Lehrerstellen umverteilen soll mehr Gerechtigkeit in Sachen Bildung bringen

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Die rund 770 allgemeinbildenden Schulen in Berlin werden nach neuen, von Wissenschaftlern entwickelten Kriterien typisiert. Auf Basis der Einstufung sollen etwa Stellen für die Sprachförderung und andere Ressourcen fairer und bedarfsgerechter auf die Schulen verteilt und Benachteiligungen dadurch abgebaut werden.

Geben und nehmen – es soll umverteilt werden. Foto: Shutterstock

Ziel sei mehr Bildungsgerechtigkeit und mehr Chancengleichheit im Bildungssystem, sagte Bildungssenatorin Astrid-Sabine Busse (SPD) am Donnerstag bei der Vorstellung der sogenannten Schultypisierung.

Für die Bewertung jeder einzelnen Schule sollen sechs Merkmale angewandt werden, wie Busse erläuterte: jeweils die Zahl der Schüler aus Haushalten, die Transferleistungen beziehen, der Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf, mit einer anderen Muttersprache als Deutsch und die Zahl derer, die eine Jahrgangsstufe wiederholen; hinzu kommen der Sozialraum der Schule und ihre Personalversorgung.

Anhand dieser Kriterien wird die Schule in eine Stufe eingeordnet: Die Bandbreite reicht von Stufe 1 (niedrige strukturelle Belastung) bis 7 (sehr hohe strukturelle Belastung). Schulen höherer Stufen sollen mehr Förderung bekommen als Schulen niedrigerer Stufen. Das neue System erlaube eine wirklich differenzierte Bewertung jeder Schule, sagte Busse. Gleichwohl sage die Einstufung nichts über die Qualität der jeweiligen Schule aus, fügte sie hinzu.

Bisher standen bei der Einstufung der Berliner Schulen im wesentlichen zwei Faktoren im Mittelpunkt: Der Anteil der Schüler nichtdeutscher Herkunftssprache und der Anteil aus Familien mit wenig Geld, die Lernmittel nicht bezahlen müssen. Diese Herangehensweise gilt laut Bildungsverwaltung aber inzwischen als überholt. News4teachers / mit Material der dpa

Corona-Krise: Schulen in Brennpunkten kämpfen gegen Lernlücken und Aggressionen an – geholfen wird ihnen nicht

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9 Kommentare
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Georg
1 Monat zuvor

Ich bin gespannt, wie viel sich durch die neue Einteilung tatsächlich ändern wird. Schulen im sozialen Brennpunkt dürften schon jetzt mehr Sozialarbeiterstellen zugewiesen bekommen als welche im Villenviertel.

potschemutschka
1 Monat zuvor

Da bin ich ja mal gespannt, wie und wohin die eh schon zu kurze Decke (Lehrer- und Erziehermangel) gezogen wird ohne das es irgendwo anders fehlt. Aber wie immer: eine medienwirksame Idee und noch dazu von Wissenschaftlern entwickelt. Wäre mal interessant, was das für Wissenschaftler waren und welchen Bezug sie zur Realität in den Schulen haben (vielleicht kann n4t dazu mal recherchieren).

Georg
1 Monat zuvor
Antwortet  potschemutschka

… und was das gekostet hat und wer davon wie gut bezahlt wird.

Realist
1 Monat zuvor

Man reißt in einigen Schulen noch größere Lücken auf, damit an anderen Schulen die Lücken nicht mehr ganz so groß sind: Das bedeutet kaum noch Sprachförderung und 35er-Klassen an den „Stufe 1“-Schulen, damit an den „Stufe 7“-Schulen die Situation nicht mehr ganz so katastrophal ist? Und die Politik lässt sich dafür feiern und nennt das „mehr Bildungsgerechtigkeit“ und „mehr Chancengleichheit“? Ich nenne das eine Bankrotterklärung der politisch Verantwortlichen!

Andre Hog
1 Monat zuvor
Antwortet  Realist

…genau!!

