Sozialstudie: Ein Drittel der Jugendlichen in Deutschland meint, ihren Lehrkräften sei es egal, wie es ihnen geht

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BIELEFELD. Wie gerecht nehmen Kinder und Jugendliche in Deutschland ihr Leben war? „Knapp 90 Prozent der Jugendlichen haben das Gefühl, normalerweise fair behandelt zu werden. Und mit Blick auf ihr Leben sind für 73 Prozent der Jugendlichen Ungerechtigkeiten eher die Ausnahme als die Regel. Allerdings erleben Jugendliche aus Familien mit niedrigem sozioökonomischem Status häufiger Ungerechtigkeiten als Jugendliche aus Familien mit hohem.“ Auch Kinder haben mehrheitlich positives Bild von ihrem Leben: „Über 90 Prozent haben das Gefühl, in ihrem Leben passieren mehr gute als schlechte Dinge. Davon unterscheidet sich jedoch der Blick auf die gesamte Welt: Lediglich 37 Prozent sind der Meinung, auf der Welt passieren mehr schöne als schlechte Dinge.“ Das sind Ergebnisse einer aktuellen Sozialstudie.

Je niedriger der soziale Hintergrund des Elternhauses ist, desto stärker ist das Ungerechtigkeitsempfinden von Schülerinnen und Schülern (Symbolfoto). Foto: Shutterstock

Drei von vier Jugendlichen glauben, keinen Einfluss auf die Politik zu haben. Die meisten Jugendlichen sorgen sich besonders um die Älteren. Und: Es gibt große Unterschiede, wie Kinder und Jugendliche Gerechtigkeit in Deutschland wahrnehmen. Der sozioökonomische Status (SOES) der Eltern spielt hier eine maßgebliche Rolle. Dies hat aktuell die Sozialstudie 2023/24 zum Thema Gerechtigkeit ergeben, die im Auftrag der Bepanthen-Kinderförderung von der Universität Bielefeld durchgeführt wurde. Die Teilnahme von insgesamt 1.230 Kindern (6 bis 11 Jahre) und Jugendlichen (12 bis 16 Jahre) ermöglicht den Autor*innen zufolge ein repräsentatives Stimmungsbild. Auch die Erfahrungen im Bildungssystem wurden beleuchtet.

Der Großteil der Kinder und Jugendlichen – 78 Prozent – empfindet demnach die Schule als gerecht. Neun von zehn Schülerinnen und Schülern kommen gut mit ihren Lehrkräften und Mitschülern aus. Der Umgang zwischen den Schülerinnen und Schülern ist meist fair und die Mehrheit der Jugendlichen fühlt sich von Lehrern respektiert. Alles in allem empfindet etwa jedes fünfte Kind (22 Prozent) Ungerechtigkeit mit Blick auf die Schule. Die meisten Jugendlichen (76 Prozent) fühlen sich in ihrer Meinung von ihren Lehrkräften respektiert. Rund ein Drittel hat jedoch den Eindruck, den Lehrerinnen und Lehrern sei egal, wie es ihnen geht und fühlt sich gegenüber anderen Mitschülern benachteiligt.

Der sozioökonomische Status der Familien spielt dabei allerdings eine große Rolle: Ein niedriger SOES geht häufiger mit negativen und als ungerecht empfundenen schulischen Erfahrungen einher – sowohl mit Blick auf die freie Meinungsäußerung als auch hinsichtlich der Klassengemeinschaft und der Beziehung zu Lehrkräften und Mitschülern. So haben Jugendliche aus Elternhäusern mit niedrigem sozioökonomisch Status seltener einen positiven Eindruck von ihrer Klassengemeinschaft: Lediglich 67 Prozent sind der Meinung, die Schüler gehen fair miteinander um. Jugendliche aus Haushalten mit höherem SOES haben einen positiveren Eindruck: 84 Prozent nehmen einen fairen Umgang wahr. Auch haben Jugendliche mit niedrigem SOES seltener das Gefühl, dass sie in der Schule ihre Meinung frei äußern können (80 vs. 55 Prozent).

