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Von der Hauptschule bis nach Harvard: Warum Dr. Yüksel – trotz beeindruckender Bildungskarriere – das deutsche Schulsystem kritisiert

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HAMBURG. Als Sohn kurdischer Migranten wächst Mahmut Martin Yüksel zunächst in einem niedersächsischen Dorf auf, ohne Deutsch zu sprechen. Seine Eltern haben keinen Schulabschluss, er selbst besucht die Hauptschule. Später schafft er es bis nach Harvard. Eine Erfolgsgeschichte des deutschen Bildungssystems? Dr. Yüksel sieht das anders. In seinem Buch „Von der Hauptschule nach Harvard – Ein Bildungsweg gegen die Schwerkraft des Systems“ (rowohlt-Verlag), übt der Mediziner und Neurowissenschaftler scharfe Kritik an der frühen Aufteilung der Kinder in verschiedene Schulformen und daran, wie stark die soziale Herkunft noch immer über Bildungschancen entscheidet.

„Mir geht es auch darum, Kindern früher Möglichkeiten zum Ausprobieren zu geben“: Dr. Mahmut Martin Yüksel. Foto: privat

News4teachers: Herr Dr. Yüksel, wie entstand die Idee, Ihre Geschichte in einem Buch aufzuschreiben?

Yüksel: Mit den Jahren habe ich gemerkt, dass sich im Bildungssystem und in der Politik hinsichtlich der Bildungschancen für Kinder mit Migrationshintergrund seit meiner Kindheit nicht viel verändert hat. Gleichzeitig habe ich immer mehr Menschen kennengelernt, die ebenfalls ungewöhnliche Bildungswege gegangen sind – etwa von der Hauptschule bis an die Universität. Dadurch wurde mir immer deutlicher, dass dahinter auch ein systemisches Problem steckt, eine gewisse „Schwerkraft des Systems“.

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Das Buch soll deshalb nicht nur meinen Bildungsweg erzählen. Ich möchte damit auch eine Debatte darüber anstoßen, wie gerecht unser Bildungssystem ist und welche Reformen notwendig wären. Denn die Ausgangsbedingungen von Kindern unterscheiden sich erheblich. Es macht einen Unterschied, ob beide Eltern hochgebildete Akademiker sind oder ob die Eltern selbst keinen Schulabschluss haben, wie es bei mir der Fall war. Solche Faktoren werden aus meiner Sicht bislang zu wenig berücksichtigt.

News4teachers: Welche Reform wäre für Sie besonders wichtig?

Yüksel: Ein entscheidender Punkt ist die frühe Aufteilung der Kinder auf unterschiedliche Schulformen. Ich halte es für falsch, bereits nach der vierten Klasse eine Entscheidung zu treffen, die den weiteren Bildungsweg so stark prägt.

Eine Lehrerin oder ein Lehrer kann das Potenzial eines neun- oder zehnjährigen Kindes nicht zuverlässig vorhersagen. Kinder entwickeln sich sehr unterschiedlich. Persönlichkeit, Motivation und Ambitionen entstehen über viele Jahre hinweg. Bei mir spielte beispielsweise Sprache eine Rolle. Bei anderen kommt die Motivation für die Schule einfach später. So gibt es auch in meinem privaten Bekanntenkreis Menschen, die einst eine Hauptschule besuchten und heute selbst als Schulleiterinnen oder Lehrer tätig sind. Menschen, die erst nach der fünften oder sechsten Klasse erkannt haben, welche Ziele sie erreichen und welchen Weg sie einschlagen möchten.

Mit zehn Jahren verstehen viele Kinder noch gar nicht, welche Konsequenzen solche Entscheidungen für ihre Zukunft haben können. Trotzdem beeinflussen wir mit der frühen Aufteilung ihr weiteres Leben maßgeblich.

News4teachers: Sie würden das gegliederte Schulsystem also nicht grundsätzlich abschaffen?

Yüksel: Das dreigliedrige System an sich ist für mich nicht unbedingt das Hauptproblem. Entscheidend ist der Zeitpunkt der Aufteilung. Wenn ich von heute auf morgen eine Sache ändern könnte, würde ich die Differenzierung deutlich später ansetzen – vielleicht in der neunten oder zehnten Klasse.

