Schluss mit Lehrer-Arbeitslosigkeit in den Ferien? GEW will mit Sekt feiern

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STUTTGART. Die Grünen-Fraktion im baden-württembergischen Landtag will das Murmeltier verscheuchen, das jeden Sommer wieder grüßt. Seit Jahren beklagen die Gewerkschaften, dass befristet angestellte Lehrkräfte und Jungpädagogen im Land (wie in einigen anderen Bundesländern) über den Sommer entlassen würden. Das zu ändern würde natürlich Geld kosten. Allen Ernstes: Der Bund der Steuerzahler ist deshalb dagegen.

Es gäbe einen Grund zu feiern. Foto: Shutterstock

Vor den Haushaltsgesprächen ist die Regierung von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) massiv unter Druck geraten, nochmal deutlich mehr Geld in Bildung zu investieren. Auslöser ist die Forderung der Grünen-Fraktion, die langjährige Praxis zu ändern, dass befristet angestellte Lehrkräfte und fertige Referendare über die Sommerferien hinweg in die Arbeitslosigkeit entlassen werden. Das würde 15 Millionen Euro für die etwa 4000 betroffenen Pädagogen im Jahr kosten.

Die Lehrer-Gewerkschaften und die Opposition nahmen die Grünen beim Wort und sprachen von einem längst überfälligen Schritt. Die CDU-Seite kann das auch nicht ohne weiteres ablehnen, denn ein Parteitag hatte vor kurzem ebenfalls für ein Ende der Regelung gestimmt. Allerdings ist man in der Regierung skeptisch, ob das in der momentanen Krise wirklich vordringlich ist.

Ein Sprecher des Staatsministeriums dämpfte allerdings die Euphorie der Gewerkschaften. «Es ist nichts entschieden, weder positiv noch negativ, bevor die Haushaltskommission getagt hat», sagte er auf Nachfrage. Die Spitzen der Koalition treffen sich an diesem Samstag, um darüber zu beraten, wofür das Land mehr ausgeben kann. Da die Steuerschätzung positiv ausgefallen ist, dürfte deutlich mehr Geld zur Verfügung stehen. Die genauen Zahlen für das Land waren zunächst noch nicht bekannt. Finanzminister Danyal Bayaz (Grüne) will allerdings den Puffer für Risiken in der Energie- und Inflationskrise stärken und mehr Geld zurücklegen. Die Fraktionen hatte er erst am Mittwoch zum Maßhalten aufgerufen.

«Dann werden wir nicht demonstrieren, sondern Sekt mitbringen und die befristet beschäftigten Lehrkräfte und die Landtagsabgeordneten einladen»

Der Vorschlag der Grünen-Fraktion zu den befristet angestellten Lehrkräften steht auf der sogenannten Herbstliste für Nachforderungen für den Doppelhaushalt 2023/2024. Zuerst hatte die «Südwest Presse» darüber berichtet. Weder die Grünen- noch die CDU-Fraktion wollten sich offiziell dazu äußern. Über die Jahre hatten unterschiedliche Regierungen und Kultusminister die Forderung der Gewerkschaften als zu teuer zurückgewiesen. In Kreisen der Regierung hieß es, dass ausgerechnet jetzt in der Krise diese Praxis geändert werde solle, sei schwer nachzuvollziehen.

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Aus Sicht der SPD-Fraktion reagiert die Koalition mit der Maßnahme auf die zuletzt harte Kritik der Lehrerverbände an der Bildungspolitik des Landes. «Warum handelt die Landesregierung bildungspolitisch immer erst dann, wenn die Hütte wirklich brennt?», fragte Stefan Fulst-Blei für die SPD-Fraktion.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) erinnerte daran, dass die Grünen vor elf Jahren mit dem Versprechen angetreten seien, «diese unwürdige Praxis endlich zu beenden.» Wenn sie jetzt Wort hielten, werde man am ersten Tag der Sommerferien im nächsten Jahr vor dem Landtag stehen, sagte Farina Semler, Vize-Chefin der GEW. «Dann werden wir nicht demonstrieren, sondern Sekt mitbringen und die befristet beschäftigten Lehrkräfte und die Landtagsabgeordneten einladen.»

Der Landesvorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), Gerhard Brand, tat gleich so, als sei die Maßnahme schon beschlossen. «Der VBE bedankt sich bei der Landesregierung, dass sie diesen Schritt geht und somit eine unserer langjährigen Forderungen erfüllt.» Selbst die FDP zeigt sich erfreut über den Schritt. «Es war höchste Zeit», sagte Bildungsexperte Timm Kern. Jedoch müsse das Land noch viel mehr tun, um den dramatischen Lehrkräftemangel zu bekämpfen.

Nur der Bund der Steuerzahler trat auf die Bremse. «Nicht alles, was wünschenswert ist, ist auch finanzierbar», erklärte Landeschef Eike Möller. Zwar gebe es mehr Steuereinnahmen, aber daraus ergebe sich kein neuer Spielraum für Ausgaben. Denn im Bund wolle man die sogenannte kalte Progression abbauen, was im Land zu weniger Einnahmen führen werde. «Die sogenannte Herbstliste gehört zurück in die Schublade», forderte Möller. News4teachers / mit Material der dpa

„Schande“: GEW läuft Sturm gegen die Praxis, Lehrer über die Ferien in die Arbeitslosigkeit zu schicken

 

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17 Kommentare
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Realist
3 Monate zuvor

Für den Unterrichtserfolg kommt es doch nicht darauf an, ob Lehrkräfte im Sommer arbeitslos sind oder nicht…. „System Kretschmann“ halt.

