Zehn Jahre Gemeinschaftsschule – VBE: „Feste Säule im Bildungssystem, aber…“

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STUTTGART. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) hat die Gemeinschaftsschule in Baden-Württemberg anlässlich ihres zehnjährigen Bestehens gewürdigt. Der stellvertretende VBE-Landesvorsitzende Dirk Lederle sieht die Schulart als eine wichtige Ergänzung im Bildungssystem des Landes, fordert aber mehr Unterstützung für die Lehrerinnen und Lehrer.

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Die Gemeinschaftsschule in Baden-Württemberg feiert zehnjähriges Bestehen. Foto: Shutterstock

„Der VBE bekennt sich ausdrücklich dazu, die Gemeinschaftsschule zu erhalten und zu stärken. Sie hat sich innerhalb weniger Jahre zu einer festen Säule im baden-württembergischen Bildungssystem entwickelt und leistet einen wichtigen Beitrag zur Bildungsgerechtigkeit“, sagte Lederle und betonte: „Der Auftrag der Kolleginnen und Kollegen an der Gemeinschaftsschule und deren besonderes Engagement müssen sich aber auch in einer Entlastung ihrer Arbeit wiederfinden. Anrechnungsstunden fürs Coaching etwa sind längst überfällig. Wenn die Gemeinschaftsschule ihren wichtigen und richtigen Auftrag erfüllen soll, muss sie mehr Unterstützung erfahren.“ News4teachers

Nach VERA: Philologen entfachen Streit um Gemeinschaftsschulen („Komplettversagen der Schulart“)

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28 Kommentare
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Schattenläufer
1 Monat zuvor

Klar man kann auch eine Dachlatte hochkant unter das Vordach klemmen und dies als feste Säule bezeichnen.
Falls die Presse kommt, kann man mit etwas Pappe sogar eine Säule um die Dachlatte vortäuschen.

Lehrerin
1 Monat zuvor
Antwortet  Schattenläufer

Was hier in BW für ein ideologischer Kult um die GMS gemacht und den Schülern und Eltern vorgemacht wird, ist unverantwortlich und unverschämt gelogen. „Je heterogener, desto bessere Erfolge“ oder „Vielfalt macht schlauer“ – das Gegenteil ist der Fall, die Vergleichsarbeiten zeigen es, und es spricht sich immer mehr herum. Datengestützte Schulentwicklung ist das Vorhaben der BW-Landesregierung, und wenn die Daten dann nicht so sind wie gewünscht, dann wird verzweifelt eine Ausrede gesucht und noch mehr vom Falschen (Selbstlern-Prinzipien der GMS-Pädagogik) beschworen, damit es „jetzt aber sicher besser“ wird. Aber die Eltern merken es, die Probleme werden kommuniziert. Und – nebenbei – wer von den Politikern hat seine Kinder auf diesen „Leuchtturmschulen“? Eine Frage, die sich besonders bei grünen und roten Landtagsabgeordneten lohnt…. Warum sonst haben die GMS an vielen Orten Schwierigkeiten, ihre Schülerzahl zu halten, und von Jahr zu Jahr oft weniger Anmeldungen?! Nicht beim Einsatz der Lehrkräfte, sondern beim Grundgedanken der Beschulung in munter gemixten Klassen liegt der Fehler.
Eine sehr gute Analyse, die den Finger in die Wunde legt und Anregungen bringt, die dringend (wieder!) in den Schulen Einzug halten sollten, siehe hier:
https://www.focus.de/familie/schule/selbstlernkultur-bringt-keinen-erfolg-grundschueler-versagen-macht-deutlich-wir-muessen-bei-den-lernmethoden-schritt-zurueckgehen_id_180437460.html

Konfutse
1 Monat zuvor
Antwortet  Lehrerin

Stimme Ihnen -wie so oft- vollumfänglich zu. Und wenn jetzt noch die Leute wüssten, dass von Seiten der RP auf viele Schulleiter der HS, WRS, RS ein enormer Druck ausgeübt wurde, dass sie ihre Schule zu einer GMS (per Schulkonferenz) machen sollen, würden viele Bürger ganz schön staunen!