Deutlich wird auch: Das Demokratieverständnis von Jugendlichen – ob sie zufrieden oder unzufrieden mit der Demokratie in Deutschland sind – geht mit der empfundenen Meinungsfreiheit einher. Jugendliche, die unzufrieden mit der Demokratie in Deutschland sind, fühlen sich in ihrer Meinungsfreiheit eher eingeschränkt: 42 Prozent haben das Gefühl, in der Schule die eigene Meinung nicht frei äußern zu können und 28 Prozent Fragen nicht offen stellen zu können. Bei Jugendlichen, die zufrieden mit der Demokratie sind, liegen die Anteile nur bei 23 bzw. 12 Prozent.

Viele Jugendliche fühlen sich machtlos und von der Politik unbeachtet

Ein weiteres zentrales Ergebnis der Befragung ist, dass die deutliche Mehrheit der Jugendlichen (78 Prozent) erlebt – trotz des Aufkommens von Bewegungen wie „Fridays for Future“ – keinen Einfluss darauf zu haben, was die Regierung macht. 72 Prozent der Jugendlichen sind davon überzeugt, dass sich Politikerinnen und Politiker in Deutschland nicht viel darum kümmern, was Jugendliche denken. Mehr als die Hälfte (57 Prozent) spricht ihnen sogar das Bemühen ab, die wichtigsten Probleme unserer Gesellschaft lösen zu wollen.

„Besonders überraschend ist, dass die Kinder und Jugendlichen ein differenziertes Bild davon haben, wie eine gerechte Gesellschaft aussieht, diese Komponenten in ihrer Lebensrealität aber gar nicht unbedingt wahrnehmen“, sagt Studienleiter Prof. Dr. Holger Ziegler von der Universität Bielefeld, und fügt hinzu: „Obwohl sie sich von der Gesellschaft und der Politik nicht genug gesehen fühlen, machen sie sich trotzdem auch Sorgen um andere Bevölkerungsgruppen, wie zum Beispiel Rentnerinnen und Rentner.“

Ziegler erklärt, dass die wichtigsten Ergebnisse mit folgenden Themen in Verbindung stehen: Förderung von Bildung, Inklusion, Herstellung von Chancengleichheit, Hilfe und Unterstützung für Alte und Arme. „Erschreckend ist, dass die Jugendlichen diese Aspekte in der Praxis wenig abgebildet sehen. In ihrer Wahrnehmung sind sie von der Politik ungesehen und ungehört,“ so Ziegler, Professor für Soziale Arbeit.

Kinder und Jugendliche aus Familien mit einem niedrigen sozioökonomischen Status (SOES) geben an, dass sie in ihrem Leben deutlich mehr Ungerechtigkeit erleben als solche mit einem höheren SOES. 37 Prozent der Jugendlichen aus Haushalten mit niedrigem SOES empfinden Ungerechtigkeit als die Norm in ihrem Leben, während sich diese Zahl bei denen mit einem hohen SOES halbiert (18 Prozent). Das zeigt sich auch schon bei den befragten Kindern von sechs bis 11 Jahren: Kommen sie aus einer Familie mit einem hohen SOES, erleben 14 Prozent Deutschland als „sehr“ oder „eher“ ungerecht, bei niedrigem SOES erhöht sich dieser Anteil auf 59 Prozent.

Die vorliegende Studie zeigt, 65 Prozent der Jugendlichen empfinden, dass für Rentnerinnen und Rentner zu wenig getan wird. „Das Vorurteil gegenüber der jungen Generation, diese ‚würde sich nur für sich selbst interessieren‘, können in unserer Studie keinesfalls bestätigt werden“, so Ziegler. Die anderen Bereiche, die für die Jugendlichen in diesem Zusammenhang besonders wichtig sind, lauten „gleiche Lebensbedingungen“ und „Bildung“ (beides 62 Prozent), sowie „Arme“ und „Gleichverteilung von Vermögen und Einkommen“ mit jeweils 61 Prozent. „Umwelt & Klima“ landen mit 50 Prozent auf dem neunten Platz. Diese Ergebnisse spiegeln sich auch bei den befragten Kindern wider. Sie haben bereits ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden, wenn es um andere geht: 83 Prozent geben an, „sie werden wütend“, wenn andere ungerecht behandelt werden. News4teachers

Hier stehen die vollständigen Studienergebnisse der Sozialstudie Gerechtigkeit zum Download parat.

