Sitzenbleiben – muss das noch sein? Lehrerverband spricht von „pädagogisch fragwürdigem Ritual“, das immense Kosten verursacht

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MÜNCHEN. Im vergangenen Schuljahr wiederholten allein in Bayern rund 50.000 Schülerinnen und Schüler die Klasse: 4.500 davon bereits in der Grundschule, fast 13.000 im Gymnasium. „Fernab von der Frage, ob dies pädagogisch sinnvoll ist, bedeutet das Nicht-Versetzen immense Mehrkosten für den Freistaat“, sagte die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Simone Fleischmann, in München. Der BLLV schätzt, dass für das Bundesland dadurch jährliche Kosten von insgesamt rund 440 Millionen Euro verursacht werden – eine Studie, die sich auf ganz Deutschland bezog, war auf eine Summe von mehr als 1,8 Milliarden Euro pro Jahr gekommen. Kritik am Sitzenbleiben hatten zuvor schon prominente Bildungswissenschaftler geäußert.

Sitzenbleiben kostet viel Geld – wäre es nicht sinnvoller, die Mittel vorher für die Förderung einzusetzen? Foto: Shutterstock

Bayern gehört zu den Bundesländern mit der höchsten Sitzenbleiberquote: Nach der Schulstudie „Sitzenbleiber-Atlas“ dominiert Bayern die Top 15 der Sitzenbleiber-Hochburgen, also der Kommunen mit den höchsten Wiederholerquoten in Deutschland. Zehn der 15 Städte kommen aus dem Freistaat (siehe unten).

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Nach Ansicht von BLLV-Präsidentin Fleischmann lassen die Zahlen nur einen Schluss zu: „Wir müssen junge Menschen besser fördern. Die Lehrerinnen und Lehrer brauchen dafür mehr Zeit.“ Ziel müsse es auch sein, dafür zu sorgen, dass jeder Schüler an der von ihm bzw. seinen Eltern gewählten Schulart verbleiben kann. In einem reichen Bundesland wie Bayern sei es nicht akzeptabel, dass Jahr für Jahr Tausende von Schülerinnen und Schülern ihre Schule wieder verlassen und in vielen Fällen „nach unten“ durchgereicht werden.

„Wir brauchen dringend eine Diskussion darüber, wie an unseren Schulen gelernt werden soll und welchen Lern- und Leistungsbegriff wir zugrunde legen“, sagte Fleischmann und betonte, dass Bildungs- und Erziehungsarbeit immer auch Beziehungsarbeit sei. Erfolgreiches Lernen setze Verstehen voraus. „Und wer verstehen will, muss verstanden werden. Dazu benötigen Pädagoginnen und Pädagogen wesentlich mehr Zeit.

Deutschland in der “Spitzengruppe”

Nach Angaben des Bildungsforschers Andreas Schleicher gibt Deutschland im internationalen Vergleich zusammen mit Belgien, den Niederlanden, Frankreich und Spanien das meiste Geld für Klassenwiederholer aus. „Deutschland liegt weiterhin in der Spitzengruppe bei den Sitzenbleibern“, berichtete der Bildungsdirektor der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in einer Debatte vor gut einem Jahr.

Der Dortmunder Bildungsforscher  Prof. Wilfried Bos stellte seinerzeit fest: „Sitzenbleiben bringt nichts.“ Normalerweise würden die Schüler in den ersten Wochen besser, fielen dann aber wieder zurück und kämen am Ende oft nur mit Mühe und Not durch. „Das muss man früher diagnostizieren», unterstrich der Direktor des Dortmunder Instituts für Schulentwicklungsforschung. „Lehrer müssten schon im Oktober merken: Das Kind kommt nicht mit, versteht etwa den Dreisatz nicht. Sie müssten Ressourcen haben, einzugreifen, statt schwächere Schüler mitzuschleppen und erst im Januar einen Blauen Brief zu schicken. Das ist das Versagen von Schule.“

Lediglich in Ausnahmefällen könne Sitzenbleiben sinnvoll sein. „Manche Schüler brauchen in der Pubertät einen Schuss vor den Bug.“ Die „Ehrenrunde“ komplett abzuschaffen, nütze allein aber auch nichts, wenn die Ressourcen zur Förderung nicht zur Verfügung gestellt würden. News4teachers

Auch auf der Facebook-Seite von News4teachers entbrennt dazu eine heiße Debatte:

 

Umfrage: Die allermeisten Bürger halten Schulnoten und Sitzenbleiben für sinnvoll – Meidinger sieht sich bestätigt

Der 'Sitzenbleiber-Atlas'

Sitzenbleiben ist längst nicht mehr nur eine Frage des fehlenden Wissens und Könnens. Vielmehr entscheiden auch der Wohnort und die Schulart über das Wohl und Wehe der Schüler. Dies ist Ergebnis einer Studie, die 2016 im Auftrag des Verbraucherportals billiger.de erstellt wurde. Ein weiteres Ergebnis der Untersuchung: Allein für die in der Studie berücksichtigten 122 Städte belaufen sich die Kosten für den Steuerzahler auf hochgerechnet 1,8 Milliarden Euro, nimmt man Daten der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) als Berechnungsgrundlage.