CoronaLehren
1 Monat zuvor
Antwortet  Lehrerin

Die Abschlüsse der GMS sind nur auf dem Papier vergleichbar, die Realität zeigt, dass eine Realschule doch mehr bringt und eine neunte Klasse Gymnasium etwas ganz anderes ist.

Das Konzept GMS funktioniert nur, weil der Erfolgsbericht vor der Evaluation geschrieben wurde.

Die Kollegen an der GMS geben ihr bestes, um noch etwas zu erreichen, aber scheitern am System.

Hirschlgruber
1 Monat zuvor
Antwortet  Lehrerin

Auch von mir volle Zustimmung! Spricht man die Probleme an, wird man häufig als „reaktionär“ abgestempelt und nicht ernst genommen.
Eine Frage, die Ihre bezüglich der Beschulung der Landtagsabgeordnetenkinder ergänzt: „Wie viele Lehrerkinder gehen auf Gemeinschaftsschulen?“ Mir ist kein einziges Kind bekannt, wobei selbst Gemeinschaftsschullehrer ihre eigenen Kinder lieber auf andere Schulen schicken. Das sagt eigentlich schon alles aus.

StrichVorPunkt
1 Monat zuvor
Antwortet  Lehrerin

Eine Rückbesinnung auf „erfolgreiche“ Methoden, die bis dato ebenso viele Schulabgänger ohne Abschlüsse produziert haben, kann sich doch niemand wünschen. Im Prinzip ist diese Aussage ein Ausdruck von Hilflosigkeit der „Gestalter“ und „Lenker“ im Schulsystem.

Heterogenität ist kein K.O. Kriterien für gutes Unterrichten. Umso mehr halte ich homogene Lerngruppen für einen Mythos. Andernfalls wären Noten überflüssig und man würde die Kinder einfach nur entsprechend der Schulformen separieren und nach x Jahren mit einem entsprechenden Abschluss verabschieden.

Heterogenität wird allerdings dort zum Problem, wo u.a. die Ressourcen (Personal) diese nicht bedienen können. Daran scheitert doch alles im System und eine Besserung (Quereinsteiger*lach*) ist nicht in Sicht.

Ilka
1 Monat zuvor

„Feste Säule“ hört sich immer gut an. Es fragt sich nur, wofür eine solche Säule steht und „gewürdigt“ wird.
Nicht zuletzt im Bildungswesen gibt esSäulen, die besser umgerissen würden, weil sie viel pädagogische Romantik tragen, die bei näherem Hinsehen nicht hält, was sie verspricht.

Gerd Möller
1 Monat zuvor
Antwortet  Ilka

An meine Vor-Kommentatoren:
Ich bin immer wieder sehr verwundert, dass Neustrukturierungen eines Schulsystems grundsätzlich negativ bewertet werden. Die Schulstruktur des vorvorletzten Jahrhunderts, die auf einer widerlegten Begabungstheorie (handwerklich begabt, abstrakt begabt und irgendwas dazwischen begabt (in den Realschulen)) basiert, hingegen kritiklos als „bewährt“ bewertet wird, obwohl vielfach deren Mängel nachgewiesen wurden.
Natürlich müssen auch Fehlentwicklungen neuer Strukturen beim Namen genannt werden und notwendige Korrekturen in Angriff genommen werden.

Carsten60
1 Monat zuvor
Antwortet  Gerd Möller

Das ist ein typischer und oft verwendeter Fehlschluss: Natürlich hat das „alte“ Schulsystem Mängel, aber man tut gern so, als hätten die „neuen“ Schulsysteme keine Mängel. Das widerspräche jeder Lebenserfahrung. Wo bitte ist nachgewiesen, dass in besonders heterogenen Schulklassen besonders gut und besonders viel gelernt wird? Das ist doch eine derjenigen Fragen, um die sich die etablierte Bildungswissenschaft nur herumdrückt, weil sie die politischen Illusionisten wohl nicht stören will.
Es gab Erklärungsversuche (ich glaube, von Prof. Bohl) derart, dass in den Gemeinschaftsschul-klassen mindestens 30 % „echte“ Gymnasiasten sitzen müssten, damit die Sache halbwegs funktioniert. Aber ich glaube nicht, dass es diese 30 % „echten“ Gymnasiasten im Landesdurchschnitt von BW noch gibt, selbst wenn man die Gymnasien abschaffen würde. Sie scheinen selbst an den Gymnasien Mangelware zu werden. Darüber wird jedenfalls auch nicht geredet. Auch Vorschläge, wegen des Deutschunterrichts doch den Migrantenanteil in Klassen oder Schulen zu begrenzen, scheitern daran, dass es gar nicht mehr genug Nicht-Migranten gibt. Man müsste die Quote in vielen Großstädten bei 60 % oder mehr ansetzen.
Außerdem: Wo bleiben die Erfolge des gesamtschulfreudigsten aller Bundesländer, nämlich Bremen? Dort werden die Gymnasien schon eine Randerscheinung. Alles Fragen, zu denen Sie und Ihre Freunde nie Stellung nehmen.

