Der Start in den Grundschulen verlief offenbar äußerst diszipliniert – Schulleiterin: Das bunte Treiben hat gefehlt

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BERLIN. Der Deutsche Lehrerverband ist zufrieden mit dem am Montag erfolgten Schulstart für Hunderttausende Kinder und Jugendliche. «Das hat gestern an den meisten Grundschulen sehr gut geklappt, was zeigt, dass auch Zehnjährige sehr wohl in der Lage sind, solche Regeln einzuhalten, wenn sie von der Notwendigkeit überzeugt sind», sagte Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger der «Passauer Neuen Presse».

In Rheinland-Pfalz gab’s für jeden Schüler eine Schutzmaske. Foto: Shutterstock

In einigen Bundesländern waren nach den Abschlussklassen jetzt die letzten Klassen der Grundschulen und die Schüler zurückgekommen, für die im nächsten Schuljahr Abschlussprüfungen anstehen. Das Schuljahr ist nach Ansicht Meidingers noch nicht gelaufen, man wolle «in allen Jahrgangsstufen noch einen ordentlichen Jahresabschluss mit Zeugnissen hinkriegen», sagte der Verbandspräsident. Es werde aber mit Sicherheit nicht mehr gelingen, den versäumten Stoff in den verbleibenden Wochen noch komplett zu vermitteln und die ausstehenden Prüfungen zu schreiben. «Das Aufholen der aufgelaufenen Defizite wird sich weit ins nächste Schuljahr hinein erstrecken.»

„Schüler haben die Maske auf dem Schulhof getragen“

«Die Kinder waren extrem diszipliniert», sagte beispielsweise die Leiterin der Goethe-Grundschule in Mainz, Gabriele Erlenwein. Die sonst herrschende Lebendigkeit und das ausgelassene Treiben hätten gefehlt. Alle Viertklässler der Schule kamen bereits mit Schutzmasken an, erhielten dann auch noch zusätzlich die vom Land bereitgestellte Maske. «Sie haben die Maske auf dem Hof getragen und wurden dann in ihre Klasse geführt, mit fest zugewiesenen Plätzen», erklärte Erlenwein. «Wir haben die Klassen halbiert, so das in jeder Klasse maximal zehn Kinder sind.» Von den Schülerinnen und Schülern kamen aber nicht alle – Kinder mit Risiko-Erkrankungen in der Familie blieben daheim.

Auch an der Goldbek-Schule in Hamburg-Winterhude begann am Montagmorgen der Unterricht für die Viertklässler wieder. Am Montagmorgen kamen fast alle Schüler zusammen mit ihren Eltern für ihren ersten Schultag seit Wochen an. Wie Schulleiter Martin Meisenburg sagte, seien die Kinder aufgeregt, aber auch sehr vorsichtig gewesen. Um das Risiko einer Ansteckung zu verringern, sind die vier vierten Klassen an der Schule aufgeteilt worden. Eine Gruppe begann am Montag, die andere folgt am Dienstag. Und auch am Montag wurde der Beginn der Schule entzerrt, zwei Klassen begannen um 8.00 Uhr, zwei um 8.30 Uhr, wie der Schulleiter erklärte. An der Schule werden 360 Kinder unterrichtet, etwa 10 waren in der Notbetreuung.

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Abstandregeln einhalten? In den Pausen schwieriger

Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD) sagte im «Hamburger Abendblatt», die Schulen hätten unterschiedliche Modelle entwickelt, um die Anforderungen zu erfüllen, dass die Kinder nur in kleinen Gruppen von höchstens 15 Schülern und abwechselnd unterrichtet werden. Die einen Schulen machten es so, dass eine Gruppe montags und dienstags, die andere donnerstags und freitags in der Schule ist. Am Mittwoch werde abwechselnd eine der beiden Gruppen unterrichtet.

Die Abstandsregeln ließen sich in den Klassenräumen gut einhalten, aber in den Pausen und auf den Fluren sei das schwieriger. «Hier braucht es kluge Regeln und gestaffelte Zeiten», sagte der Senator. Ein zweites Problem sei, dass ältere Schulen zum Teil sehr kleine Klassenräume hätten.

