden Eigenschaften, die für „Stärke“ und „Überlegenheit“ stehen, Männern zugeschrieben. Das hat aber den Nachteil, dass das männliche Geschlecht als aggressiv, selbstbezogen und übergriffig gilt. Unter dieser traditionellen geschlechtsbezogenen Diffamierung leiden selbst schon kleine Jungen. Sie werden in ihrer Verletzlichkeit und Bedürftigkeit oft nicht gesehen, die sie dann sehr häufig in als störend bewerteten Verhalten äußern. Was dazu führt, dass Männer überproportional häufig Probleme haben mit ihren Gefühlen umzugehen. Weil sie sie schlichtweg unterdrücken oder wegtrinken. Schon vor vielen Jahren wurde das von den Autoren des Buches „Kleine Helden in Not“ sehr gut dargestellt.

        Aber seit einigen Jahren wird das ja vermehrt diskutiert und es werden übliche Paradigmen überdacht. Wünschenswert wäre es doch, man würde in erster Linie den Menschen sehen und nicht so sehr sein jeweiliges Geschlecht.

        • Es gibt allerdings seltene Fälle, wo weder die kleinen Jungen noch die großen leiden, obwohl sie sich „artgemäß“ verhalten, und die Umgebung auch nicht .

  25. Ursula Prasuhn

    @ysnp
    Dass die Förderung von Krippen- und Kitaplätzen sowie Ganztagsschulen auch aus wirtschaftliche Interessen geschieht, denke ich ebenso wie Sie. Diese spielen vermutlich sogar eine große Rolle. Das bedeutet aber nicht, dass Gender außen vor ist. Hier – wie in anderen gesellschaftspolitischen Bestrebungen – sehe ich ein „Sowohl-als-auch“ und kein „Entweder-oder“.
    Wir beide schauen aus unterschiedlichen Perspektiven auf Gender und kommen darum zu unterschiedlichen Ansichten, was völlig in Ordnung ist.
    Ich argwöhne und misstraue der Sache ähnlich wie „mehrnachdenken“ und werde in meiner Haltung nur bestärkt, wenn persönliche Attacken erfolgen. „Wer unterstellt, beleidigt oder lächerlich macht, hat es wohl nötig“, sagt dann meine Logik.
    Um Missverständnissen vorzubeugen: An Sie denke ich jetzt nicht.
    Was Gender anbelangt, lasse ich ein paar Sätze aus der Zusammenfassung des Buches von Dale O’Leary für mich sprechen:
    „Sie (die Gender-Perspektive) soll in den Mainstream gelangen. Damit dies geschehen kann, ist sie verpackt in wunderbare Worte wie Gleichheit, Rechte, Familien, reproduktive Gesundheit und Fairness.
    Diejenigen, die sich für den Schutz von Ehe und Familie und für wahre Würde und Autonomie von Frau und Mann einsetzen, sind gegen die Gender-Perspektive – nicht weil sie gegen einen Fortschritt in Frauenfragen wären, sondern weil sie für Frauen sind.
    Sollte die erträumte Zukunft der Gender-Feministen jemals wahr werden, wird die Welt weniger gerecht, weniger frei und weniger menschlich sein.“

    • Angelika Oetken

      @Ursula Prasuhn,

      lange Zeit hat unsere Gesellschaft die Rechte der Männer, die den Familien vorstanden, über die der übrigen Familienmitglieder gestellt. Zustände wie wir sie heute noch in vielen Kulturen vorfinden. Dies wurde als „Schutz von Ehe und Familie“ deklariert. Und gleichzeitig wurden die Rechte weiblicher Familienmitglieder, aber vor Allem die der Kinder beschnitten.

      Mittlerweile haben auch wir Deutschen uns an die Demokratie gewöhnt. Es ist doch an der Zeit, dass wir den Rechten von Kindern genauso viel Raum geben wie denen von Erwachsenen. Mehr noch: da Kinder von Natur aus weniger Möglichkeiten haben, sich vor den Übergriffen bzw. den Instrumentalisierungen durch Erwachsene zu schützen, vor Allem wenn es sich dabei um ihre Eltern handelt, brauchen sie dabei die besondere Unterstützung der Gesellschaft.

