BERLIN. Probleme im Bildungswesen werden von der Bevölkerung als drängendste Zukunftsgefahr für Deutschland wahrgenommen – noch vor sozialer Spaltung, Extremismus oder Klimawandel. Das zeigt eine aktuelle repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa. Der Deutsche Philologenverband sieht darin einen klaren politischen Handlungsauftrag und verlangt eine Neuausrichtung der Bildungspolitik.

Probleme in der Bildung werden von einer überwältigenden Mehrheit der Bevölkerung als größte Bedrohung für die Zukunft Deutschlands eingeschätzt. Das geht aus der repräsentativen Forsa-Erhebung „Aktuelle Gefährdungspotenziale für Deutschland“ hervor, die im Auftrag des dbb – beamtenbund und tarifunion durchgeführt wurde. Danach sehen 90 Prozent der Befragten Defizite im Bildungswesen als zentrales Risiko für die weitere Entwicklung des Landes.
Damit rangiert Bildung in der öffentlichen Wahrnehmung noch vor anderen häufig genannten Gefahren. So nennen 88 Prozent der Befragten die Zunahme gesellschaftlicher Spannungen als ernstes Problem, 85 Prozent eine wachsende Kluft zwischen Arm und Reich. Der zunehmende Rechtsextremismus wird von 70 Prozent als große Gefahr eingeschätzt, der Klimawandel von 62 Prozent. Bildung steht damit an der Spitze der gesellschaftlichen Sorgen – und zugleich im Zentrum der Erwartungen an politische Steuerungsfähigkeit.
Für die Bundesvorsitzende des Deutschen Philologenverbands (DPhV), Susanne Lin-Klitzing, ist dieses Ergebnis mehr als ein Stimmungsbild. „Diese Zahlen sind kein Ausdruck von Resignation, sondern ein klarer Auftrag, den Blick nach vorn zu richten“, erklärte sie in Berlin. „Die Menschen wissen: Die Zukunft unseres Landes entscheidet sich im Klassenzimmer. Sie verstehen Bildung ganz klar als priorisierte politische Aufgabe zur Sicherung unserer Demokratie, unserer Wirtschaftskraft, unserer Freiheit und Sicherheit.“
Auffällig ist nach Angaben des Verbands die parteiübergreifende Übereinstimmung in der Problemwahrnehmung. Unabhängig von politischer Orientierung bewerten große Mehrheiten der Befragten die Lage im Bildungswesen als problematisch oder sehr problematisch. Die Studie verweist zudem auf ein vergleichsweise hohes Vertrauen in staatliche Strukturen: 68 Prozent der Befragten schreiben dem öffentlichen Dienst eine Schlüsselrolle bei der Bewältigung der wahrgenommenen Herausforderungen zu – ausdrücklich eingeschlossen sind dabei auch Schulen.
„Bildungspolitik darf sich nicht im Krisenmanagement erschöpfen. Sie braucht eine klare Zukunftsagenda“
Lin-Klitzing spricht in diesem Zusammenhang von einem Vertrauensbeweis, der politische Konsequenzen haben müsse. „Das ist ein starkes Vertrauenssignal“, sagte sie. „Es verpflichtet Politik und Verwaltung gleichermaßen, die Rahmenbedingungen endlich konsequent zu verbessern und den Fokus wieder klar auf das Leistungsprinzip zu legen.“
Der Philologenverband nutzt die Umfrageergebnisse zugleich, um erneut die Bedeutung des Berufsbeamtentums im Schulbereich zu betonen. Der Beamtenstatus von Lehrkräften mit dem damit verbundenen Streikverbot sichere Stabilität und Verlässlichkeit im Bildungssystem, so Lin-Klitzing. „Der Beamtenstatus der Lehrkräfte mit seinem Streikverbot sichert die Stabilität und Verlässlichkeit des Bildungssystems – und damit einen zentralen Pfeiler unserer demokratischen Ordnung. Wer an dieser Verlässlichkeit rüttelt, gefährdet nicht nur den Schulbetrieb, sondern das Vertrauen in den Staat insgesamt“, erklärte sie mit Blick auf aktuelle Vorstöße aus Reihen der Union, den Beamtenstatus für Lehrkräfte abzuschaffen (News4teachers berichtete).
Inhaltlich sieht der DPhV durch die Umfrage seine langjährigen Positionen bestätigt. Aus Sicht des Verbands kann eine zukunftsfähige Bildungspolitik nur gelingen, wenn Leistungsförderung wieder stärker in den Mittelpunkt rückt. Ziel sei es, junge Menschen hervorzubringen, die fachlich kompetent, selbstständig denkend und gesellschaftlich verantwortungsbewusst handeln können.
