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AfD treibt Debatte über Schulpflicht-Aus voran (und beruft sich auf Goethe)

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BERLIN. Nach dem Beschluss des AfD-Programms zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt wird über deren Plan diskutiert, die Schulpflicht zu lockern. Hauslehrer gab es auch früher schon, heißt es aus der AfD mit Blick auf Goethe – hat aber die Rechnung ohne das Bundesverfassungsgericht gemacht. 

“Aus ihm ist auch etwas geworden”: Johann Wolfgang von Goethe (Ölgemälde von Joseph Karl Stieler), Foto: Wikimedia Commons

Die AfD erwägt, die Forderung nach einer Lockerung der Schulpflicht in ihr Grundsatzprogramm aufnehmen. «Das steht noch nicht in unserem Grundsatzprogramm drin, aber die Stimmen mehren sich, die dafür sind», sagte der parlamentarische Geschäftsführer der Bundestagsfraktion und stellvertretende Chef der AfD-Programmkommission, Götz Frömming, vor Journalisten in Berlin. Das aktuelle Grundsatzprogramm der AfD stammt von 2016. Es wird derzeit überarbeitet. Ein neues soll voraussichtlich im nächsten Jahr beschlossen werden.

Diskussion nach Beschluss der Sachsen-Anhalt-AfD

Das Thema Schulpflicht war zuletzt wieder in den Fokus gerückt, nachdem die AfD in Sachsen-Anhalt ihr Programm zur Landtagswahl im September beschlossen hatte. Unter der Überschrift «Bildungspflicht statt Schulzwang» wird für den Fall einer Regierungsübernahme ein Ende der Schulpflicht angekündigt. Man werde eine «Wahlfreiheit zwischen Schul- und Hausunterricht schaffen», heißt es.

Ähnliche Vorstöße waren zuvor auch schon aus anderen AfD-Landesverbänden gekommen, wie Brandenburg oder zuletzt Baden-Württemberg, wo im Landtagswahlkampf damit geworben wurde, die Schulpflicht in eine «Bildungspflicht» umzuwandeln (News4teachers berichtete). Auch die Bundes-AfD hatte dies bereits in ihrem Bundestagswahlprogramm im vergangenen Jahr vertreten.

Kinder hätten ein Recht auf Bildung, und der Staat sei verpflichtet, dieses sicherzustellen, hieß es darin. «Er kommt dieser Verpflichtung aber nur noch unzureichend nach. Deshalb wollen wir die im internationalen Vergleich sehr strenge deutsche Schulpflicht lockern und zu einer Bildungspflicht umwandeln.»

Frömming: Goethe hatte auch Hauslehrer

Frömming erläuterte, man wolle nicht komplett alles auflösen. «Das heißt dann nicht, dass man die Schüler einfach rausnehmen kann und sich selbst überlässt. Sie werden also weiter natürlich gewisse Lernstandskontrollen ablegen müssen.» Er verwies auf Zeiten in Deutschland, wo es «etwas liberaler war» und Kinder auch durch Hauslehrer unterrichtet worden seien. «Viele unserer Geistesgrößen haben nie eine öffentliche Schule besucht. Goethe hatte auch einen Hauslehrer, trotzdem ist etwas aus ihm geworden.»

Die Schulpflicht ist in Deutschland in den Gesetzen der Bundesländer geregelt, die für Schule und Bildung zuständig sind. Im Grundgesetz heißt es in Artikel 7: «Das gesamte Schulwesen steht unter der Aufsicht des Staates.» Das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) hat sich mehrfach mit der Frage der Zulässigkeit des Homeschooling befasst. Es ging dabei um Eltern, die ihre Kinder unter Berufung auf Glaubens- und Gewissensgründe vom Besuch der Schule fernhielten und im eigenen Haushalt unterrichteten.

So urteilten die Verfassungsrichter 2006 (2 BvR 1693/04): Der staatliche Erziehungsauftrag richte sich nicht nur auf die Vermittlung von Wissen, sondern auch auf die Heranbildung verantworlicher Staatsbürger, die gleichberechtigt und dem Ganzen gegenüber verantwortungsbewusst an den demokratischen Prozessen in einer pluralistischen Gesellschaft teilhätten. Soziale Kompetenz im Umgang auch mit Andersdenkenden, gelebte Toleranz, Durchsetzungsvermögen und Selbstbehauptung einer von der Mehrheit abweichenden Überzeugung könnten effektiver eingeübt werden, wenn Kontakte mit der Gesellschaft und den in ihr vertretenen unterschiedlichen Auffassungen nicht nur gelegentlich stattfänden, sondern Teil einer mit dem regelmäßigen Schulbesuch verbundenen Alltagserfahrung seien.