Auch aus neurowissenschaftlicher Sicht wissen wir heute, dass sich der präfrontale Kortex bis in die frühen 20er-Jahre weiterentwickelt. In dieser Zeit reifen das Gehirn und damit auch wichtige kognitive und soziale Fähigkeiten noch erheblich weiter.

Wenn man sich die Geschichte unseres dreigliedrigen Schulsystems anschaut, wird deutlich, dass seine Grundstruktur noch aus der Kaiserzeit stammt. Was damals vielleicht als sinnvolle Ordnung gedacht war, ist aus meiner Sicht heute nicht mehr zeitgemäß, insbesondere die sehr frühe Aufteilung von Kindern auf unterschiedliche Schulwege.

Auch das Konzept integrativer Gesamtschulen finde ich grundsätzlich interessant. Dennoch ist der Kerngedanke, dass Schülerinnen und Schüler zunächst viele Jahre gemeinsam lernen zu lassen.

News4teachers: Wenn Schülerinnen und Schüler länger gemeinsam lernen sollen, müsste dann nicht die individuelle Förderung deutlich stärker werden?

Yüksel: Absolut. Wir spezialisieren uns in fast allen Lebensbereichen – warum sollten wir dann nicht auch die individuellen Stärken von Kindern gezielter fördern?

Ich kenne viele Menschen, die schon früh in einem bestimmten Bereich besonders gut waren. Diese Stärke hätte man viel intensiver fördern können. Denkbar wären beispielsweise schon ab der fünften Klasse kleine Angebote zu Architektur, Medizin, Recht oder anderen Bereichen der tatsächlichen Berufswelt.

Mir geht es auch darum, Kindern früher Möglichkeiten zum Ausprobieren zu geben. Heute müssen viele erst kurz vor dem Abitur entscheiden, was sie eigentlich machen wollen. Warum geben wir ihnen nicht früher Gelegenheiten, Interessen zu entdecken und Talente auszubauen?

„Wenn ein Kind schon die Aufgabenstellung nicht richtig versteht, kann es auch nicht zeigen, was es fachlich kann. Seine Leistung wird dadurch negativ beeinflusst bzw. verzerrt“

News4teachers: Nun muss ja nicht jedes Kind gleich nach Harvard gehen. Was wäre für Sie der eigentliche Maßstab für Bildungsgerechtigkeit?

Yüksel: Natürlich geht es nicht darum, dass jedes Kind nach Harvard gehen muss. Für mich bedeutet Bildungsgerechtigkeit vielmehr, dass die Möglichkeiten eines Kindes nicht schon durch seine Herkunft oder durch Voraussetzungen begrenzt werden, für die es selbst nichts kann.

Ein wichtiger Punkt ist deshalb die frühe Sprachförderung. Wenn Defizite bestehen – sei es aufgrund eines Migrationshintergrunds, des Bildungsstands der Eltern oder weil zu Hause anders gesprochen wird –, muss man früh ansetzen. In der Schule geht es schließlich nicht nur um Umgangssprache, sondern um Bildungssprache. Wenn ein Kind schon die Aufgabenstellung nicht richtig versteht, kann es auch nicht zeigen, was es fachlich kann. Seine Leistung wird dadurch negativ beeinflusst bzw. verzerrt.

Der zweite Punkt ist für mich, die Eltern stärker einzubeziehen. Man muss ihnen früh zeigen, welche Bildungs- und Berufswege ihrem Kind offenstehen. Wenn ein Kind sagt, es möchte später Architektin oder Architekt werden, könnte man den Eltern erklären: Das sind mögliche Wege dorthin, diese Abschlüsse braucht man, diese Schritte sind möglich.

Dabei darf es nicht darum gehen, einem Kind aufgrund seiner Herkunft einen bestimmten Weg zuzuschreiben – nach dem Motto: Du kommst aus dieser Familie, also solltest du diesen oder jenen Beruf ergreifen. Im Gegenteil: Es sollte darum gehen, die verschiedenen Möglichkeiten überhaupt sichtbar zu machen.