Konkret fordert der Verband unter anderem eine verbindliche, diagnosegestützte vorschulische Förderung, einen systematischen Ausbau sprachlicher Kompetenzen sowie eine stärkere Betonung der Bildungssprache Deutsch in allen Fächern. Auch zusätzliche Deutschstunden in der Grundschule und in der Mittelstufe hält der DPhV für notwendig. Zudem spricht sich der Verband für verbindliche Schulartempfehlungen aus, um Bildungswege passgenauer zu gestalten.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Leistungsbewertung. Nach Auffassung des DPhV müssen Schülerinnen und Schüler wieder nach klaren und nachvollziehbaren Maßstäben beurteilt werden. Dazu gehöre auch eine höhere Gewichtung der Rechtschreibkompetenz, einschließlich ihrer stärkeren Berücksichtigung in Abiturprüfungen. Rechtschreibung sei ein zentraler Schlüssel für gelingende Kommunikation und gesellschaftliche Teilhabe.
Deutliche Worte findet der Verband auch zur Lehrkräftebildung. Diese müsse in allen drei Phasen qualitativ hochwertig bleiben, auch unter den Bedingungen des Lehrkräftemangels. Abstriche bei der Fachlichkeit lehnt der DPhV ebenso ab wie verkürzte oder „duale“ Modelle, die Studierende und Lehramtsanwärterinnen und -anwärter primär zur Unterrichtsabsicherung heranziehen. Gleichzeitig fordert der Verband eine nachhaltige Stärkung der bereits im Schuldienst befindlichen Lehrkräfte durch Entlastung, gezielte Fortbildung und verlässliche Karriereperspektiven.
Aus Sicht von Lin-Klitzing darf Bildungspolitik nicht länger auf kurzfristiges Krisenmanagement beschränkt bleiben. „Bildungspolitik darf sich nicht im Krisenmanagement erschöpfen. Sie braucht eine klare Zukunftsagenda, die Leistung ermöglicht, Qualität sichert und Verlässlichkeit garantiert“, sagte sie. Die Ergebnisse der Forsa-Umfrage seien kein Abgesang auf das Bildungssystem, sondern eine Aufforderung zum entschlossenen politischen Handeln. News4teachers









“Danach sehen 90 Prozent der Befragten Defizite im Bildungswesen als zentrales Risiko für die weitere Entwicklung des Landes.”
Da haben wir es ja wieder: Nicht die Politik mit ihren Fehlentscheidungen der letzten 20 Jahre ist Schuld an der aktuellen Misere, nicht die Wirtschaft ist Schuld mit ihrem Missmanagement und festhalten an veralteten Technologien, nicht die (sozialen) Medien sind Schuld am Zustand der Gesellschaft, wo jeder gegen jeden kämpft.
Nein, die Bildung und wieder einmal die Lehrer sind es. Sündenböcke, wie immer!
“Bildungsrepublik Deutschland” stand einmal auf den Wahlplakaten von Merkel. Geworden ist daraus nichts. Geld war für alles da, nur kaum für Bildung (gemessen an den Schülerzahlen). Aber hauptsache wir wissen wieder, wer Schuld ist.
“Und wieder einmal die Lehrer sind es.”
Sorry, das wirkt langsam paranoid – nirgends werden hier Lehrkräfte für den Zustand des Bildungssystems verantwortlich gemacht. Kommt ja auch niemand ernsthaft auf die Idee, die Unpünktlichkeit der Bahn dem Personal anzulasten. Deshalb darf man die Unpünktlichkeit aber benennen.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Ergänzung – die Diskussion um “Lifestyle-Teilzeit” und das Beamtentum bei Lehrern passt da auch ganz gut, um diese “schuldig” an der Bildungskrise zu sprechen.
Nö normale Diskussion in einer realen Welt
Ja, bin halt ein paranoider Verschwörungs”märchen”-Anhänger.
Bin damit bisher ganz gut gefahren…
Leider sind manche Lehrkräfte schon für die schlechten Schülerleistungen verantwortlich, so etwa für mangelnde Rechtschreibkenntnisse, wenn sie nach Lesen durch Schreiben unterrichten. Und der Matheunterricht ist in der Mehrheit unter aller Sau.