Daher sieht Karlsruhe die Schulpflicht auch in einem angemessenen Verhältnis zu dem Gewinn, den die Erfüllung dieser Pflicht für den staatlichen Erziehungsauftrag und die hinter ihm stehenden Gemeinwohlinteressen hat. Zu den Aufgaben der Schule zählt das BVerfG hier auch, «der Entstehung von religiös oder weltanschaulich motivierten ‚Parallelgesellschaften‘ entgegenzuwirken und Minderheiten auf diesem Gebiet zu integrieren. Integration setzt dabei nicht nur voraus, dass die Mehrheit der Bevölkerung religiöse oder weltanschauliche Minderheiten nicht ausgrenzt, sie verlangt vielmehr auch, dass diese sich selbst nicht abgrenzen und sich einem Dialog mit Andersdenkenden und -gläubigen nicht verschließen». News4teachers / mit Material der dpa

AfD-Chef will die deutsche Kultur retten, kennt aber kein einziges Gedicht

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Rainer Zufall
3 Tage zuvor

Jetzt gehen die ganzen PISA-Fans wahrscheinlich auf die Palme, verweisen auf den Wert der Schule und äußern ihre bisherigen Enttäuschungen bezüglich (zu) vieler Elternteile und deren “Eigenverantwortung”, weshalb die diesen rechten Populismus eine Absage erteilen…

Wer würde diesen Spinner*innen schon öffentlich den Rücken stärken, für Bessergestellte haben wir doch Privatschulen 🙂

Schule neu denken
3 Tage zuvor

Das finde ich sehr gut und längst überfällig. Schon jetzt gibt es ja immer mehr die Tendenz die Schulpflicht zu umgehen. Die Alemannenschule beispielsweise zeigt dass der Lernort zu Hause positiv wirkt. Homeoffice ist inzwischen überall vertreten. Warum sollen Schüler nicht auch mal zu Hause bleiben und dort arbeiten?

Alese20
3 Tage zuvor

Ich finde auch, dass es zumindest möglich sein sollte, wie an der Alemannenschule, begleitet Zuhause arbeiten zu können. Das wäre für viele neurodivergente SuS oder welche mit Schulangst ein Segen.

DerechteNorden
3 Tage zuvor

Kriegt man da als Grundsicherungsempfängerkind eigentlich auch die Hauskehrkraft erstattet?

Alese20
2 Tage zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Dazu bräuchte es keine Hauslehrkraft. Die SuS würden von der Schule begleitet. Wochenpläne, Coaching, Überprüfung, wie das Abarbeiten der Aufgaben gelingt, würde im Coaching mit der Lernbegleitung geklärt. Macht die Alemannenschule in Einzelfällen auch so. Die SuS mit dem Status Lernprofi dürfen regelmäßig Zuhause arbeiten, wenn sie es wollen. Es gab auch schon ein Kind, dass mit den Eltern auf Weltreise war und auf dieser Reise per Online-Coaching betreut wurde. Geht alles, wenn man will und digital mit SOL-Materialien arbeitet

OnkelAlbert
2 Tage zuvor

Dr Google erläutert dazu (Übersicht mit KI):

Homeschooling (Heimunterricht) ist in vielen Ländern der Welt erlaubt, darunter USA, Großbritannien, Kanada, Australien, Neuseeland sowie Frankreich, Italien, Österreich, Belgien und Polen. 

potschemutschka
3 Tage zuvor
potschemutschka
3 Tage zuvor
Antwortet  potschemutschka