      Die meisten Kinder sind in ihren Familien gut aufgehoben. Für einen beträchtlichen Teil ist die Familie aber eine regelrechte Falle. Manche werden misshandelt, ausgebeutet, gefangen gehalten, oder sogar getötet. Vor den Augen von uns Allen. Und das nur, weil Väter und Mütter ihre „Rechte“ auf die Kinder einfordern. Obwohl mehr oder minder offensichtlich ist, dass sie diese missbrauchen. Es sind oft gerade LehrerInnen und andere Bezugspersonen, die bemerken, dass da in den Familien etwas nicht stimmt. Und dann häufig genug, zu wenig Möglichkeiten haben den Kindern beizustehen und sie vor ihren Eltern oder anderen Familienangehörigen zu schützen.

      • Ursula Prasuhn

        Sie sehen mir alles zu sehr durch das Brennglas „missbrauchte oder misshandelte Kinder“ und scheinen deswegen allen Kindern verordnen zu wollen, was einem kleineren Teil sicher gut täte, nämlich staatliche Betreuung schon im frühen Kindesalter und das möglichst rund um die Uhr.

        Auch wenn Sie es gut meinen, Frau Oetken, mit Ihrem Daueralarm stellen Sie m.E. Eltern und andere Familienangehörige ständig unter Generalverdacht und loben parallel dazu die institutionelle Betreuung mitsamt ihrer Sexualpädagogik der Vielfalt.

        „Es ist doch an der Zeit, dass wir den Rechten von Kindern genauso viel Raum geben wie denen von Erwachsenen“, sagen Sie noch. In dieser schwammigen und generalisierenden Form kann ich Ihren Satz unmöglich unterschreiben – gerade wegen des Kindswohls.
        Er ist sicher wohlfeil, aber nicht unbedingt wohl durchdacht.

        • Angelika Oetken

          Ich formuliere es so @Ursula Prasuhn: „ich habe Menschen frühzeitig so kennen gelernt, wie sie eben auch sein können“.

          Weiter oben hatte ich ja schon zum Ausdruck gebracht, dass das kollektive Weggucken, was Kindeswohlgefährdungen angeht einen stabilisierenden sozialen Zweck erfüllt. Wenn ich dafür vollstes Verständnis habe, bedeutet das ja noch lange nicht, dass ich diese Haltung auch annehme.

          Und wenn Sie meinen Kommentar, auf den Sie sich beziehen, noch einmal in aller Ruhe und mit der notwendigen emotionalen Distanz durchlesen, werden Sie feststellen, dass ich weder Kindern „rund um die Uhr staatliche Betreuung“ verordnen möchte, noch Eltern und Familienangehörige unter Generalverdacht stelle. Ich plädiere lediglich dafür, niemandem einen unbotmäßigen Vertrauensvorschuss zu gewähren.

          • Zitat. „Ich plädiere lediglich dafür, niemandem einen unbotmäßigen Vertrauensvorschuss zu gewähren.“
            Würden Sie so etwas im Hinblick auf Flüchtlinge und Einwanderer sagen, würden Sie dafür ebenso in der Luft zerfetzt wie für Ihr ständiges Nahelegen krimineller Handlungen eines erheblichen Teils von Eltern und anderen Familienangehörigen.
            Das eine ist eben gender-erwünscht und damit auch politisch erwünscht und das andere nicht.

          • mehrnachdenken

            @dixo
            Ich vermute tatsächlich, dass A. Oetken in Wahrheit eine knallharte Verfechterin der Gender – Ideologie. Je mehr sie schreibt, desto offensichtlicher wird es für mich.

          • Angelika Oetken

            Der entscheidende Punkt ist die Unbotmäßigkeit. Jemandem sexuelle Triebhaftigkeit zu unterstellen, nur weil er ein Mann ist, wäre nämlich genauso unangemessen, wie die Bereitschaft zu entsprechenden Übergriffigkeiten an der Ethnie festzumachen.

            Eher kann man davon ausgehen, dass die Neigung zur Polarisierung, wie wir sie bei Rassisten vorfinden, etwas mit emotionaler Unreife zu tun hat. Es gibt eben auch Menschen, die mit differenzierteren Sichtweisen gefühlsmäßig überfordert sind.