Die wackeren Sozialisten (etwa der Rosa-Luxemburg-Stiftung) sind auch sehr eifrig darin, Nachteile des Kapitalismus aufzuzeigen. Von den Nachteilen der bisherigen Versuche, einen realen Sozialismus zu etablieren, reden die gar nicht erst. Da wurde schon mal die Herrschaft der Kapitalisten durch die Herrschaft korrupter Partei-Apparatschiks ersetzt. Dem einfachen Volk kam das nicht zugute.

Gerd Möller
1 Monat zuvor
Antwortet  Carsten60

@Carsten60:
Sie schreiben u.a.: „Das ist ein typischer und oft verwendeter Fehlschluss: Natürlich hat das „alte“ Schulsystem Mängel, aber man tut gern so, als hätten die „neuen“ Schulsysteme keine Mängel.“
Ich habe keineswegs behauptet, dass die neuen Schulsysteme keine Mängel haben. Ich bin nur verwundert und irritiert, dass trotz eingestandener Mängel, keine Bereitschaft zu erkennen ist, neue Wege zu gehen und kategorisch am alten System festzuhalten, an einem wenig erfolgreichen System, das auf einer obsoleten Begabungstheorie fußt und so sonst nirgendwo in der Welt praktiziert wird.
Typisch für Ihre Argumentationsweise ist es, bei Vergleichen im Vagen zu bleiben und auf andere Themen umzulenken.
Dann nennen Sie doch mal die Mängel der neuen Schulsysteme, die im alten selektiven System nicht vorhanden sind. Ich bin gespannt auf Ihren Katalog.

Zum Schluss noch eine Frage: Was sind eigentlich „echte“ Gymnasiasten?

Carsten60
1 Monat zuvor
Antwortet  Gerd Möller

Über die möglichen Mängel eines einheitlichen Schulsystems hatten wir schon diskutiert. Ganz kurz und knapp: es werden dieselben Mängel sein, die jetzt in unseren Grundschulen zu sehen sind, siehe dazu auch den Artikel hier bei n4t „Brandbrief einer Grundschule“ von 14.12.2022. Die einheitlichen Schulen der Sekundarstufe werden nämlich in jeder Hinsicht eine ähnliche Zusammensetzung haben wie die jetzigen Grundschulen. Siehe auch den IQB-Bildungstrend 2021, der nicht auf ein Erfolgsmodell hindeutet.
Wie Prof. Bohl das gemeint hat, kann ich nicht genau sagen. Er sprach nach meiner Erinnerung von 30 % SuS, die die anderen „mitziehen“ sollen.
Für „echte“ Gymnasiasten könnte ich immerhin ad hoc eine Definition versuchen:

Variante 1: Echte Gymnasiasten sind solche, die eine unzweifelhafte Gymnasialempfehlung bekommen, und zwar aufgrund eigener Leistung, nicht aufgrund von Gefälligkeit den Eltern gegenüber.
Variante 2: Echte Gymnasiasten sind solche, die unzweifelhaft die Bildungsziele auf dem E-Niveau (bzw. für G8) mit allen Kompetenzen erreichen, die so vollmundig im Bildungsplan 2016 für BaWü formuliert sind.
Variante 3: Echte Gymnasiasten sind solche die auch nach den Maßstäben von vor 30-50 Jahren auf einem Gymnasium hätten sein können bis zum Abitur.