Wenn die AfD sich an Goethe ein Beispiel nehmen möchte, dann sollten sie die Ressourcen mit berücksichtigen, die die Familie Goethe hatte und den Umfang des häuslichen Bildungsanspruchs der Familie beachten. Wie viele AfD-Wähler können ihrem Nachwuchs diese Bedingungen für Hausunterricht bieten? Ich wette, bei den meisten scheitert es schon an der Anzahl der Bücher in der privaten häuslichen Bibliothek. 🙂 Ich empfehle folgenden Artikel dazu zu lesen:
https://www.johann-wolfgang-goethe.net/kindheit-und-jugend.shtml

potschemutschka
3 Tage zuvor
Antwortet  potschemutschka

Aber vielleicht möchten sich die Befürworter des Hausunterrichts an anderen Universal-Gelehrten früherer Zeiten ein Beispiel nehmen? Dann empfehle ich einen Besuch folgender Ausstellung:
https://museum-reinickendorf.de/termine/dem-leben-auf-der-spur-kindheit-und-jugend-der-brueder-von-humboldt/
Man könnte sich aber auch an den Brüdern Grimm orientieren 🙂
Brüder Grimm – Wikipedia
So langsam werde ich wohl doch noch zum Befürworter des Hausunterrichts. Vielleicht werden wir dadurch wieder zum “Volk der Dichter, Denker und Ingenieure”. Wer weiß?

Muxi
3 Tage zuvor
Antwortet  potschemutschka

Schon heute entscheidet die Herkunft sehr stark über den Bildungserfolg. Was ist das denn anderes als faktisch Hausunterricht?

potschemutschka
2 Tage zuvor
Antwortet  Muxi

Ich würde Ihren Kommentar etwas anders formulieren:
“Heute entscheidet die Herkunft wieder immer mehr über den Bildungserfolg.”
Persönlich kenne ich es noch anders. In meiner Kindheit und Jugend ging die Bildungsschere nicht so weit auseinander, wie heute. (meine persönlichen “verklärten” Erinnerungen vielleicht 🙂 )
Für dieses “Gefühl” sprechen allerdings sehr viele soziale Aufsteiger (durch Bildung, nicht durch erheiratetes Vermögen o. ä.) in meinem Familien- und Bekanntenkreis.

Muxi
1 Tag zuvor
Antwortet  potschemutschka

Da haben Sie Recht, zumindest kenne ich es von früher auch anders.

potschemutschka
3 Tage zuvor
Antwortet  potschemutschka

Das erste Goethe-Zitat schwirrt mir jetzt schon eine ganze Weile durch den Kopf …. hmm, wie passt es in die heutige Zeit und zu dem Artikel oben? Goethe lebte vor über 200 Jahren … die Menschen haben sich wohl in dieser Zeit nicht allzu sehr geändert. 🙂

dickebank
2 Tage zuvor
Antwortet  potschemutschka

Wenn’s schwirren kann, dann scheint es ja viel Platz zu haben. Das kann engstirnigen Blitzbirnen halt nicht passieren

potschemutschka
2 Tage zuvor
Antwortet  dickebank

Lieber noch Platz im Kopf, als einen Kopf voller Knete. 🙂

dickebank
1 Tag zuvor
Antwortet  potschemutschka

Ich dachte, es wäre “Honig im Kopf”.

potschemutschka
1 Tag zuvor
Antwortet  dickebank

“Honig im Kopf” ist meist eine Alterserscheinung. So weir bin ich noch nicht.
“Bunte Knete im Kopf” kommt eher bei jungen Menschen vor, besonders in der Pubertät und bei Menschen die nicht erwachsen werden und auf rosa Wolken leben. 🙂

dickebank
1 Tag zuvor
Antwortet  potschemutschka

Wie, Sie sind noch in der Pubertät? Ich hatte Sie älter eingeschätzt:)

potschemutschka
1 Tag zuvor
Antwortet  dickebank

Sie müssen sich schon entscheiden – habe ich noch Platz im Kopf oder ist der voller bunter Knete? Den Honig schließe ich im Moment noch aus.
Wenn ich mich recht erinnere, sind wir beide wohl gleich alt und, was ich bisher so von Ihnen gelesen habe, sind wir beide auch keine Alt-Pubertiere auf rosa Wolke. 🙂

dickebank
1 Tag zuvor
Antwortet  potschemutschka

Mein Problem ist aber, dass ich auch als Rentenbezieher Schwierigkeiten habe, erwachsen zu sein. Manchmal tue ich nur so als ob.

potschemutschka
23 Stunden zuvor
Antwortet  dickebank

Das Leben fängt ja auch erst mit 66 Jahren so richtig an! 🙂
Bing-Video

dickebank
22 Stunden zuvor
Antwortet  potschemutschka

Bei Udo, bei der DRV erst mit 67.

