Lorz sieht positiven Schulstart – „Schulen bislang nicht als Hotspots erwiesen“

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WIESBADEN. Kultusminister Alexander Lorz (CDU) hat zwei Wochen nach dem Schulbeginn in Hessen von einem positiven Start gesprochen. Er nehme die Sorgen wegen der aktuellen Entwicklung der Corona-Infektionszahlen aber sehr ernst, versicherte Lorz in Wiesbaden. Seit Beginn des Schuljahres seien sechs der insgesamt 1795 Schulen im Land für einen oder mehrere Tage geschlossen worden, weil ein Verdacht oder eine Infektion bei einem Schüler oder einer Lehrkraft vorlagen. Nach zwei Wochen Unterricht könne damit festgestellt werden, «dass sich Schulen bislang nicht als Hotspots erwiesen haben.»

Gegen generelle Maskenpflicht im Unterricht: Hessens Kultusminister Alexander Lorz. Foto: HKM/ Patrick Liste

Der Minister erneuerte die Haltung von Hessen, keine generelle Maskenpflicht im Unterricht anzuordnen. Das sei unverhältnismäßig und wenig zielführend, da das Infektionsgeschehen regional sehr unterschiedlich sei. Deshalb sei das auf die Situation vor Ort abgestimmte Vorgehen der Gesundheitsbehörden aktuell einer landesweiten Anordnung vorzuziehen. Drei Prozent der Lehrer haben sich nach Angaben von Lorz vom Präsenzunterricht freistellen lassen. Mindestens bis zu den Herbstferien könnten sich Mitarbeiter an Schulen, die keine Symptome zeigen, alle 14 Tage einem kostenlosen Corona-Test unterziehen.

Vier-Stufen-Modell für die Schulen – mit der Bundesregierung abgestimmt

Der Minister verwies auf ein mit der Kultusministerkonferenz und auf Bitten der Bundesregierung abgestimmtes Vier-Stufen-Modell zur jeweiligen Infektionslage in den Schulen. Vieles davon finde sich bereits in den hessischen Leitlinien wieder. Demnach sieht Stufe Eins den an die Pandemiesituation angepassten Regelbetrieb vor. In Stufe Zwei gelte zusätzlich eine Lerngruppenkonstanz oder das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung im Unterricht. Stufe Drei beinhalte den Wechsel von Präsenz- und Distanzunterricht. Bei Stufe Vier gehe es um die vollständige Umstellung auf Distanzunterricht.

Die Landtagsopposition warf dem Kultusminister vor, ein zu positives Bild der Situation in den Schulen zu beschreiben. Es hätten zwar nur sechs Schulen im Land wieder ganz schließen müssen, aber etliche Klassen seien wegen Corona-Fällen in Quarantäne geschickt worden, erklärte der SPD-Bildungsexperte Christoph Degen. «Mit Stand vom Mittwoch dieser Woche war für 51 Schulklassen an 43 Schulen Quarantäne angeordnet.»

Die Schulexperten von Linken und FDP, Elisabeth Kula und Moritz Promny, kritisierten, die Beförderung der Schüler in völlig überfüllten Bussen und die daraus resultierenden Gefahren einer Ansteckung. Schnelle Lösungen müssten her, seien es versetzte Schulzeiten oder auch angemietete Busse privater Reiseunternehmen, forderte Kula. Auch der FDP-Politiker forderte nach Alternativen zu suchen und verwies auf die Initiative in Rheinland-Pfalz. Im Nachbarbundesland habe die Landesregierung dafür gesorgt, dass es zusätzliche Kapazitäten gibt.

Elternbeirat: Schülertransport ist „eine Katastrophe“

Der Vorstandsvorsitzende des Landeselternbeirats Hessen, Korhan Ekinci, hatte sich zuvor angesichts der weiteren Ausbreitung des Coronavirus besorgt wegen überfüllter Busse und Bahnen auf den Schulwegen in vielen Regionen gezeigt. «Das ist eine Katastrophe», sagte er. Es könne nicht sein, dass für die Schulen sorgsam Hygienepläne mit Maskenpflicht teils auch im Unterricht und anderen Maßnahmen ausgearbeitet würden und die Schüler auf dem Weg zur und von der Schule eng gedrängt in Bussen und auch manchen Zügen stehen oder sitzen müssten.

Viele Kommunen verweisen nach seinen Worten darauf, dass ihnen das Geld für den Einsatz von mehr Bussen fehle. Dieses Argument will Ekinci nicht gelten lassen. «Als die Banken in Schieflage waren, wurden sie gerettet», sagte er. Hier aber gehe es um die Gesundheit der Kinder. Covid-19-Infektionen an mittlerweile zahlreichen Schulen bis hin zur Schließung ganzer Schulen machten deutlich, dass die «Einschläge» immer näher kämen, so Ekinci. «Wir brauchen eine Regie.» Es müsse ein Plan ausgearbeitet werden, der den kompletten Schultag einbeziehe – vom Start an der Haustür morgens bis zur Rückkehr am Nachmittag.

Aufgabenträger für die Schülerbeförderung ist der Landkreistag. Die Leistungen werden teils von den Kommunen über die Kreisumlage sowie die Umlage für den Öffentlichen Personennahverkehr gezahlt. dpa

Hessens Kultusminister meint, die Schulen seien „hervorragend aufgestellt“ – die GEW spricht von „Realitätsverlust“

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5 KOMMENTARE

  1. Es ist OHNE WORTE:
    DER glaubt das wirklich selbst ….
    MP Bouffier sprach : „Der Schulbetrieb startete unter den aktuellen Umständen *relativ* gut.
    Er verschwieg zu sagen, relativ zu was … Das war auch gut so!

  2. Klar ist es kein Hotspot !!!Fragt sich nur warum .ICH weiß es ,Sie testen nicht. Da die Kapazität im Gesundheitsamt in Wiesbaden erschöpft ist.
    Unser Kind muss 14 Tage in Quarantäne, das Gesundheitsamt ruft jeden Tag an.in der Klasse ist ein Kind positiv auf CoVid19 getestet worden.
    Lehrer ,Kinder und auch Eltern wünschen sich die Kleingruppen wieder, aber dann könnte man angeblich nicht benoten.was ein Quatsch sagen sogar die Lehrer und die müssen es doch wissen. Kein Herr Lorz und auch nicht das Schulamt kann so etwas wissen,denn Sie sitzen nicht in der Schule ,an der Front wie unsere Lehrer die soviel leisten.
    Ach und die Geschwister Kinder müssen schön weiter in die Schule ,ob der eigene Bruder wie gesagt mit einem Kontakt hatte der positiv ist. So ein Quatsch.
    Wacht mal auf und schwingt nicht nur reden ,die so auch nicht stimmen!!!

    • In meiner Klasse auch. Jeden Tag fehlen mindestens 2 Kinder wegen Schnupfen und Husten. Getestet wird von den örtlichen Kinderärzten aber nicht. Wenn die Kinder ansonsten „fit“ sind, dürfen sie nach 48 Stunden ohne Symptome wieder kommen. Erfahrungsgemäß fehlt kurz darauf dann der Sitznachbar…

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