Privatschulen vor einem Corona-Boom? Sie sind flexibel, digital gut aufgestellt – und attraktive Arbeitgeber (sagt der VDP)

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BERLIN. Der Verband deutscher Privatschulverbände (VDP) vertritt gemeinsam mit seinen zehn Landesverbänden über 2.500 private Bildungseinrichtungen – vom Kindergarten über die Berufsschulen bis hin zu Weiterbildungsanbietern. Das große Portfolio bildet sich auch in den zahlreichen Fachgruppen des Verbandes ab. „Es ist eine sehr schöne und herausfordernde Arbeit, diese Vielfalt an Schulen in freier Trägerschaft im Verband zu haben und deren Interessen zu vertreten“, sagt Judith Aust. Wir sprachen mit der Geschäftsführerin des VDP Dachverbands über die aktuelle Situation der allgemeinbildenden Privatschulen, deren Herausforderungen und Besonderheiten.

Privatschulen es in der Vergangenheit sehr gut verstanden haben, sich als attraktive Arbeitgeber zu präsentieren: VDP-Geschäftsführerin Judith Aust. Foto: Anika Nowak (www.anikanowak.net)

News4teachers: Als Geschäftsführerin des VDP können Sie sicher am besten etwas über die Lage der Privatschulen im Moment sagen. Wie geht es den sogenannten freien Schulen nach zwei Jahren Pandemie?

Judith Aust: Man kann sagen, dass sich die Privatschulen konstanter Beliebtheit erfreuen. Im Schuljahr 2020/21 gab es laut Statistischem Bundesamt 5.855 Schulen in freier Trägerschaft in Deutschland, davon 3.711 allgemeinbildende Schulen. Das ist ein Anteil von 12 Prozent an allen allgemeinbildenden Schulen in Deutschland. Erstmals haben im letzten Jahr über eine Million Schülerinnen und Schüler an allgemein- und berufsbildenden Privatschulen gelernt, das ist ein Zuwachs von 0,8 Prozent. Damit besuchte also etwa jeder 11. der 10,7 Millionen Schülerinnen und Schüler hierzulande eine Privatschule.

Themenwochen Privatschulen

Im April 2022 laufen auf News4teachers, mit 2,5 Millionen Seitenaufrufen monatlich Deutschlands meistgelesenes Bildungsmagazin, die Themenwochen Privatschulen. In zahlreichen Beiträgen beleuchten wir, was freie Schulen ausmacht. Nutzen Sie das Umfeld der redaktionellen Berichterstattung, um mit Anzeigen und Pressemeldungen auf sich aufmerksam zu machen! VDP-Mitgliedern räumt News4teachers besondere Konditionen ein. Weitere Informationen gibt es hier.

News4teachers: Gerade die privaten Grundschulen haben ja im letzten Jahr noch einmal etwas zugelegt mit 1,6 Prozent mehr Schüler*innen im Vergleich zum Vorjahr. Woran liegt das? Hatte die Pandemie etwas damit zu tun?

Judith Aust: Es gibt noch keine belastbaren Zahlen, die auf einen Einfluss der Pandemie auf den Zulauf an Privatschulen schließen lassen. Sie müssen bedenken, dass die Entscheidungen für eine Schule ja immer schon ein Jahr zuvor fallen. Die Eltern hatten ihre Kinder also bereits vor der Pandemie für das Schuljahr 2020/21 angemeldet.

Aus Gesprächen mit Eltern wissen wir aber, dass Entscheidungen für private Schulen, gerade im Falle der Grundschulen, wegen des pädagogischen Konzepts aber auch wegen der Ganztagsbetreuung und der breitgefächerten Angebote gefällt werden. Neben dem Schulprofil spielen aber auch die Zusammenarbeit zwischen Elternhaus und Schule, das Lehrerkollegium sowie das Schulklima eine Rolle.

News4teachers: Eine private Grundschule muss bei der Gründung ein besonderes pädagogisches Konzept vorlegen oder konfessionell sein, um als Ersatzschule genehmigt zu werden.

Judith Aust: Genau. Private Schulen gründen sich meistens, weil ein spezielles pädagogisches Konzept umgesetzt werden soll, weil sie zum Beispiel mehrsprachig sein wollen oder reformpädagogisch oder eine Förderschule. Und Eltern, die sich mit den individuellen Fähigkeiten und Neigungen ihres Kindes und mit diesen verschiedenen Konzepten auseinandersetzen, treffen dann natürlich häufig die ganz bewusste Entscheidung für ein bestimmtes Schulangebot.