Cornelia
3 Tage zuvor
Antwortet  potschemutschka

Ich habe mal vor langer Zeit gelesen, dass er von seinem Vater unterrichtet wurde. Zumindest in vielen Fächern. So viel ich weiß, seine Schwester auch.

Man könnte genauso Johann Sebastian Bach nehmen. Er bildete sich hauptsächlich selbst, durch Interesse, eigenständiges Studium der Kompositionen der damaligen Musiker usw.
Er war sehr früh auf sich selbst gestellt, seine Eltern starben früh, sein Bruder, bei dem er wohnte, schloss sogar die Noten weg, um ihn am autodidaktischen Studium zu hindern.
Vielleicht schlummern ja in jedem von uns solche genialen Fähigkeiten, gepaart mit Fleiß, Konzentrationskraft und Durchhaltevermögen, wenn wir nur endlich …..

potschemutschka
2 Tage zuvor
Antwortet  Cornelia

“… wenn wir nur endlich …” ?
Ja was denn? Was sind Ihre Vorschläge? Hausunterricht für die, die es sich leisten können oder zumindest denken, dass sie das selbst besser hinbekommen als Schule?
Hausunterricht hat natürlich auch so seine Vorteile 🙂
Bing-Video
“Odi profanum vulgus et arceo.”

dickebank
2 Tage zuvor
Antwortet  potschemutschka

Wie, Du kennst noch den alten Horaz?
Also fürchte dich und halte dich fern von denen, die das Zitat nicht kennen

Cornelia
2 Tage zuvor
Antwortet  potschemutschka

Da verstehen Sie mich komplett falsch. Warum so misstrauisch? Vielleicht lesen Sie den letzten Satz noch mal in Ruhe. Er ist genau so wenig ernst gemeint wie Ihr letzter Satz oben zu den Gebrüdern Grimm.

potschemutschka
2 Tage zuvor
Antwortet  Cornelia

Okay, man muss Ironie hier wirklich immer kennzeichnen. Hatte ich nicht sicher in Ihrem Kommentar erkannt. Mein Fehler. Dann stimme ich Ihnen natürlich gern zu!

Cornelia
2 Tage zuvor
Antwortet  potschemutschka

Ja, man muss aufpassen, manchmal pflichtet einem jemand bei, und man nimmt es nicht wahr.
Ich dachte, die Ironie muss ich nicht kennzeichnen.

Susanne M.
3 Tage zuvor

” Der staatliche Erziehungsauftrag richte sich nicht nur auf die Vermittlung von Wissen, sondern auch auf die Heranbildung verantworlicher Staatsbürger, die gleichberechtigt und dem Ganzen gegenüber verantwortungsbewusst an den demokratischen Prozessen in einer pluralistischen Gesellschaft teilhätten. Soziale Kompetenz im Umgang auch mit Andersdenkenden, gelebte Toleranz, Durchsetzungsvermögen und Selbstbehauptung einer von der Mehrheit abweichenden Überzeugung könnten effektiver eingeübt werden, wenn Kontakte mit der Gesellschaft und den in ihr vertretenen unterschiedlichen Auffassungen nicht nur gelegentlich stattfänden, sondern Teil einer mit dem regelmäßigen Schulbesuch verbundenen Alltagserfahrung seien.”

Ich frage mich dann eben: Österreich und Portugal schaffen es dann nicht, mündige Bürger heranzuziehen?
Gehört da nicht ein wenig mehr dazu als die Schulpflicht?

DerechteNorden
3 Tage zuvor
Antwortet  Susanne M.

Die haben wahrscheinlich eine Art Nachweispflicht, weshalb Eltern ihre Kinder lieber zur Schule schicken, damit sie selbst nicht dafür sorgen müssen, dass ihre Kinder die Nachweise auch erbringen können.

