MAGDEBURG. Ein breites Bündnis aus Gewerkschaften, Bildungsverbänden, Gedenkstätten, Kirchen und Trägern der Erwachsenenbildung schlägt vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt Alarm. Anlass ist das Bildungsprogramm der AfD, die nach aktuellen Umfragen stärkste Kraft werden könnte und eine Alleinregierung anstrebt. Die Organisationen sehen zentrale Prinzipien des bisherigen Bildungssystems gefährdet – von Inklusion und Mitbestimmung bis zur politischen Bildung und Erinnerungskultur. Besonders kritisch bewerten sie Pläne, Lehrpläne stärker politisch zu steuern und die Landeszentrale für politische Bildung abzuschaffen. Die Unterzeichner warnen vor einem „grundlegenden Umbau des Bildungssystems“.

Gewerkschaften, Bildungsverbände und weitere Organisationen in Sachsen-Anhalt wenden sich mit einer gemeinsamen Stellungnahme gegen bildungspolitische Pläne der AfD. Zu den Unterzeichnern gehören unter anderem der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB), die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), die Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt, die Stiftung Gedenkstätten Sachsen-Anhalt, der Kinder- und Jugendring Sachsen-Anhalt sowie mehrere kirchliche Bildungsträger.
Hintergrund ist die Landtagswahl im September 2026. Die AfD wird in Sachsen-Anhalt vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft und lag zuletzt in Umfragen deutlich vor der CDU. In ihrem Wahlprogramm kündigt die Partei einen weitreichenden Umbau des Bildungswesens an. Die nun veröffentlichte Erklärung trägt den Titel „Für den Erhalt einer freien und vielfältigen Bildungslandschaft“.
„Diese Bildungslandschaft ist keine Selbstverständlichkeit. Sie ist das Ergebnis jahrzehntelanger demokratischer Entwicklung, gesellschaftlicher Auseinandersetzung und pädagogischen Engagements“
Die Unterzeichner erklären: „Diese Bildungslandschaft ist keine Selbstverständlichkeit. Sie ist das Ergebnis jahrzehntelanger demokratischer Entwicklung, gesellschaftlicher Auseinandersetzung und pädagogischen Engagements.“ Aufgabe sei es, sie „gegen jede politische Vereinnahmung zu schützen“.
In der Stellungnahme setzen sich die Organisationen ausführlich mit den bildungspolitischen Vorhaben der AfD auseinander. Kritisiert werden unter anderem geplante Eingriffe in Lehrpläne, die Einschränkung schulischer Mitbestimmung sowie eine stärkere politische Steuerung von Bildungsinhalten.
Die AfD kündige, so heißt es in dem Papier, einen „grundlegenden Umbau des Bildungssystems“ an. Ausgangspunkt sei eine „umfassende Krisen- und Verfallsdiagnose“, in der von „Krise des Geistes“, „Kuschelpädagogik“ und „politischer Einflussnahme“ die Rede sei. Damit würden „weitreichende Eingriffe in Inhalte, Strukturen und pädagogische Praxis begründet“.
Die Unterzeichner werfen der AfD vor, demokratische Beteiligung zurückdrängen zu wollen. In der Stellungnahme heißt es, das Programm beschreibe Schule als einen Bereich, „in dem das ‚demokratische Prinzip fehl am Platz‘ sei“. Mitwirkungsrechte von Eltern, Schülerinnen und Schülern sowie schulischen Gremien sollten beschnitten und Entscheidungen stärker zentralisiert werden. „Schule erscheint damit nicht mehr als Ort demokratischer Beteiligung und gemeinsamer Verantwortung, sondern als hierarchisch gesteuerte Institution“, schreiben die Organisationen.
Kritisch bewerten die Unterzeichner zudem die bildungspolitischen Positionen der AfD zu Inklusion und gesellschaftlicher Vielfalt. Das Programm stelle Integration und Inklusion nicht länger als Aufgaben von Schule dar und richte sich gegen die Sichtbarkeit sexueller und gesellschaftlicher Vielfalt. Regenbogenflaggen sollten an Schulen untersagt werden, traditionelle Familienbilder würden als Norm gesetzt. Andere Lebensentwürfe erschienen dadurch „nicht als gleichberechtigter Teil gesellschaftlicher Realität“.
Auch die geplante Neuausrichtung der politischen Bildung stößt auf deutliche Kritik. Die AfD will die Landeszentrale für politische Bildung durch ein „Landesinstitut für staatspolitische Bildung und kulturelle Identität“ ersetzen. Die Unterzeichner sehen darin den Versuch, politische Bildung stärker ideologisch auszurichten. In der Stellungnahme heißt es, politische Bildung würde dann „nicht mehr primär auf demokratische Urteilsbildung, sondern auf ideologisch definierte Vorstellungen von ‚staatspolitischer‘ Loyalität und national verstandener kultureller Identität verpflichtet“.
Zugleich warnen die Organisationen vor Folgen für die bisherige Trägerlandschaft der Erwachsenen- und Jugendbildung. Staatliche Fördermittel könnten künftig stärker an politische Kriterien gebunden werden. Einrichtungen, die den „patriotischen“ Vorgaben der AfD nicht entsprächen, könnten von Förderungen ausgeschlossen werden. Genannt wird in diesem Zusammenhang ausdrücklich die Evangelische Akademie Sachsen-Anhalt, deren Förderung laut Stellungnahme nach Vorstellungen der AfD eingestellt werden solle.
