Freischuss für Abiturienten im Herbst? Philologen weisen SPD-Vorschlag zurück

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DÜSSELDORF. Die SPD-Opposition im nordrhein-westfälischen Landtag fordert umfassende Hilfe für die Schüler im Land – auch für die Abiturienten. Sie hat sich angesichts der Corona-Einschränkungen für einen «Freischuss» bei den Abiturprüfungen in diesem Jahr ausgesprochen. Das würde kurzfristig Druck von den Schülern nehmen, «gerade in der jetzigen Situation, wo viele Jugendliche sehr nervös sind», sagte der SPD-Schulexperte und stellvertretende Fraktionschef Jochen Ott in Düsseldorf. Der Philologenverband hält das für keine gute Idee.

Unter welchen Bedingungen die Prüfungen ablaufen, ist noch unklar. Foto: Shutterstock

Die Abiturprüfungen dieses Jahr ganz zu streichen und Abschlüsse auf Basis von Durchschnittsnoten zu vergeben? Das will die SPD nicht. Bei den Abiturienten dieses Jahrgangs stelle sich die Frage, ob sie angesichts der coronabedingten Ausfälle bei den Halbjahresnoten «zeigen konnten, was sie drauf haben», sagte Ott. Für viele Schüler wäre es daher wahrscheinlich ein Vorteil, wenn sie die Abiprüfungen machen könnten. Stattdesssen spricht sich der bildungspolitische Sprecher für einen «Freischuss» bei den Abiturprüfungen aus. Konkret: Für den Herbst solle ein «zweiter Prüfungskreislauf» angeboten werden.

Philologenverband: «Im Herbst müssen sich die Schüler ja bereits an den Universitäten einschreiben»

Der Philologenverband weist die Forderung zurück. «Es könnte dann passieren, dass das NRW-Abitur bundesweit nicht mehr anerkannt wird», sagte die Vorsitzende Sabine Mistler der «Rheinischen Post». Einige Bundesländer hätten bereits mit den Abiturprüfungen begonnen. Eine solche Regelung für eine freiwillige Wiederholungsmöglichkeit im Herbst berge überdies terminliche Probleme: «Im Herbst müssen sich die Schüler ja bereits an den Universitäten einschreiben.» Um die Abiturienten zu entlasten, müssten hingegen alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, ihnen eine größere Auswahl bei den Abituraufgaben zu ermöglichen, erklärte sie.

NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) hatte bereits erklärt, dass das Land trotz der Corona-Krise gemäß einer Vereinbarung der Kultusministerkonferenz (KMK) auch in diesem Schuljahr an Abschlussprüfungen festhalte. Das gelte für das Abitur und auch für die mittleren Schulabschlüsse.

Angesichts der mindestens sechs Wochen dauernden Schulschließungen im Corona-Lockdown bis 14. Februar fordert die SPD-Opposition umfangreiche Sofortmaßnahmen für die Schüler im Distanzunterricht. Ein entsprechender Eilantrag wird diese Woche im Plenum debattiert. SPD wie auch Grüne fordern eine Unterrichtung des Landtags durch Gebauer. Die CDU/FDP-Landesregierung habe immer noch keinen Fahrplan, wie es nach dem 14. Februar an den Schulen weitergehen solle.

«Ich gehe nicht davon aus, dass am 15. Februar die Klassen wieder komplett voll sind»

Die nächsten drei Wochen müssten dafür genutzt werden, dass an jeder Schule in NRW ein Wechselmodell aus Fern- und Präsenzunterricht vorbereitet werde, sagte Ott. «Ich gehe nicht davon aus, dass am 15. Februar, pünktlich zum Rosenmontag, die Klassen überall in Nordrhein-Westfalen wieder komplett voll sind.» Er gehe eher von Wechselmodellen im Unterricht «bis mindestens Ostern» aus, so der SPD-Schulpolitiker. Solche Modelle hätte man längst erarbeiten können. Die schwarz-gelbe Landesregierung habe das aber nicht gewollt. «Wann akzeptiert man endlich: Es ist kein normales Schuljahr», sagte Ott.

