Wie umgehen mit Lernlücken? VBE nennt Karliczeks Nachhilfe-Milliarde eine Bankrotterklärung

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MAINZ. Im Distanzunterricht in der Corona-Pandemie sind bei Schülern teils große Wissenslücken entstanden. Daher ist der Run auf private Nachhilfe derzeit groß. Diese künftig vom Staat finanzieren zu lassen, hält der VBE für eine „Bankrotterklärung“. Er fordert stattdessen, die Schulen personell besser auszustatten – mit multiprofessionellen Teams, die stärker auf die individuellen Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen eingehen können.

Anja Karliczek. Foto: Jan Zappner/re:publica/ Wikimedia Commons (CC BY-SA 2.0)

Vor allem gefragt ist Mathe. Aber auch Deutsch, Englisch oder Latein. Schon vor Corona hätten sich zunehmend Schüler zur Nachhilfe angemeldet, sagt der Geschäftsführer des Instituts Schülerhilfe Trier, Marcel Monz. Aber mit der Pandemie sei die Nachfrage in Trier noch mal deutlich gestiegen. «Viele Kinder haben Riesenlücken. Das wird sie noch mehrere Jahre beschäftigen.» In seinem Lerninstitut unterrichten und unterstützen bis zu 50 Kräfte Schüler von der Klasse 1 bis 13 – plus Studenten.

Auf um die 30 bis 40 Prozent schätzt der Landeselternsprecher in Rheinland-Pfalz, Reiner Schladweiler, die Wissenslücken, die sich bei Schülern im vergangenen und in diesem Schuljahr angesammelt hätten. «Nicht bei allen, aber doch bei vielen.» Er vermutet, dass inzwischen jedes fünfte Kind Nachhilfe bekommt. Wie diese Lücken aufgefangen werden könnten? Das sei ein Thema, «dass wir im Land möglichst schnell angehen müssen».

«Es wird nicht einfach, aber wir brauchen Lösungen, um nach den Sommerferien voranzugehen»

Er denkt dabei an einen großen Tisch, an dem Bildungsministerium, Schulen, Lehrer und Eltern an einem «Rundumschlag» arbeiten sollten. «Es wird nicht einfach, aber wir brauchen Lösungen, um nach den Sommerferien voranzugehen», sagt Schladweiler. Eine Option sei das freiwillige Wiederholen eines Schuljahres. Aber auch mehr Geld für Lehrkräfte oder Bildungsgutscheine für finanziell schwache Familien, um Nachhilfe zu bezahlen, seien sinnvoll.

Letztes sieht der Lehrerverband Bildung und Erziehung (VBE) kritisch. «Die finanziellen Spritzen brauchen wir für mehr gut ausgebildetes Personal und multiprofessionelle Teams», teilt die Sprecherin des Verbandes in Mainz mit. Den Lehrern sei bekannt, dass die Pandemie bei vielen Schülern zu Lernrückständen geführt habe. «Und genau die wissen am besten, wie die Rückstände wieder aufgeholt werden können.»

Die von Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) zugesagte „Nachhilfe-Milliarde“, News4teachers berichtete, sei «eine Bankrotterklärung des Bildungsministeriums», teilte der VBE weiter mit. «Das Problem wird hier erneut deutlich: Dem eigenen, gut ausgebildeten Personal wird nicht vertraut, sondern ein Programm nach dem anderen vor die Füße geworfen.» Seit Jahren gebe es neue Programme, statt Geld in die Hand zu nehmen und in Planstellen zu investieren.

Bei der Schülerhilfe Trier bekommen die Kinder aber jetzt schon Hilfe. «Ich versuche jedem, auch ohne Wartezeiten, direkt den Einstieg zu ermöglichen», sagt Monz. Bisher habe das auch geklappt, auch wenn mal der ein oder andere Tag ausgebucht sei. Er habe 16 Unterrichtsräume im Institut, aber derzeit gehe alles online. Je nach Vertragslänge koste bei ihm eine 45-minütigen Stunde 7,50 Euro.

In vielen Fällen seien auch die Eltern dahinter: Wenn sie im Homeoffice arbeiteten und nebenbei zwei oder drei Kinder beim Homeschooling unterstützten, stießen sie teils an ihre Grenzen. «Dann sagen sie zu den Kindern: „Wir ermöglichen dir Unterstützung, da kannst du alle Fragen stellen und bekommst Unterstützung – und wir können unsere Arbeit machen“», erzählt er. Das Institut setze auf Unterricht in kleinen Gruppen mit individueller Betreuung.

