Elitär, angestaubt, uneffektiv – Mängelgutachten zum Jurastudium

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DÜSSELDORF. Ein Jurastudium ist hartes Brot. Vor allem Kinder aus bildungsfernen Familien haben es schwer, sich durchzubeißen. Ein Gutachten im Auftrag der Bundesländer stellt dem Jurastudium in Deutschland ein blamables Zeugnis aus. Studierende aus Nichtakademiker-Familien haben es laut einem wissenschaftlichen Gutachten deutlich schwerer, ein Jurastudium zu bewältigen. Nicht einmal jeder dritte erfolgreiche Jura-Absolvent kommt aus einem Elternhaus ohne akademische Bildung. Das geht aus einer Analyse des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) hervor.

Droht in Niedersachsen eine juristische Hängepartie um die Kosten der Inklusion? Foto: I. Rasche / pixelio.de
Unter Juristen gibt es Nachwuchsprobleme.                                                                         Foto: I. Rasche / pixelio.de

Die rund 100 Seiten starke Expertise wurde auf Initiative des nordrhein-westfälischen Justizministeriums von 15 Bundesländern in Auftrag gegeben. Der Untersuchungsauftrag: Wie ist es von der einstigen «Juristen-Schwemme» zum Nachwuchsmangel gekommen und wie kann die Zahl der Studienabbrecher gesenkt werden?

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Herausgekommen ist eine umfangreiche Mängelliste mit zahlreichen Reformvorschlägen zum Jurastudium. Besonders auffällig sind aus Sicht der Forscher fehlende Motivation und Identifikation vieler Jurastudenten mit dem Fach, schwierige Studienbedingungen sowie «eine beträchtliche Distanz» und «sehr geringe Kommunikation zwischen Lehrenden und Studierenden». Kontakt zu den Professoren sei die Ausnahme. «Im Jurastudium hat sich bislang keine Tradition eines lebendigen Diskurses zwischen Lehrenden und Studierenden entwickelt», heißt es in dem Gutachten.

In keinem anderen Fach wird das Studium so spät abgebrochen: im Durchschnitt nach etwa fünf Semestern, im Jurastudium dagegen erst nach fast sieben. Mehr als ein Viertel der Jura-Abbrecher zieht die Reißleine sogar erst nach dem zehnten Semester. Insgesamt liege die Abbrecherquote bei Jura mit 24 Prozent zwar unter dem Fächer-Durchschnitt (32 Prozent), sei aber weitaus höher als in anderen Studiengängen mit Staatsexamen.

Unzureichende Unterstützung

Ein erheblicher Teil der Jurastudierenden habe gleich zu Beginn Probleme, stellen die Forscher fest. «Zum einen haben sie von Anfang an Schwierigkeiten, den Leistungsanforderungen gerecht zu werden, zum anderen sind sie orientierungslos und enttäuscht von den Inhalten.»

Die bisherigen Unterstützungsangebote seien unzureichend. Vielen fehle zudem der Praxisbezug. Vor allem Nichtakademiker-Kinder haben demnach Schwierigkeiten, mit der Situation klarzukommen. «Dieser Nachteil erfährt im Studium häufig keinen Ausgleich», konstatieren die Gutachter.

Auch an einem anderen Punkt zeigt sich eine Bildungsschere: 92 Prozent der erfolgreichen Jura-Absolventen haben ihre Hochschulzugangsberechtigung am Gymnasium erworben. Die anderen hätten größere Schwierigkeiten, die Studienanforderungen zu bewältigen, hält der Bericht fest.

Vielen Studierenden fehle zudem eine echte Motivation. «Sie streben nach beruflichem Aufstieg, ohne dass sie über ein tiefer gehendes fachliches Fachinteresse verfügen.»

Selbsteinschätzungstests und Motivationsschreiben

Als Gegenmaßnahmen empfehlen die Forscher Informationsangebote für Schüler, die aus den Medien falsche Vorstellungen über das Jurastudium bekämen. Sinnvoll seien zudem verpflichtende Selbsteinschätzungstests und Motivationsschreiben im Auswahlverfahren. Darüber hinaus sollten die Hochschulen Angebote für Anfänger mit ungünstigen fachlichen Voraussetzungen oder Leistungsproblemen machen. Auch bei den Professoren sehen die Wissenschaftler Nachholbedarf. Sie sollten sich regelmäßig als Mentoren in Lerngruppen einbringen. Zudem könnten Anreize für eine «stärker studierendenbezogene Lehre» gesetzt werden.

NRW-Justizminister Peter Biesenbach (CDU) sieht dringenden Handlungsbedarf. Seit dem Jahr 2000 sei die Zahl der Referendarseinstellungen bundesweit um etwa 40 Prozent zurückgegangen. Auch viele der rund 3000 Studierenden, die jährlich in NRW ein Jurastudium aufnähmen, gingen auf dem Weg verloren.

«Ich komme selbst aus einer Arbeiterfamilie. Daher weiß ich, wie schwer dieser Weg ist», betonte Biesenbach. In NRW wolle er jeder Schule anbieten, eine Arbeitsgemeinschaft zur Rechtskunde einzurichten, um die Schüler in zehn bis zwölf Doppelstunden besser zu informieren. Außerdem biete er Schülern und Studierenden Praktika in der Justiz an. dpa

 

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3 KOMMENTARE

  1. Soll als Antwort auf die beschriebenen Zustände das Niveau abgesenkt werden ?
    Dann muss wohl etwas an den Eingangsvoraussetzungen der Studenten etwas geändert werden.
    Ein Jurastudium-Light kann ich mir nicht vorstellen. Schließlich studieren in Potsdam Jurastudenten bilingual dort und an der Sorbonne in Paris, und diese schneiden sehr gut ab. Da muss das Leistungsniveau der Gymnasien eben wieder angehoben werden.
    Diese ewige Litanei um Bildungsgerechtigkeit mit einem Absenken der Leistungsansprüche an Gymnasialschüler hat eben ihren Preis.

    • “Diese ewige Litanei um Bildungsgerechtigkeit” kommt mir auch zum Hals raus, zumal sie tatsächlich mit einem häufigen Absenken des Leistungsniveaus einhergeht, damit möglichst jeder mitkommt und der Zahlvergleich zwischen den Elternhäusern zufrieden stellt.
      Eine solche Art von “Bildungsgerechtigkeit” ist eine einzige Täuschung zu Lasten des Bildungsstands der künftigen Gesellschaft.

  2. Die eindeutige Ausrichtung auf die Befähigung zum Richteramt ist das Problem. Die meisten Juristen streben niemals eine Richterstelle an. Die Art der Prüfungen in beiden Staatsexamina grenzt an Körperverletzung; die zwei Wochen enden in den meisten Fällen mit Sehnenscheidenreizungen bzw. Entzündungen. Es gäbe da einiges zu verändern, ohne dass das Niveau abgesenkt werden müsste. Dem akademischen Grad des Diplom-Juristen bzw. dem LegalLawMaster könnte eine größere Bedeutung gegenüber dem Staatsexamen zugemessen werden.

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