Kretschmer kündigt vollständige Öffnung aller Schulen nach den Sommerferien an

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DRESDEN. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat angekündigt, nach den Sommerferien an allen Schulen im Freistaat wieder regulären Schulunterricht anbieten. „Wir wollen, dass nach den Sommerferien der Unterricht auch an allen weiterführenden Schulen wieder normal läuft“, sagte er gegenüber dem „Focus“. Erst in dieser Woche hatten die Kitas und Grundschulen wieder für alle Kinder geöffnet – ohne die in den anderen Bundesländern üblichen Abstandsregeln und ohne Schichtunterricht. Obwohl der Schulbesuch nach einem Gerichtsurteil freiwillig erfolgte, nahmen fast alle Grundschüler am Unterricht teil.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer prescht vor. Foto: Pawel Sosnowski / Sächsische Staatskanzlei / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Nach der Wiedereröffnung der Grundschulen in Sachsen hat sich die große Mehrheit für den Unterricht vor Ort entschieden. Etwa 95 Prozent der Grundschüler seien nach der Corona-Zwangspause zurückgekehrt, sagte eine Sprecherin des Kultusministeriums am Freitag auf Anfrage. Nach einem Gerichtsentscheid ist der Besuch einer Grundschule in Sachsen zunächst bis zum 5. Juni freiwillig. Wer von den restlichen Schülern aber krank zu Hause sei oder aus Angst vor einer Infektion zu Hause lerne, werde nicht erhoben, hieß es. Insgesamt sei man nach den ersten Tagen Kita-Betrieb und Schulöffnung «vorsichtig positiv» gestimmt.

Keine Abstandregeln, kein Schichtunterricht

Am Montag hatte Sachsen als erstes Bundesland Schulen und Kitas im eingeschränkten Regelbetrieb wieder geöffnet. Statt – wie in allen anderen Bundesländern üblich – auf kleine Gruppen und Abstandsregeln zu setzen, bleiben in Kitas und Grundschulen die kompletten Klassen beieinander, allerdings strikt von anderen Klassen getrennt. Mit dem Aussetzen der Schulpflicht hatte das Kultusministerium auf ein Urteil des Verwaltungsgerichts Leipzig vom vergangenen Freitag reagiert. Dieses hatte im Eilverfahren zugunsten der Eltern eines Siebenjährigen entschieden, die sich gegen die Öffnung der Grundschulen ohne Einhaltung des Mindestabstandes von 1,5 Metern gewandt hatten (News4teachers berichtete ausführlich über das Urteil und die Folgen – hier).

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Man mache sich derzeit Gedanken, wie der Schulbetrieb nach den Sommerferien weitergehen solle, sagte die Ministeriumssprecherin, die offenbar noch nicht über den Vorstoß von Ministerpräsident Kretschmer informiert war. Vorerst wolle man aber abwarten, wie der eingeschränkte Regelbetrieb funktioniere. «Auch mit Blick auf das Infektionsgeschehen.»

Kretschmer (CDU) hatte zuvor in einem Interview mit dem «Focus» erklärt, nach den Sommerferien wieder regulären Schulbetrieb in Sachsen anbieten zu wollen – auch an den weiterführenden Schulen. Dort werden die Kinder derzeit in einem Wechsel aus Lernzeiten an der Schule und zu Hause unterrichtet. News4teachers / mit Material der dpa

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

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13 KOMMENTARE

  1. „…bleiben in Kitas und Grundschulen die kompletten Klassen zwar beieinander, aber strikt von anderen Klassen getrennt.“ Das ist NICHT aus Sicht der Kinder gedacht! Aus pädagogischer Sicht und mit Blick auf das Kindeswohl ist es abzulehnen, die Kinder in festen Gruppen, strikt getrennt voneinander den Schulalltag zu „durchleben“ zu lassen. Es hat alles auch Grenzen!