«Gerade wenn man mehrere Kinder hat: Wie soll man das finanzieren?»

Der hohe Bedarf an Nachhilfe werde «mit Sicherheit noch länger bestehen», sagt Landeselternsprecher Schladweiler. «Aus einem einfachen Grund: Weil das Land nicht so schnell alles auffangen kann. Wo sollen denn die viele Lehrer herkommen?» Allerdings könne sich nicht jede Familie private Nachhilfe leisten. «Gerade wenn man mehrere Kinder hat: Wie soll man das finanzieren?» Diese Entwicklung könne nicht «im Sinne eines Sozialstaates» sein.

Die kleineren Unterrichtsgruppen hätten auch die Schulen jetzt im Wechselunterricht als «Lerngewinn» entdeckt, teilt der VBE mit. Die Lehrkräfte hätten besser auf die Bedürfnisse jedes Einzelnen eingehen können. Zudem gebe es auch anderes Positives: Die Schülerinnen und Schüler lernten derzeit andere Dinge als in «regulären» Zeiten. Und: Generell habe die Eigenständigkeit der Schüler zugenommen. News4teachers / mit Material der dpa

Studierende sollen Schülern helfen, Lernlücken zu schließen – Lehrerausbilder sind skeptisch

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51 KOMMENTARE

    • Was hat denn G9 jetzt damit zu tun? Ich verstehe immer noch nicht, was viele Kollegen an dem Jahr Schauspielunterricht so wichtig finden. Immerhin sind die Bundesländer mit G8 im Ländervergleich in der Regel vorn. Dafür muss man natürlich die Lehrpläne entsprechend straffen und Schmetterlingsfächer wie „Literatur“, „Pädagogik“ oder „Ernährungslehre“ passen da vielleicht auch nicht gut rein. Möglicherweise erkennen wir nach dieser Pandemie ja mal an, dass nicht jedes private Hobby und jedes Interesse irgendeiner Lobby Einzug in die Lehrpläne halten muss, sondern Grundkompetenzen wie Lesen, Schreiben, Rechnen und logisches Denken ein besseres Fundament für Kreativität und vernetztes Denken bilden.

  1. Frage an die Redaktion: Ist dieser Artikel eine Pressemitteilung von der Schülerhilfe? Mir kommt er so vor, er ist aber leider nicht als solche gekennzeichnet.

    Zur Sache: Wenn mit „Nachhilfe ab 7,50€/45min“ geworben wird, müssen erstens die Gruppen recht groß und damit sehr gemischt bezogen auf Alter, Klasse, Schulform und Inhalt, und die Honorare für die Tutoren recht klein sein. Wie das digital funktionieren soll, ist mir schleierhaft, wenn man im regulären Unterricht die am Nachhilfe bedürftigsten Schüler am schwierigsten erreicht.

    Ich empfehle Schülern auf Nachfrage immer die private Einzelnachhilfe. Die ist wirklich individuell, Reisezeit entfällt und es kommt das gesamte vereinbarte und nur wenig höhere Honorar als bei der Schülerhilfe brutto beim Tutoren an. Der muss es halt selbst versteuern. Netto ist das aber auch dann noch immer erheblich mehr als netto von der Schülerhilfe und es kann 100%-ig auf den Schüler eingegangen werden. Übrigens empfiehlt auch das JobCenter beim Teilhabepaket ausdrücklich die private Nachhilfe.

    • Danke! Wo kann man hier unterschreiben?

      Zu den Rahmenbedingungen sei kurz ergänzt: Der Unterricht findet in der Regel in Gruppen von 10 bis 15 Schülern statt, die „Lehrer“ sind in der Regel Studenten oder Ehemalige, die für gut 10Euro pro Stunde arbeiten, während das „Institut“ knapp 100Euro bekommt.

  2. Sie sollen sich alle zusammen endlich mal fragen, was wird aus diesen Kindern, wenn sie bald ohne Eltern bleiben oder die Kinder selbs schwer erkranken, statt ständig über die verdamte Lernlücken schreien, die man immer nachholen kann.

      • Minna schonmal nach Frankreich oder England geschaut?Wieso nur glaubt man ernsthaft,das Viris verschone deutsche Kinder und Familien,nur weil es NOCH keine oder wenigd schwerkranke Eltern gibt?Und welche Eltern und Kinder long covid bekommen,kann man jetzt auch nich nicht absehen!Ich seh es auch so.Vernünftiger Infektionsschuth an Schulen hätte manche Lüclegar nicht erst entstehen lassen.

