BAD STAFFELSTEIN. Mehr Deutsch, mehr Mathematik, eine dritte Sportstunde und mehr Musik: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) will die Stundentafel der Grundschule ausbauen. Sein Ziel ist, dass Kinder im Freistaat innerhalb von zwei bis drei Jahren mehr Wochenstunden Unterricht erhalten als Grundschüler in jedem anderen Bundesland. Wie viele Stunden hinzukommen und wer sie unterrichten soll, ist allerdings noch offen. Die Lehrerverbände begrüßen den Blick auf die Grundschule – und fragen nach dem Personal.

„Wir sind natürlich alle jetzt im PISA-Schock“, sagte Söder bei der Klausur der CSU-Landtagsfraktion im oberfränkischen Kloster Banz. Nach einem Bericht des Bayerischen Rundfunks warnte er vor Folgen schlechterer Bildungsergebnisse für die Innovationskraft des Freistaats: „Wenn die Ausbildung schlechter wird, dann wird die Leistungsfähigkeit bei Spitzentechnologie automatisch weniger.“ Deshalb brauche es „maximale Bildung“ für Bayerns Kinder.
Ansetzen will Söder bei der Grundschule. Bayern solle dort in den nächsten zwei oder drei Jahren „die meisten Stunden“ und damit „die intensivste Betreuung“ aller Bundesländer bieten, sagte er dem BR zufolge. Konkret nannte der Ministerpräsident mehr Mathematik und Deutsch, eine dritte Sportstunde und mehr Musik.
Bislang haben Kinder in Bayern in den ersten beiden Klassen jeweils 24, in der dritten und vierten Klasse jeweils 28 Wochenstunden. Über die vier Schuljahre addiert sind das 104. Hamburg liegt mit viermal 27 Wochenstunden bei 108. Wie viele Stunden in welchen bayerischen Jahrgangsstufen hinzukommen sollen, steht laut BR noch nicht fest. Eine dritte Sportstunde für Erstklässler ab dem Schuljahr 2027/28 hatte das Kabinett bereits beschlossen.
Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler) bezeichnete die neuen deutschen Pisa-Ergebnisse gegenüber dem BR als inakzeptabel. „Kinder brauchen vor allem Zeit. Und Schule braucht Zeit“, erklärte sie. Zusätzlicher Unterricht solle Raum schaffen, damit Kinder sicher lesen, schreiben und rechnen lernen. Sport und Musik sollten ihnen helfen, sich zu starken Persönlichkeiten zu entwickeln. Stolz sieht darin auch einen Schritt zu mehr Bildungsgerechtigkeit.
Mehr Deutsch und Mathematik hatte die Staatsregierung bereits mit ihrer „PISA-Offensive“ ab dem Schuljahr 2024/25 in die Grundschule gebracht. Damals wurden Stunden innerhalb der bestehenden Stundentafel umgeschichtet. Schulen konnten unter anderem Unterricht in Englisch oder musischen Fächern reduzieren. Nun soll die Gesamtzahl der Stunden steigen.
Die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), Simone Fleischmann, begrüßte Söders Ankündigung im Gespräch mit dem BR grundsätzlich. Es sei gut, dass der Ministerpräsident die Grundschule als Fundament der schulischen Bildung erkenne und mehr Zeit für Kernkompetenzen vorsehe. Entscheidend sei neben der Unterrichtszeit aber auch deren Qualität. „Es kommt jetzt auf die Umsetzung an: Was heißt das denn jetzt eigentlich? Woher kommen denn dann diese Stellen?“, fragte Fleischmann.
Söder verwies laut BR auf 1.500 neue Lehrerstellen, die für 2027 eingeplant seien; ab 2028 sollten weitere folgen. Die Stellen sind allerdings für sämtliche Schularten vorgesehen. Wie viele davon an Grundschulen gehen, ist offen. Im laufenden Schuljahr wurden wegen eines Stellenmoratoriums keine neuen Lehrerstellen geschaffen, obwohl die Zahl der Schülerinnen und Schüler gestiegen ist.
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Bayern macht deshalb das Personal zur zentralen Frage. „Jede zusätzliche Wochenstunde muss jemand unterrichten. Wer mehr Unterricht verspricht und zugleich keine neuen Stellen zulässt, reicht die Rechnung an die Kollegien weiter“, kritisiert ihr stellvertretender Landesvorsitzender Markus Weinberger. Eine Ankündigung auf einer Fraktionsklausur ersetze keinen Haushaltsbeschluss. „Jede Ausweitung der Stundentafel muss mit Planstellen hinterlegt sein.“
Nach Angaben der GEW müssen die Schulen im laufenden Schuljahr rund 20.000 Schülerinnen und Schüler mehr unterrichten als im Vorjahr. Zugleich werde die Unterrichtsversorgung auch dadurch gesichert, dass vorhandenes Personal verstärkt eingesetzt werde. Solange nicht feststehe, ab wann welche zusätzlichen Stunden eingeführt und mit welchen Lehrkräften sie besetzt würden, bleibe Söders Versprechen offen.
