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Ganztag als Lebensraum: Warum gute Bildung eine anregende Umgebung braucht

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HAMBURG. Mehr Zeit in der Schule allein macht noch keinen guten Ganztag. Wenn Kinder und Jugendliche einen Großteil ihres Tages auf dem Schulgelände verbringen, werden Lernumgebungen selbst zu einem pädagogischen Faktor. Die Elisabeth-Lange-Schule in Hamburg zeigt, wie Architektur Lernen, Bewegung, Begegnung und Selbstständigkeit fördern kann. Die dänische Architektin Rosan Bosch erklärt, warum Räume zur „dritten Lehrkraft“ werden – und weshalb die Schule der Zukunft eher einer vielfältigen Lernlandschaft als einer Ansammlung von Klassenzimmern gleichen sollte.

Neugestaltete Pausenhalle in der Elisabeth-Lange-Schule, Hamburg, Illustration: News4teachers

Wenn Schülerinnen und Schüler der Elisabeth-Lange-Schule in Hamburg-Harburg ihre Mittagspause verbringen, dann geschieht das nicht in einer klassischen Pausenhalle mit kahlen Wänden und langen Fluren. Dort, wo früher ein gewöhnlicher Aufenthaltsbereich war, entstand eine Lernlandschaft, die an den Hamburger Hafen erinnert: mit Leuchtturm, Kajüte, Frachtraum und Maschinenraum. Jugendliche lernen, lesen, diskutieren, arbeiten zusammen oder ziehen sich zurück. Die Räume sind Teil eines pädagogischen Konzepts, das eng mit dem Ganztag verbunden ist.

Die Elisabeth-Lange-Schule ist eine teilgebundene Ganztagsschule mit rund 960 Schülerinnen und Schülern. Ihr Schulalltag folgt einer eigenen Rhythmisierung: Der Unterricht beginnt mit einem offenen Start in den Tag, die Lernzeiten sind auf 60 Minuten ausgelegt, Förderangebote werden gebündelt, nachmittags gibt es vielfältige sportliche, kreative und handwerkliche Angebote. Die Schule versteht sich als Ort, an dem junge Menschen nicht nur unterrichtet werden, sondern einen großen Teil ihres Alltags verbringen.

Damit rückt eine Frage in den Mittelpunkt, die angesichts des bundesweiten Ausbaus der Ganztagsbetreuung immer wichtiger wird: Welche Räume braucht ein guter Ganztag? Für die dänische Architektin Rosan Bosch lautet die Antwort: Schulen müssen aufhören, ausschließlich Unterrichtsräume zu sein. Sie müssen zu Lebens- und Lernorten werden.

„Es sind die Räume und die Gestaltung der Möglichkeiten in unserer Umgebung, welche ausschlaggebend für die pädagogische Praxis des 21. Jahrhunderts sind“

Bosch, die unter anderem die Lernlandschaft der Elisabeth-Lange-Schule gestaltet hat, beschäftigt sich seit mehr als zwei Jahrzehnten mit der Frage, wie Architektur Lernen beeinflusst. In einem Beitrag für das Forum Bildung Digitalisierung beschreibt sie Schulen als entscheidenden Hebel für die Bildung des 21. Jahrhunderts – und die wiederum werden entscheidend vom „dritten Pädagogen“, dem Raum, geprägt.

„Es sind die Räume und die Gestaltung der Möglichkeiten in unserer Umgebung, welche ausschlaggebend für die pädagogische Praxis des 21. Jahrhunderts sind“, schreibt Bosch. Für sie reicht es nicht aus, moderne Pädagogik zu propagieren, wenn Schülerinnen und Schüler weiterhin in Räumen lernen, die für ein anderes Zeitalter konzipiert wurden.

Gerade im Ganztag gewinnt dieser Gedanke an Bedeutung. Wo Kinder und Jugendliche bis in den Nachmittag hinein lernen, essen, spielen, sich bewegen und soziale Beziehungen gestalten, müssen Räume deutlich mehr leisten als die klassische Funktion eines Klassenzimmers.

