Fehlerhafte Grafiken: Schwere Panne bei schriftlicher Biologie-Abiturprüfung

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HAMBURG. Wegen einer schweren Panne bei der schriftlichen Biologie-Abiturprüfung in Hamburg können nun knapp 3000 Schüler wählen, ob sie eine mildere Bewertung haben oder eine neue Klausur schreiben wollen. Die Entscheidung müsse aber bis Freitag getroffen werden, teilte die Schulbehörde am Dienstag mit. Ein Sprecher betonte: «Wir bedauern sehr, dass es hier zu gravierenden Fehlern gekommen ist.»

So oder so: Das Abitur 2021 ist für alle Beteiligten eine Herausforderung. Foto: Shutterstock

Den Angaben zufolge waren den Schülern am Montag mit den Prüfungsunterlagen fehlerhafte Grafiken ausgehändigt worden. Der Fehler sei bei der Umwandlung von «Word»- in «pdf»-Dateien passiert und habe sich bei einer noch während der Prüfung verschickten Korrektur wiederholt. Betroffen waren den Angaben zufolge 2990 der insgesamt rund 9900 Hamburger Abiturientinnen und Abiturienten.

Um den Schülerinnen und Schülern entgegenzukommen, hatte die Behörde nach eigenen Angaben noch während der Prüfung eine Verlängerung der Arbeitszeit um 30 Minuten ermöglicht. Alternativ sei angeboten worden, die Klausur abzubrechen und in rund drei Wochen eine neue Klausur zu schreiben.

Die Anpassung des eigentlich zentral vorgegebenen Bewertungsmaßstabes soll von den einzelnen Schulen nun selbst vorgenommen werden. Dabei sollen die Lehrkräfte die jeweiligen Prüfungssituationen einbeziehen. So hätten einzelne Schulen erhebliche Irritationen ihrer Schülerinnen und Schüler gemeldet, andere dagegen einen trotz der schwierigen Umstände gefassten und ruhigen Prüfungsverlauf.

Für die seit dem 23. April in Hamburg laufenden Abiturprüfungen stellt die Schulbehörde 54 Aufgabensätze für 27 Unterrichtsfächer zentral zur Verfügung – in jedem Fach einen Aufgabensatz auf grundlegendem Niveau (früher «Grundkurs») und einen auf erweitertem Niveau (früher «Leistungskurs»). In Biologie fanden 1708 Klausuren auf erhöhtem und 1182 auf grundlegendem Anforderungsniveau statt.

Die CDU-Schulexpertin Birgit Stöver forderte eine umfassende Aufklärung der Panne durch Schulsenator Ties Rabe (SPD). So seien die Prüfungen erst nach über drei Stunden Bearbeitungszeit unterbrochen und den Schülerinnen und Schülern freigestellt worden, ob sie nachschreiben oder mit neuem Material erneut beginnen wollen. dpa

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6 KOMMENTARE

  1. „eine umfassende Aufklärung der Panne“
    – Also bitte, das ist keine Panne! Das ist ein authentisches Szenario mit enormem Aufforderungscharakter und höchstem Potential eines Lerngewinns bei höchstindividueller, bienendifferenzierter Herangehensweise, auch kurz P(F)USH genannt.

  2. Tja, die Digitalisierung und der Umgang mit ihr sollte zunächst vor dem eigenen Bildschirm geschehen. Spätestens beim analogen Ausdruck zur Überprüfung!!! sollten die Fehler auffallen.

    Aber wer seinen eigenen Rechner und die Grundprogramme nicht im Ansatz versteht oder beherrscht und nicht in der Lage ist, die gestellten Aufgaben zu überprüfen, sollte …. vielleicht mal eine Fortbildung machen.

    Himmel – wie peinlich ist das denn!?

  3. Hmm… wenn ich in der Hochschule eine Klausur schreibe (vor Corona), dann erstelle ich die, lese mir die ein paar Mal durch und gebe sie dann einem Mitarbeiter mit der Bitte, sie nicht nur zu lesen, sondern auch zu lösen. Danach diskutieren wir das und verbessern die Klausur gegebenenfalls.

    Es muss ja nicht einmal Pfusch sein, es passiert schnell, dass man eine Formulierung ungeschickt wählt oder etwas voraussetzt, was man nicht dazugeschrieben hat. All das fällt auf, wenn sich jemand damit befasst, eine Klausur wirklich zu lösen und dabei nur die Mittel verwendet, die auch die Prüflinge verwenden dürfen.

    Wenn man das bei einer Hochschulklausur für ein Modul schaffen kann, dann sollte man das doch auch bei einer landesweiten (!) Abi-Klausur hinbekommen! Oder hat die zuständige Stelle niemanden, der in der Lage ist, die Aufgaben tatsächlich zu lösen.

    Im beschriebenen Fall wäre das Problem doch SOFORT aufgefallen, wenn jemand versucht hätte, die Aufgabe zu lösen.

  4. Kann das ein Lehrer aus Hamburg spezifizieren? Bin Bio-Lehrerin im Saarland. Würde mich interessieren, was falsch gelaufen ist. Danke vorab.

  5. Unsägliches Versagen! So etwas darf einfach überhaupt nicht geschehen! absolutes No-Go!
    Dilettantische Schlamperei, die sich auch noch zum Eigentor auswachsen kann.

    In der Aufgabenstellung einer Reifeprüfung (Abitur) einfach unverzeihlich, nicht entschuldbar!!!

    Man denke doch auch ‚mal an das Nervenkostüm der Prüflinge während der Bearbeitung einer letztlich unlösbaren Aufgabe!

    Eine nicht unerhebliche Zusatzbelastung in der eh schon angespannten Prüfungssituation.

    Folglich Stress, der sich auch auf die Problemlösungskompetenz bei den anderen (!!!) Aufgaben (negativ) auswirken kann.

    Es ist zu befürchten, dass mancher Prüfling deshalb unter seinen/ihren Möglichkeiten bleibt,
    schlechter abschneidet.

    Zudem ein juristischer Formfehler, der grundsätzlich Tür und Tor für eine juristische Anfechtung der erzielten Note eröffnet:

    gegen die am Ende erteilten Prüfungsnote in dem Fach, ganz gleich, ob Teilaufgabe „milde beurteilt“ wurde oder nicht, kann der Prüfling mit Hilfe eines versierten Rechtsanwaltes sicher gerichtlich vorgehen.

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