Umfrage: Inklusion ist für Jugendliche Normalität – zumindest in der Schule

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BONN. Die Inklusion in Deutschland schreitet langsam voran, begleitet von Streit und Verwerfungen unter Schulpolitikern, Verwaltern und Praktikern. Doch überkommene Muster und Einstellungen weichen nur langfristig. Aktuelle Umfrageergebnisse der Aktion Mensch lassen hoffen, dass Inklusion für die kommende Generation zur Normalität werden kann. Der Schule kommt dabei herausragende Bedeutung zu.

Für ein „aktuelles Stimmungsbild“ befragte das Meinungsforschungsunternehmen Ipsos 300 Kinder im schulpflichtigen Alter. Jugendliche in Deutschland begegneten dem Thema positiv und unvoreingenommen, so dass Fazit. Die große Mehrheit (94 Prozent) fände es gut (44 Prozent) oder normal (50 Prozent), wenn Kinder mit Behinderung überall dabei sind.

In ihrer Freizeit begegnen sich Kinder mit und ohne Behinderung kaum. Foto: Jeangagnon / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)
In ihrer Freizeit begegnen sich Kinder mit und ohne Behinderung kaum. Foto: Jeangagnon / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)
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Fast zwei Drittel der befragten Mädchen und Jungen sehen Inklusion als Möglichkeit, dass sich Kinder mit und ohne Behinderung gegenseitig helfen könnten. Auch der Wunsch, sich besser kennenzulernen, spielt eine wichtige Rolle – für Schüler weiterführender Schulen noch deutlicher (51 Prozent) als für Grundschulkinder (32 Prozent). Fast 60 Prozent der Befragten gaben an, mindestens ein Kind mit einer Behinderung zu kennen.

Auffällig war, dass Begegnungen zwischen Kindern mit und ohne Behinderung überwiegend in der Schule stattfänden (77 Prozent) und nur selten in der Freizeit (18 Prozent) oder bei anderen Aktivitäten. “Die Ergebnisse der Befragung zeigen, wie wichtig Inklusion von Anfang an ist. Wenn Kinder gemeinsam aufwachsen, wird Inklusion im weiteren Leben selbstverständlich”, sagt Armin v. Buttlar, Vorstand der Aktion Mensch.

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Warum Inklusion noch nicht überall funktioniert, dazu zeigten die Kinder eine klare Meinung. Für die Mehrheit (66 Prozent) ist mangelnde Barrierefreiheit ein Grund, warum Kinder mit Behinderung manchmal nicht dabei sein können. Allerdings vermuten auch 41 Prozent der Schüler, dass viele Angst haben, im Umgang mit Menschen mit Behinderung etwas Falsches zu machen oder zu sagen. Entsprechend sehen die befragten Kinder in diesen Bereichen auch den größten Handlungsbedarf: 60 Prozent stimmen dem Lösungsansatz “Beim Bauen muss man mitdenken” zu. Ebenso viele Mädchen und Jungen sind der Meinung, dass Kinder mit Behinderung nicht ausgeschlossen (60 Prozent) und Berührungsängste überwunden werden sollten (56 Prozent), damit Inklusion funktionieren kann.

Für die Online-Befragung zum Thema “Umgang mit Kindern mit Behinderung” hat das Marktforschungsinstitut Ipsos Observer insgesamt 300 Kinder im Alter von sechs bis 14 Jahren befragt. Unter den befragten Kindern befanden sich zu gleichen Teilen Mädchen und Jungen. Jeweils 150 Kinder waren 6 bis 9 Jahre und 10 bis 14 Jahre alt. (pm)

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