News4teachers: Haben Sie denn Trends beobachten können, dass ein bestimmtes Konzept besonderen Anklang findet?

Judith Aust: Privatschulen sind oft Impulsgeber für das gesamte Schulsystem. Sie orientieren sich an den gesellschaftlichen Anforderungen und entwickeln ihre pädagogischen Konzepte ständig weiter. Vor allem im Bereich der digitalen Bildung und der Ganztagsbetreuung gelten Privatschulen als Vorreiter. Insofern sind das sicherlich entscheidende Kriterien bei der Wahl einer Schule. Digitalisierung und der Umgang mit digitalen Medien gehörten bei vielen freien Trägern schon vor der Pandemie zum Schulalltag. Ein Großteil unserer Bildungseinrichtungen konnte schnell auf digitalen Unterricht umstellen. Es ist gelungen, flexibel und sachgerecht zu reagieren Unterrichtsausfälle gab es deshalb nur wenig. Das Digitale wird auch nach der Pandemie eine größere Rolle spielen und private Schulen sind hier gut aufgestellt. Aber auch solche Kriterien wie die Ganztagsbetreuung, gute Lernförderangebote sowie eine enge Zusammenarbeit zwischen Eltern, Lehrkräften und Schülern spielen eine entscheidende Rolle

News4teachers: Das hört sich nach einem guten Personalschlüssel an. Gibt es bei Ihnen in den Privatschulen denn keinen Lehrermangel wie im öffentlichen Schulsystem?

Judith Aust: Ich glaube, dass die Privatschulen es in der Vergangenheit sehr gut verstanden haben, sich als attraktive Arbeitgeber zu präsentieren. Das hat etwas mit Schulklima, kurzen Entscheidungswegen und auch den speziellen pädagogischen Konzepten zu tun.

Allerdings sehen wir mit Sorge, dass der Staat vereinzelt versucht, Lehrer und Lehrerinnen direkt von Privatschulen abzuwerben. Und das ist ein ungleicher Wettbewerb, den die Privatschulen auf Dauer nur verlieren können, da der Staat einzig und alleine für die Ausbildung der Lehrer verantwortlich ist. Das konnten wir in einem Gutachten noch einmal explizit aufzeigen. Der Staat besitzt das Ausbildungsmonopol und hat die Infrastrukturverantwortung für das gesamte Schulwesen. Unser Wunsch ist es zum Beispiel, Privatschulen flächendeckend in den Vorbereitungsdienst für Lehrerinnen und Lehrer miteinzubeziehen und dadurch Zugang zu den Bewerberpools für Lehrkräfte in den Ländern zu erhalten. Dafür setzen wir uns als VDP natürlich im engen Austausch auf Bundes- wie auf Landesebene mit den entsprechenden Entscheidungsträgern ein.

News4teachers: Nun ist ja eine der Kompetenzen von Privatschulen wahrscheinlich auch im sozialpädagogischen Bereich anzutreffen, wenn man beispielsweise bedenkt, dass freie Schulen oft auch solche Kinder und Jugendlichen auffangen, die im staatlichen Schulsystem nicht gut zurechtkommen. Einige Schulplätze werden ja zum Beispiel von Jugendämtern bezahlt. Das heißt, eigentlich nehmen Privatschulen dem Staat auch Arbeit ab, oder?

Judith Aust: Privatschulen haben an sich schon den Anspruch, für jedes Kind entsprechend seiner individuellen Fähigkeiten und Neigungen Angebote vorzuhalten. Das Schulsystem ist ja im Artikel 7 Absatz 4 des Grundgesetzes geregelt. Das heißt, es gibt kein staatliches Schulmonopol, sondern es ist ein System, das aus zwei Säulen besteht, den staatlichen Schulen und den Schulen in freier Trägerschaft. Beide sind gleichberechtigt gewünscht und gewollt.

News4teachers: In der breiten Öffentlichkeit werden Privatschulen dennoch häufig als elitär und vor allem kostspielig wahrgenommen.

Judith Aust: Für die sozialen Unterschiede in Deutschland können Privatschulen mit einem Anteil von 11 Prozent an der Gesamtschülerschaft nicht verantwortlich gemacht werden. Auch weil die pädagogischen Konzepte von Privatschulen sich an alle Schüler richten, egal welcher sozialen Herkunft. Aber der Besuch einer privaten Schule setzt natürlich voraus, dass sich Eltern mit dem pädagogischen Konzept, mit dem vorhandenen Schulangebot beschäftigen und eben eine Schulwahl treffen. Würde die staatliche Finanzhilfe ausreichend hoch sein, dann müssten Privatschulen auch kein Schulgeld erheben. Das ist aber notwendig, da die staatliche Finanzhilfe über alle Schulformen hinweg im Durchschnitt pro Schüler nur 70 Prozent der Ausgaben deckt, die die öffentliche Hand für einen Schüler an einer staatlichen Schule ausgibt. [Letzteres gilt für freie, staatlich anerkannte Ersatzschulen, nicht jedoch für Ergänzungsschulen, die sich zu 100 Prozent selbst finanzieren müssen. Anm. d. Redaktion.]

