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Explosive Expertise: Rückkehr zu G9 bringt nichts – außer hohe Kosten. Und die Abiturienten werden wieder älter

ESSEN. Prof. Dr. Olaf Köller, Direktor des Leibniz-Instituts für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik in Kiel, ist einer der renommiertesten Bildungsforscher in Deutschland – und sein Urteil im aktuellen Streit ums sogenannte Turbo-Abitur ist eindeutig: Eine Rückkehr zu G9 bringt praktisch nichts. Außer dass die deutschen Abiturienten, die im Schnitt trotz der verkürzten Gymnasialzeit im internationalen Vergleich immer noch relativ alt sind, noch älter würden. Und hohe Kosten. Dies ist das Fazit aus allen vorliegenden wissenschaftlichen Studien zum Thema. Köller hat sie im Auftrag der Stiftung Mercator gesichtet und ausgewertet.

Zentrale Erkenntnis von Köllers Expertise ist, dass die G8-Reform – entgegen der landläufigen Meinung vieler Eltern – keine negativen Folgen hatte. Zwischen G8- und G9-Abiturienten lassen sich keine Unterschiede in der fachlichen Leistung nachweisen. Auch sind die G8-Schüler nicht schlechter auf die Anforderungen eines Studiums vorbereitet als G9-Schüler. Durch die G8-Reform haben Schüler zwar etwas weniger Zeit für außerschulische Aktivitäten. Dies wirkt sich aber nicht auf die Anzahl von Mitgliedschaften in Vereinen aus.

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Wörtlich heißt es in dem Papier:

  • „Die G8-Reform in Deutschland hat dazu geführt, dass Abiturientinnen und Abiturienten heute im Mittel 10,3 Monate jünger sind, als sie es im G9-System waren. Dass es nicht ein volles Jahr ist, liegt an den etwas höheren Wiederholerquoten in der Sekundarstufe II des G8. Dieser Effekt geht in erheblichem Maße darauf zurück, dass Schülerinnen und Schüler nach einjährigen Auslandsaufenthalten im G8 in der Regel das Schuljahr wiederholen müssen.“
  • „Hinsichtlich der fachlichen Leistungen bzw. Kompetenzen am Ende der gymnasialen Oberstufe lassen sich keine konsistenten Unterschiede zwischen G8- und G9-Abiturientinnen und -Abiturienten nachweisen. Dieses lässt den Schluss zu, dass in kürzerer Zeit mit einer Verdichtung der Unterrichtsinhalte genauso erfolgreich gelernt werden kann wie im neunjährigen Gymnasium.“
  • „Keine empirischen Hinweise ergeben sich dahingehend, dass G8-Schülerinnen und -Schüler schlechter auf das Studium vorbereitet sind als G9-Schülerinnen und -Schüler.“
  • „Die Befundlage zum Stress- und Belastungserleben ist uneinheitlich. Viele Studien erbringen keine Unterschiede zwischen G8- und G9-Schülerinen und -Schülern. Wenn Unterschiede gefunden werden, so deuten sie eher darauf hin, dass das Stress- und Belastungserleben von G8-Schülerinnen und -Schülern etwas höher ist.“
  • „Die G8-Reform hat dazu geführt, dass Schülerinnen und Schüler etwas weniger Zeit für außerschulische Aktivitäten haben, was der höheren Wochenstundenzahl geschuldet ist. Gleichzeitig ergibt sich keine Evidenz, dass die G8-Reform negative Effekte auf die Mitgliedschaften in Sportvereinen oder in bundesweiten Schülerwettbewerben gehabt haben könnte. Viele Wettbewerbe verzeichnen steigende Anmeldezahlen. Wenn die Anmeldezahlen sinken, so ist dieser Abfall deutlich geringer, als aufgrund der abnehmenden Schülerinnen- und Schülerzahlen zu erwarten wäre. Dasselbe gilt für die Mitgliederzahlen in Sportvereinen.“

Köller kommt zu dem Schluss: „Insgesamt ergibt sich so ein Bild, wonach die Verkürzung der Gymnasialzeit von neun auf acht Jahre keine substanziell negativen Effekte hatte. Gleichwohl muss auch konzediert werden, dass sich empirisch keine großen positiven Effekte der Reform nachweisen lassen, abgesehen davon, dass junge Menschen mit Hochschulzugangsberechtigung heute im Mittel zehn Monate jünger sind als vor der Reform. Für die aktuellen Diskussionen lässt sich festhalten, dass eine Rückkehr zum G9 in allen hier betrachteten Dimensionen keine positiven Effekte haben dürfte.“

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Angesichts der immensen Kosten, die solch eine Rückkehr mit sich bringe, sei zu fragen, ob man die großen Summen Geldes, die im Raum stehen, nicht besser in die Schul- und Unterrichtsentwicklung investieren sollte – allein in Bayern beispielsweise 600 Millionen Euro. Köller: „Mit einer derartigen Summe ließe sich in Bayern ein Professionalisierungsprogramm der Lehrkräfte auf den Weg bringen, das viel stärker zur gelingenden Entwicklung der Schülerinnen und Schüler beitragen könnte als die Rückkehr zum G9.“

Die Stiftung Mercator spricht sich daher weder für G8 oder G9 aus. „Wir wollen den Status Quo erhalten. Das ist keine reine Befürwortung von G8, aber die Befürwortung, nicht wieder umzubauen. Ressourcen sollten nicht in Strukturdebatten gebunden werden, sondern genutzt werden, um wichtigen Herausforderungen im Bildungsbereich, wie zum Beispiel der Qualität im Ganztag, zu begegnen“, erklärt Winfried Kneip, Sprecher der Geschäftsführung der Stiftung Mercator.

Die Stiftung Mercator arbeitet bundesweit mit mehr als 1.000 Schulen zusammen, um die Chancengleichheit von Kindern und Jugendlichen zu verbessern. Vor allem Ganztagsunterricht verbessert ihr zufolge die Bildungschancen aller Kinder. Das aktuelle Volksbegehren gegen G8 in Nordrhein-Westfalen fordert hingegen maximal sechs Unterrichtsstunden am Tag. „Wir sehen darin eine Abkehr vom Ganztag. Zusätzliche Bildungs- und Förderangebote wären freiwillig oder würden entfallen – ein großer Rückschritt für Schulen auf dem Weg zu einer chancengerechten Schule“, erläutert Kneip. Agentur für Bildungsjournalismus

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54 Kommentare

  1. Ein typische Auftragsarbeit, was da der Herr Köller, bezahlt von der G8- und ganztagsschulfreundlichen Mercatorstiftung, der Öffentlichkeit vorgestellt hat.

    Ich hätte mir gewünscht, die empirische Bildungsforschung hätte bei der Einführung des G8 vor15 Jahren die Politik darauf hingewiesen, dass man so eine große Reform nicht ohne eine ausreichende Anzahl von Modellversuchen einführt. Aber damals haben sie alle geschwiegen, die G9-Verteidiger hatten halt nicht das Geld für entsprechende Auftragsarbeiten.