  3. Nachhilfe wäre nicht nötig, wenn Schüler immer effektiver lernen würden.
    Nachhilfe außerhalb der Schule führt gerade bei den Schülern, die wenig bildungsafin sind, schnell dazu, die SChule nicht mehr ernst zu nehmen.
    Da fallen Sprüche wie „In der Schule tun die nichts…“ oder „Der Lehrer erklärt das nie…“, glechzeitig werden schulische Lernangebote abgelehnt, weil nachmittags oder zu viel Arbeit, nicht auf schnelle Lösungen ausgelegt („Und wann machen wir meine Hausaufgaben?“).
    Kollegen werden regelrecht auflaufen gelassen – auch von Eltern, die meinen, mit Nachhilfe eine bequeme Lösung gefunden zu haben.

    Bestenfalls nützt es was; wenn nicht, geht es an den Bedürfnissen der Kinder vorbei, schlimmstenfalls werden kontraproduktive Inhalte vermittelt, der Schüler besteht die Klassenarbeit trotzdem nicht.
    Am Ende zahlt der Staat über BUT-Gelder Nachhilfe, während die Mitarbeit in der Schule teils über Jahre konsequent verweigert, Hilfsangebote nicht wahrgenommen, im Extremfall die Lernmoral einer ganzen Lerngruppe untergraben wurde.

    Man muss Geld in die Hand nehmen:
    für ausgebildete Lehrer und andere Professionen, für kleinere Lerngruppen, für veränderten Unterricht und veränderte Lernziele, für digitale Ausstattung – und jetzt in allererster Linie für technischen Infektionsschutz!!!
    Dann können die Kinder auch schnell wieder in der Schule lernen!

    • Ganz genau! Und den Eltern, denen es zu lästig ist, die kaufen sich frei- wie im Artikel beschrieben. Soll ein Dienstleister erklären und dafür sorgen, dass der Nachwuchs beim Homeoffice nicht stört, mit Fragen und Motzen nicht nervt.
      Viele Nachhilfestunden sind zudem deshalb nötig, weil die falsche Schulart gewählt wurde… gymnasiale Weihen muss nicht jeder haben, aber mein Kind schon.

      • Der Deutschlehrer meines 8-Klässlers hat die Kinder zum Teil Bilder malen lassen. Die würden dann bewertet mit: Da hättest Du Dir aber mehr Mühe geben müssen. Aha! Wie gesagt, Deutschlehrer am G8-Gymnasium. Wenn es später klemmt in Deutsch, da hat mein Sohn im Zweifelsfall bestimmt die falsche Schulform gewählt. Das bin ich so satt. In Französisch schon vorm Lockdown Schneckentempo, Lektionen einfach weggelassen als nicht so wichtig. Auf Nachfrage kommt nur, wir bekommen das schon hin. Haben Sie Vertrauen. Äh, vielleicht wird das Kind später Maler. An einer privaten von den Eltern bezahlten Kunstschule, aber nicht irgendwo, wo man Französisch spricht.

    • @kanndochnichtwahrsein
      So haben wir das auch erlebt. Morgens in der Schule nicht aufpassen, weil am Nachmittag die Nachhilfe in die Presche springt. Ehrlich den Eltern Schulempfehlungen verbindlich an die Hand geben. Schönreden ist nicht die Lösung, oft sind Eltern und Kinder maßlos überfordert und klinken sich aus, egal ob Präsenz- oder Distanzunterricht. Alles andere ist nur ministeriell verordnetes Unglück! Mir tun die Kinder leid!

    • Ganz richtig! Das ist es auch, was schon immer thematisiert wurde, auch vor Corona. Aber sämtliche Bildungsminister haben dies nicht begriffen und/oder aus irgendwelchen Gründen ignoriert. Und Frau Karliczek ist nun mal keine gute Wahl als Bildungsministerin, sie ist ideenlos, plappert nur irgendwas nach, kennt sich in der Materie so gut wie nicht aus (naja, welcher Minister tut das?). Unglaublich, wie man so begriffstutzig sein kann und derart lernresistent. Wir hatten die letzten Jahre wenig Glück mit den Bildungsminister*innen (!!!), man könnte den Posten glatt einsparen.