Ab 2017 soll für das Abitur in Deutschland ein einheitlicher Maßstab angelegt werden. Foto: wilhei55 / Flickr (CC BY 2.0)
In Deutschland wird mit verschiedenem Maß gemessen, ab wann Schüler ein Jahr wiederholen sollen. Foto: wilhei55 / Flickr (CC BY 2.0)

Untersucht wurde das Schuljahr 2014/15 und zwar in den 122 größten und wichtigsten Städten, die in der Regel über 100.000 Einwohner haben. Für die Untersuchung wurden zahlreiche Quellen herangezogen, darunter die Kultusministerien und deren Schul- und Kommunalbehörden sowie die Statistischen Ämter des Bundes und der Länder. Zudem wurde auch bei einigen Schulen direkt angefragt. Auf diese Weise kamen mehr als 2.100 Datensätze zusammen, mit denen das Sitzenbleiber-Ranking gebildet werden konnte. Untersucht wurden Grund-, Haupt-, Real- und Gesamt- bzw. Gemeinschaftsschulen sowie Gymnasien. Hierfür wurden Cluster gebildet, um die unterschiedlichsten Schularten überhaupt vereinheitlicht unter einem Raster darstellen zu können.

Das Ergebnis verblüfft: Deutschlandweit unterscheiden sich die ermittelten Sitzenbleiber-Quoten erheblich. So blieben in den untersuchten bayerischen Städten teilweise viermal mehr Schüler sitzen als etwa in Aalen, Flensburg oder Konstanz. Die Berechnungen berücksichtigen sowohl Nichtversetzte als auch freiwillige Wiederholer eines Schuljahres.

Deutschlands Sitzenbleiber-Atlas zeigt deutlich: Coburger Schüler bleiben am häufigsten sitzen. Mit 38 Klassenwiederholungen je 1.000 Schüler (224 Nichtversetzte gesamt im Schuljahr 14/15) sichert sich die Stadt in Oberfranken den unrühmlichen ersten Platz. Knapp dahinter rangiert Fürth mit 37 Sitzenbleibern je 1.000 Schüler (395 Nichtversetzte gesamt) auf Platz zwei, gefolgt von Hof (ebenfalls 37 Sitzenbleiber je 1.000 Schüler; 189 Nichtversetzte gesamt).Insgesamt betrachtet dominiert Bayern die Top 15 der Sitzenbleiber-Hochburgen. Zehn der 15 Städte kommen aus dem Freistaat. Als erste nicht-bayerische Stadt hat es Hanau auf den fünften Platz des Sitzenbleiber-Rankings geschafft. In der hessischen Stadt gab es im Untersuchungszeitraum, dem Schuljahr 2014/2015, rund 35 Wiederholer je 1.000 Schüler (409 Nichtversetzte gesamt).

Gemäß den Studien-Kriterien zählt das niedersächsische Salzgitter ebenfalls zu den Top-Hochburgen der Sitzenbleiber. Im Schnitt drehten hier knapp 33 Schüler je 1.000 Schulpflichtiger noch mal eine Ehrenrunde (322 Nichtversetzte gesamt). Auch die Städte Schwerin (32 Wiederholer je 1.000 Schüler, 269 Nichtversetzte gesamt) und Gießen (32 Wiederholer je 1.000 Schüler, 357 Nichtversetzte gesamt) gehören zu den Sitzenbleiber-Hauptstädten.

Klassenprimus der Studie ist Aalen in Baden-Württemberg. Dort blieb im Schuljahr 2014/15 über die vier untersuchten Schularten hinweg (Grund-, Haupt-, Realschule sowie Gymnasium; eine Gesamtschule existiert dort nicht) kaum jemand sitzen. Auf 1.000 Schüler kommen in Aalen gerade einmal 9 Sitzenbleiber (62 Nichtversetzte gesamt im Schuljahr 2014/15). Damit erreichte in der Stadt nur etwa jeder Hundertste das Klassenziel nicht. Auch das schleswig-holsteinische Flensburg (9 Sitzenbleiber je 1.000 Schüler, 100 Nichtversetzte gesamt) oder das baden-württembergische Konstanz am Bodensee (10 Wiederholer je 1.000 Schüler, 84 Nichtversetzte gesamt) verzeichnen eine vorbildlich niedrige Sitzenbleiber-Quote von unter einem Prozent.

Ebenso gut sieht es im Osten der Republik aus: Jena (11 Wiederholer je 1.000 Schüler, 108 Nichtversetzte gesamt) und Suhl in Thüringen (12 Sitzenbleiber je 1.000 Schüler, 26 Nichtversetzte gesamt) gehören zu den 15 besten Städte mit den wenigsten Repetenten. Des Weiteren hat die nordrhein-westfälische Stadt Paderborn mit einer Abweichung von 39 Prozent unter dem Studien-Schnitt (12 Wiederholer je 1.000 Schüler) absoluten Vorbildcharakter unter den sogenannten Streber-Städten.

Berlin und Hamburg locker

Ebenfalls zu den Top-Städten gehört – überraschenderweise – Berlin. Zwar hatte die Bundeshauptstadt im vergangenen Schuljahr 2014/15 mit 4.182 berücksichtigten Schülern die höchste Anzahl an Sitzenbleibern in ganz Deutschland, diese verteilen sich jedoch auf 317.022 Schüler. Demnach kommt Berlin auf eine erstaunlich niedrige Sitzenbleiber-Quote von gerade einmal 1,32 Prozent. Würde man jedoch den ermittelten bundesweiten Studien-Schnitt von 1,97 Prozent als Grundlage für Berlin nehmen, käme die Hauptstadt rein theoretisch auf rund 6.245 Sitzenbleiber.