„Generation Rücksichtslos“ – Forscher schlagen Alarm: Jedes 5. Kind und jeder 3. Jugendliche zeigen kaum Mitgefühl für andere

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58 Kommentare
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DerechteNorden
13 Tage zuvor

Spannend wäre gewesen zu erfahren, woran die bestimmte Eindrücke festmachen.
Die Schlagzeile hier spricht einen Punkt an, der ganz viel damit zu tun hat, dass LK insgesamt viel zu wenig Zeit für alle Kids haben.
Ich selbst hadere ja auch damit.

RainerZufall
13 Tage zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Ihr Hadern ehrt Sie, aber wird Ihnen den Zeit dafür zugestanden? Spätestens nach der Grundschule muss es ja mehr oder weniger „laufen“…

DerechteNorden
13 Tage zuvor
Antwortet  RainerZufall

Nein, wird es nicht. DAS ist doch der Punkt.

Realist
12 Tage zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Wenn der Dienstherr keine Zeit für so etwas zugesteht, dann ist es eben auch nicht gewünscht. Wer „soziale Betreuung“ dann in seiner Freizeit machen will, soll das tun, aber man darf es dann eben nicht von jeder Lehrkraft erwarten. Wer schon einmal einen Handwerker bestellt hat, weiß auch, dass der nur das tut, wofür er bezahlt wird…

Außerdem: Wie soll eine Sek I oder Sek II Lehrkraft bei täglich bis zu ca. 80 (oder sogar mehr!) Schülern auf die unterschiedlichen Befindlichkeiten einzelner eingehen? Ist es nicht sinnvoller, dass das die Erziehungsberechtigten tun? Die haben es im Schnitt nur mit 1 – 2 Kindern zu tun…

Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. “ (Art. 6 GG)
Falls der Gesetzgeber das mittlerweile anders sieht, muss er den Schulen die notwendigen Ressourcen zur Verfügung stellen…

Tim Bullerbü
12 Tage zuvor
Antwortet  Realist

Aber Sie haben es als Lehrkraft mit Menschen und nicht mit Schrauben und Rohren zu tun.

447
10 Tage zuvor
Antwortet  Tim Bullerbü

Ja.

Und weiter?

Ich trage keinen Topfhelm und keinen Zweihänder auf dem Rücken – ich bin auf der Arveit, nicht auf einem Kreuzzug zum heilugen Gral.

Ärzte haben auch „mit Menschen zu tun“ – behandeln die Patienten umsonst in ihrer Freizeit, der „leuchtenden Patientenaugen“ wegen?

Anwälte?
Sagen Sie doch Ihrem Anwalt mal, der soll Sie umsobst vertreteb, es „geht dich um die Geeeeeräääächtugkeit!!!111“.

DerechteNorden
11 Tage zuvor
Antwortet  Realist

? Verstehe ich nicht so wirklich. Der Punkt ist doch oft, dass die Kids Stress zuhause haben, weshalb sie dann gerade nicht mit den Eltern sprechen wollen bzw. oft sogar nicht können. Wie wollen Sie denn S*S vor zu großem Leistungsdruck durch die Eltern z.B. schützen?
Und wenn ich als Lehrkraft nie wirklich Zeit habe nachzuhaken, dann hadere ich genau mit diesem Umstand, denn ich habe eben schon noch Verantwortungsgefühl und werfe es meinen Dienstherrschaften vor, dass sie mir das nicht wirklich ermöglichen, weil ich zu große Klassen usw. habe.

Gerade gestern hatte ich einige interessante Gespräche mit meinen 12.-Klässler*innen, wo ich gemerkt habe, wie wertvoll solche kurzen persönlichen Austauschmomente sind. (Das war eine Ausnahme: Konferenz gelaufen, Noten standen fest, Ausflug mit Eisessen.)
Bindung ist immer wichtig auch in älteren Gruppen. Für beide Seiten.
Und manchmal geht es sogar darum, wie es ist als Lehrkraft zu arbeiten. Man erfährt dann, dass die genau wissen, wo der Hase im Pfeffer liegt und dass sie sich das für sich nicht als Beruf sehen. Umgekehrt erzähle ich dann immer, was mir besonders gefällt.

