BERLIN. Gewalt auf dem Schulhof, Mobbing im Klassenchat, Diskriminierung im Unterricht: Berliner Schulen geraten seit Jahren immer wieder wegen schwerer Konflikte in die Schlagzeilen. Vom Brandbrief der Rütli-Schule im Jahr 2006 über den Hilferuf eines Berliner Kollegiums Ende 2024 bis zum Fall des schwulen Pädagogen Oziel Inácio-Stech reicht eine Reihe von Vorfällen, die Fragen nach Sicherheit, Respekt und staatlicher Handlungsfähigkeit aufwerfen. Bislang fehlten jedoch belastbare Daten darüber, wie verbreitet Bedrohungen, Ausgrenzung und Gewalt im Schulalltag tatsächlich sind. Mit dem Konflikt- und Gewaltbarometer lässt Berlin nun als erstes Bundesland eine umfassende wissenschaftliche Untersuchung erarbeiten.

Fälle von Mobbing, Diskriminierung und Gewalt an Berliner Schulen haben immer wieder bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Schon vor zwei Jahrzehnten galt die Rütli-Schule in Neukölln weit über die Landesgrenzen hinaus als Paradebeispiel gescheiterter Bildungspolitik – Lehrkräfte berichteten von einem Klima der Angst im Klassenzimmer.
Erst im vergangenen Jahr geriet eine Schule in Berlin-Moabit in den Fokus der Aufmerksamkeit. Dort hatte sich eine pädagogische Unterrichtshilfe über wiederholtes monatelanges Mobbing wegen seiner Homosexualität beklagt, bei der Schulleitung und der Bildungsverwaltung aber wenig Gehör gefunden.
Sind das nur Einzelfälle? Wie weit verbreitet Gewalt, Mobbing, Bedrohungen und Diskriminierungen an Berliner Schulen sind, soll eine neue Studie zeigen. Berlins Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) will die Ergebnisse am Montag vorstellen. Mit dem Berliner Konflikt- und Gewaltbarometer legt Berlin als erstes Bundesland eine umfassende wissenschaftliche Untersuchung zu dem Thema vor, teilte die Bildungsverwaltung mit.
Von einer «Terrorschule» war die Rede, als frustrierte Lehrkräfte im März 2006 einen dramatischen Brandbrief an den Senat schrieben und auf aus ihrer Sicht unhaltbare Zustände an der Rütli-Schule in Berlin-Neukölln hinwiesen. «In vielen Klassen ist das Verhalten im Unterricht geprägt durch totale Ablehnung des Unterrichtsstoffes und menschenverachtendes Auftreten», schilderten sie ihre Erfahrungen.
Nur noch mit einem Handy würden sie sich in die Klassenräume trauen – um notfalls Hilfe zu rufen, schlugen die Pädagogen Alarm. Damals war Rütli eine reine Hauptschule mit sehr hohem Migrantenanteil. Anschließend wurde sie mit der benachbarten Grund- und Realschule zusammengelegt. Mit viel Geld und neuen pädagogischen Konzepten gelang es dem neuen «Campus Rütli» das alte Image loszuwerden – manche sprachen wenige Jahre später von einem Vorzeigeprojekt.
Hilferuf von Lehrkräften
An die Rütli-Schule zu ihren schlimmsten Zeiten fühlten sich viele in Berlin erinnert, als das Kollegium der Friedrich-Bergius-Schule in Friedenau einen Hilferuf absetzte. Im November 2024 berichteten die Lehrkräfte ebenfalls in einem «Brandbrief» über zahlreiche Probleme mit aggressiven, gewaltbereiten und bildungsfernen Schülern, die zum Teil zuvor noch nie eine Schule besucht hätten und kaum Deutsch sprechen könnten (News4teachers berichtete).
In dem Schreiben war die Rede von «massiven Verhaltensauffälligkeiten und ungebührlichem, asozialen Unterrichtsverhalten». Es gebe eine «bedrohliche Gewaltbereitschaft und verbale Übergriffe» vor allem der männlichen Schüler. Die Schule müsse zunehmend die Polizei rufen, um bei eskalierenden Situationen etwa nach Schulschluss vor dem Schulgebäude einzugreifen.
Die größte Angst vieler Schüler und Schülerinnen sei, beim Toilettenbesuch «in kompromittierenden Situationen» von anderen Schülern mit eigentlich verbotenen Handys an der Trennwand vorbei fotografiert oder gefilmt zu werden.