Ich vermute, nach allen drei Definitionen sind das landesweit weniger als 30 %. Für die Variante 2 könnte das sogar empirisch belegt oder widerlegt werden, das will aber vermutlich niemand. Bremen hat übrigens aktuell nur 25 % Gymnasiasten, man huldigt „erfolgreich“ dem „Erfolgsmodell“ Gesamtschule.

Und die ungleiche Verteilung ist mir nicht entgangen, aber sie wird in einem einheitlichen Schulsystem genau so bestehen wie jetzt bei den Grundschulen. Das liegt einfach an den Wohnbezirken. Ohne gigantische Umsiedlungsmaßnahmen kann man daran nichts ändern. Und die Privatschulen abzuschaffen würde eine Grundgesetzänderung bedeuten. Haben Sie da einen Vorschlag für einen neuen Text, der mehrheitsfähig wäre?

Gerd Möller
1 Monat zuvor
Antwortet  Carsten60

@Carsten60:
Sie machen es sich wieder sehr einfach mit ihrer vagen „Begründung“ (=Mutmaßung):
Ganz kurz und knapp: es werden dieselben Mängel sein, die jetzt in unseren Grundschulen zu sehen sind, siehe dazu auch den Artikel hier bei n4t „Brandbrief einer Grundschule“ von 14.12.2022.“
Obwohl es bisher keine belegten Befunde für die besorgniserregenden Lernergebnisse in den Grundschulen gibt, sind es sicherlich keine Ergebnisse der Schulstruktur. Es sei denn, Sie wollen bereits in der Grundschule eine äußere Differenzierung einführen.

Ihre Verknüpfung zum „Brandbrief“ trägt ebenfalls nicht, da es sich an der betreffenden Schule eher um mangelnde Unterstützung für eine anregende Lernatmosphäre handelt. Siehe Forderung der GEW:
„Wir wollen mitbestimmen und Schule gestalten, inklusive Strukturen durch eine hohe Qualität fördern, kleine Klassen mit ausreichend Personal, eine förderliche Umgebung z. B. große Bibliotheken und gute Schulbauten u.v.m. Kurz und gut: Wir wollen Bedingungen haben, die unsere schöne Arbeit als Pädagog*innen unterstützen, statt sie im täglichen Kleinklein zu verhindern. Hierfür müssen wir uns bei der Politik Gehör verschaffen.“

Gerd Möller
1 Monat zuvor
Antwortet  Carsten60

@Carsten60:
Was ist ein „echter“ Gymnasiast:

Ihre Variante 1:
„unzweifelhafte“ Gymnasialempfehlungen bei Kindern im Alter von 10 Jahren gibt es nicht und kann es nicht geben. Siehe die große Zahl von empirischen Befunden (z.B. Überlappungen der Leistungen zwischen den Schulformen).

Ihre Variante2:
Bei der Entscheidung des Übertritts nach der Grundschule können zu Ihren Forderungen logischerweise keine Informationen vorliegen, weil dies sich erst zukünftig feststellen lässt. A priori Fakten liegen daher naturgemäß nicht vor.

Ihre Variante 3:
Maßstäbe von vor 30-50 Jahren. Das kann doch nicht Ihr Ernst sein.
Ich habe 1964 in NRW das Abitur gemacht. Also vor 58 Jahren.
Für NRW werden in der Statistik des Bildungswesens 1950-1975 hierzu die folgenden Daten berichtet:
1955 traten 10,7% der Grundschüler ins Gymnasium ein, die Abiturquote betrug 1964 nur noch 7,6% des Altersjahrgangs.
Vier Jahre später sahen die Quoten auch nicht viel besser aus:
1959 traten 11,6% der Grundschüler ins Gymnasium ein, die Abiturquote betrug 1968 8,9%.

Was halten Sie von meiner einfachen Definition eines Gymnasiasten (ohne „echt“):
Ein Gymnasiast ist ein Schüler, der das Gymnasium besucht. Analoges gilt für Schüler anderer Schulformen. Das heißt ein Grundschüler vor dem Übertritt ist weder „echter“ noch ein „unechter“ Gymnasiast, sondern ein Grundschüler.

