Eine höhere Schulbildung schützt wohl doch nicht zwingend vor Demenz

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DUISBURG. Schützt eine längere Schulzeit vor Demenz oder hilft zumindest sie abzumildern? Worauf frühere Studien Hoffnung gemacht haben, hat nun der Duisburger Gesundheitsökonom Martin Karlsson widerlegt.

Demenz ist grausam – Schulbildung allein kann Menschen davor nicht bewahren. Illustration: Shutterstock

Bildung schafft eine „kognitive Reserve“, die im höheren Alter vor Demenz schützen kann. So in etwa lassen sich Ergebnisse einiger Studien zusammenfassen, die darauf hingedeutet hatten, dass ein höheres Bildungsniveau bis zu einem gewissen Grad vor Demenz schützen kann. Um bis zu sieben Prozent sollte jedes Schuljahr das Risiko verringern, im Alter daran zu erkranken. Gesundheitsökonom Martin Karlsson von der Universität Duisburg-Essen (UDE) und ein internationales Team vom Stockholmer Karolinska-Institut, der Schwedischen Universität Lund, dem Irving Medical Centre und der Columbia University haben einen langen Atem bewiesen und diesen kausalen Zusammenhang nun widerlegt – anhand einer Schulreform, die vor 80 Jahren die Schulzeit in Schweden verlängerte.

Bildung galt als vielversprechender Faktor, mit dem sich das Risiko einer Demenzerkrankung aktiv verringern ließ – und tatsächlich ist eine Korrelation zu erkennen: Alzheimer und ähnliche Krankheiten treffen häufiger Menschen mit geringem Bildungsabschluss als Akademiker. Doch ist es tatsächlich die Bildung an sich, die den schützenden Effekt hat?

Nicht unbedingt, sagen die Wissenschaftler um Karlsson. Jahrelang haben er und seine Kollegen Archive durchforstet nach Informationen zur Reform der schwedischen Volksschule zwischen 1930 und 1950. Damals wurde nach und nach landesweit die Schulpflicht von sechs auf sieben Jahre verlängert. „Genau das ist der springende Punkt“, erklärt Karlsson. „Sie war verpflichtend für alle 13-Jährigen, unabhängig von Intelligenz, Charakter, sozialem Umfeld oder anderen Faktoren, die normalerweise die Entscheidung beeinflussen, wie lange man zur Schule geht.“ So verglichen die Forscher die unterschiedlich lange Ausbildung mit Demenzdiagnosen von 1,3 Millionen Menschen der Geburtsjahrgänge 1920 bis 1936.

Eine im letzten Jahr vom Team um Karlsson anhand der schwedischen Daten durchgeführte Studie zum Arbeitsmarkterfolg zeigte, dass die verlängerte Ausbildung keinen nennenswerten Einfluss auf den Status im späteren Leben hatte. Berufswahl und Einkommen veränderten sich nach der Reform im Durchschnitt nicht, damit ebenso wenig die Möglichkeiten zur gesunden Ernährung oder Krankenversorgung. Somit konnten die beteiligten Ökonomen, Epidemiologen und Psychologen sicher sein, tatsächlich nur den Einfluss des zusätzlichen Schuljahres zu untersuchen.

Dass es zwar eine Korrelation zwischen beiden Aspekten, aber keine Kausalität gibt, hänge also eher an den Voraussetzungen, die Schüler aus welchen Gründen auch immer mitbringen. „Wichtige Faktoren für den schulischen Erfolg –zum Beispiel Intelligenz oder sozioökonomischer Hintergrund – beeinflussen auch unseren Alterungsprozess“, erklärt Karlsson lapidar. (pm)

Schulzeitstudie: Längere Unterrichtsdauer verbessert das Einkommen signifikant

 

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