          • Die differenzierte Sichtweise ist genau das, was ich bei Ihnen zunehmend vermisse, Frau Oetken.
            Anfänglich habe ich mich (zugegebener Weise) auch von Ihren Kommentaren vereinnehmen lassen.

            @mehrnachdenken
            Ihre Vermutung ist nicht ganz abwegig.

          • @dixo Sehe ich genauso. Keinerlei Einwände zu Gender Mainstream sowie Erziehung zu sexueller Vielfalt zulassen und hinter allen Menschen entweder potenziell sexuell Missbrauchte oder potenziell sexuell Missbrauchende sehen. Ich persönlich sehe mitunter zu sehr eine heile Welt, aber Frau Oetken geht viel zu extrem in die andere Richtung.

          • Frau Oetken – die Genderwölfin im Schafspelz. Jetzt ist es endlich raus.

            Da ist sie wieder, die rechtspopulistische Ideologie, die nur eindeutig in gut und böse trennt, in Wahrheit und Lüge, und dann auch selbst nur so sehen und denken kann.

            Wo die Zwischentöne der Differenzierung fehlen, kann es nur Gender-Ideologen und mutige Kämpfer für die Wahrheit und gegen die „Genderelite“ geben.

            Es ist wirklich possierlich sich anzuschauen, wie sich hier eins zu eins die rechtspopulistischen Muster wiederfinden lassen, die von der Politikwissenschaft beschrieben werden.

          • Rechtspopulistisch vielleicht in Ihren Augen. Zu Zeiten eines Franz Josef Strauß, also vor Kohl und seiner Ziehtochter Merkel, war der von Ihnen bemängelte Rechtspopulismus CDU-Stammgebiet und die CSU weiter rechts als AfD heute.

          • Angelika Oetken

            @xxx,

            Franz Josef Strauß ist übrigens eine wichtige Person, wenn man verstehen will, wie die sexuelle Ausbeutung, an der die Katholische Kirche beteiligt war in Bayern funktionierte. Strauß war eng mit Kirchenfürsten verbandelt. Darunter Joseph Ratzinger, der wiederum den Mallersdorfer Schwestern (betrieben und betreiben Kinderheime) und den Regensburger Domspatzen (Missbrauch von Jungen im großen Stil) nahe steht.
            Franz Josef Strauß wurde selbst als Schüler von einem Theologen protegiert http://www.fjs.de/privates/ausbildung.html

          • Entsetzen über Entsetzen!!
            Franz Josef Strauß und auch noch der Papst eng liiert mit kirchlichen Institutionen, die Kindesmissbrauch und -misshandlung betrieben haben!!
            Wer es noch nicht ist, sollte sofort aus der CSU und der Kirche austreten!

          • Zu Angelika Oetken, 17.4. 12:47
            So ganz verstehe ich nicht, was Sie mit der Aussage sagen wollen. Es suggeriert tatsächlich etwas eher in der Richtung, die Lena ausdrückt. Da werden Leute aus der Kirche generell unter Generalverdacht gestellt, weil sie sich gegenseitig kannten.
            Dass der Bruder von Joseph Ratzinger den Regensburger Domspatzen vorstand, dafür können beide nichts. Dass sich gewisse Leute kannten, dafür können sie auch nichts. Joseph Ratzinger war früher in der katholischen Kirche der vorbildliche Moraltheologe. (Ich schreibe das jetzt ganz neutral ohne dass meine persönliche Meinung in Bezug auf seine Moraltheolgie einfließt.) Ob Leute, die sich gegenseitig kannten, irgendetwas von den Missbräuchen mitbekommen haben, das weiß man nicht, sie selbst haben das verneint. Und wie wir wissen, geschieht Missbrauch derart im Verborgenen, weil vor allem früher die Opfer eben aus Unaufgeklärtheit geschwiegen haben.

          • Angelika Oetken

            @ysnp,

            ich stelle Menschen, die für die kirchlichen Institutionen arbeiten schon allein deshalb nicht unter Generalverdacht, weil sich unter ihnen viele Whistleblower befinden, ohne deren Unterstützung das Ausmaß der Missbrauchskriminalität, die kirchliche Institutionen zu verantworten haben, nie öffentlich gemacht worden wäre.