    Und überhaupt: Die Validität der ausgewerteten G8/G9-Vergleiche ist äußerst schwach. Beispielsweise sind die beiden Studien, die G8- und G9-Abiturienten bei der identischen Abiturprüfung im Doppeljahrgang in Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt verglichen haben, eigentlich wertlos, weil in der entsprechenden Abiturprüfung alle Stoffinhalte, die im G8 gekürzt wurden, die G9-Abiturienten aber noch gelernt hatten, nicht abgeprüft werden durften,- der eventuelle Wissensvorsprung der G9-ler also gar nicht sichtbar werden konnte (z.B. Differenzialgleiochungen im ehemaligen G9-Lehrplan).

    Und jetzt versuchen die Köllers, Trautweins und Boses derzeit den Eltern und Schülern weiszumachen, dass deren ablehnende Haltung zu G8/G9 völlig irrelevant ist, weil angeblich empririsch nicht belegbar.

    Mich erinnert das an das Konstrukt des “falschen Bewusstseins”, mit dem früher Marxisten und Stalinisten zu erklären versuchten, warum nicht alle Arbeiter den “richtigen Klassenstandpunkt” einnahmen.

    • Und woran machen Sie fest, dass es sich um eine “typische Auftragsarbeit” handelt (was immer das sein mag – Studien haben fast immer einen Auftaggeber)? Kommen Sie zu anderen Ergebnissen nach Durchsicht aller Studien zum Thema?

      Was Ihre Kritik an der Trautwein-Studie betrifft: Wo ist die Quelle für Ihre Behauptung?

      Und: Renommierte Wissenschaftler in die Nähe von Stalinisten zu rücken, nur weil Sie mit den Ergebnissen politisch nicht einverstanden sind, ist geschmacklos. Geht’s auch eine Nummer kleiner?

      • Verehrte Anna,

        der Vergleichspunkt ist nicht der Stalinismus, sondern die Arroganz, sich im Besitz der absoluten Wahrheit zu wähnen und einer breiten Bevölkerungsmehrheit in Deutschland zu erklären, dass ihr Eintreten für G9 ohne jegliche Berechtigung, wissenschaftlich falsch und unsinnig ist, so nach dem Motto, dass nicht sein kann, was nicht sein darf.

        Als ob die große Mehrheit der Bevölkerung G8 nur deshalb ablehnen würde, weil sie sich Dinge einbilde, Fakenews aufgesessen ist oder nur das nachplappert, was andere vorsagen.

        Ohne dass viele, viele Eltern und Schüler unzählige negative persönliche Erfahrungen mit diesem schulsichen Beschleunigungswahn gemacht haben, wäre doch diese sich ständig verstärkende Ablehnung in keiner Weise erklärbar.

        Und dass es soviele Studien und Gutachten gibt, die sich mehr schlecht als recht bemühen, die Vorteile von G9 kleinzureden, hängt schon damit zusammen, dass es für solche Studien mehr Auftraggeber und Mittel (Landesregierungen, Stiftungen, Wirtschaftsverbände) gibt als für Studien, die beispielsweise den Zusammenhang von steigenden Studienabbruchsquoten und G8 untersuchen oder der Frage nachgehen, mit welchen Maßnahmen in den verschiedenen Bundesländern das gymnasiale Anspruchsniveau im Zusammenhang mit G8 abgesenkt wurde.

        • Sehr geehrte Conny,

          seit wann müssen Wissenschaftler bei der Wiedergabe wissenschaftlicher Erkenntnisse Mehrheiten in der Bevölkerung berücksichtigen – stimmen wir jetzt über Fakten ab? Ist die Erde eine Scheibe, wenn die Mehrheit das glaubt?

          Mit welcher Arroganz stellen Sie sich hin, und unterstellen renommierten Wissenschaftlern, ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse stets nach Gusto von Auftraggebern von Studien auszurichten – also korrupt zu sein? Mit einem solch wissenschaftsfeindlichen Denken nehmen Sie für sich in Anspruch, für Bildung einzutreten?

          Die einhellige wissenschaftliche Meinung zu G8 hat Köller zusammengefasst – es gibt offenbar keine wissenschaftliche Belege für Ihre Behautungen. Nun ist es ja nicht so, dass Forschungsarbeiten sakrosankt wären. Studien lassen sich natürlich kritisieren, allerdings mit wissenschaftlichen Argumenten und sauberen Quellennachweisen, nicht mit Glaubenssätzen, Verschwörungstheorien und Ideologie.

          Sie haben eine Kritik an der Trautwein-Studie formuliert, die ich gerne nachvollziehen würde. Ich hatte Sie um die Quelle gebeten – und tue es nochmal. Wo ist die Quelle für Ihre Kritik?

          • Axel von Lintig

            Anna

            Wir haben Landtagswahlen in NRW und diese Studie wurde passend angefertigt, um den politischen Freunden und Auftraggebern zu helfen.
            Die Unterschriftenaktion für G9 in NRW läuft aber weiterund man kann sich noch bis zu nächsten Jahr in den Bürgermeisterämtern eintragen.

          • So wie ich die bisherigen Beiträge gelesen habe, hat Conny nicht behauptet, dass Wissenschaftler stets “ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse nach Gusto von Auftraggebern von Studien ausrichten”, sondern sie hat _einen_ Fall genannt. Das eine wäre eine Allaussage, das andere ist eine Einzelaussage. Ich finde, dass Sie ein wenig zu freigebig mit Hatespeech wie “Arroganz” und “wissenschaftsfeindlich” sind, und dass solche Sprechweisen die Diskussion nicht sachlicher machen.

        • Jürgen Günther

          Liebe Conny,
          bitte belegen Sie Ihre Kritik an den betreffende Studien und Gutachten mit konkreten Nachweisen. Das wird sicher nicht einfach sein aber ich glaube, dass Sie auf dem richtig Weg sind. Interessengeleitete Auftragsforschung ist mir nicht unbekannt. Wir haben uns in der Bildungswissenschaft vermutlich von der Theorie des Nürberger Trichters noch nicht gelöst. Der Neoliberalismus in seinem Ökonomisierungswahn möchte gern die menschliche Reifezeit verkürzen, um schneller Profit aus dem zukünftigen Humankapital zu schlagen. Dazu zählt auch die Früheinschulung.
          Plötzlich und unerwartet wird dann in der Wirtschaft festgestellt, dass die junge Leute noch zu jung sind, um eine vollen Arbeitstag in der Lehrausbildung zu absolvieren oder an den Universitäten wundern sich die Dozenten über die mangelnde menschliche Reife ihrer Schützlinge.
          Der Prozess der menschlichen Reife lässt sich nicht einfach verkürzen, er kann aber durch gute Angebote gefördert werden. Vielleicht sollte sich die Bildunswissenschaft etwas mehr Gedanken über diese Angebote machen.

          • Küstenfuchs

            Die Kritik liegt doch auf der Hand: Köller veröffentlicht seine “Studie” 4 Tage vor der Landtagswahl, in der G8/G9 ein Wahlkampfthema ist, obwohl die Studie schon wochenlang in der Schublade liegt.

            Und als wenn das nicht genug wäre, kommen dann auch gleich noch Totschlagargumente und Kampfrhetorik: “Postfaktisches Verhalten”, die Warnung vor einem “Einknicken der Politik vor dem Bürgertum”.