Da bis zum 14. Februar kein normaler Unterricht in den Klassen laufen kann, legte die SPD ein eigenes Sofortprogramm vor. Unter anderem fordert sie kostenlose SIM-Karten für Schüler, damit sie problemlos zum Beispiel mit Tabletcomputern am digitalen Distanzunterricht teilnehmen können. Das würde Kindern und Jugendlichen helfen, die zu Hause keine ordentliche Internetverbindung haben. «Das Land und gegebenenfalls große Wohnungsbaugesellschaften sollen parallel aktiv für WLAN-Patenschaften in den Nachbarschaften werben», heißt es in dem Maßnahmenkatalog der SPD.

«Es gibt nämlich auch Schulen, da sind die Kinder am Nachmittag richtig platt»

Kinder oder Jugendliche, die zu Hause kein eigenes Zimmer hätten oder mit mehreren Geschwistern in einer kleinen Wohnung lebten, müssten sofort die Möglichkeit bekommen, in Ruhe in den Schulen zu arbeiten. Kinder müssten auch «gesehen werden», sagte Ott. Gerade sozial benachteiligte Schüler brauchten jetzt einen festen Ansprechpartner. Über alle sozialen Schichten hinweg gebe es Schüler, die unter dem Lockdown litten «und in dieser Form der Zwangsisolation seelischen Schaden nehmen», heißt es im SPD-Programm. Ott sagte: «Viele Kinder sind seelisch sehr belastet, viele Eltern gehen am Stock.»

Gerade in den Grundschulen müssten die Kinder – «und wenn es nur für ein Stunde ist» – in kleinen Gruppen die Lehrer treffen können. Auch ein kommunales Sorgentelefon für Eltern und Kinder müsse aufgebaut werden. Das Land solle zudem zentral Luftfilteranlagen für Schulen beschaffen und besonders den Förderschulen bereitstellen. Der Distanzunterricht müsse genau analysiert werden. «Es gibt nämlich auch Schulen, da sind die Kinder am Nachmittag richtig platt», sagte Ott. Manche Schüler säßen sieben bis acht Stunden am Rechner. Ott sprach sich auch gegen ein vorschnelles Streichen der beweglichen Ferientage etwa zur Karnevalszeit oder im Frühsommer aus. News4teachers / mit Material der dpa

Trotz Corona: „Die Lehrpläne und die Abiturvorgaben gelten unverändert“

 

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2 KOMMENTARE

    • Es gibt doch so oder so einen Nachprüfungstermin im Spätsommer.
      Entscheidend ist doch zunächst einmal die Zulassung zum Abi, d.h.:
      Die erforderliche Mindestzahl der Punkte aus der Q1 und der Q2 muss erreicht sein und es dürfen keine Minderleistungen in einzelnen Fächern vorliegen.
      Danach kommen dann die beiden schriftlichen Prüfungen in den Lk-Fächern und eine weitere schriftliche im dritten Abi-Fach auf GK-Ebene sowie die mündliche Prüfung im vierten Abi-Fach. Wenn die Mindestpunktzahl im Abi nicht erreicht worden ist, kommen die mündlichen Abweichungsprüfungen.
      Sollten die Abi-Prüfungen nicht bestanden sein, kommt es ohne dass der Delinquent wieder zum Unterricht muss zur Nachprüfung, bei der alle Prüfungsteile noch einmal wiederholt werden müssen. Diese Termine finden in jedem Jahr ganz regulär statt.

      Wenn die Mai-Termine der nullte Versuch wären, würden die Prüfungen zum Nachschreibtermin als erster versuch gelten. Wird der ebenfalls nicht bestanden und der Prüfling gibt sich nicht mit der FHR zufrieden, muss wieder in die Q2 eingetreten werden und es erfolgt der zweite und damit letzte Versuch im Mai des Schuljahres.

      Warum wir hier Abiturienten etwas verwehrt, was bei den juristischen Hochschulexamen aka erste Staatsprüfung gang und gäbe ist? (vermutlich weil dann einige Schulminister*innen bis auf Frau G. angeben müssten, wie viele Schüsse sie gebraucht haben.)

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