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VBE-Chef fährt Merz in die Parade: Eltern brauchen Unterstützung statt Vorwürfe

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BERLIN. VBE-Chef Tomi Neckov fährt Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) in die Parade: Nicht mangelndes Interesse der Eltern sei das entscheidende Problem für den Bildungserfolg ihrer Kinder, sondern deren sozioökonomische Voraussetzungen. „Bildungsungleichheit“ müsse deshalb „als Strukturproblem stärker in den Fokus rücken und nicht auf die individuelle Ebene elterlichen Interesses verschoben werden“, erklärt der Bundesvorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE). Mehr Verantwortung bei den Familien abzuladen, greift aus seiner Sicht zu kurz.

VBE-Bundesvorsitzender Tomi Neckov. Foto: VBE/ Heiko Marquardt

Merz hatte am Vortag angesichts der schlechten PISA-Ergebnisse eine „große Kraftanstrengung“ für bessere Bildung verlangt und dabei ausdrücklich auch die Familien in die Verantwortung genommen. Bildung und Erziehung könnten nicht an den Staat „outgesourct“ werden, erklärte der Kanzler im Bundestag. Auch die Familien hätten eine Verantwortung.

Neckov hält dem entgegen, dass die Möglichkeiten der Eltern höchst unterschiedlich verteilt sind. „Früh fördern, individuell fördern und dort mehr fördern, wo das notwendig ist: Das muss Ziel sein. Gleichzeitig braucht es eine hohe Aufmerksamkeit für gesellschaftliche Entwicklungen.“ Wo es – angesichts des Fachkräftemangels auch politisch gewollt – zum Normalfall werde, dass beide Eltern berufstätig seien, müssten Antworten darauf gefunden werden, wie Schulen bedarfsgerecht unterstützen und Eltern zugleich niedrigschwellig einbinden könnten.

Vor allem warnt der VBE-Chef davor, die PISA-Ergebnisse als Beleg dafür zu lesen, dass Eltern sich schlicht stärker um die Bildung ihrer Kinder kümmern müssten. Ein Großteil dessen, was wie Eltern-Engagement aussehe, erkläre sich letztlich durch den sozioökonomischen Hintergrund. „Eltern interessieren sich durchaus für den Schulerfolg ihrer Kinder. Wo aber das Geld fehlt, um daraus monetäre Konsequenzen zu ziehen, stagniert oder fällt die Leistung“, erklärt Neckov. „Deshalb muss Bildungsungleichheit als Strukturproblem stärker in den Fokus rücken und nicht auf die individuelle Ebene elterlichen Interesses verschoben werden.“

Das Startchancen-Programm und dessen Erweiterung auf den frühkindlichen Bereich seien deshalb Schritte in die richtige Richtung. Neckov kritisiert allerdings die zeitliche Begrenzung der Förderung: „Das Startchancen-Programm und dessen Erweiterung auf den frühkindlichen Bereich ist ein guter Schritt in die richtige Richtung, aber das Programm hat noch vor dem Beginn schon ein Ablaufdatum. Nachhaltige Strukturen brauchen aber eine nachhaltige Finanzierung.“

Die soziale Lage der Familien spielt aus Sicht des VBE dabei nicht nur innerhalb des Bildungssystems eine Rolle. Neckov bezeichnet den sozioökonomischen Status des Elternhauses als wichtigsten Faktor für den Bildungserfolg und kritisiert vor diesem Hintergrund Einsparungen im Haushaltsplan, unter anderem bei Kinderzuschlag und Unterhaltsvorschuss. „Das kann die Verhältnisse der betroffenen Familien deutlich verschlechtern. Das dürfen wir nicht zulassen“, mahnt er.

Zugleich erreichen bereits bestehende Hilfen offenbar viele Anspruchsberechtigte nicht. Der VBE verweist auf eine aktuelle Studie, wonach die Leistungen des Bildungs- und Teilhabepakets mehrheitlich nicht genutzt werden. Neckov fordert deshalb einfachere Zugänge: „Es muss Priorität haben, Anträge so zu vereinfachen und Leistungen so präsent darzustellen, dass alle, die darauf ein Anrecht haben, auch Wege finden, diese Leistungen zu erhalten.“

In der gestrigen Haushaltsdebatte ging es außerdem um das Bundesprogramm „Demokratie leben!“. Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) verteidigte die Förderung und verwies auf die neuen Förderrichtlinien (News4teachers berichtete). Die AfD forderte dagegen, das Programm zu streichen. Der VBE stellt sich hinter Prien. „Das Programm ‚Demokratie leben‘ wirkt. Von vielen Angeboten können Schulen für die Demokratiebildung profitieren. Es nach nachvollziehbaren Förderkriterien aufzustellen ist ein guter Schritt – wenngleich nicht alles, was förderungswürdig wäre, weiter gefördert werden wird“, erklärt Neckov. Eine Streichung des Programms lehnt er ausdrücklich ab: „Nicht nur die Wahl letzten Sonntag hat aber gezeigt, dass Extremismusprävention weiter im Fokus bleiben muss.“ News4teachers

Merz verlangt „große Kraftanstrengung“ für Bildung (insbesondere von Eltern) 

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