„Kollegien arbeiten am Rande ihrer Kräfte“

Die Schulleiter der Hamburger Gymnasien haben unterdessen einen Brief an Rabe geschrieben und vor überstürzten weiteren Schulöffnungen gewarnt. «Bei allen behördlichen Maßnahmen ist zu bedenken, dass die Kollegien am Rande ihrer Kräfte arbeiten», hieß es in dem am Montag veröffentlichten Schreiben der Vereinigung der Leitungen Hamburger Gymnasien und Studienseminare.

Statt die Öffnung der Schulen zu schnell und zu bürokratisch umzusetzen, solle die Behörde «unbedingt Zeitdruck aus allen Vorhaben nehmen und mehr Flexibilität vor Ort ermöglichen». Zudem hielten die Lehrer ein Plädoyer für mehr Fern- als Präsenzunterricht und die Fokussierung auf sozial benachteiligte Schüler, wie der erste Vorsitzende, Christian Gefert, sagte. News4teachers / mit Material der dpa

Grundschulen öffnen wieder für Viertklässler – Verband warnt davor, förderbedürftige Kinder aus dem Blick zu verlieren

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13 KOMMENTARE

  1. „Statt die Öffnung der Schulen zu schnell und zu bürokratisch umzusetzen, solle die Behörde «unbedingt Zeitdruck aus allen Vorhaben nehmen und mehr Flexibilität vor Ort ermöglichen». Zudem hielten die Lehrer ein Plädoyer für mehr Fern- als Präsenzunterricht und die Fokussierung auf sozial benachteiligte Schüler, wie der erste Vorsitzende, Christian Gefert, sagte“
    Da bin icj aber persönlich froh, dass diese Anmerkung doch noch gemacht wurde, nachdem doch der Erfolg der Wiedereröffnung des Schulbetriebs im Vordergrund stand.

    Es freut mich, dass die jüngeren Schüler im Moment die Situation erwachsener gelöst haben, als Abschlussklassen der weiterführenden Schulen die sich erstmal mit Umarmung und Bussi am ereten Schultag begrüßten. (So wurde es mir von einer Bekannten berichtet.)

    Wir sollten uns alle dsrüber klar aein, dass die ausgedachten Konzepte langfristig nicht eingehalten werden. Zu Beginn ist ein grosser Teil aller Beteiligten mit erhöhter Aufmerksamkeit damit befasst die Regeln einzuhalten. Schauen wir noch mal in einem halben Jahr wie gut das klappt. Spätestens dann hat sich ein gefährlicher Alltag mit allen Tücken der Ignoranz und neuen Einschätzung der Situation eonhebürgert. Nach dem Motto :wird schon gut gehen.
    Nein, wird es nicht.
    Mir ist auch nicht so ganz klar, weshalb so wenig Gegenwehr erfolgt und sich viele, die jetzt etwas verändern könnten wegducken und diese Umstände so mittragen anstatr sie aktiv zu verändern.
    Mir ist auch noch nicht klar, was ein Schulunterricht der frontaler nicht sein könnte, wie zu Kaisers Zeiten, gerade an der schulischen Situation und den Lernerfolgen der Kinder verbessern soll.
    Immer nur im Strom mitschwimmen weilnes bequemer ist, verbessert nichts. Weder für Sie als Lehrer und Schulleiter und auch nicht für die Schüler.

    • Es wirkt, als ob Lehrerschaft abwartet, dass die Eltern sich in die Opposition begeben und umgekehrt. Somit warten alle ab und keiner rührt sich. So wird auch nichts bewegt. Sondern der erwartete Zustand der neuen Normalität in Schulen gefördert, der aber durch diese Passivität Politik in ihrem unverantwortlichem Handeln unterstützt.
      Also kommt man zur Frage wer beginnt den Exit aus diesem politischen Exit?

    • Und, warum soll ich mich in dem Punkt mit meinem Arbeitgeber anlegen? Mir ist gleiche Eingruppierung von GS- und SelI-Lehrkräften mit StR wichtiger. Corona ist irgendwann vorbei, die Gehaltsgerechtigkeit nicht.

      Wenn Elter die Schule nicht als Betreuungseinrichtung brauchen würden, würden sie ihre Kinder mittels Krankschreibung vom Unterricht befreien lassen. Mehr als ein Ordnungswidrikeitenverfahren wegen „Schwänzens“ droht doch nicht. Und die Schule müsste erst einmal tage- und stundengenau Auflisten welche Stunden versäumt worden sind.

