Philologen gegen Schäuble: Sommerferien weder verkürzen noch verschieben!

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KIEL. Der Philologenverband Schleswig-Holstein hat sich gegen Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble gestellt – und die Ferientermine verteidigt. „Die Corona-Krise rechtfertigt weder eine Verkürzung noch eine Verschiebung der diesjährigen Sommerferien“, erklärte der Vorsitzende Jens Finger.

Bekommt Gegenwind: Wolfgang Schäuble. Foto: Shutterstock

Die Inanspruchnahme des Jahresurlaubs sei in vielen Familien längst geplant, meint Finger, so dass hier zusätzlich zu anderen coronabedingten Belastungen erneut Unruhe und Unsicherheit in die Haushalte getragen würde. Ein Anspruch auf ausreichende Erholung sei die naheliegende Konsequenz, nicht ungeplante Einschnitte. Dies gilt, so der Philologenverband, auch für die Lehrkräfte, die durch die für sie ungewohnte wochenlange Vorbereitung und Gestaltung von Fernunterricht via elektronische Medien eine Herausforderung zu bewältigen hatten und noch haben, die für alle Beteiligten neu sei.

Zusatzangebote am Rande der Sommerferien denkbar – freiwillig

Möglich sind für den Philologenverband allerdings freiwillige Zusatzangebote am Rande der Sommerferien wie die in einigen Schulen praktizierte „Sommerschule“, in der Schülerinnen und Schüler mit Lerndefiziten aus dem abgelaufenen Schuljahr die Möglichkeit erhielten, Stoff nachzuholen oder zu vertiefen.

Auch eine Verschiebung der schleswig-holsteinischen Sommerferien auf die Monate August und September lehnt der Philologenverband ab. „Dann würde das neue Schuljahr 2020 / 21 noch kürzer, auch die Herbstferien müssten verlegt werden, und eine bundesweite Konzentration der Sommerferien auf einen relativ kurzen Zeitraum würde den Reiseverkehr innerhalb Deutschlands in die Höhe treiben und die Urlaubsregionen überfordern – eine Entwicklung, die mit Sicherheit nicht zu den Plänen der Corona-Eindämmung passen würde“, so Finger.

Sommerferien sind Sache der Länder

Der Verband stellt überdies fest, dass die Ferienregelungen nicht in die Entscheidungskompetenz von Bundespolitikern falle. „Das ist laut Grundgesetz Sache der Länder“, so Finger, der in diesem Zusammenhang auf einen Beschluss der Kultusministerkonferenz der Länder verwies: „Die Mindestdauer der Sommerferien beträgt sechs Wochen“. Deren Festlegung für die einzelnen Länder sei das Ergebnis mühevoller, langjähriger Planung und sollte durch unbedachte Äußerungen von Bundespolitikern nicht in Frage gestellt werden. Schäuble hatte erklärt, eine Verkürzung der Sommerferien böte Schülern die Gelegenheit, den durch die Corona-Pandemie versäumten Unterrichtsstoff nachzuholen. News4teachers

Schäuble tritt Debatte um verkürzte Sommerferien los – und erntet Widerspruch

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12 KOMMENTARE

  1. Egal, ob Sie vorzeitig aus dem Urlaub zurückkehren oder ihn gar nicht erst antreten: Lässt den Urlaub der Arbeitgeber streichen, muss er Ihnen sämtliche anfallende Kosten erstatten, wie z. B. Stornogebühren oder Rückreisekosten – im Zweifel auch für Ihre mitgereiste Familie. Ebenso können Sie ihm Mehrkosten in Rechnung stellen, die durch die Verschiebung des Urlaubs entstehen, wenn Sie z. B. in der teureren Hauptsaison buchen müssen statt wie geplant in der Nebensaison. Was kostet es also jedes Bundesland, wenn Lehrer ihren gebuchten Urlaub nicht antreten können?

