Städte- und Gemeindebund: „Wir brauchen künftig keine Schulbücher mehr“

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Niedersachsens Kommunen lehnen die Forderung der SPD nach Leih-Tablets für alle Schülerinnen und Schüler ab. «Wir sind absolut gegen kostenlose Tablets, das können die Eltern selbst bezahlen», sagte Marco Trips, Präsident des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes (NSGB) der «Hannoversche Allgemeine Zeitung». Auf die Digitalisierung bauen die Kommunen gleichwohl.

Ecke eines Bücherstapels vor unscharfem, tiefem Hintergrund
Schulbücher – ein Auslaufmodell? Foto: Shutterstock

Natürlich müsse man dabei bedürftige Eltern finanziell unterstützen. «Allen anderen muss der Staat kein kostenloses Tablet schenken», sagte Trips in dem Interview.

Im März hatte die SPD die Austattung mit Leih-Tablets für alle Schülerinnen und Schüler vom Schuljahr 2024/25 an als zentrale Forderung mit Blick auf die Landtagswahl im Herbst angekündigt. Dieses Wahlversprechen bezeichnete Trips nun als «Bauernfängerei». Das Geld soll ihm zufolge eher in die Lehrer- oder Erzieherausbildung fließen. Zudem hält er Tablets an Grundschulen nicht für erforderlich, das sei viel zu früh.

Trips forderte das Land auf, endlich mit den Schulbuchverlagen zu verhandeln, dass Bücher in die niedersächsische Schulcloud kommen. «Wir brauchen künftig keine Schulbücher mehr. Es ist Unfug, die Kinder täglich die schweren Bücher herumschleppen zu lassen», sagte Trips. News4teachers / mit Material der dpa

Gesichter, die an Affen erinnern: Antisemitismus in Schulbüchern bleibt ein Problem

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Georg
12 Tage zuvor

„Trips forderte das Land auf, endlich mit den Schulbuchverlagen zu verhandeln, dass Bücher in die niedersächsische Schulcloud kommen. «Wir brauchen künftig keine Schulbücher mehr. Es ist Unfug, die Kinder täglich die schweren Bücher herumschleppen zu lassen», sagte Trips.“

Das ist natürlich Quatsch. Es geht den Schulträgern nur um die Kosten für die gedruckten Bücher.

Palim
12 Tage zuvor
Antwortet  Georg

In NDS ist die Lobby groß, es ist festgeschrieben, dass die Bücher nur 3x verliehen werden dürfen, dann müssen sie ersetzt werden.

Die Schulbücher sind nicht frei zugänglich, für digitale Versionen bezahlt man die Lizenz jedes Jahr neu.

Carsten60
11 Tage zuvor
Antwortet  Palim

„nicht frei zugänglich“
Eben: Klassische Bücher kann man ausleihen, an den Nachbarn weitergeben, fotokopieren usw. Lehrer und Schüler dürfen für nicht-kommerzielle Zwecke aus Büchern kopieren und das sogar verteilen.
Bei e-books werden Raubkopien nach Kräften verhindert und ggfs. sogar verfolgt.
Bei anderen als Schulbüchern: Wie sollen wir uns eine Stadtbibliothek mit kostenloser Ausleihe von Büchern vorstellen, wenn es da nur noch e-books gibt?
Klassische Bücher werden gebraucht zu Spottpreisen im Internet angeboten. Wie ist das bei gebrauchten e-books? Darf man die überhaupt weiterverkaufen?
Nett ist auch mal wieder, dass der Städte- und Gemeindebund die Kosten für die Digitalisierung möglichst weitgehend auf die Eltern abwälzen will. Gab es nicht mal sowas wie eine Lehr- und Lernmittelfreiheit ??? Überall liest man, alles wird teurer, die Leute werden (relativ) ärmer, und oben steht sinngemäß: na, die haben doch locker Geld für digitale Geräte übrig, vielleicht auch für e-book-Lizenzen.