Denn genau dieses Wissen ist sehr ungleich verteilt. Wenn ich aus einem akademischen Elternhaus komme und beispielsweise Ingenieur werden möchte, können mir meine Eltern vielleicht sagen, welche Hochschulen dafür besonders bekannt sind und worauf ich bei der Studienwahl achten sollte. Wenn meine Eltern das Bildungssystem selbst kaum kennen, fehlt mir dieses Wissen. Dann entsteht schon an dieser Stelle ein Nachteil, der mit meiner eigentlichen Begabung überhaupt nichts zu tun hat.

Und als dritten Punkt müssen wir stärker auf die unsichtbaren Faktoren schauen. Wir tun häufig so, als würden alle Kinder unter denselben Bedingungen starten und müssten anschließend nur noch nach ihrer Leistung beurteilt werden. Aber das entspricht nicht der Realität. Es macht einen Unterschied, ob ein Kind aus einem Akademikerhaushalt kommt, ob die Eltern den ganzen Tag arbeiten müssen oder ob es schwere familiäre Belastungen gibt.

Solche Voraussetzungen beeinflussen natürlich auch, wie gut sich ein Kind in der Schule konzentrieren kann und welche Unterstützung es bekommt. Für mich bedeutet Bildungsgerechtigkeit deshalb nicht, dass am Ende alle dasselbe erreichen müssen. Es bedeutet, dass wir unterschiedliche Ausgangsbedingungen berücksichtigen und Kindern tatsächlich die Chance geben, ihre Möglichkeiten auszuschöpfen.

News4teachers: Sie beschreiben in Ihrem Buch auch problematische Erfahrungen mit Lehrkräften. Sind Lehrerinnen und Lehrer ausreichend auf unterschiedliche sprachliche, soziale und kulturelle Hintergründe vorbereitet?

Yüksel: Ich glaube, das Problem ist multifaktoriell. Die Ausbildung ist aus meiner Sicht ein Teil davon. Ich habe selbst ein Jahr Physik und Mathematik studiert und dabei auch gemeinsam mit angehenden Lehrkräften Veranstaltungen besucht. Mein Eindruck war, dass die fachliche Ausbildung auf einem sehr hohen Niveau stattfand, pädagogische Inhalte aber vergleichsweise theoretisch blieben.

Ich glaube, dass angehende Lehrkräfte viel stärker anhand konkreter Fälle lernen müssten: Wie gehe ich mit unterschiedlichen sozialen und kulturellen Voraussetzungen um? Wie funktioniert Sprachförderung? Wie erkenne ich eigene Erwartungshaltungen und mögliche Verzerrungen?

Bei meiner Grundschullehrerin habe ich beispielsweise erlebt, dass meinen Eltern empfohlen wurde, zu Hause mit mir Deutsch zu sprechen. Meine Eltern beherrschten Deutsch damals aber selbst kaum. Dadurch konnten sie mir sprachlich nicht das vermitteln, was beabsichtigt war, während gleichzeitig meine stärkere Familiensprache darunter litt. Solche Fragen sollte man evidenzbasiert behandeln.

News4teachers: Sie sprechen auch von strukturellem Rassismus. Inwiefern ist dieser in Deutschland heute noch vorhanden?

Yüksel: Ja. Er zeigt sich dort, wo Menschen aufgrund ihrer Herkunft oder zugeschriebenen Zugehörigkeit systematisch schlechtere Chancen nachweislich haben, etwa bei Bildung, Wohnungssuche oder auf dem Arbeitsmarkt.

Ein wichtiger Punkt ist die Erwartungshaltung. Wenn eine Autoritätsperson aufgrund vorheriger Erfahrungen oder aufgrund der Herkunft eines Kindes von vornherein erwartet, dass dieses Kind schlechter sein wird, kann sich das im Verhalten zeigen.

Das muss nicht immer ein ausdrücklich diskriminierender Satz sein. Es kann ein anderer Blick sein, eine veränderte Ansprache oder die Entscheidung, ein Kind seltener dranzunehmen, weil man ohnehin wenig von ihm erwartet.