Der Berliner Schulpolitik stellten die Lehrkräfte ein desaströses Zeugnis aus: Problematische Schüler könnten weder sitzenbleiben noch von der Schule verwiesen werden. In den 9. und 10. Klassen dürften keine Tadel und Verweise auf dem Zeugnis stehen. Auf dem Abschlusszeugnis dürften nicht einmal Fehlzeiten aufgelistet werden.
Dem siebenseitigen Brandbrief beigefügt war eine Tabelle: Danach hatten sich in den ersten zwei Monaten nach den Sommerferien bis Anfang November 489 unentschuldigte Fehltage der Schüler angehäuft. Und 517 Mal wurde ein Schüler oder eine Schülerin während des Unterrichts zu einem der Sozialpädagogen geschickt. Fast zwei Jahrzehnte nach der bundesweiten Diskussion über die Zustände an der Rütli-Schule hatten viele in Berlin ein Déja-vu-Erlebnis. Die Bildungsverwaltung sagte Unterstützung zu.
Schwuler Lehrer kritisiert Mobbing – nicht nur von Schülern
Für viel Empörung und breite Aufmerksamkeit sorgte im vergangenen Jahr auch der Fall von Oziel Inácio-Stech, der damals an der Carl-Bolle-Grundschule in Moabit beschäftigt war (News4teachers berichtete). Aus Verzweiflung, mit seinem Anliegen nicht gehört zu werden, wandte er sich an die Medien und berichtete, von Schülern aus muslimischen Familien immer wieder beschimpft, beleidigt und gemobbt worden zu sein – weil er schwul ist.
Gleichzeitig kritisierte er Mobbing und falsche Vorwürfe durch eine Kollegin, die sogar in eine Anzeige gegen ihn mündeten. Schulleitung und Schulaufsicht hätten ihn nicht geschützt, obwohl er dort wiederholt um Hilfe gebeten habe, sagte er – und sprach in dem Zusammenhang von einem «kompletten Systemversagen». Der Pädagoge litt nach den Vorfällen nach eigenen Angaben unter anderem an Panikattacken und wurde krankgeschrieben.
Bildungssenatorin Günther-Wünsch hatte zu den Vorgängen zunächst mehrfach erklärt, es handele sich um einen «komplexen Sachverhalt» und behauptet, es sei ein Fall, der von gegenseitigen Mobbing- und Diskriminierungsvorwürfen, von gegenseitigem Fehlverhalten oder Vorwürfen des Fehlverhaltens gekennzeichnet sei.
Erst Ende April dieses Jahres entschuldigte sie sich bei Inácio-Stech – ausdrücklich auch dafür, dass schulintern gegen ihn ermittelt worden sei, selbst als die Staatsanwaltschaft längst keinen Anlass mehr dafür gesehen habe. Gewalt, Bedrohungen, Mobbing – ist das alles typisch für Berlin? Die neue Studie, die unter anderem auf umfangreichen Befragungen von Schülern und Lehrkräften basiert, soll darauf Antworten geben. News4teachers / Von Andreas Heimann, dpa










Und egal, was da ans Tageslicht kommt; es ist nur die Spitze des Eisbergs. Viel zu lange wurde geschiegen; viel zu viel wird unter den Teppich gekehrt; viel zu groß ist die Sorge jeder Schulleitung, nach außen hin schlecht dazustehen!!!!
Aber wenn sich etwas ändern soll, muss alles auf den Tisch und dann muss man Maßnahmen beraten und ergreifen. Kommt nur ein kleiner Teil auf den Tisch, beziehen sich die Maßnahmen auch nur auf diesen kleinen Teil. Dann muss man sich nicht wundern, wenn sie wirkungslos bleiben bzw. nicht ausreichend wirken!
Wie gesagt, es wird viel zu viel unter den Teppich gekehrt!
DDR 2.0 – In der Wendezeit nannte man das „Schönfärberei“.