Mika
11 Tage zuvor
Antwortet  Realist

6h Unterricht mit 6Klassen à 30 SuS macht schlappe 180 SuS am Tag. Einem Drittel der SuS in der Pause auch nur 30s individuell gewidmet sind inklusive 5s für das Hinwenden von Kind A zu Kind B 35 Minuten. Dann habe ich allerdings weder den Raum gewechselt, den aktuell bevorstehenden Unterricht vorbereitet (Experimentierwagen holen, Tafelanschrieb, kopieren,…) geschweige denn die Toilette aufgesucht oder selbst Pause gemacht (letzteres findet eh fast nie statt). Das ist derzeit der Normalzustand.

Realist
11 Tage zuvor
Antwortet  Mika

Doppelstunden sind hier echt von Vorteil.

Lanayah
12 Tage zuvor
Antwortet  RainerZufall

Auch in der Grundschule habe ich keine Zeit für persönliche Einzelgespräche mit den Kindern. Dafür ist ja auch keine Zeit vorgesehen.

Lisa
12 Tage zuvor
Antwortet  Lanayah

Es kommt auf die Schule an. An einer Schule war ich immer früher da, saß im Klassenzimmer und die Schüler konnten herein kommen, wann sie wollten und ein wenig reden. Das wurde sehr gerne angenommen.
An einer anderen Schule waren die Schüler schwieriger und wegen Vandalismus musste jeder Lehrer am Morgen seine Klasse direkt ins Klassenzimmer führen. Da ging dann das persönliche Gespräch nicht mehr.

Lanayah
12 Tage zuvor
Antwortet  Lisa

Wo waren dann dieanderen Kinder? Liefen die unbeaufsichtigt draußen rum? Und haben Sie das statt Unterricht gemacht?

Trend
10 Tage zuvor
Antwortet  Lanayah

„war immer früher da“

Alex
10 Tage zuvor
Antwortet  Lanayah

Nennt sich „offener Anfang“. Die LK sitzen schon 15 Minuten vor Unterrichtsbeginn im Klassenraum (natürlich ohne Anrechnung auf das Stundenkontingent!) und die Kiddies kommen rein, sobald sie da sind. Da genügt dann auch 1 Aufsicht auf dem Schulhof.

Tim Bullerbü
12 Tage zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Jaaaaa, ABER wenn jede(!) Lehrkraft mal fragen würde, wie es geht, wie es dem kranken Bruder geht, wie der Termin mit dem Jugendamt war, ob der Vater wieder aufgetaucht ist,…wäre schon viel erreicht.
Und dann hätte die einzelne Lehrkraft auch nicht das Gefühl, ständig Eunzelschicksale priorisieren zu müssen.
Als ich vor 2 Jahren Vertrauenslehrerin, Schulleiter und Jugendamt mobilisieren musste, weil ein magersüchtiges Kind vor meinen Augen zu verhungern drohte, waren 11 von 13 Lehrkräften noch gar nichts aufgefallen/ „nur Pubertät“/“nicht mein Problem“.
3 Wochen später Intensivstation und Zwangsernährung.
Diese Ignoranz ist nicht nur pädagogisch beschämend.

Blau
12 Tage zuvor
Antwortet  Tim Bullerbü

Ich habe auch nicht gesehen, dass eine Schülerin aus meiner Klasse magersüchtig war. Auch als ich es wusste, konnte ich es ihr nicht ansehen. Die Schüler können sich so kleiden, dass man das nicht sieht und essen tun sie in den Pausen, das bekommen wir gar nicht mit.

Tim Bullerbü
12 Tage zuvor
Antwortet  Blau

Ja, ich weiß, was Sie meinen. Aber dieser Fall war so nicht.

Besseranonym
12 Tage zuvor
Antwortet  Tim Bullerbü

Lässt sich nur noch mit in jeder Hinsicht ( zeitmäßig, stofflich, menschlich….. )
überfordert begründen, sonst ist es wirklich Ignoranz.

Lisa
12 Tage zuvor
Antwortet  Besseranonym

Kein Lehrer ist gerne ignorant. Fast jeder ( ich kenne Ausnahmen, aber das sind wenige) wollte gerne Kinder und Jugendliche in ihrem Leben begleiten und ihnen etwas beibringen. Doch wenn es nur noch darum geht, sich wenigstens die Namen zu merken, mutiert man wirklich zu einer Art KI.

Tim Bullerbü
12 Tage zuvor
Antwortet  Lisa

Aber das ist MEINE Entscheidung.
Und das ist nicht gleichbedeutend mit Selbstausbeutung. Interesse genügt oft.