Wo in Ihrem Umfeld beobachten Sie, dass nach Lesen durch Schreiben gelehrt wird? 😀
Woher wissen Sie denn, wie oft das gemacht wird? Sie wollen doch nur den Hinweis unterdrücken. Eins kommt zum anderen, auf Mathelehrer wird nur noch geschimpft.
???
Jaja, die Mathelehrkräfte, die Lesen durch Schreiben unterrichten, haben es echt schwer…
Mit ist kein Beispiel bekannt, wo heute noch Lesen durch Schreiben praktiziert wird. Wenn Sie oder Gelbe Tulpe da was haben hauen Sie gerne raus.
Ich wäre definitiv auf Ihrer Seite, WENN das heute noch ein Problem seien sollte 😉
Ja, aber die die Bürger*innen je nach politischer Ausrichtung sowohl die Ursachen als auch die möglichen Lösungen sehr unterschiedlich sehen, wird sich nichts ändern.
Die einen wollen z.B. die hundertprozentige Inklusion (alle Heranwachsenden ab 1,5 Jahren durchmischt immer alle in Lerngruppen in einem Raum, bis sie 16 sind), die anderen wollen eine noch frühere Separierung nach Leistungsvermögen. Die einen wollen das staatliche Rundumpaket “Leben”, die anderen mehr Elterninitiative aus intrinsischer Motivation und weniger staatliches Eingreifen. Die einen wollen freies Lernen und Kompetenzenentwicklung (alle, wie sie wollen), die anderen mehr Vorgaben und mehr Einheitlichkeit. Abschaffung der Noten vs strengere Notengebung …
Will sagen: Solche Umfrageergebnisse sind für die Tonne. Zumal die Bundesländer gerade versuchen zu sparen.
Wenn es nicht so bitter wäre, könnte man sich vor Lachen kaum noch einkriegen.
“Bildungskrise gilt Bürgern als Bedrohung Nummer eins”
Dann müssen die Bürger eben resilienter werden! Doof aber widerstandsfähig muss die Devise sein.
Der Klimawandel wird nicht als die uneingeschränkt größte Herausforderung erkannt? DARIN liegt tatsächlich eine Bildungskrise…
Was die Zukunftsagenda betrifft, sind ja einige dran: Sie wollen sich erst in später Zukunft kümmern 🙁
https://www.news4teachers.de/2026/01/inklusion-bundesland-schiebt-aus-fuer-foerderschule-lernen-auf-die-lange-bank/
Nur dass der verlinkte Artikel mit dem Klimawandel rein gar nichts zu tun hat. Man merkt mal wider, dass der Klimawandel und Inklusion urplötzlich keine nennenswerte Rolle mehr spielen, wenn es ernste tagesaktuelle Probleme gibt.
Ich bezig mich auf die Politik des Aufschiebens.
Aber in zehn Jahren passiert dann ganz echt ehrlich doppelt so viel…
Ohne gute Bildung können Sie aber die Bekämpfung des Klimawandels und seiner Folgen vergessen. Genau so, wie den Erhalt der Demokratie, eine starke Wirtschaft zur Finanzierung des Sozialstaats und mithin gesellschaftlichen Frieden.
Plakativ formuliert: der Klimawandel wird das Land evtl. in 200 Jahren unbewohnbar machen, die Bildungskrise aber mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit in 20 Jahren dafür sorgen, dass Deutschland eine bankrotte Autokratie am Rande des Bürgerkriegs wird.
Ich kann die Prioritäten durchaus nachvollziehen.
Bemerkenswert, ich wiederspreche jedem einzelnen Satz…
Davon dass Sie glauben, der Klimawandel würde von der heutigen Bildungspolitik abhängen, darüber, ärmere Länder könnten sich die Demokratie nicht leisten, bishin zu der starken Behauptung, Deutschland könte aufgrund des Klimawandels in 200 Jahren eventuell unbewohnbar sein… :/
Und OBWOHL Sie sich in all diesen Punkten irren, erwarte ich von der Politik, sich der Probleme anzunehmen, anstatt sie auf die lange Bank zu schieben.
Die Folgen müssen Sie ja nicht verstanden haben, aber Sie werden Sie ausbaden müssen
Ihr Leseverständnis lässt arg zu wünschen übrig. Ich habe nicht geschrieben, dass der Klimawandel von der Bildungspolitik abhängt, sondern dass man zur Bekämpfung des selben gute Bildung braucht. Das sind zwei völlig unterschiedliche Aussagen.