Uwe
10 Tage zuvor
Antwortet  Carsten60

Man kann eBooks in Büchereien (kostenlos) ausleihen. Das ist technisch problemlos möglich

Schnelle google Suche:

https://www.stadt-muenster.de/buecherei/angebote/online/ebooks-und-emedien/so-nutzen-sie-muensterloadde#:~:text=%C3%9Cber%20die%20Onleihe%20muensterload.de,Zeitungen%20und%20Zeitschriften)%20ausgeliehen%20werden.

Nebenbei sind zum Beispiel im Deutschunterricht die ganzen Klassiker Gemeinfrei, können also kostenlos verteilt werden.

Und es gibt auch Schulbücher und Materialien die eine der gemeinreien Lizenzen haben.

Carsten60
10 Tage zuvor
Antwortet  Uwe

Der Link geht so nicht, aber ich glaub’s. Dennoch: Kann man gekaufte e-books verschenken, ausleihen oder verkaufen? Was ist eigentlich mit jenen Schülermaterialien, die als Ergänzung gedacht sind und in die die Schüler was reinschreiben sollen? Da schreiben sie dann elektronisch rein, und bei einem Missgeschick ist alles gelöscht? Und wenn das Gerät, auf dem das e-book gespeichert ist, irreparabel defekt ist? Dann bekommt man kostenlos Ersatz für das e-book?
Ich befürchte, dass — zusätzlich zu all den Schwierigkeiten in der Schule — mehr und mehr Zeit draufgehen wird, die digitalen Geräte in Schwung zu bringen und zu halten, von den Kosten ganz abgesehen. Eine Klassenarbeit mit Aufgaben aus einem e-book? Unmöglich, wenn auch nur bei einem Schüler ein Defekt vorliegt, etwa weil das Ding runtergefallen ist. Oder manche machen sich einen Spaß daraus zu behaupten, dass sie gerade nicht an ihr e-book herankommen.

Palim
8 Tage zuvor
Antwortet  Carsten60

Ich bin fasziniert davon, dass die Schulbücher der Ukraine frei zugänglich sind. Warum ist das in Deutschland nicht möglich?

Warum sind Studien und Aufsätze von Dozenten an den Universitäten nicht frei zugänglich oder zumindest innerhalb der Bildungsinstitutionen abrufbar?

Georg
8 Tage zuvor
Antwortet  Palim

Noch viel faszinierender ist, dass die Ukraine das trotz Krieg innerhalb weniger Wochen organisiert hat.

Uwe
11 Tage zuvor
Antwortet  Georg

Ich habe seit ungefähr 10 Jahren ein ebook und kein einziges Nichtdigitales Buch mehr im Haus. Warum auch? Und selbst wenn es ums sparen gehen sollte, warum zum Teufel soll das land Geld für so etwas archaisches wie gedruckte Bücher auf Papier ausgeben? Wir leben nicht mehr im Mittelalter.
Das Gewichtsproblem ist als Argument auch nicht so schlecht, seit ich ein ebook habe kann ich 500 Bücher mit in den Urlaub nehmen.

Marion
11 Tage zuvor
Antwortet  Uwe

Wieso Mittelalter? Ich glaube den Buchdruck stellt man erst seit so ungefähr 10 Jahren infrage.
Da war das Mittelalter schon über 500 Jahre vorbei.
Mir geht es hier auch um die Haptik. Bildschirm fühlt sich halt immer gleich an.
Bücher haben dicke oder dünne Seiten, das Papier kann sich glatt oder rau anfühlen.
Bücher, (vor allem neue), haben auch einen bestimmten Geruch.
Beim Umblättern der Seiten raschelt es.
Also, was sinnliche Wahrnehmung betrifft, schlägt das gedruckte Buch das Tablet allemal.

Uwe
10 Tage zuvor
Antwortet  Marion

Aus dem Grund bevorzuge ich Schriftzeichen auf Stein und Tontafeln, die Haptik ist ja sooooooo wichtig. Steintafeln sind auch ästhetischer als Papier finde ich.

