Dreckige Klassenräume: Bündnis fordert Rekommunalisierung der Schulreinigung

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BERLIN. Die Reinigung der Berliner Schulen gehört nach Ansicht von Gewerkschaften und der Bürgerinitiative Schulen in Not nicht in die Hand privater Unternehmen. Mit Blick auf die Wahlen zum Abgeordnetenhaus im September hat das Bündnis für Saubere Schulen, an dem neben der Initiative auch DGB, GEW, Verdi und die IG BAU beteiligt sind, am Mittwoch erneut die Rekommunalisierung der Schulreinigung gefordert. Dadurch sollen die Schulen sauberer und die Arbeitsbedingungen der Reinigungskräfte besser werden. Susanne Kühne von Schule in Not kritisierte, es gebe zwar inzwischen oft anerkennende Worte aus der Politik. «Aber es ist nichts passiert.»

Viele Kommunen sparen bei der Reinigung der Schulen. Foto: Shutterstock

Das Bündnis verlange von der rot-rot-grünen Koalition, sich klar zur Rekommunalisierung der Schulreinigung zu bekennen. Die Reinigungskräfte sollten bei den Bezirken angestellt werden, und die Bezirke endlich Druck machen und dem Senat mitteilen, wie viele Stellen zur Schulreinigung nötig seien, sagte Kühne.

Die Berliner GEW-Landesvorsitzende Doreen Siebernik ergänzte, es gebe die Erwartung an die Parteien, das Thema in ihre Wahlprogramme aufzunehmen. «Wir fordern eine verlässliche Schulreinigung», so Siebernik, «und dass die Kollegen ordentlich bezahlt werden.»

Jens Korsten von der für die Reinigungsunternehmen zuständigen Gewerkschaft IG Bau ergänzte, die Reinigungskräfte hätten derzeit acht Minuten Zeit für ein Klassenzimmer. «Die Ergebnisse kennen wir leider.» Der Druck in der Branche sei groß, mit dem Putzen schnell fertig zu werden. «Private Unternehmen sind nicht Teil der Lösung, sondern des Problems.»

Erich Mendroch vom Verdi-Landesbezirk Berlin-Brandenburg kritisierte, jahrelang sei bei der Auswahl der Reinigungsunternehmen vor allem auf den Preis geschaut und der günstigste genommen worden. Dabei sei Schulreinigung gerade vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie ein Beitrag zum Gesundheitsschutz. Das Thema Schulreinigung ist ein Dauerthema in Berlin. Die Forderungen des Bündnisses für Saubere Schulen haben 2020 mehr als 25.000 Menschen in Berlin mit ihrer Unterschrift unterstützt. dpa

Nur eineinhalb Minuten Putzzeit pro Klassenraum? Initiative macht mobil

 

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6 KOMMENTARE

  1. Liebe Redaktion, die Überschrift sollten Sie auf Rekommunalisierung abändern. Die Kommerzialisierung ist ja das Problem …

  2. Meine GS wird gerade saniert. Bei der Planung wurden Lehrer, Schüler und Eltern nach Wünschen gefragt. Ein Wunsch der Lehrer war: Waschbecken in allen Klassenräumen wieder installieren (waren am Anfang da, wurden aber nicht wieder ersetzt, wenn im Laufe von 30 Jahren mal kaputt), dieser Wunsch wurde vor Corona abgelehnt, weil nicht wichtig? Beginn der Sanierungsarbeiten, gleichzeitig Beginn Pandemie – erneute Frage nach Waschbecken im Klassenraum. Wieder abgelehnt. Begründung: Waschbecken sind vor allem zum Reinigen der Tafeln notwendig, die Schule wird jetzt mit Smartboards ausgestattet. Aber wir Lehrer sollen die Tische usw. regelmäßig abwischen, Schüler sollen sich oft die Hände waschen (vor und nach dem Essen, nach dem Nasepützen, Popeln usw. – dazu müssen Lehrer und Schüler über den ganzen Flur, Aufsicht in den Toilettenräumen, Kontrolle? Hygiene und Gesundheitsschutz, super!

    • Hallo potschemutschka,
      jeder aus ihrem Kollegium sollte eine Überlastungsanzeige stellen, in der Sie darlegen, wie diese Umstände sie an der korrekten Ausübung ihrer Dienstpflicht hindern. Das geht ja von der Unterrichtszeit ab, die nicht zu bewerkstelligende Aufsichtspflicht nagt an Ihnen usw…
      Die SL gibt das dann gesammelt nach oben weiter und dann kommt die Order von der richtigen Stelle.

      Unsinnig, dass es so etwas braucht, aber meiner Erfahrung nach wirksam.

  3. Ja, das wäre gut. Und wenn Kommunalpolitiker einmal zur Probe putzen würden, wüssten sie auch, wie viele Stunden für Reinigungsarbeiten veranschlagt werden müssten.
    Aus Kitas kenne ich es, dass nur wischi-waschi geputzt wurde, weil die Kolonne nicht bereit war, weit über die veranschlagte Arbeitszeit hinaus zu arbeiten. Auch wurde nur jeden zweiten Tag geputzt und an den anderen Tagen nur gefegt, was dann dazu führte, dass Erzieherinnen immer wieder die tüchtige Hausfrau rauskehrten…

  4. Das kenne ich genauso von der Grundschule vor Elternsprechtagen, Tagen der offenen Tür und anderen Gelegenheiten, an denen sich Schule für Außenstehende öffnet. Will man mal wieder Bilder aufhängen, Regalinhalte erneuern und umräumen etc. steht LuL nachher da mit allerschmutzigsten Händen. Auch 1 (!) Grundreinigung pro Jahr ist viiiiel zu wenig. Man stelle es sich in der eigenen Wohnung vor, igittigitt! Dabei “ leben“ jeden Tag 20- 30 Personen über mehrere Stunden in einem Raum! Und der Staub, der über das gesamte Jahr überall auf Schränken und Ablagen liegen bleibt, besteht zu einem großen Teil aus Hautpartikeln!! Liest du hier:
    https://www.chemie.de/lexikon/Hausstaub.html
    Darüber nachgedacht, erhebt sich mein Mageninhalt leicht in umgekehrter Richtung zur Erdanziehung..

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