Am Bedarf vorbei: Lehrerverband kritisiert vom Land beschaffte Dienst-Endgeräte

15

DARMSTADT. Angesichts der Übergabe der ersten 1.000 dienstlichen Endgeräte an hessische Lehrkräfte in Darmstadt zeigt sich der Deutsche Lehrerverband Hessen (dlh) wenig begeistert. Die dlh-Landesvorsitzende Annabel Fee erläutert: „Einerseits begrüßen wir den Einsatz von 50 Millionen Euro aus dem Digitalpakt Schule, um die digitale Ausstattung der Lehrerinnen und Lehrer zu verbessern. Andererseits sehen wir die Genese der Beschaffung, die Qualität der Geräte und die Folgen aus beiden für die Schulen in Hessen kritisch.“

Schlägt Budgetlösung vor: Annabel Fee, Vorsitzende des Deutschen Lehrerverbands Hessen. Foto: dlh

Der dlh hat die Entwicklung verfolgt und moniert nun konkret folgende Punkte:

  • „Jedwede Möglichkeit der Mitbestimmung von Personalräten bei der Auswahl der Geräte wurde durch Verweis auf die Zuständigkeit der Schulträger ausgehebelt. Die in Aussicht gestellten Dienstgeräte entsprechen nicht dem heutigen Stand der Technik. Es handelt sich um ein völlig veralteten Fujitsu Lifebook und ein mittelklassiges Apple iPad.“
  • „Der nun beschrittene Weg geht völlig an den individuellen Bedarfen der Lehrkräfte vorbei: Wer sich bereits privat ein digitales Endgerät beschafft hat, erhält nun möglicherweise ein schlechteres oder verzichtet gar ganz. Denn eine Budgetlösung, bei der Gelder für ein unter bestimmten technischen Vorgaben angeschafftes Geräts gezahlt werden, steht nicht zur Auswahl.“
  • „Die wichtigen Fragen nach dem Anwendersupport, der Pflege der Geräte und der softwaretechnischen Ersteinrichtung seien durch das Land Hessen nicht geklärt.“
  • „Es ist nicht absehbar, ob und wie lange die Bediensteten Zugriff auf die zur Verfügung gestellten Endgeräte haben werden. Es handelt sich um „Leihgeräte zur Bewältigung des Distanzunterrichts während der Pandemie“ (O-Ton des HKM). Was geschieht mit ihnen nach dem Ende der Pandemie?“

Außerdem sei nun ein großer Flickenteppich bei der digitalen Ausstattung entstanden.  Boris Krüger, Sprecher des Lehrerverbands, konstatiert: „Uns sind Schulträger bekannt, die aus eigenen Mitteln die Gelder aus dem Digitalpakt aufgestockt und  mit der Hessische Zentrale für Datenverarbeitung (HZD) die Beschaffung besserer Geräte vereinbart haben. Andere fordern von den Schulen die Festlegung auf eines der beiden genannten Endgeräte, um jede Schule einheitlich mit einem Gerätetypen auszustatten. Der Landkreis Limburg-Weilburg verlangt sogar von den Lehrkräften ohne Votum eine Verzichtserklärung, sodass nicht geklärt ist, ob ihr Anspruch auf dienstliche Leihgeräte damit dauerhaft erlischt.“

Die Erfahrungen des Verbands zeigten aber auch, dass es durchaus möglich sei, mit der HZD Sondervereinbarungen zu treffen, sofern beim Schulträger die Bereitschaft dazu vorhanden sei. Die dlh-Landesvorsitzende Annabel Fee schlägt als Kompromiss vor: „Da die 73.000 Endgeräte ohnehin auf mehrere Chargen aufgeteilt eintreffen dürften, könnte das Vorgehen bis zum Eintreffen der letzten Charge durchaus noch seitens des Landes angepasst werden. Auch die von vielen Lehrkräften favorisierte Budgetlösung wäre damit noch nicht vom Tisch.“ News4teachers

Lehrer-Laptops – absurde Regel: Lehrer in Teilzeit sollen sich Gerät teilen

Anzeige


15 KOMMENTARE

  1. Ist korrekt. Habe ein 32gb Ipad WiFi erhalten. Damit soll ich jetzt Excel breiben, Dokumente erstellen oder Material bearbeiten?
    Dazu eine Drittanbieter-Tastatur ohne Maus. Läuft……

    • Ein iPad ist aus meiner Sicht nicht für ein produktives Arbeiten gedacht. Für die Präsentation über ein AppleTV am Beamer in der Schule (falls vorhanden …) sind iPads aber ideal. Ich habe das Glück, das 32GB iPad mitsamt Logitech-Tastatur (die ich aber nicht nutze, da mir viel zu sperrig und schwer) und genialem Apple Pencil bekommen zu haben. Für die Schule ist das super, produktiv arbeite ich am heimischen PC mit großem Monitor.