Breiten Raum nimmt in dem Papier auch die Erinnerungskultur ein. Die Unterzeichner kritisieren, die AfD wolle im Geschichtsunterricht „aufgeladene nationale Narrative“ stärker betonen und die Beschäftigung mit den Verbrechen des Nationalsozialismus zurückdrängen. Diese Verschiebung sei „ideologisch motiviert“.
Die beteiligten Organisationen formulieren in ihrer Erklärung zugleich ein eigenes bildungspolitisches Selbstverständnis. „Wir bekennen uns zu einer Bildung, die Menschen stärkt statt formt, konstruktive Kritik fördert statt unterbindet und Vielfalt als Ressource versteht statt als Bedrohung“, heißt es darin. Zudem sprechen sie sich für ein Bildungssystem aus, in dem Fachkräfte „pädagogisch urteilen dürfen und müssen“ und Träger „unabhängig von politischer Wohlgefälligkeit gefördert werden“.
Zu den Unterzeichnern gehören neben DGB und GEW unter anderem auch die Landesvereinigung kulturelle Kinder- und Jugendbildung, der Verband deutscher Privatschulen Sachsen-Anhalt, der Landesverband der Volkshochschulen, die Stiftung Gedenkstätten Sachsen-Anhalt sowie die Initiative „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. News4teachers / mit Material der dpa









Wie kann man den Hitlergruß in ein Wahlplakat einbauen ohne sich strafbar zu machen? Siehe Plakat oben.
In dem man behauptet, das sei gar kein Hitlergruß. Hat aber nicht gezogen: https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2026/02/brandenburg-afd-landtagsabgeordneter-wilko-moeller-hitlergruss-plakat-geldstrafe.html
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Wäre es nicht gut, das Plakat nicht als Artikelbild zu verwenden, um den Hitergruß ncht zu normalisieren?
Damit die AfD weiter ungestört ihre rechtsextremen Codes verbreiten kann? Wir halten es aus Dokumentationszwecken für geboten, die dann auch zu zeigen. Machen Behörden übrigens auch: https://www.news4teachers.de/2026/05/rechtsextreme-codes-schwerer-erkennbar-broschuere-hilft-lehrkraeften/
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Na ja! In diesem Fall verbreiten ja Sie die rechtsextremen Codes der AfD.
In einem Artikel über das Plakat oder über das Gerichtsurteil zu diesem Plakat hätte das Bild seinen Platz.
Aber bei einem Artikel über die Schulpolitik der AfD sehe ich keine direkten Bezug zum Bild und eher die Geahr, den Hitlergruß zu normalisieren.
Wir sehen darin eine entlarvende Illustration der Schulpolitik der AfD, die bald in einem ersten Bundesland Realität werden könnte. Gerne hier nachlesen: https://www.news4teachers.de/2026/01/das-demokratische-prinzip-waere-fehl-am-platz-was-die-afd-laut-programm-nach-einem-wahlsieg-mit-den-schulen-vorhat/
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Am Ende will es niemand gewusst und „nur Befehle befolgt“ haben.
Die Leute müssen schon wissen und sich nicht rechtfertigen können, wem sie da hinterherrennen
Ja, dieses Plakat ist erst seit ein zwei Ewigkeiten bei AfD-Nachrichten angehängt….
Haben Sie mitbekommen, dass die AfD in mehrern Bundesländern als gesichert rechtsextrem gilt, Rechtsextreme und Faschist*innen in ihren Parteispitzen hat und kontakte zu Nazis und anderen verbotenen Organisationen Rechtsextremer pflegt?
https://www.volksverpetzer.de/analyse/dunkle-maechte-afd-windkraft/?utm_source=app_share
Gut, dass Sie sich von dieser rechtsextremen Partei und ihrem Gedankengut – nicht nur einem Plakat – distanzieren 🙂
„Diese Bildungslandschaft ist keine Selbstverständlichkeit. Sie ist das Ergebnis jahrzehntelanger demokratischer Entwicklung, gesellschaftlicher Auseinandersetzung und pädagogischen Engagements“
… und wenn es schlecht läuft, wird Widerstand dszugehören.
Vielleicht mag die Redaktion etwas zum Thema Remomstrieren und Beschwerden veröffentlichen, dass sich Lehrkräfe nicht gegen Gewissen und Grundgesetz um Kopf und Kragen bringen?
„Ich habe nur Befehle ausgeführt“ wird nicht mehr ziehen…
Das betrifft doch nur Schulleitungen und ggf. Koordinatoren. Die einfache Lehrkraft kann sich doch gar nicht „um Kopf und Kragen bringen“. Wie soll das denn gehen. Haben Sie ein realistisches Beispiel?
Wir haben hier genügend Lehrkräfte, die verschiedene Regierungen kommen und gehen sehen. Die machen seit 30 Jahren immer dasselbe. Für die wird sich nichts ändern.
Bis A13 kann es einem doch vollkommen egal sein, wer unter einem Schulminister*in ist. Die realere Gefahr sitzt doch um die Ecke bei der SchulAbt. der Bez.-Reg.
Was meinen Sie mit „reale Gefahr“?
„Das betrifft doch nur Schulleitungen und ggf. Koordinatoren.“
Haha, Nein. Sie haben KEINE Ausrede, „nur Befehle befolgt“ haben zu wollen ^^
Aber darum wünsche ich ja für Demokrat*innen wie Sie einen Artikel, wann und wie remonstriert und Beschwerde eingelegt werden muss, sollten Rechtsextreme an die entsprechenden Stellen gesetzt werden.
Oder meinen Sie, anstelle der Thematisierung des Holocausts klaglos einen Ausflug an die Siegessäule unternehmen zu können, ohne sich selbst rechtfertigen zu müssen, nur weil es jemand im Amt vorgab? 😀