Bei mir gab es allerdings auch explizite Situationen. Meine Grundschullehrerin sagte beispielsweise sinngemäß: „Für einen Türken ist das schon sehr gut.“ Dabei wusste sie sogar, dass meine Familie kurdisch-stämmig ist. Solche Aussagen kamen leider mehrfach vor.

Ich möchte ausdrücklich nicht behaupten, dass das repräsentativ für Lehrkräfte insgesamt ist. Diese Lehrerin war ein Extremfall. Aber gerade deshalb stellt sich die Frage nach den Kontrollmechanismen. Später erfuhr ich gar, dass die betreffende Lehrerin auch im Kollegium sehr unbeliebt gewesen sei. Trotzdem wurde lange nichts unternommen.

Kinder können solche Situationen häufig noch gar nicht einordnen oder sprachlich ausdrücken. Sie merken vielleicht, dass etwas nicht stimmt, können sich aber kaum dagegen wehren. Deshalb braucht es Strukturen, die sie schützen.

News4teachers: Warum hat sich aus Ihrer Sicht trotz jahrelanger Debatten so wenig verändert?

„Ich würde mir wünschen, dass politische Entscheidungsträger viel unmittelbarer erleben, was an Schulen tatsächlich passiert“

Yüksel: Ich glaube, dass zwischen vielen politischen Entscheidungsträgern und den Menschen, die die Probleme des Bildungssystems unmittelbar erleben, eine große Distanz besteht. Viele Entscheidungen werden auf einer sehr theoretischen Ebene getroffen.

Unsere politischen Entscheidungsträger kommen überdurchschnittlich häufig aus akademisch geprägten Bildungs- und Lebenswelten. Gleichzeitig wissen wir, dass Bildungserfolg in Deutschland stark von der sozialen Herkunft abhängt. Deshalb stellt sich die Frage: Wie gut kennen politische Entscheidungsträger die Probleme derjenigen, die unser Bildungssystem selbst als Benachteiligte erlebt haben?

Natürlich können beispielsweise Ganztagsschulen sinnvoll sein. Aber damit allein schließen wir nicht automatisch die sozioökonomische Lücke oder lösen Probleme wie Diskriminierung und fehlende Aufstiegschancen.

Ich würde mir wünschen, dass politische Entscheidungsträger viel unmittelbarer erleben, was an Schulen tatsächlich passiert. Warum hospitiert eine Bildungsministerin oder ein Bildungsminister nicht einmal mehrere Wochen an einer Brennpunktschule in schwieriger Lage? Oder warum werden nicht diejenigen stärker konsultiert, die die Probleme unseres Bildungssystems selbst hautnah erlebt haben als ehemals Benachteiligte? Wer solche Situationen unmittelbar erlebt, bekommt möglicherweise einen anderen Blick auf die Probleme.

News4teachers: Sie kritisieren auch die Reaktionen auf die PISA-Ergebnisse. Was fehlt Ihnen in der Debatte?

Yüksel: Mir wird zu wenig darüber gesprochen, wie stark soziale Herkunft und Bildungserfolg miteinander verbunden sind. Die sozioökonomische Schere zwischen oberen und unteren Viertel, war mitunter eine der auffälligsten Ergebnisse der PISA 2025 Auswertung. Dennoch wurde hierüber vergleichsweise wenig berichtet, als wäre es eine Randnotiz.

Gleichzeitig halte ich die Motivation der Schülerinnen und Schüler für ein wichtiges Thema. Viele junge Menschen haben offenbar nicht mehr das Gefühl, dass sich Bildung für sie lohnt. Darüber müssen wir auch reden.

Nach der Veröffentlichung solcher Studien gibt es häufig einige Tage Berichterstattung, dann verschwindet das Thema wieder. Dabei liegen die Probleme ja weiterhin auf dem Tisch und betrifft langfristig uns alle.

News4teachers: Sie wollen mit Ihrer Kritik aber ausdrücklich nicht die Lehrkräfte angreifen.