Der Grund für die starke Normabweichung liegt vor allem in Berlins lockerer Schul- und Versetzungspolitik. Ein Sitzenbleiben an Sekundarschulen ist dort nämlich gar nicht mehr möglich. Diese seit 2010 existierende Schulform vereint Haupt-, Real- und Gesamtschule. Lediglich an Gymnasien müssen die Schüler noch um ihre Nichtversetzung fürchten. Einen Schritt weiter in der Abschaffung des Sitzenbleibens ist der Stadtstaat Hamburg. Dort rückt nahezu jeder Schüler automatisch in die nächste Jahrgangsstufe vor.

Weitere Schulen mit besonders wenigen Sitzenbleibern sind: Lübeck (13 Sitzenbleiber je 1.000 Schüler), Oldenburg (13 Sitzenbleiber je 1.000 Schüler), Münster (13 Sitzenbleiber je 1.000 Schüler), Kiel (13 Sitzenbleiber je 1.000 Schüler), Hamburg (13 Sitzenbleiber je 1.000 Schüler), Dresden (14 Sitzenbleiber je 1.000 Schüler) sowie Gera (14 Sitzenbleiber je 1.000 Schüler). Im Studien-Schnitt blieben im Schuljahr 2014/15 etwa 20 von 1.000 Schülern sitzen.

Hier geht es zu einer Zusammenfassung der Studie.

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44 KOMMENTARE

  1. Es kommt sicherlich darauf an, wie man das Sitzenbleiben betrachtet: als Strafe für Faule oder als 2. Chance für Kinder mit Defiziten.

    Warum soll es eigentlich schlimm sein, eine Klasse zu wiederholen, um seine Defizite, die ja verschiedenste Ursachen (z.B. langes Fehlen infolge Krankheit) aufzuarbeiten? Weil man dann nicht schnell genug mit der Schule fertig wird, um möglichst bald dem Arbeitsmarkt zur Verfügung zu stehen?

    • Weil schulmüde Kinder und Jugendliche sicher nicht motivierter werden, wenn man ihnen dasselbe nochmal angedeihen lässt – Deutschland produziert jedes Jahr 50.000 Schulabbrecher. Und denen droht eine Hartz-IV-Karriere, obwohl ein riesiger Bedarf an Fachkräften besteht. Kann sich Deutschland das leisten?

      • Wenn diese Kinder z.B. wegen Krankheit vieles nicht mitbekamen, dann ist es für sie bei Wiederholung ja nicht das zweite Mal, sondern das erste Mal.

        Den zweiten Zusammenhang erkenne ich nicht. Wer wegen zu schlechter Leistungen trotzdem nicht sitzenbleibt, soll dann die Lücke fehlender Fachkräfte füllen? Da könnte man dann genauso billig darauf verweisen, dass es rund 2 Millionen Arbeitslose gibt, die können doch die vielen unbesetzten Stellen besetzen.

        Und wenn man wegen zu schlechter Leistungen nicht sitzenbleibt, dann gerät man nicht in Hartz IV? Hä?

        • Ist doch nicht so schwer: Wenn das Geld, das fürs Sitzenbleiben ausgegeben wird, in Förderung investiert würde, hätten wir deutlich weniger Sitzenbleiber und Abbrecher.

          • @Anna
            Das Geld , welches durch das Sitzenbleiben errechnet wird, berechnet sich aus einem fiktiven finanziellen Mehraufwand, da bei einzelnen Personen pro Klasse faktisch keine höheren Geldaufwendungen anfallen. Das heißt, ein Schüler mehr in einer Klasse erzeugt keine weiteren Lohnkosten ! Man spart kein Geld.

          • Wenn – nur mal angenommen – jedes Jahr fünf Prozent sitzenbleiben, dann kumliert das im Lauf einer Schulkarriere (nur mal auf zehn Jahre gerechnet) auf mehr als 50 Prozent der Schüler, die statt zehn Jahre elf Jahre im System verbleiben. Das kostet natürlich erhebliche Summen – wie ja auch die Kalkulationen im Beitrag oben zeigen.

          • @Anna
            Es müssten schon 10 pro Klasse sitzen bleiben, bevor zusätzliches Lehrpersonal eingestellt oder anderweitig zur Verfügung gestellt werden müsste.
            Andererseits frage ich Sie, ob es Sinn macht , wenn einzelne Schüler gar nicht mehr einen Anschluss an den Durchschnitt mehr erreichen.
            Das entspräche aber der gleichen Situation, als würden Schüler einer Lernschwäche ihren Platz in einer Klasse am Gymnasium finden. Sollten Sie diese Situation als nicht ungewöhnlich betrachten, so würde es für mich auch erklären, warum Sie gegen das Sitzenbleiben argumentieren. Andererseits hätte man diesen Schülern vor dem Sitzenbleiben in kleinen Fördergruppen einen Anschluss an den Leistungsdurchschnitt ermöglichen können.