  2. Was für eine alberne Argumentation.
    Wer glaubt, dass er in diesen Sommerferien wirklich verreisen kann, der lebt in einer Traumwelt.
    Ich halte eine Verkürzung der Sommerferien sehr wünschenswert.
    Ich denke, sobald die Schule wieder startet beginnt die stressigste Zeit, die es für Lehrkräfte jemals gab. Innerhalb weniger Wochen muss fast ein komplettes Halbjahr aufgeholt werden. Nebenbei muss man sich aber trotzdem noch an alle dann noch geltenden Corona-Regeln halten. Eine Verkürzung der Sommerferien würde diese stressige Zeit deutlich entlasten und ist in meinen Augen mehr wert als 6 Wochen Erholung zuhause. Da verbringt man ja jetzt schon genug Zeit.

    • Urlaub in Deutschland ist bis Anfang Juli sicher wieder möglich, alleine um die Tourismus-Branche zu stützen. Und damit ist die Verkürzung der Sommerferien hinfällig.
      In der Schulpolitik werden doch keine pädagogischen Entscheidungen getroffen. Die Einführung der „Faschingsferien“ in Bayern war auch keine pädagogische Entscheidung. Die wurde von der Tourismus-Lobby durchgesetzt.

    • Ja, ich verbringe jetzt viel Zeit daheim. Aber – ich ARBEITE hier und das genauso in Vollzeit wie sonst auch. Ich habe jetzt keine Ferien, die Startzeit in der Schule wird mega anstrengend werden und dann soll ich auch noch den Sommer durch arbeiten? Dank Notbetreuung, übrigens ohne irgend einen Ausgleich auch am Wochenende, gab es schon keine Osterferien. Manche tun hier tatsächlich so, als würden wir alle nur bezahlt Däumchen drehen…

      • Ich verstehe nicht ganz, was diese Antwort mit meinem Text zu tun hat.
        Ich tue keineswegs so als würden wir Lehrer gerade Däumchen drehen.
        Ich sage auch nichts davon, dass es keine Sommerferien geben soll.
        Ich persönlich denke einfach nur, dass auch in 2 oder 3 Monaten noch keine Reisen ins Ausland erlaubt sein werden. Ebenso denke ich, dass auch Reisen innerhalb von Deutschland nur in Ausnahmefällen und unter Auflagen möglich sein werden. Somit werden die meisten Menschen ihren Sommerurlaub in den eigenen vier Wändern verbringen müssen.
        Wenn wir mal ganz optimistisch sind, dann dürfen die 5. und 7. bis 10. Klassen am 18. Mai wieder in die Schule. Von da an sind es noch genau 6 Wochen bis zu den Sommerferien. Ich weiß nicht wie es anderen Lehrkräften da geht, aber ich habe noch Stoff für ca. 12 Wochen zu vermitteln. Natürlich kann in der jetzigen Situation niemand verlangen, dass wirklich der komplette Lehrstoff bis zu den Sommerferien unterrichtet wird. Aber vor allem bei Klassen, die im kommenden Jahr neu zusammen gesetzt werden oder die in die Q1 übergehen, muss ja trotzdem ein gewisses Mindestmaß erfüllt sein. Und das sind in einigen Fällen deutlich mehr als die noch vorhanden 6 Wochen.
        Ich persönlich hätte deshalb lieber 9 Wochen zur Verfügung und dafür nur 3 Wochen Ferien. Hinzu kommt, dass diese 6 Wochen Unterricht ja keinesfalls unter normalen Bedingungen stattfinden. Jede Lerngruppe wird in mehrere Teilgruppen aufgeteilt. Die Teilgruppen sieht man vielleicht einmal, höchstens zweimal die Woche. Die meisten Lehrerzimmer wird man wahrscheinlich nicht nutzen können (1,5 Meter Abstand lässt sich dort wohl kaum umsetzen). Jede Aufsicht wird deutlich stressiger als sonst. Und dann schwebt über allem noch der Lehrplan. Und gerade letzteres könnte man durch eine Verkürzung der Sommerferien etwas entschärfen.