Georg
1 Monat zuvor
Antwortet  Gerd Möller

Danke für Ihre Ausführungen. Wieso gehen Sie nicht inhaltlich auf die Definitionen ein? Sie watschen nur mit einer Keule ab. Sie weigern sich ja auch andauernd, auf die tatsächlichen Anforderungen Ihres eigenen Abiturs im Vergleich zum heutigen Abitur einzugehen oder behaupten, dass es gleichwertig war. Das streite ich, der Ende des Jahrtausends Abitur gemacht hat, vehement ab, weil es zu meiner Zeit noch anspruchsvoller war als heutzutage. Alleine der nicht vorhandene Taschenrechner zu Ihrer Abiturzeit wäre heutzutage ein Todesurteil.

Last edited 1 Monat zuvor by Georg
Gerd Möller
1 Monat zuvor
Antwortet  Carsten60

@Carsten60:
Die ungleiche Verteilung wird nach wie vor bestehen. Aber sie wirkt sich natürlich nicht in dieser Einseitigkeit aus, wenn die Anteile sich nicht auf einzelne Schulformen (Hauptschule, Sekundarschule, Gesamtschule) konzentrieren, das wissen Sie doch auch.

Nun mein Vorschlag zur Minderung der ungleichen Verteilung:
Unterbinden der „Flucht“ aus den Schuleinzugsbezirken durch verbindliche Schuleinzugsbezirke. Natürlich setzt dies die soziale Siedlungsstruktur nicht außer Kraft, aber eine Verschärfung, die heute besteht, wird verhindert.

Carsten60
1 Monat zuvor
Antwortet  Gerd Möller

Zu den „echten“ Gymnasiasten: Ich habe natürlich nicht sagen wollen, die drei Alternativen seien untereinander äquivalent. Ich schätze nur, es sind jeweils weniger als 30 % eines Jahrgangs. Sie argumentieren primitiv, wenn Sie die tatsächlichen Zahlen vergangener Jahre nennen, damals saßen eben etliche „echte“ Gymnasiasten in Realschulen, das war ja auch ein Ärgernis. Natürlich sitzen heutzutage auch „echte“ Gymnasiasten in Real- und Gesamtschulen, allein schon wegen des Elternwillens. Die Hälfte aller Arbeiterkinder MIT Gymnasialempfehlung wird angeblich doch nicht dorthin geschickt. Und natürlich gibt’s „unzweifelhafte“ Gymnasialempfehlungen. Ich denke, erfahrene Grundschullehrer haben ein Gespür dafür. Zweifelsfälle gibt’s natürlich auch.

Irgendwelche GEW-Forderungen (mitbestimmen, inklusive Strukturen, hohe Qualität) sollten Sie mal mit den Ergebnissen des IQB-Bildungstrends 2021 konfrontieren. Postulieren ist immer leicht, die Postulate erfüllen dagegen nicht.

Zum „Unterbinden der Flucht“: Das ist keine vertrauenerweckende Formulierung. In der Grundschule gibt’s doch schon Schuleinzugsgebiete, aber es gibt immer auch das Kleingedruckte dabei.
In der Sekundarstufe können Sie einfach nicht in jedem Einzugsgebiet oder gar jeder Schule Latein, Französisch, Spanisch, Russisch u.a. als erste Fremdsprache haben. Das eröffnet alternative Möglichkeiten zur „Flucht“ (ein wunderbares Wort in diesem Zusammenhang, wie geschaffen für Satiriker). In Frankreich hat(te) man ja die „Carte scolaire“, aber das führte zu einem Kleinkrieg der Eltern gegen die Behörden. Erstmal die Erfahrungen aus Nachbarländern auswerten, bevor man große Reformen macht. Dort wollte man die zweisprachig französisch-deutschen Schulen abschaffen, weil eine progressive Schulministerin eine „Flucht“ dorthin nebst Zusammenrottung bildungsbürgerlicher Subjekte vermutete, die sich den Intentionen progressiver Schulpolitik widersetzen wollten wie Asterix und Obelix den Römern.
Die Einführung eines einheitlichen Gesamtschulsystems mit Schulbezirken könnte durchaus zu einem Boom bei den Privatschulen führen. Dann haben Sie die „Flucht“ nach dem Geldbeutel. Da finde ich eine „Flucht“ nach schulischer Leistung (eben nicht ausschließlich nach dem Elternwillen) doch weniger schlimm.