          • Die Kritik ist diesmal wirklich einfach. Die “Studie”, teilweise sogar als “Gutachten” tituliert, erzählt etwas von immensen Kosten, die auf NRW im Fall der Wiedereinführung von G9 zukommen würde. Welcher Art diese Kosten sind und welche Höhe sie auch nur ganz grob haben werden wird nicht genannt. Ich habe mir also den Spaß gemacht, bei Mercator nachzufragen. Ergebnis: Sie haben null Zahlen für NRW, das “immens” ist nur die Meinung des Studienerstellers. Statt dessen werden Zahlen aus Bayern genannt. Blöd nur, dass die 600 Millionen Euro dort für die Mehrstunden (Bayern-G9 wird mehr Jahreswochenstunden umfassen als das aktuelle G8) und für mehr Lehrer an anderen Schulformen vorgesehen sind.
            Ob in NRW wirklich merkliche Kosten für bauliche Veränderungen anfallen bezweifle ich mal. Die Räume hatten wir vor vier Jahren noch, als der letzte G9-Jahrgang Abitur machte.
            Also: Marcator behauptet einfach etwas, das nicht im geringsten belegt werden kann. Wenn ich etwas “immens” nenne und dann noch kurz vor dem Wahltermin veröffentliche, sollte ich das irgendwie unterfüttern können.
            Reicht es, wenn der Veröffentlicher der Studie offen zugibt, dass ein wichtiger Punkt einfach mal so erfunden wurde, oder braucht es da mehr?

          • Ich glaube, dass ich meine Kritik schon genügend untermauert habe:

            1. Die von Köller ausgewerteten Vergleichsstudien sind gar nicht in der Lage bzw. geeignet, wirkliche Vorteile oder Nachteile von G8 oder G9 zu messen, weil sie (Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt) die Messlatte eigentlich auf G8 normierten. Der eventuelle Mehrwert des G9 konnte gar nicht erfasst werden.

            Was Köller völlig ausblendet, sind die Ergebnisse der KMK-Arbeitsgruppe, die 1998 bei der Suche nach einer Lösung im G8/G9-Streit zwischen alten und neuen Bundesländern die Leistungen von Abiturienten u.a. durch Rückgriff auf die gerade veröffentlichte TIMSS-Studie untersuchte. Ein Ergebnis seinerzeit: In Physik gibt es zwischen G8 und G9 einen enormen Vorsprung für die G9-Abiturienten. Damals wurde noch ein echtes G8 mit einem echten G9 vergleichen.

            2. Kriterien wie Reife, Kritikfähigkeit, Mündigkeit, die Nutzung des Wahlfachangebots, Besuch von Theaterkursen und Chor wurden durch all diese von Köller ausgewerteten Studien nicht erfasst.

            3. Die Stressvergleichsstudien sind äußerst fragwürdig. Es wurde Stress durch Selbstauskunftder Schüler gemessen (eindeutiges Ergebnis: mehr Stressgefühl in G8), dieses Ergebnis aber unter Hinweis auf gleiche Nutzung von Vereins- und Sportangeboten in G8 und G9 von den Verfassern als bloß subjektiv abgetan. Eine sehr fragwürdige Vorgehensweise.

            4. Es wird von Köller völlig ignoriert, dass die fachlichen Anforderungen im G8-Abitur in einigen alten Budnesländern nachweisbar abgesenkt wurden (etwa durch Gleichgewichtung mündlich – schriftlich in Bayern). Die massiven Klagen der Universitäten (vgl. Brandbrief von 130 Matheprofessoren) über sinkendes Niveau der Studienanfänger wird weggewischt.

            Der Clou aber ist, dass Köller 2009, als er zusammen mit Stanat noch das IQB leitete, eine Expertise im Auftrag der KMK über die neuen G8-Lehrpläne erstellte, die den alten Bundesländern zur Verfügung gestellt wurde. Gesamtfazit: Viele Fachlehrpläne seien nicht genügend entrümpelt worden, wodurch im G8 eine zu hohe Verdichtung und erhöhte Stressgefahr bestehe!

            Was ich Trautwein (vgl. SZ-Artikel), Bos (Interview im DLF) und Köller (Mercator-Auftragsstudie) aber hauptsähclich vorwerfe, ist, dass sie die wissenschaftlicheTrennung zwischen IST und SOLLEN nicht beachten, die für empirische Wissenschaft konstitutiv ist.

            Wenn sich Herr Köller im Interview mit der Augsburger Allgemeinen Zeitung vom 5.5.2017 hinstellt und sagt, dass im G9 massiv Zeit “verplempert” (sic) wurde, er die Eltern, die G9 bevorzugen mit Trump-Wählern vergleicht, die Fakenews aufsitzen, dann ist dies zutiefst unseriös.

            Ich darf abschließend daran erinnern, dass es auch darauf ankommt, wie ein neues G9 umgesetzt wird. Wenn wie in Niedersachsen die G8-Stundentafel nur auf neun Jahre gestreckt wird, bringt dies qualitativ gar nichts. Wenn man allerdings wie in Bayern geplant, 18 Jahreswochenstunden mehr hineinsteckt und gleichzeitig die Lehrpläne überarbeitet und so wichtige Dinge wie Informatik und Politsich Bildung stärkt, dann bringt das sehr wohl etwas.

            Da ist so eine Aussage, wie sie von Köller kam, die Mehrkosten für G9 seien rausgeschmissenes Geld, – in Bayern würde man sagen – ein Schmarrn!

          • Sehr geehrte Conny,
            ich habe Sie nun schon mehrfach gebeten, Ihre Kritik an den Studien zu G8 mit Quellenhinweisen zu versehen – wenn Sie das nicht tun, handelt es sich um bloße Behauptungen ohne Wert.

            Die „masssiven Klagen“ der 130 Mathematik-Professoren, die sie zitieren, begründen diese selbst mit der Einführung kompetenzorientierter Lehrpläne – und nicht mit G8. Mein Eindruck: Jeder macht sich hier die Welt, wie sie ihm gefällt. Tatsächlich sind die Mathematikleistungen von Schülern in Deutschland seit PISA 2000 im Schnitt stetig besser geworden, was darauf hindeutet, dass den Klagen überhaupt die empirische Grundlage fehlt. Auch die Hochschulen stehen unter Rechtfertigungsdruck angesichts zu hoher Abbrecherquoten – da wird dann gerne mal auf die Schulen als Verantwortliche gezeigt.

            Dazu kommt: Auch Bildungsforscher dürfen eine Meinung haben – und sie äußern. Übrigens auch durchaus vor einer Wahl.

            Natürlich gilt Köllers Aussage, dass die Umstellung von G8 auf G9 nichts bringt, nur unter der Prämisse gleichbleibender Rahmenbedingungen. Das ist doch logisch. Wenn zusätzliche Inhalte in die Lehrpläne genommen werden und dafür mehr Lehrkräfte eingestellt werden, kann das Jahr durchaus etwas bringen – aber das ist in keinem Bundesland, das G8 rückabwickelt, bislang vorgesehen.

            Übrigens: Wer Abitur noch zu alten G9-Zeiten gemacht hat (wie ich), weiß sehr wohl, dass die Jahrgangsstufe 11 damals nahezu komplett verschenkt war. Und wer (wie ich) Kinder heute im G8 hat, weiß, dass darin immer noch viel Luft ist – monatelang, ob vor Ferien oder um die Halbjahreszeugnisse herum, passiert herzlich wenig.