News4teachers: Für den Staat scheint das günstiger zu sein, als wenn er alle Schüler*innen selbst beschulen müsste. Die Eltern übernehmen quasi den Fehlbetrag. Für sie wird es dann aber doch teuer?

Judith Aust: Auch das ist im Grundgesetz geregelt. Eine Auswahl der Schüler nach den Besitzverhältnissen ihrer Eltern ist verboten. Das ist das sogenannte Sonderungsverbot. Im Herbst 2020 hat das Statistische Bundesamt zum ersten Mal die Höhe des Schulgeldes, die aus der Lohn- und Einkommensstatistik ermittelt wurde, veröffentlicht. Demnach beträgt das durchschnittliche Schulgeld 2.000 Euro im Jahr. Für 60 Prozent der Schüler allerdings weniger als 1.500 Euro im Jahr und für 24 Prozent sogar weniger als 500 Euro im Jahr.

News4teachers: Sie machen sich als Dachverband nicht nur für die Privatschulen sondern auch allgemein für bessere Bedingungen für Bildung stark – von der Anerkennung von digitalen Endgeräten und digitalen Zugängen als Anspruch im SGB II für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in der schulischen Ausbildung sowie den Ausbau der schulischen Sozialarbeit bis hin zur Schuldgeldfreiheit in der Ausbildung für Gesundheitsfachkräfte oder einem DigitalPakt für die Weiterbildung. Ihre Forderungen sind in Ihrem Positionspapier vom letzten Jahr vor der Bundestagswahl nachzulesen. Wie geht es jetzt weiter?

Judith Aust: Wir haben vor der Bundestagswahl unsere vielfältigen Forderungen zu den auch von Ihnen genannten Themen in den Bundestagswahlkampf eingebracht. Unsere Aufgabe als Verband ist es, die gesellschaftspolitischen, rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingung für das freie Bildungswesen zu stärken. Der nun vorliegende Koalitionsvertrag greift viele für den Verband relevante Themen in den Bereichen Allgemein- und Berufsbildung, aber auch Weiterbildung auf. Unsere Aufgabe ist es jetzt, unsere Forderungen entlang einzelner Themen einzubringen, Reformoptionen aufzuzeigen, und im engen und konstruktiven Dialog mit Politik und Verwaltung entlang von Gesetzesinitiativen die Rahmenbedingungen für Schulen in freier Trägerschaft zu verbessern. Sonja Mankowsky führte das Interview / Agentur für Bildungsjournalismus

Der Beitrag ist in ursprünglicher Version am 6. März 2022 erschienen.

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Georg
2 Monate zuvor

Zwei Anmerkungen:

Die staatliche Refinanzierung gibt es nur für Ersatzschulen. Ebenfalls private Ergänzungsschulen finanzieren sich komplett über Schulgelder, die dann oftmals bei mindestens 1000€ im Monat liegen. Wie viel davon bei den Lehrkräften ankommt, sei einmal dahingestellt. Nach dem, was ich so gehört habe, ist es deutlich weniger als nach TVL.

Wenn man die Höhe des genannten Schulgeldes runterrechnet auf die obere Kostengruppe, ergeben sich mindestens 3770€ pro Jahr oder über 300€ im Monat. Das ist für normalverdienende Eltern schon eine große Hausnummer.

Nachgedacht4
2 Monate zuvor

Naja, naja, da die meisten Privatschulen doch weniger Gehalt zahlen als die öffentlichen, hast du dort selten die besser ausgebildeten Lehrer, zumal die meisten Lehrer gerne verbeamtet werden wollen. Auch das haben Privatschulen in der Regel nicht zu bieten.

Mein Name ist Hase
2 Monate zuvor
Antwortet  Nachgedacht4

Nicht Alles, was glänzt, ist auch Gold: Bekannt ist u.a. ein Angebot, als Konrektor einer privaten Schule in Anlehnung an TVöD 10 / BAT IV (alt) bezahlt zu werden. So etwas kann man annehmen, muss man aber nicht.