Besseranonym
11 Tage zuvor
Antwortet  Lisa

Das ist richtig.
Bloß zu oben: Magersucht fällt nicht nur durch Abmagern auf. Wenn es Rtg Zwangsernährung geht, schaffen es Betroffene nicht mehr so gut, Theater zu spielen; Bewegung, Konzentration, Kreislauf, Belastbarkeit……..da muss jemand dann schon sehr…..sein, um nicht zu merken, da passt etwas nicht
( zu Anfang und im mittleren Stadium schaffen die meist Mädels locker, das zu verbergen – gibt auch Klasse Ratschläge ): im net dazu ).

Mika
11 Tage zuvor
Antwortet  Besseranonym

Nicht wirklich. Sowohl Schüler als auch Eltern haben in den von mir erlebten Fällen das Vorliegen eines Problems i.d.R. heftigst bestritten. Das ging bis zur Klageandrohung, weil ich
A) mich in Dinge einmische, die ich aufgrund meiner Profession nicht zu beurteilen in der Lage bin
B) allein durch den Hinweis auf eine evtl. vorliegende Essstörung das Kind diskriminieren würde.
Das Ganze vom Anwalt.
Ich informiere inzwischen in solchen Fällen die Schulleitung und den Schulsozialarbeiter – und damit bin ich raus.

Besseranonym
11 Tage zuvor
Antwortet  Mika

Das ist auch der einzig richtige Weg.
Maßgeblich und befugt, Maßnahmen zu ergreifen, ist in diesem Fall einzig die SL, – jedenfalls in Bayern
( Ausnahme Notfall )

Besseranonym
11 Tage zuvor
Antwortet  Besseranonym

Außerdem werden leider die Vorsorgeuntersuchungen von Kindern (U) und auch Jugendlichen zu sehr vernachlässigt.

https://www.kinderaerzte-im-netz.de/vorsorge/teenager-j1-bis-j2/j2-bald-erwachsen/#:~:text=Neben%20U10%20(zwischen%20sieben%20und,Geburtstag%20bis%20zum%20vollendeten%2015.

Sie wären eine gute Möglichkeit, Eltern zumindest nahezulegen, wo ihr Kind gesamtgesundheitlich steht.
Leider wagt sich auch mancher KiA nicht weiter vor (> Amtsarzt, Jugendamt, Einweisung/ Gericht )
Die Zeit berichtete bereits öfters und es tauchte auch die Frage auf: Sollten Us und Js verbindlich, Pflicht werden ?

DerechteNorden
11 Tage zuvor
Antwortet  Tim Bullerbü

Es geht nicht nur darum, dass ganz schlimme Dinge ans Licht kommen sollen, sondern darum, dass man Kinder/Jugendliche sieht und dass sie sich gesehen fühlen. Das hilft denen sogar dabei, erfolgreicher zu lernen.
Darum ist es schade, dass das von Politik immer noch nicht erkannt wurde.

Hubbeline
10 Tage zuvor
Antwortet  Tim Bullerbü

Unserer Tochter ist genau das passiert, allerdings hat es leider niemand bemerkt. Als sie nach langem Hadern und Monaten an stationärer Therapie den Mut hatte, die LehrerInnen anzuschreiben und zu bitten, manche Sprüche, Handlungen, Wertungen zu unterlassen, bekam sie als Antwort, sie solle sich nicht zu anstellen. Es wäre ja auch Vieles in der Schule gut gelaufen. Wenn sie nur das Negative sehe, würde das die Lehrkräfte enttäuschen.

Tja…

Bin übrigens selbst Lehrerin und weiß um die Belastung.

Spirale
13 Tage zuvor

„Drei von vier Jugendlichen glauben, keinen Einfluss auf die Politik zu haben.“

3/4 der Jugendlichen hat eine sehr gute Wahrnehmung. Jugendliche sind der Politik nämlich shit-egal, allen voran jenen der FDP, CDU, AfD und vermutlich auch der BSW. Wer keine politische Lobby hat, wird auch nicht vertreten – nichts anderes ist mut Einfluss gemeint. Nicht umsonst sind hier mehr als 2 Millionen Kinder armutsgefährdet (krass, oder?) und die Schulen werden größtenteils kaputtgespart.