        Allerdings liegt meine Bereitschaft auf einen Teil der Ferien zu verzichten wahrscheinlich auch daran, dass ich schon als Schüler 6 Wochen Ferien als viel zu lang empfunden hatte. Ich habe mir immer gewünscht, dass die Sommerferien verkürzt und dafür andere Ferien, vor allem die „stressigen“ Weihnachtsferien verlängert werden 😀

        Trotzdem spricht in meinen Augen deutlich mehr für eine Verkürzung der Sommerferien.
        Das oben ist ja noch ein sehr optimistisches Beispiel. Es könnte ja auch sein, dass die Schule erst nach Pfingsten wieder für alle losgeht.
        Vieles hängt sicherlich davon ab, wie es den Versuchskaninchen in NRW ergeht.

        • Also – die Curricula in die Tonne kloppen und eben nicht den Zeitplan. Sommerferien ja, Planerfüllung nein!
          Die Jahrgänge mit den Kurzschuljahren waren bzw. sind ja auch beruflich erfolgreich gewesen.

          Schulbildung ist notwendig – nur die Schulbildung stört nicht weiter, wenn im Nachhinein etwas vernünfiges für den Beruf gelernt wird.

          Btw Goethe und Schiller hatten auch kein Abitur. Der Besuch einer Abschlussklasse einer höheren Lehranstalt war früher Voraussetzung für die Aufnahme an einer Hochschule. Das Abitur als Abschlussprüfung war nur für die Übernahme in den preußischen Staatsdienst Voraussetzung bzw. für die Aufnahme eines Studiums, das mit enem Ersten Staatsexamen abschloss.

          Wer aber glaubt, dass Säue vom Wiegen fett werden, dem ist nicht zu helfen.

    • Urlaub kann man auch zu Hause sehr erholsam gestalten. Und es ist traurig, dass ausgerechnet ein Lehrer Kinder nur unter dem Leistungsaspekt sieht. Wie es in der Seele aussieht nach dieser schwierigen Zeit , ist offenbar egal. Hauptsache der Lehrplan wird eingehalten.

      • Dann lesen Sie doch einmal die ausbildungs- und Prüfungsordnungen für die einzelnen Schulformen. Nur was in Ziffern ausgedrückt werden kann, ist justiziabel. Es hat doch Gründe, warum einzelne Noten nicht direkt anfechtbar sind, sondern nur die formalen Beschlüsse der Zeugnis-/Leistungsbewertungskonferenzen also die Versetzungsvermerke bzw. die festsetzungen bezüglich des Schulabschlusses.

        Dass der lehrplan umgesetzt werden muss, ist logisch. Die Eltern, denen ein Beschluss der Schule zur Nichtversetzung, einem anderen als dem erwünschten Schulabschluss oder dergleichen widerstrebt, werden die ersten sein, die wegen des nicht lehrplankonformen Unterrichtes klagen werden.

  3. Entschuldigung aber es wäre nicht gerecht
    Denn was können die Kinder für den Virus..
    Meine sitzen zu Hause machen Hausaufgaben also stehen ihnen auch Sommerferien zu

  4. OmG….lese ich eigentlich die gleichen Nachrichten wie Sie?

    Dieses Jahr wird kein Sonmerurlaub ausserhalb Deutschlands möglich werden.
    Jeder, der inmer noch glaubt, dass Schulen aus welchen Motivationen heraus geöffnet werden müssten, möge bitte mal nicht auf den populistischen Internetseiten recherchieren, sondern bemühe sich um sachlich richtige Hintergrundinformationen. Das RKI hat eine Seite, die für den Einstieg und Anfang sicher gute Daten liefert.

    Wer jetzt noch halbwegs den Dreisatz beherrscht kann sich selbst ziemlich schnell durchrechnen was in den kommenden Wochen zu erwarten ist.

