Lehrer- und Erziehermangel: Brandenburg wirbt jetzt um Pädagogen aus Polen

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POTSDAM. Viele Lehrer scheiden demnächst aus Altersgründen aus dem Schuldienst aus. Wegen der Kita-Platz-Zusage steigt auch der Bedarf an Erziehern. Das Brandenburger Bildungsministerium schaut angesichts des galoppierenden Personalmangels nun über die Grenze – und wirbt um Pädagogen aus Polen. Für die dürfte das Angebot, in Deutschland zu arbeiten, verlockend sein: Lehrer gehören zu den am schlechtesten bezahlten Akademikern in Polen.

Polnische Lehrer und Erzieher werden in Brandenburg umworben (Symbolfoto). Foto: Shutterstock

Um den wachsenden Bedarf an pädagogischen Fachkräften in den kommenden Jahren zu decken, will Brandenburg vermehrt polnische Bewerber in Bildungs-, Kinder- und Jugendeinrichtungen einstellen. Neben der beruflichen Qualifizierung seien dafür sehr gute deutsche Sprachkenntnisse erforderlich, teilte das Bildungsministerium in Potsdam auf eine Anfrage der Linken im Landtag mit. Gezielte Werbeaktionen in Polen seien aber nicht geplant, erklärte das Ministerium auf Nachfrage der Redaktion.

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Für ein künftiges gemeinsames deutsch-polnisches Vorhaben «Polnische Erzieherinnen und Erzieher in Brandenburger und polnischen Kitas» könnte für die neue EU-Förderperiode 2020 allerdings geprüft werden, ob dafür Mittel aus dem Europäischen Strukturfonds eingesetzt werden können, hieß es weiter. Brandenburg und Polen müssten sich aber erst über Schwerpunkte der neuen EU-Förderperiode abstimmen.

Flyer entwickelt, um Grundschullehrer und Erzieher anzusprechen

Ende Mai waren nach Angaben des Ministeriums bereits 122 Pädagogen mit polnischer Staatsangehörigkeit in den öffentlichen Schulen Brandenburgs beschäftigt, davon etwa jeder zweite im Bereich des Schulamtes Frankfurt (Oder). Ende März des vergangenen Jahres waren es in Brandenburg erst 106 Fachkräfte.

Auch in märkischen Kindertagesstätten sind Kräfte aus Polen im Einsatz. Das betreffe insbesondere Kitas mit deutsch-polnischem Schwerpunkt. Bei einem polnischen Berufsabschluss muss der Kita-Träger laut Ministerium zunächst eine Gleichwertigkeit mit einem deutschen Abschluss prüfen. Auch wenn der polnische Berufsabschluss nicht dem deutschen zu hundert Prozent entspricht, können Bewerber in Kitas eingeschränkt arbeiten.

Wer in einer Kindertagespflegeeinrichtung arbeiten will, benötigt der Antwort zufolge eine Pflegeerlaubnis. Für die fachliche Qualifizierung müssen Bewerber einen 30 Stunden umfassenden Vorbereitungslehrgang absolvieren. Fehlt eine pädagogische Ausbildung, ist darüber hinaus noch eine Grundqualifizierung von 130 Stunden erforderlich. Die Jugendämter seien zuständig für die Pflegeerlaubnis und Anerkennung polnischer Berufsabschlüsse im Bereich der Kindertagespflege.

Um neue Bewerber für einen Job in Brandenburg zu gewinnen, hat das Ministerium einen speziellen Flyer entwickelt, der im deutsch-polnischen Grenzraum verteilt wird. Darin wirbt Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) mit sicheren Arbeitsplätzen und einer sehr guten Bezahlung in Brandenburg.

Auch Förderschullehrer werden gesucht

Gesucht werden danach insbesondere Lehrer an Grundschulen, aber auch für weiterführende Schulen in den Fächern Mathematik, Kunst, Musik, Physik, Biologie, Chemie, Englisch, Informatik und Sport. Die Ministerin wirbt auch um Lehrkräfte für Förderschulen.

Auch wenn Pädagogen in Polen nur ein Unterrichtsfach studiert haben, können sie im Brandenburger Schuldienst beschäftigt werden. Möglich sei es in Brandenburg, ein zweites Unterrichtsfach zu studieren, die Befähigung für ein Lehramt zu erwerben und in ein Beamtenverhältnis übernommen zu werden.

Das Angebot dürfte für polnische Pädagogen attraktiv sein – gehören doch Lehrer nach Angaben von ermland-masuren-journal.de Lehrer traditionell zu den am schlechtesten bezahlten Akademikern in Polen. Ein Referendar verdient danach umgerechnet etwa 1.100 Euro monatlich brutto, ein Studienrat knapp 2.000 Euro. dpa

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

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2 KOMMENTARE

  1. Warum nicht, wenn sie ausreichend Deutsch beherrschen?! Nur wer unterrichtet dann die Kinder in Polen? Verlagern wir wieder einmal ein Problem ins Ausland und keiner denkt an die Folgen für uns und andere?

    • Viel wichtiger: Nach welchem Tarif werden diese Pädagogen bezahlt? Ich hoffe, das wird nicht so ein wie ich finde Skandal wie bei den osteuropäischen Pflegekräften.

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