  4. Es ist eine Bankkrotterklärung von der Schulpolitik den Schulen, Lehrer, Schüler und Eltern gegenüber. Die Schulpolitik hat es trotz dritter Welle noch nicht anerkannt, dass es kein normales Schuljahr werden wird und noch nicht mit aller Klarheit und Ehrlichkeit ausgesprochen. Der Flickenteppich mit Förderprogramme, Zusatzstunden, oder Lernbrücken in den Ferien langen für die lange außergewöhnliche Zeit nicht aus. In BW- Mannheim ist dies bei G8 nicht zu leisten und es wäre für alle die am Schulleben beteiligt sind viel Druck und viel Streß. Die heranwachsende Generation ist schon sehr lange ausgebremst in der persönlichen Entwicklung und persönlichen Entfaltung und diese Schritte werden mit großer Sehnsucht erwartet. Herr Ralf Scholl vom PhV-BW hat ein Corona Aufholjahr G9 gefordert ab September 2021 um der Schülergeneration eine angemessene Aufarbeitungsteizeit zu geben. Dieser Vorschlag ist eine langfristige und tragende Lösung und ich wünsche Hernn Scholl der sich sich sehr in dieser außergewöhnlichen Zeit für die Schulen, Lehrer, Schulleitungen, Schüler und Eltern eingesetzt hat, sein Anliegen Gehör findet. Er ist seinem Weg treu geblieben und hat in der Krise mit viel Ausdauer und Nachdruck für eine gerechte Aufarbeitungszeit gekämpft. Die Pandemie ist in allen Schichten angekommen und hat bei allen sozialen Schichten Rückstände hinterlassen. Die Schulgeneration braucht eine Fördeung die Schritt für Schritt Ihnen eine Aufarbeitungszeit ermöglicht. Die Schulpolitik hat die Chance durch die schwere Krise sich neu aufzustellen und ist verpflichtet eine tragende Bildungszeit zu ermöglichen. Diese Aufarbeitungszeit macht sich für die ganze Entwicklungsphase der jungen Generation bemerkbar und für Ihren weiteren Lebensweg.

  5. Was hätten die Lehrer noch alles leisten sollen. Es ist einfach auf andere zu zeigen und als bei sich selbst zu schauen. Die Schulpolitik hat nur Chaos verursachen können und kein Miteinander angestrebt. Bitte den Ball flach halten. Frau Eisenmann hat in BW jegliche Zusammenarbeit mit Füßen getreten und kein respektvolles Miteinander angestrebt. Herr Heinz-Peter Meidinger vom Lehrerverband hat ein Buch veröffentlicht “ Die 10 Todsünden der Schulpolitik“ eine Streitschrift. Herr Ralf Scholl vom PhV-BW unterstützt die G9 Petition BW und
    es werden noch Unterschriften gesammelt. Diese Vorbilder hatten in der Krise kein Gehör gefunden und man hat Ihren tragenden Forderungen keine Aufmerksamkeit gegeben. Die Schulpolitik lebt Ihre Machtkarte aus und ein Miteinander wird unterbunden.

  6. Ich finde die Nachhilfe-Initiative nicht wirklich hilfreich, wenn es so läuft wie bei den „Sommerschulen“ bisher, wo irgendwelche Studenten Nachhilfeunterricht erteilen. Können die das besser als Lehrer? Oder genauso gut? Wozu brauchen sie dann überhaupt noch eine Ausbildung? Die multiprofessionellen Teams helfen doch aber auch nicht dabei, Lernlücken zu schließen. Oder sollen das dann statt der Studenten die Sozialarbeiter machen? Es geht doch um Lernlücken! Es geht doch um Unterricht! Wieso können das jetzt alle besser als die Lehrer, die dafür ausgebildet wurden?!

    • Weil die die Lehrkräfte an anderer Stelle entlasten können – so einfach. Eine Krankenhaus-Belegschaft besteht auch nicht nur aus Ärzten.

      • Nee, lieber Bernd, das ist Wunschdenken und ich bin jetzt 100%ig sicher, dass Sie nicht an einer Schule arbeiten.

        Es ging doch darum, dass Lernlücken geschlossen werden sollen!!! Lernlücken! Wie sollen das multiprofessionelle Teams aus Sozialarbeitern, Schulpsychologen, Verwaltungshilfen u.ä. tun? Das ist Sache der Lehrer! An welcher anderen Stelle sollen Lehrer statt dessen eingesetzt werden? Welcher Lehrer hat denn für andere Stellen Kapazitäten frei? Arbeiten wir alle weniger als vertraglich vereinbart?