Weiterhin, schrieb ich keineswegs, dass ärmere Länder sich Demokratie nicht leisten können. Ärmere Länder habe ich nicht einmal erwähnt. Der Gedanken war vielmehr: Wirtschaftliche Schwäche und Deindustrialisierung führen notwendigerweise zum Abwirtschaften des Sozialstaates, was mit hoher Wahrscheinlichekeit zu gesellschaftlichem Unfrieden führt. Das wiederum sind beste Voraussetzungen für antidemokratische Kräfte.
Und drittens: was genau ist an der Aussage zu kritisieren, dass Deutschland in 200 Jahren eventuell unbewohnbar wird? Haben Sie eine Glaskugel? Davon abgesehen, war das natürlich eine Überspitzung. Ich dachte, dass sei durch das einleitende “Plakativ formuliert” hinreichend gut ersichtlich. Leseverständnis…
“dass man zur Bekämpfung des selben gute Bildung braucht.”
Jaja, erst letztens hat einer diser ungebildeten Milliardäre wieder den Klimawandel geleugnet – hätte er doch bloß bessere Bildung genossen 🙁
Was den Sozialstaat betrifft, der sich anscheinend auf Bildung und nicht geltenemdes Recht begründet, muss ich Sie missverstanden haben..
“was genau ist an der Aussage zu kritisieren, dass Deutschland in 200 Jahren eventuell unbewohnbar wird?”
Dass dies niemand behauptet – geschweige prognostiziert.
Ehrlichgesagt würde es wohl eher voller, wenn Menschen aus WIRKLICH unbewohnbaren Gebieten nach Europa fliehen 🙁
Mein Fehler, Sie wollen mich offenbar missverstehen. Selbstverständlich meine ich nicht die Bildung im Einzelfall, sondern gesamtgesellschaftlich. Und bezüglich des Sozialstaats: egal welches Recht gilt, wenn es nach Deindustrialisierung und Abwirtschaftung nichts zu verteilen gibt, dann wird nichts verteilt. Sonst könnte man den Klimawandel ja auch einfach gesetzlich verbieten und das Problem wäre gelöst.
“Selbstverständlich meine ich nicht die Bildung im Einzelfall, sondern gesamtgesellschaftlich.”
Schauen Sie sich gerne mal die Entwicklungsländer mit gesellschaftlich geringem Bildungsniveau an staunen, Sie wie viel weniger die zur Klimaerwärmung beitragen.
“egal welches Recht gilt, wenn es nach Deindustrialisierung und Abwirtschaftung nichts zu verteilen gibt, dann wird nichts verteilt.”
Die Industrie trägt meines Wissens vielleicht ein kleines Bisschen zum Klimawandel bei – who knows.
Was den Sozialstaat betrifft, fragen Sie doch mal die Rechtsextremen der AfD: Die wollen den abschaffen und werden von nicht wenigen gewählt 😉
Aber zumindest sind wir uns bei dem unbewohnbaren Deutschland einiger als zuvor, nehme ich an. Freut mich.
“Sonst könnte man den Klimawandel ja auch einfach gesetzlich verbieten und das Problem wäre gelöst.”
Jaja, das wäre schon drastisch, wenn die Politik nicht mehr weiter rumeiern dürfte…
https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/klima-klagen-100.html
https://www.focus.de/finanzen/steuern/bis-zu-2000-euro-wenn-sie-bald-noch-co2-ausstossen-wird-es-richtig-teuer_b8449cb3-4391-42ba-a260-be29db28b2a4.html
Achja, ich erinnere mich noch gerne an die letzten 20 Jahre, wo wir konkurrenzfähig waren, uns von Diktatoren abhängig machten und uns gegenseitig versprachen, in ein paar Jahren einfach viel mehr zu sparen – hat sich voll gelohnt 😉
Wurde die Bevölkerung eigentlich auch gefragt, was genau sie am Bildungssystem ändern wollen? Die Forderungen des DPhV klingen vernünftig, sind mit der aktuellen politlandschaft jedoch nicht umsetzbar.
Wenn Eltern Bildung wichtig wäre,
– dann würden sie ihren 10 jährigen kein Handy kaufen.
– dann würden sie ihren Kindergartenkindern kein Tablet in die Hand drücken zur Beruhigung.
– dann würden sie ihren Kindern Geschichten vorlesen.
– dann würden sie ihren Kindern zuhören anstatt ins Handy zu starren.
– dann würden sie darauf bestehen, dass die Kinder ihre Hausaufgaben machen.
Ist also nur Augenwischerei, dass Bildung wichtig wäre.
