Sparzwang: Neue Kultusministerin dämpft Hoffnung auf neue Lehrerstellen

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STUTTGARTS. Baden-Württembergs neue Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) hat angesichts des Sparzwangs die Hoffnung auf neue Stellen für Lehrkräfte gedämpft. «Die Haushaltslage gibt uns zunächst wohl vor, dass wir die Unterrichtsversorgung innerhalb des bestehenden Finanzrahmens verbessern müssen», sagte Schopper der «Stuttgarter Zeitung» und den «Stuttgarter Nachrichten».

Wenig Spielraum: Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne). Foto: Land Baden-Württemberg

Mit Ausnahme des Sofortprogramms zu Bewältigung der Corona-Folgen bei Schülerinnen und Schüler stehen alle Maßnahmen der Schulpolitik im grün-schwarzen Koalitionsvertrag unter Haushaltsvorbehalt – wie der Rest des Vertrags auch. «Mit der Kassenlage werde ich pragmatisch umgehen. Denn ich weiß auch: Schieben allein bringt uns nicht weiter», sagte die Grünen-Politikerin. Für sie sei auch klar: «Es gibt auch eine Verantwortung für effizienten Ressourceneinsatz. In Zeiten knapper Kassen gibt es dazu keine Alternative.»

Ursprünglich wollte die Arbeitsgruppe von Grünen und CDU in den Koalitionsverhandlungen 3000 neue Stellen schaffen. Wegen der miesen Finanzlage infolge der Corona-Wirtschaftskrise kommt das aber erstmal nicht infrage. Spannend wird die Frage, wie Grün-Schwarz mit den 1165 Stellen für die Sprachförderung von Kindern mit ausländischen Wurzeln umgeht, die eigentlich gestrichen werden sollen. Die Stellen waren im Zuge der Migrationskrise geschaffen worden, um die Integration von Kinder und Jugendlichen zu verbessern. dpa

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9 KOMMENTARE

  1. „Bildung ist unser höchstes Gut“. Diese Worte liegen mir noch in den Ohren bei Amtsantritt unserer beliebten BK. Nun, seitdem sind fast 16 Jahre vergangen und man hat nicht viel von Umsetzung, die sich aus dieser Aussage ergeben sollte, gemerkt.
    Theresa Schopper qualifiziert sich mit ihrem Studium der Soziologie, Psychologie und Kriminologie nicht unbedingt für den doch so wichtigen Bildungsbereich (aber vielleicht bessser als Piazolo als Jurist und Politologe). Wieder eine Person, die man aus Budgetgründen in ihren Forderungen klein halten kann, da sie nie etwas mit Schulen zu tun hatte.
    Der „bestehende Finanzrahmen“ in der Bildungspolitik ist immer sehr eng und geizig gefasst. Keiner versteht, warum. Die Defizite in der Bildung schlagen in allen Bereichen der Gesellschaft zurück. Das will kein Politiker wahrhaben. Weitsicht und Nachhaltigkeit ist beim Klima, nicht in der Bildung gefragt.
    Die „miese Finanzlage“ ist wohl nur in sozialen, renten- und bildungspolitischen Aufgabenbereichen vorhanden, komischerweise ist Staatsgeld (Steuergelder) bei anderen Gelegenheiten scheinbar unbegrenzt vorhanden. Man muss da schon die Prioritäten hinterfragen.
    Die Kultusministerien werden evtl. bald keine Sorge mehr haben, zu viele Lehrer bezahlen zu müssen, denn sie haben mit ihrem Verhalten und den hervorgerufenen Umständen diesem Beruf zu immer mehr Unattraktivität verholfen. Das wird in nächster Zukunft zu spüren sein.
    Es ist jammerschade, dass Schulbildung und Lehrerdasein einen so geringen Stellenwert in der Politik hat. Bildung kann halt keine „Gewinnmaximierung“ vorzeigen, deshalb keine Lobby. Man spart sich kaputt, die Anfänge sind längst gemacht.

  2. Ob es billiger ist, in wenigen Jahren die Folgen fehlender Sprachförderung und mangelhafter Talentförderung zu finanzieren? Können wir es uns leisten, Menschen eventuell für den Arbeitsmarkt zu verlieren und Talente nicht zu entdecken?
    Zudem wird Frau Schopper jetzt schon entscheiden müssen, welche Aufgaben sie streichen möchte, wenn das Land sparen will: Inklusion, Informatik, Ganztagsschule, Medienbildung, Demokratieerziehung? Zusatzaufgaben, für die das KM keine Mittel hat, dürfen dann nicht mehr ehrenamtlich von Schulleiterinnen und Lehrern übernommen werden.

  3. Bye Bye A13. Empfehlen jedem Grenzbewohner jetzt das Bundesland zu wechseln oder als Sonderpädagoge fortzubilden.

    • Wenn das immer so einfach wäre – ich als Grenzbewohner zu Bayern würde in BY dann auch nur A12 verdienen als Mittelschullehrer, hinzu kommt noch die Wartezeit bei einem Ländertauschverfahren.

  4. Sollten jene während der letzten Monate hier kommentierenden LuL, welche während der Pandemie ihren Ausstieg aus dem Lehrerberuf angekündigt bzw. inzwischen vollzogen haben (aufgrund von Arbeitsüberlastung, Gesundheitsgefährdung, mangelnder Wertschätzung vonseiten ihres AG, o.ä.), einen halbwegs repräsentativen Querschnitt der bundesweiten Lehrerschaft darstellen, werden die KM sich wohl eh keine größeren Sorgen um ihr Thema „Kassenlage“ machen müssen….
    Ach, es ist so ärmlich…. 🙁

  5. Genial. Diese Frau bewirbt sich damit als zukünftige Finanzministerin.

    So eine Kultusministerin braucht kein Mensch.

    Die kapituliert schon, bevor es richtig angefangen hat.

  6. @Teacher Andi
    Da kommen wir ja doch schneller zusammen, als ich dachte, denn auch ich würde mir jemand an der Spitze wünschen, der/die am besten einmal im Schuldienst für einige Jahre tätig war und die Bedürfnisse aller Beteiligten aus erster Hand kennt.
    Besonders stimme ich mit ihrer Aussage überein, dass die „Defizite in der Bildung in allen Bereichen der Gesellschaft zurückschlagen“. Besser geförderte, gebildete und unterstützte Schüler werden später glücklichere Menschen, die eine größere Wertschöpfung erzielen und der Gesellschaft mehr zurückgeben können und weniger „zur Last“ fallen. Es überrascht einen als doch tatsächlich, wie spontan sehr viel Geld für andere Dinge bereitgestellt kann.

    Guter Kommentar! Ich habe jedoch leider wenig Hoffnung, dass sich die Sichtweise der Politik in absehbarer Zeit ändert.

  7. Wenn es um Geld für Schulen geht, sind die Taschen schon immer zugenäht gewesen.
    In SH ist es (für GS-Lehrkräfte) besonders unattraktiv.
    A12, kein Urlaubs- oder Weihnachtsgeld, eine Beihilfe, die diesen Namen kaum noch verdient, und Nachbarländer, die besser bezahlen, all das führt zu einem katastrophalen Mangel an Lehrern.
    In unserem Kreis fehlen für das kommende Schuljahr fast 60 Stellen an den 22 GS.
    Dem gegenüber standen am Donnerstag noch 11 Bewerber, von denen jetzt doch 2 nach MVP gehen….
    Das Schulamt kann nicht helfen, überlässt die Suche nach Personal den Schulleitungen, die “ in der Elternschaft rumfragen sollen.
    Armes Deutschland!

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