Last not least: Glauben Sie wirklich, nach Einführung eines einheitlichen Gesamtschulsystems mit Unterbindung aller Fluchtmöglichkeiten würden die PISA-Punkte nach oben schnellen? Ich glaube das nicht. Die guten PISA-Werte in anderen Ländern haben viele andere Gründe.

Carsten60
1 Monat zuvor
Antwortet  Gerd Möller

Neben der notorischen Steuerflucht von reichen Leuten und der berüchtigten Republikflucht aus dem Sozialismus kreiert Herr Möller jetzt die neue unerwünschte Schuleinzugsbezirksflucht, kurz vielleicht auch Sprengelflucht, möglicherweise auch Kiezflucht. Ich bin sicher, der Volksmund wird sich da noch eine deftigere Bezeichnung ausdenken, besonders in Berlin, wo die Philharmonie auch „Zirkus Karajani“ genannt wird. Aber da möchte ich nicht spekulativ vorgreifen.

Gerd Möller
1 Monat zuvor
Antwortet  Carsten60

@Carsten60:
Bei Ihrem Argument zu den hohen Migrantenquoten ist Ihnen wohl entgangen, dass durch das gegliederte selektive Schulsystem die Situation in den nicht-gymnasialen Schulformen noch zusätzlich verschärft wird, da die Verteilungen zwischen den Schulformen sehr ungleich sind.

DerechteNorden
1 Monat zuvor
Antwortet  Carsten60

Der Mitforist hat gar nicht behauptet, dass alles Neue im Gegensatz zum Alten nicht reformbedürftig ist. Im Gegenteil. Seinen letzten Satz („Natürlich müssen auch Fehlentwicklungen neuer Strukturen beim Namen genannt werden und notwendige Korrekturen in Angriff genommen werden.“) haben Sie einfach ignoriert.
Des weiteren muss man differenzieren. Gemeinschaftsschulen müssen nicht alle Kids immer in einer Klasse beschulen. Da gibt es sehr viele Modelle, die ganz anders funktionieren. Einfach mal schlau machen!
Außerdem können GemS aus pragmatischen Gesichtspunkten gut sein. Wenn Gemeinde X viele Kinder hat, die weit pendeln müssen, um ans Gymnasium oder die Realschule oder die Förderschule zu gelangen, dann ist es doch sinnvoll, eine GemS einzurichten, an der alles geboten wird.

Nein, ich bin auch nicht der Ansicht, dass Heterogenität im Hinblick auf kognitive Fähigkeiten in einer Lerngruppe die Leistungen verbessert. Wer das glaubt oder sogar meint wissenschaftlich belegen zu können, … Nun ja.
Aber Heterogenität ist doch viel mehr. Kinder mit unterschiedlichsten Hintergründen und Lösungsstrategien gemeinsame Projekte bearbeiten zu lassen, kann nicht falsch sein!
Letzteres wird von den Homogenitäts-Enthusiasten ständig komplett ausgeblendet.

Und zuletzt: Da sich auch die Leistungen in homogenen Einheiten ständig verschlechtern, scheint es also nicht nur an der Homogenität zu liegen, sondern an anderen Entwicklungen, die generell angegangen werden müssen, weil sie nämlich alle betreffen.

Carsten60
1 Monat zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Diesen Satz auf den Sie Bezug nehmen, hatte ich gelesen, halte ihn aber für ein reines Lippenbekenntnis. Ich sehe nicht, dass die Schulreformer bereit sind, von ihren Illusionen Abstand zu nehmen. Dagegen ist das „alte“ Schulsystem nun schon zig mal verändert worden, immer in Richtung einer besseren Durchlässigkeit.

DerechteNorden
1 Monat zuvor
Antwortet  Carsten60

Durchlässigkeit ist nur gegeben, wenn es Kindern nicht schwerfällt zu wechseln. Es gibt sehr viele Kinder, die nicht die Schule wechseln wollen, weil sie sich fürchten, in ein neues Umfeld wechseln zu müssen.

