Streit um Corona-Explosion in Schulen: Versucht Ramelow, die Öffentlichkeit zu täuschen?

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ERFURT. In Thüringen explodieren die Inzidenzen unter Kindern und Jugendlichen – und die Forderungen nach Konsequenzen werden immer lauter. Die Landesregierung von Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) kontert mit einem eilig gestrickten «Sondergutachten» ihres wissenschaftlichen Beirats. Das kommt zu dem Schluss, dass weder Tests noch Quarantänemaßnahmen unter Kindern notwendig seien. Merkwürdig: Dem Gremium gehören nur zwei Mediziner an – und einer davon hat sich noch vor wenigen Wochen ganz anders geäußert. Versucht die Landesregierung ein Täuschungsmanöver?

Lässt laufen: Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke). Foto: Thüringer Staatskanzlei (TSK)

Während die Rufe nach einer neuen Corona-Teststrategie an Schulen immer lauter werden, kommt ein neues, von der Landesregierung in Auftrag Gutachten zu dem Schluss, dass anlasslose Corona-Tests an Schulen nicht nötig seien. Kinder und Jugendliche trügen zum Pandemiegeschehen bei – wie auch ungeimpfte Erwachsene, stellt der wissenschaftliche Beirat zum Corona-Pandemiemanagement in dem Gutachten fest, das auf Donnerstag datiert ist und der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Im Gegensatz zu Erwachsenen erkrankten Kinder und Jugendliche aber sehr selten schwer. Dem Gremium, dem die Medizinerin und Kommunikationswissenschaftlerin Dr. Petra Dickmann sowie die Volkswirtin Prof. Silke Übelmesser vorsitzen, gehört kein Virologe an.

«Nach allem, was wir über Delta wissen, kann man es nicht einfach laufen lassen»

«Weil Kinder selbst nicht schwer erkranken und Erwachsene sich impfen lassen können, sind Quarantänemaßnahmen grundsätzlich weder für den Eigen- noch für den Fremdschutz zu rechtfertigen», heißt es in dem Sondergutachten. Demnach seien unter anderem auch mehrmals wöchentliche, nicht anlassbezogene Tests «nicht mehr gut zu begründen». Auch stünden die Kosten dafür in keinem Verhältnis zum «in der Öffentlichkeit irrtümlicherweise erwarteten Nutzen». Welche Rolle die Streichung praktisch aller Schutzmaßnahmen wie der Maskenpflicht in den Thüringer Schulen spielt, darauf geht das Papier offenbar nicht konkret ein.

Die Landesregierung hatte am Dienstag nach einer Kabinettssitzung das «Sondergutachten» in Auftrag gegeben, als Anfang der Woche bekannt wurde, dass die Corona-Inzidenzen bei Kindern und Jugendlichen – vor allem in den jüngeren Altersgruppen – stark gestiegen sind, wie News4teachers berichtete.

Heißt: Lediglich zwei Tage haben die elf Experten aus unterschiedlichen Fachgebieten dafür gebraucht, die Situation zu analysieren, das Gutachten zu schreiben und die Ergebnisse untereinander abzustimmen. Dem Gremium gehören unter anderem ein Fachmann für regenerative Energiesysteme, ein Richter am Bundesverwaltungsgericht, ein Professor für Informatik, ein Wirtschaftsgeograph und ein Professor für Medientechnik an.

Noch erstaunlicher: Der einzige Mensch im Beirat, der tatsächlich mit den medizinischen Folgen von Corona konfrontiert sein dürfte – Prof. Dr. med. Mathias Pletz, Direktor des Instituts für Infektionsmedizin und Krankenhaushygiene am Uniklinikum Jena –, hatte einem Bericht von News4teachers zufolge noch Anfang September mit Blick auf die Schulen erklärt: «Nach allem, was wir über Delta wissen, kann man es nicht einfach laufen lassen.» Zum einen, weil die mittlerweile auch in Deutschland vorherrschende Delta-Variante für Kinder gefährlicher sein könne als bisherige Varianten. Und zum anderen, weil auch viele Erwachsene noch nicht geimpft seien.