          • Anna, wir reden hier von Klassen bis 15 Schülern, bei mehr gibt es keinen signifikant positiven Effekt. Gleichzeitig entsprechen die von Ihnen genannten 5% gerade einmal 1-2 Schülern pro Klasse, also beispielsweise 25 statt 27.

          • @Anna
            Wiese nur noch 15 Schüler, wenn von oben einige nachrücken bleibt die Summe die gleiche.
            Aber besser wäre eine Förderung in Kleingruppen mit intensiver direkter Führung und Feedback beim eigenständigen praktischen Einüben der Lerninhalte.

          • @ Anna, aber Förderung kann ja eben gerade auch sein, dass Kind verweilen zu lassen, wie man heutzutage sagt, und es nicht mit samt seinen Defiziten weiter mitzuschleppen. Diese Defizite können so groß sein, dass es für das Kind unmöglich ist, weiter mitzuhalten. Oft ist es aber so, dass das eine Thema auf dem anderen aufbaut. Wer nicht Kopfrechnen kann, der hat dann auch größere Probleme beim Multiplizieren und Dividieren u.dgl.mehr. Sie scheinen ja eben doch, wie eingangs gegenübergestellt, das Sitzenbleiben als “Strafe für Faule” und eben nicht als 2. Chance für Kinder mit (zu) großen Defiziten zu verstehen, wenn ich Sie richtig interpretiere.

            Ich habe mehrfach in meinen Klassen Kinder erlebt, die im Laufe ihres Schullebens einmal sitzengeblieben sind. Ich hatte nie den Eindruck, dass sie darunter gelitten haben, sich ausgegrenzt oder abgestempelt fühlten. Das ist wohl eher unser Denken und unsere Reaktion darauf. Gerade Verfechter individueller Lerntempi (sagt man so?) müssten es doch in Ordnung finden, wenn jedes Kind erst dann eine Klasse höher “rutscht”, wenn es den Stoff der vorherigen ausreichend beherrscht. Sonst potenzieren sich die Lernprobleme, sprich Misserfolge ja nur noch weiter.

          • Wer denkt eigentlich bei den ganzen Debatten an das Selbstwertgefühl der Kinder? Es gibt einfach Kinder, die werden durch das bloße “mitziehen” immer nur 5en und 6en schreiben, Förderung hin oder her, an vielen Schulen existiert ja bereits Ganztag, da bleibt keine Zeit mehr für diese Förderung.
            Die meisten Kinder, die bei uns sitzenbleiben brauchten einmal den Punkt, an dem sie merken, dass sie so nicht weitermachen können, diesen werden sie niemals lernen, wenn man sie weiterzieht und dann vor dem Abschluß sagt: “Ähh sorry, Du nicht.”

            Dazu kommt, dass es leider einige Eltern gibt, die ihre Kinder bis zum bitteren Ende auf einer “besseren” Schulform belassen, da ist Sitzenbleiben und anschließendes “wieder nicht Schaffen” manchmal die einzige Möglichkeit, dass die Kinder endlich auf die Schulform kommen, wo sie deutlich motivierter lernen können, weil sie eben nicht immer die Dummen sind.

          • @Heinz
            Ich kann Ihrem Kommentar nur voll und ganz zustimmen. Das Selbstwertgefühl der Kinder leidet unter einem Schrecken ohne Ende durch ständig schlechte Leistungen viel mehr als durch ein Ende mit Schrecken, dem Sitzenbleiben.
            Ich werde nie verstehen, wie man das quälende “Mitschleifen” als humanere und sinnvollere Lösung für leistungschwache Schüler ansehen kann.

        • Diese Jugendlichen haben einen HA – also den Hauptschulabschluss nach Klasse 9. Die versetzung von Klasse 9 nach Klasse 10 schließt den HA ein, deshalb müssen ja die Schüler an Gesamtschulen in NRW die Versetzung von 9 nach 10 schaffen.

          Ich vermute, Sie meinen nicht “nach Klasse 10” sondern nach zehn Vollzeitschulbesuchsjahren. Diese Schüler gehen, so sie keinen Ausbildungsplatz nachweisen, in das Berufsvorbereitungsjahr an ein Berufskolleg, um dort als SekII-Schüler den Hauptschulabschluss zu erwerben. Die Schulpflicht endet nämlich erst am Ende des Schuljahres, in dem ein Schüler das 18. Lebensjahr vollendet hat. Alle Zweige der Berufsschulen sind genauso wie die GOSten der allgemeinbildenden Schulen Schulen der Sekundarstufe II.

          • Wieso emotional – eher unbedarft bzw. wenig pragmatisch oder anders ausgedrückt ideologisiert …

            Aber warum soll es im Lande Utopia nicht auch engagierte Pädagog(auß)en und -innen geben können?

  2. Diejenigen, die uns immer die Kosten vorrechnen und meinen, das Sitzenbleiben wäre zu teuer, sollten uns mal Auskunft geben, ob und warum die freiwillige Wiederholung billiger kommt. Die gibt es insbesondere in der 2-jährigen Schuleingangsphase, in der etliche dann eben 3 Jahre verbleiben (“Verweilkinder”). Auch am Gymnasium gibt’s neuerdings die freiwillige Wiederholung eines Schuljahrs.

    • Warum muss denn keiner den Sinn des Sitzenbleibens begründen?