Georg
2 Monate zuvor
Antwortet  Nachgedacht4

Das muss man differenzieren. Schulen mit kirchlichen Trägern sind auch Privatschulen, bezahlen aber voll den TVL und verbeamten auch.

Waldorfschulen teilen meines Wissens die staatliche Refinanzierung der Lehrergehälter von öffentlichen Schulfächern auf alle Lehrer auf, auch die der nicht öffentlichen und damit nicht refinanzierten Fächer wie Eurythmie. Somit sind dort die effektiven Lehrergehälter mitunter deutlich geringer.

Alla
2 Monate zuvor
Antwortet  Georg

Bei kirchlichen Trägern zahlt der Staat die Lehrergehälter. Allerdings bestimmen die Kirchen den Arbeitsvertrag, der einige Zusatzklauseln enthält. So kann in katholischen Schulen einer LK gekündigt werden, wenn sie als geschiedene sich wiederverheiratet oder eine gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaft eingeht.
Ob das passiert, hängt vom Bistum ab. Einige sind streng, andere beschließen, nicht so genau hinzusehen. Auch diese Schulen leiden unter Lehrermangel…..

Nachgedacht4
2 Monate zuvor
Antwortet  Georg

@Georg, bitte nicht mit den Ausnahmen vom Allgemeinen ablenken!!! Mein Kommentar war hinreichend differenziert und wies auf Ausnahmen hin.

Georg
2 Monate zuvor
Antwortet  Nachgedacht4

Evangelische oder katholische Träger haben etwa 40% der Privatschulen. Gerade weil die verbeamten oder den TVL durchgebezahlen, würde ich die nicht als Privatschule im Sinne von Privatschule zählen. Ich definiere eine Privatschule eher als komplett selbst finanzierte Ergänzungsschule oder die Waldorfschulen. Die bezahlen ihre Lehrer tatsächlich deutlich schlechter. Die Fluktuation dürfte dort aus gerade dem Grund recht hoch sein.

Carsten60
2 Monate zuvor

Wenn Leute von der FDP dieses Interview geführt hätten, hätten die Fragen ziemlich genauso lauten können. Aber was ist denn nun mit der „einen Schule für alle“? Das kann doch keine Privatschule sein, oder doch? Und was wäre, wenn der Privatschulsektor noch weiter zunähme? Jetzt bin ich mal gespannt auf die Kommentare der Grünen und der Linken. Die Linkspartei jedenfalls sieht ein Zwei-Klassen-Bildungssystem (wie bei der Krankenversicherung):
https://www.die-linke.de/start/presse/detail/der-frage-eines-zwei-klassen-bildungssystems-begegnen

Rosa
2 Monate zuvor

Alle Schulen sind von schlechter Bildung betroffen in dieser außergewöhnlichen Lebensphase. Denn der Bildungsplan muss eingehalten weden und ist der Pandemie angepasst worden. Auch privat Schulen sind nicht besser ausgestattet. Oder sprechen Sie von Eliteschulen……..https://www.stadtlandkind.info/bildungsplan-mangelhaft/ Die Bildungsschere im Klassenverband ist den KM bekannt und alle Versprechungen auf Abhilfe ist nicht eingetroffen. Zustzstunden, Förderung durch Studenten, Aufholprogramm ist alles nicht eingetroffen und umgesetzt worden. Man Unwahrheiten verteilt bis zum Anschlag, falsche Hoffnungen vorgetäuscht, Mogelpackungern ohne Inhalt an die Schulen verteilt, Schulleitungen, Lehrer, Schüler hingehalten, Veränderungen angekündigt in einer Scheinwelt der KM und vieles mehr.

laromir
2 Monate zuvor

Problem ist teilweise auch dass man ja die Grundschule nicht frei wählen kann. Das war für mich z.B. ein Grund für eine Privatschule. Wenn es am der zugewiesenen Schule permanent Lernrückstände gibt, wenn die Betreuung unterirdisch organisiert ist, Schreibschrift und Rechtschreibung immer wieder ein Thema sind und Anträge an andere Schulen abgelehnt werden, weil alle überquillen, dann ist mir eine Schule lieber, die ein gutes Konzept mit kleinen Klassen hat. Zudem auch während Corona sehr viel Präsenzunterricht, gutes Hygiene Konzept und gute Versorgung im Homeschooling. Außerdem gutes Mittagsangebot (Musik, Sport etc.) und Zweisprachigkeit. Ich bezahle gerne dafür, zumal ich für Betreuung auch an der staatlichen Schule zahlen müsste und es im Verhältnis gar nicht so viel teurer ist. Und ich persönlich verzichte lieber auf das ein oder andere, wenn dafür mein Kind eine gute Ausbildung und Betreuung erhält.