Ließe man das Virus «durchrauschen», gäbe es unabhängig davon, wie viel gefährlicher Delta nun für Kinder ist, eine weitere Gefahr, warnte Pletz: «Kinder können das Virus aus der Schule nach Hause bringen und ihre ungeimpften Eltern anstecken.» Noch sei die Quote von knapp über 60 Prozent vollständig Geimpften zu niedrig, um alle Maßnahmen aufzuheben. In einigen Modellierungen gebe es bereits Hinweise auf zu erwartende Zahlen bei der Intensivbettenbelegung, «die im Bereich der dritten Welle liegen».

Und das soll jetzt plötzlich nicht mehr gelten, obwohl die Zahlen nochmal drastisch gestiegen sind? Am Montag lag die Sieben-Tage-Inzidenz – also die Zahl der Neuinfektionen je 100.000 Einwohner binnen einer Woche – bei den 5- bis 14-Jährigen landesweit bei 290,6. Den – bundesweiten – Spitzenwert weist aktuell der Unstrut-Hainich-Kreis mit 940 auf. Inzwischen wurden auch aus mehreren Städten und Landkreisen Forderungen nach einer neuen Teststrategie laut. Nach Angaben der Stadtverwaltung Weimar lag der Schwerpunkt des Infektionsgeschehens der Stadt in den vergangenen Tagen in den Schulen und Kindergärten sowie in den Familien der betroffenen Kinder.

«Der einzig wirksame Weg, das Infektionsschutzrisiko signifikant zu senken, ist die frühzeitige Testpflicht in Schulen und Kindergärten sofort wiedereinzuführen», erklärte Weimars Oberbürgermeister Peter Kleine (parteilos) am Freitag. Erst dann mache eine Allgemeinverfügung in anderen Lebensbereichen Sinn.

«Aus politischem Dogmatismus setzt das Bildungsministerium die Gesundheit einer ganzen Region aufs Spiel»

Jenas Stadtspitze äußerte ebenfalls Unverständnis über den Weg durch die Pandemie im Bildungssektor. «Möglichst wenig Infektionen – dafür haben wir sehr stringente und immer wieder auch präventive Maßnahmen ergriffen», erklärte Oberbürgermeister Thomas Nitzsche (FDP). Diese Pandemiestrategie wolle man fortführen. «Wir erwarten, dass die Landesregierung diese Bemühungen unterstützt und nicht sabotiert.» Der Landrat des Landkreises Gotha, Onno Eckert, reagierte verärgert: «Aus politischem Dogmatismus setzt das Bildungsministerium die Gesundheit einer ganzen Region aufs Spiel.»

Die Teststrategie an Schulen hat mittlerweile auch zu Unruhe in der rot-rot-grünen Koalition geführt. Die SPD-Fraktion hatte am Mittwoch beschlossen, den Koalitionsausschuss wegen des Themas einzuberufen. Nach den aktuellen Corona-Regeln gibt es an Schulen keinerlei Testangebot in der sogenannten Basis-Stufe, also wenn die Belastung des Gesundheitswesens als gering gilt. Ab Warnstufe eins müssen Tests angeboten werden, in der höchsten Warnstufe drei sind sie Pflicht.

Thüringen ist nach Sachsen das Bundesland mit der zweithöchsten Corona-Sterberate in Deutschland. Thüringen verzeichnet 209 Pandemie-Tote auf 100.000 Einwohner. Der Bundesschnitt liegt bei 114. News4teachers / mit Material der dpa

RKI-Daten: In drei Bundesländern, die Masken im Unterricht gestrichen haben, explodieren Inzidenzen bei Schülern

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31 KOMMENTARE

  1. Sie werden es entgegen aller Widerstände durchziehen….die „Expertenkommission“ spricht doch für die „notwendige Seriösität und geballte überfakultative Kompetenz“… und da das Sondergutachten Bedingungen beschreibt, die auch in allen anderen Bundesländern gelten wird der von den KuMis langersehnte Präzedenzfall geschaffen, an den sich alle anhängen können.

    Ich habe es schon mal geschrieben:
    Alle Regeln und Beschränkungen sofort aufheben und dann mal gucken, wer klare Füße bekommt und für die Errichtung von „welcher-Art-von-Schutzmaßnahmen“ laut wird.
    Einen großen Eimer Popkorn, damit in die erste Reihe setzen und den Action-Thriller anschauen, der dann zwangsläufig in Gang kommt.
    Danach die Opfer einsammeln, zählen und beklagen und dann die Verantwortlichen an die Laternen hängen.
    (Zynismus aus!!!)