        Bitte seien Sie realistisch!

      • Wahrscheinlich sehen manche Leute ihre Felle wegschwimmen. Aber wenn ein Lehrer ein anderes Fach, welches er nicht studiert hat, unterrichten soll, dann ist das auf einmal in Ordnung. Selbst wenn das in der Nachhilfe von einem Studenten „korrigiert“ werden muss, der sich in seinem studierten Fach besser auskennt.

        • @ Insider, sind Sie wirklich ein „Eingeweihter“? Schon die Grundannahme ist ja falsch. Ein Lehrer hat nicht nur „Fachwissen“ erworben. Ein Lehrer hat Methodik, Didaktik, Pädagogik gelernt, die ihn zumindest theoretisch darin befähigen, Wissen erfolgreich zu vermitteln. Auch fachfremd! Wie wichtig gerade das ist, sieht man daran, wenn echte Chemiker, Physiker, Mathematiker sich als Quereinsteiger in die Schulen trauen und dann im Unterricht trotz eines immensen Fachwissens scheitern.

          • Ahja. Und ein Lehramtstudent noch ohne Ref. ist also auch nur ein Fachidiot und lernt im ganzen Studium genauso wie ein „echter Chemiker, Physiker, Mathematiker“ NICHTS didaktisches oder methodisches? Ist ja interessant. Wozu also sich durch sein ganzes Fachstudium mit überhöhten Anforderungen seines Faches quälen, wenn man letztendlich auch fachfremd unterrichten kann? Dann braucht man ja nur „Methodik, Didaktik, Pädagogik“ zu lernen und kann sich den ganzen Sch**** mit Auslandsaufenthalt zum Eintauchen in einer Fremdsprache Übersetzungsübungen Latein-Deutsch (und umgekehrt ohne Wörterbuch!, Graecum, oder die übertriebenen Anforderungen in höherer Mathematik schenken! Kann man ja ganz einfach vom Buch ablesen, weil es da steht.
            Und dass Eltern beim Homeschooling die besseren Lehrer als Studenten sind, ist ja eh klar.

    • Möchten SIE lieber in Ihren Sommerferien diese Kurse leiten?
      Braucht man eine pädadogische Ausbildung, um einem Nachhilfeschüler in Latein erklären zu können, was ein ACI ist? Sind die Inhalte im Studium absolut nichts wert, wenn man einem Schüler sowas nicht erklären kann?

      PS.
      Wenn ein Nachhilfeschüler sagt, dass er in 90 Minuten Nachhilfe das verstanden hat, was er in 2 Jahren im Unterricht nicht verstanden hat oder man ihm nicht erklären konnte, dann muss in der Nachhilfe ja irgendwas richtig gelaufen sein.

        • Was beantwortet er? Ob Sie selber in den Sommerferien Unterricht geben möchten, um die Wissenslücken zu schließen?

        • Hallölle,
          Mal runterkommen! Die Nerven schonen! Ich, Lehrer, möchte gerne helfen und freiwillig ohne Mehrzahlung jeweils am Samstag den ausgefallenen Unterricht kompensieren helfen, indem ich einfach unterrichte! Aber es scheitert an der Bürokratie -Busverbindungen/ Arbeitsvertrag des Hausmeisters-, an der Bequemlichkeit der Eltern, die ihre Kinder ggf. Fahren müssen, und vor allem am Teamgeist und der Bereitschaft von KuK, unbürokratisch Lösungen zu finden. Dafür sich dann aber über fehelnde Gendersternchen stundenlang streiten.

          • @Peter… Hmmm, drittes oder viertes Dienstjahr???
            Wer den ganzen Versäumnisscheiß seitens der Kultusministerien der letzten 25 bis 30 Jahren im Schuldienst erlebt hat wird einen Teufel tun und sich samstags in die Anstalt stellen, um Lücken bei SuS zu schließen, die zum großen Teil durch systemische Fehler (Schulformempfehlungen, denen nicht gefolgt werden, Dauerschmusekurs bei Lern- und Arbeitsanforderungen, Helikoptereltern, die der Meining sind, das Titus-Marius Leon zuhause nicht arbeiten braucht, weil er ja hochbegabt ist usw.) erzeugt bzw bedingt sind.
            Die VW-Mitarbeiter kämen doch auch nicht auf die Idee, den Imageschaden und die Verdienstausgälle des Unternehmens – bedingt durch die betrügerischen Manipulationen und Fehlentscheidungen des Managements durch freiwillige und unentgeltliche Mehratbeit am Wochenende wieder ausgleichen zu wollen.
            Herzlich willkommen im echten Leben.
            Und jetzt komm mit nicht mit so bekloppten Argumenten, dass Lehrer, wie ich mit meiner Haltung ein Grundproblem von Schulen und SuS sind … ich brauche mir bzgl meines pädagogischen Ethos keine Gedanken oder sogar Vorwürfe machen (lassen)