      • Ja, genau das ist der Grund weshalb sich nichts ändert, weil schlicht nur die eigenen Vorteile (sofern es diese in dieser Situation überhaupt noch geben kann) gesehen werden.
        Lieber „beklagen“ wir uns im Hintergrund als in Vordergrund zu treten. Aus Angst die eigenen Vorteile zu verspielen und machen uns somit zu Handlangern derer, die in ihrer Seifenblase darüber „nachdenken“ wie Schule und ein obsoleter Präsenzunterricht unter diesen Bedingungen stattfinden „muss“.
        Sie haben Recht Corona geht vorüber. Die Frage ist jedoch unter diesen Umständen mit Ihnen oder ohne sie. Ob man nach einem ggf schweren Verlauf noch zu gebrauchen ist, steht auf einem ganz anderen Blatt. Dann nützt einem auch die Gehaltseinstufung nichts.
        Ob wir uns unter diesen Umständen in der Schule „sicher fühlen“ entspricht nicht der Realität ob Lehrer/ die Schüler es dort sind.

        • omg – Sie verkennen das Dienstrecht bzw. das Arbeitsrecht. Den Anordnungen der Vorgesetzten ist Folge zu leisten, es sei denn sie verstoßen gegen die menschenrechte oder sie sind grundgesetzwidrig.

          Ich muss den Erlassen aus D-dorf Folge leisten, ob sie mir passen oder nicht. Ich kann maximal als tarifbeschäftigter eine Gefährdungsanzeige schreiben und diese über den Dienstweg (SL, Schulaufsicht) einreichen. Bis zum Abstellen der Gefahr oder zur Niederschlagung der Anzeige (unbegründetheit), muss ich weiter arbeiten.

          Ich lase mich nicht von den Eltern instrumentalisieren osndern fordere diese auf, sich politisch oder juristisch mit meinem Arbeitgeber auseinander zu setzen, wenn ihnen die Anordnungen der obersten Schulbehörde und der Landesregierung nicht passen.

          In der Dieselaffäre (Abschalteinrichtungen) wird ja auch nicht auf die Werker eingedroschen, die den Mist ja produziert haben.

          • Es geht doch gar nichr darum sich von Eltern instrumentalisieren zu lassen.
            Jedoch kann sich jeder überlegen, ob er sich von den Entscheidungen der Politik instrumentalisieren lässt und keinen anderen Weg sieht als „Gehorsam“ ggü dem Arbeitgeber.
            Gehorsam hat schon oft in eine Sackgasse geführt.
            Ein gemeinsames Vorgehen bei gleicher Interessenlage hat doch eine wahrscheinlich grössere Kraft als wenn jeder einzeln loszieht.
            Das ist der Gedanke.

          • „ob er sich von den Entscheidungen der Politik instrumentalisieren lässt und keinen anderen Weg sieht als „Gehorsam“ ggü dem Arbeitgeber.“

            Na, das erzählen Sie doch bitte einemal den Beschäftigten der OEMs, ob die sich von Entscheidungen der Politik bezüglich der Klimapolitik instrumentalisieren lassen wollen oder sich in Opposition zu ihrem Arbeitgeber begeben.

            Wenn Sie das demokratische Prinzip der gewaltenteilung verstanden hätten, wüssten Sie, dass die Legislative, die von der Politik bestimmt wird, nicht mein Arbeitgeber ist. Dieser ist nämlich Teil der Exekutive. Die Mitglieder der exekutive können sich zwar gewerkschaftlich organisieren, aber auch die Gewerkschaften und die gewählten Peronal- und Hauptpersoanlratsmitglieder haben kein allgemein- politisches Mandat.