Holunder
2 Monate zuvor

An den Privatschulen hat man oft Lehrer, die im öffentlichen Dienst nicht genommen werden, z.B. ohne abgeschlossene Lehrerausbildung. Insofern trügt der Schein etwas.

Nicht nur
2 Monate zuvor
Antwortet  Holunder

Genauso hat man aber auch Lehrer, die bewusst auf die Verbeamtung verzichten oder diese im nachhinein aufgeben, da der öffentliche Dienst eben auch einige (fragwürdige) Sachen mit sich bringt.
Private Schulen können auch ihr Personal „aussuchen“ bzw. ablehnen und ihnen wird nicht einfach so ein Lehrer auf gut Glück zugeteilt.
Abgeschlossene Lehrerausbildung geht mit dem 2. StEx einher … Ob das immer eine so sinnvolle Voraussetzung für den Lehrerberuf ist möchte ich mal anzweifeln – auch hier gibt es sehr gute und leider auch viele sehr schlechte Seminare und „Ausbildungen“.

Teacher Andi
1 Monat zuvor
Antwortet  Nicht nur

Ohne Seminarausbildung mit einem reinen Studium hätte man allerdings überhaupt keine oder nur sehr geringe praktische Erfahrung. Dann wäre es wie in der Politik mit den Ämtern, Lehrer kann jeder werden, ohne Bezug und ohne Praxisbezug. Na dann!
Wobei ich Ihnen Recht geben muss, dass die Seminarausbildungen oft nicht sehr professionell sind, um es mal milde auszudrücken.

Bla
1 Monat zuvor
Antwortet  Teacher Andi

@Teacher Andi
Kann man so pauschal nicht sagen.
Die praktische Erfahrung bekommt man durch den Job selbst am Besten. Im Referendariat ist einiges halt einfach ein Schauspiel. In der „echten“ Praxis sieht man dann schon, wie vieles wirklich funktioniert und wie das zeitlich aussieht.
Auch bei Privatschulen kann es kollegiale Begleitung geben. Hospitationen und Absprachen mit anderen LuL helfen hier auch sehr gut. Dafür braucht man kein Seminar, in welchem man oft verheizt und bloßgestellt wird.
Wenn es um die Praxisorientierung ginge, dann wäre es meiner Meinung nach sinnvoller das in das Studium mit einzubauen. (Praxissemester mit Unterrichtskontingent)
Dazu könnte man bei Berufseinsteigern ein freiwilliges Referendariat anbieten und/oder mehr auf kollegiale Begleitung setzen. Dann muss das Seminar eben gut und sinnvoll sein, sonst macht das keiner mehr. Hängt dann auch von der Person selbst ab und in wiefern der „Praxisschock“ einschlägt und abgefangen werden müsste.
Ich stelle einfach mal die These auf, dass man in zwei begleiteten Jahren mit hohen Unterrichtsstunden (Eigenanteil) mehr für den Berufsalltag lernen kann, als im Referendariat. [Natürlich hängt das sehr stark von einem selbst auch ab und der Schule/das Seminar]

Auch in anderen Berufen gibt es nach dem Studium eben keine zusätzliche Ausbildung über zwei Jahre … Daher müsste man dann auch diese Berufe „anprangern“, dass die jeder machen könnte?
Und wenn das Studium eben nicht für den Beruf geeignet wird – wozu dann? Machen wir halt eine Ausbildung drauß? (Akademisierung? Achja …)
Dann vielleicht ein Duales Studium? (wie oft an technischen Berufsschulen -> Ingenieur)

Auch nach meiner Berufsausbildung hat keiner gesagt „hey, du kennst dich doch gar nicht aus, musst erst in ein Seminar“, sondern man wurde angelernt.
Beim Studium als Informatiker und Ingenieure ist das im übrigen nicht viel anders – zumindest, was ich von meinem Bekanntenkreis so kenne und von meinen Erfahrungen, welche ich selbst in einem Ingenieurbüro durch meine ehemalige Ausbildung (als Bürokaufmann) gemacht habe.