Ich kann für das letzte 1/4 nur hoffen, dass ihm klar wird, dass politische Interessenvertretung nicht bedeutet, mit 16 Wählen zu dürfen.

DerechteNorden
13 Tage zuvor
Antwortet  Spirale

Wahr ist aber auch, dass diese Kids Eltern und Großeltern haben, die sich ja auch nicht für ihren Nachwuchs einsetzen.
Wo sind denn die Elterndemos für eine bessere Ausstattung für Schulen?

potschemutschka
13 Tage zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Die vermisse ich auch!

Realist
12 Tage zuvor
Antwortet  potschemutschka

Solange die Kinder in der Schule sind, interessiert die Elten hauptsächlich, dass irgendjemand möglichst ganztags auf die Kinder aufpasst und dieser möglichst stressfrei einen möglichst hochwertigen Schulabschluss erreichen. Dazu werden mittlerweile alle Tricks angewandt…

Erst wenn die Kinder aus der Schule raus sind, fängt die Jammerei über die mangelnde Qualität der Bildung an. Dann interessieren aber primär andere Dinge: Die Sicherung der (eigenen) Rente hat dann natürlich Priorität gegenüber Ausgaben für Bildung, die zu diesem Zeitpunkt dann auch nur fremden Kindern zugute kommen würden…

potschemutschka
12 Tage zuvor
Antwortet  Realist

Zum Glück ist das nicht bei allen so, aber leider bei zu vielen (und gefühlt bei immer mehr). Woran liegt das?

Heuwägelchen
13 Tage zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Das frage ich mich seit Jahren….

Lisa
12 Tage zuvor
Antwortet  Spirale

SPD und Grünen sind da besser aufgestellt? Wohl kaum. Nur zur Erinnerung: Wir haben doch eine Ampel-Regierung. Ist es wirklich nur die FDP, die die Jugendpolitik missachtet?

RainerZufall
13 Tage zuvor

Gibt es Informationen, wie sich die Aussagen auf die Schulformen verteilen?
Ich fände es interessant zu sehen, ob sich Schüler*innen an Gymnasien weniger gesehen fühlen (Anspruch) oder an Hauptschulen (Perspektiven) bzw. es sich relativ gleich verteilt

potschemutschka
9 Tage zuvor
Antwortet  RainerZufall

Ein weiterer Punkt wäre die Größe der Schule, je mehr Schüler und Lehrer desto anonymer! An kleineren Schulen kennt fast jeder Lehrer jeden Schüler und umgekehrt. Auch das „Pausengespräch“ unter den Lehrern dreht sich dann manchesmal eher um einen Schüler mit Problemen, da die anderen diesen Schüler evtl. auch kennen und man kann sich beraten. An großen Schulzentren ist das eher unwahrscheinlich (zumindest meine Erfahrung aus der eigenen Schulzeit und der Zeit als Lehrer).

Heuwägelchen
13 Tage zuvor

Wollen wir spaßeshalber mal definieren, was „Gerechtigkeit“ ist?

Schulmeister
12 Tage zuvor
Antwortet  Heuwägelchen

Ja, nicht nur spaßeshalber, sondern sehr ernsthaft. Da gehen die Anschauungen nicht nur bei Schülern auseinander, sondern auch bei denjenigen, die sie unterrichten. Häufig zieht man sich zurück auf eine möglichst auch nach außen darstellbare formale Gleichbehandlung. Das wird ja auch z. T. von Schülern so eingefordert. „Ich krieg‘s wieder ab und beim XY haben sie nichts gesagt“ usw. Gerade dadurch können wir aber unterschiedlichen Schülern gar nicht gerecht werden, Den Königsweg habe ich aber auch nicht gefunden.

Philine
12 Tage zuvor

Leider muss ein Teil der Lehrkräfte kämpfen, um nicht selbst mit dem Kopf unter Wasser zu geraten. Für die Rettung anderer Pesonen sind da nicht mehr viele Kräfte übrig, zumindest meiner Beobachtung nach. Als menschliches und pädagogisches Versagen würde ich das nicht bewerten, so schade es auch ist.

Schulmeister
12 Tage zuvor
Antwortet  Philine

… eher als systemische Bankrotterklärung

Ole S. Galen
12 Tage zuvor

Nicht trotz sondern wegen Fridays for Future haben Jugendliche den Eindruck, keinen politischen Einfluß zu haben.

