POTSDAM. In Brandenburg fehlen Lehrerinnen und Lehrer (wie in anderen Bundesländern auch). Der Mangel ist in Brandenburg aber mittlerweile so dramatisch, dass der Bildungsminister nun Alarm schlägt: Die Stundentafel könne voraussichtlich nicht eingehalten werden. Das wiederum könnte drastische Konsequenzen haben.

Wegen des akuten Lehrkräftemangels könnte in Brandenburgs Schulen im kommenden Schuljahr die Anzahl der Unterrichtsstunden geändert werden. Es drohten angepasste Stundentafeln – der Kernunterricht sei ab August nicht an allen Schulen im Land abgesichert, sagte Bildungsminister Gordon Hoffmann (CDU) im Politik-Podcast „Moment mal, Brandenburg“.
Es sei in der Vergangenheit immer das Ziel gewesen, die Stundentafel an allen Schulen im Land zu sichern. „Ich sage heute ganz klar: Wir wissen, dass wir dieses Ziel im neuen Schuljahr nicht mehr überall erreichen werden“, so Hoffmann.
Dass diese Entwicklung für Probleme bei der bundesweiten Anerkennung von Schulabschlüssen aus Brandenburg sorgen könnte, bereite dem Ministerium „Bauchschmerzen“. Denn die Kultusministerkonferenz (KMK) schreibe strikte Kriterien wie Mindeststundenzahlen vor. Oberstes Ziel sei deshalb, dass sich Jugendliche aus Brandenburg uneingeschränkt überall in Deutschland mit ihren Abschlüssen bewerben können.
Wie der „Nordkurier“ berichtet, bezeichnet Hoffmann die bundesweite Anerkennung der Brandenburger Schulabschlüsse inzwischen als zentrales bildungspolitisches Ziel. Dafür müssten die von der KMK vorgegebenen Mindestvoraussetzungen erfüllt werden. Um den Lehrkräftemangel abzumildern, wolle die Koalition aus SPD und CDU 250 zusätzliche Lehrerstellen schaffen.
„Wir versuchen zunächst, Umsetzungen auf freiwilliger Basis vorzunehmen“
Eine Lösung ist laut Hoffmann auch, die Lehrkräfte an anderen Orten als bisher einzusetzen. „Wir versuchen zunächst, Umsetzungen auf freiwilliger Basis vorzunehmen“, sagte er. Nach Informationen des „Nordkuriers“ schließt der Minister inzwischen auch die Umsetzung verbeamteter Lehrkräfte zwischen verschiedenen Landesteilen nicht mehr grundsätzlich aus. Solche Versetzungen galten bislang als politisch heikel.
Um dem Lehrkräftemangel entgegenzuwirken, will die Koalition aus SPD und CDU 250 zusätzliche Stellen schaffen. Zuvor war die Zahl der Lehrkräfte aus Spargründen im Haushalt 2025 unter der damaligen SPD/BSW-Koalition um 345 Vollzeitstellen gesunken.
Die SPD-Bildungspolitikerin Katja Poschmann sagte dem „Nordkurier“, die Absicherung der Stundentafel sei zwar jedes Jahr eine Herausforderung. Die Vorbereitung auf das kommende Schuljahr stelle das Land jedoch vor besondere Anforderungen. Lehrermangel, neue Unterrichtsformate, die Überarbeitung der Lehrpläne, Zukunftskompetenzen sowie wohnortnahe Schulstandorte müssten zusammen gedacht werden. Der laufende Strategieprozess „Bildungsland Brandenburg 2035“ sei deshalb „entscheidend für die Zukunft Brandenburgs“.
Scharfe Kritik kam vom Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW). Der bildungspolitische Sprecher Falk Peschel sagte dem „Nordkurier“, das Ende der landesweiten Unterrichtsgarantie sei das Ergebnis einer jahrzehntelangen Bildungspolitik der bisherigen Regierungsparteien. Hoffmann wolle den chronischen Lehrermangel nun durch weniger Unterricht verwalten, kritisierte Peschel. Statt über Versetzungen von Lehrkräften zu diskutieren, müssten die Arbeitsbedingungen verbessert, die Lehrerausbildung reformiert und zusätzliche Mittel für das Bildungssystem bereitgestellt werden.
Bereits im März hatte Hoffmann eine weitere Verschärfung des Lehrermangels mit Entscheidungen der früheren SPD/BSW-Landesregierung begründet. Damals verwies er unter anderem auf die Kürzung von 345 Vollzeitstellen im Haushalt 2025. Das BSW wies die Verantwortung zurück und erklärte, die Probleme seien Ergebnis jahrzehntelanger Fehlentwicklungen. Politisch heikel daran: Der damalige Finanzminister Robert Crumbach, der die Sparvorgaben verantwortete, gehörte zu diesem Zeitpunkt selbst dem BSW an. Die damalige BSW-Landeschefin Friederike Benda sprach später dennoch davon, es sei ein Fehler gewesen, die Bildungspolitik der SPD in der Koalition mitgetragen zu haben – Schwarzer Peter. News4teachers
Wegen (!) Mehrarbeit für Lehrer: Finanzminister schließt neue Lehrerstellen aktuell aus