    Wir haben in der Bevölkerung immer noch ca. 20 bis 25 Mio Menschen, die offensichtlich nicht geimpft sind…kann man einfach so hingehen und diese der Pandemiemüdigkeit opfern??
    Muss es denn wirklich soweit kommen??
    Was haben wir in den letzten Monaten denn dann gemacht??
    Wo bleibt das vielgerühmte Solidarverhalten mit den Schwächeren??? …. und ich schließe ganz bewusst die „Schwachen im Geiste“ aus, die sich aus ideologischen Gründen nicht impfen lassen wollen.
    Das war dann doch alles für die Katz!!

  2. Statt bei diesen exorbitant hohen Infektionszahlen unter den Kindern endlich gegenzusteuern und zuzugeben, dass die Idee, die Tests kompletten streichen, gescheitert ist, legt man noch mal nach und will offenbar die ohnehin schon fragwürdigen Quarantänen (nur der Infizierte…) gänzlich streichen. Viruslast im Raum? Egal. Luftfilter und CO2- Ampeln? Nicht vorhanden. Maskenpflicht im Unterricht? Gestrichen. Und die Maskenpflicht im Gebäude ist ein Witz, weil die SuS sich sowieso beim Essen, in den AGs, in den Fremdsprachen usw. durchmischen. Da können keinerlei Infektionsketten nachvollzogen werden. Ist ja offensichtlich auch weder erwünscht noch nötig. Es ist unglaublich, unter welchen Bedingungen SuS und LuL den Winter überstehen sollen. Immer mehr Impfdurchbrüche, viele Kinder jetzt schon mit RS in den Kliniken, Tendenz steigend, … wo soll das enden?

  3. Es wird in Thüringen immer absurder.

    „Gotha: Landrat erhebt schwere Vorwürfe gegen Landesregierung

    Nach einem Corona-Ausbruch an einer Schule wirft der Gothaer Landrat Onno Eckert (SPD) dem Land mangelnde Verantwortung vor. 43 Schüler und sieben Lehrer einer Gesamtschule sind laut Eckert positiv auf Corona getestet worden. Weitere positive Schnelltestergebnisse würden geprüft. Betroffen seien etwa 400 der 890 Schüler, die aus dem gesamten Kreisgebiet kommen, so Eckert. Das Bildungsministerium habe jedoch abgelehnt, die Schule bis nach den Herbstferien zu schließen. Der Kreis Gotha hatte nach eigenen Angaben beim Gesundheitsministerium einen entsprechenden Antrag gestellt und Distanzunterricht angeboten.“

    https://www.mdr.de/nachrichten/thueringen/nachrichten108.html

    • Das ist ein Mann mit Rückgrat! Der Landrat Onno Eckert muss unterstützt werden.
      Auf Twitter formiert sich diese unter #DankeOnno.

  4. „Trotz steigender Corona-Infektionen will die Stadt Weimar vorerst auf strengere Regeln verzichten. Stattdessen forderte Oberbürgermeister Peter Kleine vom Land, die Testpflicht an Schulen und Kindergärten sofort wiedereinzuführen. Das aktuelle Infektionsgeschehen in Weimar habe seinen Schwerpunkt nachweislich in diesen Einrichtungen und als Folge in Familien. Strengere Regeln per Allgemeinverfügung würden aber andere Lebensbereiche wie Gastronomie, Hotels und Sport betreffen, die nicht die Ursache der steigenden Inzidenz seien, so Kleine. Seit Montag hat die Stadt 64 neue Corona-Infektionen registriert, die Hälfte davon in Schulen und Familien.“

    https://www.mdr.de/nachrichten/thueringen/corona-news-warnstufe-drei-impfpass-gefaelscht-100.html

    Auch diese Forderung wird wohl ungehört verhallen. Die Gesundheit der Thüringer wird bewusst aufs Spiel gesetzt. Und das bei der miesen Impfquote. Da haben auch alle Geimpften eine „gute“ Chance, sich den Booster durch eine Infektion zu holen…

  5. Auch Frau Schopper in BW versucht die letzten in der Reihe zu täuschen!https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/warum-bw-trotz-corona-die-maskenpflicht-an-den-schulen-lockert-100.html Frau Schopper spricht von Ausbrüchen und die schießen noch nicht nur die Decke. Die Dummheit spricht und eine Person die kein Gewissen hat. Frau Merkel hat abgedankt und Konsequenzen haben die KM nicht zu befürchten. Herrn Wieler untergräbt man in seiner Position und nimmt seine Warnung nicht Ernst.