Muxi
3 Tage zuvor

Irgendwie wäre mir tatsächlich eine Bildungspflicht lieber als eine Schulpflicht.
Aber ich bin ja nur einfaches Fußvolk…

Indra Rupp
3 Tage zuvor

Also, die Afd kommt evtl in Sachsen – Anhalt an die Macht und verliert erstmal einen Teil ihrer Lehrer, weil der abhaut. Dann besorgen sich noch die “oberen 10.000” Privatlehrer für ihre Kids in 1:1 Betreuung Zuhause und da reißen sich viele drum, weil ja Luxus im Vergleich zur Arbeit in Schulen. Dann werden noch so einige für Förderschulen gebraucht.
Matheaufgabe : Wieviele Lehrkräfte bleiben noch für die Regelschulen?
Ich vermute allerdings, bei den Förderschulen wird eher etwas bezüglich guter Betreuung geschummelt, bevor man den Leistungsträgern Lehrer abzwackt. Die Förderschulen werden also zu unterversorgten Verwahranstalten, schlimmer als jetzt in Regelschulen, weil doppelt so viele dorthin kommen und die Probleme dort konzentriert auftauchen und mit Hausunterricht nun auch noch die Oberschicht 1:1 Betreuung beansprucht.
Die Afd hält euch für käuflich und meint, für ein bisschen mehr Autorität kommt ihr Scharenweise angelaufen, so dass Sachsen-Anhalt sich das alles leisten kann und die vielen Privatlehrer Zuhause sorgen für Spitzenleistungen.
Die Afd sollte vielleicht wirklich mal an die Macht kommen und den Clown machen. Die Idee, sie bekämen aufgrund ihrer Idee haufenweise Lehrer entspricht der Reife von Neunjährigen.

Indra Rupp
3 Tage zuvor
Antwortet  Indra Rupp

Und was ist eigentlich “mehr Autorität” ?
Kind stört, Lehrer sagt “Mund halten” – geht heute auch. Kind stört weiter, Lehrer gibt Strafarbeit auf- geht heute auch. Kind erledigt die Strafarbeit nicht, Lehrer redet mit Eltern, bringt es in andere Klasse, lässt es abholen, schließt es von irgendetwas aus – geht heute auch alles. Kind ist es egal oder findet es gut, wenn es in einer anderen Klasse ist, irgend woran nicht teilnimmt, abgeholt wird und stört munter weiter – und Nu?
Es gibt nur zwei Möglichkeiten. Entweder einsperren, demütigen oder Gewalt anwenden – das wird auch die Afd nicht dürfen ODER Lehrer muss auf andere Art überzeugen, so, dass das Kind einen Sinn darin sieht, sein Verhalten zu unterlassen. Gängigste GS-Methode : Kind mag Lehrer und gehorcht “ihm” zuliebe.
Also, was hat die Afd denn nun vor, was zuvor noch nicht möglich gewesen wäre? Alles, außer einsperren, demütigen und Gewalt anwenden war möglich. Ob das Kind sich anpasst hängt vom Kind ab und davon, welchen Eindruck die Lehrkraft macht. Das hängt auch von der Person ab. Manche machen Eindruck, wenn sie streng werden, manche nicht. Manche können mehr oder weniger empathisch sein, manche haben streng aber gerecht drauf, manche sind da nicht authentisch – auch wenn sie es von einer Afd-Regierung direkt empfohlen bekommen haben.
Was theoretisch noch machbar wäre, wären harte Bußgelder für die Eltern, wenn das Kind sich nicht benimmt. Dann stehen Eltern vor der gleichen Aufgabe wie zuvor beschrieben die Lehrkraft – und kommen zu dem gleichen Ergebnis : Wenn das Kind nicht mitmacht – Gewalt, Demütigung oder einsperren ist nicht erlaubt. Also müssen die Eltern so authentisch, stark, überzeugend, hart aber fair, empathisch ect sein, dass das Kind gehorchen will. Und genau wie bei den Lehrern kann das auch bei den Eltern evtl einfach nicht klappen. Und dann?
Wie erklärt die Afd es dann, dass nun alle mehr Autorität haben, aber es den Kids egal ist, so lange sie nicht geschlagen, eingesperrt, gedemütigt werden?
Wahrscheinlich läuft es auf haufenweise Strafen und Bußgelder für Eltern und Lehrkräfte hinaus, die die glorreiche neue Autorität der Afd nicht umsetzen.