Marion
9 Tage zuvor
Antwortet  Uwe

Ja. Haptik, Geruch, Geräusch….
alles sehr wichtig. Wenn sie das nicht brauchen, ok. Aber nicht alle Menschen ticken so. Ich persönlich kann mir nicht vorstellen ohne Bücher zu leben.
Ich liebe Bücher und gebe das, so lange ich kann, an die Kinder weiter, in der Hoffnung, daß bei dem einen oder anderen etwas davon hängen bleibt und sie Bücher in ihrem Leben später genauso wenig missen möchten, wie ich.

Uwe
9 Tage zuvor
Antwortet  Marion

Ihre persönlichen Vorlieben in allen Ehren, es gibt ja auch Menschen die sich Schallplatten anhören, aber das kann ja wohl nicht Basis dafür sein was in Schulen gelehrt und als Lehrmittel benutzt wird. Die Form zu lieben und nicht den Inhalt erscheint mir übrigens auch eher religiös als durch Vernunft geprägt.

Marion
9 Tage zuvor
Antwortet  Uwe

Lesen sie doch mal den Artikel über die nachlassdenden handschriftlichen Fähigkeiten von Kindern. (Die es nicht erst seit Corona gibt).
Aber ist ja alles egal. Heutzutage tippt man.
Ein dreifaches, scheuklappentragendes, kritikloses, jubelndes Hoch auf die totale Digitalisierung schon in der Grundschule – ach was, fangen wir doch gleich in der Krippe damit an – Das sprichwörtliche „Begreifen“ von Sachverhalten wird völlig überschätzt.

Uwe
8 Tage zuvor
Antwortet  Marion

Ich kann mich noch gut an historische Quellen erinnern die, als es durch den Rotationsdruck plötzlich sehr billige Bücher gab gewarnt wurde: Das häufige Lesen von Büchern würde die Jugend verderben, man sprach von einer Krankheit namens Lesewut. Tja im Prinzip die gleichen Argumente , nix neues unter der Sonne. Und natürlich einen Strohmann, niemand will die TOTALE Digitalisierung, es gibt Sport, es gibt Kunst und einen weiten Freizeitbereich in dem man sich verwirklichen kann.

Heutzutage tippt man nun mal, das hat jede Menge Vorteile und sich deswegen halt durchgesetzt. Ich schreibe (seit dem digitalen Klassenbuch) nur noch meine Unterschrift. Und das auch nur noch selten (Online Banking)

Und auch in der Grundschule gibt es jede menge Lernziele (vor allem in der Mathematik) die man sehr gut mit Tabs erreichen kann.

Mein Kleiner hat einen Tab seit er 4 ist. Und nein, er ist nicht stundenlang dabei, manchmal liegt der Tagelang in der Ecke rum.

Marion
8 Tage zuvor
Antwortet  Uwe

Ich behaupte ja nicht, daß in Schulen keine Tablets eingesetzt werden sollen. Im obigen Artikel wird aber der völlige Verzicht auf Schulbücher probagiert. Sie betonen daß sie privat schon längst komplett auf Bücher verzichten, werfen mir aber vor meine privaten Vorlieben als Basis dafür zu nehmen, welche Lernmittel in Schulen eingesetzt werden sollen. Sorry, aber das mit den privaten Vorlieben haben sie zuerst ins Spiel gebracht.
Meine Kommentare sind lediglich eine Reaktion darauf.
Tablets in der Schule – ja, von mir aus gerne, in Maßen.
Völliger Verzicht auf Bücher – nein, niemals.
Heutzutage tippt man? – Ja, bitte, das mach ich ja auch, wie man sieht. Aber deshalb völlig auf alles Handschriftliche verzichten? – Wieder ein klares NEIN von mir. Es würde so viel verloren gehen. Auch ihnen muß doch klar sein, daß der Vorgang des Schreibens mit der Hand wesentlich komplexer ist als das Tippen auf einer Tastatur, wodurch im Gehirn andere Verknüpfungen stattfinden und Inhalte sich besser einprägen.
Aus meiner Erfahrung heraus kann ich jedenfalls sagen, daß Texte, die ich handschriftlich festgehalten habe, nachhaltiger in meinem Gehirn verankert sind, als Getippte.
Wenn sie behaupten, die äußere Form des Mediums, mit dessen Hilfe ich mir Inhalte einpräge, spiele überhaupt keine Rolle, so muß ich ihnen auch da wiedersprechen, und das hat mit Religion rein gar nichts zu tun, wieso auch?
Lese ich einen Text, so konzentriere ich mich mit meinem Bewußtsein natürlich in erster Linie auf das Inhaltliche. Trotzdem ist doch bei allem was wir tun, immer auch das Unterbewußtsein aktiv. Natürlich bemerken wir das nicht, trotzdem finden unbewußte Prozesse statt, die selbstverständlich auch etwas in uns bewirken.
Haptik, Akkustik, Optik, Geruch spielen bei der Auswahl der verschiedenen Lernmittel also durchaus eine Rolle und mir ist völlig unverständlich, wie man das als Lehrer völlig negieren kann.