Räume gestalten, Zukunft fördern

Mit dem Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung steigen die Anforderungen an die Bildungseinrichtungen. Sie benötigen flexible, multifunktionale Räume, die Betreuung, Lernen, Bewegung und Rückzug verbinden. Berthold Widmaier GmbH & Co. KG ist seit über 95 Jahren Spezialist für Einrichtungskonzepte in Krippe, Kita, Kindergarten, Grundschule und Hort/OGS. Wir entwickeln eigene Produkte mit Fokus auf Funktionalität, Langlebigkeit, Sicherheit und Design.

Foto: Berthold Widmaier GmbH & Co. KG

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Wir begleiten Sie von der Idee bis zur Realisierung und stehen Ihnen als zuverlässiger Partner zur Seite. So entstehen maßgeschneiderte Bildungsräume, die Lernen, Begegnung und Entwicklung fördern und den pädagogischen Alltag nachhaltig bereichern. Denn wer Lernwelten für die Zukunft gestalten möchte, braucht mehr als Möbel – gefragt ist ein ganzheitliches Konzept, das Menschen, Räume und pädagogische Anforderungen miteinander verknüpft.

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Angelika Moser
angelika.moser@widmaier-spielen.de
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Bosch verweist auf die Erfahrungen während der Corona-Pandemie. Sie hätten gezeigt, dass Lernen nicht zwangsläufig an das Klassenzimmer gebunden sei. Schülerinnen und Schüler arbeiteten zeitweise von zu Hause aus, nutzten digitale Werkzeuge und lernten in unterschiedlichen Umgebungen. Daraus zieht die Architektin die Schlussfolgerung, dass Schulen künftig nicht mehr ausschließlich als Orte des Frontalunterrichts gedacht werden sollten. Vielmehr müssten sie Räume bieten, die verschiedene Lernformen ermöglichen und digitale sowie analoge Lernprozesse miteinander verbinden. „Lernen findet nicht mehr nur im Klassenzimmer statt“, betont Bosch.

Die Architektin kritisiert, dass viele Schulen trotz neuer pädagogischer Konzepte noch immer auf Strukturen setzen, die Kreativität und Selbstständigkeit eher begrenzen als fördern. Die Herausforderungen der Zukunft verlangten jedoch nach anderen Kompetenzen.

Das Weltwirtschaftsforum gehe davon aus, dass ein Großteil der heute eingeschulten Kinder später Berufe ausüben werde, die es derzeit noch gar nicht gebe. Deshalb müssten Schulen vor allem Menschen hervorbringen, die kreativ, resilient und anpassungsfähig seien. Für Bosch beginnt dieser Wandel bei der Gestaltung der Umgebung.

„Ganzheitliches Design bedeutet, Pädagogik, Organisation und Design gleichermaßen zu berücksichtigen“

„Design wirkt sich auf Verhalten aus“, lautet eine ihrer zentralen Thesen. Lernräume sollten deshalb unterschiedliche Möglichkeiten bieten: Orte für konzentriertes Arbeiten, Bereiche für Zusammenarbeit, Rückzugsräume für Ruhe und Reflexion sowie Flächen, die Bewegung ermöglichen. Schülerinnen und Schüler müssten die Chance haben, ihren Lernweg innerhalb eines pädagogischen Rahmens selbst mitzugestalten.

Bosch spricht in diesem Zusammenhang von der Lernumgebung als „dritter Lehrkraft“. Neben Lehrpersonen und Mitschülerinnen und Mitschülern beeinflusse auch die räumliche Gestaltung, wie Menschen lernen, sich verhalten und miteinander umgehen.

Gerade für Ganztagsschulen hat dieser Gedanke weitreichende Konsequenzen. Wenn Schule nicht mehr nur Unterrichtsort ist, sondern Lebensraum, dann werden Aufenthaltsqualität, Bewegungsmöglichkeiten und soziale Begegnungen zu pädagogischen Faktoren.

Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die Verbindung von Körper und Geist. Lernen, so Bosch, sei kein rein geistiger Vorgang. „Körper und Geist sind miteinander verknüpft.“ Menschen nutzen ihre Sinne, um Erfahrungen zu machen und Kompetenzen zu erwerben. Deshalb müssten Lernumgebungen Neugier, Vorstellungskraft und Motivation anregen. Bewegung, unterschiedliche Sitzmöglichkeiten, wechselnde Perspektiven und vielfältige Materialien seien keine Nebensache, sondern Teil erfolgreicher Bildungsprozesse.