Koko
12 Tage zuvor

Es wäre schön, wenn auch etlichen Schülern (und Eltern) nicht egal wäre, wie es uns Lehrern geht und ob wir uns „gerecht behandelt“ fühlen.

Lisa
12 Tage zuvor

Mit der Aussage, ungerecht behandelt zu werden, ist das so eine Sache; manch einer fühlt sich bereits ungerecht behandelt, wenn seine Meinung nicht geteilt wird.

Lanayah
12 Tage zuvor
Antwortet  Lisa

Ich habe einen Schüler, der fühlt sich ungerecht behandelt, weil es Konsequenzen hat, wenn er schlägt.

potschemutschka
12 Tage zuvor
Antwortet  Lisa

@Lisa@Lanaya
Die armen Kinder, sie sind sicher „dauerfrustriert“, wie manch andere wegen der BJS. Wie löst man das Problem, damit auch diese Kinder „dauerglücklich“ sind? (Ironie)

447
12 Tage zuvor

„Drohnenstudie als Gehirnscan: Ein Drittel aller Schülerinnen und Schüler in der Bundesrepublik Deutschland ist es egal, wie es ihren Lehrern geht.“

Ok.
Wir haben also wieder die Mischung: „Willkürliche Emotionen von Kindern als Maßstab für Lehrkräfte.“
Ja, äh, gut.
Na dann.

Ermüdeter Hinweis:
Wären uns Lehrkräften die Schüler -oder wie es Ihnen ergeht- tatsächlich egal…da würden Schulalltag, Benotung, AGs, Klassenfahrten, Aktions- und Wohlfühlgedrömmel über den Pflichtunterricht hinaus anders, GANZ ANDERS aussehen.

Kleiner Protipp noch:
Persönliche, am besten noch individuell emotionalisierte Sorge KANN man (ohne psychisch zu erkranken) nur in einer wenigstens ein BISSCHEN ***reziproken*** Beziehung einbringen.

Unfassbar
12 Tage zuvor
Antwortet  447

Konsequenz aus Ihrem ermüdenden Hinweis wäre ja eine Benotung nach ihren Definitionen gemäß Schulgesetz und damit vermutlich mindestens eine ganze Note schlechter als bisher. „sehr gut“ würde die absolute Ausnahme, das heutige befriedigend, je nach Schulform vielleicht sogar das „gut“, würde zum „ausreichend“.

447
11 Tage zuvor
Antwortet  Unfassbar

Zum Beispiel.

Oder ein „das haben wir letzte Woche Mittwoch in der zweiten Stundenhälfte bearbeitet und im Heft gesichert“ – statt Fragen zu beantworten.

usw. usf.

Von größeren Sachen wie freiwilluge Wandertage, Klassenfeiern usw. mal ganz zu schweigen.

Kann man auch sagen: „Geht nicht wegen ‚is nich‘. “ Naja, und so weiter und so fort.

447
12 Tage zuvor

„Drohnenstudie als Gehirnscan: Ein Drittel aller Schülerinnen und Schüler in der Bundesrepublik Deutschland ist es egal, wie es ihren Lehrern geht.“

Ok.
Wir haben also wieder die Mischung: „Willkürliche Emotionen von Kindern als Maßstab für Lehrkräfte.“
Ja, äh, gut.
Na dann.

Ermüdeter Hinweis:
Wären uns Lehrkräften die Schüler -oder wie es Ihnen ergeht- tatsächlich egal…da würden Schulalltag, Benotung, AGs, Klassenfahrten, Aktions- und Wohlfühlgedrömmel über den Pflichtunterricht hinaus anders, GANZ ANDERS aussehen.

Kleiner Protipp noch:
Persönliche, am besten noch individuell emotionalisierte Sorge KANN man (ohne psychisch zu erkranken) nur in einer wenigstens ein BISSCHEN ***reziproken*** Beziehung einbringen.
Dass man da als Lehrkraft in Borleistung geht ist (hoffentlich) klar – dass dann ein irgendwie geartetes reziprokes Verhalten (und wenn es nzr ein wenig im Rahmen der SuS-eigenen Möglichkeiten ist) zurückkommen muss – hoffentlich auch.