  2. Der strikte, meist frontale, Unterricht ohne jegliche Bewegungsfreiheit im Klassenraum, den wir zu Zeit haben, schränkt die Kinder jetzt schon sehr stark ein. Immerhin hatten wir bisher die Möglichkeit, dass die Kinder wenigstens die Flure zum Teil mit nutzen konnten.Das wird aber – wenn ich mir diese Tendenzen hier durchlese – bald vorbei sein. Es klingt nach Käfighaltung. Soll ich das pädagogisch gutheißen?

    • Das heißt für Sie wir lassen die Schulen lieber geschlossen? Oder was genau soll Ihrer Meinung nach die Alternative sein?
      Ist zuhause sitzen zum lernen ohne Lehrer pädagogisch so wertvoll?

  3. Eine einfache Rückkehr zum „alles wird, wie es vorher war“ wäre außerordentlich bedauerlich.
    Alle Beteiligten lernen gerade viel darüber, was sonst noch möglich wäre. Intensiver Unterricht in kleinen Gruppen, Unterstützung durch digitale Angebote, gezielte Prüfungsvorbereitung in Fächern in denen dann tatsächlich die Prüfungen abgelegt werden, auch Überlegungen welche Lerninhalte wirklich unentbehrlich sind. Viele Varianten, die die besser sind als 30 Kinder in einen Raum zu stopfen und einen Alleinunterhalter (oder Dompteur – je nach dem) mit dem Versuch scheitern zu lassen, allem und jedem irgendwie gerecht zu werden. Ich brauche gerade nur zwei Stunden für Dinge für die sonst drei zu knapp waren. Und ich habe mit jedem Schüler der geteilten Klasse arbeiten können. Ich glaube Covid 19 hat mich verdorben für´s „alles so, wie es immer war“.

    • Das mit den Lerninhalten finde ich einen sehr interessanten Punkt. Was ist notwendig und was ist ein nice to have. Klar wird jeder Fachlehrer da seine eigene Meinung drüber haben. Das kleine Gruppen/Klassen besser zu ihren Lernzielen kommen, ist ja eigentlich kein Geheimnis. Wird in Privaten und Förderschulen seit je her gemacht. Manchmal muss man tatsächlich auch die positiven Dinge dieser Pandemie sehen.

  4. „Intensiver Unterricht in kleinen Gruppen, Unterstützung durch digitale Angebote“ – das wäre in der jetzigen Zeit etwas Progressives, was aus Sicht der Kinder gedacht wäre. Das, was in Sachsen geplant ist, geht in Richtung Kaiserreich: „Statt – wie in allen anderen Bundesländern üblich – auf kleine Gruppen und Abstandsregeln zu setzen, bleiben in Kitas und Grundschulen die kompletten Klassen beieinander, allerdings strikt von anderen Klassen getrennt.“ Also Klassen in Normalgröße mit eingeschränkter räumlicher Bewegungsfreiheit, frontaler Unterricht. Aus Sicht der heutigen Grundschuldidaktik ist das ein Rückschritt, ein Rückfall in autoritäre Unterrichtsstrukturen.

  5. Wie läuft denn die „strikte“ Trennung wirklich: vormittags ja, bis auf Toilettenbesuche und Lehrerwechsel, nachmittags werden die Kids der 4. Klasse in einer Gruppe betreut. Zum Thema Aerosole in der Luft und vermeiden geschlossener Räume, was ja nun bestätigte Hauptübertragung ist: Bei uns steht die Luft, trotz angekippter Fenster. Ganz aufmachen geht nicht, weil sich die Kids meiner Klasse in der Fensterreihe unweigerlich ständig anstoßen würden. Bleibt nur noch die Tür zu öffnen um eine Luftzirkulation zu erreichen. Durchzug ist wohl auch nicht die Maßnahme zur Gesunderhaltung. Also hoffen wir einfach, dass Covid 19 weiß, dass er bei Grundschulkindern nichts zu suchen hat…