      Der Bildungsforscher Bos sagt doch: Es bringt nichts.

      • Und was mag der Sinn der freiwilligen Wiederholung sein? Was bringt die? Ist das praktisch gesehen überhaupt ein entscheidender Unterschied? So ganz freiwillig wird das ja auch nicht immer sein.

      • @ Anna, oben habe ich es versucht (sofawolf 7. Juli 2018 um 17:23 ).

        Es gibt Kinder, die haben so große Defizite, dass sie weiter nicht mithalten können. Das “Mitschleppen” und der tägliche Misserfolg bedeuten für sie mehr Stress als Sitzenbleiben. Die Sonderförderung (Herausnehmen aus der Klasse oder andere Aufgaben bekommen) bedeutet für sie mehr “Gesichtsverlust”, als einfach alles im neuen Klassenverband noch einmal durchzugehen.

        Sie und die Bildungsforscher haben nach meinem Eindruck durchaus Recht, dass Sitzenbleiben nichts bringt in dem Sinne, dass aus einem lernschwachen Kind dann plötzlich ein leistungsstarkes wird. In der Regel bleibt es leistungsschwach (wobei ich diesbezüglich auch Ausnahmen erlebte), aber – siehe Absatz 1 – mitgeschleppt und dann “sondergefördert” werden, bedeutet längerfristig mehr Stress und mehr Ansehensverlust als die Wiederholung. Da ist die Traurigkeit, die es sicher auch gibt, kurz und verfliegt rasch im neuen Klassenverband (wenn das Kind sich dort eingelebt hat).

        • “Es gibt Kinder, die haben so große Defizite, dass sie weiter nicht mithalten können. Das “Mitschleppen” und der tägliche Misserfolg bedeuten für sie mehr Stress als Sitzenbleiben. Die Sonderförderung (Herausnehmen aus der Klasse oder andere Aufgaben bekommen) bedeutet für sie mehr “Gesichtsverlust”, als einfach alles im neuen Klassenverband noch einmal durchzugehen.”

          Das ist auch eines meiner Argumente gegen die Inklusion an Regelschulen mit stundenweiser sonderpädagogischer Förderung. Es ist auch widersprüchlich, dass die Inklusionsschüler mitgeschleppt werden “dürfen”, wenn gleichzeitig einfach nur schwache und / oder faule Schüler wiederholen müssen.

          • … und die “Inklusionskinder” mögen oft auch nicht ihre Sonderbehandlung und schämen sich vor den anderen dafür bzw. werden damit u.U. von den anderen sogar gehänselt.

            Alles selbst erlebt!

          • @xxx
            Wieder einmal mehr zeigen Sie mit Ihrer Aussage zur Inklusion, dass sie die Sache an sich gar nicht verstanden haben.
            Es geht nicht darum, das inklusive beschulte Schüler die Regel-Ziele erreichen.

            Im übrigen hat das Hänseln von Mitschülern wenig mit Kuschelpädagogik zu tun. Was haben Sie in Ihren Klassen unternommen, dass es dazu nicht kommt und was haben sie im Nachhinein für die benachteiligten Schüler unternommen?

          • Ich meinte nicht das Hänseln, ich meinte die Sonderbehandlung.

            Ich habe halt große Probleme damit, wenn Schüler im Namen der UN-BRK eine fachlich oder sozial für sie viel zu anspruchsvolle Schulform benutzen dürfen, können oder müssen.

          • @ xxx, die “Sonderförderung” allerdings ist ja das, was es bisher bereits gab in Form des gegliederten Schulsystems (+ Förderschulen, Talentschulen, Privatschulen usw.). Kinder sollen je nach Begabung und Fähigkeit gefördert werden.

            Jetzt ist es so (soll es sein): Sie sitzen alle gemeinsam und gleichzeitig in einer Klasse und eine Lehrkraft soll zur gleichen Zeit Unterricht auf verschiedenen Niveaus machen (Förder- Haupt-, Realschule, Gymnasium und für die Talentierten auch noch speziell), was in der Praxis oft scheitert und zum “Einheitsbrei” führt, der keiner Gruppe wirklich gerecht wird. Früher waren sie an unterschiedlichen Schulen und eine Lehrkraft hat eine Klasse auf etwa einem Niveau unterrichtet.

  3. Kinder oder besser junge Erwachsene, die aus dem System fallen, weil sie keine Schulpflicht mehr haben und keinen Abschluss:
    “Einfach” der BA oder dem Jobcenter melden, denn die kümmern sich dann. Die haben Mittel und Geld, die jungen Leute in die Lehre zu bekommen.

    Einfach mal versuchen. Klappt.

  4. Ich habe die Erfahrjng gemacht, dass es bei einzelnen Kindern durchaus Sinn macht die Klasse zu wiederholen. Z.B. wenn die Förderung des Kindes erst spät einsetzt (Stichwort Lesepatenschaften) und die Lücken zu groß sind um den Erfolg in der nächsten Klassenstufe zu gewährleisten. Oder wenn durch späte Diagnosen (Arzttermine sind zum Teil sehr schwer zu bekommen und Hörstörungen etc. werden erst spät entdeckt) das Kind den Stoff der Klasse nicht aufnehmen konnte. Gerade in der Grundschule macht es keinen Sinn weiter zu gehen, wenn der Lese- oder Schreibprozess gar nicht vorankam. Aber klar, Kinder die nicht lesen und schreiben können werden sicher keine Hartz 4 Empfänger.
    Natürlich würde es mich freuen, wenn tatsächlich Geld in die Hand genommen würde, um Klassen zu verkleinern und Förderung zu verbessern, dann würde sich vielleicht auch das Sitzenbleiben erübrigen.
    Die letzten 10 Jahre hat das Schulsystem keine Verbesserung erfahren, er soll nur verbilligt werden.