            Im übrigen hat Weisungsgebundenheit nichts mit Gehorsam gemein, auch wenn sie diese Begriffe synonym verwenden. Auch wenn der Staat mein Arbeitgeber ist, gebe ich ja meine politischen Rechte als Bürger nicht ab, auch wenn ich als Arbeitnehmer (Konsument) meinen arbeitsrechtlichen Verpflichtugen nachkomme. Ebenso stehen sich ja auch Arbeitnehmerrechte und staatsbürgerliche Pflichten nicht als gegensatzpaar gegenüber. Die derzeitigen Arbeitsanweisungen des Schulministeriums sind ja nicht einmal mitwirkungspflichtig, sie sind nur beteiligungspflichtig. D.h. der Persoanlrat muss beteiligt – sprich angehört – werden, hat aber keinerlei Mitwirkungsrecht, kann also nicht mitbestimmen. Folglich kann gegen die Arbeitsbedingungen auch nicht gestreikt werden. Die Belegschaften der Automobilhersteller und der Zulieferer dürfen eben auch nicht gegen die Fahrverbote mittels Streik vorgehen.

  2. «Wir haben die Klassen halbiert, so das in jeder Klasse maximal zehn Kinder sind.» was für eine paradiesische Schule – keine Klasse über 20 Kinder. Wenn ich meine Klasse halbiere, sind es 14 bzw. 15 in einer Gruppe. Eigentlich müssten wir dritteln, aber dafür fehlen uns die Lehrer. Also quetschen wir uns mit 15 Kindern und 1 LK auf knapp 60 qm. Schön, dass dafür im Einzelhandel pro Kunde 10-20 qm vorgesehen sind…
    Spannend fand ich auch diesen Satz: „Am Montagmorgen kamen fast alle Schüler zusammen mit ihren Eltern für ihren ersten Schultag seit Wochen an.“ Sollten nicht größere Ansammlungen vermieden werden? Bei uns ist die ganz klare Ansage an die Eltern, dass das Schulgelände für sie tabu ist und sie ihre Kinder auch nicht ellenlang vor dem Schultor verabschieden sollen.

    • In solchen Zeiten sind solche Mini-Klassen natürlich praktisch. Ich persönlich denke aber, dass in Normalsituationen es Kindern durchaus gut tut, in Klassen mit mehr als 15 oder 20 Kindern zu lernen. Denn nur dann merken einige, dass sie nicht immer im Mittelpunkt stehen, wie es viele leider von zuhause gewohnt sind, sie lernen, sich selbst zu organisieren, sich diszipliniert zu verhalten. Daher nehme ich lieber die größeren Klassen mit ca. 24-30 Kindern.

    • Schulleitung darf sich auch mal quer stellen. ISt die Drittelung geboten oder lassen die Räume eine Größe von 15 Schülern nicht zu, dann wird entweder der Unterricht nicht aufgenommen (i.d.R. ergeben sich dann ganz schnell Lösungen seitens des Landes) oder es wird versetzt unterrichtet.

      • @omg ja Schulleiter können sicj auch mal quer stellen. Davon höre ich in diesen Tagen allerdings ao gar nichts.
        Alle ziehen obrigkeitsgläubig mit und setzen ein Konzept das so niemanden in den Schulen schützen wird. Die Atemluft und das Sprechen übertragen die Viren.
        Kein Atemschutz in den Unterrichtsstunden. Abgesehen davon, dass es immenoch keine massenverfügbaren FFP2 und FFP3 Masken gibt.

        • @illy – die SL kann remonstrieren, das ist Teil des Beamtenrechts. Selbst wenn der Grund für die remonstration anerkannt wird seitens des Dienstherren, so kann er die SL trotzdem anweisen.

          Ob eine Schule für den Unterricht geöffnet werden kann oder nicht, entscheiden weder das Land noch die Schulleitung. Das entscheidet der Schulträger. Ob der Unterricht stattfinden kann oder nicht, das entscheidet die SL ggf. auf Weisung der zuständigen Schulaufsicht, die die Möglichkeit hat, den B.A.D. einzuschalten.

  3. Man sieht klar, wer eine starke Lobby hinter sich stehen hat und wer nicht. Geschäfte, Gaststätten und Friseurläden öffnen so langsam wieder, aber was ist mit den Universitäten? Werden die vergessen? Warum kann man nicht kleinere Seminare wenigstens schon stattfinden lassen? Warum sind die Lehrenden so ruhig (dabei wird auch ihnen durch die ganze Online-Lehre ganz schön was abverlangt)? Warum kein Protest von den Studis? Da sind auch alle viel zu ruhig!

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