            Auch bleibt nach ihrer Argumentation rätselhaft, wie beispielsweise die sächsischen Abiturienten von je her mit G8 gut leben können. Ich habe wirklich das Gefühl, dass um G8 ein Glaubenskrieg geführt wird. Dabei hätte ich gar nichts gegen eine Verlängerung der Schulzeit bis zum Abitur – wenn irgendwer das mal inhaltlich begründen würde, etwa mit mehr Zeit für digitale Bildung oder mehr Zeit für soziales Lernen. Aber einfach nur länger? Wozu? Damit noch mehr Kinder aufs Gymnasium geschickt werden können, die dort eigentlich nicht hingehören?

            In Nordrhein-Westfalen beispielsweise kann jeder, der sein Kind G8 nicht aussetzen möchte, die Gesamtschule wählen – tut nur kaum jemand. Da frage ich mich schon: Worum geht es bei der Diskussion eigentlich? Seien wir doch ehrlich: Es geht darum, den Elternwunsch nach einer gymnasialen Karriere auf Biegen und Brechen zu erfüllen.

          • @ Anna
            das von Ihnen gebrachte Argument “kann jeder, der sein Kind G8 nicht aussetzen möchte, die Gesamtschule wählen” wird von rotgrüner Seite immer gebracht, aber es suggeriert, dass ein Unterricht in Gesamtschule und Gymnasium gleich sei. Die Eltern scheinen das genauso zu wissen wie Sie und ich.

          • Das ist doch wirklich ein Argument aus der Klamottenkiste. Glauben Sie ernsthaft, die Kolleginnen und Kollegen an den Gesamtschulen machen einen schlechteren Unterricht als die am Gymnasium? So ein Quatsch.

          • Klamottenkiste oder Mottenkiste 🙂
            Zu didaktischen (und damit unterrichtlichen Fähigkeiten) von Lehrkräften gibt es meiner Kenntnis nach zwei Studien.
            Coactiv und TedsM – ein Blick hinein lohnt sich.

          • Klamottenkiste war, glaube ich, mal eine Witzesendung im Fernsehen – würde also auch passen. 🙂

    • Danke für Ihren Kommentar, Conny, der mir gut gefällt.

      • Liebe Anna,

        was soll denn der ständige Hinweis auf fehlende Quellenangaben.
        Wollen Sie Seitenzahlen haben, akzeptieren Sie nur Kritik, die sich legitimiert durch andere wissenschaftliche Studien oder was soll das? Köller, Trautwein und Co. haben keine Studien ausgewertet, die einen echten Leistungsvergleich zwischen G8 und G9 zulassen. Das habe ich inhaltlich begründet. Punkt!

        Dass Sie sich auf Leistungssteigerungen bei PISA beziehen, ist besonders witzig. PISA misst nicht das Abiturniveau von G8 und G9, sondern vergleicht die Leistungsstände von 15-jährigen. Allein die Vorverlagerung von Unterrichtsstunden im G8 (verstärkter Nachmittagsunterricht ab Klasse 6) hätte so automatisch zu Leistungssteigerung führen müssen.

        Dass Sie angeblich aus eigener Erfahrung sicher wissen, dass die 11. Jahrgangsstufe komplett verschenkt war, ok! Ich finde es immer ganz toll, wenn Menschen, die wissenschaftliche Präzision einfordern, mit persönlichen Erfahrungen argumentieren.
        Ich weiß, dass in NRW in G9-Zeiten die 11. Klasse Leerlauf hatte, weil da viele Real- und Gesamtschüler in das Gymnasium einfädelten. Deshalb wurde dieses Jahr auch verstärkt für Auslandsaufenthalte genutzt. In Bayern galt das mit Sicherheit nicht, da war diese Klasse die Jahrgangsstufe mit anspruchsvollen Lehrplänen, die für die nötige Oberstufenreife sorgte.

        Und zum Verdacht, dass G9-Befürworter vor allem Eltern von eher leistungsschwächeren Kindern sind, die diesen unbedingt ein gymnasiales Abitur verschaffen wollen: Bei dem Modellversuch Mittelstufe plus in Bayern, bei dem man zwichen G8 und G9 wählen kann, haben überdurchschnittlich viele besonders leistungsstarke Kinder G9 gewählt. Warum?
        Weil das hochaktive, auch in vielen außerschulischen Bereichen stark engagierte Jugendliche sind, die es schätzen, wenn neben der Schule noch Zeit für andere sinnvolle Dinge bleibt.

        Warum G8 in Neufünfland funktioniert? Die Frage ist doch, ob es funktioniert, wenn Sachsen und Sachsen-Anhalt doppelt so viele Durchfaller im Abitur haben wie im Bundesdurchschnitt und die Studienabbruchsquoten von Abiturienten aus den neuen Bundesländern überdurchschnittlich hoch sind (Den Quellenhinweis aus der entsprechenden HIS-Studie, liebe Anna, liefere ich Ihnen noch nach, damit Sie zufrieden sind).

        Abgesehen davon, kann man sich den ganzen Streit um die Köller-Auftragsstudie demnächst sparen, ich gebe Brief und Siegel darauf, dass nach den Wahlen Schleswig-Holstein und NRW ganz oder teilweise zu G9 auch am Gymnasium zurückkehren werden.

        • Eine Kritik an wissenschaftlichen Arbeiten sollte schon selbst wissenschaftlichen Kriterien genügen, um ernst genommen zu werden – ja. Dazu gehört Nachvollziehbarkeit. Sie treten in diesem Forum als Anonymus auf (anders als die von Ihnen verunglimpften Bildungsforscher, die mit ihrem Namen für die Qualität ihrer Arbeit stehen) und erwarten, dass Behauptungen von Ihnen ungeprüft durchgehen? Ich werde mir bei Gelegenheit die von Ihnen zitierten Studien mal anschauen, aber bis dahin erlaube ich mir, Ihre Einwürfe als unbelegt zurückzuweisen.

          Zu PISA: Bei G8 wurde die Sek I zusammengestrichen, nicht die Sek II – angebliche Defizite hätten also auch schon bei den 15-Jährigen erkennbar sein müssen. Sind sie aber nicht.

          Kann sein, dass bald auch Schleswig-Holstein und NRW zu G9 zurückkehren. Auf rationaler Basis, so mein Eindruck, basiert diese Entscheidung aber nicht. Es gibt kein Abwägen von Für und Wider – sondern nur eine Debatte, deren emotionales Niveau mittlerweile an Hysterie grenzt. Da werden G8-Befürworter zu Stalinisten und Wirtschaftsknechten gemacht (warum nicht gleich zu Kinderquälern und Mördern?), angesehene Forscher in Bausch und Bogen als Lügenwissenschaftler diffamiert, und generell ein Klima der Einschüchterung erzeugt.

          Dabei habe ich tagtäglich zwei lebende Belege dafür vor Augen, dass G8 ganz gut funktionieren kann.

          • Gut, ich habe verstanden, gegen “zwei lebende Beweise” ist kein wissenschaftliches Kraut gewachsen.

            Nur zu PISA noch soviel, weil Sie es offensichtlich noch nicht verstanden haben:
            Ein 15-jähriger G8-Schüler hat in der 9.Klasse im Durchschnitt durch den verstärkten Nachmittagsunterricht im G8 ca 15 Stunden Unterricht mehr gehabt als sein G9-Mitschüler, was sich natürlich auf die Leistunegn auswirken müsste. Die Oberstufe spielt da gar keine Rolle.