    • Guter Kommentar.
      Ich sehe das ähnlich und sehe auch die Schwierigkeiten, Förderung frühzeitig einsetzen zu können.

      “Natürlich würde es mich freuen, wenn tatsächlich Geld in die Hand genommen würde, um Klassen zu verkleinern und Förderung zu verbessern, dann würde sich vielleicht auch das Sitzenbleiben erübrigen.”
      … weil Schwierigkeiten, die von Beginn an auffallen, sofort innerhalb gezielter Förderung gemindert werden und die Kinder womöglich die Grundlagen auf diese Weise erarbeiten können.

      “Die letzten 10 Jahre hat das Schulsystem keine Verbesserung erfahren, er soll nur verbilligt werden.”
      … und dazu gehört dann auch das Abschaffen des Sitzenbleibens, weil Kosten minimiert werden können.

    • In der GS können Kinder alenfalls am Ende der 3. Klasse Sitzenbleiben. Dauert die Schuleingangsphase (1. + 2. Klasse) drei Jahre, werden sie hinsichtlich der Volzeitschulpflicht hier in NRW als zwei Schulbesuchsjahre gewertet. Benötigen die Kinder für die Schuleingangsphase lediglich ein Jahr, so wird das bezogen auf die Vollzeitschulpflicht ebenfalls mit zwei Jahren angerechnet.
      An Gesamtschulen und Sekundarschulen hier in NRW werden die SuS prinzipiell nicht versetzt. Sie gehen am Ende jeden Jahres in die nächst höhere Jahrgangsstufe über. Bei Minderleistungen in Kursen auf Erweiterungsebene droht ihnen im worst case die Umstufung in einen entsprechenden Kurs der G-Ebene. Die SuS, die zieldifferent unterrichtet werden aks “Lerner” sind in der Regel den G-Kursen zugeordnet.
      Wie immer hat jede Regel eine Ausnahme; am Ende des 9. Jahrganges muss die Versetzung nach Klasse 10 erreicht werden. Grundlage hierfür sind die Fachnoten in Deutsch und Mathematik sowie den naturwissenschaftlichen Fächern (es gibt keine Lernbereichsnote) und in den Einzelfächern des Lernbereiches Arbeitslehre (Hauswirtschaft oder Technik oder Wirtschaft). Englisch ist der Fächergruppe II zugeordnet. In den Fächern der Fächergruppe I (o.g. Hauptfächer) darf es eine Minderleistung (Mangelhaft geben), in den Fächern der Fächergruppe II dürfen zwei Minderleistungen auftreten, wobei eine der Minderleistungen sogar eine ungenügende Note sein darf.
      Die Bedingungen für den HA (Haultschulabschluss nach Klasse 9 bzw. die Versetung nach Klasse 10) sind eine dermaßen niedrige Hürde, dass es einen wundert, dass einige SuS diese nicht überspringen. Zumeist sind dies SuS, die schulmüde sind und eine hohe Zahl von unentschuldigten Abstinenzen vorweisen. SuS, die ernsthaft erkrankt gewesen sind und somit längere Klinikaufenthalte im 9. oder 10. Jahrgang gehabt haben, sind im Allgemeinen in der Schulstation bzw. Klinikschule betreut und in den Hauptfächern unterrichtet worden. Ihnen wird häufig auf Elternantrag eine Wiederholung gestattet, um “bessere” Noten zu erreichen, damit sie höherwertige Abschlüsse erreichen können.

      Die Schulmüden mit einer Verlängerung ihrer Schullaufbahn erreichen zu wollen, ist nachvollziehbar unsinnig. Es ist sinnvoller diese, so sie die Vollzeitschulpflicht nicht erfüllen und die Versetzung in Klasse 10 nicht erreicht haben, ein Langzeitpraktikum zu vermittel. Während dieser Phase erhalten sie wöchentlich drei Tage Schulunterricht und gehen zwei Tage an ihrer Praktikumsstelle arbeiten.
      Häufig werden diese SuS trotz ihrer vielen schulischen Minderleistungen (schlechte Noten) am Ende des Praxisjahres in ein Ausbildungsverhältnis übernommen, wenn sie sich bewährt haben. Schließen sie ihre Ausbildung – ggf. auch die zweijährige Ausbildung (Verkäufer, Servicemechaniker etc.), die es in vielen Bereichen gibt, mit mindestens der Durchschnittsnote “Drei” ab, so wird ihnen in einigen Bundesländern damit gleichzeitig der Mittlere Schulabschluss einschließlich der Fachoberschulreife zuerkannt. Im Regelfall wird gleichzeitig das Ausbildungsverhältnis um ein Jahr verlängert, damit diese Auszubildenden die dreijährige Berufsausbildung in ihrem Fach (Kaufmann im Einzelhandel, Kfz-Mechatroniker, etc.), abschließen können.
      Ich halte das für das bessere Konzept, Sitzenbleiben ist ein Anachronismus, der aber zu den GY passt. Würden diese Qualitätstandards bezüglich der Aufnahme in Jahrgang 5 haben und umsetzen, müssten sie gar nicht so vile SuS abschulen oder eben sitzen lassen. Der Anteil an Gymnasiasten mit einem IQ in Höhe von Badewassertemperatur ist zu hoch. Diese SuS wären an Schulen einer anderen Schulform besser aufgehoben. Der Weg zur Hochschulzugangsberechtigung (Fachhochschulreife bzw. zur Allgemeinen Hochschulreife) wäre lediglich ein anderer als der traditionelle über ein (anachronistisches) GY. Es führen eben viele Wege nach Rom, sic!