    • Habe ich auch. Ersetzt natürlich den PC zu Hause nicht, macht aber erheblich besseren Distanzunterricht und wird von der Stadt verwaltet. Und da die Schüler auch eins haben und die Klassenräume AppleTV, kann man auch in der Schule viel besser damit arbeiten als mit einem 17- Zoll- Laptop. Die Frage ist natürlich, wofür so ein Dienstgerät in erster Linie sein soll, für mich sehe ich die aber korrekt beantwortet.

      • Eigentlich sollte ein Dienstgerät doch DSGVO-konformes verarbeiten von Schülerdaten ermöglichen. Das ist über private Geräte nicht (oder nur sehr eingeschränkt) möglich.
        Dafür eignen sich IPads aber nicht. Zeugnisprogramme laufen darauf im Zweifel nicht.
        In meinen Augen geht die Entwicklung am Ziel vorbei. Es geht ja nicht nur ums Präsentieren im Unterricht.

    • Hier ohne Maus und ohne Tastatur.
      Taugt kaum, aber ist nun mal feinster Hipster-Lifestyle. Eben was man sich bei den Verantwortlichen so als passend und praktisch vorstellt.

      • Nicht ganz. Hipster benutzen iPad Pros 🙂

        Im Ernst: Die iPads sind sehr viel einfacher zu administrieren und Apple garantiert fünf Jahre Betriebssystemupdates. Bei Tablets auf Android-Basis muss man danach suchen und Notebooks für die Preisklasse bis 500€ sind schwer, billig und kaum fünf Jahre lang nutzbar.

      • Kein Hipster würde sich mit so einem Teil in der Öffentlichkeit erwischen lassen. Dafür gibt es sowas wie die MacBooks ab 1k€ aufwärts. Tatsächlich ist das kleine iPad ein gutes Arbeitsgerät, wenn es ordentlich verwaltet wird und drumherum auch die passende Apple-Infrastruktur bereitsteht. Zumal das auch für unter 500€ im Leasing-Vertrag kommt und damit in der Schule versichert ist, bzw. man sofort ein Ersatzgerät bekommt, wenn mal was dran ist. Das sind allerdings natürlich drei ganz dicke Wenns, die wahrscheinlich in den wenigsten Fällen alle erfüllt sind. Aber es ist auch ziemlich egal, was für ein Dienstgerät man bekommt, wenn diese zentralen Fragen nicht ordentlich bedacht wurden.

  2. Bei uns gibt es nach wie vor gar keine Dienstgeräte. Es sollen aber die schon genannten iPads werden, irgendwann – allerdings ohne jegliches Zubehör. Das muss man sich dann selbst dazu kaufen, wenn man es benötigt.
    Sie sollen wohl auch hauptsächlich zu Verwaltungszwecken dienen – vor allem als Klassenbuchersatz. Für den Unterrichtseinsatz sind sie nur zweitrangig gedacht… Klingt schon extrem durchdacht. Aber unsere Schüler haben ja auch keine Endgeräte. Insofern passt das schon zusammen.

  3. Wahnsinn! Damit ist Hessen aber doch ganz vorne.

    Wo gibt es denn sonst überhaupt schon irgendwelche digitalen Endgeräte?

    Die anderen Länder warten lieber bis Covid-25 oder -30…

  4. Es macht eigentlich fassungslos, wenn das HKM Mal wieder folgenlos beweisen darf, dass mittlerweile mit allem hiffnungslos überfordert ist- und Mal wieder folgenlos.

  5. Es ist sehr schade, dass hier ein Teil der Kolleginnen und Kollegen die Schuld immer gleich bei den Politikern suchen. Möglicherweise steckt die Schuld nämlich auch beim Schulträger…
    Hier in der Umgebung (Baden-Wü) haben die Schulträger Kontakt zu ihren Schulen aufgenommen und diese gefragt, welche Geräte bzw. Geräteklassen gewünscht sind – immerhin wissen die Schulen dies am Besten. Ja, da steckt auch Arbeit dahinter – beim Schulträger und den Verantwortlichen an den Schulen. An vielen Schulen hier im Umkreis wurde dann per Umfrage im Kollegium ermittelt, welches System gewünscht ist – natürlich mit dem Zutun der EDV-Verantwortlichen in den Schulen bzw. Kreismedienzentren, wenn es an Schulen keine „EDV-Experten“ gibt. Anschließend haben die Schulen unterschiedlich agiert: einige Schulen haben (nackte) (Windows-)Geräte angeschafft, die dann die Kolleginnen und Kollegen selbst mit Software bespielen konnten (die Probleme waren natürlich vorprogrammiert – allerdings gibt es auch hier Vorteile des Systems). Wir sind so verfahren, dass die Windows-Convertibles von einer Firma fremdgewartet werden. Wenn es Fragen oder Probleme gibt, wenden sich die Kollegen an diese Firma. Die angeforderten iPads der Kolleginnen und Kollegen administriere ich als Kollege – weil das per MDM-Mangement sehr einfach geht. Logischerweise haben wir diese mit Stift, Tastaturcover und Apple-TVs (!) für jeden Raum bestellt, alles andere macht aus meiner Sicht überhaupt keinen Sinn und wurde auch so im Vorfeld mit der Schulleitung und dem Schulträger kommuniziert. Warum hier Schulträger laut Auskunft der Kommentatoren hier so verfahren, ist mir ein Rätsel. Das ist schon wieder eine Flickschusterei, wenn Personen beim Schulträger Entscheidungen treffen, die von „Schule“ und „Unterricht“ keine Ahnung haben und ausschließlich die Kosten als einziges Kriterium ansehen.