  7. Ich bin zwar kein Fan des VBE, aber ich stimme hier Herrn Beckmann zu. Die Lehrkräfte wissen am besten, was aufzuholen ist. Was sie jetzt brauchen, ist mehr Eigenverantwortung im flexiblen Umgang mit dem sog. „Stoff“.

  8. Die schlechten Nachrichten reißen nicht ab. Wie das renommierte Institut Sportcontrol jetzt ermittelt hat, erbringen 98 % aller Bundestagsabgeordneten nur mangelhafte und ungenügende Leistungen im Stabhochsprung. Da rollt im wahrsten Sinne des Wortes ein „dickes Problem“ auf uns zu, so der 17jährige norddeutsche Leichtathletikjugendmeister Felix (Deutsch 5).
    Auch die nur mangelhaften Leistungen der Eltern im Hürdenlauf machen der 16jährigen Weitsprung-Vizemeisterin Lisa (Mathe 5) Sorgen. Der deutsche Leichtathletik-Verband, gebildet durch die 16 Landesverbände, hat schon zugesagt die Höhe der Hürden massiv abzusenken.

    Ein multiprofessionelles Team aus Ernährungsberatern, Fitness- und Techniktrainern sowie Psychologen sollen sich nun um die Eltern und Abgeordneten kümmern. „Geld darf hier keine Rolle spielen, wenn es um den Erhalt systemrelevanter Sportarten geht!“ so der Präsident des deutschen Sportbundes Scherer (Mathe und Deutsch 5).

    • Lieber Klaus, als Sportkollege kann ich mich diesem ehrlichen Bemühen zur Beseitigung oben beschriebener motorischer Defizite nur anschließen.
      Habe gerade selber eine aufwändige Beobachtungsstudie in einem städtischen Tierpark abgeschlossen und dabei mit Erschrecken feststellen müssen, dass die Wisente im Vergleich zu den Eichhörnchen nur stark eingeschränkt dazu in der Lage waren, sich wiseselflink im Geäst der anstehenden Bäume zu bewegen.
      Wir müssen da auf jeden Fall noch einen Förderplan entwerfen und entsprechende Gelder für die notwendigen Personal-Trainer beantragen.
      Jetzt, wo Fr Karlidingsbums die nötige Kohle zur Verfügung stellt, lässt sich da bestimmt was machen.
      Habe die entsprechenden Förderanträge bereits inklusive der üblichen Antragsbegründung fertig gestellt und werde sie nun zeitnah dem Ministerium zustellen.

      • @Andre Hog

        Gerade in der Fachdisziplin „wieselflink von Baum zu Baum“ fällt mir da ein, dass ich Jemanden kenne, der Jemanden kennt, der einen Personal-Trainer vermitteln könnte …
        Das könnte gegen geringe Provision im 6stelligen Bereich (pro „Jemand“, na klar) – also mitten in der Norm – angeleiert werden.
        Welch ein Glück, dass der berühmte Personal-Trainer Moby Dick gerade in DUSSELdorf ein paar freie Tage macht, abgesehen von der stundenweisen Mitarbeit im „Easter-Think-Tank NRW“.
        😉

  9. Viel schlauer wäre es gewesen, die Milliarde im letzten Sommer in Luftfilter und Plexiglaswände zu investieren. Dann hätte es nämlich gar nicht so viele Ausfälle gegeben und das Problem wäre in diesem Maße gar nicht vorhanden.

    Diese Einsicht scheint auch jetzt noch nicht da zu sein, denn solche Investitionen werden immer noch nicht in ausreichendem Umfang getätigt. Man scheint immer noch zu hoffen, dass Schule bald wieder normal funktioniert und provoziert damit noch viel mehr Ausfälle.

    • Lieber Jan!!! Touche!!
      Wie viel Geld hätten wir mit der Ausgabe für Luftfiltergeräte und weiterer Schutzinfrastruktur sparen können??
      Wir haben es bereits im letzten Jahr gefordert und sinnvoll begründet – du bist da z.B. immer sehr klar und beharrlich gewesen…aber es scheint immer noch nicht in den entscheidenden Köpfen angekommen zu sein.