Yüksel: Nein! Ich möchte Lehrerinnen und Lehrer bewusst nicht zur Zielscheibe machen. Das wäre nicht richtig. Das Problem ist viel größer und systemisch. Deshalb trägt mein Buch auch den Untertitel „Die Schwerkraft des Systems“. Es geht explizit um systemische Strukturen und Defizite im Bildungssystem.

Natürlich gibt es auch aus Schülersicht einzelne problematische Lehrkräfte – und vice versa. Aber zugleich kenne ich viele sehr gute Lehrerinnen und Lehrer, die unter den bestehenden Bedingungen leiden oder den Beruf sogar verlassen, weil sie das Gefühl haben, dass das System zu starr ist. Auch das ist ein Verlust.

News4teachers: Wen möchten Sie mit Ihrem Buch vor allem erreichen?

Yüksel: Ich würde gerne mit politischen und anderen bildungspolitischen Entscheidungsträgern ins Gespräch kommen und eigene Ideen einbringen. Gleichzeitig richtet sich das Buch an all diejenigen, die sich in dieser Geschichte wiedererkennen. Seit der Veröffentlichung merke ich, dass das deutlich mehr Menschen sind, als ich zunächst erwartet hatte.

Jetzt beginnt eine neue Phase: Ich möchte das Thema auch öffentlich weiter vertreten und die Diskussion am Laufen halten. Denn wenn wir über Bildungsgerechtigkeit nur wenige Tage nach neuen Studienergebnissen sprechen und anschließend wieder zum Alltag übergehen, wird sich zu wenig verändern.

Der pragmatischste Weg ist für mich deshalb, miteinander ins Gespräch zu kommen und gemeinsam nach konkreten Lösungen zu suchen. Denn Bildungsgerechtigkeit gelingt nicht durch Schuldzuweisungen, sondern indem wir gemeinsam überlegen, was wir besser machen können. News4teachers / Milla Priboschek führte das Interview.

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12 Kommentare
Canishine
8 Stunden zuvor

“Warum Dr. Yüksel – trotz beeindruckender Bildungskarriere – das deutsche Schulsystem kritisiert„Es wäre vermutlich noch verblüffender, wenn jemand mal die Vorzüge des deutschen Schulsystems lobte.

digitalebildung
1 Stunde zuvor
Antwortet  Canishine

Die Vorzüge sind, dass das deutsche Bildungssystem erfolgreich den Pöbel vom Gymnasium fern hält und dadurch Gymnasiallehrkräfte vor den Belastungen des richtigen Lebens beschützt werden. Außerdem bekommt dadurch das dumme Bildungsbürgertumkind keine Konkurrenz durch schlaue Migranten – das sorgt für Ruhe in der zunehmend verarmenden Mittelschicht. Für mich ist es mittlerweile klar: Es ist gezielter politischer Wille, dass der Erfolg in unserem Bildungssystem von der Herkunft abhängt und nicht etwas, das lediglich versehentlich so ist und nur repariert werden muss.

447
7 Stunden zuvor

Tatsächlich das stärkste Argument (vereinfacht: Hirnwachstum), dass ich bisher aus meiner subjektiven Sicht für spätere Aufteilung gelesen habe.

Hansjoachim
6 Stunden zuvor

Gewiss haben reale Schulsysteme auch Nachteile, die treffen dann meist diejenigen, die „untypisch“ sind und vielleicht auch zu den Ausnahmen gehören. Kein System hat NUR VORTEILE.
Aber vielleicht könnte uns der junge Mann auch noch schildern, wie wohl sein Werdegang in der Türkei verlaufen wäre, wo man doch ein einheitliches Schulsystem hat.