  5. Mal eine Überlegung dazu, dass Sitzenbleiben zum Zweck hat, faule Schüler zu motivieren: Wäre da nicht auch eine andere Methode wirksam?

    Mal ein Beispiel: Als bei uns die Vergleichsarbeiten VERA eingeführt wurden, durften (und dürfen heute noch) diese Arbeiten nicht zur Benotung herangezogen werden. Das hatte zur Folge, dass die Ergebnisse manchmal aus dem Grund schlecht ausfielen (mit entsprechendem Ärger für die Kollegen), weil die Schüler die Aufgaben nicht ernsthaft bearbeitet haben. In Absprache mit dem Schulleiter hab ich meiner 8. Klasse vor der Arbeit angedroht: Wenn ihr erheblich unter dem Landesschnitt liegt, bekommt ihr nach dem schriftlichen Abitur (wo Lehrerstunden frei werden) 1-2 Mathestunden für den Rest des Schuljahrs extra. Das hat als Motivation 1a funktioniert.

    Übertragen auf das Sitzenbleiben: Wenn du das Klassenziel nicht erreichst, hast du im nächsten Jahr in jedem Fach mit einer 5 eine Stunde extra. Das ist offensichtlich kein Kostensparmodell und die konkrete Organisation müsste noch überdacht werden, aber ich halte es in vielen Fällen für wirksam. Daneben gibt es sicher noch einige Fälle, in denen es aus unterschiedlichen Gründen nicht funktionieren würde und wo eine Wiederholung sinnvoll ist.

    • @Küstenfuchs androhungen (extrinsische motivation?) funktionieren mit entsprechendem druck meistens: die vermeintlich “faulen” wiederholen kein schuljahr sondern landen in entsprechenden fördermaßnahmen – praktizieren wir in hamburg bereits mit immensem verwaltungsaufwand. ob dieser in einem angemessenem verhältnis zum indendierten fördereffekt steht, bewertet dann sicher primär die schulinspektion.

      • Die Ihrer Meinung nach nur vermeintlich “faulen” Schüler wären auch schön blöd, wenn sie sich minimal mehr anstrengen würden, weil sie dann aus den Fördermaßnahmen herausfallen. Dadurch bekämen sie darüber hinaus deutlich weniger Aufmerksamkeit.

        • @xxx jawoll, ausschließlich abgefauelte schülerinnen, deren unreifer gestank nicht schön ist: dreimal täglich aufmerksames lüften sei hiermit dringend angeraten!

          • Erstens bleiben wesentlich mehr Schüler hängen als Schülerinnen.
            Zweitens gelten die Kommentarregeln auch für Sie. Ich habe Sie nicht persönlich beleidigt.
            Drittens war mein Kommentar durchaus ernst gemeint. Die vermeintlich faulen Schüler gehören oft zu den Nervbacken einer Klasse, die insbesondere auch nach Aufmerksamkeit gieren. Durch weniger Herumnerven und mehr Fleiß bekommen sie weniger Aufmerksamkeit während des normalen Unterrichts, sie fallen aus der Einzelförderung mit noch mehr Aufmerksamkeit heraus und müssen mehr für die Schule selbst tun. Diese Aussage gilt für die Mehrheit aller von der Versetzung bedrohten Schüler (m/w), wirklich ernsthaft schulmüde Jugendliche benötigen eine intensive Therapie, die Lehrer im Rahmen ihres normalen Dienstes nicht leisten können.

          • `1) benachteiligte schüler sind demnach fauler als schülerinnen.
            2) achten sie bitte ebenfalls auf gültige lüftungstipps!
            3) sorry, zu ihren kommentaren fällt mir auch nur unlustiges ein.

          • Bei meinem ersten Punkt haben Sie die Logik umgedreht. Schauen Sie sich mal die Klassenzusammensetzung von echten Privatschulen an, die sich auch um schulmüde Kinder kümmern. Der Jungenanteil ist signifikant höher als der Mädchenanteil. Zudem nimmt die Klassengröße ab Stufe 8, also mit dem Pubertätsverlauf, deutlich zu. Auf diese Schüler habe ich mich aber nicht direkt bezogen, ich meinte eher die “normal schwachen” Schüler (m/w), bei denen die Versetzung so ziemlich immer gefährdet ist. Bei den meisten von ihnen ist eine sehr große Portion Faulheit eine der Hauptursachen.