  6. Der Deutsche Grundschulverband schreibt: „Solange es keine gesicherten Informationen über die Ansteckungsgefahr für Kinder, aber auch durch Kinder gibt, muss das Ziel sein, Abstands-und Hygieneregeln als gesundheitssichernde Maßnahmen umzusetzen und soziale Kontakte in einem überschaubaren Rahmen zu halten.“ Weiter heißt es aber bezüglich eines für Kinder erforderlichen, förderlichen Lernumfelds auch:
    „Die Verantwortung der Kultusminister/innen der Länder ist es nicht nur, dem Gesundheitsschutz für Schulkinder und Lehrkräfte gerecht zu werden. Hinzu kommt die dringende Notwendigkeit, bessere Lernbedingungen für Kinder zu ermöglichen, die zuhause weder einen Arbeitsplatz noch die erforderliche Ausstattung und Ruhe für ihr Lernen haben.“ (https://grundschulverband.de/wp-content/uploads/2020/04/20200429_PM_Corona_Schulschlie%C3%9Fungen-Wiedereinstieg.pdf)
    Fragt sich nun, ob das „Sächsische Modell“ (wie oben geschildert) solche „besseren Lernbedingungen“ umsetzt?

    • Letztendlich geht es im sächsischen Modell ja auch nicht um „bessere Lernbedingungen“. Es geht lediglich darum, dass die Kinder irgendwie untergebracht sind, um Eltern die Berufstätigkeit zu ermöglichen.
      Die strikte räumliche Trennung der Klassen kann ich mir in der Praxis kaum vorstellen. Vielleicht während des Unterrichts, aber was ist z.B. mit der Mittagspause? Wie lange soll es dauern, bis alle Klassen gegessen haben, ohne sich zu begegnen? Oder spätestens bei der Hortbetreuung wird es zu Zusammenlegungen von Gruppen kommen müssen, ansonsten bräuchte jede Klasse eigenes Hortpersonal. Ich kann mir nicht ansatzweise vorstellen, wie das funktionieren soll.

  7. Und genau darin liegt das Problem: Die Kinder IRGENDWIE unterzubringen, egal ob sie dadurch selbst krank werden, andere anstecken oder Angst haben. Sie MÜSSEN in die Schule, um jeden Preis. Ist es nicht immer so, dass die Mächtigen auf dem Rücken der Kinder alles austragen? Missbrauch, Misshandlung..die Schwachen sind dann die Kinder. Kinder können sich nicht wehren, schon gar nicht die Kleinen. Sie können nicht auf die Straße gehen, demonstrieren und ihre Meinung äußern. Ihnen wird alles vorgeschrieben. Und der Überbietungseifer der ganzen Ministerpräsidenten dient nur einem Zweck: Möglichst die Masse zu erreichen. Und die Masse schreit: Wir wollen keine Einschränkungen mehr. Wir wollen selbst entscheiden ob wir vormittags die Füße hoch legen oder arbeiten gehen. Aber die Kinder, die müssen in die Schule. Die alte Leier: Arbeit, Wirtschaft etc. Alles geht nur, wenn Kinder abgeschoben werden. Und das ist definitiv nicht im Sinne der Gleichberechtigung oder des Gesundheitsschutzes, denn wo bitte sind in dieser Rechnung die Kinder mit den Erwachsenen gleichberechtigt?

  8. „Wo bitte sind in dieser Rechnung die Kinder mit den Erwachsenen gleichberechtigt?“ Sie bringen es auf den Punkt.
    Der Kommentar der stellvertr. Landesvorsitzenden der sächsischen Erzieher, Astrid Axmann, zum „Sächsischen Modell“: „Es verwundert schon sehr, dass der Freistaat eine andere Strategie als alle anderen Bundesländer fährt und gegen die Beschlüsse der Kinder- und Jugendministerkonferenz der Länder handelt. Dass er sich dafür Unterstützung bei einem Mediziner holt, der noch vor zwei Wochen für eine ‚Durchseuchung‘ in der Population der Kinder plädiert hat, sorgt weder bei Eltern noch bei Beschäftigten für Vertrauen.“ (https://www.gew-sachsen.de/presse/pressemitteilungen/neuigkeiten/entruestung-ueber-zu-schnelle-oeffnung-ab-18-mai/) Deswegen: Kritisch bleiben!

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