            Über die Rolle verschiedener Kirchenfunktionäre und wichtiger Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft, was die Missbrauchsfälle bei den Domspatzen angeht, finden Sie auf Regensburg-digital, in der Mittelbayerischen Zeitung, auf intern-at und in einigen anderen Medien etwas. Darunter solche der Katholischen Kirche.

            Hier etwas zur Person des Joseph Ratzinger, das, sollte es der Wahrheit entsprechen, so manche Frage beantworten würde

            https://www.br.de/nachrichten/oberpfalz/inhalt/regensburger-domspatzen-missbrauch-zwischenstand-100.html (Kommentar 142)

        • Angelika Oetken

          @Lena,

          austreten ist immer eine individuelle Entscheidung. Und was Aufklärung der Verbrechen angeht keine Lösung. Zumal es nicht „die CSU“ und „die Kirche“ sind, die Missbrauchskriminalität gefördert bzw. betrieben haben, sondern immer Menschen, die diesen Institutionen angehören und das für ihre Zwecke ausgenutzt haben.

          Die Zusammenhänge, die sich auftun, wenn man die Fälle an Einrichtungen wie der Odenwaldschule, dem Aloisiuskolleg oder den Domspatzenschulen untersucht, zeigen aber auf, dass eine Unabhängige Aufklärung unter staatlicher Aufsicht und mit juristischem Durchgriff ausgestattet notwendig ist.

      • Ich stimme Frau Prasuhn zu. Wenn Sie schreiben

        „Die meisten Kinder sind in ihren Familien gut aufgehoben. Für einen beträchtlichen Teil ist die Familie aber eine regelrechte Falle. Manche werden misshandelt, ausgebeutet, gefangen gehalten, oder sogar getötet.“

        klingt es so, als ob für mindestens ein Drittel aller Kinder die Familie eine Falle ist. Laut
        http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/jugendaemter-nehmen-so-viele-kinder-in-obhut-wie-nie-a-982881.html
        waren etwas über 40000 Kinder in der Obhut der Jugendämter von etwa 11 Mio (Quelle: Statistisches Bundesamt). Die Dunkelziffer mag bedeutend höher sein, kommt aber sicherlich nicht über einen niedrigen einstelligen Prozentbereich aller Kinder hinaus.

        Was hätten Sie eigentlich über die institutionelle Betreuung in den 1950er und 1960er Jahren geschrieben? Mit sexueller Vielfalt hatten die Zustände damals auch etwas zu tun, aber nicht das was die Genderisten damit meinen.

        • Angelika Oetken

          Die Jugendämter nehmen so viele Kinder in Obhut, wie Geld für diese Maßnahmen zur Verfügung steht @xxx. Falls Sie die Gelegenheit haben, einmal ein informelles Gespräch mit MitarbeiterInnen der Jugendbehörden zu führen, dann werden die Ihnen sicherlich gern auseinandersetzen, wie schwierig deren Arbeitsalltag ist und welche Probleme sich auftun, wenn jemand für das Wohl und den Schutz von Kindern sorgen möchte.

          Hier wissenschaftlich ermittelte Zahlen zur Verbreitung von Kindesmisshandlung und -missbrauch in Deutschland http://www.aerzteblatt.de/archiv/89302?s=H%E4user+Gewalt

          • Andererseits glaube ich auch nicht, dass die Jugendämter am liebsten 400000 Kinder in ihre Obhut nehmen müssten, wenn sie es finanzieren könnten, was 10 Mal so viel ist wie aktuell und etwa 3% aller Kinder entspräche.