          • Sie haben’s offenbar nicht verstanden – im Zug von G8 wurde der Stoff vor allem in der Sekundarstufe I verdichtet; das Fehlen von vermittelten Inhalten macht sich aber bei den Schülerleistungen offenbar nirgends bemerkbar – bei PISA nicht (gegen Ende der Sek I), und bei den von Köller zitierten Studien, die Abiturientenleistungen verglichen haben, auch nicht.

            Wie kurios, dass Sie von sich behaupten, wissenschaftlich zu argumentieren – aber von Quellenangaben und der Überprüfbarkeit wissenschaftlicher Argumente offenbar nie etwas gehört haben.

            Und gegen zwei Einzelfälle ist natürlich ein wissenschaftliches “Kraut” gewachsen – sie können zum Beispiel mit dem Durchschnitt argumentieren, für den es schlechter geworden sei. Das ist ja durchaus möglich. Sie können aber nicht behaupten, dass G8 für alle Schulen und für alle Schüler schlecht sei – ist es nämlich nachweislich nicht (da reicht schon ein Gegenbeispiel, ich habe zwei).

            Zwölf Schuljahre bis zum Abitur sind übrigens auch international der Standard, und so dumm, wie Sie die G8-Absolventen hier machen, sind die Studierenden in anderen Staaten auch nicht.

            Aber, ehrlich gesagt, interessiert mich Ihre pseudo-wissenschaftliche Anti-Argumentation eigentlich nicht. Was mich viel mehr interessiert: Wofür soll denn G9 gut sein? Was sollen Schüler in dem einen Jahr mehr lernen (und wodurch) – wenn sich, wie sich abzeichnet, am Gymnasium sonst nichts ändert, als dass der Unterricht nur auf mehr Jahre verteilt wird?

            Ich weiß hingegen sehr wohl, dass das gewonnene Jahr äußerst horizonterweiternd genutzt werden kann – ob mit einem Auslandsjahr, einem sozialen Jahr, einer Ausbildung oder einem früheren Berufseinstieg. Der ist für junge Menschen, die Geld verdienen und eigenständig werden wollen, auch ein Kriterium.

    • auftragsarbeit und validität hin oder her, bestätigt sie doch meinen eindruck von g8. die meisten schüler wirken von g8 weder überfordert noch überlastet. die, die es doch sind, wären es unter g9 im allgemeinen auch.

      • G8. so mein Eindruck, muss derzeit für alles herhalten, was am Gymnasium schief läuft. Die Eltern werden sich noch wundern, wenn sie feststellen, dass sich nach der Umstellung gar nicht viel ändert – außer, dass die Schulzeit ein Jahr länger dauert.

        • @Anna: Ihnen stimme ich auch zu.

        • Das wollen die eltern doch: geringfügig kürzere unterrichtszeit bei dem ausgedünnten g8-lehrplan gestreckt auf neun jahre.

          • Axel von Lintig

            Eine Bitte: Geben Sie Richtig im Gymnasium, damit all die mit Sommer- Stumpenhost- und Tinto beschulten Kinder möglichst viel Stress haben und möglichst schnell wieder das Gymnasium verlassen.
            Anders lässt sich das Anspruchsniveau nicht halten.
            Die Schonfrist von einem Jahr kann man noch einhalten.
            Wir brauchen auch gute Handwerker und schon gar keine Helikopter-Eltern, die ständig mitlernen und den zügigen Wissenszuwachs bremsen wollen.

          • Axel von Lintig

            richtig Gas

          • Der Murks am G8 ist von CDU/FDP angelegt worden. er besteht in der Beibehaltung einer 3-jährigen GOSt und der Verkürzung der SekI auf 5 Schuljahre. Die EF sollte also dem gehorchen, was die Initialen schon andeuten – EntFallen.
            Wer von einer anderen Schulform am Ende der SekI an ein GY wechselt, kann ja ein EF – EinFührungsjahr – absolvieren und hätte so ein G9. Alternativ besucht er die GOSt einer GeS oder eiens BK, die ja ebenfalls 3-jährig sind.

      • @xxx: Da stimme ich Ihnen zu.

  2. In Bayern mehrten sich im Lauf der Jahres die Stimmen von Eltern, dass das G 8 dort zu stressig sei. Für eine Anzahl von Eltern war das der Grund, ihr Kind, das vom Leistungsvermögen her aufs Gymnasium hätte gehen können, lieber an der Realschule anzumelden, denn in Bayern kann man nach dem mittleren Abschluss auf verschiedenen Wegen zum Abitur gelangen. Wer das verinnerlicht hatte, dem war das Gymnasium nicht mehr so wichtig, denn warum den schweren Weg gehen, wenn es entspannter geht?

  3. @ von Lintig: um 23.54 Uhr: Was soll diese Äußerung? Ich habe gerne mit Tinto gearbeitet. Wir Pädagogen gehen anders mit dem Material um, als sie als Laie. Sie sehen nur die bedruckte Seite, wir können damit arbeiten und machen etwas daraus. Der Unterricht besteht nicht nur aus dem, was in einem Buch gedruckt ist, da können Sie hier jeden Mathematiklehrer fragen. Wäre der Mathematikunterricht in den Gymnasien nur ein Spiegel des Schulbuchs, würde jeder Schüler nur Bahnhof verstehen. Bräuchten wir zum Lernen nur die Schulbücher, würde 4teachers gar nicht existieren.

    • Axel von Lintig

      Zu diesem Werk gibt es eben unterschiedliche Meinungen,Ansichten und Standpunkte, je nach dem was man bei den Schülern erreichen will. Die Schüler im Gymnasium dürfen dann so einiges nachholen, und das aufgrund der geringen systematischen Übungsmöglichkeiten.
      Am besten gefällt mir noch die Rezension von Herrn Jansen in http://www.grundschulservice. elternbriefe, über derartige neue Fibelwerke.
      Allein es fehlt ein strukturierter Zugang zur Schrift. Außerdem bin kein Laie.
      Es existieren sehr viel anspruchsvollere und lehrreichere Grundschulbücher, welche deutlich mehr vermitteln als dieses dürftig ausgestattete Büchlein.
      Es ist eben auch nur eine Fibel ohne einen Silben-analytischen oder analytisch-synthetischen Ansatz.
      Das ABC der Tiere, Karibu und die Tobi-Fibel sind weit besser strukturiert und vermitteln deutlich mehr.

  4. @ missis., (17.50),

    da stimme ich Ihnen mal zu. Lehrbücher abzuarbeiten, ist ein mindestens sehr einfallsloser Unterricht. Lehrbuchmaterialien sind lediglich Angebote an den Lehrer für den Unterricht, die er mehr oder weniger kreativ einsetzt. Da gibt es jedoch noch eine ganze Menge drumherum, wenn man guten Unterricht machen will.

    Außerdem lässt die Qualität vieler Lehrbücher ziemlich zu wünschen übrig, wobei jedoch für jeden Lehrer sicherlich aus anderen Gründen.

    • Axel von Lintig

      Sofawolf
      Wer spricht denn von rein Material zentrierten Unterricht und dem Abarbeiten von Lehrbüchern?