Und solange die KuMis so kleine Wunder, wie die Speisung der 5000 mit ner Hand voll Fisch und ein paar Broten nicht hinbekommen, sollten sie auch nicht davon ausgehen, dass ich bei einem ähnlich anmutenden- jedoch zwangsläufig scheiternden – Versuch, die offensichtliche Misere zu verringern oder gar zu stoppen vor Ehrfurcht erstarre, zum Gläubigen werde oder sogar ne Religion für die 16 Gloreichen gründe.

Die gehen nicht über’s Wasser, verwandeln ebendieses nicht in Wein, heilen keine Lahmen und Kranke, sondern schaffen ständig neue, übernehmen keinerlei Verantwortung und werden einen Teufel tun, bevor sie sich an’s Kreuz schlagen lassen.

Diese sind Luftpumpen, Heißluftproduzenten, Phantasiengestalter, Kolbenrückholfedern, denen ich mittlerweile nicht mal mehr folgen würde, wenn sie in meiner unmittelbaren Nähe eine ihrer ‚heiligen Sandalen‘ oder eine ihrer Trinkflaschen (es ist Sommer!) verlieren würden.

Last edited 1 Monat zuvor by Andre Hog
gehtsnoch
1 Monat zuvor

Berlins Bildungssenatorin Astrid-Sabine Busse (SPD) erläuterte die neue Einstufung der Berliner Schulen.
Sechs Merkmale und sieben Stufen!
„Für die Bewertung der Schulen werden sechs Merkmale angewandt.
Sie sind im Einzelnen:

  • 1. Schülerinnen und Schüler, die von der Zuzahlung zu Lernmitteln befreit sind;
  • 2. Schüler, die als erste Verkehrssprache zu Hause eine andere als Deutsch haben;
  • 3. Schüler mit Förderbedarf;
  • 4. Schüler, die eine Jahrgangsstufe wiederholen;
  • 5. die strukturelle Versorgung mit Personal und
  • 6. der Status-Index der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen, also ein räumlich bezogener Wert basierend auf Kinderarmut, Arbeitslosengeld und Transferbezug.

Anhand dieser Kriterien werden die Schulen dann in Stufen eingeordnet: Die Bandbreite reicht von Stufe eins (niedrige strukturelle Belastung) bis sieben (sehr hohe strukturelle Belastung). Eine niedrige strukturelle Belastung hat nach dem neuen System gerade mal ein Prozent der Berliner Schulen, 15 Prozent der Schulen sind in der Stufe zwei und 26 Prozent in der Stufe drei eingruppiert. 58 Prozent der öffentlich allgemeinbildenden Schulen verteilen sich auf die Stufen vier (24 Prozent), fünf (19 Prozent) sechs (zehn Prozent) und sieben (fünf Prozent). Sie haben höhere Belastungen und bekommen zum Beispiel zusätzliche Leistungen wie etwa Sprachförderung, die sie dann auch drei Jahre lang sicher behalten können.“
https://www.morgenpost.de/berlin/article236133349/Schulen-Neue-Einstufung-soll-fuer-mehr-Gerechtigkeit-sorgen.html

potschemutschka
1 Monat zuvor
Antwortet  gehtsnoch

„Sichere Sprachförderung“ (nicht nur für Kinder nicht-deutscher Herkunft) war das erste, was an meiner GS wegen Personalmangels ziemlich oft gestrichen wurde (Vertretungsunterricht).

Walter
1 Monat zuvor

Das Wort „Gerechtigkeit“ ist eigentlich ein schöner Begriff. Wenn ich aber bedenke, welches Unheil mit ihm in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten angerichtet wurde, lerne ich die „Gerechtigkeit“ allmählich zu fürchten.
Ähnlich geht es mir mit dem einstmals schönen Begriff „Toleranz“. Auch er ist so verengt und vereinseitigt worden, dass ich seinen Gebrauch oftmals nicht mehr verstehe und nur noch als Rechtfertigung von willkürlicher Auslegung empfinde.

dauerlüfterin
1 Monat zuvor

Na, die in Berlin sind ja ganz fix. Das gabs vor Jahren ähnlich schon in Hessen. Stichwort Sozialindex.