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„Wir erleben eine Aggressivität, eine Sprache des Hasses“: VBE fordert einen besseren Umgangston (nicht nur) in der Schule

STUTTGART. Der VBE prangert eine „zunehmende Verrohung der Sprache an, die vor allem in den Talent- und Talkshows der Privatsender, in einschlägigen Filmen, bisweilen in der Werbung und besonders in den sozialen Netzwerken Alltag und somit scheinbar normaler Umgangston ist“. Wenn rund jedes fünfte Kind bei seiner Einschulung unter Spracharmut leide, entwickle sich der Wortschatz dieser Schüler durch schlechte Vorbilder obendrein auch noch in die falsche Richtung, bemängelt VBE-Sprecher Michael Gomolzig. Der nordrhein-westfälische Schwesternverband stößt ins gleiche Horn – und unterstützt eine Aktion des Bayerischen Lehrerinnen- und Lehrerverbands (BLLV).

Der VBE stellt eine Verrohung der Sprache fest. Foto: ulsen / flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

Der VBE stellt eine Verrohung der Sprache fest. Foto: ulsen / flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

Mit Blick auf die Zunahme der Gossensprache mit Ausdrücken wie „Wichser“, „Spast“ und „Schlampe“, die heutigen Schülern wie selbstverständlich über die Lippen gehen, hält der VBE es für wichtig, dass im Elternhaus und in der Schule frühzeitig und verstärkt Wert auf einen „guten Umgangston“ gelegt wird. Dabei geht es nicht darum, den Kindern und Jugendlichen ihren eigenen Jargon auszureden, mit dem sie sich bewusst oder unbewusst von den Erwachsenen abgrenzen wollen. Es müsse jedoch nicht jedes Alltagsmissgeschick mit „Scheiße“ kommentiert werden, meint VBE-Sprecher Gomolzig – und kritisiert den inflationären Gebrauch von Kraftausdrücken auch in der Schule. Er fordert mehr Nachdenklichkeit sowie einen wieder bewussteren Einsatz von Sprache. Denn: Durch eine primitivere Umgangssprache sinke die Hemmschwelle für verbale Attacken. Gewalt bei Kindern und Jugendlichen beginne meist mit Beleidigungen.

„Mit größter Sorge“

„Wir Lehrerinnen und Lehrer beobachten mit größter Sorge, wie sich die Stimmung, die Kommunikation in den sozialen Netzwerken und die alltäglichen Umgangsformen in unserer Gesellschaft verändern», erklärt auch Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des VBE und gleichzeitig Chef des NRW-Landesverbands. In einer Erklärung heißt es: „Wir erleben eine Aggressivität, eine Sprache des Hasses, der Geringschätzung und Diskriminierung, persönliche Beleidigungen, bewusste Kränkungen und Ausgrenzung in Wort und Handeln. Diese Verrohung des Umgangs miteinander wirkt sich auch auf unsere Kinder und Jugendlichen aus. Als Lehrerinnen und Lehrer, die täglich mit allen Kindern und Jugendlichen dieser Gesellschaft arbeiten, sehen wir uns deshalb in der Pflicht, auf diese Entwicklung hinzuweisen und ihr entgegenzuwirken.“

Der VBE beobachte, wie die Gesellschaft gespalten und Menschen emotional aufgehetzt werden solle. „Extreme Gruppierungen und Personen tragen zu dieser Verrohung des Umgangs maßgeblich bei. Damit wird der Boden bereitet für Zwietracht, Verfolgung und physische Gewalt. Hass, Aggressionen und Angst aber zerstören Gemeinschaft – egal, ob im Klassenzimmer, in der Schule oder zwischen den Nationen Europas. Sachliche und respektvolle Kontroversen, wie wir sie in der Gesellschaft und im privaten Leben brauchen, werden dadurch zunehmend erschwert. Wir wollen, dass unsere Kinder in einer weltoffenen Gesellschaft leben. Unsere Kinder sollen Respekt, Wertschätzung und Interesse für die anderen Menschen erleben und leben – unabhängig davon, welcher Religion sie angehören, welche Hautfarbe sie haben, welche Muttersprache sie sprechen und welche Meinung sie vertreten.“

Beckmann betont: „Wir sehen es als unsere Pflicht an, unsere Gesellschaft vor Spaltung, Brutalität, Rücksichtslosigkeit und Radikalisierung zu schützen und so unsere Demokratie zu bewahren. Wir lassen uns nicht einschüchtern und setzen uns selbstbewusst und kompromisslos dafür ein.“ Die Landeskonferenz des NRW-VBE habe sich dem Manifest des BLLV gegen die Verrohung der Sprache angeschlossen. News4teachers hat darüber berichtet.

Gomolzig meint: „Eine gute Ausdrucksfähigkeit und ein höflicherer Umgangston sind erstrebenswerte fächerübergreifende Lernziele und Kompetenzen, die nicht nur für die Berufsfindung notwendig sind. Kinder und Jugendliche müssen weg vom groben Gassenjargon und zu einer ‚gepflegteren‘ Umgangssprache kommen.“ Eltern und Lehrkräfte sollten dabei ihre tägliche Vorbildfunktion nutzen. Von den Medienkonzernen sei dagegen keine Unterstützung zu erwarten: Die Fernsehprogramme würden kaum geändert, solange sinkende Einschaltquoten die Verantwortlichen nicht zum Umdenken zwingen. Agentur für Bildungsjournalismus

Zum Bericht: VBE beobachtet sprachliche Verrohung vieler Schüler – und regt an, zu Hause und in der Schule stärker auf den Umgangston zu achten

 

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