            Bei dem von Ihnen zitierten Artikel konnte ich die Art der Datenerhebung nicht nachvollziehen. Sind bei dem 75%-Anteil mit Gewalterfahrung Klapse auf dem Po enthalten? Diese waren für alle Geburtenjahrgänge bis mindestens 1980-85 nichts ungewöhnliches (was sie nicht unbedingt gutheißen soll, aber auch nicht geißeln so wie Sie, Frau Oetken, das tun) und haben in den allermeisten Fällen keine psychischen Erkrankungen zur Folge gehabt. Das Wort „Vernachlässigung“ wurde auch nicht näher definiert. Ist es schon eine emotionale Vernachlässigung, wenn ein Kind nicht jedes im Laden gesehen Spielzeug oder nicht jede Süßigkeit sofort bekommt? Ist ein Schlüsselkind (Schlüssel um den Hals, nach der Schule bis mindestens 17:00 Uhr alleine zuhause) emotional vernachlässigt? Darf man die Prozentzahlen zu körperlichem, sexuellen und emotionalen Missbrauch addieren oder nicht? Bei Ihnen, Frau Oetken, habe ich das Gefühl, dass Sie es einfach so tun, weil es ihre persönlichen Erfahrungen und / oder Zielsetzungen unterstreicht.

          • Angelika Oetken

            @xxx,

            im Artikel sind die von Häuser und Kollegen kreierten Tabellen verlinkt, sowie die Institutsadresse von Dr. Häuser. Fragen zum Aufbau seiner Studie stellen Sie am besten ihm selbst.

        • Angelika Oetken

          „Was hätten Sie eigentlich über die institutionelle Betreuung in den 1950er und 1960er Jahren geschrieben? Mit sexueller Vielfalt hatten die Zustände damals auch etwas zu tun, aber nicht das was die Genderisten damit meinen.“

          Darf ich fragen, was Sie genau damit meinen?

          • Leider gab es Betreuer und Betreuerinnen, die an den vielfältigsten Geschlechtern und Altersstufen ihre Sexualität auslebten. Ein eigener Partner war entweder durch die Kirche verboten, nicht vorhanden oder egal.

          • Angelika Oetken

            @xxx,

            ich habe bereits eine Menge über Missbrauch in kirchlichen Institutionen geschrieben und werde das auch zukünftig tun. Ich stehe mit Opfern verschiedener Kontexte (Tatorte) im Austausch. Darunter sind auch welche der Evangelischen und der Katholischen Kirche, respektive der von Kirchen betriebenen Einrichtungen. Im Übrigen bin ich skeptisch, ob es wirklich das Fehlen eines Partners im passenden Alter ist, der Erwachsene dazu treibt, Kinder oder Jugendliche zu missbrauchen. Viel wahrscheinlicher ist es doch, dass bestimmte, räumlich und weltanschaulich eher abgeschlossene Einrichtungen Pädokriminelle anziehen bzw. hervorbringen. Menschen, die auch dann keinen gleichrangigen Partner fänden, wenn sie die Gelegenheit dazu hätten. Nicht umsonst ähneln sich die beiden institutionellen Tatorte „Domspatzen“ und „Odenwaldschule“, obgleich weltanschaulich sehr unterschiedlich, was ihre Missbrauchshistorie angeht stark.
            Falls Sie die Gelegenheit haben, irgendwo Franz Wittenbrinks Singspiel „Schlafe mein Prinzchen“ anzusehen – wurde auch im Kino als Dokumentarfilm gezeigt – unbedingt die Gelegenheit nutzen. Ganz tolles Werk! https://www.freitag.de/autoren/kulturblog/schlafe-mein-prinzchen-berliner-ensemble

    • zu Ursula Prasuhn, 16.4. 15:43
      Danke für die konsensorientierte Aussage.

  26. @A. Oetken
    Sie sagen, dass Sie schon „eine Menge über Missbrauch in kirchlichen Institutionen geschrieben“ haben und das auch künftig tun werden. Dagegen ist nichts zu sagen, allerdings fällt mir nach dem Lesen der „Gender Agenda“ mit ihren 5 Leitsätzen schon der fünfte auf:

    „5. Religionen, die diese Agenda nicht mitmachen, müssen der Lächerlichkeit preisgegeben werden.“

    http://www.dijg.de/gender-mainstreaming/dale-o-leary-agenda-konzept-hintergrund/

    Ob lächerlich machen oder unter Generalverdacht eines Kindesmissbrauchs stellen (wie auch bei Eltern), beides läuft strategisch in dieselbe Richtung: Warnung vor der elterlichen Erziehung und der in einer kirchlichen Institution.