Ernst Schuberth
2 Monate zuvor

Ich sehe zwei Wege, die Spaltung des Schulsystems in ‚privat‘ und ’staatlich‘ wenigstens zu mildern:
– mehr Autonomie für die wirklich tätigen Erzieher:innen und Lehrer: innen. Schule darf kein Spielplatz für parteipolitische Interessen sein, hinter denen sich gerne ökonomische Interessen verstecken. Kurz: Mehr Selbstbestimmung bis in den Einsatz von finanziellen Ressourcen und Gestaltung von Lehrplänen. Das würde den Dialog zwischen allen Beteiligten wieder sinnvoll machen und die Überschwemmung mit Erlassen etc. einschränken. Dies würde die staatlichen Einrichtungen und die entsprechenden Berufe attraktiver machen.
– einen Erziehungs-Voucher schaffen, der den Eltern ermöglicht, eine Einrichtung ihrer Wahl unabhängig von ihrem Einkommen zu wählen.
Warum nicht ‚blühende Bildungslandschaften ‚ schaffen, in denen ein freier Wettbewerb der pädagogischen Ideen alle konkret Beteiligten wieder kreativ werden lässt? Die Aufgabe der staatlichen Verwaltung bliebe dann, das Einhalten des vom Grundgesetz gegebenen Rahmens zu überwachen.

Nachgedacht4
2 Monate zuvor
Antwortet  Ernst Schuberth

Erziehungs-Voucher??? Bitte verständlich ausdrucken!

Alla
2 Monate zuvor

Bei uns (Schule im Villenviertel, mit etwa 30% finanzstarker, 40% mittelständischer und 30% sozial schwacher Elternschaft), sind es vor allem Eltern von Kindern mit Förderbedarf, besonders ‚Geistige Entwicklung‘ und ‚Sozial-emotionaler Förderbedarf‘, die sich für Privatschulen entscheiden. Die meisten müssen (und können) die Kosten komplett selbst aufbringen, nur ganz wenige erhalten einen Zuschuss vom Jugendamt oder Sozialamt.
Auf die wirklich teuren ‚Eliteschulen‘ (oft Internate) gehen hauptsächlich Unternehmerkinder. Meist erst nach der Grundschulzeit.
Aber für alle gilt: kleine, leistungshomogene Lerngruppen sind begehrt.

(Für Waldorfschulen gelten allerdings wieder andere Kriterien. Wir haben jedes Jahr einige „Rückläufer“ aus Waldorfschulen, die dann doch mit der Ideologie, den riesigen Klassen, der strikten Disziplin, dem großen geforderten Engagement der Eltern nicht klarkamen.
Für einige Kinder scheint das gut zu funktionieren aber beileibe nicht für alle. Der spirituell-kreative Ansatz ist für entsprechende Kinder super, andere Kinder „ticken“ anders und blühen an der Regelschule regelrecht auf.)

Keine Ahnung warum kleine leistungshomogene Gruppen bei vielen Eltern begehrt sind, sagt doch jeder Experte, dass große, leistungsheterogene Klassen die Kinder am besten fördern, möglichst mit nur einer Lehrkraft, die in Personalunion das ganze multiprofessionelle Team in sich vereint!
Irgendwie scheinen viele Eltern davon nicht so überzeugt!

DerechteNorden
2 Monate zuvor
Antwortet  Alla

“ … sagt doch jeder Experte, dass große, leistungsheterogene Klassen die Kinder am besten fördern, möglichst mit nur einer Lehrkraft, die in Personalunion das ganze multiprofessionelle Team in sich vereint …“ Sie haben das nucht so wirklich ironisch gemeint, oder? Ich kenne jedenfalls niemanden, der/die sowas behaupten. Weder Expert*innen, noch Schulkeitungen, noch Lehrkräfte. WER sagt sowas denn?
BTW: Ich bin gegen Privatschulen, sondern erwarte von der Politik, dass sie so stark lenkt, dass alle Kinder in Deutschland – auch trotz ihres Elternhauses – ähnlich gute Chancen an staatlichen Schulen erhalten. Privatschulen führen nur mehr zur Segregation und und nicht dazu, dass sich das staatliche Schulsystem verbessert. Wie soll es auch, wenn diejenigen, die am meisten Einfluss haben, ihre Kids einfach auf eine Privatschule schicken?! Besser wäre, wenn sie so rummaulen, dass es tatsächlich irgendwann kleinere Klassen und Schulen mit besserer Ausstattung in allen Bereichen gibt.

