GEW vor dem Schulstart in Sachsen: Mit Schulschließungen ist zu rechnen

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DRESDEN. Am Montag beginnt für Sachsens Schüler wieder der Unterricht. Die GEW sieht die Schulen aber weit von einem Regelbetrieb entfernt. Sie fordert mehr Lehrer. Die fehlen vor allem auf dem Land.

Auch Sachsens Schulen werden wohl kaum von Infektionen verschont bleiben. Foto: Shutterstock

Schulbeginn im Zeichen von Corona: Für Tausende Mädchen und Jungen beginnt in Sachsen nach den Sommerferien am morgigen Montag wieder der Unterricht. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sieht die Schulen allerdings noch weit von einem Regelbetrieb entfernt. Sie warne davor, Eltern und Schülern zu optimistische Versprechen zu machen, sagte GEW-Vorsitzende Uschi Kruse in Dresden. Das Kultusministerium spricht von einem Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen – also unter strengen Hygieneregeln. Auf eine Maskenpflicht im Unterricht verzichtet Sachsen aber.

GEW fordert Unterricht in kleinen Lerngruppen

Man müsse mit Schulschließungen und Kürzungen der Stundentafel rechnen – etwa im Musik- und Sportunterricht, so Kruse. Die GEW hätte sich zudem mehr Zeit für die Schulen gewünscht, um sich auf den Schulbeginn in Corona-Zeiten vorzubereiten. «Einen Kaltstart halte ich für schwierig», sagte Kruse. Die Gewerkschaft zeigte sich zudem skeptisch, was die Einhaltung der Hygiene-Regeln wie das Lüften und regelmäßiges Händewaschen angeht. Viele Schulen hätten zu wenige Waschbecken und das Öffnen von Fenstern dürfe nur unter Aufsicht geschehen. Mehr denn je müssten Schüler in kleinen Gruppen unterrichtet werden, um das Risiko einer Ansteckung zu minimieren.

Die Gewerkschaft appellierte überdies an den Freistaat, «jeden auf dem Markt verfügbaren Lehrer einzustellen.» Man brauche mehr Personal, um etwa Lehrer in Quarantäne oder Lehrer, die als Risikogruppen nicht unterrichten können, zu vertreten. Im vergangenen Schuljahr hatten etwa drei Prozent der Grundschullehrer ein entsprechendes Attest vorgelegt. Der gravierende Lehrermangel werde die Bewältigung der durch die Pandemie verursachten Probleme enorm erschweren, so Kruse.

Nach Angaben des Kultusministeriums sind in Sachsen zu Beginn des neuen Schuljahres insgesamt 1043 Lehrerstellen neu besetzt worden. Demnach wurden 922 Stellen mit ausgebildeten Lehrern besetzt, 121 mit Seiteneinsteigern. Die meisten unterrichten künftig an Grundschulen und Gymnasien, gefolgt von Oberschulen, Förder- und Berufsschulen.

Versorgung mit Lehrern bleibt weiter angespannt, räumt das Ministerium ein

Eigentlich wollte das Kultusministerium insgesamt 1100 neue Lehrer einstellen. Gerade für die ländlichen Regionen habe es aber zu wenige Bewerber gegeben, sagte ein Sprecher. Zudem fehlten Interessenten für Grund- und Oberschulen. Die Versorgung mit Lehrern bleibe daher weiter angespannt, so der Sprecher. Insgesamt hatten sich rund 1270 ausgebildete Lehrer in Sachsen beworben. Die meisten für das Gymnasium und mehr als 70 Prozent für Dresden und Leipzig.

Im neuen Schuljahr werden an Sachsens Schulen aller Voraussicht nach mehr Mädchen und Jungen unterrichtet: Die Schülerzahl steigt um gut 3000 auf rund 486 000 Schüler. Den größten Zuwachs verbuchen demnach die öffentlichen Schulen.

Seit dem 1. Juni können sich Lehrer einmal pro Woche kostenlos auf das Corona-Virus testen lassen. Diese Regelung soll bestehen bleiben. Die Linke forderte unterdessen, auch Testmöglichkeiten für Schüler und Kita-Kinder anzubieten. Bei Symptomen sollen die Tests schnell Gewissheit verschaffen, so Linke-Abgeordnete Luise Neuhaus-Wartenberg. «Was am Flughafen für Reiserückkehrer möglich ist, sollte auch für Schüler und Kita-Kinder möglich sein.»

Sachsens Erzieher hingegen fordern eine Ausweitung der Tests für Kita- und Hortmitarbeiter. Träger und Freistaat sollten die Kosten für regelmäßige Tests übernehmen, erklärte der Sächsische Erzieherverband (SEV). Am Dienstag hatte die Regierung beschlossen, dass sich Erzieher in Kitas und Horten sowie in der Kindertagespflege bis Ende September einmalig kostenlos testen lassen können. Das sei ein Schritt in die richtige Richtung aber längst nicht ausreichend, so der Erzieherverband. dpa

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2 KOMMENTARE

  1. Sachsen sollte einfach eine Buschprämie, die in der Prärie, also außerhalb von Dresden oder Leipzig, gezahlt wird, einführen. Bei Leipzig mit der Einschränkung bzw der Aufnahme in die Buschprämie der Straßenn rund um die Straßennahnstrecke von West nach HBF und Grünau. Ersteres ein langgezogene Raum der zunehmenden Verwahrlosung, letzteres eine Stadt in der Stadt, die relativ wenig Lebensqualität bietet.

    Sachsen außerhalb dieser Leuchttürme gleicht aufgrund der Sozialstrukturen weitestgehend Brandenburg: Die jungen Menschen ziehen, wenn sie können, weg. Wer zurückbleibt, ist klar. Wer will dort auf Dauer arbeiten oder gar leben müssen?

  2. Sie haben vollkommen recht! Nur eine Gehaltszulage wird Lehrer in die Provinz locken können.
    Brennpunktschulen im sozial schwachen Bezirken
    müssen mit mehr Personal und besseren Hygienemaßnahmen, ebenso mit häufigen Covid-19 Testangeboten ausgestattet werden, um Corona Hotspots zu vermeiden.

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