„Der Berliner Schulpolitik stellten die Lehrkräfte ein desaströses Zeugnis aus: Problematische Schüler könnten weder sitzenbleiben noch von der Schule verwiesen werden. In den 9. und 10. Klassen dürften keine Tadel und Verweise auf dem Zeugnis stehen. Auf dem Abschlusszeugnis dürften nicht einmal Fehlzeiten aufgelistet werden.“
AUCH daran liegt es (Zitat). Wir laden dazu vor Kurzem lauter solche Artikel, dass Schule nett sein soll, damit Schüler wirklich etwas lernen. So sind alle Sanktionsmöglichkeiten weichgespült worden und was wir in dem Artikel lesen, das sind die Folgen! Haften die Autoren der anderen Artikel dann dafür? Nein. Aber wir leben dann damit.
„Gewalt, Mobbing, Diskriminierung an Schulen: Bildungssenatorin lässt das Ausmaß jetzt ermitteln.“
Wow – man hat erst heute bemerkt, dass Schulen längst Schauplätze eines sozialen Experiments geworden sind, dessen Ausgang niemand mehr kontrolliert. Orte, an denen Regeln und Normen des Miteinanders nur noch als blasse Erinnerung existieren – gedruckt, laminiert, aufgehängt, aber ohne jede Bindekraft. Sie gelten nicht mehr, weil jene, die sie durchsetzen sollen, weder Mittel noch Rückendeckung besitzen. Und so erklärt man mit erstaunlicher Unschuld: „Bislang fehlten belastbare Daten.“
Natürlich fehlten sie. Man hat sich jahrelang davor gedrückt, sie zu erheben, weil jede Zahl ein Geständnis wäre.
„Die größte Angst vieler Schüler sei, beim Toilettenbesuch in kompromittierenden Situationen von anderen Schülern mit eigentlich verbotenen Handys fotografiert oder gefilmt zu werden.“
Ein Satz, der die ganze Tragikomik offenlegt. Handys sind verboten, aber das Verbot ist folgenlos. „Eigentlich verboten“ ist die pädagogische Formel, die alles meint und nichts bewirkt. Handys sind verboten, bis sie filmen. Gewalt ist verboten, bis sie passiert. Mobbing ist verboten, bis es viral geht und Seelen tötet. Regeln existieren, aber nur noch als dekorative Wandtattoos – „Unsere Klassenregeln“ als ästhetisches Statement. Lehrkräfte sollen Ordnung halten, aber ohne Werkzeuge, ohne Sanktionen, ohne Autorität. Ein Auftrag, der nur noch ironisch, oftmals gar nicht mehr, zu ertragen ist.
„Problematische Schüler könnten weder sitzenbleiben noch von der Schule verwiesen werden. In den 9. und 10. Klassen dürften keine Tadel und Verweise auf dem Zeugnis stehen. Auf dem Abschlusszeugnis dürften nicht einmal Fehlzeiten aufgelistet werden.“
Das ist kein Bildungssystem, das ist die Kulisse eines Films, der längst gedreht wird: „Absurdistan – Die Fassade der Wohlfühlschule“.
Man hat die Realität abgeschafft, indem man ihre Dokumentation verboten hat. Fehlzeiten verschwinden, Disziplinverstöße verschwinden, Verantwortung verschwindet, fachliche Anforderungen und Standards verschwinden – und mit ihnen der Leistungsgedanke, der früher einmal selbstverständlich war und heute als Zumutung gilt. Am Ende wundert man sich, was bleibt.
So entsteht eine Schule, in der Regeln zwar existieren, aber nur noch als dekorative Restbestände eines Systems, das längst kapituliert hat. Und die, die sie durchsetzen sollen, stehen ohne Handhabe da – verantwortlich gemacht, aber machtlos gehalten.
Wer ist (tut) 2026 noch überraschtt?
Es ist über Jahrzehnte so bestellt und geliefert worden.
Geliefert wie bestellt.
(Schauen wir mal, was Schland bis 2035 noch so bestellt.)
„Geliefert wie bestellt“ – ist der zynische Dauerslogan auf Rechtsaußen, wenn es um gesellschaftliche Probleme (egal welche) geht.
Gerne mal konkret auf das Thema Jugendgewalt nachgefragt: Wer liefert hier was – und wer hat das dann „über Jahrzehnte“ bestellt? Ab wann wurde denn „bestellt“ – 1989, 1945?
