Porträt: Der ehemalige Gymnasiallehrer Kretschmann führt erstes grün-schwarzes Bündnis an

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STUTTGART. «Sie sind immer authentisch geblieben, unverstellt und ganz bei sich selbst» – dieses Lob für den ehemaligen Ulmer Oberbürgermeister Ivo Gönner stammt vom grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann. Damit nennt er nicht nur Gründe für die Popularität des SPD-Mannes, sondern unwillentlich auch für seine eigene. Kretschmann führt bei den Koalitionsgesprächen die grüne Verhandlungsdelegation an und wird bald mit CDU-Frontmann Thomas Strobl Ressortzuschnitt und -verteilung festzurren.

Bis in die CDU hinein werden sein präsidialer Regierungsstil, sein trockener Humor und seine Bodenständigkeit geschätzt. Auch bei der Wirtschaft hat Kretschmann mittlerweile einen guten Stand. All dies brachte dem 67-Jährigen die Wiederwahl am 13. März ein – und beim ZDF-«Politbarometer» den Rang des beliebtesten Politikers.

In Baden-Württemberg wird 2016 wieder gewählt: Winfried Kretschmann, hier ein Foto aus dem Wahlkampf. Foto: Grüne Baden-Württemberg / Wikimedia Commons (CC BY-SA 2.0)
In Baden-Württemberg  2016 wieder gewählt: Winfried Kretschmann, hier ein Foto aus dem vorangegangenen Wahlkampf. Foto: Grüne Baden-Württemberg / Wikimedia Commons (CC BY-SA 2.0)

In der Südwest-Partei unumstritten eckt er mit seinem unideologischen Pragmatismus zuweilen beim linken Flügel in der Bundespartei an – etwa als er im Bundesrat mit der schwarz-roten Bundesregierung für die Ausweisung von sicheren Herkunftsländern auf dem Balkan stimmte. In der Flüchtlingskrise vertrat er – teils anders als CDU-Herausforderer Guido Wolf – die liberalere Linie von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Schlagzeilen machte der Katholik aus Sigmaringen mit der Äußerung, dass er jeden Tag für die Gesundheit der Kanzlerin bete.

Der ehemalige Gymnasiallehrer und Vater von drei Kindern wurde in Spaichingen (Kreis Tuttlingen) als Sohn eines Lehrers geboren. Er gehört zu den Gründungsvätern der Grünen im Südwesten, deren Landtagsfraktion er kurzzeitig in den 80er Jahren und seit 2002 führte. 2011 wurde er in einer Koalition mit der SPD erster und bislang einziger grüner Ministerpräsident Deutschlands. dpa

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3 Kommentare
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mehrnachdenken
6 Jahre zuvor

Nur mal so wegen der medialen Ausgewogenheit wird hier ein etwas anderes Bild vom zukünftigen MP gezeichnet:

http://www.rolandtichy.de/meinungen/joschkas-waldschrat-winfried-kretschmann-will-noch-mal/

Da frage ich mich tatsächlich auch, warum diese Partei so gut abschnitt.

dickebank
6 Jahre zuvor
Antwortet  mehrnachdenken

Weil die CDU und die SPD nicht gewählt worden sind.

mehrnachdenken
6 Jahre zuvor
Antwortet  dickebank

Oh, wieder mal so ein tief geistiger Beitrag von Ihnen!