  6. „43 Schüler und sieben Lehrer einer Gothaer Gesamtschule sind positiv auf Corona getestet worden. Trotzdem verweigert das Land die Zustimmung für eine einwöchige Schließung.“

    https://www.thueringer-allgemeine.de/regionen/gotha/gesamtschule-gotha-bleibt-corona-hotspot-landrat-onno-eckert-befuerchtet-weitere-ausbreitung-id233592589.html

    Das hat schon was von Körperverletzung, wenn man sich da infiziert… wäre mal interessant zu wissen, wie viele doppelt Geimpfte unter den Infizierten sind.

  7. Die Politiker täuschen uns seit März 2020 … Schade , dass am Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats nicht auch ein KFZ – Sachverständiger mitgewirkt hat . Das hätte die Basis verbreitert .

    • Scheiße ja!! …den KFZ-ler hatte ich total vergessen – der hätte was zum Thema „Karre aus dem Dreck ziehen“ oder zum „rumeiern“ sagen können … und nen Bausachverständigen, der nochmal die gute Wirkung des Lüftens betonen könnte.
      Verpasste Chancen…aber es musste ja schnell gehen – da kann man nicht an alles denken.

    • @Klaus Lehmkuhl
      Sehr gute Idee mit dem KFZ – Sachverständigen.
      Wir brauchen echte Praktiker!
      Wo ist @Andreas, wenn die Welt ihn WIRKLICH braucht? ( Ironie!!! )

    • Naja Hauptsache irgendwie betreut denken die Eltern…nehme ich mal an.
      Ich wundere ich, das die Schule bei soviel Personalausfall überhaupt offen bleiben kann

  8. Vielleicht hätte er lieber hauptberuflich Candy Crush spielen sollen. Das scheint ja Bodos Kern-Kompetenz zu sein. Sollte ich irgendwann nochmal nur auf die Idee kommen, diese Partei zu wählen, kann mich dann bitte jemand auf die Backen hauen? Danke.

  9. Die Kinderärzte mit neuen Tönen. Wird nur bei den KuMis keinen interessieren. Da wird auf Durchseuchung gesetzt. Die Kinderärzte waren doch letztens noch für die Aufhebung aller Maßnahmen. Und gerade in Thüringen und Sachsen, wo die Impfquote bei den Erwachsenen, also auch bei den Eltern, miserabel ist, wird es bei den Kindern nicht besser laufen. Die Kinderärzte hätten sich lieber schon vor Monaten für Luftfilter, Maskenpflicht und wirksame Quarantäne einsetzen sollen. Nun nur auf die Impfung zu setzen, um eine Durchseuchung zu verhindern, ist einfach realitätsfern.

    „Die Datenlage ist für Fachvertreter eindeutig. Kinderärzte werben inzwischen so eindringlich für eine Immunisierung junger Menschen, wie sie dies auch bei Erwachsenen tun. Zudem sprechen sie sich weiter gegen eine Durchseuchung aus.

    Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin hat Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren eindringlich aufgefordert, sich gegen Corona impfen zu lassen. „Nachdem Daten von über zehn Millionen Kindern und Jugendlichen erhoben wurden, empfehle ich die Impfung den über Zwölfjährigen heute allgemein und uneingeschränkt, ich werbe dafür so dringlich wie bei Erwachsenen“, sagte Verbandspräsident Jörg Dötsch dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Die Risiko-Nutzen-Abwägung falle eindeutig zugunsten der Impfung aus.

    Mit Blick auf die Corona-Situation in Schulen sagte Dötsch: „Wir wollen weiterhin keine Durchseuchung der Kinder – aber wir wollen auch unbedingt vermeiden, dass die Jüngsten nochmal unter den Folgen der Schulschließungen und der Isolationsmaßnahmen leiden müssen.“ Die Infektionszahlen seien „nicht mehr das Entscheidende, auch nicht dann, wenn sie regional sehr hoch sind“.

    https://www.n-tv.de/panorama/Kinderaerzte-raten-Jugendlichen-dringend-zur-Impfung-article22869601.html

    • Das erste Hüh aus den Reihen der Kinderärzte bleibt hängen: volle Schulen, keine Masken.
      Das zweite Hott wird überhört: Rolle rückwärts.