Marion
9 Tage zuvor
Antwortet  Uwe

Ach ja, bevor ich es vergesse: Vom Lernen mit allen Sinnen haben sie sicher auch noch nichts gehört.

Dil Uhlenspiegel
11 Tage zuvor

Wir brauchen künftig keine Schulbücher mehr, es kann ja eh keiner mehr lesen.
Kostenlose Tablets überall, das kann ja eh keiner mehr lesen.

Lera
11 Tage zuvor

Tablets in der GS sind also zu früh… der Städtebund kennt sich natürlich aus.
Kleiner Nachteil: Die kleinsten müssen jetzt wohl weiter ihre Bücher schleppen, denn die Cloud-Bücher können sie sich ohne Endgerät nur schwer anzeigen lassen.

Lera
10 Tage zuvor
Antwortet  Lera

Vier Leute finden also Logik schlecht. Cool.

Marion
8 Tage zuvor
Antwortet  Lera

Als Schulkind haben wir unsere Ranzen freiwillig 5km zu Fuß nach Hause getragen, weil meinen Freunden und mir das Busfahren zu langweilig war. Kann mich nicht erinnern, daß uns das irgendwie belastet hätte.

Ron
11 Tage zuvor

Wer glaubt, dass uns digitale Lehrbücher günstiger kommen, ignoriert, dass Schulbuchverlage Wirtschaftsunternehmen mit Gewinnerzielungsabsichten sind. Es ist davon auszugehen, dass digitale Lizenzen am Ende sogar mehr kosten werden, als die heutigen Schulbücher, denn neben dem Kauf der Tablets fällt auch das Weitergeben von Büchern weg.
Schon heute beobachten wir, dass sich viele Schülerlehrbücher nicht mehr ohne viel kostenpflichtiges Zusatzmaterial nutzen lassen. Wo früher Informationen und Übungen zu finden waren, gibt es heute teils eher belanglose Einführungen und den Hinweis auf parallel angebotene Übungshefte und DVDs. Für Lehrer auch gerne noch den Lehrerband, das Materialpaket und die Smartboard-Erweiterung. Auch Apps und Lernplattformen sind im Kommen. Digitale Lehrbücher bieten für die Verlage beste Möglichkeiten, dieses Sammelsurium noch zu erweitern. Digitale Mappenführung, Kontroll-Apps, aufploppende Lernangebote für schwache Schüler und irgendwann auch Nachhilfeangebote, die automatisiert den Nutzer erreichen, wenn seine digitalen Übungshelfer der Meinung sind, dass noch was geht.

Georg
8 Tage zuvor

die elektronische Version der Bücher kostet ungefähr pro Jahr und Kopf etwa 25-30% des Listenpreises der gedruckten Version. Das Ganze ist also langfristig für die Schulträger bestenfalls gleich teuer. Darüber hinaus sind diese elektronischen Versionen sehr unkomfortabel (login bei irgendwelchen Plattformen) und aufgebläht (über 100 MB für ein Buch, die PDF wäre bei anständigen Grafiken bedeutend kleiner).