    • MDM geht mit Microsoft noch viel einfacher und vor allem praxisgerecht, nennst sich Intune und ermöglicht es auf Business-Niveau für Datensicherheit zu sorgen. Naja, zumindest setzen die meisten Firmen darauf, unsere Bundesregierung lässt sich dagegen lieber von Scriptkiddies hacken und beschwert sich dann bei den Russen. Manchmal sollte man einfach jemanden Fragen der sich damit auskennt. Tipp: Firmen haben ein sehr großes Interesse an der Sicherheit der eigenen Daten 😉
      -> einfach mal denen Nachmachen…
      Aber bei den Ausführungen hier wundert mich nichts mehr. Nun ist mir klar warum aus unserem Schulsystem nur noch unbrauchbarer IT Nachwuchs herauspurzelt welcher nicht mal ansatzweise mit einem Dateisystem umzugehen imstande ist. Das ist das Ergebnis, wenn man Apple Spielzeuge verwendet.
      Bitte liebe Lehrkräfte. Geht doch einfach mal in die Industrie und schaut da in die Produktionen und EDV Systeme rein. Ich kenne keine Automatisierungsanlage die mit MacOS läuft *lach*
      Genauso ist mir auch kein industrielles Unternehmen bekannt bei denen in der IT das Haupt-Betriebssystem von Apple gestellt wird. Vielleicht maximal ein iPhone oder iPad fürs Management als Statussymbol, aber für bissel Email und Kalender sind die auch ausreichend.
      Sorry, aber bitte wacht mal auf. Das was unsere Schulen IT wissenstechnisch auf die Berufswelt loslassen ist echt ein Armutszeugnis!
      Ich habe ab der 7. Klasse meine eigenen PCs zusammengebaut, angefangen mit 286er. Solch ein Wissen könnt Ihr heute doch gar nicht mehr vermitteln! Und glaubt nicht das dies heute nicht mehr nötig sei, das ist es nämlich schon! Ich konnte damals noch ein Wissen mitbringen, heute müssen die Schulabgänger meist alle bei Null anfangen da es in der Schule nur „Klicki-Bunti“ Tablets gab.
      Probiert einfach mal ein Microsoft Surface aus, das sind Arbeitsgeräte ohne Grenzen. Sorry, aber was ist Apple TV? Kann das bitte weg? Benutzt doch bitte einen Standard wie Miracast das plattformübergreifend unterstützt wird, außer von Apple da die ja nur deren eigenes Zeug verkaufen wollen und gar nicht an einem plattformübergreifenden Standard interessiert sind.
      Ich bitte euch, unsere Kinder müssen in der Berufswelt später mal arbeiten, nicht spielen!

      • Ich stimme ihnen fachlich uneingeschränkt zu – und das als Lehrer (lediglich im Ton, finde ich, hätten sie sich passender ausdrücken können – ich mag es z.B. gar nicht von Fremden einfach geduzt zu werden).

        Das Problem sehe ich auf mehreren Ebenen:
        Ohne richtige Informatiklehrer haben sie nur „Liebhaber“ an den Schulen, die sich dem Thema annehmen (da fängt das Problem schon an). Das sind dann aber oft eben eher Fashionvictims, oder wie ich die Obstfreunde nenne, „Sektenjünger“, die mehr hippen Spielkram machen als wirklich informatorisch zu bilden, aber gleichzeitig sehr viel Zeit und Engagement dafür aufbringen, nicht nur an einer Schule, andere zu missionieren. Ein derartiges Verhalten ist mir bei Pinguinfreunden oder Fensterbenutzern noch niemals untergekommen – man zähle einfach nur die rumgefahrenen Autoaufkleber.

        Die Kollegen mit noch weniger Ahnung, meist älteren Alters, sind dem dann meist schutzlos ausgeliefert, halten sich heraus oder es ist ihnen egal.
        Und da dieser Kollege („weil er Ahnung hat“) sich dann mit dem Schulträger auseinandersetzt… ja, was wird dann wohl am Ende dabei herauskommen?

        Letztendlich ist es dem Schulträger auch egal (ohnehin haben deren Administratoren schon genug mit der Wartung der Computerkabinette aller Schulen und der IT der Behörden zu tun und sind grundsätzlich unterbesetzt). Hauptsache, er kann sagen, dass er etwas gemacht hat.

        Und eines dürfen wir auch nicht vergessen, das wirklich große Talent des Herstellers, sich erfolgreich zu vermarkten.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here