Bildung ist ihnen schon wichtig. Soll aber halt ein anderer machen!
Pauschal alle Eltern über einen Kamm scheren, finde ich nicht gut. Es gibt auch heute noch Eltern, die auf Hausaufgaben achten, die Vorlesen,… Allerdings werden Eltern auch zu manchen Sachen gedrängt, obwohl sie es eigentlich noch nicht wollen. Stichwort: Handy. Bei uns in der Stadt wird an den weiterführenden Schulen erwartet, dass die Kinder an Smartphone haben. Der Vertretungsplan, Vertretungsaufgaben, Internetrecherche im Unterricht und ähnliches, dafür wird das Smartphone gebraucht und dann möchte man auch nicht, dass sein Kind dies als einziges nicht hat. Das heißt aber nicht, dass mein Kind WhatsApp hat oder verschiedene social Media Accounts, aber es ist für Eltern nicht immer einfach die Balance zu finden, viele geben sich aber viel Mühe und deshalb finde ich es nicht ok pauschal immer über alle Eltern und alle Lehrkräfte zu urteilen.
„ Pauschal alle Eltern über einen Kamm scheren, finde ich nicht gut.“
Da haben Sie völlig recht: ich habe meinen Post ungenau und damit missverständlich formuliert. Ich bezog mich auf die Eltern, welche der Forist Einer adressierte (also diejenigen, welche Handy statt Zuwendung usw. als Erziehung betrachten).
Von daher: mein Post bezieht sich nicht pauschal auf ALLE Eltern, sondern die mit den von Einer genannten Verhaltensweisen.
Meine Antwort sollte auch eigentlich an Einer gehen. Ich habe wohl an der falschen Stelle geantwortet. Sorry.
Ich kenne tatsächlich Familien, die nach Ihre Aufzählung leben. Da kann es sogar sein, dass das Kind ein Handy hat, es aber kaum benutzt, weil es spielt, lernt, liest, bastelt und Sport macht.
Diesen Familien fällt ebenfalls stark auf, wie gefährlich die Bildungskrise geworden ist.
Genau für solche Dinge – checkt morgens den Vertretungsplan, lest eure Mails – braucht es tatsächlich ein Handy, das musste ich beim großen Kind dann auch lernen. Aber Hausaufgaben ist so ein Thema. Bei uns zumindest an der Grundschule im Ganztag gibt es keine. Wir sind als Eltern schon froh, wenn das Arbeitsbuch mal mit nach Hause kommt und nicht in der Klasse verbleibt… sonst muss man den Kindern mühsam aus der Nase ziehen, was sie überhaupt so machen. Sie machen leider gefühlt nicht viel… aber man darf das als Eltern auch nicht hinterfragen. Das führt immer zu Verwunderung. Ich finde es so sehr mühsam zu verstehen, wo steht das Kind, braucht es Unterstützung, und ich kann auch nicht erwarten, dass der Lehrer mir und den 27 anderen das ständig einzeln zurückspielt. Aber von dem, was ich mitbekomme, zähle ich mich zu denjenigen dazu, für die Bildung ein wichtiges Thema ist.
Diese angeblichen Gründe werden doch von jedem Kind vorgeschoben. Diese Dinge füllen dann vielleicht in Summe maximal 20 Minuten pro Tag. Was macht das Kind dann mit den anderen 5-7 Stunden täglichen Handykonsum? Sich berieseln lassen auf TikTok und Insta! Wirklich kommunizieren kann doch kaum ein Jugendlicher mit Hilfe des Handys.
Ich halte eher den Arbeitsplatzabbau durch KI für problematisch. Arbeitslose Akademiker sind hochgefährlich in größerer Zahl.
Kommt drauf an.
Es gibt genug B*LLS**T-Jobs, die tatsächlich überflüssig sind und kostengünstig durch KI übernommen werden können:
Keiner braucht “Berater” zu Tagessätzen zu 2000€ aufwärts, die dem Vorstand oder Geschäftsführung sowieso nur genau das erzählen, was er sowieso schon weiß, und deren einzige Existenzberechtigung ist, Entscheidungen des Vorstandes mit einem Hauch von Legitemität zu untermauern, da die externen “Experten” (“Berater”) genau diese Maßnahmen dringend empfehlen.
Es braucht auch keiner Powerpoint-Schubser, die sich den ganzen Tag über in “wichtigen” Meetings aufhalten, und dabei “Konzepte” entwickeln, welche den produktiven Teil der Belegschaft von der Arbeit abhalten.