      Was soll denn nun auch erhört werden, dass seit über einem Jahr in die Welt posaunt wird, oder das was jetzt grade mal wieder gesagt wird.

  10. „ERFURT / SONDERSHAUSEN. Wegen der weiter hohen Corona-Infektionszahlen ist der Kyffhäuserkreis als erste Thüringer Region in die Warnstufe Rot gewechselt. Grund ist die hohe Inzidenz bei Kindern und Jugendlichen. Das hat Folgen.“

    https://www.thueringer-allgemeine.de/regionen/sondershausen/erste-region-in-thueringen-corona-ampel-springt-im-kyffhaeuserkreis-auf-rot-id233594589.html

    Die Paywall verweigert mir leider einen Blick auf die „Folgen“. Aber wenn man der Logik unseres KM, der Landesregierung und des wissenschaftlichen Beirates folgt, kann das nur heißen, dass Kinder und Jugendliche quasi Besuchsverbot in Arztpraxen bekommen, damit auf keinen Fall mehr Tests gemacht werden und Quarantäne ausgesprochen werden kann. Und dann wird sich wie ein Wunder die Inzidenz augenblicklich massiv verringern 😉
    Die Hospitalisierungsinzidenz liegt übrigens im Kyffhäuser Kreis bei 17,7, die Impfquote bei 52 %. Komisch. Wo doch Kinder nicht schwer erkranken? Sollten etwa doch wieder ältere Familienangehörige in den Kliniken landen? Und dieses Szenario steht vielen anderen Kreisen noch bevor, insbesondere wenn es gar keine Quarantäne für Kinder mehr gibt, jedenfalls habe ich die Aussagen des Thüringer Sondergutachtens so verstanden.

  11. „Rund 600 Patienten sind in der Post-Covid-Ambulanz an der Uniklinik Jena behandelt worden, 200 von ihnen bräuchten im Anschluss einen Reha-Platz, in Thüringen gebe es gerade mal 20-30 Plätze. Das sagt Prof. Andreas Stallmach. Er ist einer der Autoren, die gerade die erste bundesdeutsche Leitlinie zum Thema Long- bzw. Post-Covid vorgelegt haben.
    Patientenleitlinie zu Long Covid sieht Rehamaßnahmen als einen Grundstein
    Monate nachdem die eigentliche Corona-Infektion vorbei ist, leiden ca. zehn Prozent der Patienten immer noch an Symptomen wie Atembeschwerden, Erschöpfungszuständen (Fatigue) oder auch neurologischen Problemen, wie Geruchsverlust oder Konzentrationsschwierigkeiten. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie hat jetzt eine Patientenleitlinie herausgegeben, die Ärzten und Betroffenen Orientierung geben soll. Ein Basisbaustein der Therapie sieht das Expertenteam in Rehamaßnahmen. Prof. Stallmach ist Mitautor und leitet die Post-Covid-Ambulanz an der Uniklinik Jena. Der Experte äußert sich im Interview mit dem MDR- Gesundheitsmagazin „Hauptsache Gesund“ zu diesem Thema. […]
    Professor Stallmach: Bei uns ist es so, dass wir mittlerweile Termine für das Frühjahr 2022 vergeben und damit dem Patienten natürlich nicht adäquat helfen können. Denn wenn ich jetzt Probleme habe und ich kriege einen Vorstellungstermin in einem halben Jahr, dann frage ich mich, wie ernst werde ich überhaupt genommen? Und deshalb ist es eben auch so wichtig, dass der Hausarzt, die Hausärztin der primäre Ansprechpartner ist. Die Leitlinie soll auch ihnen helfen, so die Versorgung der Patienten vor Ort zu verbessern.[…]
    Eine wichtiger Themenkomplex in der Leitlinie ist die Rehabilitation, denn viele Long Covid-Patienten sind auf eine Reha im Anschluss an die unmittelbare Klinikbehandlung angewiesen. Wie ist die Situation in Thüringen?
    Professor Stallmach: Wir haben bei uns in Jena ca. 600 Patienten behandelt. Und wenn ich diese Patienten betrachte, dann würde ich bei jedem dritten Patienten den Bedarf für eine Rehabilitation sehen Das Problem ist, dass wir im Moment tatsächlich zu wenige Plätze für diese Patienten haben und dass das Antragsverfahren für die Patienten doch immer noch sehr lange dauert.[…]“

    https://www.mdr.de/nachrichten/thueringen/ost-thueringen/jena/long-covid-krankheit-leitlinien-100.html

    Und Thüringen provoziert mit seiner Coronapolitik weiter viele Infizierte, von denen ein nicht zu unterschätzender Teil LongCovid bekommen wird. Besondere Aktivitäten, um die Impfungen voranzubringen, finden kaum statt und laufen bei der Masse an AfDlern, Impfgegnern usw. sowieso ins Leere.
    Und die Schulpolitik treibt die Infektionswelle weiter voran.