Teacher Andi
3 Monate zuvor
Antwortet  Realist

Für den Unterrichtserfolg vielleicht nicht, aber sicher für die Unterrichtsversorgung, denn so werden weniger von den „Entlassenen“ sich nach etwas anderem umschauen, oder?

gehtsnoch
3 Monate zuvor
Antwortet  Realist

Ginge es um zufriedene Mitarbeitende mittels Wertschätzung oder Unterrichtserfolge als Qualität, wären die Kettenverträge entbehrlich und die Sommerzeit durch bezahlte Urlaubstage wie bei den Festbeschäftigten doch Standard.
Leider scheint es vorrangig um Budgets, günstig eingekaufte Manpower und Quantität durch geringe Zahlen an fehlenden LuL zu gehen.

Dreamghost
3 Monate zuvor
Antwortet  Realist

Bessere U-Versorgung (aka weniger Vertretungsstunden) = Bessere (da konstantere) U-Qualität.
Liebe Politiker: So schwer ist das jetzt auch wieder nicht

Dil Uhlenspiegel
3 Monate zuvor

Ich sohl für eine ähm, äh die ich kenne mal fragen ob man bei euch auch für Lau arbeiten kann?

dickebank
3 Monate zuvor
Antwortet  Dil Uhlenspiegel

Wie, das weiß Frau Lau nicht, ob sie auch für „umme“ arbeiten darf.

Im übrigen ist das Wirken von Lehrkräften nach allgemeiner Überzeugung im besten Falle umsonst aka vergeblich, ob bezahlt oder nicht, spielt dabei überhaupt keine Rolle.

Dil Uhlenspiegel
3 Monate zuvor
Antwortet  dickebank

Pschhhht, keine echten Namen online! Fraulau liest das hier doch alles!!!

Andre Hog
3 Monate zuvor
Antwortet  Dil Uhlenspiegel

😉 …. hihihi!

dickebank
3 Monate zuvor
Antwortet  Dil Uhlenspiegel

Ist Frau Lau nicht bei der Weinlese im Ahrtal? Dort wird sie aufgrund der immer noch nicht wieder instandgesetzten Infrastruktur mit Sicherheit bei der Arbeit im „Wingert“ keine Posts mitlesen können.

CoronaLehren
3 Monate zuvor

Och nö ….

Das hatte doch jetzt über 40 Jahre lang Tradition über so viele schwarze und bunte Landesregierungen hinweg.

Vielleicht wieder etwas endgültig weg, was man aus der Jugend kennt. Hoffentlich!

Kurz vor der nächsten Landtagswahl wäre wohl der bessere Zeitpunkt gewesen. Was das so zwischendrin bringt?

Dil Uhlenspiegel
3 Monate zuvor
Antwortet  CoronaLehren

Das bleibt das Mysterium von St. Uttgart.

Andre Hog
3 Monate zuvor

Ich plädiere für „Champagner für alle!“ … und zwar fortlaufend…denn nüchtern ist diese Arbeit unter den gegebenen Bedingungen quasi nicht zu ertragen.

Prost Mahlzeit!!!

gehtsnoch
3 Monate zuvor
Antwortet  Andre Hog

Notfalls auch Crémant, gerne gekühlt mit oder ohne Alkohol.

Andre Hog
3 Monate zuvor
Antwortet  gehtsnoch

…aber ohne Alkohol bleibt die beruhigende Wirkung aus… 😉

Salentin
2 Monate zuvor

Ich möchte auch hier noch einmal darauf hinweisen, dass das alles zu einseitig dargestellt wird. Wie es ja schon mehrfach geschrieben wurde, wird hier einfach nicht differenziert, wie lange denn jemand befristet angestellt war. Waren es die letzten 3 Monate vor den Sommerferien? Und dann soll jemand auch noch die Sommerferien bezahlt bekommen?

Oder waren es Januar, Februar, März …………… dann nicht mehr ………… und dann soll jemand die Sommerferien bezahlt bekommen?? Bzw. diese Leute natürlich nicht, aber sie arbeiteten auch 3 Monate wie der eingangs genannte Fall!

In Berlin beginnt das neue Schuljahr „gehaltsmäßig“ am 1. August. Wer für 1 Schuljahr eingestellt wird, hat dann schon eine Zeit Sommerferien dabei gehabt und hat sie, denn das Schuljahr endet am 31.7. Welche Sommerferien sollen diese Befristeten dann ganz erhalten? Die davor oder die danach?

Hier wird mir einfach alles zu sehr in einen Topf geworfen und das Ganze unredlich mit dem Lehrermangel verknüpft, als ob wir zu wenige Lehrer haben, weil einige/manche/alle Befristeten die Sommerferien nicht bezahlt bekommen.

Rudi Richtig
2 Monate zuvor
Antwortet  Salentin

Richtig! Sagt „Rudi Richtig“. 🙂

Rey
2 Monate zuvor

Ich habe den Staatsdienst aufgrund dieser Praxis aufgegeben. Im Referendariat über 350 harte Überstunden an Wochenenden und in den Ferien gesammelt, die nie gezählt werden Sommerferien sind der einzige echte Urlaub, den man in diesem Beruf bekommt. Dort entlassen zu werden schickt nur ein Signal: Du warst dumm genug, den schlechtesten Arbeitgeber des Landes auszuwählen und Lehrer zu werden.
Das Fass läuft seit Jahren über und diese Praxis ist das deutlichste Symptom, dass Bildung und Erzieher diesem Land egal sind