Traditionelle Unterrichtsräume, in denen Schülerinnen und Schüler überwiegend passiv Informationen aufnehmen, stünden diesem Ansatz häufig entgegen. Neurowissenschaftliche Erkenntnisse zeigten dagegen, dass Bewegung und aktive Beteiligung die Gehirnaktivität steigerten und Lernen erleichterten. Besonders wichtig ist Bosch das spielerische Lernen. „Besonders wirksam beim Lernen ist das Spiel“, schreibt sie.

Spiel bedeute nicht Beliebigkeit. Vielmehr gehe es darum, Neugier zu wecken, Entdeckungen zu ermöglichen und selbstständiges Handeln zu fördern. Menschen würden im Spiel ausprobieren, scheitern, neue Wege finden und soziale Kompetenzen entwickeln. Deshalb sollten Schulen Lernumgebungen schaffen, die Wahlfreiheit und Selbstbestimmung ermöglichen.

Die von ihr gestaltete Lernlandschaft der Elisabeth-Lange-Schule folgt diesem Gedanken. Die frühere Pausenhalle wurde zu einem Hafen umgebaut, dessen verschiedene Bereiche unterschiedliche Formen des Lernens und Aufenthalts erlauben. Kinder und Jugendliche können dort gemeinsam arbeiten, diskutieren, kreativ sein oder Ruhe finden. Für Bosch entsteht auf diese Weise ein Umfeld, das „Zusammenarbeit, kritisches Denken, Kreativität und Entspannung“ fördert.

Gerade im Ganztag erscheint dieser Ansatz besonders relevant. Wenn Kinder und Jugendliche täglich viele Stunden in der Schule verbringen, brauchen sie nicht nur Unterrichtsräume, sondern eine Umgebung, die unterschiedliche Bedürfnisse berücksichtigt. Sie benötigen Orte zum Lernen ebenso wie Räume zum Ankommen, Entspannen, Bewegen und sozialen Austausch. Darin sieht Bosch die eigentliche Herausforderung für die Schule der Zukunft.

„Ganzheitliches Design bedeutet, Pädagogik, Organisation und Design gleichermaßen zu berücksichtigen.“ Wer den Ganztag ausbauen wolle, müsse deshalb mehr tun, als zusätzliche Plätze zu schaffen. Es gehe nicht nur um längere Betreuungszeiten oder zusätzliche Angebote. Entscheidend sei die Frage, wie Schule als Lebensraum gestaltet werde.

An der Elisabeth-Lange-Schule wird sichtbar, was damit gemeint ist. Die Lernlandschaft im Hafenstil ist nicht bloß eine architektonische Besonderheit. Sie steht für die Überzeugung, dass gute Bildung gute Räume braucht – Räume, in denen Kinder und Jugendliche einen großen Teil ihres Tages verbringen, sich entfalten, Verantwortung übernehmen und ihren eigenen Weg des Lernens finden können. News4teachers 

Hier geht es zu allen Beiträgen des News4teachers-Themenmonats “Guter Ganztag”. 

Ganztag: „Es darf nicht darum gehen, eine wenig erfolgreiche Halbtagsschule einfach zu verlängern“ – ein Interview

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11 Kommentare
Mr X
1 Monat zuvor

Noch wichtiger: eine angemessene Temperatur und gute Luft.

Das wird im Sommer nur mit einer Klimaanlage zuschaffen sein.

Susanne M.
1 Monat zuvor
Antwortet  Mr X

Es gibt auch andere ausgeklügelte Konzepte, zum Beispiel ein Luftstrom, der über Oberlichter und Fenster führt. Und es kommt sehr auf die Baumaterialien an.
Tatsächlich wären Reetdachhäuser nicht schlecht: im Winter sinkt die Temperatur nie ganz nach unten, und im Sommer sind sie kühl.
Auch eine Dachbegrünung macht schön kühl.
Wegen des Klimawandels und der Energiekrise müssten wir uns traditionelle Bauweisen viel mehr anschauen.
Diese neue Architektur muss finanziert werden. Ich will gar nicht sagen, dass es daran scheitert, dass Kinder nichts zählen..Aber hier schlägt der Föderalismus zu: Arme Gemeinden bekommen nicht einmal hin, dass es nicht durchs Dach regnet; wohlhabende Gemeinden ( die es auch immer weniger gibt) können eine schülergerechte Schule gestalten.