Besseranonym
9 Tage zuvor
Antwortet  447

Ja, manchmal ist die Lehrerei wirklich eine (Dauer)“borleistung“ mit h,
schön, dass die autokorrektur nicht alles wegnimmt 🙂

Rage against the System
11 Tage zuvor

Interessant.Auf die Idee wäre ich nie gekommen- dass ein Lehrer sich dafür interessieren soll, wie es mir geht.
Ich habe nur registriert, dass es drei Gruppen von Lehrern gab: Die größte interessierte sich tatsächlich dafür, Wissen zu vermitteln.
Die zweitgrößte hat mit Scheuklappen Schema F abgearbeitet.
Und bei zwei oder drei Exemplaren hatte ich das Gefühl, dass die persönlich gegen mich eingenommen sind.

Besseranonym
11 Tage zuvor

Es wäre nun interessant, als welches Exemplar die KuK Sie eingeordnet haben/ hätten 😉
Sorry , der musste jetzt sein.
Das Zuordnen soll ja doch obwohl alle wissen, dass das nicht gut ist, passieren.

Rage against das komplette System ?

DerechteNorden
11 Tage zuvor

Gymnasium? Ich war auch an einem. Erwartet haben wir das nicht, aber uns gefreut, wenn es der Fall war.

Realist
11 Tage zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Ein Ex-Kollege war auch immer sehr schülerorientiert. Kam bei den Schülern auch extrem gut an. Bei den Kollegen, die dann seine Klassen übernehmen mussten und den fehlenden Stoff nacharbeiten mussten, nicht so…

Der Ex-Kollege hat den Schülern dann auch immer kurz vor den Abiturprüfungen die Themen aufgezählt, die sie „leider nicht geschafft“ hätten, und die sie dann bis zur Prüfung bitte selbstständig nachzuarbeiten hätten… LKs hat er dann natürlich nicht mehr bekommen, um den Schaden möglichst gering zu halten.

DerechteNorden
11 Tage zuvor
Antwortet  Realist

Es geht beides, wissen Sie. Eine faire Strenge und Interesse.
Okay, an Gymnasien vielleicht eher nicht, weil man immer Gefahr läuft, dass über einen so geredet/urteilt wird, wie Sie das gerade tun.
Ich praktiziere das schon seit Jahrzehnten, wie die meisten meiner Kolleg*innen auch.

447
11 Tage zuvor

Letztlich kann das auch nur geleistet werden, wenn SuS das ZULASSEN und SELBER WOLLEN.

Ist das der Optimalfall, ist es wünschenswert?
Klar.
Realistisch, auf ALLE bezogen?
Natürlich nicht.

Es gibt (in beide Richtungen) kein Recht auf besondere emotionale Zuwendung – jenseits der (hoffentlich selbstverständlichen) Vorleistung des Pädagogen, prinzipiell ansprechbar zu sein und sich bereit zu halten usw.

RSDWeng
10 Tage zuvor

Vermutung: Über einem Drittel der Schüler ist es egal, wie es ihren Lehrern geht. Sicher darf man hier keinen „Ausgleich“ sehen, schließlich sind die Schüler noch in der Entwicklung.

DienstnachVorschrift
10 Tage zuvor

Mit bis zu 18 Klassen geht es bei mir kaum. Da habe ich maximal den Fokus auf den Klassen, bei denen ich Klassenlehrer bin. Teilweise kann ich den Gesichtern kaum Namen zuordnen. Kann ich leider nicht ändern, denn sinnvoll ist das sicher nicht.

Micky
9 Tage zuvor

Hm.

Jugendliche sind in einer fordernden, emotional sehr anspruchsvollen Lebensphase. Wieviel Prozent würden wohl antworten, ihre Eltern (insbesondere die Mütter – da sie am präsentesten sind) wären gemein und ungerecht und würden sich nicht so um sie kümmern, wie sie sich das wünschen?

Früher gab es Eltern mit Zeit am Wochenende, Nachbarschaften, Jugendzentren, im Osten Schülerclubs, viel Jugendarbeit in Vereinen und Kirchen. Heute gibt es im Wesentlichen noch Schule und manchmal Nachmittagsbetreuung, alles möglichst billig und lang. Keiner mehr da, der schuld sein könnte außer den Lehrern.