Hannah Halloumi
1 Stunde zuvor
Antwortet  Redaktion

Tja, das wäre doch mal wieder eine Gelegenheit, sich anzuschauen, was andere Länder methodisch und didaktisch so treiben. Die Orientierung an den Finnen und Schweden, die vor 20 Jahren so im Trend war, ist irgendwie recht geräuschlos von der Bildfläche verschwunden. Vielleicht könnten wir uns die Türkei zum Vorbild nehmen? Wie sieht dort der Unterricht aus? Was machen die anders als wir?

blau
6 Stunden zuvor

Ich kann ja nur für meine Kinder sprechen… Aber die sind so glücklich nicht mehr auf eine Grundschule aka Gesamtschule gehen zu müssen, sondern auf das Gymnasium, wo endlich Unterricht und nicht hauptsächlich Erziehung stattfindet. So wie es an Grund- und Gesamtschulen derzeit läuft, mit zu wenig Lehrkraft pro Kurs und zu viel Problemen pro Klasse, kann ich einer längeren gemeinsamen Lernzeit nichts Gutes abgewinnen.

blau
6 Stunden zuvor

Sprachförderung alleine ist nicht stärker als Habitus, Erziehung und Einstellung in der Familie. Chancengleichheit ist eine Utopie

Küstenfuchs
3 Stunden zuvor

Er ist halt Mediziner und auch in dem Interview wird klar, dass seine Expertise eher von anekdotischer Relevanz ist. Man kann immer wieder eine Systemdebatte führen, nur kann er aufgrund seiner eigenen Biografie vermutlich nicht begreifen, dass eine Systemumstellung mit erheblichen Kosten verbunden ist. Geld, das man viel besser anlegen könnte: Man sollte z.B. viel mehr Lehrkräfte insbesondere im Brennpunkten oder intakte Schulgebäude bezahlen, Nachmittagsbetreuung für vernachlässigte Kinder verpflichtend machen. Oder Sprachtests für 4-Jährige mit Verpflichtung eines letzten Kindergartenjahres, wenn das Kind zu schlecht Deutsch spricht. DAS würde ganz sicher die Abhängigkeit von der Bildung der Eltern verringern.

Ich sehe hier nur jemanden, der sich ein paar Tage mit dem Schulsystem beschäftigt hat, ohne es wirklich genau zu kennen, und sich nun zum Experten aufschwingt, weil er selbst Erfahrungen gemacht hat und nun noch mit ein paar Leuten redet (aber nur denen aus seiner Bubble, mit Lehrkräften aus Ostfriesland hat er sich wohl kaum unterhalten!!). Und der die Verkäufe für sein vermutlich belangloses Buch ankurbeln will.

Hannah Halloumi
1 Stunde zuvor
Antwortet  Küstenfuchs

Jede*r hat schonmal eine Schule besucht.
Jede*r hat schonmal mit einem Ball gespielt.

Deshalb sind wir das einzige Land, in dem es neben 83 Millionen Bundestrainern auch 83 Millionen „Bildungsexperten“ gibt.

B. K.
2 Stunden zuvor

Ein sehr wichtiges Thema! Es ist schade zu beobachten, in welche Richtung sich unser Bildungssystem teilweise entwickelt. Ich für meinen Teil wünsche mir, dass wir stärker diejenigen in den Mittelpunkt stellen, um die es eigentlich gehen sollte: die Kinder.
Es läuft an vielen Stellen etwas schief, und dabei werden gerade diejenigen übersehen, die Unterstützung, Vertrauen und echte Chancen am dringendsten brauchen.
Es ist kaum vorstellbar, wie viele Hürden Dr. Yüksel auf seinem Bildungsweg überwinden musste und dass er trotzdem den Mut nicht verloren hat. Sein Buch habe ich innerhalb von drei Tagen verschlungen und halte es für unglaublich wichtig, dass diese Geschichte möglichst viele Menschen erreicht.
Gerade Kinder und Jugendliche mit schwierigen Startbedingungen geben irgendwann auf, weil sie das Licht am Ende des Tunnels nicht mehr sehen. Dieses Buch kann ihnen zeigen, dass der eigene Weg nicht immer geradlinig verlaufen muss – und dass es Menschen, Chancen und manchmal auch zweite oder dritte Anläufe geben kann, die plötzlich eine Tür öffnen.
Vielleicht hilft diese Geschichte dem einen oder anderen jungen Menschen genau im richtigen Moment dabei, weiterzumachen und das eigene Ziel nicht aus den Augen zu verlieren.