Es braucht auch keiner Rechtsanwälte, die für 300€ pro Stunde Word-Vorlagen mit den Schilderungen ihrer Klienten ausfüllen.
Warum müssen in EZB und Bundesbank tausende von hochbezahlten Wirtschaftsexperten herumssitzen, die mit ihren Prognosen regelmäßig falsch liegen. Der EZB-Turm in Frankfurt ist nicht umsonst eines der höchsten Gebäude der Stadt. Ein Link in ein Hochleistungsrechnzentrum zur entsprechenden KI ist schneller, billiger und besser.
Es gibt genug Akademikerberufe, die wirklich gebraucht werden, und die so schnell auch kein Roboter, keine KI ersetzen wird: Ärzte, Ingenieure, Naturwissenschaftler, Sozialpädagogen, Lehrer, um nur ein paar Beispiele zu nennen.
Bei den anderen, überflüssigen Jobs, die im Wesentlichen nur selbstreferenziell Informationen hin- und herschubsen und nichts Wertschöpfendes beitragen wird die KI radikal aufräumen. Und das ist gut so.
Schön, wenn Lehrkräfte – die für sich (zu Recht) Respekt einfordern – so respektvoll mit anderen Berufsgruppen umgehen. (Spaß) Herzliche Grüße Die Redaktion
Wie “respektvoll” die genannten “Powerpointschubser” in der gesellschaftlichen Kommunikation mit Lehrern als Gruppe insgedamt umgehen haben wir alle lange genug erlebt.
“Die andere Wange hinhalten” ist im realen Leben keine Strategie, sondern bestenfalls moralische Rationalisierung des eigenen Opferstatus.
Deshalb dürfen/sollten Lehrkräfte andere Berufsgruppen niedermachen – ernsthaft jetzt?
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Ist wie mit der Demokratie, der Widerstand gegen Gegner muss halt wehrhaft sein. Wenn andere sich niedermähen lassen, dann sind sie eben nicht standhaft genug.
Wir wussten bislang nicht, dass Tausende von Wirtschaftsexperten in EZB und Bundesbank (“die mit ihren Prognosen regelmäßig falsch liegen”) Gegner der Lehrerschaft in Deutschland wären – wieder was gelernt 🙁
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Das ist das Problem der Volkswirtschaftler – aber das haben sie mit Theologen gemein. Letztendlich geht es um Glaubensfragen.
Und wieder die Rolle rückwärts, nachdem man den Leistungsgedanken und Wettbewerb als diskriminierend weitestgehend aus den Schulen verbannt hat, obwohl die Lehrer davor gewarnt haben, sieht man nun, reichlich spät, was diese Haltung bewirkt und möchte doch wieder die Leistung fördern. Ich fasse es nicht, in jeder Legislaturperiode wieder andere “zündende” Ideen die völlig am Alltag und Ziel der Schule vorbeigehen.
Warum lässt man die Sache Bildung, wenn sie doch so wichtig ist, nicht konstant in den Händen kompetenter Experten mit Erfahrung an der Basis, anstatt sie stetig wechselnden Ministerposten auszusetzen, Politiker, die mehr kaputt machen und sich der Tragweite ihrer unausgegorenen Vorstellungen, die zu eben solchen Entscheudzngen führen, gar nicht bewusst sind.
Bildung war mal unser höchstes Gut, Frau Merkel hat es bei Amtsantritt betont, aber ganz schnell vergessen. Den Lehrern wurden immer mehr Aufgaben aufgebürdet, mit denen sich die Minister dann brüsten konnten. Und nun kommen noch so unverschämte Vorstöße wie Abschaffung des Beamtenstatus, eine Stunde Mehrarbeit, unbezahlte Überstunden, Arbeitszimmer abzusetzen wurde auch mal kurzzeitig gestrichen, was kommt noch alles, um die Lehrer noch so richtig zu vergraulen und die Bildung in den Abgrund zu schubsen? Das ist für mich keine Regierung mehr, diese Kurzsichtigkeit, das Entscheiden nach Budget, wobei Geld für unnötige Dinge und Reformen verplempert wird um dann wie jetzt doch wieder die Rolle rückwärts zu machen. Wir verlieren unsere Kinder nicht nur an die manipulativen und asozialen Medien, sondern durch eine völlig falsch gelagerte Politik. Die Entwicklung der Gewalt an den Schulen ist schon ein deutliches Zeichen dafür. Die Reaktion: Betroffenheit, nicht viel mehr.