Übrigens, wer’s lieber sachlich mag: „Deutlich weniger Jugendgewalt als vor zwei Jahrzehnten (trotz Anstiegs 2022)“. Gerne hier nachlesen: https://www.news4teachers.de/2023/11/kriminologe-weniger-jugendgewalt-als-vor-zwei-jahrzehnten-trotz-anstiegs-2022/
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Aber auch: zunehmende Gewalt gegen Lehrkräfte:
https//www.news4teachers.de/2026/04/zunehmende-gewalt-gegen-lehrkraefte-es-ist-sehr-deutlich-auch-eine-erziehungsfrage/
„Bestellt“ hat man offenbar die Abschaffung aller Strafen für Schüler, die diese fürchten könnten. Immer mehr wird einfach so hingenommen. Eine gesunde Entwicklung ist das nicht. Man stelle sich dasselbe mal bei Verkehrsrowdys vor. Wie sähe da unser Straßenverkehr aus?
„‚Bestellt‘ hat man offenbar die Abschaffung aller Strafen für Schüler, die diese fürchten könnten.“ Welche denn – Prügel? Geldstrafen wie im Straßenverkehr gab es nie. Sind auch schwierig bei jungen Menschen ohne Einkommen. Und strafrechtlich Relevantes in der Schule ist auch immer noch strafrechtlich relevant. Also gerne mal konkretisieren.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Da gab es mal: nachsitzen, Vermerke auf Zeugnissen, Androhung des Verweises von der Schule, Verweis von der Schule, Strafarbeiten. Es gab auch mal eine Zeit, da hat die höhere Schulverwaltung die Lehrer unterstützt anstatt die Missetäter noch gegen die Lehrer zu ermutigen „mir kann keiner“.
Auch pflegte man die Eltern verantwortlich zu machen, zumindest im zivilrechtlichen Sinne. An Baustellen stand: „Eltern haften für ihre Kinder“. Das ginge in Schulen auch, wenn einer dem anderen Schaden zufügt. Das betrifft im Amtsdeutsch „Vorfälle, bei denen eine medizinische Behandlung notwendig wurde“. Selbst bei Unfällen fragen Krankenkassen, ob es ein Verschulden Dritter gab. Die müssen dann ggfs. zahlen. Könnte man das nicht mal klar kommunizieren?
Kurz: Es gab mal Motivationen für Eltern, ihren Kindern zu sagen „du hast dich in der Schule anständig zu benehmen, sonst hat das Konsequenzen für dich.“ Heute laufen die lieber zum Anwalt, um alle Unverschämtheiten ihrer Kinder zu rechtfertigen.
Vermerke auf Zeugnissen, Androhung des Verweises von der Schule, Verweis von der Schule – beeindrucken Schüler, die mit der Schule innerlich abgeschlossen haben, genau wie? Verweise gibt es übrigens noch, genauso wie Nachsitzen und Strafarbeiten.
„Auch pflegte man die Eltern verantwortlich zu machen, zumindest im zivilrechtlichen Sinne. An Baustellen stand: ‚Eltern haften für ihre Kinder‘. Das ginge in Schulen auch.“
Solche Schilder an Schulen zu montieren, wäre neu. Hat es früher nicht gegeben (wir bezweifeln auch die Sinnhaftigkeit).
„Es gab mal Motivationen für Eltern“ – mag sein. Wir sprachen aber über wirkungsvolle Sanktionen für Schüler, die es heute angeblich nicht mehr gibt.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Jaja, Sie bezweifeln ALLE Sinnhaftigkeit außerhalb der Kuschelpädagogik.
Zu den Strafen könnte man hinzufügen: Entzug von Privilegien. Wer etwa gewalttätig wurde, fährt NIE MEHR auf eine Klassenfahrt, darf nie mehr auf einen Schulausflug, sondern muss in der Schule derweil Aufsätze schreiben zum Thema „wie soll ich mich in der Schule benehmen“.
Das Zivilrechtliche ist ein ernstes Thema. Es gab einen Aufsehen erregenden Prozess gegen zwei noch nicht 14-jährige Mädchen, die eine Mitschülerin brutal ermordet hatten. Sie wurden nicht bestraft im Strafrecht, aber sie wurden zu hohen Zahlungen an die Familie des Opfers verdonnert, die sie später (vermutlich zeitlebens) abzahlen müssen. DAS ist eine Strafe. Entsprechendes würde gelten, wenn jemand mit einem Messer zusticht, und das Oper wird Invalide. Man müsste nur kommunizieren, dass auch unter 14-Jährige zivilrechtlich haften. Die Eltern dürfen wohl auch einspringen, aber die werden kein Interesse haben und folglich etwas Druck auf ihre lieben, zartbesaiteten Sprößlinge ausüben: Benimm dich in der Schule anständig. Was soll dagegen sprechen? Nicht die Moral, sondern das Geld regiert die Welt. Auch kleinere Bußgelder könnten Wirkung zeigen, wenn das Taschengeld für ein halbes Jahr dabei draufgeht.