GBS-Mensch
3 Tage zuvor
Antwortet  Indra Rupp

Die oberen 10 000 haben ihre Kinder bereits auf Internaten und Privatschulen und das werden die auch nicht ändern, weil sie ganz genau wissen, dass es in erster Linie ums Netzwerk geht, was dort geknüpft wird.

potschemutschka
2 Tage zuvor
Antwortet  GBS-Mensch

„Hinter dem honigsüßen, aber offenkundig absurden Einstehen für Gleichheit, steckt ein rücksichtsloser Trieb sich selbst (die Elite) an die Spitze einer neuen Machthierarchie zu setzen.“ Murray Rothbard (1926–1995) US-amerikanischer Ökonom und politischer Philosoph

Quelle: https://beruhmte-zitate.de/themen/elite/

Sporack
3 Tage zuvor

Vielleicht ist es aber auch eine Finanzrechnung … Hauslehrer/innen werden dann eher nicht aus Steuergeldern bezahlt. Sondern natürlich wie eine andere Denstleistung erzeugt selbiger Hausunterricht Steuereinahmen – es sei denn die Lehrleistung würde am Steuerrecht vorbei erbracht.

Ich hoffe sehr das die Schulpflicht tatsächlich beibehalten wird.
Vielleicht sollte man auch die Pflicht für altersgemäß angemessene Gruppengrößen einführen.

Zum Gerichtstext 2006 (2 BvR 1693/04) : Er lohnt sich zulesen. Insbesondere auch als Dichtungswerk. An einigen Stellen des Textes ist die Sprache sehr verdichtete, wenn auch nicht besonders rhythmisch.

Ein interessanter Abschnitt im Urteil zwischen Randnummern 12 und 13:


Die Pflicht aller öffentlichen Gewalt, die ernste Glaubensüberzeugung zu respektieren, muss jedenfalls dann zu einem Zurückweichen des Strafrechts führen, wenn der konkrete Konflikt zwischen einer nach allgemeinen Anschauungen bestehenden Rechtspflicht und einem Glaubensgebot den Täter in eine seelische Bedrängnis bringt, der gegenüber sich die Bestrafung, die ihn zum Rechtsbrecher stempelt, als eine übermäßige, seine Menschenwürde verletzende soziale Reaktion darstellen würde (vgl. BVerfGE 32, 98 <108 f.>).

Der bewusste Verstoß gegen Strafnormen ist jedoch auch im Lichte von Art. 4 Abs. 1 GG nicht als Mittel der Wahl, sondern nur als letzter Ausweg aus einem ansonsten unauflöslichen Konflikt zwischen staatlichen und religiösen Verhaltensanforderungen hinzunehmen. An einer den Gewährleistungsgehalt der Menschenwürdegarantie im genannten Sinne berührenden seelischen Bedrängnis wird es etwa regelmäßig fehlen, wenn sich der Gewissenskonflikt in zumutbarer Weise durch nahe liegende andere Handlungsalternativen lösen lässt, die eine Strafbarkeit vermeiden. Wer solche Möglichkeiten, seiner religiösen Überzeugung im Einklang mit der Rechtsordnung zu folgen, bewusst nicht wahrnimmt, kann sich regelmäßig nicht darauf berufen, sich aus einer seelischen Zwangslage heraus allein wegen eines subjektiv höherrangigen und unausweichlichen Glaubensgebots gegen die Rechtsordnung auflehnen zu dürfen. In diesem Fall ist dem Staat die Feststellung strafrechtlicher Schuld nicht von vornherein verwehrt

Bene
3 Tage zuvor

«der Entstehung von religiös oder weltanschaulich motivierten ‚Parallelgesellschaften‘ entgegenzuwirken und Minderheiten auf diesem Gebiet zu integrieren. Integration setzt dabei nicht nur voraus, dass die Mehrheit der Bevölkerung religiöse oder weltanschauliche Minderheiten nicht ausgrenzt, sie verlangt vielmehr auch, dass diese sich selbst nicht abgrenzen und sich einem Dialog mit Andersdenkenden und -gläubigen nicht verschließen»

Word

2006 war das Bild von ‚Parallelgesellschaften‘ und Minderheiten noch ein anderes. Ist heute nicht mehr so eindeutig, je nachdem ob sich die Schule im ländlichen Osten, oder in westdeutscher Großstadt befindet. Wie läuft es mit dem Dialog und dem nicht verschliessen denn so?

dickebank
3 Tage zuvor

Und wer war nochmal Johann Wolfgang von G.? Sorry, aber ich hatte keinen Hauslehrer. Ich musste mein Abi in den Anfängen der deformierten Oberstufe schießen.