      • Sie?
        Bei Ihnen klingt es stets so, als säßen die Linder den ganzen Tag allein vor dem Werk oder dem leeren Papier und sollten sich das Lesen und Schreiben selbst beibringen.
        Mississippi, die als Lehrerin mit dem gleichen Werk gearbeitet hat, erklärt, dass dem nicht so ist, sondern die Lehrkraft auch bei diesem Werk – wie eben bei anderen auch – UNTERRICHTET.
        Wenn man ein Kind mit Wahrnehmungsstörung allein vor eine Tobi-Fibel setzt, wird es auch nur in Einzelfällen Lesen und Schreiben lernen, selbst mit Unterricht braucht das Kind viel Unterstützung und Hilfe, um die fehlende Wahrnehmungsleistung zu schulen oder zu kompensieren.
        Es liegt wohl eher an mangelnden personellen Ressourcen, wenn Kinder mit Lernschwierigkeiten nicht die Hilfe erhalten dürfen, die sinnvoll wären. Dass man in einer 1:1-Situation mehr erreicht, ist auch uns Lehrern klar, wir haben aber nicht die Möglichkeit mit einzelnen Kindern über mehrere Tage oder gar Wochen in Folge intensiv zu üben. Individuelle Förderung erfolgt immer im Rahmen des Unterrichts, Förderstunden sind rar gesät oder gar nicht vorhanden.

        • Axel von Lintig

          Ich habe lediglich die Materialien miteinander verglichen und die Unterschiede in den Möglichkeiten. dabei habe ich auf Jansen und dessen Internetseite verwiesen: http://www.grunschulservice elternbriefe. Der hat sich wesentlich besser mit dem Thema auseinandergesetzt.

  5. Wenn Abiturienten älter werden, wird ja eine Forderung der Wirtschaft erfüllt, die sich über zu unreife Absolventen beklagt.

  6. Bernhard Färber

    Liebe Anna, vielleicht hat Conny doch recht.

    Folgende nette Satire des empirischen Bildungsforschers Prof. Rainer Dollase (seit neuestem Mitglied im Kompetenzteam von Armin Laschet in NRW) habe ich eben im Netz gefunden. Da macht er sich über seine Kollegen Köller, Trautwein und Bos ganz schön lustig!

    Rückzug aus dem Schildbürgerstreich G8 – Wie die G8-Bildungsforschung zum letzten Gefecht motiviert

    von Prof.Dr.Rainer Dollase

    Es gab mal eine Stadt Schilda – und die Einwohner hießen Schildbürger und von diesen sind allerlei Schwänke überliefert, die damit zu tun hatten, dass den ehrenwerten Bürgern der Durchblick fehlte. Kurz: sie waren mit dem modernen Leben intellektuell überfordert.

    Wir erfinden mal eine neuen Schildbürgerstreich. In Schilda gabs aufstrebende Bildungsforscher, die stets auf der Jagd nach Drittmitteln waren. Zu diesem Zweck redeten sie der Schulministerin in Schilda ein, dass man das Abitur nach 8 Jahren machen könnte – dadurch würde man Geld sparen (bis auf die Geldmittel für entsprechende Begleitstudien). Gesagt getan. Nach einiger Zeit merkten die Bürger, dass G8 keinen Spaß macht – man lernt nicht mehr als früher, man hat weniger Freizeit, die Söhne und Töchter klagen, Eltern berichten, dass ihre Kinder Stress haben. Dutzende Umfragen der führenden Meinungsforschungsinstitute berichten übereinstimmend von dem Meinungswandel. Alle Umfragen sehen riesige Mehrheiten von fast 80% für G9. Nachbarstädte von Schilda kehrten längst wieder zu G9 zurück.

    Jetzt melden sich aufrechte Stiftungen, also Drittmittelbeschaffer, und reden dem Volke ein, dass ihre Meinungen und Gefühle falsch sind. Man habe die berühmten Bildungsforscher Hinz und Kunz gebeten, mal ordentliche Untersuchungen pro G8 zu machen. Gesagt getan. Ergebnis: wenn Du sagst, Du hast Stress, ist das falsch. Du hast keinen Stress. Typisch postfaktische Ansicht. Wenn Du „ja“ sagst, ist das auch falsch – Du meinst eigentlich „nein“. Wenn Du meinst, Du möchtest für deinen Nachwuchs G9 – dann ist das falsch, in Wirklichkeit möchtest Du ein gebundenes Ganztagsgymnasium G8. Wenn Du sagst, Du möchtest ein gegliedertes Schulsystem – dann ist das falsch – in Wirklichkeit möchtest Du eine Einheitsschule. Wenn Du meinst, in einem zusätzlichen Jahr Gymnasium könnte man noch mehr lernen – dann ist das falsch, Hinz und Kunz haben nachgewiesen, dass man in einem Jahr nichts lernen kann. Und wenn Du meinst, dass deine Kinder Sommerferien brauchen – dann ist das auch falsch. Hattie (2009, S. 81, dt. Ausgabe) hatte schon Studien von Hinz und Kunz zusammengestellt (nein – es war auch Prof.Dr. Lieschen Müller dabei) – die Sommerferien machen dumm (negatives d= —0,09) – also weg damit.

    Und wenn Du jetzt denkst, ich kritisiere die empirische Bildungsforschung, ist das auch falsch – ich bin selber einer dieser Disziplin.

    • Axel von Lintig

      Danke für den guten Kommentar.
      Und Methoden bedingt und Struktur bedingt, siehe Inklusion, werden die Schüler nicht ausreichend auf die weiterführenden Schulen vorbereitet.Es werden weder die einfachsten Rechtschreibregeln und linguistischen Zusammenhänge praktisch vermittelt.
      Das haben sich Reichen , Brügelmann und all die anderen auf die Fahne geschrieben.
      Und so kommt es, wie es kommen musste, dass diese Methoden wegen der ausufernden neuen Schlechtschreibung ,hinterfragt werden, weil die Ergebnisse einfach schlechter sind als 1980.
      Wenn man dann noch das Basiswissen eines Grundschülers nacharbeiten darf, wird es in der weiterführenden Schule schwer, erst recht in einer G8 Beschulung.
      Je mehr die Kinder zu Anfang lernen, desto mehr können sie später dazulernen (Prof.Spitzer) und es fällt ihnen auch einfacher.Und zu Anfang muss man einfach mehr üben, wiederholen und erneut wieder nacharbeiten, damit man eigenständig arbeiten kann.
      Der eigen initiative, selbst gesteuerte und Schüler gesteuerte Zugang in Verbindung mit Selbstlernkonzepten ohne Feedback ist ein absoluter Irrweg und führt zu deutlich schlechteren Ergebnissen mit einer geringen Selbstständigkeit und Eigenreflektion der Schüler.
      Hinzu kommt, dass Umlernen in der dritten Klasse , weil ohne auereichende Gegenkorrektur fehlerhaft gelernt wurde, sich Frustration und Gleichgültigkeit in der Schreibkultur der Schüler breit macht.
      Nur mit einem erheblichen Mehraufwand der Schüler und Eltern durch kommerzielle odedr eigene Nachhilfe, gelingt dann der sichere Zugang zur Schrift, Syntax,lebendigem eigenen Schrifttum und einer individuellen Schreibkultur.
      Oder soll es bei den Dreiwortsätzen bleiben. Wer möchte diese Schreibunkultur weiter sehen?
      Ich nicht, und deshalb wird im Anfangsunterricht massiv gegen diese Methodik der unterlassenen Hilfeleistung mit der gezielten Irreführung interveniert.

    • Axel von Lintig

      Bernhard Färber
      Allerdings machen sehr lange Sommerferien dumm, wenn sie 10 Wochen dauern und länger dauern, das war der Effekt.