„Jaja, Sie bezweifeln ALLE Sinnhaftigkeit außerhalb der Kuschelpädagogik.“
Wir wissen, ehrlich gesagt, nicht, was „Kuschelpädagogik“ sein soll – gerne konkretisieren. Wie wir dem bisherigen Diskussionsverlauf entnehmen, kommt dann ja nicht so viel, wenn man die Argumente mal auf ihren Gehalt abklopft.
„Entzug von Privilegien. Wer etwa gewalttätig wurde, fährt NIE MEHR auf eine Klassenfahrt“ – das wurde früher so paktiziert und darf heute nicht mehr angewendet werden? Wo steht das? Fakt ist: Selbstverständlich dürfen Schülerinnen und Schüler von Klassenfahrten ausgeschlossen werden. Bloß nicht lebenslang (und wir bezweifeln, dass es das jemals gegeben hat).
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Bevor das erste Kind geboren wurde sind wir aufs Land gezogen- Kleine Kita, dann Privatschule. Ich sags mal so: fachlich ist das was geboten wird sicher nicht das gelbe vom Ei. Dafür fehlen die Mittel. Doch es keine Smartphones an der Schule. Und Gewalt ist, wenn ein Zweitklässer dem anderen Sand ins Gesicht wirft, oder Gerangel zwischen Fünftklässlern.
Selbst in der 30000-Einwohner-Stadt in der ich aufgewachsen bin höre ich nun von Geschichten wie Schutzgelderpressung auf dem Schulweg, wenn ich dort mal zu Besuch bin.
Ich bin so froh über die Entscheidung nun in Entfernung von jeder Großstadt zu leben und das die Kinder einfach Kinder sein können und draußen spielen ohne das ich ständig aufpassen muss.
Ganz ehrlich, mich macht die Vorstellung einer völlig machtlosen Schule eher traurig als beruhigt.
Ich habe großes Glück mit meinen Kindern und bin froh, wenn ich als Alleinerziehende Familie und Beruf halbwegs unter einen Hut bekomme. Aber ich frage mich manchmal, was eigentlich wäre, wenn eines meiner Kinder ernsthafte Probleme hätte und anderen das Leben schwer machen würde.
Dann würde ich mir gerade von der Schule als pädagogischer Institution Unterstützung, Orientierung und Lösungen erhoffen.
Und gleichzeitig bin ich nicht bereit, Schule zu einem Ort verkommen zu lassen, an dem Gewalt und Ausgrenzung auf Schülerseite und Hilflosigkeit und Resignation auf Erwachsenenseite als Normalzustand akzeptiert werden.
Was mich besonders bedrückt, ist die Vorstellung, dass am Ende die Opfer die Schule wechseln, in Therapie gehen oder sich zurückziehen, während sich Täter und Umfeld irgendwie arrangieren. Und nicht selten fühlen sich offenbar sogar Lehrkräfte allein gelassen.
Ich erwarte keine Wunder. Aber wenn Schule zu Recht für sich in Anspruch nimmt, mehr zu sein als reine Wissensvermittlung, dann darf sie sich aus meiner Sicht auch nicht darauf beschränken, zu erklären, warum leider nichts möglich ist.
Vielleicht denke ich da zu naiv. Aber ich möchte einfach nicht akzeptieren, dass Gewalt, Mobbing und Resignation zum normalen Schulalltag gehören sollen.
Und ganz ehrlich, wenn eines meiner Kinder andere mobben würde, dann wäre mein erster Gedanke nicht, dass man das eben hinnehmen muss. Ich würde mir wünschen, dass die Schule hilft. Dafür haben wir sie doch auch.
„Ich würde mir wünschen, dass die Schule hilft. Dafür haben wir sie doch auch.“
Völlig verständlich. Stattet Schule halt ordentlich aus: Multiprofessionelle Teams, gesamtgesellschaftlicher Respekt usw. Fehlende Ressourcen (in jedem Sinne des Wortes) = fehlerhafte Funktion. So einfach ist das.