  10. „Die kleineren Unterrichtsgruppen hätten auch die Schulen jetzt im Wechselunterricht als „Lerngewinn“ entdeckt …“
    Als ob „die Schulen“ das nicht schon vorher gewusst hätten, dass man einzelnen SuS viel besser in kleineren Gruppen gerecht werden könnte. Dafür braucht es erst eine handfeste Pandemie, um auf solche Missstände im Schulsystem aufmerksam zu werden. Traurig!

    • Genau diese Wörter habe ich von mehrere Eltern und Kinder gehört. Die Klassen sind zu groß um qualitativ den Stoff in der Schule beibringen zu können. Das ist das einzige Problem und Lösung fordert natürlich das Geld.
      All der Rest hin und her – lehre Gespräche.

  11. „….. die Schulen personell besser auszustatten – mit multiprofessionellen Teams, die stärker auf die individuellen Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen eingehen können.“

    Dem stimme ich voll und ganz zu.

    Ich setze mich seit längerer Zeit für multiprofessionelle Teams an, den VBE habe ich ebenfalls schon kontaktiert. Was hat sich für mich in der Schule geändert? Leider nichts. Ich habe diverse Politiker kontaktiert, es tut sich weiterhin nichts. Überall brennt es, Schüler brauchen unsere Unterstützung, unsere positive Bestärkung, jemanden, der an sie glaubt, an die Hand nimmt und individuell fördert.

    Genau das mache ich und das kann ich, denn ich bin Lerntherapeutin und arbeite in BW an einer Grundschule.

    Ich bin seit 3 Jahren im System Schule, bin in den Bereichen Diagnostik, Lernstandsermittlung und Förderung von Schüler top ausgebildet. Ich kenne die Schüler und Schulen hier vor Ort und mein Vertrag endet trotzdem – wie jedes Jahr- Ende Juli. Ganz einfach, weil ich keine Lehrkraft bin, sondern integrative Lerntherapeutin. Wie es weitergeht? Das erfahre ich erst immer kurz vorher. Ich stimme dem voll und ganz zu, dass wir die Schulen endlich besser ausstatten müssen. Da müssen jetzt die Weichen gestellt werden.

    Handeln wir doch endlich mal und reden nicht nur drüber.

  12. Ich glaube nicht, dass die Schule besser ausgestattet werden sollen. Die Klassen sollen nur kleiner sein. Das ist alles.

  13. „….. die Schulen personell besser auszustatten – mit multiprofessionellen Teams, die stärker auf die individuellen Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen eingehen können.“

    Ja, genau, personell schon, das meinte ich. Sorry, habe etwas anderes angenommen.

  14. Aber das ist das Hauptproblem des Schulsystems heute überall in Europa. Deshalb wächst der Anteil an Privatschulen.
    Ich kenne mehrere Familien, wie jeder von uns, die von den städtischen Schulen nichts mehr hören wollen.

    • „… die Gesellschaft spaltet sich schon von alleine.“
      Interessante Formulierung. Gelegentlich wird diese Spaltung ja beklagt wie mit einer Verschwörungstheorie. Es werden dann Bösewichte ausgemacht, die diese Spaltung betreiben oder vertiefen. Tatsächlich basiert diese Spaltung wohl eher auf Millionen Einzelentscheidungen, die die Leute weitgehend unabhängig voneinander treffen.

  15. „Er denkt dabei an einen großen Tisch, an dem Bildungsministerium, Schulen, Lehrer und Eltern an einem «Rundumschlag» arbeiten sollten.“
    Zum Glück sind Schülervertretungen nicht eingebunden! Wo kämen wir denn sonst hin?
    Ich zweifle nicht daran, dass die bereits genannten Gruppen Interessen der SuS auch vertreten können. Aber wenn über Maßnahmen für SuS ohne Einbeziehung von SuS beraten werden sollte. Ob das Vertrauen auf der Schülerseite schafft?