dickebank
2 Tage zuvor
Antwortet  dickebank

Äh, abschließen

potschemutschka
2 Tage zuvor
Antwortet  dickebank

„Wenn eine Gesellschaft vor ihrer literarischen Kultur keine Achtung mehr hat, wenn die Achtung nicht so beschaffen ist, daß sie es als achtenswert empfindet, über diese Kultur einigermaßen Bescheid zu wissen, wenn sie also das unaufhebbare Nichtbescheidwissen der Mehrheit – ihre Unbildung – nicht mehr als bedauerlichen Mangel empfindet, der nur durch die Bildung einer kulturellen Elite kompensiert werden kann, dann ist nichts mehr zu machen.“ Jan Philipp Reemtsma

Quelle: https://beruhmte-zitate.de/themen/elite/

dickebank
1 Tag zuvor
Antwortet  potschemutschka

Aber der alte Knabe neben dem geflohenen Frankfurter steht doch in Weimar, auf dem Gebiet der ehemaligen DDR. Für den war ich bis 1990 nicht zuständig, dafür gab es extra das innerdeutsche Ministerium.
Und das hatte schon keinen Plan bezüglich der Wiedervereinigung. Was verlangen Sie hier von mir?

potschemutschka
1 Tag zuvor
Antwortet  dickebank

🙂 Von Ihnen verlange ich gar nichts. Ihre Allgemeinbildung scheint mir ganz gut zu sein.

dickebank
1 Tag zuvor
Antwortet  potschemutschka

Danke, gleichfalls.

Opossum
2 Tage zuvor

Es wäre viel besser, wenn jemand eine Debatte darüber vorantreiben würde, dass es keine langfristige Unterrichtsausfälle geben soll. Es kann nicht sein, dass es monatelang kein Physik oder Biologieunterricht gibt und der Staat nichts macht. Die Pflichten kommen von beiden Seiten.

potschemutschka
2 Tage zuvor

Udo Jürgens Song “Lieb Vaterland” fiel mir gerade in die Hände. Der Song ist aus den 70er Jahren, aber der Text passt auch in die heutige Zeit:
Bing-Video
Das finde ich erschreckend! Geschichte wiederholt sich anscheinend immer wieder und manches ändert sich wohl nie. Leider!

Bildungsnah
1 Tag zuvor

In den meisten Ländern der Erde ist Homeschooling erlaubt. Der Anteil der Homeschooler ist aber, selbst nach der zum Teil vervierfachten Zahl nach Corona, immer noch verschwindend gering.

Der Aufwand ist ja durchaus enorm, man muss jedes Jahr auch wirklich die Externenprüfung schaffen und man wird schon triftige Gründe haben, wenn man es einem komplett kostenfreien staatlichen Schulsystem vorzieht. Das es sich hier hauptsächlich um systemgefährdende Radikale und Spinner handelt, halte ich für eher unrealistisch. In den Ländern in denen das erlaubt ist, sind das in der Regel gebildete Eltern die eine Reihe verschiedener Gründe haben.

Hier wird vermutlich immer in erster Linie an Reichsbürger gedacht, vermutlich sind es aber eher begabte und ambitionierte Sportler und Musiker, die das Homeschooling in Anspruch nehmen würden.

Muxi
1 Tag zuvor
Antwortet  Bildungsnah

Das Problem mit irgendwelchen Spinnern wird man da haben. Aber wegen einigen Irren sollte man nicht alle vernünftigen in Gruppenhaftung nehmen.
Wir führen ja auch für Sozialhilfeempfänger keine Arbeitspflicht ein weil es einige wenige Schmarotzer gibt. Wenn wir da keine Gruppenhaftung nehmen, warum dann bei Schülern?

Susanne M.
1 Tag zuvor
Antwortet  Muxi

Wir tun uns schwer damit, historisch gewachsene Strukturen zu reformieren..Wenn ich ein steuerfinanziertes Rentensystem anspreche, werde ich oft angesehen, als wolle ich Reichskanzler Bismarck persönlich beleidigen. Auch warum man über 100 gesetzliche KK benötigt, erschließt sich mir nicht. Oder eine Doppelstruktur Ambulante und Stationäre Versorgung. Und…