    • Sehr geehrter Herr Färber,

      ich sage ja gar nicht, dass Conny nicht vielleicht Recht hat. Was mich stört – und das massiv – ist die Art ihrer Argumentation, die von Ihnen hier noch auf die Spitze getrieben wird.

      Wissenschaftler, die sich für G8 aussprechen, werden implizit als korrupt dargestellt, Eltern, die durchaus gute Erfahrungen mit G8 gemacht haben, als dumm. Es werden zahllose Behauptungen aufgestellt – aber nie belegt. Es werden Verschörungstheorien gesponnen, wonach Stiftungen und andere Institutionen mit dunklen kapitalistischen Zielen Forscher kaufen, damit die ihnen nach dem Mund reden. Dabei sind alle Veröffentlichungen aus diesen Quellen transparent und nachvollziehbar – im Gegensatz zu den Behauptungen, die G9-Fans wie Conny hier aufstellen. Sie hat trotz mehrfacher Nachfrage von mir nicht einen einzigen Beleg für ihre wilden Thesen hier vorgelegt.

      G8, um nur mal daran zu erinnern, wurde beispielsweise in Nordrhein-Westfalen von allen Landtagsfraktionen getragen, von der Landeselternschaft der Gymnasien genauso wie vom Philologenverband. Jetzt so zu tun, als wäre die Entscheidung damals von einer neoliberalen Mafia in einem Hinterzimmer getroffen worden, um Kinder zu quälen, ist in höchstem Maße unredlich.

      Natürlich kann man im Lauf der Jahre zu neuen Erkenntnissen kommen, die ein Umdenken erfordern. Nur: Ich habe bislang von solchen Erkenntnissen glaubhaft und nachvollziehbar noch nichts gehört. Alles, was jetzt auf den Tisch kommt, hätte man auch schon vor Einführung von G8 dorthin legen können. Aber da haben die G8-Gegner offenbar geschlafen.

      Ausbaden müssen das die Lehrkräfte, die dieses sinnlose Hin und Her bewerkstelligen müssen. Und in ein paar Jahren, das sage ich voraus, fragt sich die Öffentlichkeit, warum deutsche Gymnasiasten eigentlich tagtäglich so viel weniger Unterricht haben als ihre Altersgenossen in den Niederlanden, in Skandinavien oder andernorts, und warum deutsche Abiturienten so alt sind. Dann geht’s wieder andersherum.

      Wer G9 habe möchte, kann sein Kind auch heute schon auf die Gesamtschule oder – wie in Bayern – auf die Realschule schicken. Über den Weg gibt es auch das Abitur. Warum muss es denn unbedingt das Gymnasium für jeden sein? Mein Verdacht: Mit Kindeswohl hat diese Debatte sehr wenig zu tun, es geht hier um den Dünkel vieler Eltern, für die nur das Gymnasium infrage kommt, koste es, was es wolle. Oder, noch schlimmer: Es geht hier mal wieder um einen ideologischen Kampf wie weiland der gegen die Gesamtschule. Der Versuch der Anti-G8–Initiative in Nordrhein-Westfalen, gleichzeitig den Ganztag grundsätzlich mit abzuräumen, legt den Eindruck jedenfalls verdammt nahe.

      Mit freundlichem Gruß
      Anna

      • G9 und das Abitur an der Gesamtschule sind nicht dasselbe wie G9 und Abitur am Gymnasium!!
        Dazu noch einmal Pälzers Kommentar von gestern um 20:16:

        “@ Anna
        das von Ihnen gebrachte Argument „kann jeder, der sein Kind G8 nicht aussetzen möchte, die Gesamtschule wählen“ wird von rotgrüner Seite immer gebracht, aber es suggeriert, dass ein Unterricht in Gesamtschule und Gymnasium gleich sei. Die Eltern scheinen das genauso zu wissen wie Sie und ich.”

        • Stelle soeben fest, dass Sie bereits auf Pälzers Kommentar eingegangen sind und ihn zwar nicht sachlich widerlegt, aber immerhin herabgewürdigt haben.

          • Natürlich ist die Gesamtschule nicht das Gleiche wie das Gymnasium – auf der Gesamtschule könnten die Bürgerkinder ja auf sozial Schwache, auf Mirgranten und Inklusionsschüler stoßen, was ihnen beim sozial selektierten Gymnasium ja gottseidank erspart bleibt – sorry, bisschen polemisch, ist aber doch so.

            Es geht doch nicht um die Qualität des Unterrichts – als ob die Eltern die beurteilen könnten.

        • Sie kritisieren mal wieder nur die miserable Umsetzung von G8 an den Gymnasien, insbesondere in NRW. Warum schreiben Sie nicht direkt, dass Sie ein Abitur nach 13 Schuljahren wünschen, aber mit der Realschulklientel nichts zu tun haben wollen. Was ich akzeptiere ist die ZAP und damit ein noch wesentlich heftigerer Übergang von Sek I nach Sek II.

      • Zitat:
        “Warum muss es denn unbedingt das Gymnasium für jeden sein? ”

        In ländlich geprägten Gegenden in Bayern haben ca. 1/3 der Realschüler eine Gymnasialempfehlung. Diese Schüler gehen aufgrund des G8 nicht ans Gymnasium, da sie ihre Hobbies nicht aufgeben wollen.

      • Bernhard Färber

        Anna @ 10.5. 19.52 Uhr
        “Natürlich ist die Gesamtschule nicht das Gleiche wie das Gymnasium – auf der Gesamtschule könnten die Bürgerkinder ja auf sozial Schwache, auf Mirgranten und Inklusionsschüler stoßen, was ihnen beim sozial selektierten Gymnasium ja gottseidank erspart bleibt – sorry, bisschen polemisch, ist aber doch so. ”

        Das ist nicht ein “bisschen polemisch”, das ist – sorry – großer Unsinn.

        Wer angesichts von bundesweiten Übertrittsquoten von über 40 Prozent (in Großstädten von bis zu 70 Prozent) auf das Gymnasium diese Mär vom sozial selektierten Gymnasium verbreitet, hat entweder wenig Ahnung oder argumentiert böswillig.

        In Berlin gibt es inzwischen 12 Gymnasien, die Migrationsanteilevon über 60 Prozent haben, 5 davon sogar mehr als 80 Prozent, – an diesen Schulen stellt sich ein ganz anderes Problem der gesellschaftlichen Selektion, nämlich nicht das nach Schularten, sondern das nach Wohngegenden.

        Der Spiegel malt in Titelstories das Bild eines deutschen Gymnasiums als der neuen Haupt- oder Gesamtschule der Nation an die Wand,- der Ex-Pisa-Papst Baumert hat unlängst festgestellt, dass das Gymnasium die “sozial heterogenste Schulart” in Deutschland ist und Anna erzählt die Story vom Gymnasium, in dem die Kinder von Eltern sitzen, welche verhindern wollen, dass ihre Sprösslinge mit Migranten und Behinderten zusammenstoßen.

        Bitte diese Art von Polemik wieder in die “Klamotten- und Mottenkisten” zurückpacken!

        • Dann vergleichen Sie nur mal die Inkllusionsquoten am Gymnasium – und an den anderen Schulformen. Aktuell für Niedersachsen: Das Gymnasium wird dort von 2,5 Prozent der Inklusionskinder besucht, die Gesamtschule von 16,6 Prozent.