„Mehr Musik ist richtig. Aber warum wurden die musischen Fächer dann vor zwei Jahren erst zurückgefahren?“
GEW-Landesvorsitzende Martina Borgendale kritisiert außerdem den Kurswechsel bei den musischen Fächern. Mit der PISA-Offensive anlässlich der schon desaströsen Studie 2023 seien Musik, Kunst sowie Werken und Gestalten erst vor zwei Jahren zugunsten von Deutsch und Mathematik gekürzt und zu einem Fächerverbund zusammengefasst worden. „Mehr Musik ist richtig. Aber warum wurden die musischen Fächer dann vor zwei Jahren erst zurückgefahren? Offenbar entdeckt der Ministerpräsident gerade, wie wertvoll die kreativen Fächer sind. Das ist kein Konzept, sondern ein Zickzackkurs“, sagt Borgendale.
Sie wirft Söder überdies vor, sich erneut in Einzelheiten der Schulpolitik einzumischen: „Und wieder einmal gibt der Ministerpräsident den Kultusminister: erst die Hymnenpflicht für die Abschlussfeier, jetzt der Stundenplan der Grundschule. Vielleicht braucht es ja tatsächlich mehr Musikunterricht – damit bei der Zeugnisfeier die Bayernhymne sitzt.“
In einem Punkt gibt Borgendale Kultusministerin Stolz ausdrücklich recht: Schule brauche Zeit. Mehr Stunden allein lösten aber nicht das Problem, dass der Bildungserfolg immer stärker vom Elternhaus abhänge. Dafür brauche es „multiprofessionelle Teams, längeres gemeinsames Lernen – und Menschen, die die Zeit im Stundenplan füllen“. News4teachers / mit Material der dpa










„Mehr Musik ist richtig. Aber warum wurden die musischen Fächer dann vor zwei Jahren erst zurückgefahren?“
Weil es ein Plan mit Blick auf den Lehrkräftemangel war – gestern.
Morgen sind genügend Lehrkräfte da, solange niemand konkrete Zahlen zum Nachrechnen fordert.
ALLERDINGS redet da jemand mal nicht davon, dass die Demografie schon alles irgendwie zurechtschrumpfen wird, sondern verspricht (nicht mehr, nicht weniger) Verbesserungen.
Daumendrück, dass die Ankündigungen umgesetzt werden
Söder und Versprechungen, das schließt schon einmal jegliche Realisierung apriori aus.
die Lösung ist ganz einfach! Es gibt ja Förderlehrerinnen und Förderlehrer (föl). Diese sind mal in Dienst gestellt worden, um Differenzierung und Individualisierung in GS und MS zu ermöglichen. Deshalb wurden sie auch nicht in die normalen „Lehrerstunden“ einbezogen. Seit dem Pizzaholer-Programm 2020 werden sie einfach nun mit 10 Stunden ( ca37% der Unterrichtsstunden) in das „Lehrerbudget“ gesetzt. Zur Info: Föls sind KEINE LEHRER!!! GEM DEFINITION DES KM. Generieren damit aber ca. 500 Vollzeitstellen von studierten echten Lehrerinnen. Zack fertig ist die Rechnung. Differenzierung findet dann eben nicht statt. „BRAUCH MA NET“ PISA hin PISA her!!
Dann müssen eben diese Föls noch mehr echte Lehrerstunden leisten und das bei einem Gehaltsunterschied von jährlich ca 22000€!!!!. Ein Buchmacher in England würde die Wette darauf wohl nicht annehmen.
Endlich wird hier mal die Wahrheit über die unverschämte Ausnutzung der Förderlehrer in Bayern geschrieben!
Bei der Besoldung: pädagogisches Personal! A9/10
Tatsächlich Stundenzuweisung:
10 !!!!!Lehrerstunden A 12/13
Wie man es gerade braucht um Geld zu sparen!
Leider haben die Förderlehrer in Bayern keine richtige Lobby, die sich gegen diese Ungerechtigkeit auflehnt!
Ist allerdings kein Selbstläufer, dass mehr Unterrichtsstunden auch zwangsläufig bessere Ergebnisse bei standardisierten Leistungsvergleichen bringen.