Balu
2 Monate zuvor
Antwortet  Alla

Wer große, leistungsheterogene Gruppen gut findet, kann noch nie länger vor einer Klasse gestanden haben. Da muss erst mal erklärt werden, wie man dann „individualisiert“ unterrichten soll und gleichzeitig ein lernförderndes Arbeitsklima schafft und gleichzeitig noch eine Arbeitsumgebung für den Lehrenden, die auch Abeitschutzgesetzen gerecht werden würde.
Selbst wenn Bildungsforscher auf diese Idee kämen (bei der Hattie-Studie gab es hierzu ja Tendenzen), muss immer wieder hinzufügen, dass viele Bildungstheoretiker noch nie vor einer Klasse gestanden haben…

Teacher Andi
1 Monat zuvor
Antwortet  Balu

@Balu, und genau das ist der springende Punkt, warum den Schulen, den Lehrern und Schülern immer wieder „politisch ausgeklügelte“ Vorgaben und Neuerungen vorgesetzt werden, die immer schwieriger umzusetzen sind. Man merkt zunehmend, dass unser Schulsystem von praxisfernen „Bäumchen-wechsel-dich Politikern“ betreut wird.
Bei uns hatten sich die Schulhausmeister beschwert, dass gewisse Dinge nicht in ihrer Stellenbeschreibung vermerkt waren und waren dann raus aus der Verpflichtung. Der Lehrer hat diese Möglichkeit nicht.

Chorleiterin
2 Monate zuvor

Ja, „Holunder“, das habe ich so auch erlebt.Ich habe drei Jahre an einer Privatschule gearbeitet.
In der damaligen Schulleitung war EIN „klassisch “ ausgebildeter Lehrer.
Über meine Erfahrungen dort könnte ich ein ganzes Buch schreiben, und eigentlich müsste es geschrieben werden.Denn wofür die Eltern da bezahlt haben….ich habe manchmal gedacht, wenn die wüssten…..
Jede staatliche Schule hätte den Wettbewerb mit dieser Schule gewonnen, das fing an bei der Stunden- und Raumplanung, ging weiter über langfristige Planung, Schulorganisation, vernünftigen Vertretungsunterricht…
Es gab immense Verstöße gegen das Arbeitszeitgesetz. Dort wurden z. B. mit Absicht viele Freistunden in die Stundenpläne gebaut, damit man immer schön vertreten konnte, ich habe ungelogen bis zu 9 Vertretungsstunden in der Woche erteilt.
Gefühlt jede Woche wurde “ eine neue Sau durchs Dorf getrieben“, alles sehr visionär, aber leider hinterher nicht zu realisieren.
Es stimmt, digital waren sie gut aufgestellt, nur dass das immer wieder nicht funktionierte und man immer noch einen Plan B haben musste…..
Allein in meiner dreijährigen Zeit dort habe ich 6 Lehrkräfte erlebt, die “ kaputtgespielt“ wurden, ins Burnout getrieben, langzeitkrank, monatelang wegen psychischer Beschwerden nicht anwesend.
Das waren vor allem Quereinsteiger, die einfach in die Klassen geworfen wurden ohne jegliche Anleitung oder Unterstützung.
Das Positive war, es wurde sich wirklich intensiv um jeden Schüler gekümmert, aber die Lehrer blieben dabei auf der Strecke.

Holunder
2 Monate zuvor
Antwortet  Chorleiterin

@Chorleiterin, danke für die Zustimmung. In der Allgemeinbevölkerung herrscht oft der Glaube, an Privatschulen bekäme man beste Bildung und beste Lehrer. Aber vor allem in Zeiten des Lehrermangels müssen die Privatschulen nehmen, wen sie kriegen können und das sind oft eben auch Lehrer ohne abgeschlossene Lehrerausbildung und manchmal auch solche, die anderswo gescheitert sind. Sie sagen aber richtig, Lehrer werden dort auch oft verheizt und ausgebeutet.

Erfahrungen sind individuell
2 Monate zuvor
Antwortet  Holunder

Ich habe sowohl an der Privatschule, als auch an der Regelschule mit einem tollen Kollegium zusammen gearbeitet.
An der Regelschule war das System aber hierarchischer und durch viel mehr Bürokratie usw. geprägt. Mitsprache war dort nur bedingt gerne gesehen. Die Ausstattung war eine Katastrophe, wofür die Schule aber nichts konnte. Die Wege waren sehr umständlich.
Die Stimmung an der Privatschule ist mehr familiär für mich. Mitsprache wird gern gesehen. Die Entscheidungswege sind viel kürzer und direkter. Eigeninitiative ist hier auch mehr gefragt.
Das Engagement war an beiden Schulen gut, das liegt halt auch einfach am Kollegium.
Es gibt SuS, welche besser auf einer Regelschule „klar kommen“ und welche, die an einer Privatschule besser zurecht kommen. Genauso eben auch bei den LuL.
Der Unterschied ist oft einfach, dass man sich die Regelschule nur bedingt selbst aussuchen kann (als Eltern, SuS und LuL), sich eine Privatschule (mehr oder weniger) bewusst aussucht.
LuL werden gerne an beiden „Schulformen“ verheizt … Die Art ist nur oft anders.
Generell kann man auch nicht sagen „Regelschule/Privatschule ist besser“. Es gibt sehr gute Regelschulen und sehr gute Privatschulen. Ebenso gibt es beides als Chaosschulen.

celanon
2 Monate zuvor

Ja, das sind dann wohl die Ausnahmen, die die Regel bestätigen.