    • Angelika Oetken

      Zu meiner Agenda: ich setze mich ehrenamtlich für die Interessen von Missbrauchsbetroffenen und den Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung, Misshandlung und Gewalt ein. Unter Anderem indem ich dafür sorge, dass Informationen verteilt werden, wo betroffene Institutionen aus Eigennutz heraus die Öffentlichkeit zu täuschen versuchen. Dies geschieht vollkommen unabhängig von deren weltanschaulicher, religiöser oder politischer Verankerung. Es ist einfach eine verbreitete Form des Krisenmanagements. Wie sie es bei Pharmafirmen, die Medikamentenskandale vertuschen wollen oder Energieversorgern deren Atomkraftwerke Lecks haben auch beobachten können. Die von diesen Firmen geschädigten Menschen nutzen ähnliche Strategien wie meine MitstreiterInnen und ich.

  27. Angelika Oetken

    Ich kehre mal zum Thema des Artikels zurück.

    Das Bayerische Kultusministerium begründet die Überarbeitung der Richtlinien so: „Das Ergebnis der Überarbeitung sind laut Kultusministerium Inhalte, die die Schüler sowohl besser über Missbrauch aufklären als auch die Vielfalt der Lebenswirklichkeiten von Menschen abbilden.“

    Ich bin mir sicher, dass der Unterricht damit gewonnen hat. Bisher wurden meiner Ansicht nach – in guter Absicht – die positiven Seiten der Sexualität zu sehr betont, während es für die negativen wenig Raum gab. Bzw. ihnen eine gesonderter Platz zugewiesen wurde. Denn die gefährlichen, destruktiven und gewalttätigen Anteile was die menschliche Sexualität betrifft wurden ziemlich tabuisiert. Als Gegengewicht zur Verteufelung des Sexuellen, wie sie vor einigen Jahrzehnten noch üblich war.

    • Das sehe ich auch so. Ich finde den Entwurf wirklich gut.

    • So abgemildert sehen das die Vielfalt-Kritiker sicherlich auch, solange die „Vielfalt der Lebenswirklichkeiten abbilden“ nicht zu einer Überbetonung der nicht-heterosexuellen Lebenswirklichkeit verkommt, erst recht nicht schon im Kindergarten oder Grundschule. In Baden Württemberg hat man das zumindest versucht.

      • Angelika Oetken

        In schlüssigen und umfassenden Konzepten sollte sich die sexuelle Lebenswirklichkeit abbilden. Zu der selbstverständlich auch die Sexualität von Menschen, die behindert sind, alten Menschen und eben solchen, die Missbrauch bzw. sexuelle Gewalt und Ausbeutung erleben müssen gehört. Genauso wie die Tatsache, dass es Personen gibt, die kein Interesse an Sex haben oder keine sexuellen Beziehungen mit anderen eingehen möchten. Es gibt Unterrichtsmaterial, was das alles berücksichtigt. Jeweils auf den Entwicklungsstand der SchülerInnen bezogen. Auf das viel diskutierte Werk „Sexualpädagogik der Vielfalt“ – was im Übrigen nur eines von möglichen Fachbüchern dazu ist – trifft das nur eingeschränkt zu. Das Buch sollte in dieser Hinsicht überarbeitet werden.

        • Wenn Sie für eine Überarbeitung des Buches sind, wollen Sie offensichtlich sagen, dass es Kritikpunkte gibt. Bei Ihrer Rezension bei Amazon ist davon nichts zu lesen. Sie ist sogar so positiv, dass ich mich gefragt habe, warum Sie „nur“ 4 von 5 möglichen Sternen vergeben haben.
          Wer Ihre Rezension liest, muss sie als Empfehlung des Buches auffassen.

          • Angelika Oetken

            Meine Kritikpunkte habe ich bereits erläutert. Das Buch hat Schwächen, viele Materialien und Ansätze halte ich aber auch für sehr gut.

  28. @mehrnachdenken und xxx
    Das Interniew mit Diplom-Biologen ist wirklich gut:

    http://www.rolandtichy.de/gastbeitrag/frauen-und-maenner-gleichberechtigung-und-gleichstellung/

    Danke, mehrnachdenken, für den Link und Ihnen, xxx, Ihre positive Reaktion. Beides zusammen hat mich erst dazu gebracht, mir das Interview anzuschauen.

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