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Bildungsmesse „didacta“ startet: Verlage drängen ins Digitale – am Bedarf vorbei?

HANNOVER. Der Kontrast könnte größer kaum sein. Während der VBE nach einer Umfrage unter Lehrern in Deutschland feststellt, dass die IT-Ausstattung der Schulen „mittelalterlich“ sei, drängen die Bildungsverlage mit Macht ins Digitale. Die Lehr- und Lernmittelanbieter  präsentieren auf der heute in Hannover startenden Bildungsmesse „didacta“ elektronische Angebote, die von der Diagnostik über eine individualisierte Förderung, von Sprachen-Apps bis hin zum Online-Atlas alles in allem eine pädagogische Rundum-Versorgung versprechen. Fragt sich nur, ob die Zielgruppe – die Lehrerinnen und Lehrer also – diese Angebote auch annehmen (können).

Zur "didacta" in Hannover werden bis zu 100.000 Besucher erwartet - die meisten davon Lehrer. Foto: Koelnmesse Bilddatenbank

Zur „didacta“ in Hannover werden bis zu 100.000 Besucher erwartet – die meisten davon Lehrer. Foto: Koelnmesse Bilddatenbank

So kündigt der Ernst Klett Verlag zur Messe an, sein Online-Diagnoseportal „Testen und Fördern“ schrittweise zu einer individuellen Lernumgebung ausbauen zu wollen. „Damit können Lehrkräfte auf Basis der Lernstandsdiagnose-Tests interaktive Fördermaterialien auch online zur Bearbeitung zuweisen“, heißt es. Werde bei einem Schüler ein Förderbedarf identifiziert, erstelle die Online-Diagnose passend zum Bundesland, zur Schulform und zur Klasse automatisch einen Förderplan mit darauf abgestimmten Print-Materialien. Dieses interaktive Fördermaterial stehe dann für den Einsatz im Unterricht oder zur selbständigen Bearbeitung zur Verfügung. Die Lösungen erhalten die Schüler am Ende der Übungen zur Selbstkontrolle eingeblendet. In Portal  stünden aktuell rund 500 Lernstandtests zu mehr als 40 Standardwerken in den Fächern Deutsch, Mathematik, Englisch, Französisch und Latein zur Verfügung. Alle Tests orientierten sich an den definierten Kompetenzen der Bildungspläne.

Zur Klett-Gruppe gehört auch der Sprachenverlag Pons, und der kooperiert nun mit niemand geringerem als dem Hardware-Giganten Samsung. Der steckt nämlich hinter der Initiative „Digitale Bildung Neu Denken“, für die Pons künftig Inhalte bereitstellen wird. Schulen, die an einem Modellprojekt der Initiative teilnehmen, sollen künftig vom Angebot kostenfreier Sprachen-Apps profitieren.

Wie können Lehrer und Schüler am besten von den technischen Möglichkeiten profitieren? Welche Auswirkungen hat der Einsatz von Whiteboards und Tablets auf die Didaktik? Die Westermann Gruppe will diese Fragen vor allem mit dem digitalen Diercke Weltatlas und dem Lernportal kapiert.de beantworten. Den Klassiker unter den Atlanten wird es erstmals als komplett digitale Ausgabe geben – angereichert um dreidimensionale Karten. Digitale Bildungsmedien haben vor allem zwei Vorteile, so heißt es bei Westermann: „Sie steigern die Anschaulichkeit, und sie helfen, selbständiges Lernen zu organisieren.“ Letzteres soll das neue Lernportal kapiert.de befördern, eine Online-Plattform zur individuellen Förderung in den Hauptfächern – zunächst für die Klassen 7 und 8, in weiteren Ausbaustufen in Klassen 9 und 10 sowie 5 und 6.

Cornelsen gratuliert sich zur „didacta“ selbst: „happy birthday“, so heißt es in einer Pressemitteilung mit Blick auf das einjährige Bestehen seiner Onlineplattform scook.de. „Viel ist passiert seit dem ‚Livegang‘: Rund 50.000 Nutzer haben sich bisher registriert, immer öfter heißt es in vielen Klassenzimmern: ‚Öffnet Euer digitales Schulbuch auf scook!‘“ Wohl wahr: Viel ist seit dem Start des ambitionierten Projektes bei Cornelsen geschehen. So musste Geschäftsführer Alexander Bob seinen Hut nehmen. Sein Nachfolger Wolf-Rüdiger Feldmann, bislang Mitglied im Vorstand der Franz Cornelsen Stiftung, hat das operative Geschäft nur Übergangsweise übernommen, bis die Nachfolge geregelt ist. Cornelsen bleibt bei scook.de auf Kurs: Zur „didacta“  gehen Filme und Materialien der Mediathek des FWU online. Mit der Stiftung Lesen starte eine enge Zusammenarbeit im Bereich der Leseförderung, kündigt der Verlag an: Zum Auftakt wird Lesepatin Motsi Mabuse eine Unterrichtsstunde durchführen.

Schulen seien weit davon entfernt, dass der PC für Lehrkräfte zum alltäglichen persönlichen Arbeitsgerät am Arbeitsplatz Schule zähle, so kommentierte der VBE unlängst die Ergebnisse einer Umfrage unter Lehrern. PCs stehen danach in der Regel als Einzelexemplar im Lehrerzimmer, bei der Schulleitung oder in Computerräumen. „22 Prozent aller befragten Lehrer haben nicht einmal Zugang zu einem solchen PC. Von den befragten Grundschullehrkräften haben 27 Prozent keinerlei Zugang zu einem Dienst-PC“, sagte VBE-Chef Udo Beckmann, insbesondere die Grundschulen seien abgehängt. Ein schnelles Internet würden nur 59 Prozent der befragten Grundschullehrkräfte für ihre Schule angeben. Den Zugang an der Grundschule zu einer geschützten Online-Plattform für Unterricht, Hausaufgaben oder Elternkontakte bestätigte nur ein knappes Drittel. News4teachers

Zum Bericht: Internetbotschafterin Joost fordert digitale Schulstrategie

2 Kommentare

  1. Zielgruppe sind nicht Lehrer und Lehrerinnen sondern Zielgruppe sind die Sachaufwandsträger – heißt, diejenigen, die alles bezahlen müssen. Da der Staat kein Geld hat ist abzusehen, worauf es hinausläuft.

  2. die Schulbücher als pdf-dateien sind eine überaus praktische sache. die hohen preise weniger, die auf nur fünf jahre beschränkten digitalen lizenzen noch viel weniger, weil für lehrer viel zu kurz (keine schule kann alle fünf jahre neue lehrwerkreihen bezahlen). insgesamt forcieren die verlage das digitale, weil sie damit ohne viel aufwand und kaum kosten viel geld verdienen können.

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