Carsten60
1 Monat zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Die Hauptdurchlässigkeit könnte doch sein, dass man mit einem guten MSA von einer Realschule in irgendeine Oberstufe mit Ziel Abitur gelangen kann, und zwar nicht als große Ausnahme. Damit ist eben der Übergang nach Klasse 4 keine endgültige Entscheidung über den Rest des Lebens mehr. Die beruflichen Gymnasien sind genau dafür gegründet worden. Einen zweiten Bildungsweg gibt’s in Deutschland seit ca. 100 Jahren. In eine Berufsausbildung zu wechseln ist auch ein Wechsel, sollen wir den auch beklagen? Und auf wie viele Befindlichkeiten muss unser Schulsystem jetzt Rücksicht nehmen? Bei der Diskussion über die Schulnoten („Streit um Schulnoten“) wurde von der Frau Ministerin beklagt, Kinder könnten doch versagen, weil ihr Meerschweinchen krank ist, und deshalb seien Schulnoten schlecht. Das ist ja schon fast Realsatire.

Pälzer
1 Monat zuvor

Mich würde die Entwicklung der Schülerzahlen an den schon länger bestehenden Gemeinschaftsschulen interessieren, ebenso die Ergebnisse bei bundes- oder landesweiten Vergleichstests und im schriftlichen Abitur. Hat die Redaktion dazu Daten?

Lehrerin
1 Monat zuvor
Antwortet  Pälzer

Siehe hier die neuesten VERA8-Ergebnisse, aufgeschlüsselt nach Niveaus und Schularten:
https://www.phv-bw.de/pressemitteilung-des-phv-bw-zu-den-ergebnissen-von-vera-8/
Es gibt in BW eine Reihe von (kleineren, die aus Hauptschulen entstanden sind) GMS, die um die Anmeldungen Kl. 5 kämpfen, aber insgesamt sind die Zahlen nicht sehr verändert:
https://www.statistik-bw.de/BildungKultur/SchulenAllgem/AU_uebergaenge.jsp
Über die Abi-Ergebnisse 2022 gibt es keine Informationen, deshalb ist mit Sicherheit zu vermuten, dass sie schlecht sind. Wären sie gut, hätte man getrommelt und gepfiffen!

Carsten60
1 Monat zuvor
Antwortet  Lehrerin

Interessant ist an dem Link, dass die Zahlen für Realschulen und Gymnasien über längere Zeiträume stabil blieben. Für die Summe der Zahlen aus Haupt- und Gemeinschaftsschulen gilt das auch. In BaWü liegt der Realschulanteil immer noch bei etwa einem Drittel eines Jahrgangs, der Gymnasialanteil liegt zwischen 40 und 45 %. Ist das jetzt zuviel oder zuwenig?

CoronaLehren
1 Monat zuvor
Antwortet  Pälzer

Das geht Sie nichts an!

Niemand hat Interesse zu haben an diesen von Ihnen gewünschten Zahlen.

Mich würde es auch interessieren, wie die GMS-Abiturienten bei einer Zweitkorrektur außer Haus abschneiden. Nur sollte die nicht an einer anderen GMS stattfinden.

Rüdiger Vehrenkamp
1 Monat zuvor

Wir haben uns damals für unsere Kinder bewusst gegen eine Gemeinschaftsschule entschieden, da uns das Konzept null überzeugt hat (obwohl die Hochglanzvideos der Landesregierung BW einen anderen Eindruck vermitteln). Wir finden schon diese Verwässerung der Realschulen nicht sonderlich gut, können uns aber mit diesen Niveaustufen einigermaßen anfreunden.

Es ist schon bezeichnend, dass Politiker ihre Sprößlinge genau nicht auf Gemeinschaftsschulen schicken – zumindest macht dies niemand öffentlich publik. Oft bekomme ich nur mit, dass deren Kinder Gymnasien bzw. meist Privatschulen besuchen. Alleine da schrillen bei mir die Alarmglocken. Wenn ein grüner Politiker so vehement für diese Schulart eintritt, aber die eigenen Kinder einen großen Bogen darum machen, dann stimmt etwas nicht.

Nennen Sie mich altbacken, aber mir wäre das klassische, dreigliedrige Schulsystem am liebsten, das den Leistungsgedanken wieder als Ursprung hat. Alle gleich machen zu wollen funktioniert in der Praxis eben nicht und selbst der beste Lehrer wird aus einem Ackergaul kein Rennpferd machen können – selbst auf Gemeinschaftsschulen nicht.