  12. Interessant. In dem in zwei Tagen erstellten Sonder-Gutachten steht noch mehr, was aber bisher leider in der Presse nicht zu lesen war. Warum wohl?

    „[…] Zugleich empfiehlt der Beirat das «konsequente Tragen von Masken und eine systematische Umsetzung der AHAL-Regeln». AHAL steht für Abstand, Alltagsmaske, Hygiene, Lüften. Offen blieb zunächst, ob der Beirat das Tragen von Masken im Unterricht oder nur im Schulgebäude, also in den Gängen oder in der Kantine, meint.
    Der Beirat signalisierte in dem Gutachten weitere Gesprächsbereitschaft mit der Landesregierung und forderte bessere Daten. Ohne eine verbesserte Datengrundlage könne der Beirat seiner «Bratertätigkeit nicht mehr in der angestrebten Qualität nachkommen», heißt es in dem Sondergutachten.
    Es sei nicht auszuschließen, dass es aufgrund einer geringen Impfbereitschaft regional zu einer Überlastung des Gesundheitssystems kommen könne, von der auch Geimpfte und Kinder betroffen sein könnten. «Hierauf sollte die politische Priorität gelegt werden.»

    https://www.stern.de/gesellschaft/regional/tischner-dringt-auf-pool-tests-an-schulen-und-warnt-vor-geiz-30836904.html

    „Bratertätigkeit“ ist ja mal ein hübscher Druckfehler. Wir riechen den Braten…
    Maskenpflicht im Unterricht ist ja in Thüringen ebenso wie die Testpflicht seit der dritten Unterrichtswoche aufgehoben. Und woher „Abstand“ bei 30 SuS im Raum kommen soll, ist ein Rätsel. Sicher der Tatsache geschuldet, dass sich Richter, Informatiker und Energiefachleute eher selten in Schulen aufhalten… Und die Hygieneregeln werden von den SuS natürlich überhaupt nicht mehr ernst genommen, weil sie im Umfeld sehen, dass sich viele Erwachsene nicht mehr daran halten.
    Und die Krankenhäuser werden auf jeden Fall voll werden, der Winter hat noch nicht mal angefangen…

  13. Wer soll eigentlich noch wen und wovor schützen?Wenn die politischen Entscheider der Meinung sind:“ Die Erwachsenen konnten sich impfen lassen, Kinder erkranken nicht schwer, Impfgegner sind selber schuld und wer sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen kann, muss halt aufpassen.“ – Dann kann man doch alle! Infektionsschutzmaßnahmen fallen lassen! Warum dann noch Masken im Supermarkt, in Bus und Bahn, 2G, 3G,… Ich verstehe gar nichts mehr. Langsam mutiere auch ich zum Leerdenker! Ist die Devise jetzt „Survival of the fittest“?

  14. Es ist richtig, auf das Testen zu verzichten. Das war nie die Aufgabe von Lehrern, sondern von medizinischem Personal. Hab’s deshalb nie gemacht.
    Masken, impfen- bald auch für GS- und einen ganzen Schwung weniger Panik!

      • Der Präzision wegen: Nie war ich mit Schülern, während diese sich testeten; habe nie irgendwas ausgeteilt, eingesammelt, dokumentiert.
        Bin kein Arzt und kein medizinisches Personal.
        Glauben Sie ’s oder lassen Sie es- mir egal.
        Testen und Masken müssen aus der Schule weg.

    • Ich sehe Thüringen und Sachsen positiv, denn die Entwicklung der Corona-Pandemie dort, zeigt hoffentlich schnell, was den anderen BL bevorsteht oder nicht. Vielleicht haben die anderen noch rechtzeitig die Chancr, daraus ihre Schlüsse zu ziehen. Hoffentlich! Dann können und müssen wir den Sachsen und Thüringern vielleicht noch dankbar sein.

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