            Mein dritter Punkt ist wirklich nicht schwierig zu verstehen. Ich versuche es mal mit folgender Analogie aus der freien Wirtschaft bzw. der Kommunalverwaltung:

            Am Ende des Jahres wird alles vorhandene Geld aus dem Budget rausgehauen, weil sonst die Finanzabteilung im Folgejahr das Budget um den eingesparten Betrag gekürzt wird.

            Übertragen auf Schüler: Strenge Dich nicht zu sehr an, weil Du sonst die Annehmlichkeiten der individuellen Förderung, Aufmerksamkeit usw. verlierst.

          • @unverzagte
            Zu 3): Ob Lustiges oder Unlustiges, es ist auf jeden Fall zu begrüßen, wenn Ihnen nichts mehr einfällt.

            @xxx
            Was Sie zu den faulen Schülern sagen, beobachte ich auch ständig. Zustimmung also!
            Ob “wirklich ernsthaft schulmüde Jugendliche” aber eine intensive Therapie brauchen, glaube ich nicht. Anhaltende Lustlosigkeit muss ja nicht gleich etwas Krankhaftes sein.
            Ich stelle mir den Ansturm von Eltern auf Arztpraxen vor wegen “Schulmüdigkeit” ihrer Kinder.

          • Unter “wirklich schulmüde Schüler” verstehe ich Schüler, die im öffentlichen Schulsystem nicht mehr betreut werden können, aus schwierigem Elternhaus kommen usw, also Fälle, die nur sehr, sehr vereinzelt auftreten. Wenn die Eltern dies selbst diagnostizieren, liegt das im Zweifel nicht vor. Ähnlich wie bei Hochbegabung.

          • @g.h. befreien sie sich von all den ungerechtigkeiten oder was auch immer ihnen das leben zugefügt haben mag oder waren sie es gar selbst? egal, hauptsache ihnen gehts jetzt besser.

      • M.a.W.: Die Abschaffung des Sitzenbleibens führt dazu, dass die ganze Sache umorganisaiert und vor allem umbenannt wird. Dann gibt es eben das freiwillige Wiederholen bzw. “entsprechende Fördermaßnahmen”. Das ist dann angeblich billiger als das angeblich zu teure Sitzenbleiben. Ist das plausibel?

    • @ Küstenfuchs,

      meiner Meinung nach zäumen Sie das Pferd vom Schwanze her auf. Klar, man sagt wohl manchmal, wenn jemand so weitermache, würde er sitzenbleiben (müssen) und das ist in der Regel schon erstmal unangenehm für die Kinder, die ihren Klassenverband nicht wechseln wollen. In diesem Sinne (wenn Lehrer damit drohen) ist es tatsächlich wie eine Strafe. Wie gesagt ist das für die Kinder, wenn es tatsächlich eintritt, aber eher ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Nach meiner Erfahrung gewöhnen sie sich sehr schnell an die neue Klasse und haben bald vergessen, dass sie eigentlich eine weiter sind. Es spielt für sie dann schlicht und ergreifend keine Rolle mehr und sie haben zumindest die Chance aufzuholen, was sie verpasst haben.

      Sitzenbleiben ist aber eben keine Strafe für faule Kinder, sondern eine 2. Chance für die, die nicht mehr mitkommen. Einem Kind, das durch eine hohe Zahl von Fehltagen (infolge Krankheit) zu sagen, in Aussicht zu stellen, nicht mit Sitzenbleiben bestraft zu werden, wenn es alles nachholt, was es verpasst hat, halte ich schon mal für den falschen (Denk-)Ansatz. Man kann dem Kind helfen, alles nachzuholen, aber wenn es unmöglich ist, sollte man eben eher gelassen damit umgehen und nicht als Strafe, sondern als Chance “verkünden”, dass es die Klasse dann noch einmal wiederholen kann, um alles aufzuholen, was ihm verloren gegangen ist. Ähnlich ist es mit Kindern, die aus anderen Gründen enorme Defizite angehäuft haben. Da hätte man dann doch wohl eher dafür sorgen können, dass es zu diesen Defiziten nicht kommt, bevor man dem Kind mit Sitzenbleiben “droht”, wenn es seine Defizite nicht bald behebt. Sind die Defizite erstmal da, sind sie eben für das Kind nicht mehr alleine zu bewältigen. (Sind die Defizite hingegen nicht so groß, gerät es auch nicht “in Gefahr” sitzenzubleiben.)

      Es ist also, wie eingangs beschrieben, eher unser Denken und Reden in Bezug auf das Sitzenbleiben, ob es als Strafe oder als 2. Chance verstanden wird.

      • Richtig, sofawolf! Ich bin im ersten Jahr am Gymnasium sitzengeblieben wegen sowohl einer mehrwöchigen Krankheit als auch stinkender Faulheit. Wahrscheinlich hätte ich die Versetzung auch ohne Krankheit nicht geschafft.
        Meinen Eltern und mir war die Sache schrecklich peinlich und das war gut so.
        Schon nach wenigen Tagen habe ich mich in der neuen Klasse pudelwohl gefühlt. Das Lernen war mir plötzlich wichtig und machte sogar Spaß.
        Der Lerneifer ließ nach einigen Monaten zwar etwas nach, doch stinkende Faulheit herrschte nie wieder. Mein Abitur legte ich mit gut durchschnittlichen Noten ab.
        Mir konnte damals nichts Besseres passieren als das Sitzenbleiben.

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