          Quelle: http://www.news4teachers.de/2017/05/inklusion-schreitet-voran-immer-mehr-kinder-mit-foerderbedarf-besuchen-die-regelschule-lehrerverband-euphorie-ist-ernuechterung-gewichen/

          Und natürlich können Sie das durchdeklinieren. Ob Migrantenkinder, Kinder aus sozial schwachen Familien, selbst Jungen (die nur ein bisschen, aber immerhin) – alle “sozialen Problemscbülergruppen” sind am Gymnasium unterrepräsentiert. Die Beobachtung, dass es auch einzelne Gymnasien mit relativ hohem Migrantenanteil gibt, ist dazu kein Widerspruch. Und auch Baumerts angeblicher Einscbätzung widerspricht das nicht (hat er das wirklich so gesagt?) – die soziale Heterogenität ist natürlich an einer Schulform größer, an der Bürgerkinder mit (einzelnen) Kindern aus sozial schwachen Familien zusammenkommen als an Gesamt- oder Hauptschulen, wo die sozial schwachen Kinder unter sich bleiben.

          Hier gut nachvollziehbar: https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/BildungForschungKultur/Schulen/BroschuereSchulenBlick0110018169004.pdf?__blob=publicationFile

          Übrigens ist es logischer Unsinn, dass das Gymnasium die sozial heterogenste Schulform ist – das ist natürlich die Grundschule, die von allen Kindern besucht wird. Mehr als alle geht ja nicht.

          Der Befund, dass das Gymnasium zunehmend zu einer Art Gesamtschule wird, widerspricht dem auch nicht. Denn Leistung, das wissen wir seit der ersten PISA-Studie (und daran hat sich seitdem nichts geändert), ist keineswegs das alleinige Kriterium, wonach die Kinder fürs Gymnasium ausgesucht werden – dort finden auch immer mehr relativ schwache Schüler Platz, wenn eben der soziale Hintergrund stimmt.

          Und deren Eltern, so lässt sich etwas frech vermuten, trommeln dann am lautesten gegen G8.

          • So wie Sie die Grundschule vor dem Gymnasium als heterogenste Schulform angeben, müssen Sie die Grundschule bei der Inklusionsquote herausrechnen. Die meisten Inklusionsfälle an Regelschulen sind aktuell noch im Grundschulalter.

            Sie schreiben zutreffend, dass viele eher schwache Kinder das Gymnasium besuchen. Das ist aus meiner Sicht aber genauso falsch wie die Inklusion als Sparmodell, weil am Gymnasium diese schwachen Schüler überfordert sind, trotz der extremen Niveauabsenkung durch die Lehrplanumstellungen der vergangenen Jahrzehnte.

            Als Beispiel war der Lehrplan Mathematik im Grundkurs zu meiner Abiturzeit (Ende der 1990er Jahre, NRW) anspruchsvoller als der Leistungskurs heute (NRW).

          • In Niedersachsen ist die FöS Lernen bis Klasse 8 aufgehoben, diese SuS sitzen in Regelschulen, da es keine Wahlfreiheit gibt. Ähnliches gilt für Sprache und ESE.
            Die SuS mit Förderbedarf Lernen werden zieldifferent nach dem Curriculum Lernen unterrichtet, das sich gravierend von anderen unterscheidet. Sie können bereits in der Grundschulen etliche Inhalte nicht bewältigen und müssen in der Beschulung besonders berücksichtigt werden.

          • Zitat:
            “Denn Leistung, das wissen wir seit der ersten PISA-Studie (und daran hat sich seitdem nichts geändert), ist keineswegs das alleinige Kriterium, wonach die Kinder fürs Gymnasium ausgesucht werden – dort finden auch immer mehr relativ schwache Schüler Platz, wenn eben der soziale Hintergrund stimmt.”

            Wo der Elternwille freigegeben ist, verschärft sich dieser Trend sogar noch.
            Allerdings:
            In den USA wurde nach dem Grund des Erfolges asiatischer Schüler gesucht, obwohl diese im Schnitt eher “weniger begabt” waren. Der Grund war: Fleiß
            Vielleicht ist es nicht der soziale Hintergrund, sondern eine gewisse Arbeitshaltung – aber diese wurde bisher in keinen Studien untersucht.

          • Die Unterscheidung ist müßig. Es gibt eben die hohe Korrelation zwischen sozialer Herkunft und Fleiß. Dabei können ganz grob drei Fallgruppen aufgemacht werden:

            1) Verwöhntes Wohlstandsblag mit Heli-Eltern, dem schon im Normalzustand Zucker – selbstverständlich Puderzucker, da bei der kristalinen Form die Kanten so empfindlich schmerzen – in den Allerwertesten geblasen wird, das keinen Grund für Anstrengungsbereitschaft/Fleiß hat.

            2) Vernachlässigbare Gruppe von Mittelschichtskindern, deren Eltern noch an den sozialen Aufstieg durch Bildung glaubt und deshalb die Kinder zur Einübung der Sekundärtugenden anhält.

            3) Kinder, die in prekären Verhältnissen groß werden, in denen die Eltern eine Veränderung der Lebensumstände zwar wünschen, aber enttäuscht sind, dass diese vom Steuerzahler nicht gemäß den eigenen Vorstellungen finanziert werden. Hier lernen die Kinder explezit am Vorbild.

            Die Asiaten in den USA und auch in Europa fallen vermutlich in Fallgruppe 2.

          • @dickebank ihre genannte korrelation ist plausibel und gefühlt wahr. Kausalität ist sie damit noch lange nicht. Trotzdem stimme ich Ihnen zu.

          • Komischerweise wird immer das Gymnasium für die soziale Selektion verantwortlich gemacht. Was ist mit den Empfehlungen der GS-Lehrer?

          • Die sind außer in BY nicht bindend. Da es in vielen Landkreisen außerhalb BY so gut wie keine Haupt-/Mittelschulen mehr gibtsondern nur noch Ober. Gemeinschafts-, Sekundar-, Werkreal-, Regional-, Stadtteil-, Gesamtschulen gibt, braucht es de facto nur die Entscheidung der GS, ob ein Schüler gymnasial bzw. bedingt gymnasial tauglich oder eben nicht ist. Der gesamte Rest ist Makulatur.

            Die GS-Lehrkräfte empfehlen dann bei schwächeren SuS “RS oder bedingt GY”, alle anderen bekommen ohnehin die “HS bzw bedingte RS”-Empfehlung. Letztere landen dann überproportional in Schulen des “längeren gemeinsamen Lernens” – egal ob die kooperativ oder integriert geführt werden. Und in diesen Schulformen reichen die derzeitigen Einstufungen nach Kompetenzen (G- und E-Ebene) nicht mehr aus. Es müssten eigentlich 5 verschiedene Anforderungsniveaus für die leistungsdifferenzierung ins Auge gefasst werden sowie weitere Möglichkeiten der äußeren Differenzierung und der Neigungsdifferenzierung.

            Dass den GY die soziale Selektion stärker als den GS angelastet wird, ist verständlich. GS können so gut wie nicht abschulen. Denn selbst der Überprüfung des Förderbedarfs als auch einer ventuellen Zuweisung zu einer FöS müssen die eltern zustimmen. Gibt es die Zustimmung nicht, bleibt das Kind an der GS. Das sieht an den GY etwas anders aus.

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