Sachsen hat z.B. nur 94 h in der GS, schneidet aber bei IQB regelmäßig deutlich besser ab als alle BL mit höherer Anzahl an Unterrichtsstunden.
In Schleswig Holstein gibt es ebenfalls 94 Wochenstunden in der GS, doch bei IQB sind die Ergebnisse ganz anders als in Sachsen.
Bei IQB-2024-Mathematik erzielten die SuS ohne Migrationshintergrund in Sachsen +21 Pkt mehr als der Bundeschnitt, SH -7 Pkt unter dem Schnitt.
Bei SuS mit Geburtsort im Ausland Sachsen + 29 Pkt über dem Bundesschnitt, SH – 11 Pkt weniger als der Schnitt.
Also ist Unterricht egal?
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Es gibt zwar Bildungsexperten, die Unterricht für Zeitverschwendung halten, aber diese Meinung teile ich nicht. .
Ich könnte mir aber vorstellen, das es nicht allein auf die reine Anzahl der Unterichsstunden ankommt.
Englisch, Ethik und Religion ab Klasse 1 weg, schon wären 3 Stunden mehr für Deutsch da. Je 1 Stunde Musik und Sport weg, schwupps wieder mehr Stunden für Mathe gespart. Sachkunde muss auch nicht 3 Stunden in der Woche sein, kommt eh jedes Thema in den nächsten Schuljahren wieder bis zum Umfallen dran.
Finden Sie nicht, dass Musik und Bewegung (Sport) auch wichtig für die kindliche Entwicklung sind? Englisch für Kinder, die Deutsch schon können, ist auch kein Problem, meiner Meinung nach, und erleichtet den Erwerb der Fremdsprache auf fast intuitives Niveau.
Wenn nur Deutsch und Mathe in der Grundschule bleiben, wird es für viele Kinder extrem langweilig, besonders wenn es beim Rechnen nur bleibt und auf die Langsamsten orientiert wird.
Ich würde extra Stunden von Förderung begrüßen, wo zeitnah Probleme in Hauptfächern behoben werden.
Oh, wie langweilig…. Die deutsche Sprache sollte in Schrift und Bild verstanden werden. Leider haben auch stärkere Schüler Defizite in der Umsetzung, sichtbar bei der Erfassung von Aufgabenstellungen und der sinngemäßen Beantwortung in ganzen Sätzen. Förderstunden haben die leistungsschwächeren Schüler bereits. Grundkenntnisse in Mathematik sollten elementar und abrufbar sein. Es wird halt nicht jedes Kind ein Sportler oder Musiker, 1 Stunde pro Woche reicht vollkommen aus. Zu Englisch: Was wird denn in der 1.Klasse gelernt? Danke, bitte, Name, Vorname, Farben, Obst, Gemüse,….Bleiben wir doch bei der Vervollkommnung und Anwendbarkeit der Grundfertigkeiten in den oben genannten Fächern, vor allem ab Klasse 1.
Wie werden Defizite in „der Umsetzung und Erfassung der Aufgabenstellungen“ gelöst? Werden Kinder mehr in der Klasse lesen und das gelesene besprechen? Wird es mehr Textaufgaben in Mathe geben, damit Kinder üben, die wichtigste Information aus dem Text zu nehmen? Oder wird ABC einfach noch länger geübt (bei meinen Kinder in der Klasse war es jeweils 1.5 Jahre! Keine zusätzlichen Aufgaben für die schon lesenden und schreibenden Kinder)?
Bei Matheaufgaben, wenn es lange die ähnlichen Aufgaben gemacht werden, wird es auch schnell langweilig.
Förderung gibt es in unserer Grundschule nur einmal der Woche (zu wenig) und für ausgewählte Kinder. Wenn ein schnelleres Kind ein Problem mit dem bestimmten Thema hat, muss es die Hilfe während des Unterrichts zu bekommen schaffen.
Mein Kind macht jetzt die 5 Klasse Gymnasium, und da lernen sie jetzt in Englisch auch nur „Danke, bitte, Name, Vorname, Farben, Obst, Gemüse“, mit kaum Hausaufgaben, ohne die Aussprache zu üben, was in der Grundschule fast von selbst erlernt worden wäre.
Kurz gesagt, ich finde, mehr Stunden täten gut, wenn es nicht für alle einfach langsamer wäre und noch weniger Stoff in längere Zeit gegeben wird, sondern schnellere Schüler auch gefordert wären. Und ich bin davon überzeugt, dass Kunst, Musik, Sport, Ethik (nicht Religion), sogar Tanzen nicht unwichtig sind.