Anspruch auf Ganztagsplatz in der Grundschule wird deutlich teurer als erwartet

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BERLIN. Der geplante Ausbau der Ganztagsbetreuung an Grundschulen wird nach einem «Spiegel»-Bericht deutlich teurer als von der Bundesregierung geplant. Das gehe aus einer bisher unveröffentlichten Berechnung des Deutschen Jugendinstituts (DJI) in München hervor.

Ist der Anspruch auf einen Ganztagsplatz an der Grundschule überhaupt realisierbar? Zweifel sind erlaubt. Foto: Shutterstock

Union und SPD hatten im Koalitionsvertrag vereinbart, bis 2025 einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Kinder im Grundschulalter zu schaffen. Die dafür in Aussicht gestellten zwei Milliarden Euro des Bundes reichen den Berechnungen des DJI zufolge nicht einmal annähernd aus. Demnach seien für Investitionen in Ganztagsplätze mehr als fünf Milliarden Euro notwendig, und dann kämen noch einmal laufende Kosten von gut drei Milliarden Euro pro Jahr hinzu. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) bestätigte am Freitagabend die Zahlen des DJI.

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Grund für die prognostizierte Kostenexplosion sei, dass 2025 durch höhere Geburtenraten und Zuwanderung laut DJI rund 187.000 Grundschulkinder mehr zu erwarten seien als von der Kultusministerkonferenz veranschlagt, heißt es in dem «Spiegel»-Bericht.

Bundeselternrat: “Wir haben großes Bauchweh”

Karliczek sagte im Gespräch, die nun vorliegenden Berechnungen des Jugendinstituts leisteten einen wichtigen Beitrag, um die Bedarfe und Kosten für den Ganztagsausbau zu beziffern. «Ich freue mich, dass Bund und Länder sich auf dieser Basis nun auf eine gemeinsame Grundlage für die weiteren Planungen einigen konnten.» Nach Angaben der Ministerin bleibt es aufseiten des Bundes bei der ursprünglich zugesagten Summe: «Mit dem geplanten Investitionsprogramm können Räume und Gebäude so gestaltet werden, dass sie attraktive ganztägige Angebote ermöglichen. Hier unterstützt der Bund die Länder mit zwei Milliarden Euro.»

Schon im Juni hatte der Bundeselternrat Zweifel daran geäußert, dass der Rechtsanspruch bis 2015 tatsächlich kommt. „Wir haben großes Bauchweh“, sagte der Vorsitzende Stephan Wassmuth mit Blick auf den eng gesetzten Zeitplan. Wassmuth wies darauf hin, dass der geplante Rechtsanspruch bislang nur im Koalitionsvertrag stehe – „aber es gibt keine gesetzliche Grundlage“. Deutschland müsse in dieser Frage vorwärts kommen.

Der Markt für Grundschullehrer und Erzieher ist leergefegt

Weiteres Problem: Woher soll das Personal für die zusätzliche Betreuung kommen? Der Arbeitsmarkt für Grundschullehrer ist leergefegt, sodass schon jetzt bundesweit Tausende von Stellen vakant sind – einer aktuellen Studie der Bertelsmann Stiftung zufolge wird sich der Lehrermangel an den Grundschulen auch ohne eine Ausweitung des Angebots bis 2030 sogar noch verschärfen (News4teachers berichtete). Und auch Erzieher dürften kaum zu bekommen sein: Das „Ländermonitoring Frühkindliche Bildungssysteme“, ebenfalls von der der Bertelsmann Stiftung herausgegeben, stellte unlängst fest: Für eine kindgerechte Betreuung brauche es schon jetzt bundesweit rund 106.500 zusätzliche Fachkräfte-Vollzeitstellen in den Kindertagesstätten. Doch die wären aktuell gar nicht zu besetzen. News4teachers / mit Material der dpa

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1 KOMMENTAR

  1. Es werden nicht mehr Menschen Grundschullehrer werden, wenn ihnen eine Ganztagsschule droht in der ihnen für die Nachmittagsstunden nur die Hälfte bezahlt wird. Wer sollte sich darauf einlassen. Arbeite 2 und erhalte eine bezahlt. Dann ist eine Mittagspause nicht vorgesehen, weil die Lehrer in der vollen und lauten Mensa beaufsichtigen. Ich höre nur von Kollegen an den Ganztagsschulen, dass sie noch mehr Arbeit haben und dafür auch noch weniger bezahlt bekommen. Konferenzen dann nur noch am Abend, was einem Familienleben keinen Raum lässt und Elterngespräche am Abend und wann bitte bereitet man dann den Unterricht vor???

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