Teacher Andi
2 Monate zuvor
Antwortet  Chorleiterin

Ja, Chorleiterin, es ist tatsächlich nicht so, dass die Privatschulen das Non-Plus-Ultra sind, wie hier dargestellt. Da liegt Vieles im Argen, Aber mit einem gewissen Maß an Arroganz halten die Privatschulen ihre Elitestellung aufrecht. Hinter den Kulissen sieht es oft anders aus. Ihr einziges Plus sind die kleinen Klassen, das verstärkt den pädagogischen Effekt sehr. Wenn die staatlichen Schulen sich endlich auf eine Klassenstärke von maximal 24 Schülern einigen könnten, wäre schon viel gewonnen, ohne aufwändige ausarbeitungen von sog. Bildungsexperten.

Balu
2 Monate zuvor

Ich finde es krass, wie tendenziös dieser Artikel ist, ich kann nur hoffen, dass es auch noch kritische Artikel zu diesem Thema gibt. Gerade von Seiten ehemaliger Privatschullehrkräfte habe ich auch schon sehr viel Negatives aus deren Innenleben erfahren. Staatliche Schulen und deren Personal werden hier sehr merkwürdig dargestellt.

Georg
16 Tage zuvor
Antwortet  Balu

Der Artikel ist ein Interview mit einer Vertreterin der Privatschulen und damit natürlich einseitig.

Sami
2 Monate zuvor

Aus der GS meines Sohnes gehen alle LehrerInnenkinder auf Privatschulen…

In Sorge
1 Monat zuvor
Antwortet  Sami

Aus meiner GS gehen alle Lehrerkinder auf staatliche Regelschulen. Und nu?

Exfinnin
1 Monat zuvor
Antwortet  Sami

Kenne kein Lehrerkind, das auf eine Privatschule geht, es sei denn auf eine private Förderschule.
Solche Schulen gibt es als Regelschule bei uns nämlich nicht mehr….

Dil Uhlenspiegel
1 Monat zuvor

(liest) … „Boom“ aha, aha, interessant …
… „Sie sind flexibel, digital gut aufgestellt und attraktiv“ – Aber hallo! Und ob, klimper, klimper … und weiter …
…“Bildung“ – achso, ne da bin ich raus.

Dirk Z
1 Monat zuvor

Ich kenne einen Fall, wo vor ca. 18 Jahren eine Privatschule mit mehreren Standorten gegründet wurde, von denen einige nicht mehr existieren, aber der Hauptstandort sich inzwischen mit einem entsprechenden Gebäude etabliert hat.
Der Weg dieser Schule war auch nicht einfach. Allerdings hatte die Schulleitung durch ihren Führungsstil (autoritär angehaucht) auch sich selber viele Steine in den Weg gelegt. Das ging teilweise sogar soweit, daß für die gymnasiale Oberstufe die Abiprüfungen extern abgenommen werden mussten, wo dann ein sehr hoher Anteil der Schüler durchs Abi gefallen ist und die anderen schlechte Notendurchschnitte hatten. Angeblich gibt es dort auch eine hohe Lehrerfluktuation, zumindestens in den ersten 10 Jahren. Die Erfahrungen mit den Schülern ist, daß diese auch nicht besser sind als die Schüler, die in dem Ort die Regelschulen besucht haben. Vor allen befinden sich in dem Ort inzwischen auch hochkarätig ausgestattete Allgemeinschulen, wo sich die Privatschule auch ganz schön strecken muss, um den Standard mitzuhalten.

Susi
1 Monat zuvor

Der Zulauf von Lehrkräften bei den Privatschulen scheint sich ja weniger über die reine Bezahlung abzuleiten, als über die Rahmenbedingungen vor Ort. Natürlich darf nicht generealisiert werden und macht einen Vergleich unter privaten Anbietern augrund der vielen Einzelfälle schwierig. Daraus ergibt sich auch, dass ein allgemeiner Vergleich mit öffentlichen Schulen schwierig ist. Denn auch hier gibt es solche und solche.

Wir sollten uns wohl zukünftig im Sinne der Bildung für unsere Kinder von einfachen Denkweisen wie ‚privat vs. öffentlich‘ verabschieden.