  16. Uns Eltern würde heute ein Schreiben von der LaSuB zugesandt in welchem bestätigt wurde, dass am Gymnasium meines Sohnes u. A. Mathe und Physik nicht mehr abgedeckt werden können. In den Klassenstufen 6,7 und 9 wird je eine Klasse keinen Mathematikunterricht mehr bekommen, da nach dem Abgang der in Rente gegangenen Lehrer/innen niemand mehr nachkommen wird. Ein solches Desaster fängt man nicht mit Nachhilfe auf. Und dass es Menschen gibt, die nach vielen Jahren härter Arbeit in Rente gehen, kommt nicht überraschend und dennoch fallen die Verantwortlichen sprichwörtlich aus allen Wolken. Man hofft auf Verständnis der Eltern und da kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Wenn die Schulen nicht gerade in einem attraktiven Gebiet liegen, hat man kaum eine Chance, diesen Mangel zu beheben und das baden wieder unsere Kinder aus. Corona und dieses unprofessionelle Arbeiten in den Ministerien wird uns das Genick brechen.

  17. Jetzt klinke ich mich doch mal ein, nachdem ich den Artikel, als auch einige Kommentare durchgelesen habe. Ich selbst arbeite als Nachhilfelehrer in einem Institut und die Tatsache, dass Schüler Lernlücken vorweisen, besteht schon lange vor Corona. Für mich selbst fängt das ganze Problem schon bei dem Deutschen Bildungssystem an. Würde dort eine Einheitlichkeit herrschen, würde den Schülern einiges erleichtert werden. Ich beobachte nun verstärkt, dass Lehrkräfte womöglich maßlos überfordert sind, den Distanzunterricht auf ein paar Arbeitsblätter reduzieren und den Schülern lediglich eben diese Aufgaben mit auf den Weg geben, ohne jegliche Erklärung. Ist dies so wie es sein solle? Verstehen Sie mich hier nicht falsch, ich möchte nicht pauschalisieren, denn es gibt auch sehr wohl und zum Glück noch engagierte Lehrer!
    @FabianBLN: Ich versteje Ihren Ansatzpunkt jedoch halte ich es durchaus für sinnvoll, Pädagogen, Psychologen oder aber auch Sozialarbeiter verstärkt als Hilfskräfte in den Schulalltag einzubinden, denn es sind nicht nur die Lernlücken, die durch gerade diese Zeit hier entstanden sind. Alle Kinder sind unterschiedlich und so ist auch die Entstehung der Lernlücken. Ich glaube man vergisst oft dabei, dass Kinder keine Maschinen sind, welche auf Knopfdruck funktionieren. Das rationale und logische Denken, besonders bei den niederen Schulklassen entwickelt sich erst. Zudem, wie eben schon angeschnitten, gibt es auch noch andere Probleme der Schüler, die den Lernprozess ins Stöcken bringen, dies sollte man nicht vergessen. Nicht selten hatte ich schon erlebt, dass es Kinder geholfen hat, ihr Herz auszuschütten, da sie eben auch ihre eigenen Probleme, Gefühle und Krisen haben und bewältigen müssen. Dementsprechend empfinde ich es gerade zu dieser Zeit als besonders wichtig, Sozialarbeit o.ä. in den Schulalltag zu integrieren.
    Dennoch; für mich besteht die Crux nun einmal darin, dass das ganze Schulsystem umgekrempelt werden müsste.

  18. Multiprofessionelle Teams, was ist damit eigentlich gemeint? Normalerweise versteckt sich hinter solchen Schlagwörtern ja irgendeine nicht funktionierende Billiglösung (wie bei Inklusion oder Hygienekonzept).

  19. Wissenslücken? Ich dachte unser Unterricht sei kompetenzorientiert und es ginge deshalb um Entwicklung und Förderung notwendiger Kompetenzen.

    Also Inhalte kürzen und überlegen wie man die Kompetenzen entwickelt bekommt?

  20. Schöne Ostern :/
    Meinen erwachsen Kindern reicht es. Sie sind in schulischer und duoaler Ausbildung 1. Ausbildungsjahr, sie sind psychisch sehr angegriffenen. GELD für solche jungen Menschen ist wohl nicht vorgesehen?
    Ich fühle mich vereimert. Schlagen Sie ( Politiker) mal nicht mit Geld um sich, sondern mit lebensnahen vernünftigen Mitteln.
    Vielleicht geht IHNEN ja ein Osterlicht auf.

    • Was sind denn „lebensnahe und vernünftige Mittel“? Mehr Lehrpersonal schonmal nicht, das kostet ja Geld. Lehrmateralien auch nicht, müssen bezahlt werden. Eine Aufstockung der Lernplattformen, natürlich kostet dies auch Geld.
      Die Frage ist doch viel mehr: „Wo wird das Geld hingeworfen?“ und nicht, ob Geld herumgeworfen wird.

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