    Liebe Politiker, ich wünsche mir für unsere Jugend und deren Lehrer sichere Arbeitsplätze, dies ist im Moment nicht durch den schulischen Rahmen zu ermöglichen.
    Wieso schaffen es die Umländer kreative Lösungen zu finden mit dem Thema Schule. Hier wird ein unnötiger Leistungsdruck und Wettbewerb aufgebaut. Auf Kosten der Gesundheit aller (unfreiwillig) Beteiligten.
    Wieso tun wir so, als ob es kein Morgen gibt-ohne Schulanwesenheit. Diese Pandemie wird ein Ende haben und danch kann man immenoch den Leistungsstand der Schüler erheben.
    Keiner weiß, wie diese Geschichte im großen wie im kleinen und individuellen Rahmen endet. Es ist eine Phase, die erst mit einem Medikament beendet.
    Was soll dieser Wahnsinn.

    Wieso beharren wir hier auf einer Schulpflicht, die gerade obsolet sein sollte, weil die Konsequenzen so klar sind wie es klarer nicht geht.
    Diese politischen Entscheidungen gefährden Ihre Wählerstimmen der Zukunft.
    Hier wird sich auf Kosten derer profiliert, die es gerade nocht besser wissen und einschätzen können.

    Es gibt Lösungen, die liegen gerade ausserhalb der Schule. Schule und Lehrer können den Hygienestandard nicht gewährleisten….und Schüler nun einmal auch nicht.
    Jeder der mal unter sterilen Arbeitsbedingungen bspw in einem Labor gearbeitet hat, weiss wie schwer es ist und wieviel Aufmerksamkeit es erfordert, so zu arbeiten, dass man weder sich noch seine Umgebung kontaminiert. Dies ist ein langwieriger Schulungs-und Lernprozess, der einige Zeit in Anspruch nimmt, bis man das korrekte Vorgehen beherrscht.
    WIE sollen völlige Laien die zum Teil noch zu jung sind das Ausmass ihres z.T. unbewussten Handelns zu überblicken, dies können.

    Meine Arbeitswelt war viele Jahre genau dieser Bereich. Das Arbeiten unter sterilen Bedingungen war mein täglich Brot.
    Gestern hat sich ein Mann bei mir -leiser zurecht- beschwert, weil ICH den Sicherheitsabstand beim Betreten eine Lebensmittekgeschäfts nicht eingehalten habe.
    Obwohl ich behaupten kann eine gewisse Routine in diesem Bereich zu besitzen, so war ich doch – warum auch immer- offenbar unaufmerksam! Obwohl ich weiss, wie wichtig es ist und wieviel an einem richtigen Verhalten hängt.

    So und jetzt möge mir jemand erklären wie Kinder und pubertierende Jugendliche und auch Lehrer ohne entsprechende ‚Vorbildung‘ so bewusst damit umgehen sollen. Das geht, wenn überhaupt nur kurzfristig gut, danach spielt sich eine gefährliche Routine ein…

    • … und werden die Auszubildenden, die jetzt das dritte Lehrjahr abschließen, nach Corona dauerhaft und nicht nur für ein Jahr weiter beschäftigt? Werden die Ausbildungsverträge für das nächste Ausbildungsjahr zum 01.08. überhaupt umgesetzt oder gehen die neuen Azubis gleich in Kurzarbeit 100%?

  5. Also ganz ehrlich: Ich habe selber 3 Kinder in Kindergarten- und Grundschulalter, arbeite seit Corona fast Tag und Nacht für die Schule. Und ich soll keine Ferien haben? Geht’s noch?
    Jeder, der hier meint, die Ferien sollen verkürzt werden – bitte, dann bietet doch den Kindern in den Ferien freiwillig Unterricht an!
    Meine Kinder haben hier Zuhause wirklich stundenlang geschuftet und ich dazu. Wir brauchen die Erholung. Sonst hat das Land eine Lehrerin weniger.

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