Studie: Kurz nach Ferienende nehmen sich mehr Schüler das Leben

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ESSEN. Unter Jugendlichen in Deutschland geht fast jeder achte Todesfall auf Selbsttötung zurück. Die Gründe für diesen Schritt dürften sehr unterschiedlich sein. Wie eine aktuelle Studie des RWI zeigt, scheint die Schule dabei jedoch zum Teil eine Rolle zu spielen: Die Wahrscheinlichkeit einer Selbsttötung ist insbesondere an den ersten beiden Schultagen nach Ferienende erhöht. Bislang sei unklar, ob dies an der Belastung durch die Schule selbst, Problemen mit Mitschülern oder anderen Faktoren liege. Schulen sollten insbesondere kurz nach den Ferien noch stärker auf die psychische Verfassung der Jugendlichen achten, so mahnen die Studienautoren.

Hinter einem Selbstmord steckt häufig eine psychische Erkrankung, die heilbar gewesen wäre. Foto: Shuttestock

 

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Mehr als 200 Kinder und Jugendliche nehmen sich jedes Jahr in Deutschland das Leben. Eine aktuelle Studie des RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Essen zeigt, dass Suizide junger Menschen häufiger an Schultagen vorkommen. „Während der Ferien ist die Wahrscheinlichkeit einer Selbsttötung unter Kindern und Jugendlichen im Alter von 6 bis 19 Jahren um 19 Prozent verringert. Statistisch gesehen kommt es somit in dieser Alters-gruppe innerhalb von acht Ferientagen deutschlandweit zu einem Suizidfall weniger als innerhalb von acht Schultagen“, so heißt es. „Am Ferienende nehmen die Selbsttötungen zu. Am höchsten ist die Suizidrate an den ersten beiden Schultagen nach den Ferien. Die Wahrscheinlichkeit eines Suizids nimmt an diesen Tagen um gut 30 Prozent zu. Dabei spielt es keine Rolle, wann und wie lange die Ferien sind.“

“Es liegt nahe, dass Mobbing und Schulstress eine Rolle spielen”

Der Grund, warum sich die Suizidraten zwischen Schultagen und Ferien unterscheiden, konnte nicht untersucht werden. „Es liegt jedoch nahe, dass dabei Mobbing und Schulstress eine Rolle spielen. Frühere Studien haben gezeigt, dass über ein Viertel der amerikanischen Jugendlichen an High Schools gemobbt werden; in Deutschland sind es knapp neun Prozent“, so heißt es. Die Wissenschaftler empfehlen: Gerade an den ersten Schultagen nach den Ferien könnten gezielte Präventionsprogramme dabei helfen Suizide zu verhindern. Dazu gehören auch Hinweise auf die kostenlose und anonyme Telefonseelsorge für Kinder und Jugendliche, die „Nummer gegen Kummer“: 116 111.

Dabei gibt es Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen. „Ein besonderes Auge sollten Eltern und Lehrende in dieser Zeit auf männliche Jugendliche werfen. Mehr als zwei Drittel der Selbsttötungen junger Menschen gehen auf männliche Jugendliche zurück“, so heißt es. Und: „Unter männlichen Schülern variieren zudem die Suizidraten stärker zwischen Schul- und Ferientagen als unter Schülerinnen. Die möglichen Gründe dafür werden noch erforscht. Eine Ursache könnte sein, dass Mädchen größere Freundeskreise haben als Jungen und dadurch auffälliges Verhalten früher erkannt wird.“ News4teachers

Hier geht es zur Studie.

Hilfe bei Suizidgedanken

Wenn Sie daran denken, sich das Leben zu nehmen, versuchen Sie, mit anderen Menschen darüber zu sprechen. Es gibt eine Vielzahl von Hilfsangeboten, bei denen Sie – auch anonym – mit anderen Menschen über Ihre Gedanken sprechen können.

Das geht telefonisch, im Chat, per Mail oder persönlich.

Die Telefonseelsorge ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr erreichbar. Die Telefonnummern sind 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222.
Der Anruf bei der Telefonseelsorge ist nicht nur kostenfrei, er taucht auch nicht auf der Telefonrechnung auf, ebenso nicht im Einzelverbindungsnachweis.

Ebenfalls von der Telefonseelsorge kommt das Angebot eines Hilfe-Chats. Die Anmeldung erfolgt auf der Webseite der Telefonseelsorge. Den Chatraum kann man auch ohne vereinbarten Termin betreten, mit etwas Glück ist ein Berater frei. In jedem Fall klappt es mit einem gebuchten Termin.

Das dritte Angebot der Telefonseelsorge ist die Möglichkeit der E-Mail-Beratung. Auf der Seite der Telefonseelsorge melden Sie sich an und können Ihre Nachrichten schreiben und Antworten der Berater lesen. So taucht der E-Mail-Verkehr nicht in Ihren normalen Postfächern auf.

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1 KOMMENTAR

  1. Vielleicht sollte man im Hilfe Bereich auf die Angebote speziell für Kinder und Jugendliche (also der Nummer gegen Kummer) eingehen und sich nicht auf die allgemeine Telefonseelsorge stützen. Geht im Artikel ja schließlich um Kinder und Jugendliche.
    Liebe Grüße 🙂

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