Cornelia Springe
1 Monat zuvor
Antwortet  Susanne M.

Au ja: Reetdachhäuser.

dickebank
1 Monat zuvor
Antwortet  Cornelia Springe

Hurra, hurra, die Schule brennt – yeah

Mr X
1 Monat zuvor
Antwortet  Susanne M.

Wenn man eine Klimaanlage braucht, kann man die Energie aus PV vom Dach nehmen, im Winter kann man damit sogar als Luft Luft Wärmepumpe heizen- das macht dem Klima nix aus.

Reetdach ist wohl nicht ernstgemeint oder? Welche Konzepte soll es denn da geben? Wenn das Gebäude mal arm ist, bleibt es auch lange so…

Susanne M.
26 Tage zuvor
Antwortet  Mr X

Im Sommer kühl, im Winter nicht zu kalt. Ich habe in einem gewohnt, daher weiß ich das.

Heinz
1 Monat zuvor
Antwortet  Susanne M.

Eine ordentliche Belüftung hilft aber auch dann nicht mehr, wenn es draussen 35 grad sind, es nachts nicht unter 25 grad abkühlt. Das sind die Temperaturen, wo die Menschen in ihren Büros in der Regel die Fenster zu lassen, damit die Hitze nicht hereinkommt, was aber aufgrund von Körperwärme und Luftfeuchtigkeit in einem kleinen Raum mit 32 Leuten nicht funktioniert.

Susanne M.
26 Tage zuvor
Antwortet  Heinz

Da mich das Thema interessiert: In Andalusien gibt es eine Bauweise, mit der die Luftströme mit Hilfe von Fenstern und Oberlichtern, die geöffnet werden können, eine angenehme Raumtemperatur erzeugt wird. Dort hat man nämlich mit einem weiteren Problem zu kämpfen: Die vielen Atemwegserkrankungen durch zu kalte Klimanlagen .

Cornelia Springe
1 Monat zuvor

Kurz: wenn man die Schulen schön und teuer ausstattet, dann macht das Lernen dort mehr Spaß und gelingt vielleicht besser.
Ja. Wenn. Wenn das Bundesland / der Kreis so viel Geld hätte/ausgäbe wie wir uns wünschen …

Torben
1 Monat zuvor
Antwortet  Cornelia Springe

Die Planungen und Vergabeverfahren laufen einfach vollkommen falsch und am Ende gibt die Kommune viel mehr Geld aus, als wenn es von Anfang an ordentlich gemacht worden wäre.
Wenn dann aufgrund von Kosteneinsparungen eine Schule lediglich energetisch saniert wird, anstatt neu zu bauen und die Kosten dann hinterher über die Jahre hinweg doppelt so teuer sind, als es der Neubau gewesen wäre, dann wissen Sie, dass bei uns in den Verwaltungen etwas einfach vollkommen falsch läuft.

Heinz
1 Monat zuvor

Ja gut, jetzt sind Architekten ja nicht unbedingt die Bildungsspezialisten und haben nur selten wirklich Ahnung davon, was in einer Schule praktikabel ist.
Wer mal die Planung eines Neubaus oder eine Renovierung mitmacht, wird sich wundern, auf was für Ideen Architekten da kommen und auf welche extenziellen Ideen sie wiederum nicht kommen.

Nichts desto trotz hat sie natürlich Recht, dass Schulen eigentlich einem offenen Konzept folgen müssten. Das Problem dabei ist, dass gleichzeitig die baulichen, die pädagogischen und die Rahmenbedingungen wie Lehrpläne oder Zugehörigkeit zu einer Jahrgangsstufe aufgelöst und verändert werden müssten.
Wenn dort jetzt die Räume angepasst werden, sind diese vollkommen ungeeignet für die existierenden Lehrpläne. Ebenso können Lehrpläne nicht einseitig angepasst werden, und die Kinder sitzen dann in Klassenräumen, weil die Kommunen 40 Jahre für eine Anpassung brauchen.

Wichtig wäre hier eine Abkehr von den starren Lehrplänen und Abschlußprüfungen hin zu flexibleren Bildungsvorgaben, die es ermöglichen würden, individuell auf jede räumliche Situation einzugehen und dort das Beste raus zu machen.